Streit um Incirlik bleibt ungelöst, Merkel deutet Abzug an

20160224_Tornado_Incirlik

Auch nach einem Gespräch zwischen Bundeskanzlerin Angela Merkel und dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan scheinen die zahlreichen Konfliktpunkte zwischen beiden Ländern ungelöst – vor allem aber: Der Streit um das Verbot der Türkei für Bundestagsabgeordnete, Bundeswehrsoldaten auf der türkischen Basis Incirlik zu besuchen, schwelt weiter.

Merkel und Erdoğan waren am (heutigen) Donnerstag in Brüssel am Rande des NATO-Gipfeltreffens zusammengekommen. Am Abend veröffentlichte die Bundesregierung eine knappe Presseerklärung, hier in voller Länge:

Bilaterales Gespräch zwischen Bundeskanzlerin Merkel und dem türkischen Präsidenten Erdoğan am Rande des NATO-Treffens in Brüssel
Der Sprecher der Bundesregierung, Steffen Seibert, teilt mit:
Bundeskanzlerin Angela Merkel und der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan haben am Rande des NATO-Treffens ein Gespräch über derzeitige Belastungen der deutsch-türkischen Beziehungen geführt.
Die Bundeskanzlerin hat noch einmal darauf hingewiesen, dass es unabdingbar ist, dass Bundestagsabgeordnete ihre Bundeswehr im Auslandseinsatz besuchen können. Außerdem hat sich die Bundeskanzlerin erneut für eine rechtsstaatliche Behandlung inhaftierter deutscher Staatsbürger eingesetzt und dabei insbesondere die Freilassung von Deniz Yücel gefordert.

Das ist angesichts der bei solchen Protokollmitteilungen üblichen Wortwahl eine starke Formulierung. Oder besser: Nicht-Formulierung. Kein vertrauensvolles oder konstruktives Gespräch, keine Erwähnung zu Erdoğans Antwort.

Mit anderen Worten: Da hat sich nichts bewegt.

Vor dem Gespräch hatte Merkel ziemlich deutlich erklärt, dass ein Abzug der deutschen Soldaten aus Incirlik anstehe, wenn es da keine Bewegung gebe. Das Transkript ihrer Aussagen bei der Ankunft bei der NATO, ebenfalls in voller Länge:

Merkel: Guten Tag! Ich freue mich, dass wir heute das neue NATO-Hauptquartier eröffnen können. Ein Stück der Berliner Mauer wird hier auch an die Zeit des Kalten Krieges erinnern und zeigen: Wir haben es auch mithilfe der NATO geschafft, diesen Kalten Krieg zu überwinden und Freiheit und Demokratie weiter durchzusetzen. Wir werden hier heute außerdem das neue NATO-Mitglied Montenegro begrüßen.

Ich freue mich, dass alle Mitgliedstaaten der NATO noch einmal bekräftigen, dass die NATO der zentrale Pfeiler unserer gemeinsamen Sicherheit ist und wir uns in Solidarität für unsere gemeinsame Sicherheit verbunden fühlen. Deutschland leistet dazu ja auch seine Beiträge, sei es durch die Luftüberwachung in den baltischen Staaten, sei es durch unseren Einsatz in Afghanistan oder auch durch unseren Beitrag im Kampf gegen den IS.

Die NATO wird jetzt, nachdem alle Mitgliedstaaten und auch die EU in der Koalition gegen den IS vertreten sind, auch formal dieser Allianz beitreten. Ich glaube, das ist ein starkes Zeichen wobei klar ist, dass damit keine neuen Beiträge Deutschlands über das hinaus, was wir bisher tun, verbunden sind.

Wir werden hier auch noch einmal die Beschlüsse von Wales bestätigen bestätigen heißt nicht mehr und nicht weniger. Ich freue mich, dass der NATO-Generalsekretär auch mit Blick auf Deutschland gesagt hat, dass es gut ist, dass wir in einer großen Koalition unseren Verteidigungsetat erhöht haben und dass damit auch eine bessere Absicherung unserer Beiträge für die NATO möglich ist. Wir freuen uns auch, dass in Zukunft nicht nur gefragt wird „Wie viel wird für Verteidigung ausgegeben?“, sondern auch „Was stellt man als Land der NATO zur Verfügung, welche Fähigkeiten haben wir und welche Beiträge leisten wir?“. Ich glaube, hier kann sich Deutschland sehen lassen, und das werde ich hier auch deutlich machen.

Frage: Werden Sie auch etwas zu İncirlik sagen?

Merkel: Ich werde im Gespräch mit dem türkischen Präsidenten sehr deutlich machen, dass es für uns unabdingbar ist weil wir eine Parlamentsarmee haben , dass unsere Soldaten durch die Mitglieder des Deutschen Bundestages besucht werden können. Ansonsten müssen wir İncirlik verlassen. Das ist sozusagen konstitutiv für das Tätigsein der Bundeswehr.

Viel Luft bleibt da nicht mehr, angesichts der Kanzlerinnen-Aussage Das ist sozusagen konstitutiv für das Tätigsein der Bundeswehr. Der Streit war in der vergangenen Woche eskaliert, nachdem die Türkei erneut einen Parlamentarier-Besuch verboten hatte.

(Archivbild: Vorbereitung von Tornados vor dem Start zu einem Einsatzaufklärungsflug auf der Air Base Incirlik im Rahmen der Mission Counter Daesh am 24.02.2016 – Foto Bundeswehr)

47 Gedanken zu „Streit um Incirlik bleibt ungelöst, Merkel deutet Abzug an

  1. Fragen eines Unwissenden:
    – wie schnell ginge ein Umzug? (frühestens los und wie lange dauert sowas)
    – was sind die alternativen Standorte? (für die Tornados, Airbus und Awacs)

  2. @Micha

    Einfach mal in vorangegangenen threads nachlesen… der aktuellste ist oben verlinkt. Danke.

  3. Die Personen Erdogan und Merkel könnten unterschiedlicher nicht sein. Erdogan versteht sich – trotz Abschuss eines russischen Jets- mit Putin und anderen autoritären Herrschern wesentlich besser, politisch und persönlich.
    Ich sehe langfristig die Türkei unter Erdogan nicht mehr in der NATO. Der Abzug aus Incirlik wird so oder so in naher Zukunft kommen.

  4. Frage: Ist Incirlik, als Stützpunkt für DEU vom vitalen Sicherheitsinteresse relevant?
    Falls nicht, dann gibt es doch Alternativen?! Jordanien zum Beispiel. Israel wäre auch nicht schlecht, obwohl die das niemals erlauben würden;)

    Und ehrlich gesagt, warum sollte DEU dem neuen „Erdolf Hütler“ klein beigeben? Den, von der TUR aus drohenden „Migranten“ Druck, kann doch DEU locker hinnehmen. Schliesslich „schleppen“ wir doch eine Menge über das Mittelmeer hier rein. Da spielt das bisschen über die TUR nun wirklich keine Rolle mehr.
    Wie dem auch sei, ich verstehe wirklich nicht, warum Incirlik so wichtig ist.

  5. Der europäische Teil der NATO sollte sich vielleicht doch langsam mal überlegen, ob man nicht zwei Flugzeugträgergruppen aufstellen sollte. Wer überall auf der Welt mitgeigen will, sollte nicht jedes mal fragen müssen, ob er mal den Konzertsaal haben kann.

  6. @UmPp
    Zu Incirlik einfach mal die letzten Einträge lesen. Da steht auch, dass UvdL letzt in Jordanien war.
    Warum Incirlik so toll ist? Man ist auf dem Flughafen mit anderen beteiligten der Coalition, hat gut Infrastruktur und die Türkei ist NATO-Land + kurze Anflugwege.

    Was den Migrantendruck angeht wäre ich da nicht so sicher. Ist bald Bundestagswahl. Wenn dann wieder tausende Flüchtlinge an unsere Türen klopfen…

    Der Erdogan -> Hitler Vergleich ist geschmacklos und unnötig.

  7. SPON meldet, das die Türkei Politikerbesuchen bei deutschen Awacs-Soldaten zustimmt

  8. Sicher sollte und muß man immer über die eigene Meinung vor allem, wenn man im Namen des Staates handelt, nachdenken, aber zu häufig braucht da jemand zu lange. Und wenn man jetzt einknickt und nicht abzieht, dann zeigt das nur wie sehr man sich am Nasenring durch die Manege führen lässt. Ein Abzug hätte viel früher erfolgen müssen und können, die Alternativen gab es schon vorher, und nein es sind Reserven vorhanden. Dann müssen die halt früher raus in den neuen Stützpunkt und die „alten Kräfte“ ohne Flugzeuge werden dann abgezogen. So unflexibel kann die Luftwaffe nicht sein, dass sie meint drei Monate ausfallen zu können und dürfen – ehrlich wer will das den erzählen. Das wird mir der vom Heer kommt keiner von der Luftwaffe erzählen können.

  9. @Philip Runge

    > SPON meldet, das die Türkei Politikerbesuchen bei deutschen Awacs-Soldaten zustimmt

    Das ist eine andere Bautselle, die Awacs-Einheiten sind auf dem NATO-Stützpunkt Konya stationiert, die Türkei kann hier praktisch keine Vorschriften da alles streng vertraglich geregelt ist. Bei einem Vertragsbruch bekommt man Ärger mit der ganzen NATO.

    Incirlik ist aber ein türkischer Stützpunkt der defakto auf Goodwill der Türkei genutzt wird.

  10. TomCat schrieb:“Der europäische Teil der NATO sollte sich vielleicht doch langsam mal überlegen, ob man nicht zwei Flugzeugträgergruppen aufstellen sollte. Wer überall auf der Welt mitgeigen will, sollte nicht jedes mal fragen müssen, ob er mal den Konzertsaal haben kann.“

    Alternative: Man macht keine Auslandstourneen sondern nur Vorstellungen zuhause.

  11. Woher rührt eigentlich diese plötzliche Sehnsucht unserer Parlamentarier nach den Soldanten in Incirlik? Hat das möglicherweise mit dem Ereignis im kommenden September zu tun? Die Linke stichelt ein wenig, die Regierungsparteien springen auf den Zug auf (ist ja bald September), vdL muß natürlich auch mit- und schließlich voranlaufen. Und jetzt also noch Merkel.

    Da stellt sich mir schon die Frage, wie oft ansonsten besuchen eigentlich die Parlamentarier unsere Soldaten im Ausland?

  12. Delegibus | 26. Mai 2017 – 19:38
    “ … Da stellt sich mir schon die Frage, wie oft ansonsten besuchen eigentlich die Parlamentarier unsere Soldaten im Ausland?“
    Viel zu oft!
    Hans Schommer

  13. @Delegibus
    “ … wie oft ansonsten besuchen eigentlich die Parlamentarier unsere Soldaten im Ausland?
    Regelmäßig, und zwar so häufig, dass Truppe froh ist, wenn ein Besuch mal ausfällt.

  14. halb offtopic, wo ist das Bällebad? :)

    Die Tagesschau berichtet unter „Drohnendeal durch die Hintertür“ dass

    – Heron TP im Rahmen eines „government-to-government“-Abkommens beschafft werden, die Vereinbarung sei „bereits endverhandelt“. Unterzeichnet werden soll sie offenbar noch vor der parlamentarischen Sommerpause.

    – die geplante Stationierung in Israel erfolgt.
    BW Drohnen, die auch bewaffnet werden können, in Israel??
    @Topic: Ist bekannt wo die stationiert werden? Warum werden die Aufklärungs-Tornardos nicht in Israel stationiert, damit Israel kein Ziel für den IS wird?
    Für den Einsatzbereich der BRD sind die waffenfähigen Drohnen weder zugelassen noch vorgesehen, ist sicher verklausuliert im Weissbuch abgedeckt..

    [Sie haben gerade den schlagenden Beweis geliefert, dass das Bällebad erkennbar nicht notwendig ist – und dass Sie offensichtlich die thematischen Threads gar nicht erst lesen? Die Stationierung der geleasten Drohnen ist seit über einem Jahr bekannte Planung, das mit dem government-to-government-Abkommen gab es kürzlich auch hier zu lesen. Also Schluss mit dem OT und mal nachlesen. Danke. T.W.]

  15. @. T.W.
    Ich hatte die Suche nach „Heron“ bemüht, das ergab einen Treffer auf http://augengeradeaus.net/2016/07/bundeswehr-will-heron-drohnen-ab-november-in-mali-fliegen/
    – das unbewaffnete Vorgängermodel?
    – keine Angaben zur Stationierung?

    @topic war die Frage warum die Stationierung waffenfähiger Drohnen in Israel okay sind, Aufklärungs-Tornados nicht; als Verbündeter wäre Israel eine naheliegende Alternative zu Incirlik.

    Es tut mir leid nicht sämtliche Themen inkl. Kommentare dazu gelesen zu habe, offensichtlich war meine Suche mangelhaft.

    [Es hätte sich vielleicht die Suche nach „Heron TP“ angeboten?

    http://augengeradeaus.net/2016/01/dronewatch-israelische-drohnen-fuer-die-bundeswehr-mit-bewaffnung-zusammenfassung/

    Und damit an dieser Stelle bitte nicht weiter den OT. T.W.]

  16. Warum dann nicht eine Verlegung auf einen offiziellen NATO-Stützpunkt innerhalb der Türkei, da die NATO doch soeben Teil der Anti-IS-Koalition ist?

  17. @Alex
    Wäre eine Idee, aber dann kommt E. garantiert mit dem Argument, dass die deutschen Tornado nicht der NATO unterstellt sind und die Opposition wird der Regierugskoalition vorwerfen, dass sich die Regierung hinter der NATO „versteckt“.
    FAZ und Co berichten, dass in ca. 2 Wochen die Koalition wohl einen BT-Beschluß initiieren wird aus Incirlik abzuziehen und die Tornado nach Jordanien zu verlegen (Zeitbedarf ca. 2 Monate). Dann ist diese Hängepartie wohl hoffentlich endlich erledigt.

  18. Kanzlerin gibt noch zwei Wochen Zeit, sonst „wird der Abzug beschlossen“.
    Futur I, das kann dauern, Sommerpause, Wahlkampf, ErdoKHAN wird nachhaltig beeindruckt sein.
    http://www.deutschlandfunk.de/incirlik-spiegel-bundesregierung-setzt-tuerkei-frist.1939.de.html?drn:news_id=749813
    Trump hat sich offensichtlich nicht zugunsten deutscher Verbündeter (sind wir das noch?) eingesetzt.
    Als good will-Bonbon muss Konya herhalten und der DEU Blätterwald erkennt den Unterschied von NATO-Stützpunkt zu dem nationalen Incirlik nicht.

  19. Ne andere Frage. Gab es eigendlich mal eine anfrage der Nato an die deutschen sich mit ihren Tornados aktiv im sinne von Kampfeinsatz zu beteiligen?

  20. @KPK: Gut erkannt, das Besuchsrecht in Konya ist durch das Truppenstatut gesichert. Erdokhan macht die BRD per mangelnder Resilenz Merkels international zum Obst. In der Türkei werden Deutsche in Gefängnissen misshandelt, wir handlungsunfähig. Alternative ist Jordanien, die sind auch nicht besser.

    Warum redet keiner über Zypern? Oder Erbil? Beide Standorte würde eine klare Botschaft schicken (s. vorheriger Faden zum Thema Incirlik/Türkei)

  21. @AoR
    Mit geteilten Staaten kennen wir Deutsche uns aus. Da sprechen zu viele Interesseninhaber mit, hier: geteilt zwischen GRI und TUR, nur der GRI-Teil international anerkannt und EU-Mitglied. Besser nicht.
    Erbil würde als pro-kurdisches Signal (staatliche Souveränität?) verstanden. Besser nicht.
    Bleibt nur Jordanien siehe: http://augengeradeaus.net/2017/05/tuerkei-untersagt-bundestagsabgeordneten-soldaten-besuch-in-incirlik/#comment-269186
    und mehrere dazu infolge, u.a.:
    https://en.wikipedia.org/wiki/Muwaffaq_Salti_Air_Base
    Diese base wäre der neue Einsatz-Fliegerhorst.

    Ganz neuer Ton: In verschiedenen news am Nachmittag, FDP-Lindner: TUR NATO-Mitgliedschaft ist infrage gestellt. „NATO nicht nur Verteidigungsgemeinschaft, sondern auch Wertebündnis. Diese Werte lebt TUR derzeit nicht“.
    Als möglicher künftiger Koalitionspartner und unangefochtener FDP-Boss, die Aussage hat was, und dürfte bei nicht wenigen auch im Wahlkampf Gehör finden.
    Nicht zu vergessen, in traditioneller „Kleiner Koalition“ ist das Außenamt FDP-Domäne.

  22. @KPK: Da stehen wir wieder in trauter Einigkeit vor den Kacheln des Solomonischen Tempels. Mir wären die beiden Stützpunkte als Botschaft erstmal genehm. Ein Rauswurf/Austritt NATO dann am fernen Horizont.

    Gepaart mit entsprechenden Hebeln DE/EU/G7/NATO könnte eine Anpassung des Benimm türkischen Regimes erreicht werden, der Raum Bosporus bliebe erhalten, das Drama und damit verbundene Chaos Neuordnung Türkei nach Linderschen Vorschlaghammer bliebe erspart?

  23. @AoR
    Osmanisch-Türkische Erfahrungen mit dem Oxident, auch TUR Sicht fast ausschließlich von NACHTEIL für die Hohe Pforte und Nachfolger.
    https://de.wikipedia.org/wiki/Sykes-Picot-Abkommen machte die Herrschaft im Nahen Osten zunichte,
    https://de.wikipedia.org/wiki/Vertrag_von_S%C3%A8vres_(Osmanisches_Reich) kostet sie die GRI Besitzungen, den Hedschas, Armenien und Mesopotamien. Sogar eine kurdische Souveränität stand in Aussicht:
    Kurdistan sollte gemäß Artikel 62 Autonomie erhalten, durch Artikel 64 wurde darüber hinaus eine mögliche staatliche Unabhängigkeit in Aussicht gestellt.

    Einzige Beruhigung, der Vertag von Montreux, das Meerengenabkommen gilt unverändert. Die Souveränität über Dardanellen, Marmarameer und vor allem den Bosporus liegt in Ankara, beim neuen Sultan.
    Die starke TUR Position im Bündnis bis 1989 lag im herzlichen Gegensatz zur UdSSR und einer Armee von ca 800.000 Mann.
    Spätestens seit realpolitischer Erwägungen in Moskau und back-to-Osman Empire Anstrengungen bei ErdoKHAN sieht die strategische Interessenausrichtung in Kleinasien vollkommen anders aus: Ziel ist die Hegemonie in Konkurrenz zum KSA und dem Iran. Dass auf „den Westen“ aus Sicht Ankaras dabei nicht zurückgegriffen werden kann, lernen DEU Politiker am Beispiel Incirlik hautnah.
    Die „Drohgebärde“ Merkels, in zwei Wochen Entscheidung zum Abzug“, reicht in AKP-Sicht nicht einmal zu einem müden Lächeln. Wer sich in Nachfolge der Osmanen sieht, lässt sich nicht drohen.

  24. @aor
    oder erbil. Auf die Idee ist tatsächlich noch keiner gekommen. Ist sicherlich technisch und politisch mit entschprechenden aufwand machbar. Es ist nur fraglich ob es politisch so durchgehen würde sich eine deutsche Luftwaffenbasis in einem quasi automen aber nichtnatostaat hinzustellen.

  25. @KPK: Zumindest unbeeindruckt von Symbolik, denn die hat der Orient zu genüge.
    @Dante: Ansprechpartner wäre auch Baghdad und die freuen sich über etwas Bedeutung

  26. @AoR

    Ich schließe Erbil aus, wegen Bagdad das diese Aufwertung im Hinblick auf die mögliche Souveränität Kurdistans wohl nicht sehr erfreut sieht.
    Zudem ist dort noch niemand, der Aufwand zur Sicherung wäre zu groß. Das Objektschutzregiment dürfte auch „ausgebucht“ sein.

  27. @Dante
    Die Idee Erbil ist sicherheitspolitisch derart abwegig, dass da selbst in Berlin auch niemand drauf kommen kann. Es gibt nur Contraindikationen, die hier alle bereits genannt und bewertet wurden.

  28. @T.Wiegold: Ist ihr Twitter-Beitrag als bevorstehende Lösung des Konfliktes zu verstehen oder heißt Liste der Abgeordneten nicht viel mehr, die SPD, CDU und bestimmte Grüne abgeordnete dürfen, aber die Linkspartei und bestimmte Grüne Abgeordnete sollen mit der Liste ausgeschlossen werden?

  29. @KPK
    Warum ist Erbil abwegig? Die Gefahr ist natürlich, daß man den footprint im Irak deutlich vergrößert und somit weiter in die Geschehnisse dort hineingezogen wird.

  30. 1. Die beigefügte Karte mit kurdischen Gebietserwartungen durch die Zeiten sollte Hinweis genug sein zum Verstehen des „no-go“.
    https://de.wikipedia.org/wiki/Kurdistan#/media/File:Umgriffe_Kurdistans.png
    Erbil/Arbil befindet sich im kurdischen Kernsiedlungsgebiet unweit von den nordostwestlichen irakischen Ölfördergebieten.
    Die Stationierung deutscher Truppen in „Kurdistan“, alternativ ausgerechnet zur Türkei, käme einer nicht erklärten Anerkennung kurdischer Ansprüche gleich und bedeutete eine Brüskierung der Türken in ihrem Kampf gegen die PKK. So verdorben das DEU TUR Verhältnis auch ist, eine de-facto Untersützung kurdischer Ansprüche innerhalb der Türkei über den Umweg Erbil, so wäre das kurdische Verständnis, darf nicht passieren.

    2. … ganz abgesehen von der zu erwartenden äußerst prekären militärischen Sicherheitslage im Raum Erbil.

    Kurz: Ich erachte das „no-go“ aus POLITISCHEN Gründen für zwingend geboten (es gibt eine Türkei NACH Erdogan), erst in zweiter Linie aus militärischen Erwägungen.

  31. Die syrischen Kurden nutzen ihre gewachsene Macht unter U.S.-Schirm und unterstreichen damit Einfluss und Macht in „Kurdisch-Syrien“, die Türkei betrachtet es mit Sorge. Jegliche Stärkung der kurdischen Position entspricht einem roten Tuch. Die hier im Faden angesprochene mögliche Verlegung der Tornados nach Erbil liegt auf dieser Linie.
    Die US-gesponserte Syrian Democratic Forces (SDF), in der die kurdische YPG tonangebend führt, nimmt eine Unterhändlerrolle stellvertretend für Washington zum freiwilligen Abzug von Daesh aus ar-Raqqa wahr.
    Verhandlungsinhalt: völlige Vernichtung oder Abzug nach Süd-Ost-Syrien in die Räume Al Mayadeen und Abu Kamal, unmittelbar an der Grenze zum Irak.
    Das durch solchen Deal auch eigene Kräfte geschont würden, wird nicht ohne unbeachtet im Hintergrund stehen.
    Besonderheit: As a result, few ISIS fighters remain in Raqqa. This force is American-trained and armed, and fights under the command of US special forces officers.
    Das hätte was: Ex-Daesh-Kämpfer unter U.S. SOF Führung.

    Sofern die „freiwillige“ Räumung der verbliebenen Daesh de-facto Hauptstadt auf SYR Territorium, ar-Raqqa, gelänge, reduzierte sich eine fortlaufende U.S. Unterstützung für kurdische Kämpfer denn, Daesh-Vernichtung in SYR wäre gleichbedeutend mit dem machbaren Verzicht auf kurdische Kräfte. Hieraus wiederum kann die TUR-RUS Annäherung relativiert werden.
    http://www.debka.com/article/26078/Indirect-US-talks-for-ISIS-fighters-to-exit-Raqqa

  32. Mal sehen, ob die Beschlussfassung im BT schon eher getroffen wird. Die Wahlen lassen grüßen.

  33. @KPK
    Mossul wird ja auch nicht so freiwillig geräumt. Ich denke mal die logik „ihr geht und wir vermeiden dafür die schlacht und die unterstützung der Kurden“ ist für leute von denen die Meisten den Märtyrertod anstreben keine wirkliche option.

  34. @Dante
    Nicht freiwillig, sondern „freiwillig“!
    Die Suche des Märtyrertodes stellt sich offensichtlich nicht mehr als ultima ratio dar. Nicht umsonst streben „die Europäer“ unter den Verblendeten den Weg in sichere europäische Gefilde an, angesichts der bevorstehenden totalen Niederlage. Die Tage des islamischen Ruhms sind dahin.
    Der Bezug zur UNTERSTÜTZUNG der Kurden ergibt sich ausschließlich im Dreiecksverhältnis Kurden-Türken-Russen.

    Mossul geht neben bei dem Ende entgegen und kann nicht mit ar-Raqqa verglichen werden. Die Stadt dient als Mittel zur Wiederaufrichtung des Rufes der irakischen Streitkräfte, was bisher ordentlich gelang. Sie werden sich das nicht nehmen lassen.
    http://www.cbsnews.com/news/iraqi-forces-launch-new-offensive-they-hope-will-be-final-push-to-rid-mosul-of-isis/

  35. @KPK – 10.06 Uhr
    Ich hatte schon einmal darauf hingewisen, dass Debka keine serioese Quelle darstellt und besser nicht zitiert wird, weil meistens reisserisch, politisch eindeutig verortet und v.a. tendenzioes in der Linie. So auch heute.

    Der von Ihnen verlinkte Artikel zweifelt am Ende seiner Ausfuehrungen selbst am Wahrheitsgehalt seiner „Meldung“ und bremst sich selbst aus. Einfach schlecht.
    Somit wird es auch nicht zu den von Ihnen betrachteten Auswirkungen kommen.- –

    Dem IS wird – vordergruendig – der Garaus gemacht. das ist u.a. das kurz-mittelfrisitige Aktionsfeld, das Trump einen sichtbaren Erfolg versprechen kann.
    Damit sind die laufenden Konflikte in der Region, in SYR und im IRK aber keineswegs geloest.
    Auch das Phaenomen IS als islamische Replik auf die vom Westen oktroyierte Globalisierung mit Terror zu reagieren und provozieren ist davon nicht vom Tisch- weder dort, noch in Europa.
    Die Mythologisierung des IS ist ueberdies bereits im Gange und wird bei kommenden Jahrgaengen verfangen. Das Reservoir zukuenftiger Jihadis umfasst den gesamten sunnitischen Siedlungs- und Lebensraum- auch in Europa.

    Ernsthaft verhandelbare politische Loesungen, geschweige eine Strategie, wie es in der Region nach dem IS als eine weite Territorien kontrollierende Macht aussehen koennte- fehlen vollstaendig.
    Das schliesst die grosse Unsicherheit mit ein, dass ein Abgang Assad’s in ein sehr wahrscheinliches Vakuum fuehren wird, das den gegenwaertigen Krieg in eine andere, neue Phase lenken wird, die noch unuebersichtlicher, noch unbeherrschbarer sein lassen wird als das, was Assad als angeschlagener Ordungsfaktor in der Lage ist, noch zu gewaehrleisten.

    Und genau darauf zielt Erdogan uebrigens ab.

  36. @Eric Hagen
    Ihrer Einschätzung von Debka muss ich sicherlich nicht folgen. Gerade die jüngsten Hinweise zur jordanischen Alternative für Incirlik finden sich nach Besuch der IBuK in
    https://en.wikipedia.org/wiki/Muwaffaq_Salti_Air_Base mehr als bestätigt und waren früh bei Debka auffindbar.
    Ihrer Verständnis der Unsicherheiten von „was kommt nach dem Ausschalten von Daesh“ kann ich durchaus folgen. Fehlende Aussagen dazu sowohl in Syrien als auch im Irak. Hinauslaufen wird es im täglichen Leben der Stämme sehr wahrscheinlich auf Pflege des schiitisch-sunnitischen Gegensatzes in bekannten, bleibenden staatlichen Strukturen der arabischen Halbinsel.
    Und ob die USA einen klar umrissenen Plan haben, blieb bei Obama unklar, hat sich bei Trump nicht verbessert.
    Assads Zukunft bleibt rosig, solange Putin auf ihn nicht verzichten kann. Für das Gegenteil gibt es keinerlei Anzeichen.
    Daesh wird endgültig vernichtet werden, was aber nicht bedeutet, dass einzelne Kämpfer nicht weiterhin ihrem Dschihad-Glauben anhängen werden und in Europa sich als Terrorzelle behaupten.
    Dass wird den Europäern weiterhin höchste gesellschaftliche Alarmbereitschaft abfordern, sich aber in MENA kaum mehr hinsichtlich Gefährdung staatlicher Strukturen auswirken können. Das Kalifat eines Abu Bakr al Bagdadi ist Geschichte.

  37. Manchmal gerät man als Außenstehender durchaus in Verlegenheit festzustellen, wer kämpft eigentlich auf wessen Seite mit oder gegen wen.
    Etwas Aufhellung findet sich hier bei bellingcat https://www.bellingcat.com/news/mena/2017/04/29/factions-syrian-civil-war/

    Syrian Opposition
    – Free Syrian Army
    – Southern Front of the Free Syrian Army
    – Ahrar al-Sham
    – Independent Islamists
    Hay’at Tahrir al-Sham
    Transnational Sunni groups
    Coalitions
    Syrian Democratic Forces
    Assad government forces
    – Pro-government militia
    – Shi’ite and non-Syrian groups
    Islamic State
    – Syrian Opposition
    Free Syrian Army

    Obiger Link zeigt sehr umfangreiche Untergliederungen/Zusammenschlüsse, Ausrüstungs- und Unterstützungsdetails unter dem Titel:
    Factions Fighting in the Syrian Civil War.

  38. Erste PK White House nach Rückkehr aus Europa:
    1. President Donald Trump has approved a plan to arm the Syrian Kurdish militia. … The (Syrian Democratic Force), partnered with enabling support from U.S. and coalition forces, are the only force on the ground that can successfully seize Raqqa in the near future …
    Versorgungswege:
    – Ground convoys,
    – C-130s, and
    – air drops are all possible.
    Damit läuft es offenbar doch auf den Endkampf um ar-Raqqa hinaus.
    Unfreundliche TUR Reaktion ist eingepreist:
    Die Türken werden über die Entscheidung zur Bewaffnung der syrischen kurdischen Kräfte bald informiert und das Pentagon erwartet eine „starke“ Reaktion.

    2. The Trump administration mulls sending as many as 5,000 more troops to Afghanistan. Keine Überraschung, wird seit März diskutiert.
    http://www.nbcnews.com/news/us-news/officials-trump-approves-plan-arm-syrian-kurds-n756886

  39. Angriffsbeginn ar-Raqqa rückt näher?
    Seit gestern begonnene Auslieferung an Kurden von
    -heavy machine guns,
    -ammunition,
    -120mm mortars,
    -armored vehicles and possibly
    -TOW anti-tank missiles.
    Aber: They said the U.S. would not provide artillery or surface-to-air missile,
    wozu anzumerken ist, Marines Feldartillerie ist seit Mitte Oktober disloziert, LuBoLFK braucht gegen Daesh niemand, nahezu kein Bedarf.
    http://www.militarytimes.com/articles/us-starts-giving-arms-to-syrian-kurds-ahead-of-raqqa-assault
    Damit wäre ein freier Abzug Daesh nach Süd-Ost-Syrien in die Räume Al Mayadeen und Abu Kamal tatsächlich vom Tisch sein. Siehe mein post 30. Mai 2017 – 10:06.
    Gegenüber TUR Besorgnissen wird versichert, Kurden werden die Ausrüstung nicht innerhalb der Türkei verwenden: Für Erdogan sind alle Kurden Terroristen.

  40. Ich verweise auf meinen Beitrag vom 18. Mai ’17
    http://augengeradeaus.net/2017/05/tuerkei-untersagt-bundestagsabgeordneten-soldaten-besuch-in-incirlik/#comment-269501
    Im Dreiländereck JOR _ SYR _IRK im Raum al-Tanf deutet sich eine Lageverschärfung zwischen U.S. und British Special Forces sowie Assad freundlichen Truppen an; die SOF der Coalition bilden in einer mit Radius 55 km eingerichteten De-Conflictionzone anti-Assadkräfte ausbilden.
    Pro-Assadkräfte bestehend aus Daesh und Hisbollah bedrohen die von CENTCOM eingerichtet Ausbildungsbasis zunehmend. Die Entfernungen zu den jeweiligen nationalen Grenzen bewegen sich in guter 10 km Artillerieentfernung.
    http://www.militarytimes.com/articles/a-showdown-is-looming-between-the-us-syria-and-iran-at-tanf
    Link enthält Karte mit entsprechender Einordnung.
    Hintergrund der Bemühungen al-Tanf zu destabilisieren muss in der Absicht einer durchgehenden iranisch (schiitisch) beherrschten Achse Iran bis zur Levanteküste im alawitischen Siedlungsgebiet Syriens gesehen werden.
    Vorsichtshalber hatten Lfz der Coalition in jüngsten Tagen Flugblätter abgeworfen, die vor einem Angriff gegen die De-Conflictionzone warnen.

  41. @KPK, 10.22Uhr
    „Pro-Assadkräfte bestehend aus Daesh …“ –

    Wie bekommen Sie denn diesen Zusammenhang hin?

  42. @Erich Hagen.
    Oeps, da fehlte das 2. Frühstück, gelobe Besserung.
    Link trifft dazu Aussagen.

  43. Die Boden gebundenen Kräfte CJTF OIR im Raum al-Tanf sehen sich verstärkt.
    Details gibt CJTF OIR nicht bekannt. Von einer abgestimmten Zusammenarbeit mit jordanischer Armee sollte allerdings ausgegangen werden.
    http://www.militarytimes.com/articles/tanf-syria-combatpower-iran
    Offenbar wachsen gegnerische Kräfte außerhalb der De-Confliction-zone mit Radius 55 km auf. Neben Verstärkungen aus Pz und Art bestehend, nimmt die Aufklärungstätigkeit zu.
    Laut NYT nutzt al-Tanf zur Ausbildung von anti-Daesh Kräften, in früheren Aussagen weiterer Medien wird allgemein von anti Assadkräften gesprochen .
    https://pbs.twimg.com/media/DBFDFYpXgAAOsvr.jpg

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