Unverändert mit Einzelfallgenehmigung: Kooperation mit den Afghanen im Norden

Nach der Aufmerksamkeit erregenden Weisung des ISAF Joint Command, mit der die gemeinsame Patrouillentätigkeit von afghanischen Sicherheitskräften und ISAF-Truppen bis auf Weiteres eingeschränkt wird, interessiert natürlich die Auswirkung auf das (deutsch befehligte) Regionalkommando Nord in Afghanistan. Dazu aus dem Verteidigungsministerium in Berlin:

Die ISAF Strategie bleibt unverändert. Vor dem Hintergrund der aktuellen Reaktionen auf das umstrittene Video „Innocence of Moslems“ und in Umsetzung des entsprechenden Weisung des ISAF Joint Commands hat auch das Regionalkommando Nord die Sicherheitsmaßnahmen erhöht. Die Zusammenarbeit mit den afghanischen Sicherheitskräften wird im Verantwortungsbereich des Regionalkommandos Nord unverändert fortgesetzt.
Auf den untersten Ebenen, d.h. unterhalb der Bataillonsebene, nach Einzelfallprüfung und Genehmigung durch das Regionalkommando.

Also unverändert, aber nach Einzelfallprüfung und Genehmigung. Hm. Ist das nicht auch eine Veränderung?

9 Gedanken zu „Unverändert mit Einzelfallgenehmigung: Kooperation mit den Afghanen im Norden

  1. Im Ergebnis wird man wie 2007/2008 die OMLT bzw. Advisory Teams immer dann zurückhalten, wenn sie gebraucht werden.

    Allein schon die Sichtweise von ISAF (mit Verweis auf das SFA Concept) und des BMVg, dass man ja ab der Bataillonsebene weitermacht, zeigt mir, dass man das Wesen eines solchen Krieges immer noch nicht erfasst hat (10 Jahre sind halt zu wenig Zeit für ne ordentliche Bürokratie, um Grundlegendes zu lernen).
    Denn Brigade, Korps und MoD sind nicht die entscheidenden Stellen – aber wir wollen uns ja am Liebsten auch nach 2014 auf das MoD konzentrieren.

  2. @StFwdR

    Politiker kennen keinen Schmerz. Soldaten, die sich taktisch durch Politiker „führen“ lassen, haben den Schmerz eben verdient. …..oder auch: fisherman’s friend

  3. Das ist mal wieder (falsch verstandenes), „typisch deutsches“ Gutmenschentum….

    Genauso, wie Herr Westerwelle immer wieder betont hat, das die Deutschen zwar auf Grund des Islam-Videos alarmiert seien, aber keine Gefahr drohe, da die Radikalen sich auf die USA konzentrieren würden…

    Tja-zu dumm nur, das die „Radikalen“ keinen Unterschied zwischen einem (Ungläubigen) Amerikaner oder einem (Ungläubigen) Europäer machen….

  4. @huey | 19. September 2012 – 7:06:

    „Zu dumm nur, das“s u.a. die gewaltsamen Proteste gegen die deutsche Botschaft im Sudan einen anderen Hintergrund hatten und schon vor der Video-Empörungswelle angekündigt wurden.

    „Zu dumm nur, das“s ein Einigeln in Afg und ein Hängelassen der afghanischen Sicherheitskräfte nicht im deutschen Interesse liegt.

    „Zu dumm nur, das“s …

  5. „Also unverändert, aber nach Einzelfallprüfung und Genehmigung. Hm. Ist das nicht auch eine Veränderung?“ Da hilft sizilianisches Lebensgefühl (Tomasi die Lampedusas „Leopard“): Es muss sich etwas ändern, damit alles bleibt, wie es war . . .

  6. Im Talk bei Sandra Maischberger sollte dem TV-Zuschauer die Furcht vorm Flächenbrand des muslimischen Zorns wegtherapiert werden. Doch Orient-Experte Peter Scholl-Latour hatte keine Lust auf Laberbude

    „Scholl-Latour freilich ist dieses therapeutische Sprechen von Umgang, Vertrauen, Verständnis, Rücksicht und Dialog zuwider, zudem ihm anderes auf dem Herzen liegt: „Wo kommt denn der Salafismus her? Das ist der Wahhabismus, und der kommt aus Saudi-Arabien, wohin wir 400 Leopard-Panzer liefern, damit die Saudis in Bahrain den Protest unterdrücken können. Darüber sprechen wir nie. Wir sind Teil dieser Probleme, wir sind doch mittendrin.“ (Spiegel)

    Da machen wir wohl Partnering mit der falschen Seite ohne das Problem zu lösen und bilden dazu die zukünftigen Kämpfer dieser Gruppierung auch in AFG aus.

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