Nicht nur der Besenstiel: Der NATO-Speerspitze fehlt schon die Strickmütze

Die Notlösung des Panzergrenadierbataillons 371, bei einer internationalen Übung das fehlende Rohr der Waffe auf ihrem Boxer-Radpanzer mit einem schwarz gestrichenen Besenstiel zu ersetzen, hat national wie international Schlagzeilen gemacht. Sind diese Marienberger Jäger doch als Teil der NATO Response Force (NRF) dafür vorgesehen, die vom Bündnis im vergangenen September beschlossene neue superschnelle Eingreiftruppe Very High Readiness Joint Task Force (VJTF), die so genannte Speerspitze, in der Praxis zu erproben. Alarmierend waren in dem Zusammenhang auch die Meldungen über fehlende Waffen und wichtige Ausrüstung mit Nachtsichtbrillen.

Nun ist klar: Der Besenstiel ist nur die Spitze des Eisbergs. (Entschuldigung für das schiefe Bild.)

Die Informationen über die Besenstiel-Übung wie die Fehlzahlen bei Waffen und Ausrüstung sind nur ein Teil des Berichts, der vom Beauftragten des Generalinspekteurs der Bundeswehr für Erziehung und Ausbildung Mitte Januar nach einem Besuch beim Bataillon in Marienberg vorgelegt wurde. Mitte Januar, das ist gut vier Monate nach den Beschlüssen des NATO-Gipfels und gut einen Monat nach dem deutschen Angebot an die Allianz, die provisorische Speerspitze aufzubauen. Da fehlte es dem deutschen Einsatzverband immer noch an allem möglichen. Und nicht nur am Großgerät.

Der  Bericht (der mich aus technischen Gründen leider nur mit Zeitverzögerung erreicht hat) macht schon bei so simplen Dingen wie Strickmützen deutlich, wo es hakt:

Ein weiterer Punkt war die Nichtausstattung der Soldatinnen und Soldaten des PzGrenBtl 371 mit einer Mütze (Versorgungsnummer: 8405-12-382-9778), die in der Bundeswehr eingeführt ist. Obwohl die klimatischen Bedingungen im Winter in Marienberg die Ausstattung durchaus rechtfertigen würde, lehnt die LHBw in Frankenberg/Sachsen dies mit der Begründung ab „Panzergrenadiere gehören nicht zur Infanterie und gem. Ausstattungssoll stehe ihnen daher diese Mütze nicht zu.“ In der Konsequenz kaufen die Soldatinnen und Soldaten diese Mütze privat in den „Army Shops“.

Nun scheint diese Strickmütze ohnehin symptomatisch für vieles zu stehen, was bei der Bundeswehr organisatorisch falsch läuft. Hier ist nicht von teurem High-Tech-Gerät die Rede, sondern von einem simplen Alltagsgegenstand. Und nicht von einer Einheit im Heimatbetrieb, sondern vom deutschen Angebot der hochmobilen deutschen Truppe für die vorderste Frontlinie. Speerspitze ohne Mütze.

Die Mützen kann die Truppe in der Tat im Army Shop kaufen (zusammen mit Unterzieh-Fleece-Jacken oder Funktionsunterwäsche, die die Soldaten laut diesem Bericht ebenfalls privat beschaffen – obwohl es doch so etwas wie ein Einsatzbekleidungskonzept gibt). Aber es gibt ja noch genügend Dinge, die man eben nicht im nächsten Laden bekommt. Nach Gesprächen mit den Soldaten berichtete der Inspizient:

Es wurde aus der Erfahrung der Gesprächsteilnehmer bezweifelt, dass das fehlende Großgerät im Rahmen des „Ear Marking“ innerhalb der NTM [Notice to move]-Zeitvorgaben im einsatzbereiten Zustand zur Verfügung stehe. Durch BMVg Planung II 5 wurde Mitte 2014 die Aussonderung von knapp 6000 ungeschützten Radfahrzeugen im Heer zur Umsetzung angewiesen und auf Grund mangelnder Kompensationsmöglichkeiten teilweise ausgesetzt. Bei endgültiger Umsetzung der Aussonderung (Abruf viertes Los) seien Übungsvorhaben, aber auch der NRF-Einsatz, nur noch eingeschränkt durchführbar, da der Verband über keine Rüstsatzträger verfügen würde und somit nicht mehr führungsfähig wäre. […]
Die Angehörigen des Verbandes wollen professionell ihren Auftrag erfüllen. Die Defizite in der bereitgestellten Ausrüstung schränkt [sic] die professionelle und sichere Auftragserfüllung ein und entspricht somit nicht den Vorgaben aus dem strategischen Zielsystem der Leitung BMVg. Zudem leidet die Motivation der Truppe unter den dargestellten Umständen erheblich.

Und das ist nur die Problemlage beim Gerät. Beim Personal sieht es nicht gar so viel besser aus – in dem Bericht wird auch angesprochen, dass das Bataillon wegen Umstrukturierung und neu ausgebrachten Fähigkeiten echte Schwierigkeiten bei der Ausbildung hat. Zumal während der Stand-By-Phase für die NRF die Soldaten nicht einfach auf Lehrgänge geschickt werden können. So muss sich die Truppe auch bei Spezialisten mit Training on the job behelfen, wie es im Bundeswehrjargon heißt, Ausbildung am Arbeitsplatz (AAP). Das hat Folgen: Einschränkungen in der Auftragserfüllung des Verbandes, z.B. bei einem NRF-Einsatz, sind zu erwarten.

Gibt’s denn gar keinen Hoffnungsschimmer in diesem Bericht? Aber ja. Denn trotz Mangel von Gerät und Ausrüstung, trotz des Gefühls, die vorgesetzten Dienststellen nähmen den Auftrag NATO-Speerspitze nicht wirklich Ernst, bemüht sich der Verband mit seinen arg eingeschränkten Möglichkeiten um eine solide Auftragserfüllung, wie es in der Zusammenfassung des Berichts heißt:

Von Professionalität und Leistungsbereitschaft getragen erfüllt der Verband mit hoher Motivation seinen Auftrag. Ein ausgeprägtes Zusammengehörigkeitsgefühl, vorbildliches und beispielgebendes Verhalten, kameradschaftliches Miteinander und gegenseitige Unterstützung charakterisieren den Verband. Zeitgemäßes Führungs-, Kommunikations- und Informationsverhalten wird vorgelebt, das Vertrauen in die Vorgesetzten innerhalb des Verbandes ist deutlich erkennbar vorhanden. Allerdings wird die Stimmung im Verband derzeit maßgeblich durch die mangelnde Unterstützung der vorgesetzten Dienststellen bei der Bewältigung der ungelösten Problemfelder in der NRF Stand-by-Phase beeinflusst. Es entstand in der Wahrnehmung vor Ort der Eindruck, dass die Erfüllung des NRF-Auftrags von den vorgesetzten Dienststellen mit den Kommentaren „NRF wurde noch nie abgerufen“ bzw. „NRF ist doch nur ein Papiertiger“ nicht hinreichend unterstützt wird. Einschränkungen in der materiellen Einsatzbereitschaft des PzGrenBttl 371 (der Verband ist ohne erhebliche materielle Unterstützung von außen nicht vollumfänglich einsatzbereit) sind eine Herausforderung für die Verbandsführung und beeinflussen das soldatische Selbstverständnis. Die wahrgenommene Schere zwischen Auftrag und den verfügbaren Mitteln wird zunehmend als Belastung empfunden.

Der Bericht dürfte auch der Grund für die Anweisung von Generalinspekteur Volker Wieker gewesen sein, den Gefechtsverband materiell voll aufzustellen. Allerdings: Genau an dem Tag, als der Inspizient seinen vernichten Bericht schrieb, war die NATO schon der irrigen Annahme, ihr stünde eine einsatzbereite Speerspitze zur Verfügung. Ein Update so Anfang März wäre interessant.

100 Kommentare zu „Nicht nur der Besenstiel: Der NATO-Speerspitze fehlt schon die Strickmütze“

  • M.G.   |   26. Februar 2015 - 14:31

    Gemäß Innerer Führung ist jeder Vorgesetzte dazu verpflichtet die Sinnhaftigkeit des Auftrages seinen Untergebenen zu vermitteln.
    Ob wir das selbst so sehen, oder die Rahmenbedingungen eine Frechheit sind, ist da egal.
    Da wird es dann halt schwierig, mein Vorgesetzter sagt mir das alles schon auch blöd, aber auch total sinnvoll ist, und erwartet das ich das nach unten weiter gebe. Der der es nicht macht verstößt gegen die Innere Führung, der heiligen Kuh der inneren Selbstverschaukelung. Wird dann also zu Recht gemaßregelt, und abgekanzelt.
    Alles so gewollt.

  • BlueLagoon   |   26. Februar 2015 - 14:33

    @ T. Wiegold:

    Es geht m.E. nicht nur um diese dusselige Strickmütze. Selbstverständlich hat jeder Soldat die Möglichkeit, derlei „Klenkram“ selbst zu beschaffen.

    Die Mütze ist nur ein Synonym für das, was sich dort abspielt.

    Selbst in den 70er und 80er Jahren mußte der Soldat, der bei – 16 Grad an irgendeiner Übung teilnahm und meinte, mit den dienstlich gelieferten Leder-Handschühchen nicht wirklich warme, eindatzfähige Hände zu haben, sich die MilTec-Handschuhe im Army-Shop kaufen.

    Zu der Zeit gab es aber auch noch keine Berufs- bzw. Freiwilligenarmee und keine Auslandseinsätze.

    Und das alte Sprichwort „Wehret den Anfängen“ gilt auch hier:

    Was im Kleinen beginnt bzw. was einmal einreißt, …

    Die ganze Diskussion beschreibt ja nur den „glanzvollen Zustand unserer weltweit einsetzbaren Elite-Armee, die aus der Mitte geführt wird“.

  • Wiener   |   26. Februar 2015 - 15:09

    @ Blue Lagon

    Die „dusseligen Strickmützen“ sind mitnichten „Klenkram“. Zu Beginn des ISAF-Einsatzes gab es keine dienstlich gelieferten Wollmützen. Konsequenz: sie wurden privat beschafft und getragen. Die dienstlich gelieferte Winterkopfbedeckung hatte zwar hasenohrähnliche Ohrenschützer, nur hörte man nicht mehr so gut. Die Ohren waren warm, auf einer Patrouille kann schlecht hören Nachteile haben. Also die privat beschafften Wollmützen aufgesetzt, die Ohren vor der Kälte (bis zu Minus 20 Grad) geschützt und trotzdem gut gehört. Die Konsequenz waren zahlreiche Diszis, wegen Nutzung nicht dienstlich gelieferter Ausrüstung. Die Wollmützen wurden später destl. beschafft.
    Was ich damit sagen will: der Dienstherr ist der Erste, der über privat beschaffte Ausrüstungsgegenstände schimpft und deren Nutzung bestraft. Also soll er auch liefern.

  • Handheld   |   26. Februar 2015 - 15:21

    Ich sehe die Diskussion über die LHBw bzw. über Fr. vdL als nicht notwendig oder aber auch als „nicht zielführend“ an.
    Wenn Strickmützen benötigt werden, dann sollten diese auf irgendeiner schwindeligen Liste (SOLL) der Soldaten stehen. Dafür muss jemand aus irgendeiner Beschaffungsbehörde (Bw, nicht privates Unternehmen o.Ä. Wie LHBw. Wie viele Behörden bleiben da eigentlich übrig?[sarcOff]) diese SOLL-Liste ändern, nachdem er den Bedarf erkannt hat und als Verantwortlicher (wer wäre denn verantwortlich? Der Strickmützen-Nutzungsleiter wahrscheinlich…) zu decken gedenkt. Es könnt ja sein, dass der Bedarf nicht erkannt wurde (laut Pressestelle von der Bw würde ich genau so ein Statement die Tage erwarten [sarcOff]) weil alles vorhandene ausreichend. Sollte der Bedarf von den Nutzern (der Truppe) aber aufgenommen sein, stelle ich mir hier exemplarisch die Frage, warum man da nicht tätig geworden ist. Meine Vermutung habe ich bildlich vorhin schon dargestellt. Alles Weiterführende wäre wohl beleidigend.
    Übrigens: auch strategische Ziele sollten hin und wieder hinterfragt werden. Wenn die Erreichung eines Zieles auf mehrere Jahre/Jahrzehnte ausgelegt ist, sollte man hin und wieder schauen, ob das Ziel noch effektiv ist. Außer man macht alles Ergebnis-offen. Dann ist natürlich jede Richtung richtig und es zählt nur der Erfolg #deutschesweltklasseheer [sarcOff]

    Alles in allem gilt das für die Strickmützen ebenfalls für korrordierende Hubschrauber, Panzer mit ohne Rohre aus Holz/Metall/Wat weiß ich oder der PC mit der tollen Accessdatenbank, die für mich alles regelt.

    Von demher ist die Diskussion exemplarisch und dank des Bildes einer Strickmützen gut, scheint aber im gesamten System zutreffend zu sein.
    Und da sind wir bei Fr. vdL: die kommt in ein System, das „auf Autopilot fliegt“ (Quelle: die Zeit zum Thema Eurohawk) und soll in diesem den Knüppel in die Hand nehmen. Nachdem man es ja schon immer so gemacht hat, jeder daher kommen könnte und es ja noch schöner wäre, stelle ich mir die Frage wie sie das bitte bewerkstelligen will.
    Es kann ja jeder zu ihr hoch gucken und sagen wie es besser gehen würde. Wenn man aber nur bei der „Schulterklopfmaschine“ [danke=))] in den Spiegel guckt, kann sie mit ihrer Freundin Fr. Suder kräftig Worte reden, diese werden aber ab einer (Folter… Sorry, Filter-)Ebene nicht in Taten umgewandelt.
    Und auch Obristen wird man nicht einfach rausschmeißen (können), auch wenn sie i.G. (Im Gehen) sind!? Und wo wollen die hin? Haben doch kein Geld nicht… [sarcOff, schwer zu verstehen]

    Verrückt… Ich freue mich immer einmal die Woche auf die heuteshow, dabei müsste ich nur täglich in diesen Blog gucken =)

  • FlaOffz   |   26. Februar 2015 - 15:23

    Auch wenn ich keinen Bock mehr auf die konkrete Mützendiskussion habe unterstreiche ich die Aussage BlueLagoons, die Mütze ist ein Synonym für das, was sich in dieserArmee abspielt.

    Zum Ausstattungsumfang der persönlichen Ausrüstung des Soldaten und der Rolle der LHBw.
    Den Ausstattungsumfang regelt der Allgemeine Umdruck 37/4 „Richtlinien für Bekleidung“. Dies ist ein Dokument des, Trommelwirbel, BMVg.
    Sprich dort, nicht bei der LHBw, wird verantwortlich festgelegt welcher Soldat welche persönliche Ausrüstung (Ausstattungssoll) bekommt.
    Die LHBw ist somit in der Tat nur ausführendes Organ mit keinem Spielraum, es sei den jemand beantragt auf dem Dienstweg bis hoch zum BAWV eine Änderung/Ergänzung.

    Und dann, und das tut wirklich weh es zu sagen, gilt die finnische Dienstvorschrift „is so“.

    Beispiele:
    1) Die berühmte, hier vielzitierte Strickmütze, schwarz bzw. das grüne Nachfolgemodell stehen nur der Infanterie und der Pioniertruppe zu. Und Panzergrenadiere sind keine Infanterie (Kann es sein, dass die grüne Mütze an das PzGrenBtl 212 im Rahmen der Einsatzvorausbildung herausgegeben wurde, sie gehört nämlich sowohl bei KFOR als auch ISAF zur Zusatzausstattung für den Einsatz) Frage mich einer, warum der Aufklärer, Artillerist etc. diese Mütze in der Tat nicht bekommen, obwohl die genau so frieren. Sinn?

    2)Nässeschutzgamaschen: Für PzGren, FschJg, GebJg ja, aber nicht der normale Jäger. Sinn?

    Die Beispielliste ließe sich sicherlich um einige beachtenswerte Ausrüstungsgegenstände und deren sinnige Zuteilung verlängern.
    Ob da ein System hinter steckt, oder ob da Menschen im BMVg, die noch nie oder das letzte Mal vor mehr 30 Jahren nachts im Winter bei Minusgraden im Wald waren einfach verteilen, ich will es glaub ich gar nicht wissen…

  • schleppi   |   26. Februar 2015 - 15:36

    Der Bericht beschreibt meiner Ansichts nach sehr schön den Spagat zu dem die Soldatinnen und Soldaten heute gezwungen werden. Einerseits verlangt man ihnen eine hohe Leistungsbereitschaft ab andererseits nimmt man ihnen gleichzeitig die Möglichkeit diese Leistungsbereitschaft erfolgreich einzubringen.
    Man stelle sich mal vor, ein Inspizient hätte vor 10 Jahren derartiges über die Demotivation von Bundeswehrangehörigen gesagt. Da wäre der ganze Verteidigungsausschuss angerückt. Heute? Heute interessiert das kaum jemanden, weil es alltäglich geworden ist.
    Und der GI? Der GI versucht erst die Löcher zu flicken, wenn genug hineingetreten sind.

    Diese Neuausrichtung ist am Ende!

  • Fritz   |   26. Februar 2015 - 15:39

    Wer sich in der Kampftruppe umsieht wird feststellen das privat beschaffte Ausrüstung zu einem sehr großen Anteil getragen wird.
    Das fängt an beiUnterwäsche, Einsatzfeldhosen / Feldblusen und hört auf bei Plattenträgern und dazugehörigen Taschen.

    Teilweise geht das sogar soweit das sich Soldaten Waffenteile selber kaufen (Schulterstützen, SurefireLampen,EO-Tech etc….)

    LHBW Qualität gibt dem Soldaten auch gar keine andere Wahl als sich privat einzudecken.
    Die Masse der Ausrüstung ist für den Spind gerüstet!!!

  • Thomas Melber   |   26. Februar 2015 - 15:56

    @Fritz
    Auch hier gilt: die LHBw kann nur die Qualität ausgeben, die der Dienstherr beschafft.

  • Handheld   |   26. Februar 2015 - 16:02

    @Fritz: hat der Wehrbeauftragte bzgl. Der Qualität/Quantität der Ausrüstung nicht mal in einem Bericht sich dazu geäußert? Ich meine schon. Was hat sich daraufhin geändert? Ich meine gelesen zu haben, dass sich die Situation gebessert hat. Was stimmt denn?
    Entweder habe ich was falsch verstanden oder Ihre Darstellung zeigt auf, dass der Wehrbeauftragte nicht „ernst genommen“ wird.

    P.S.: wird der BRH wohl auch nicht :)

  • Erwin   |   26. Februar 2015 - 16:05

    @Fritz
    Ein absoluter Teufelskreis; Der Dienstherr lässt den Soldaten keine andere Wahl sich privat einzudecken, selbiger lässt die Soldaten wie eine heiße Kartoffel fallen, wenn etwas passiert. Dann kommt der große Zeigefinger von wegen das wäre mit dienstlich gelieferte Ausrüstung nicht passiert. Leider gibt es hier Beispiele zuhauf.

  • CRM-Moderator   |   26. Februar 2015 - 16:13

    Jeden Tag eine neue Erfolgsmeldung.

    Und wir sind noch lange nicht fertig.

    Es. Geht. Weiter.

    Alles 10Jahre+ vorhergesagt. Es kommt wie geplant. Viel Spaß beim Verantworten. Jetzt sind die Ja-Sager aus dem Mittelbau endlich in den Positionen, wo sie ihre eigene „Klamelderei“ bearbeiten können.

    Darauf einen Dujardin. Berlin, ick freu mir.

  • klabautermann   |   26. Februar 2015 - 16:29

    @CRM-Moderator

    Das dynamische Verfügbarkeitsmanagement ist offenbar als Geschäftsmodell auch bei der LHBw abgekommen: Meyer bekommt die Mütze von Müller, wenn Müller aus dem Einsatz zurück ist ;-)

    Es wird wirklich langsam zu einer Kroteske……Korrektur: Es ist nur noch krotesk !

  • BlueLagoon   |   26. Februar 2015 - 16:30

    @ Wiener:

    „Die “dusseligen Strickmützen” sind mitnichten Kleinkram“. “

    Mir ist schon klar, was kalte Ohren bzw. „nichts-mehr-hören-können“ bedeutet.

    Ich wollte damit ausdrücken, daß es nicht darum geht, ob sich ein Soldat für ein paar Euronen eine Strickmütze kaufen kann oder nicht.

    Wenn sich die Junx und Mädels schon Schutzwesten und weitaus teureres Material selbst kaufen müssen, ist für mich eine Grenze des Zumutbaren überschritten.

    Es schlägt jedoch dem Faß die Krone ins Gesicht, wenn derselbe Soldat, der sich diese ( ich bleibe mal dabei ) „dusselige Strickmütze“ selbst und auf eigene Kosten beschafft, jederzeit damit unter dem Damoklesschwert eines Diszis herumläuft.

    Ich möchte jetzt damit aber nicht anfangen, über den Sinn oder Unsinn, den Disziplinarvorgestzte verzapfen können, zu diskutieren.

    Klar gesagt:

    Ob „dusselige Strickmütze“, Schutzweste, Regenschutz oder weiß der Kuckuck was :

    Wenn unsere Junx und Mädels das Zeugs brauchen, sollen sie es bekommen und so ihren „Job“ vernünftig, gut, motiviert und „ordentlich“ ausgestattet tun zu können.

    Und wenn es anders nicht geht, muß halt im dümmsten Fall Herr Bartels demnächst mit Eingaben en masse bedacht werden.

    Wenn gutmütige, gutgemeinte Gespräche und Meldungen nicht helfen, dann eben anders.

    Es sei denn, wir wollen eine Armee, die weiterhin zur Lachnummer verkommt …

  • Thomas Melber   |   26. Februar 2015 - 16:36

    @BlueLagoon
    Immerhin wird die Munition noch gestellt …^^

  • BlueLagoon   |   26. Februar 2015 - 16:38

    Ja, aber wie ich hörte, doch nur unter Protest – oder ?

  • Handheld   |   26. Februar 2015 - 16:50

    @BlueLagoon: „Vom Einsatz her denken“ sieht auf pptx-Folien echt gut aus!! Leider macht das nicht immer Spaß und wirkt auf manch einer Karriereleiter ggf. „kontraproduktiv“. Zumindest hat das das persönliche Risikomanagment einzelner ergeben. Da singe ich lieber mit und gehöre dazu! Die Kameradschaft wird ja auch irgendwie vernachlässigt… (So, als Ansicht des Betrachters).

    Munition nur unter Protest? Wie darf ich mir das vorstellen? Bewaffnete ohne Munition vor der Munitionsausgabestelle mit Androhung von Gewalt und so? Da würde ich gerne den kleinsten gemeinsamen Nenner kennenlernen ;) [sarcOff]

  • BlueLagoon   |   26. Februar 2015 - 16:59

    @ Handheld:

    Im Text dieses Threads heißt es u.a.:

    „Von Professionalität und Leistungsbereitschaft getragen erfüllt der Verband mit hoher Motivation seinen Auftrag. Ein ausgeprägtes Zusammengehörigkeitsgefühl, vorbildliches und beispielgebendes Verhalten, kameradschaftliches Miteinander und gegenseitige Unterstützung charakterisieren den Verband. Zeitgemäßes Führungs-, Kommunikations- und Informationsverhalten wird vorgelebt, das Vertrauen in die Vorgesetzten innerhalb des Verbandes ist deutlich erkennbar vorhanden.“

    Wenn ich das so lese – hm …

    Es scheint etwas Besonderes zu sein, wenn über einen Verband unserer Armee etwas Derartiges gesagt wird.

    Ich hätte nie vermutet, daß DAS alles Eigenschaften sind, die einen Verband charakterisieren und in einem Bericht des Inspezienten stehen könnten.

    „kameradschaftliches Verhalten“, „gegenseitige Unterstützung“ – WAS es nicht alles gibt …

    Ähemmm.

    [ Ähemmm = Ironie wieder „off“ ]

  • Handheld   |   26. Februar 2015 - 17:04

    @BlueLagoon: dafür gab es dann sicher mehrere Hochleistungsprämien. jetzt reicht es aber auch wieder für heute ;))

  • Stephan L.   |   26. Februar 2015 - 17:11

    Sollte nicht vor einigen Jahren ein „zertifizierter Warenkorb“ nach dem Modell des Selbsteinkleiders geschaffen werden? Der Dienstherr gab die Lieferbedingungen heraus, die Hersteller konnten ihre Waren zertifizieren, die Soldaten konnten die Ausrüstung wählen, die sowohl am besten zu ihrem Auftrag passt UND sie weiterhin als Kombattant der deutschen Streitkräfte erkennen lässt. Dieses relativ groß angekündigte Modell (als Reaktion auf zahlreiche Artikel über Soldaten, die vor dem Einsatz groß auf Shoppingtour gehen mussten) scheint mittlerweile kommentarlos in der Versenkung verschwunden zu sein.

  • Kerveros   |   26. Februar 2015 - 17:12

    @Thomas Melber:
    „Auch hier gilt: die LHBw kann nur die Qualität ausgeben, die der Dienstherr beschafft.“

    Würde ich anzweifeln. Beschaffen sollte eigentlich die LHDBw unter Beachtung der Vorgaben, die auch für die Bundeswehr gelten, die Bundeswehr gibt nur die Spezifikation vor… und selbst dann bekommt es die LHDBw regelmäßig nicht hin.
    Da sollte man aus dem Jahre 2003 auch ein Gerichtsurteil zum Thema finden.

    Da findet man:
    Dienstgradschlaufen, die nicht Vorschriftenkonform sind
    Feldmützen mit TSK-Aufnähern, die es so nicht gibt
    Unterhemden, die zwar dienstlich aussehen (Hoheitsabzeichen), aber kein Klett für Dienstgradabzeichen haben
    Windstopperjacken, die dienstlich zum Zeitpunkt nicht genehmigt waren
    […]

    An der Stelle würde ich die Schuld also ausdrücklich mal bei der LHDBw suchen… beim BMVg nur insofern, dass ich mangelnde Kontrolle attestieren würde – aber der Führungsprozess ist im BMVg ja auch nicht zwingend umzusetzen, oder?

  • BlueLagoon   |   26. Februar 2015 - 17:18

    @ Handheld:

    Man(n) kann Dinge, die „suboptimal“ geregelt sind, mit der Holzhammermethode bearbeiten – aber auch mit einem gelegentlich humorvollen/ süffisanten/ ironischen/ sarkastischen oder sonstwas Unterton beleuchten.

    Das Letzte, was unsere Junx und Mädels m.E. brauchen, ist den Humor zu verlieren und ein „sich-resignierend-zurückziehen“, das letztlich darin mündet, daß niemand mehr etwas sagt nach dem Motto „Was soll’s, ändert sich eh nichts“.

    Ich habe immer noch die blauäugige Hoffnung, daß der eine oder andere Verantwortliche von Bw, Bundestag, V-Ausschuß oder wo auch immer, gelegentlich mitliest und vielleicht die nötigen Konsequenzen zieht, wenn auch nur in kleinen Schritten und im eigenen „Dunstkreis“.

    „Attraktivitätssteigerungsgesetz“ – allein für das Wort ist bestimmt mindestens einer zweimal befördert worden …

    In diesem Sinne:

    Ähemmm …

  • Handheld   |   26. Februar 2015 - 19:48

    BlueLagoon | 26. Februar 2015 – 17:18
    @ Handheld:

    Man(n) kann Dinge, die “suboptimal” geregelt sind, mit der Holzhammermethode bearbeiten – aber auch mit einem gelegentlich humorvollen/ süffisanten/ ironischen/ sarkastischen oder sonstwas Unterton beleuchten.

    Das Letzte, was unsere Junx und Mädels m.E. brauchen, ist den Humor zu verlieren und ein “sich-resignierend-zurückziehen”, das letztlich darin mündet, daß niemand mehr etwas sagt nach dem Motto “Was soll’s, ändert sich eh nichts”.

    Da haben Sie Recht. Ich glaube sonst werden die Junx und Mädels noch wirklich krank.
    „Gibt es denn eine bessere Form mit dem Leben fertig zu werden als mit Humor und Liebe?“ ;)

    Ich habe immer noch die blauäugige Hoffnung, daß der eine oder andere Verantwortliche von Bw, Bundestag, V-Ausschuß oder wo auch immer, gelegentlich mitliest und vielleicht die nötigen Konsequenzen zieht, wenn auch nur in kleinen Schritten und im eigenen “Dunstkreis”.

    Ahhhhhh, wie naiv von Ihnen!!!! Klingt nach der „Kettenreaktion der Guten“ auf die Sie da hoffen. Mehr nachzulesen bei P. Watzlawick glaub sogar zum Thema Kultur.

    Jedoch möchte ich Ihren Optimismus gleich im Keim ersticken:
    Jeder lebt in seiner eigenen Welt. So in etwa beschreibt es der radikale Konstruktivismus (Hilfe, bin kein Sozialpädagoge oder Kommunikationswissenschaftler! Sieht man bei meiner Ehe =D ;) ). Und da würde ich sagen versucht jeder sich ein stabiles Weltbild aufzubauen. D.h. man agiert in der Selbstbetrachtung (der Spiegel im Schulterklopfautomaten) immer richtig. Wenn der Mensch dazu tendieren würde, sich selber ständig zu hinterfragen müsste man ihn zum Profi/Psychologen schicken.

    Bei der Bw hat sich eine Kultur etabliert, bei der im Bericht beschriebene Fall „Normalität“ bedeutet. Für diese Normalität sind wir (SIE und ich wohl auch;)) die Abnormalen. Da können Sie noch so mit Fakten etc. kommen. Besonders weil man den Gegenüber fach-/sachlich nicht überzeugen kann. Ein jeder selbst müsste von selbst auf die Lösung kommen um das zu akzeptieren wie es wirklich ist/Laut uns zu sein scheint!?

    Beispiel gefällig? Nehmen wir…. Den Drehflügler:
    Gewisse Personen erzählen derzeit etwas von wegen Zulassung. Andere kommen daher und sagen, das wäre aus diversen Gründen nicht notwendig. Dann kommen gewissen Personen wieder daher und reagieren mit fachlichen Argumenten und werden emotional. Dann kommen wieder die anderen und reagieren emotional mit Gründen, warum das nun wieder egal ist oder auch nicht (also, Zulassung, wird ja eh immer nur hergenommen wenn man etwas nicht will oder eben andersrum).
    Wie bekomme ich nun den anderen von meiner Meinung überzeugt?
    Laut gewissen Theorien geht das nur über gezieltes fragen und NUR über die Beziehungsebene [afaik]. Genug dieser Ausführung (wird ja sonst OT [Original-Ton] ;)).

    Wo waren wir? Ach, „normal“…
    Weiterhin wären Verhaltensweisen von Systemen in Betracht zu ziehen. Ein Beispiel aus meiner Ehe:
    Meine Frau regt sich auf, dass ich etwas (nicht) gemacht habe, ich rege mich auf, dass meine Frau sich aufregt, daraufhin regt sie sich auf, dass ich mich aufrege… Und das immer wieder. Ein quasi „Teufelskreis“. Nun könnte der eine sagen: seid Ihr Euch sicher mit der Ehe? Streitet Ihr über Drehflügler?
    Der andere könnte sagen, das liegt am „System“, das sich immer wiederholt in der Form, dass wir immer mit der gleichen Lösung auf ein scheinbar gleiches Problem reagieren: ich habe etwas (nicht) gemacht [wer kennt das nicht? Die Drehflügler bitte? ;) ].
    Nun, wir sind nicht geschieden (und werden das nicht sein, hoffentlich ;) Wenn der SeaLion kommt oder die nicht-Infanteristen Strickmützen tragen können Sie mich nochmal fragen) und was hat das mit der Bundeswehr zu tun?

    Die Bundeswehr ist auch nur ein System und agiert immer nach den selben Schemata. Immer wird die gleiche Lösung für scheinbar gleiche Probleme angewendet. Das kann man schön hier im Blog dokumentiert nachlesen [danke T.Wiegold], hinzu kommen die Erfolgsmeldungen der Bundeswehr (Pressearbeit)…
    Dass das nicht funktionieren kann haben schon viele kluge Leute kund getan. Leider kommt man da so schwer raus, weil es doch immer Menschen sind, die agieren. Die Kultur der Bw ist im Eimer. Da raus zu kommen würde viel Kraftanstrengung benötigen. Dafür ist aber mittlerweile jeder eher „sich selbst der Nächste“. Die Einzelfälle, bei denen einzelne sich selber nicht über das System (und die eigene Karriere, da systemtheoretisch gefördert) stellen werden, ähnlich in der Biologie, nach außen geschoben und abgestoßen [krasse Behauptung meinerseits, i know].
    da helfen auch Willensbekundungen von KtzG, TdM, vdL und weiteren Abkürzungen [Wissen Sie noch? „Verantwortung übernehmen“, „Fehlerkultur“ und mein Liebling „vom Einsatz her denken“], die mal ganz oben im System standen, stehen und stehen werden nicht wirklich viel. Es müsste halt mal jemand anfangen, das System KOMPLETT ANDERS reagieren und Nachahmer gefördert werden.

    Da dies nicht passieren wird [weil wie eben geschildert], können wir hier weiterhin den „Teufelskreis“ Bundeswehr beobachten und kritisch, manchmal mehr oder weniger fröhlich kommentieren und hoffen, dass die wichtigste Ressource der Bundeswehr (nein, kein Drehflügler!!! Das wäre dann der Mensch, den ich meine) nicht darunter leidet.

    Also ja, schaut mal was um Euch rum passiert, nehmt es mit Humor und seid Euch bewusst, dass Ihr die Bundeswehr nicht retten könnt. Es soll ja m
    Menschen geben, die die Welt verändern wollten. Physikalisch betrachtet muss dafür der Hebel aber ganz schön lang sein.

    [ich hoffe die Sozialwissenschaftler hauen mir meine Ausführung nicht um die Ohren. Bitte um Vorsicht: die sind zerbrechlich].

    “Attraktivitätssteigerungsgesetz” – allein für das Wort ist bestimmt mindestens einer zweimal befördert worden …

    Ich bin ein bisschen neidisch auf den, der hier „kreativen Neologismus“ betrieben hat. Das hebt die Messlatte der Besten der Besten der Besten doch recht hoch… Und wir alle wissen, wen die Bw wirklich braucht ;)

    In diesem Sinne:

    Ähemmm …

    Ähemmm … :)

    P.S.: falls ein Amtmann o.Ä. hier lesen sollte: ich halte viel von der fachlichen Kompetenz [die ich mit meinem eher nicht so ausgeprägtem Sachverständnis wahrnehmen kann] und auch von denen, die sich gegen die Meinungen vom Amtmann etc. trotz heftiger Kritik dagegen“ auszusprechen versuchen“ (die mit dem kurzen Nickname). Lassen Sie sich bitte nicht unterkriegen, weder der eine noch der andere. Gerade im Internet sollte nicht immer eine einseitige Betrachtung zur „Normalität“ gehören. Die „Kämpfe“ sind schlussendlich innerhalb der Firma Bundeswehr auszufechten. Gibt ja Firmen, die Konflikte fördern. Ohne Dissens keinen Konsens oder so ähnlich ;)

  • erzgebirger   |   26. Februar 2015 - 20:05

    Da sind sie wieder, die Probleme der Bw, beispielhaft an der Strickmütze.
    Ich erinnere mich an eine UWB bei 371, da wurden Anzüge vorgestellt, die noch „erlaubt“ waren- mit den Worten, der Afghanistan Einsatz sei vorbei. Manch einer wollte danach Plattenträger gegen Lochkoppel tauschen….
    Ironie off:
    wie gesagt, die Strickmütze is nur ein Beispiel. Wieviel Fu2 Wölfe sind denn auf grün(der VW Syncro Rüstsatz Fu den ich dort gesehen habe war nur Kurzzeitmiete)? Wieviele der FuGer einsatzbereit? Klarstand MG? Ausstattung Scharfschützen, entspricht die dem Soll? Nachtsichfähigkeit, GPS-Geräte?Oder wer in den 4er Leisten der Kp´n ist für SASPF ausgebildet? Stand der Frequenzenplanung – und Anforderung) Alles Fragen die man die Zuständigen fragen sollte.
    Bloß leider nicht nur ein Thema bei der Speerspitze, sondern in allen Vebänden des Heeres. Vom Personal gar nicht zu reden. Wer da jetzt in MAB in den hinteren Kampfräumen sitzt will ich eigentlich gar nicht wissen.

  • Stephan   |   26. Februar 2015 - 20:12

    Ich bin froh in einer Armee gedient zu haben,
    wo mir der Dienstherr alles was ich zum Kämpfen und überleben brauchte zur Verfügung gestellt hat.
    Im Parlament die Hand für den Einsatz heben aber an der notwendigen Ausrüstung sparen oder ist denen egal was aus unseren Soldaten wird? Meine Kinder und Enkel sollen in einem möglichen Konflikt wenigstens die Chance zum überleben haben.

  • Memoria   |   26. Februar 2015 - 20:42

    @erzgebirger:
    Richtig, nur leider kommen diese Mißtände nur „nach oben“, wenn der Wehrbeauftragte (Großgerät) oder der BEA (NRF) darauf hinweist.

    Das sagt ja schon sehr viel über die Realitäten der Inneren Führung und zeigt auch, dass Geld nur ein Teil des Problems und damit auch nur Teil der Lösung ist.

    Die Bw hat seit der Aufstellung der QRF nichts gelernt, dass ist das Problem.
    Aber die Generalität erzählt weiterhin das Gegenteil (GenLt Vollmer: „… bei ISAF erwachsen geworden…“).

    Die Kombination aus Desinteresse, Anspruchslosigkeit und Opportunismus ist zudem ein erhebliches Defizit mit Blick auf die Attraktivität des Dienstes.

    Aber wen interessiert das?

    Der GI persönlich mußte per Weisung die Stäbe und KdoBeh in Sachen materielle Prioritätensetzung NRF „einnorden“.

    Spätestens jetzt müßte „Bruno, der Problembär“ nach Hause gehen.

    Aber so durchbricht man das „Kartell der Mittelmässigkeit“ (s.o.) nicht.

    Lieber ein bischen Attraktivitätsgesetz und Weißbuch – und so schleppen wir uns bis 2017 durch (siehe „Diskussion“ um Rücknahme des dyn. Verfügbarkitsmanagements).

  • Insider   |   26. Februar 2015 - 20:47

    So lange wir noch Geld haben um tolle Faltblättchen und Poster mit dem Selbstverständnis der Soldaten des Heeres und ähnliche Eigenpropaganda zu drucken ist doch im #weltklasseheer# alles gut (Ironie off)
    Wenn ich schon höre das den PzGrenadieren die Mützen nich zustehen nur weil sie keine Infantrie sind, kann ich nur den Kopf schütteln. Die Mütze braucht der Soldat der im Winter draußen übt, egal ob Jäger, Sani oder FmSoldat. Aber wie schon mehrfach gesagt ist das nur die Spitze eines riesigen Eisbergs…

  • StMarc   |   26. Februar 2015 - 20:50

    Fuer mich als Externen sieht das alles so aus, als wenn die Betriebswirtschaftler tatsaechlich ihr Ziel erreicht haetten: die BW verhaelt sich tatsaechlich wie ein großes Unternehmen. Mit Jasagern und SAP-Problemen. Herzlichen Glückwunsch.

    In der Wirtschaft fuehrt so etwas eventuell in die Insolvenz. Bei der BW wird das Blut kosten.

  • erzgebirger   |   26. Februar 2015 - 20:56

    @ Memoria:

    Sie treffen es auf den Punkt. Der letzte Kommandeur den ich kannte, der Eier in der Hose hatte, hat nach einer kurzen Zeit im BmVg die Bw verlassen. Zitat:“Das kann ich nicht mit meinem Selbstverständnis als Soldat vereinbaren.“
    Verantwortung besteht für die meisten Offiziere in Schnauze halten, grün melden. Selbst die, die als ZgFhr oder Chef noch dem Ideal entsprechen, werden ab einer gewissen Ebene solange zurechtgebogen, bis sie passen oder brechen. Der Chef 371, der die Schwerpunkt-Kp führt, hat gute ZgFhr, gute Uffze und gute „Landser“. Dennoch hat der ein oder andere Leistungsträger die Bw auf eigenen Wunsch verlassen, raten Sie mal warum.

  • BlueLagoon   |   26. Februar 2015 - 21:26

    @ Handheld:

    Na, DA habe ich ja was losgetreten …

  • Bin_dabei   |   26. Februar 2015 - 21:34

    Lassen wir mal die Strickmützen beiseite. Zur Zeit wird heeresweit alles fehlende Mat für die VJTF-Speerspitze zusammengesammelt, um den Verband zu 100% nach Soll-Org auszustatten. Damit einhergehend ist zwangsläufig, dass anderen Verbänden das für deren Aufträge erforderliche Engpassmaterial bis zum Ende der Standby-Phase genommen wird. Man dreht sich nur im Kreis und das weil unsere Politik überall die Führungsrolle übernehmen will, wo’s einigermaßen ungefährlich ist, um nicht in gefährlicher Einsätze hinein gezwungen zu werden. Mit den großen Hunden bellen wollen, aber das Beinchen zum Pinkeln nicht hoch bekommen…

  • Handheld   |   26. Februar 2015 - 21:43

    BlueLagoon | 26. Februar 2015 – 21:26
    @ Handheld:

    Na, DA habe ich ja was losgetreten …

    Alles im „grünen Bereich“. Oder meinen Sie jetzt meinen neuen Ehestreit? Wäre schön wenn ich Ihnen dafür die Schuld geben kônnte?! Ich habe verwaltungssicher gehandelt. Naja, sage ich zumindest wenn mich meine persönliche Regierung mit kleinen Anfragen in frühen Abendstunden „nötigt“ [will nicht „nervt“ schreiben, muss man doch auf die politisch korrekte Wortwahl achten] ;)

    Jetzt ist aber wirklich gut, der Zaun hat keine Pfähle mehr.

    P.S.: ähemmm … ;))

  • BlueLagoon   |   26. Februar 2015 - 21:49

    @ Bin_dabei:

    „Mit den großen Hunden bellen wollen, aber das Beinchen zum Pinkeln nicht hoch bekommen…“

    Huch, das ist ja reaktionär !

    Politisch und gesellschaftlich korrekt und mittlerweile etabliert ist eh das „Sitzpinkeln“ …

    Ähemmm …

  • BlueLagoon   |   26. Februar 2015 - 22:06

    @ Handheld:

    „… wenn mich meine persönliche Regierung mit kleinen Anfragen in frühen Abendstunden “nötigt” …“

    „In frühen Abendstunden ?“

    Na DA haben Sie ja Glück – in Zukunft können Sie sich auf die 41-Std-Woche oder auf die Teilzeitregelung berufen.

    Wenn das auch nicht hilft, würde ich mit meiner Chefin mal die neue „Arbeitsstättenverordnung“ diskutieren … ( Über DIE wurde hier m.W. noch gar nicht geredet – ich denke mal an Panzerbesatzungen, die Junx in den Maschinenräumen von Schiffen etc. DAS wäre mal eine Aufgabe für Frau Ministerin. ).

    Ähemmm …

  • Sascha Stoltenow   |   26. Februar 2015 - 22:13

    Ganz einfacher Lösungsvorschlag. Jeder Soldat ist per definitionem Sicherungssoldat und weil das Draußen stattfindet, ist er oder sie immer mit dem kompletten Umsonst-und-Draußen-Paket inklusive Mütze und einem geeigneten Rucksack auszustatten. (Mit meinem günstigen britischen Berghaus-Klon habe ich gerade unseren Großen auf Skifreizeit geschickt. Passte alles rein und war deutlich praktischer als die Rollkoffer der anderen. Eine Strickmütze hat er auch).

  • CRM-Moderator   |   26. Februar 2015 - 22:17

    @handheld 19:48
    Sie habens erkannt: Intellektuell am Ende.

    Sicherheitspolitik=Rüstungspolitik=Wirtschaftspolitik
    Das ist die Ungleichung mit den 3 Bekannten und dem aktuellen Ergebnis.
    Die Matheprofis können mich gerne maßregeln….

  • Schorsch52   |   26. Februar 2015 - 22:21

    @bluelagoon 14:33

    … die Älteren werden sich erinnern. So um 1985 haben sich viele unserer Wehrpflichtigen in Grafenwöhr kompanieweise Ohren und Nasen erfroren. Schon damals haben wir uns gefrag,t wie das passieren konnte. Schließlich gab es kaum eine andere Armee auf der Welt, die soviel Erfahrung mit abgefrorenen Ohren hatte, wie die damalige unsrige. Was hatte die Bundeswehr daraus gelernt?

  • Walserwacht   |   26. Februar 2015 - 22:54

    1. Viele Soldaten jammern auch über die Ausrüstung, weil sie nicht wissen, dass sich dahiner bestimmte Konzepte verbergen, die durchaus sinnvoll sind. So hört man z.B. immer wieder die Klagen, dass die BW so altmodische Baumwollparka hätte und dazu umständlicherweise noch eine zweite Jacke als Nässeschutz. Das könne man doch viel effizienter in einer Jacke vereinen, wo es doch heute so super High-Tech-Fasern etc. gäbe.
    Allerdings hat die Baumwolljacke eben den Vorteil, dass sie sehr flammhemmend ist, im Unterschied zu einer Jacke aus mehr oder weniger Plastik, in denen der Soldat zur Fackel werden könnte. Solche Überlegungen sind vielen Unzufriedenen oft nicht bewusst, die nur die von der Industrie angepriesenen Jacken aus dem Outdoorshop bewundern und vergessen, dass die für den nichtmilitärischen Einsatz gedacht sind.

    2. Das Problem der BW ist nicht eine vermeintlich schlechte Ausrüstung. Das sind alles nur sinnlose Nebenkriegsschauplätze. Denn im Vergleich zur den Franzosen z.B. konnte ich in der DF-Brigade feststellen dass wir in der BW die deutlich bessere Ausrüstung haben. Trotzdem sitzen wir mit unserer Ausrüstung nur rum, während die Franzosen mit dem Fallschirm über der Wüste abspringen und Taliban vernichten.
    Alles eine Frage der Einstellung, die sich meiner Meinung nach nicht unbedingt in der Mütze spiegelt.

  • erzgebirger   |   26. Februar 2015 - 23:34

    @ Waiserwacht: nehmen Sie mir es nicht übel, aber sie erzählen dünnschiss. Die bundeswehr kommt seit jahren mit unangepasster ausrüstung und dem fehlenden politischen Willen zurecht. In Afghanistan teilweisen in schweren Gefechten. Die Franzosen können anders weil der politische Wille anders ist. Und die bessere Ausrüstung ist nach meiner Meinung und Erfahrung nicht der Bundeswehr zu zurechnen, sondern der Initiative von Einheitsführern oder der Soldaten selbst. Werfen Sie mal einen Blick in die Waffenkammern und Spinde von 371, da liegt mehr privat beschafftes Zeug rum als sie denken.

  • Bang50   |   27. Februar 2015 - 0:03

    @Walserwacht – Sie bekommen gerade ein paar Dinge durcheinander. Baumwolle brennt wie Zunder, hinterlässt aber dafür keine Rückstände, welche sich in die Haut schmelzen wie Polyester.

    Schafswolle ist zumindest flammhemmend und brennt sich nicht in die Haut ein. Feine Merinowolle kratzt darüber hinaus nicht und ist deshalb gerade als „High-Tech-Faser“ ein sehr beliebtes und von Soldaten geschätztes Material. Trotzdem hat die BW keine/kaum Merino Wäsche im Programm.

    Von Hardshells etc.. brauchen wir nicht reden. Die sind in der BW ca. 5 Generationen hinter den zivilen Materialien hinterher. Aber die BW ist auch nicht ganz untätig.. IDZ-ES und feuerfeste Hardshell Materialien für die Spezialkräfte wurden entwickelt und zum Teil eingeführt. Nur sind die einerseits in so kleinen Stückzahlen vorhanden bzw. von unglaublich schlechter Verarbeitungsqualität (IDZ-ES) bei einem völlig überzogenen Preis (man munkelt, das Combat-Shirt bei IDZ-ES soll ca. 500 Euro kosten). Es musste eben mal wieder das Rad neu erfunden werden und bereits vorhandenes know how von Outdoor-Herstellern konsequent vermieden werden.

    Im Ergebnis ist das Zeug so teuer, dass nur wenige Soldaten ausgestattet werden können und damit wird das eigentliche Ziel einer querschnittlichen Austattung verfehlt . –> Mission gescheitert

    Da brauchen wir uns auch nicht toll fühlen wenn die Franzosen noch mieser dastehen. Die werden wenigstens pragmatisch, effektiv geführt und sind einfach nur arm. Wir hingegen sind systematisch bürokratrisch, unfähig und das kann kein Geld der Welt richten.

  • Kerveros   |   27. Februar 2015 - 7:44

    @Sascha Stoltenow:
    „Ganz einfacher Lösungsvorschlag. Jeder Soldat ist per definitionem Sicherungssoldat “

    Selektive Wahrnehmungsverschiebung – JEDER Soldat IST auch Sicherungssoldat, wird immer wieder betont, wenn es um IGF und Co geht.

    Dagegen sprechen:
    – UvdL und die den Drehstuhl verteidigenden Moppelchen
    – die dadurch entstehenden Kosten für Ausrüstung
    (mal von den immensen Schadensbearbeitungen ganz zu schweigen… die meisten Sodlaten sind ja jetzt schon nicht in der Lage, ihre Ausrüstung zusammen zu halten)

    Es gibt ja auch nicht DEN Sicherungssoldaten…das wäre dann ein Sekundärproblem.

    Um einfachmal ein paar Absurditäten mehr in den Raum zu stellen: Nach dem Einsatz ist die Zusatzausstattung (FA, 3TD) wieder zeitnah abzugeben… bis auf die Sachen, die am Körper getragen werden (Unterwäsche, Stiefel…)… so mancher kleidet sich dann mehrfach im Jahr ein und aus, weil der regelmäßige Einsatz zwar absehbar ist, er als Unterstützungspersonal aber auf einer Stelle sitzt, auf der der Verbleib der Zusatzausstattung beim Soldaten nicht vorgesehen ist. Auf der anderen Seite ist mit den wenigen Zentren, in denen man für den Einsatz eingekleidet werden kann, die Einkleidung kurzfristig gerne mal ein Problem… und kurzfristig ist nicht gerade selten.

    D.h. unabhängig von dem Dienstposten sollte heutzutage eigentlich jeder MatBewFw, ITSysAdminFw, MilNwFw […] schon die gepackte Kiste im Büro stehen haben…

    Auf der anderen Seite kommen dann wieder die Gegenaktionen ähnlich sinnfrei: die ABC-Maske (2000) wird nun alle 4 Jahre turnusmäßig ausgetauscht… ob erforderlich oder nicht. Auf der einen Seite wird entsprechendes Material, Autoinjektoren etc nicht mehr bei den Einheiten gelagert, weil der Gebrauch unrealistisch ist, auf der anderen Seite wird da ein enormer Aufwand betrieben, obwohl das einzige, was der Soldat in der Sache auf ‚Lager‘ haben sollte, die Maskenbrille wäre (so er die denn braucht).

    Auch wenn nSAK mit beiden Waffen ausgebildet wird, dürften die wenigsten Einheiten im Waffensoll entsprechende Mengen an Pistolen vorhalten… ähnlich sinnvoll.

  • Dominik   |   27. Februar 2015 - 18:11

    @ Thomas Melber | 26. Februar 2015 – 16:36
    „Immerhin wird die Munition noch gestellt …^^“

    Schön wäre es. Ich habe selbst erlebt, dass die Ausrüstung für eine Übung mit AGDUS von anderen Einheiten mühsam zusammengeschnorrt wurde und am Ende die Üb-Mun fehlte. Traurig aber wahr, da wurde dann tatsächlich humorvoll „peng peng“ gesagt, wenn man das Feuer eröffnete. Aber es ging ja nur um das taktische Verständnis, realistische Gefechtsübung war nicht Teil der Ausbildung. Facepalm.

  • MA   |   28. Februar 2015 - 7:48

    Ein befreundeter Offizier hat vor ca. 2 Jahren den derzeitigen GI unmittelbar angeschrieben und ihm auf materielle Defizite in seiner Einheit und auf die Auswirkungen für deren Ausbildungsstand hingewiesen.

    Das Antwortschreiben des GI lässt jeglichen Bezug zur Realität vermissen.

  • Boots on the Ground   |   01. März 2015 - 15:19

    Der Brief und das Antwortschreiben wären vermutlich eine Veröffentlichung wert…

  • T.Wiegold   |   01. März 2015 - 15:42

    Oh ja, das hätte ich gerne ;-)

  • Memoria   |   06. März 2015 - 8:20

    Also aus Sicht des Heeres ist alles Weltklasse:
    http://tinyurl.com/o2g93ww

  • Zimdarsen   |   06. März 2015 - 9:28

    Der Leiter Wehrverwaltung und Rüstung im Bundeskanzleramt sieht die Verteidigungsfähigkeit der Bw für sichergestellt. (laut einer öffentlichen Äußerung am gestrigen Abend).

    Also wo ist das Problem?

  • Memoria   |   06. März 2015 - 15:55

    Der InspH kommt nächsten Dienstag zur Dienstaufsicht nach Marienberg (Presse ist auch eingeladen)
    .
    Mal sehen, ob man bis dahin alles da hat für die „dog-and-pony-show“.

    @T.W.:
    Sind sie mit dabei?

  • T.Wiegold   |   06. März 2015 - 16:22

    @Memoria

    yep.

  • wacaffe   |   06. März 2015 - 16:35

    @ T.W.

    nach möglichkeit schnellstmöglich aus der entourage des generals entfernen und in irgenwelchen dunklen ecken mal von Mannschaftern/Uoffzen die realität erzählen lassen.

    gibt sicher einen schönen kontrastartikel zum offiziellen besuchsresümee

  • Memoria   |   06. März 2015 - 23:53

    @T.W.:
    Da wird man ja sicherlich noch einen großen Türken bauen.
    Denn das Weltklasse-Heer des Bruno Kasdorf traf mit dem Besenstiel auf die organisatorische, materielle und personelle Realität an der Basis.
    Bin mal gespannt wie sehr beim besuch hinter die Kulissen geschaut werden kann.

    Denn das Kdo H versteht Fehlerkultur ja weiterhin nicht.