Deutsche Marine sichert Vernichtung syrischer Chemiewaffen

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Nach wochenlanger Verzögerung hat am (heutigen) Donnerstag die endgültige Vernichtung syrischer Chemiewaffen begonnen – und damit auch die Arbeit der Deutschen Marine, diese Vernichtung auf hoher See abzusichern. Die gefährlichen Stoffe wurden in Süditalienauf das US-Spezialschiff Cape Ray verladen, das danach ins Mittelmeer auslief. Die deutsche Fregatte Augsburg begleitet die Cape Ray und soll das Schiff und die Chemiewaffen während der Vernichtung vor möglichen Angriffen sichern – die Gefahr wird zwar als gering eingeschätzt, sollte es aber zu einem Zwischenfall kommen, könnten die Folgen verheerend sein.

Der Bundestag hatte diese Mission am 9. April gebilligt; dabei hatten – nach heftiger innerparteilicher Debatte – erstmals auch Abgeordnete der Linksfraktion dem Einsatz zugestimmt.

Die Augsburg hatte sich seit April im Mittelmeer für diese Aufgabe bereit gehalten. Weil sich der Abtransport der Chemiewaffen und Chemikalien aus Syrien auf den dänischen Frachter Ark Futura verzögert hatte, waren die letzten Container mit den gefährlichen Stoffen erst am 23. Juni aus dem Land abtransportiert worden. In den nächsten Tagen soll die Fregatte Schleswig-Holstein die Augsburg ablösen. Ein finnisches Boarding-Team, das derzeit an Bord der Augsburg stationiert ist, soll sich nach der Übergabe auf der neu eingesetzten Fregatte für mögliche Zwischenfälle bereithalten.

(Foto: Blick aus der Operationszentrale der Augsburg auf die Cape Ray – Bundeswehr/Christian Kruse)

17 Gedanken zu „Deutsche Marine sichert Vernichtung syrischer Chemiewaffen

  1. Die Finnen, wie schön.

    Wie sagte mal ein finnischer CHOD (2006) auf die Frage nach der finnischen peaceenforcjing policy so schön:

    „Well, first U have to show credible force and determinatiion. If the bad guys do not comply, demonstrate force. If they still don’t comply, use force. If they still don’t. kill them“

  2. Kurze Nachfrage:

    Hatte die Augsburg auch den dänischen Frachter „Ark Futura“ geschützt, der die Chemiewaffen nach Italien gebracht hat?
    Falls nicht, wer hat das sonst übernommen?

  3. @K.B.

    Laut Website der Marine möchte man die Zusammenarbeit mit Finnland ausbauen.

    Außerdem denke ich, dass man ganz froh ist keine eigenen Boardingkräfte stellen zu müssen, es gibt ja nur eine Kompanie im Seebataillion und die muss neben dem Personal für Einsatz am Horn von Afrika auch noch Kräfte für Manöver und Ausbildungshilfe wie „Obangame Express“ stellen.

  4. @K.B., Klabautermann

    Nein, die Augsburg jedenfalls hat die Ark Futura nicht geschützt, das war nach meiner Erinnerung ein Verband div. anderer Nationen, an dem auch Russen und chinesen beteiligt waren. Bei der zweiten Stufe ging’s auch ein wenig darum, die Russen nicht mehr dabei zu haben, weil man ja die Kooperation wg. Ukraine runtergefahren hat.

  5. @T.W.

    stimmt, im direkten Schutz war AUG nicht dabei. Aber durch die Verzögerung des letzten Kampfstoff-Transportes durch die Ark Futura hatte die Augsburg ja viel Zeit und Gelegenheit mit der USN zu üben. Train as U fight……
    ;-)

  6. @K.B.

    Die Ark Futura wurde durch die Chinesische JIANGKAI II Fregatte HUANGSHAN, das Norwegische NORDKAPP Küstenwachschiff ANDENES, den Russchen UDALOY Zerstörer VITSE ADMIRAL KULAKOV und eine Ticonderoga beschützt, deren Name mir aber grad entfallen ist.

    Die ESBERN SNARE und PETER DER GROSSE tuckelten ja auch ab und an um die beiden CW Tarnsportschiffe rum….

  7. Bewachung, Schutz wichtig oder nicht- kann man gut drüber streiten, war wohl auch hier mal Thema.
    M.E. ist das Zustandekommen der DEU Mission wieder mal ein Paradebeispiel für den sicherheitspolitischen DEU Weitblick.
    Mal ins Blaue:
    UNO beschliesst eine Mission in 2013- andere Nationen sichern den Transport des bösen Zeugs nach ITA- in 2014 kriegt irgendjemand in DEU das mit und stellt die Frage, warum sind wir nicht dabei?-statt zu antworten: ohne Arme- keine Kekse-wird geschaut, was tingelt von DEU Seite gerade durch die Welt- EAV mit Kadetten ist dann das Mittel der ersten Wahl (und einzigen Wahl)- jetzt, wo der richtig gefährliche Teil durch ist, sind wir seit April dabei-toll. Wenn alles nach UNO Plan gelaufen wäre, wäre man im Februar durch gewesen – das sich alles verzögert hat, war grosses Glück, den signifikanten DEU Beitrag einzubringen.
    P.S. Die Besatzungen geben immer alles, da sind wir uns wohl einig.

  8. @Les Grossmann

    Hm, nein. Einfach mal nachlesen, auch hier im Blog: Die schwarz-gelbe Regierung hatte eine deutsche Beteiligung an der Vernichtung der Chemiewaffen in jeder Form abgelehnt. Nach dem Regierungswechsel hat sich Deutschland dann beteiligt, mit der Vernichtung von Reststoffen in Munster und eben dieser Sicherungsaktion.

  9. @T.W.
    hm, komisch kommt mir dennoch Seibert am 20.11.13 bis dann Bundestag berät im April 2014 über Mission vor. Denn eigentlich sollte die UNO Mission bis Februar 2014 abgeschlossen sein. Und das Zustandkommen der Marinesicherung wie (überspitzt?)beschrieben habe ich tatsächlich aus sachkundigem Munde so erfahren. Aber vielleicht gibt es ja Bescheidwisser in Potsdam oder Rostock oder Glücksburg zu diesem Thema.

  10. @Les Grossmann:
    Sie haben recht. Das wurde vorallem „getriggert“ durch den Anteil UNIFIL in Limasol, welche dem EinsFue gemeldet haben, dass alle „Big Player“ sich an dieser OPS beteiligen. USA, CHN, FRA, GB, NOR, DNK waren mehr oder weniger dauerhaft beteiligt. Eigentlich sollte die OPS (TG 420) bis Ende Januar abgeschlossen sein. Verzoegerte sich dann aber immer weiter (Details zu dem „warum“ mal weggelassen). Das EinsFue hat den in Dauerschleife laufenden Hinweis aus Zypern dann an das BMVg durchgeleitet und so kam letztenendes Zustande, dass man seitens der Marine geschaut hat, was denn noch so fahrbereit herumtuckert. Das war die Geschichte zur Sicherung, welche getrennt von der Vernichtung zu betrachten ist. Denn nur die wenigsten vor Ort sind auch an der Vernichtung der CW beteiligt. Interessant dabei auch, wer die Leitung des CW-Abtransport inne hatte. Die DNK zusammen mit den NOR hatten den Lead in dieser Sache und haben mal wieder schneller geschaltet und unbuerokratischer aggiert. Und interessant auch, dass nachdem die ESBERN SNARE bei der TG 420 teilgenommen hatte (CW-Transport, Anfang 2014), die gleiche Einheit bei der SNMG1 im Anschluss wiedersieht (Mitte 2014). Also, Besatzungsrotation und Intensivnutzung, bei dem die Seefahrer unserer Marine (leider viel zu wenige) nur neidisch zusehen koennen.

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