Heeresinspekteur rechnet mit zehn Jahren Aufbauarbeit

Allied Forces take part in Armed Forces and Public Unity Day in Lithuania

Angesichts der weltpolitischen Lage will das Deutsche Heer die Landes- und Bündnisverteidigung wieder in den Mittelpunkt seiner Fähigkeiten stellen – erwartet aber erst in einem Jahrzehnt, dass das nötige Gerät dafür auch vorhanden ist. Es dauere bestimmt zehn Jahre, um auf einen Stand zu kommen, der unserem Bedarf entspricht, sagte Heeresinspekteur Jörg Vollmer bei einem Gespräch mit Journalisten am (gestrigen) Donnerstagabend. Der Generalleutnant kündigte zugleich an, dass das Heer sich darauf einstelle, bei der geplanten rotierenden Bereitstellung eines Bataillons zur Unterstützung des NATO-Partners Litauen bis zur Hälfte der insgesamt 1.200 Soldaten zu entsenden.

Bei der nötigen neuen Ausrüstung nach Jahren der Reduzierung und Außerdienststellung von Material seit dem Ende des Kalten Krieges gehe es darum, all das wieder zu beschaffen, was wir aus nachvollziehbaren Gründen einmal reduziert hatten, sagte Vollmer. Dabei sei viel Geduld gefordert. Inhaltlich schließt der Inspekteur da an seinen Vorgänger an, der schon vor gut einem Jahr die Materiallage des Heeres als Hautproblem genannt hatte.

Exemplarisch für das fehlende Gerät nannte Vollmer Schnellbrücken, die auch die modernen Kampfpanzer tragen könnten, die Technik zum Verlegen von Panzerabwehrminen und vor allem eine moderne Funkausstattung für das Gefechtsfeld.

Gerade bei den Funkgeräten müsse die dringend notwendige Entscheidung für die Nachfolgegeneration getroffen werden, mahnte der Heeresinspekteur. Für die vorhandenen analogen Funksysteme seien ab 2020 und spätestens 2025 keine Ersatzteile mehr zu bekommen, außerdem würden neben Sprechfunk auch immer mehr (digitale) Kommunikationsmöglichkeiten zur Übertragung von Daten gebraucht. Die künftigen Systeme müssten auch mit denen der Verbündeten kompatibel sein. Eine finanzielle Größenordnung für die Neubeschaffung wollte Vollmer nicht nennen; zudem sei bei dieser Neuausrüstung nicht nur das Heer betroffen. Entscheidend sei aber, dass bald Klarheit über das neue System herrsche: Was am meisten drückt, ist das Thema Kommunikation.

Die Bundeswehr prüft seit längerem die Beschaffung von so genanntem Software Defined Radio, digitalen Funkgeräten (die in Deutschland unter der Bezeichnung Streitkräftegemeinsame Verbundfähige Funkgeräteausstattung, SVFuA, laufen). Neben der Beschaffung der Systeme wird die Einrüstung der Systeme in die zahlreichen verschiedenen Transport- und Gefechtsfahrzeuge des Heeres einen Großteil der Kosten ausmachen.

Bei den so genannten Panzerschnellbrücken, die als Faltbrücke kurzfristig über Gewässer und andere Hindernisse gelegt werden können, fehlt dem Heer bislang ein System, dass auch den Kampfpanzer Leopard in der modernen Version 2A6 oder höher tragen kann. Aus finanziellen Gründen wurde die Beschaffung dieser Leguan-Brückensysteme geschoben: Benötigt würden nach Angaben von Vollmer 31 Systeme, eingeplant seien bislang ein solches System für das kommende Jahr sowie zwei weitere für die geplante deutsche Beteiligung an der NATO-Speerspitze, der Very High Readiness Joint Task Force (VJTF) in den Jahren 2018 bis 2020.

Ebenfalls in den vergangenen Jahren ausgemustert wurden Systeme zur Verlegung von Panzerminen – die Sperrfähigkeit haben wir komplett aufgegeben, sagte Vollmer. Geplant sei deshalb, ein altes System auf Lastkraftwagen wieder zu reaktivieren (Details nannte der Inspekteur nicht; gemeint ist vermutlich das Minenverlegesystem 85 aus dem Jahr 1985).  Das Minenwurfsystem Skorpion könne dagegen realistischerweise nicht mehr reaktiviert werden, eventuell müsse über ein Nachfolgesystem nachgedacht werden.

Der Bedarf für diese und andere Geräte sei durchgerechnet, betonte Vollmer. Nach der erklärten Absicht, das Heer wieder vollständig mit dem Gerät auszustatten, das es für seine Aufgaben brauche, müsse jetzt mit der Umsetzung begonnen werden – auch wenn dieser strukturierte Prozess nun Schritt für Schritt angegangen werden müsse. Der Heeresinspekteur lehnte es aber ab, wie sein Vorgänger eine finanzielle Größenordnung für den Bedarf des Heeres zu nennen. Er halte es für kontraproduktiv, mit Einzelzahlen an die Öffentlichkeit zu gehen, sagte Vollmer. Solche Berechnungen seien immer nur in Abstimmung mit der Streitkräftebasis und dem Sanitätsdienst sinnvoll, weil diese Bereiche in das Vorgehen des Heeres mit einbezogen werden müssten.

Mehr Beteiligung an NATO-Präsenz in Litauen möglich

Über eine stärkere ständige Präsenz von NATO-Staaten an der Ostflanke des Bündnisses, also praktisch an der russischen Grenze, wird zwar erst auf dem bevorstehenden NATO-Gipfel im Juli in Warschau entschieden. Allerdings ist bereits jetzt ziemlich klar, dass Deutschland im Rahmen dieser enhanced forward presence ein – ständig rotierendes – Bataillon in Litauen organisieren dürfte. So hatten sich auch der Generalsekretär der Allianz. Jens Stoltenberg, und Bundeskanzlerin Angela Merkel nach ihren jüngsten Gesprächen in Berlin geäußert.

Der deutsche Beitrag dazu wird nach Vollmers Worten mindestens die Führung dieses Verbandes und eine Kampfkompanie umfassen, möglicherweise aber auch eine weitere Kampfkompanie – so dass das Deutsche Heer am Ende rund 600 der insgesamt etwa 1.200 Soldaten stellen könnte. Soldaten aus anderen Bündnisländern sollen hinzukommen.

Geplant sei ein einsatzbereiter Gefechtsverband, der dann auch übt, sagte der Generalleutnant. Allerdings werde es keine dauerhafte Stationierung geben, sondern ein rotierender Einsatz, nach dem die jeweilige Truppe mit ihrem gesamten Material auch wieder abziehe und durch andere Einheiten ersetzt werde. Das eröffne die Möglichkeit, die Truppengattung zu tauschen – und biete für das Heer den großen Vorteil, das lange nicht mehr geübte Verfahren der kompletten Verlegung eines Verbandes immer wieder durchzuspielen.

Insgesamt will die NATO in Warschau vier solcher Bataillone als vorgeschobene Präsenz des Bündnisses zur Unterstützung der östlichen Mitglieder beschließen. Für drei davon sind bereits die truppenstellenden Nationen, quasi die Paten, gefunden: Neben Deutschland die USA und Großbritannien, die in den baltischen Ländern Estland, Lettland und Litauen aktiv werden. Für das vierte Battaillon in Polen gibt es allerdings noch keine Zusage einer Nation, die den Rahmen dafür stellen könnte.

(Archivbild: A young man looks through the sight of a Panzerfaust 3 anti-tank weapon used by the German Army during Armed Forces and Public Unity Day May 14, 2016 in Vilnius, Lithuania – U.S. Army photo by Staff Sgt. Michael Behlin)

85 Kommentare zu „Heeresinspekteur rechnet mit zehn Jahren Aufbauarbeit“

  • Woody   |   10. Juni 2016 - 23:07

    Wenn ich mich an den Inhalt der ersten Mittelfristigen Zielsetzung erinnere, dann war bereits in der Ersten (Erscheinungsjahr 2013?) die Sperrfähigkeit enthalten. Falls man wirklich erst jetzt die Verschrottung gestoppt haben sollten hat das ja garnicht mal so lange gedauert.

    @Bin_dabei:

    Mit dem Thema Software Defined Radio haben sich ja wohl alle Nationen die sich dran versucht haben ein klein wenig verschätzt.

    Ob das nun an der selbstreferentiellen Struktur (BMVg Abt. M und IT-Amt waren Bedarfsträger und Decker gleichzeitig, oder?) liegt mag ich nicht beurteilen. Aufgrund der Kommunikationsprobleme von IT-Amt und BWB kann ich mit gut vorstellen, dass man damals mit den Projekten der anderen Rüster nicht geredet hat.

  • SirLancelot   |   10. Juni 2016 - 23:10

    @Memoria
    „Allein für VJTF wird man viele Probleme bis 2018 nicht lösen können.“

    Streiche: können
    Setze: wollen

    Der Finanzbedarf für die größten Baustellen ist überschaubar und geht völlig im Rauschen unter! Die Finanzierung benötigt nur einen Willen! Frei nach dem KSK: „Der Wille entscheidet!“

  • Memoria   |   10. Juni 2016 - 23:30

    @SirLancelot:
    Es ist sicher nicht „nur“ ein Geldproblem.
    Haushaltsmittel sind immer Prioritätenfragen.
    Mittlerweile wurde jedoch soviel Zeit verloren, dass bis Tür Stand-up-Phase (2018) kaum mehr genügend Zeit ist.
    Dies gilt auch für Obsoleszenzen (Definition der Obsoleszenzen, Beantragung HHM, Ausschreibung bzw. Angebotsaufforderung an den GU, Vertragsverhandlungen, Beauftragung, Qualifikation/ Nachweisführung, Serienfertigung, Lieferung, Ausbildung).

    Man ist derzeit in vielen VJTF-relevanten Bereichen noch bei Schritt 1 oder 2.

    Wenn man wirklich will, anstatt fortlaufend Schaufensterpolitik zu betreiben, dann würde das noch klappen. Aber dafür muss Zug in den Kamin kommen.

  • audio001   |   11. Juni 2016 - 7:47

    Unterm Strich steht doch das Eingeständnis, dass man/frau 10 Jahre lang auf der Führungsebene des BMVg gepennt hat …

  • SirLancelot   |   11. Juni 2016 - 8:53

    @Memoria:
    Volle Zustimmung!

  • Klaus-Peter Kaikowsky   |   11. Juni 2016 - 9:48

    @audio001
    Dies ist nicht DAS Ergebnis.
    Gepennt hat niemand, vielmehr wurde den eigenen politischen und ideologisch unterwanderten Annahmen geglaubt. Stichwort: Lupenreiner Demokrat!
    Genauer benannt, es wurden trotz besseren Wissens, gegen Einsicht in Absichten und Fähigkeiten von Moskau bis in das Kalifat hinein erforderliche Haushaltsmittel NICHT bereitgestellt.
    Wenn nunmehr – siehe InspH – eine haushalterische Wende sich andeutet, indem Realismus sich wieder Gehör verschafft, dann, „Dank“ an Gospodin Putin.
    Die bis 2030 ins Auge gefassten 130 Mrd würden geringer anfallen, wäre die politische Führung eigenen Glaubwürdigkeitsfallen nicht willfährig gefolgt und hätte der Verteidigungsfähigkeit den nötigen Stellenwert eingeräumt.
    Es bestätigt sich die gewohnte Uneinsichtigkeit in Kontinuität sicherheitspolitischer Nachhaltigkeiten in Phasen des „ewigen Friedens“, anschließend fahren die Kosten in Fahrstuhlmanier, nach oben.
    Zur Beruhigung, diese Verdrängungsmechanismen stellen keine DEU Eigenart dar.

  • Thomas Melber   |   11. Juni 2016 - 10:07

    @KPK
    Man hätte ja auch zunächst konsequent auf defensive Fähigkeiten setzen können – PzAbw, Fla, Sperrfähigkeiten, CSAR / (tactical) MEDEVAC, leichte Truppen (Jäger).

  • Klaus-Peter Kaikowsky   |   11. Juni 2016 - 10:20

    @Thomas Melber
    Auch dieser Ansatz bedingte – politische – Einsicht in die Notwendigkeit gesicherter Verteidigungsfähigkeit.
    Wenn ein Staat sich aber tatsächlich von Freunden umzingelt glaubt, dies vollmundig der es begierig inhalierenden Wahl-Bevölkerung andient, fehlt folglich der Blick in das Interessengebiet jenseits benachbarter Grenzen.
    Mahner gelten dann als Spielverderber und erreichen noch nicht einmal den Status des „in der Wüste stehenden“.
    Unterlegt von derartiger Geisteshaltung bedeuten defensive Mittel eben auch nur überflüssiges Kriegsgerät.
    Übrigens trat der Rotstift die beispielhaft defensive TrGtg Panzerjägertruppe zuerst, danach wurde die gleichermaßen defensive Fla gemeuchelt, zuletzt die Sperrfähigkeit der Pioniere fast komplett geopfert.
    Keine Fragen mehr, die Antworten waren exponentiell peinlicher.
    Aber ich vertraue dem InspH, ist PzGren, hat Bodenhaftung, auf geht’s!

  • Hans Schommer   |   11. Juni 2016 - 10:55

    Klaus-Peter Kaikowsky | 11. Juni 2016 – 10:20
    „Aber ich vertraue dem InspH, ist PzGren, hat Bodenhaftung, auf geht’s!“
    Das tue ich ebenso. Aber auch GenLt Vollmer sitzt auf einem Schleudersitz, der jederzeit ausgelöst werden kann.
    Hans Schommer

  • Thomas Melber   |   11. Juni 2016 - 11:00

    @KPK
    Landesverteidigung (auch) als Bündnisverteidigung wurde doch der Bw schon vor Jahren ins Auftragsbuch geschrieben.

    Das bedingt dann AdA, Feststellen der wesentlichen eigenen Leistung, Feststellen und Bewerten von Raum, Zeit und Kräften – also „basics“ oder Gemeinplätze.

    Und das soll die Generalität / Admiralität nicht hinbekommen?

  • Thomas Melber   |   11. Juni 2016 - 11:03

    @Hans Schommer
    Sie meinen also, GenLt Vollmer wird GenInsp? Ein Schleudersitz befördert ja erst einmal nach oben.

  • Hans Schommer   |   11. Juni 2016 - 11:09

    @Thomas Melber | 11. Juni 2016 – 11:03:
    Ich meinte, dass der Schleudersitz als erstes mal hinaus befördert. Sie haben natürlich auch nicht unrecht. Da erwidere ich aber: „Der Aufstieg kommt vor dem Fall“ :-))
    Hans Schommer

  • Thomas Melber   |   11. Juni 2016 - 11:15

    @Hans Schommer
    … aber mit Fallschirm! Und die Ausstiegshöhe dürfte auch ausreichend sein.

  • audio001   |   11. Juni 2016 - 11:18

    Mir fällt dazu gerade das Stichwort „Brückenlegepanzer (Biber)“ und „Minenwurfsystem (Skorpion)“ ein!- Für das es wohl wieder neue Bedarfe gäbe!

    Wenn man/frau überlegt was hier verschrottet oder (für billiges Geld) verkauft wurde, wird einem „schwarz vor den Augen! (Die Farbe „schwarz“ ist reiner Zufall,- nicht politisch gemeint!- Auch wenn es sich anbieten würde …)

  • Hans Schommer   |   11. Juni 2016 - 11:43

    @Thomas Melber | 11. Juni 2016 – 11:15:
    1+ !

  • SER   |   11. Juni 2016 - 11:50

    Na dann dürfen wir gespannt sein wie sich die nationale Wehrreform bestalten wird …
    Auf 3SAT konnte man am Freitagabend um 2015 einen Sendebericht sehen unter dem Titel „Bedingt einsatzbereit“ und dieser ist vielleicht in den Mediatheken noch auffindbar !?

    Unter dem Strich kam die politische Vision der europäischen Armee deutlich heraus unter Berufung auf die GER-NLD-Zusammenarbeit als Leuchtturm … und immer wieder der Verweis auf ein „wir haben ja kein Geld“ …Leuchttürme leuchten meist im Kreis und nicht in eine Richtung, oder ???

    Ich sehe noch lange keine wehrhafte Zukunft und mir fehlt Vertrauen in die politische und militärische (Generalität) Weitsicht … Die Landesverteidigung war IMMER eine der Kernaufgaben und hat sich nie verändert !!! Warum nun denn wieder im Fokus nachdem man soviel Gutes abgeschafft hat ??? Es war eine planerische Idiotie unter dem Diktat des Finanzministers … so einfach und blöd zugleich !

  • Thomas Melber   |   11. Juni 2016 - 12:00

    @SER
    Zwei Blinde machen aber immer noch keinen Sehenden.

  • politisch inkorrekt   |   11. Juni 2016 - 14:15

    @all
    Gibt es eigentlich eine Abschrift der Aussagen des Insp H? Bis jetzt finde ich immer nur einzelne Auszüge? ! Falls da jemand einen hilfreichen Hinweis hätte…

    pi

  • T.Wiegold   |   11. Juni 2016 - 14:23

    @pi

    Es war ein Gespräch des Inspekteurs mit Journalisten; deshalb gibt es div. Berichte, aber keine Abschrift.

  • Frankfurter   |   11. Juni 2016 - 18:42

    Was war das für eine ungewöhnliche Nachricht, als das Verteidigungsministerium verkündet hat, dass man 100 Kampfpanzer Leopard 2 von der Industrie zurückkaufen wird, um den Gesamtbestand von geplanten 225 auf ca. 328 Stück anzuheben (inkl. der übernommenen von Holland?). Derzeit hört man von diesem Vorhaben gar nichts mehr.

    Frage an Thomas Wiegold: Können Sie hier den aktuellen Stand für uns in Erfahrung bringen?

    Wenn das Heer zudem heute feststellt, dass es 31 Leo 2 LEGUAN benötigt, dann liegt es nicht fern, dass von den „quasi zurückgekauften“ 100 Leo 2 bereits 31 zu LEGUAN umgerüstet werden..?? Bringen Sie für uns bitte Licht ins Dunkel – besten Dank!!!

  • Alarich   |   11. Juni 2016 - 20:58

    Falls der Film schon irgend wo da ist bitte löschen
    http://www.3sat.de/mediathek/?mode=play&obj=59537

    Sonst einfach anschauen

  • Memoria   |   12. Juni 2016 - 12:10

    Die Trendwende bei der Ausstattung erfordert zunächst eine Trendwende beim Haushalt.

    Diese scheint jedoch auch kommendes Jahr nicht einzutreten:
    http://augengeradeaus.net/2016/06/ein-halbes-jahr-fuer-eine-vorlage-in-meinem-frueheren-berufsleben-undenkbar/comment-page-1/#comment-239024

    Also weiterhin Mangelverwaltung wohin man blickt – bei gleichzeitig steigenden politischen Aufträgen.

  • Klaus-Peter Kaikowsky   |   12. Juni 2016 - 12:41

    @Frankfurter
    Die Nachricht zu 100 zurückzukaufenden Leo-2 ist ca. 1 Jahr alt. Auf BMVg.de ist dazu Detailinfo zu verfolgen.

  • DeltaR95   |   12. Juni 2016 - 13:16

    Für jede Aufstockung müsste man erst mal wissen, was man am Ende genau damit vor hat. Vor jeder Beschaffung braucht es eine vernünftige Planung – und dazu reicht kein Weißbuch. Also bevor wir hier wieder sinnlos Geld verpulvern sollten wir uns erst mal genau überlegen, welche militärische Rolle wir in der Welt spielen wollen.

  • klabautermann   |   12. Juni 2016 - 13:24

    @Memoria

    „Die Trendwende bei der Ausstattung erfordert zunächst eine Trendwende beim Haushalt.“
    Völlig richtig, und zwar eine Trendwende im Bundeshaushalt, der ja – wie wir alle wissen – unter dem Schuldenbremsprinzip steht aka Schwarze Null.
    Imho ist eine Trendwende im EPl14 nur möglich wenn die Bundesregierung ihre HH-Politik (Austerität) ändert. Halten Sie das unter Merkel/Schäuble für wahrscheinlich ?
    Ich denke einmal, das wird nx…………und daran wird sich auch mittelfristig nix ändern, egal wie die BT-Wahl ausgeht. Dieser Supertanker „Bundeshaushalt“ wird noch mindestens 4-5 Jahre den selben Kurs weiter laufen, bevor er anfängt zu drehen – aber nur falls eine Drehung noch in dieser Legislaturperiode eingeleitet wird – also spätestens im Herbst mit der Verabschiedung des Haushaltes und der mittelfristigen Finanzplanung des Bundes. Meine Befürchtung ist, dass das haushaltsplanerische Deckungsdefizit im EPl14 bereits so groß ist, dass eine Kursänderung des Supertankers dieses Defizit gerade noch im konstanten „Geschwindigkeitsbereich“ hält, eine Fahrterhöhung sehe ich nicht. Und damit sind alle diese angekündigten Trendwenden letztendlich Makulatur aus meiner Sicht. Hinzu kommt eine gewisse „Ratlosigkeit““ der Konzeptionäre – also der militärischen Führung. Denn die sind sich ja wohl nicht ganz einig, wohin denn der Trend bei der BW insgesamt – und damit im Kern bei den „fighting“ TSK – gehen soll in Sachen Strukturen und Ausrüstung. Die können noch nicht einmal mehr priorisieren, weil auf einmal alles „wichtig“ ist, wenn man von Landes-über Bündnisverteidigung bis hin zu out-of-area peace-keeping/peace-enforcement die BW auf einmal alles gleichzeitig wieder „können“ soll und noch ein „büschen mehr“: Cyber !

    Hier findet gerade ein geradezu grandioses politisches Bauerntheater statt.
    „Achtung auf Bahnsteig 14, die Abfahrt des Eilzuges „Trendwende“ – planmäßige Abfahrt 2017 – verzögert sich um ca 5 Jahre. Für Reisende mit Ziel „Vollausstattung“ wird ein Schienenersatzverkehr ab 2019 eingerichtet“
    Gen. Vollmer mit seinen Brückenlegepanzern ist ja fast schon „rührend“ ratlos.

  • Memoria   |   12. Juni 2016 - 16:53

    @klabautermannn:
    Es ist aus meiner Sicht nicht soooo komplex undschwierig wie sie es darstellen.

    Man müsste den Worten „nur“ Taten folgen lassen:
    2-3 Mrd mehr p.a. für MatInvest/ MatErhalt.

    Der Spielraum ist im Bundeshaushalt vorhanden – bei Einhaltung der schwarzen Null und der Schuldenbremse.
    Dies zeigen Mehrausgaben in dieser Größenordnung in anderen Politikbereichen.

    Die Regierung will schlichtweg nicht, versucht aber sehr geschickt einen gegenteiligen Eindruck zu vermitteln.

    Bisher sehr erfolgreich (130 Mrd.!).

  • Hohenstaufen   |   12. Juni 2016 - 22:43

    @Memoria:
    Richtig, auch mit ausgeglichenem Haushalt lässt sich eine gut ausgestattete Bundeswehr finanzieren.
    Die Mär vom armen Staat: Die Steuereinnahmen des Staates stiegen von 2005 bis 2015 um ca. 50%, das Bruttoinlandsprodukt nur um ca.30%.
    Aber die Priorität der Bundesregierung liegt nicht bei der Ausstattung der Bundeswehr:
    Allein die steuerfinanzierten staatlichen Transfers des Bundes in die Rentenkasse betragen mittlerweile ca. 90 Milliarden im Jahr – grob 3 x so viel wie der Verteidigungsetat.

  • klabautermann   |   13. Juni 2016 - 8:37

    @Memoria

    Nun ja, aber so einfach ist es nun auch nicht: „2-3 Mrd mehr p.a. für MatInvest/ MatErhalt“.
    Der Steuerzahler hat schon einen Anspruch darauf, dass diese „2-3 Mrd mehr“ auch zielgerichtet ausgegeben werden……und das wäre ja wohl – angesichts der „Trümmerhaufen-Debatte“ – in erster Linie eine schnellstmögliche Anpassung des IST an das SOLL in Sachen Mat (und auch Pers)…..und was macht das BMVg inkl Inspekteure ?
    Es legt keinerlei Planungen für diese Anpassung vor, sondern Planungen für die Erhöhung des SOLL – die Lw entdeckt auf einmal eine Lücke in der Transportfliegerei, das Heer entdeckt auf einmal eine Lücke bei den Brückenlegepanzern (obwohl da gerade bei Anakonda eine sehr gute Demo in Sachen deutsche Brückenlegefähigkeiten lief), hat aber keinen Plan in Sachen Fm-Ausstattung….und UvdL erhöht das SOLL um einen ganzen MilOrgBereich: Cyber. Aber nicht nur das SOLL wird erhöht, sondern auch der operative LoA – EFP und VJTF zum Beispiel.
    Was sagt das dem interessierten Steuerzahler und HH-Politiker ? „Die“ haben ja gar keinen wirklichen Plan !!!!!! Und da soll ich mehr Geld reinschütten ??? Um mir dann in einem, zwei oder drei Jahren im Bundestag/in den Ausschüssen von der Opposition anhören zu müssen, dass auch diese „2-3 Mrd mehr“ irgendwie in der Planödnis des BMVg versickert sind ? So funktioniert Politik in Deutschland nicht (mehr).
    Und an dieser – imho absolut vernünftigen Einstellung der obersten Haushalter – wird auch das Weißbuch nicht viel ändern, denn das ist eben kein Ersatz für eine konzeptionell ganzheitliche und haushalterisch belastbare Bundeswehrplanung.
    Der Trend zum Improvisieren muß endlich „gewendet“ werden. Wie sagte mein Papa ?
    „Bub, für erfolgreiches Improvisieren braucht man vor allem einen vernünftigen Plan“.
    ;-)

  • Memoria   |   13. Juni 2016 - 22:45

    @klabautermann:
    Eine Zielrichtung gibt es ja im Rahmen von Wales und Warschau,l.
    Hier gibt es ein klares LoA mit sehr genau definierten Beiträgen der Bw. Um diese politischen Versprechen einlösen zu können.

    Ihr Brückenbeispiel geht zudem ins Leere, da eine PSB etwas anderes ist als alle (!) M3-Amphibien.

    Aber es findet sich immer ein Grund die Hausaufgaben nicht zu machen. In der Bevölkerung gibt es aus meiner Sicht eher die Erwartung den Laden wieder auf Kurs zu bringen.

    Siehe dazu auch die 3Sat-reportage.

  • Klaus-Peter Kaikowsky   |   13. Juni 2016 - 23:11

    @Memoria
    Die 3Sat-Reportage war – vielleicht – gut gemeint. Gezeigt hat sie aber nur die Überforderung einer Redaktion in militärischen Fragen, verbunden mit der Überlastung des kompetenzlosen „Philosophen“ SCOBEL in der anschließenden Gesprächsrunde.
    Allein schon der mehrfache Gebrauch des Begriffs „REMILITARISIERUNG“ lässt nur die Feststellung von Inkompetenz oder indoktrinären Absichten zu.
    – „Militarisierung, ein gesamtgesellschaftlicher Prozeß, in dem teils schleichend und kaum wahrnehmbar, zivile Prozesse den Charakter des Militärischen annehmen. … in verdeckter Weise oder ganz offen, vor unser aller Augen.“ (Ossietzky, 2-Wochenzeitschrift- …) –
    Und dann noch, ebenfalls unwidersprochen: „327 Soldaten zum Einsatz gegen IS IN (!) Syrien eingesetzt“.
    Zwei schwache Beiträge. Erneut m.E. Beleg, dass unsere Medien kaum militärfachliche Kompetenz in ihren Redaktionen haben. Wenn dann obendrein bei den Gästen mil-fachliche Kompetenz nicht eingeladen wird, bleibt es nur peinlich

  • Georg   |   13. Juni 2016 - 23:50

    @ Klabautermann 08:37 Uhr

    Zustimmung, aber die Planlosigkeit der Regierung bei der Lösung der Probleme der Bundeswehr ist kein Alleinstellungsmerkmal ihrer Tätigkeit bezogen auf die Bw.

    Ich darf an den Zustrom von Menschen nach Deutschland im letzten Jahr erinnern, an der Unfähigkeit festzustellen wer zu uns kommt aber an die tatkräftige Aussage (unwidersprochen von der Presse und der Politik), dass man wohl um die 90 Mrd Euro in den nächsten vier Jahren zusätzlich brauchen wird um die Probleme in Griff zu bekommen.
    Da kommen wir dann mit einer 2 – 3 Mrd Euro / Jahr Forderung für die Bw und dann wird behauptet dies kann Deutschland für die Bw nicht aufbringen.

    Ich weiß gar nicht, warum man über Sicherheitspolitik in diesem Land überhaupt noch diskutieren soll ….

    (Ja, ich weiß die Bw stellt nur einen Teil der Sicherheitspolitik der Bundesregierung dar, aber wenn man den Arbeitsmuskel verkümmern lässt, dann hilft auch die Aufblähung des Kopfes, des Gehirnschmalzes nicht mehr weiter).

  • Benedikt   |   14. Juni 2016 - 16:14

    Der DE Bundeshaushalts Überschuss dürften direkte und indirekte Folge der EZB QE Programme sein. Mit sehr viel mehr billigere Schulden werden in der Privatwirtschaft sicher auch eine Menge Gewinne erwirtschaftet, die dann Steuereinnahmen erzeugen. Die QE Programme werden sich eher früher als später abnutzen und Haushaltsüberschüssen werden wieder der Vergangenheit angehören. Soros und andere wetten auf einen Abschwung, was noch übler für die Finanzen enden würden. Nächstes Jahr ist ein Bundeswahljahr. Vermutlich konzentriert man sich mehr um bestimmte der Politik wichtige Programme durch zu bekommen und weniger um das Ziel Vollausstattung näher zu kommen. Die Kosten für Nato Verpflichtungen werden sicher auch stärker steigen. Mehr Awacs Einsätze, Beginn AGS Betrieb, Baltikum Stationierung, Ukraine Hilfe usw. Die Finanziellen Spielräume könnten auch mal um einiges enger werden.

  • Insider   |   14. Juni 2016 - 16:32

    Ergänzung bzw. Richtigstellung zu meinem Post vom 10.06.16, 21:26 Uhr

    Bei der PzAbwMi DM31 gibt es noch Bestände im mittleren 5stelligen Bereich. Die werden jetzt auch wieder gehegt und gepflegt ;-)

  • Hans Schommer   |   15. Juni 2016 - 12:59

    Der Artikel „Vollmer sieht Bedarf für Flugabwehr und erwartet Drohnendiskussion“ vom 02.06. ist von der Website hartpunkt.de verschwunden. Der hier imBlog durch einen Kommentator bereitgestellte „tinyurl“-Link
    http://tinyurl.com/jzqp8el
    führt bei hartpunkt zu keinem Ergebnis (mehr). Auch in deren Archiv ist nix zu finden. Keine Spur mehr im Netz von dem Bericht.
    Was steckt da dahinter?
    Hans Schommer

  • Klaus-Peter Kaikowsky   |   15. Juni 2016 - 13:18

    @Hans Schommer
    ..dahinter steckt, dass
    – der InspH zurückgepfiffen wurde, oder
    – sich selbst zurücknahm, um die Diskussion nicht ausufern zu lassen, … könnten ja tatsächliche Erwartungen geweckt werden.