Kürzen auf britisch: Army mit 20.000 Soldaten weniger, 17 Einheiten außer Dienst

Dass die britischen Streitkräfte – wie die anderer Nationen – unter massivem Spardruck stehen, ist keine Überraschung. Und auch die Kürzung der British Army von 102.000 auf 82.000 Männer und Frauen war bereits angekündigt. Heute wurde in London die detailliertere Ausplanung bekannt gegeben – 17 Einheiten verschwinden, und es gibt eine grundlegende Umstrukturierung (auf deutsch: Neuausrichtung). Wenig überraschend sagt Verteidigungsminister Philip Hammond, das Heer werde zwar kleiner, aber mehr integriert und flexibler als heute.

Die Zusammenfassung von Defense News gibt dazu einen ganz guten Überblick: U.K. Announces Cuts of 17 Major Army Units (mit dem interessanten Hinweis: A third force will encompass specialist support units, such as logistics and intelligence and surveillance – die britische Variante der Streitkräftebasis?)

Die detaillierte Übersicht der Neuorganisation findet sich auf der Webseite der Army.

Die BBC beleuchtet die politische Debatte, einschließlich der (teilweise massiven) Kritik – und hat den interessanten Hinweis: The Army will be about half the size it was during the Cold War era – it had more than 163,000 troops in 1978. Nichts, was andere Nationen nicht auch nachvollzogen hätten. Allerdings, und das trifft die Briten vermutlich bis ins Mark: Künftig habe das Land, beklagt die Opposition, das kleinste Heer seit dem Burenkrieg.

Der Telegraph stellt eine – für Großbritannien angesichts des Engagements im Irak und in Afghanistan wesentliche – Fähigkeit infrage: Don’t expect our new remodelled army to fight a major war. Das Blatt fragt auch, ob, wie geplant, die Kürzungen durch mehr Reservisten aufgefangen werden können: It’s war for the weekend warriors after Philip Hammond’s Army cuts

 

 

33 Kommentare zu „Kürzen auf britisch: Army mit 20.000 Soldaten weniger, 17 Einheiten außer Dienst“

  • Schuultz   |   05. Juli 2012 - 22:53

    Soll heissen jetzt ist die Britische Armee ungefaehr auf der Groesse des deutschen Heeres.
    (Wobei die Gesamtstreitkraefte immer noch um einiges groesser bleiben duerften als die BW, trotz 25% kleinerer Bevoelkerung)
    Anderswo habe ich gelesen dass unter den aufzuloesenden Regimentern unter anderem welche sind, welche seit 1688, d.h. seit der Glorreichen Revolution, ununterbrochen existiert haben. Das ist schon krass, da fragt man sich doch glatt ob eine solche Einheit nicht allein schon aus historischem Interesse irgendwie geschuetzt werden sollte.

    Der Hinweis auf den Burenkrieg ist natuerlich insofern aeusserst unangenehm da das Resultat ja eine auf irregulaere Kriegsfuehrung ausgelegte Armee und Fuehrung war, welche dann im 1.WK erst unter aeusserst hohem Blutzoll die regulaere Kriegsfuehrung gegen ebenmaessige Gegner wieder erlernen musste (Kitchener’s Army; First Day of the Somme) – die Parallelen zu Afghanistan sind kaum uebersehbar.

  • der_mike   |   05. Juli 2012 - 23:23

    Beeindruckend finde ich – die Geschichte im Telegraph verfolgend – die Maßnahmen und Reaktionen im Generalsbereich. Die britische Armee verliert gerade die Spitze der militärischen Denker – quasi eine britische Version des Great Purge im stalinistischen Russland. Das Problem dabei sind nicht die Kürzungen an sich, sondern das mangelnde Durchdenken der Reform. So werden die schottischen Regimenter geschont, weil es politisch – Unabhängigkeit und so – nicht gewollt ist. Ebenso werden die ausländischen Regimenter geschont wohingegen englische und walisische Regimenter – die traditionell weniger Rekrutingprobleme haben – kastriert werden. Dagegen hält man an Rüstungsprojekten die politisch gewollt sind – weil Arbeitsplätze und Glasgow im Flugzeugträgerbau wichtig sind – weiterhin fest. Wie ich schonmal sagte: Die Testikel der deutschen Generalität werden wohl an der FüAk für den Kriegfall eingelagert, denn bei uns würde man auf die deutlichen Reaktionen lange warten können….

  • chickenhawk   |   05. Juli 2012 - 23:27

    Eben in der Newshour beim BBC World Service meinte der Moderator, der Personalbestand der britischen Streitkräfte werde nach den Änderungen sogar der geringste seit 200 Jahren sein. Das war kurz vor Ausbruch der Napoleonischen Kriege.

    Das Inselkönigreich verfügte indes nie über ein besonders großes stehendes Heer – im Gegensatz zu Frankreich oder Preußen/Deutschland. Otto von Bismarck meinte mal sinngemäß (das genaue Zitat finde ich leider gerade nicht), wenn denn die britische Armee Deutschland angriffe, würde er sie einfach von der Gendarmerie festnehmen lassen (das war allerdings zu einer Zeit, als Deutschland und die Briten noch einen gemeinsamen Widersacher hatten: Frankreich).

  • Frank   |   06. Juli 2012 - 0:02

    „Soll heissen jetzt ist die Britische Armee ungefaehr auf der Groesse des deutschen Heeres.
    (Wobei die Gesamtstreitkraefte immer noch um einiges groesser bleiben duerften als die BW, trotz 25% kleinerer Bevoelkerung)“

    Briten haben auch keine Streitkräftebasis und Zentralen Sanitätsdienst.
    Also sind die Systheme nicht zu vergleichen.
    Auch im Großen und ganzen ist man mit 162000 Mann immer kleiner als die BW mit 175000 bis 185000 Mann.

    Was man Einwänden kann ist, die Britischen Streitkräfte werden verkleinert damit man mit geringeren Kosten den hohen Ausrüstungsstandart beibehahlten kann, bei der BW hat man mit dem Sparen angefangen ohne ihn je zu erreichen.

  • JCR   |   06. Juli 2012 - 0:07

    JEDES noch bestehende (Kampf-) Regiment der britischen Armee ist hunderte von Jahren alt! Mit ausnahme des Royal Tank Regiments (Chav Cav ;)) glaube ich.
    Die anderen mit weniger Tradition sind schon lange eingestampft worden.

  • chickenhawk   |   06. Juli 2012 - 0:59

    Nicht vergessen werden sollte an dieser Stelle natürlich auch die traditionelle Hauptsäule britischer Militärmacht, die Royal Navy, mit einer starken Luft- und vor allen Dingen auch Landkomponente (Royal Marines).

    Wie sagte doch weiland der Admiral John Jervis vor dem House of Lords:

    I do not say, my Lords, that the French will not come. I say only they will not come by sea.

    (Anmerkung: Das war vor der Erfindung des Flugzeugs…).

  • chickenhawk   |   06. Juli 2012 - 1:31

    T.Wiegold

    […] mit dem interessanten Hinweis: A third force will encompass specialist support units, such as logistics and intelligence and surveillance – die britische Variante der Streitkräftebasis? […]

    Das betrifft aber, soweit ich das verstehe, lediglich die Neuordnung der Army. Royal Navy und Royal Air Force erledigen diese Aufgaben (darunter auch das Sanitätswesen) weiterhin in eigener Regie.

    Ein so radikales und mit militärischen Traditionen brechendes Konzept wie die Streitkräftebasis kann ich mir bei den Briten nicht vorstellen.

  • Schuultz   |   06. Juli 2012 - 5:02

    @der_mike
    „Die Testikel der deutschen Generalität werden wohl an der FüAk für den Kriegfall eingelagert“

    Hahaha, sehr schoen. Den muss ich mir irgendwo aufschreiben.

    @Frank
    Ich dachte die waeren damit dann so um die 190,000?

    Ich bin auch mal gespannt wann Frankreich die ersten schmerzhaften Schnitte macht – denen geht es ja finanziell noch schlechter als den Briten (war da nicht was von 40 Milliarden, die im naechsten Jahr gespart werden muessen?) Die sind ja momentan alles in allem immer noch bei ueber 250,000 (nach Plaenen von 2008 bald 225k) Mann, plus wasauchimmer die MP & SF Komponente der Gendarmerie ausmacht. Jetzt, da mit Hollande ein eher Linker im Amt ist wuerde es mich nicht wundern wenn er seinen Rotstift recht grosszuegig bei der Armee ansetzen wuerde – irgendwie muss er ja zumindest manche seiner teils laecherlichen Wahlversprechen finanzieren – falls er es ueberhaupt schafft den status quo aufrechtzuerhalten.

  • Kerveros   |   06. Juli 2012 - 5:54

    Britische Kürzungen und Armeestärken lassen sich schlecht in Relation zur Bundeswehr setzen.

    Die Briten setzen ja durchaus massiv auf ihre Kolonialtruppen im Einsatz und haben neben den vielen kleinen ja auch Schwergewichte wie Kanada oder Australien, die mit und für sie in den Krieg ziehen.

    Dazu kommt, das Kürzungen in der Vergangenheit sich oft darin umgesetzt fanden, militärische Posten in zivile umzuwandeln, wo immer das möglich war – soll heissen viele Soldaten sind einfach MoD Civilian geworden. Wo wir ob 55000 Dienstposten auf 185000 Soldaten ein ungewicht sehen haben die Briten dann mit dieser Reform ein quasi 1:1 Verhältnis von BmVg und Truppe und, ach ja:
    http://www.telegraph.co.uk/news/uknews/defence/8911359/No-civil-servant-cuts-at-cash-strapped-MoD.html

    Was Animositäten wegen potenzieller Unabhängigkeit angeht, so ist das in England immer ein Politikum – Schottland ist ja nicht allein mit seinem Bestrebungen.

  • Dendrocopos   |   06. Juli 2012 - 6:23

    Ein paar Anmerkungen zur britischen Future Force 2020:

    Hier ein PDF mit der geplanten Struktur:
    http://www.army.mod.uk/documents/general/Army2020_brochure.pdf

    Hier der Linke der UK Army Website:
    http://www.army.mod.uk/news/24264.aspx

    Interessant finde ich, dass die armen Briten, so wie das Heer auch, auf organische Artillerie in den Brigaden verzichten muss, sieht man einmal von 16 Air Assault ab. Auch was die Panzerwaffe angeht, verbleiben den Briten nur mehr vier Rgt in folgender Gliederung:
    1./ HQ Coy mit 2xChallenger 2
    2./ Sabre Sqn mit 18xChallenger
    3./ Sabre Sqn mit 18xChallenger
    4./ Sabre Sqn mit 18xChallenger

    macht pro Btl 56 Panzer, d.h. 224 ausgeplante Challenger in den Verbänden.

    Ansonsten bleibt festzustellen, dass die Briten im Gegensatz zur Bundeswehr nach wie vor reichlich Infanterie haben. Während das Heer in der neuen Struktur insgesamt 27 PzGrenKp, 14 JgKp, 9 GebJgKp sowie 10 FschJgKp aufbieten kann, sind es bei den Briten auch nach den Streichungen noch immer 93 (!) Infanteriekompanien in der regulären Army, hinzu kommen viele weitere bei der Teritorial Army.

  • der_mike   |   06. Juli 2012 - 7:37

    Schön im Zusammenhang Frankreich-GB ist auch, dass die Briten eine kleine Revolution planen: Man wird wohl auf Dauer eine gemeinsame Nuklearabschreckung entwicklen und die nationale Komponente aufgeben. Ferner plant man einen gemeinsamen Verband nach Muster des Stettiner Korps obgleich in GB der Aufschrei groß ist, dass man britische Truppen wahrscheinlich unter französisches Kommando stellen wird.
    Für GB dürfte aber die Aussicht, bald nur noch einen funktionsfähigen Flugzeugträger zu haben und mit den Franzosen – ebenfalls nur noch einen – ein gemeinsames Konzept zu haben, um ständig einen auf See und einen in der Wartung zu lassen, wesentlich beschämender sein, als Heeresverbände zu verlieren.

  • Elahan   |   06. Juli 2012 - 8:41

    Sind diese Reformen EU weit abgestimmt? Lufttransport, Luftverteidigung, Grenzschutz auf See, Aufklärung uvm?

  • DF-Ari   |   06. Juli 2012 - 9:52

    Slebstverständlich sind diese Reformen nichtEU weit abgestimmt. Sonst würde das Ergebnis deutlich anders aussehen, auch in Deutschland.

    Die armen Briten verzichten zwar auf eine organische Ari, erhalten aber wenigstens eine ArtBrig mit Fähigkeiten die einen deutschen Artilleristen schon neidisch machen:
    5 PzArtRgt, 2 leArtRgt (LL und Kommando), 2 FlaRgt, 2 AufklArtRgt, 1 AusbRgt plus KingsTroop. Dazu 5 TA Artrgt. Etwas unklar ist noch die Zukunft MARS/MLRS da dieses Rgt aufgelöst wird. Generell sieht die Britische Armee auf dem Papier (wenn man die Regimentsliste betrachtet) breiter und tiefer aus als die BW.

    Vor allem scheint das Konzept klarer – keine langfristigen Einsätze, sondern kurze, durchaus auch High Intensity. Dafür dann 3 MechBrig und eine LLBrig plus Force Enabler aus einem deutlich tieferen Pool an Kräften. Und eine überzeugende Einbindung der TA/ Reserve.
    Im Gegensatz dazu die Bundeswehr, die auf Durchhaltefähigkeit ausgerichtet ist.

    Die Briten wenden sich mit dieser Ausrichtung sehr deutlich von einem Einsatz a la AFG ab (das kommt ja auch in den Text mehr oder weniger deutlich heraus) während wir uns für genau so einen Einsatz optimieren (auch wenn das keiner sagen will). Auch eine Form der Arbeitsteilung im NATO/ EU Rahmen – nur leider nicht geplant/ koordiniert.

  • Elahan   |   06. Juli 2012 - 10:04

    @DF-Ari
    „Breite vor Tiefe ist das Gegenteil von Im Gegensatz dazu die Bundeswehr, die auf Durchhaltefähigkeit ausgerichtet ist.“
    ??
    Breite vor Tiefe ist das Gegenteil von Durchhaltefähigkeit.
    Wo ist die Bundeswehr auf Durchhaltefähigkeit ausgelegt?
    Selbst bei der Munition und den Ersatzteilen haben wir keine Durchhaltefähikeit, das Zeug fehlt schon jetzt!

  • TomTom   |   06. Juli 2012 - 10:08

    Nun ist das ja auch nur der Anteil der British Army.
    Im Zuge des Strategic Defence Review hat es zum Beispiel beim Fleet Air Arm (den Marinefliegern) schon einige Runden „Redundancy Cuts“ gegeben, bei denen bereits eingestellte und teils auch schon fertig ausgebildete Flieger „dem Arbeitsmarkt zur Verfügung gestellt wurden“.
    Hier werden Soldaten tatsächlich entlassen, anders als bei uns wo das ja (zum Glück) so nicht möglich ist.
    Insgesamt gibt es sehr einschneidende Veränderungen bei den Briten, mindestens so drastisch wie bei uns und ebenfalls auf allen Ebenen und Teilstreitkräften.
    Wobei die Briten natürlich aber auch viel mehr zum wegschneiden haben.

    Bleibt zu hoffen, dass sie nicht den Fehler von D machen und ganze Fähigkeiten nachhaltig abschaffen oder verenden lassen.
    (Mit Ausnahme der Flächenfliegerkomponente von Flugzeugträgern, wo es ja nur noch einen marginalen personellen Ansatz gibt, der als Austauschoffiziercorps bei den Amis eine rudimentäre Fähigkeit erhalten soll).

  • schleppi   |   06. Juli 2012 - 10:34

    Nach meiner Kenntnis sind in den Britischen Streitkräften bereits vor der Reformentscheidung 9000 Dienstposten unbesetzt gewesen. Bemerkenswert finde ich die Unterteilung in Eingreifkräfte, Stabilisierungskräfte und Unterstützungskräfte. Kenne ich irgenwo her. Dass man für die Eingreifkräfte eine Luftbewegliche Brigade mit zwei Kampfhubschrauberregimentern plant, scheint die negativen Erfahrungen der Bundeswehr in diesem Bereich auch nicht zu berücksichtigen :-))

  • Stefan H.   |   06. Juli 2012 - 11:02

    @Dendrocopos

    Ihr Vergleich der UK Infanterie mit der DEU ist zwar richtig, spart aber das eigentliche Problem aus, obwohl es auf der Hand liegt.
    Gerade die gerine Kürzung der britischen Infanterie zeigt wo der Hase im Pfeffer liegt: Es wurden überpropertional Enabler eingespart.
    Da sich Großbritannien auch nicht um NATO Streitkräfteplanung geschert hat, zeigt sich mit NATO Persepektive folgendes Bild: Alle NATO-Staaten haben Infanterie – ja selbst LUX ein Btl.
    Nur welche Nationen statten diese dann für den Einsatz mit der nötigen Logistik, FM und SAN-Versorgung aus?

    Wenn Sie die „geringe“ Anzahl der DEU Infaterie beklagen verkennen Sie etwas die Realität. Im Vergleich zum DEU Level of Ambition wurde die INF 9-fach (6fach + 70/30 Personalreserve) ausgeplant. FM/Logistik beispielsweise dagegen 6-fach, was gerade reicht um planerisch eine 4/24 oder 6/36 Kontingentlösung zu realisieren. Das UK den INF Faktor weit höher und den Enabler Stand weit niedriger legt, ist entweder m.E.:
    M1. Eine Fehlplanung
    M2. Man geht von sehr sehr kurzen enorm kampflastigen Einsätzen aus
    M3. Man braucht keine Logistik, FM, da man auf eigenem Teritorium kämpft

    Suchen Sie sich eine Möglichkeit aus – mir sind nicht mehr eingefallen. Ich tippe auf M1 Aufgrund politischer Vorgaben und Zwänge.

  • DF-Ari   |   06. Juli 2012 - 11:19

    @ Elahan
    Wo finden Sie den das Zitat?
    Die Durchhaltefähigkeit der BW – strukturell – ist doch ganz klar:
    1 Brigade im Einsatz für 4 Monate, geplant 20 Monate Pause zwischen Einsätzen ergibt einen Kräfteansatz von 6 Brigaden um einen Einsatz durchhaltefähig zu gestalten. Und mit genau diesem LoA wurde das BW-Heer Konzept erstellt. Dazu ein paar FschJg und der DtA DF als „Reaktionskräfte“ bzw. Verstärkung.
    Die Versorgungsprobleme Mun/EVG/MVG etc. steht auf einem anderen Blatt, hier baut man ja auf „belastbare“ Industriekooperationen.

    @ Stefan H.
    Es ist eine Kombination aus M2 und 3. Ein kurzer, intensiver Einsatz. Ansonsten relativ geringe Beteiligung an StabOp bzw. Unterstützung bei Ausbildung, etc in Großbritannien. Man will eben nicht mehr 10 Jahre in AFG kämpfen und dementsprechend werden diese Fähigkeiten nicht mehr abgebildet.

    Ob das in der zukünftigen politischen Entscheidungsfindung berücksichtigt wird beleibt abzuwarten.
    Ich sehe den wesentlichen Vorteil dieser Reform vor allem darin, das die Ziele und Absichten klarer definiert werden (soweit möglich wenn man für 10 Jahre + plant) als die ausweichende deutsche Festlegung.

  • Auchmal   |   06. Juli 2012 - 11:24

    @Elahan

    Df-Ari hat schon recht. Das Strukturdesign ARMY 2020 und HEER 2011 sind schon sehr verschieden und haben völlig unterschiedliche Schwerpunkte. Ob die Erfahrungen der BW auf die britische Armee zu übertragen sind, was die bloße Struktur betrifft, wage ich zu bezweifeln. Die spielt bei so unterschiedlichen Vorbedingungen (Freiwilligenarmee bzw Umbau zur Freiwilligenarmee, political will und standing) überhaupt keine Rolle.

  • Koffer   |   06. Juli 2012 - 11:43

    @Stefan H.
    Oder vielleicht liegt es daran, dass die Briten einfach durch die Kriege und Einsätze der letztem Jahre nicht vergessen haben, Wonder Schwerpunkt einer Armee liegen muss!

    Also mal ehrlich! Wenn wir mit unseren seit 60 Jahren geringen Einsatz- und Kampferfahrung allen ernstes den Briten erklären wollen, wie man eine Armee strukturiert, dann nenne ich das Hybris!

  • DF-Ari   |   06. Juli 2012 - 11:45

    Zwei interessante Aspekte die man durchaus in deutschland übernehmen sollte

    1.
    Die doch recht breite öffentliche bzw. mediale Diskussion der Reform. gerade die kritischen Anmerkungen in einigen Zeitungskommentaren würde ich mir auch bei uns wünschen. Z.B. die Frage ob die Politik Ihrer Pflicht zur Verteidung des Landes (bzw. the Realm) noch ausreichend nachkommt oder ob nicht zu viel gespart wird an einer Stelle die man hoffentlich nicht braucht, aber wenn dann richtig.
    Also eine deutliche Grundposition die besagt das weniger Armee nicht automatisch gut ist – ganz im Gegensatz zur deutschen Grundhaltung.

    2.
    Die Betrachtung der Reserve. Die TA ist ja bereits relativ professionell organisiert (im Vergleich zur deutschen Reserve) und dennoch sind Zweifel da, ob sie Ihrer gesteigerten Rolle gerecht werden kann.

  • Frank   |   06. Juli 2012 - 12:41

    Zu den Kolonialtruppen:
    Australien und Kanada sind Realpolitisch (Der Commonwealth ist Folklore) vollkommen Souveräne Staaten. Entsprechend schicken diese ihere Streitkräfte auch selbständig in den Einsatz und holen sie auch wider zurück, auch deren Ausrüstung hat fast nichts mit der der Briten zu tun. Sie sind keine Kolonialstreitkräfte, allenfalsst die Sicherheitspolitischen Beweggründe für ihren Einsatz mögen sich mit denen der Britischen Streitkräfte Überschneiden, dass liegt aber wohl mehr daran, dass dieses Staaten der westlichen Wertegeminschafft „angehören“, als das sie Mitglieder des Commonwealth sind.

    Das einzige, was bei den Briten noch Kolonialstreitkraft ist, sind die Gurkha Regimente, die sind aber in der Army Integriert, und nicht eine bilibige Anzahl X zusätzlicher Nepalesicher Söldner.

    @Schuulz
    die Britischen Streitkräfte hatten bis jetzt eine Sollstärke von insgesamt 173.000 Soldaten.

  • Voodoo   |   06. Juli 2012 - 12:54

    Danke Frank, das wollte ich eben auch ergänzen – dass das Empire schon lange tot ist, scheint hier noch nicht bei jedem angekommen zu sein…

    Und: Wer von der Auflösung jahrhundertealter Verbände spricht, der sollte nochmal genauer nachlesen. Lediglich die Queen´s Royal Lancers (wegen Fusion unklares zukünftiges Wappen; der Totenkopf scheint auch in England unerwünscht zu sein…) und das Royal Irish Regiment (Unterstellungswechsel inkl. Auflösung?) stehen gänzlich auf der Kippe, der Rest der traditionsreichen Verbände bleibt bestehen.

  • Koffer   |   06. Juli 2012 - 14:30

    @Vodoo
    Wenn ich die Homepage des MoD richtig verstehe, dann wird das Royal Irish nicht aufgelöst, sondern nur anders unterstellt und das Badge der Lancers mit dem Totenkopf soll wohl erhalten bleiben…

  • Koffer   |   06. Juli 2012 - 14:54

    @Voodoo
    Manmanman, da habe ich mal nicht richtig gelesen…

    Es ist die Seite der Army und das mit den cap Bades bezog sich auf die Artillerie.

    Nur das mit dem Royal Irish habe ich richtig verstanden…

  • Voodoo   |   06. Juli 2012 - 15:12

    Nichts für ungut :-)

    Ich finde es übrigens sehr interessant, wie die British Army mit dem Thema des Traditionserhaltes umgeht, z.B. „Cap Badgets“ sollen in maximal möglicher Anzahl erhalten bleiben.

    Wir hingegen bezeichnen die Hausnummern einzelner Btl (die schon jahrzehntelang keinen Sinn mehr machen) ja schon als schützenswertes Kulturgut, das beschämt mich immer ein bisschen *schmunzel*

    Die Briten haben es eben verstanden, ihr Militär in die Mitte der Gesellschaft zu packen. Mit Regimentern mit regional festgelegten Einzugsbereichen, Traditionen und Bezeichnungen lockt man eben mehr Leute an, als mit unserer Tingelei durch die Republik. Verstehe nicht, warum man dieses Konzept bei uns nicht wieder auspackt. Und jetzt bitte nicht die Jungs mit dem Edelweiss als Vergleich herholen ;-)

  • Niklas   |   06. Juli 2012 - 15:43

    @ Voodoo

    Gerade wegen der recht konsequent betriebenen Wehrbereichssystematik der Briten habe ich die British Army immer irgendwo als relatives Optimum empfunden.
    Auch die Territorial Army, als leicht zugänglicher, ernsthafte Tür zu den aktiven Einheiten, ist ein gutes Modell.

    Ich habe es auch so verstanden, dass eher bei den britischen Regimentern gekürzt wird. Obwohl ich die Gurkhas wirklich sehr schätze, sind sie dennoch ein Relikt, wobei Einschnitte auf der Insel die eigene Bevölkerung betreffen. Das ist trotz der großen Ehrwürdigkeit der Gurkhas so nicht nachvollziehbar.

    Der momentane Trend, alles kleiner, „flexibler“ (angeblich, ist ja auch ein Zauberwort) und besser integriert (schon wieder eins) zu gestalten, läuft Gefahr, eine völlig kraftlose Streitkraft zu haben, welche Fähigkeitslücken aufweist und entweder intensive konventionelle Konflikte oder aber Präsenzaufgaben nicht mehr leisten kann, ohne sich umgehend zu überstrecken. Von einer Gleichzeitigkeit gar nicht zu sprechen.
    Da die British Army gemessen am Budget schon recht kompakt war, wundert mich eh, dass es nun so starke Verkleinerungen gibt.

  • b   |   06. Juli 2012 - 17:26

    Weil so gut passt … und immer noch trifft …

    Interviews mit Leitungspersonal der britischen Teilstreitkräfte:
    George Parr, Army General
    Air Vice-Marshall Sir George Parr
    The Admirals Interview

  • der_mike   |   06. Juli 2012 - 17:44

    Die Einbindung der TA finde ich in der Tat besser gelungen, auch wenn sie als Red Hering herhalten muss.

    Die deutsche Reservistenkonzeption ist ja mehr so neuer Wein in alten Schläuchen – RSU-Verbände sind ja quasi Heimatschutzbrigaden. Ferner fand ich das Eingeständnis des Vorsitzenden des Reservistenverbandes zum Parlamentarischen Abend – leider wurde die KdR von einer Generation verfasst, die nichts mehr mit den aktuellen Bedürfnissen zu tun hat, denn…man hat einfach keine jungen Leute – sehr bezeichnend: Die Reserve ist eine Einzelpersonenbetrachtung und hat nichts mehr mit einem professionellen Ersatzheer zu tun.

  • Elahan   |   06. Juli 2012 - 18:25

    @Niklas
    Zustimmung, kraftlose Streitkräfte ohne Durchhaltefähigkeit und selbst die verbleibende Einheiten werden nicht mehr voll ausgestattet!

    Wie soll das funktionieren? Lösung: zehn Jahre Vorwarnzeit!

    Ab wann werden die gerechnet? Wann ist denn die Auslösung für den Spannungsfall?

    Russlands Außenminister Sergej Lawrow hat den Westen aufgerufen, seine Syrien-Politik zu ändern. Anderenfalls droht ein „Großkrieg“, so der russische Spitzendiplomat.

    http://de.rian.ru/politics/20120705/263934958.html

  • Niklas   |   07. Juli 2012 - 19:18

    Nun, es muss ja nicht immer gleich ein Weltkrieg sein, um konventionelle Kräfte erforderlich zu machen. Denken wir mal an Konflikte wie den Falkland-Krieg, eine kleine Dimension mit gewaltigen Anforderungen an die Streitkräfte. Denken wir an das Kosovo, wo die Nato und auch wir Deutschen mit zumindest durchaus sichtbaren gepanzerten Truppen eingezogen sind. Und in der Retrospektive wird häufig angemerkt, dass die damals verfügbaren Natokräfte zahlenmäßig schon nicht optimal gewesen wären, wenn es zu einer Konfrontation mit serbischen Panzertruppen gekommen wäre. Das ist allerdings mit Sicherheit auch eine Frage der Qualität und den sonstigen Komponenten. Man sollte es aber dennoch beachten, wenn wir wenigstens ansatzweise konventionellen Szenarien gegenüber stehen.

    Für den Fall, die Nato würde sich in Syrien einmischen (was ich nicht so doll fände), müsste man um einen Effekt zu erzielen erstmal eine konventionelle Bodenoperation gegen Assads verbliebene Truppen durchführen. Gleichzeitig steht man aber noch immer in Afghanistan und im Kosovo…

    Wir sehen also: Der Bedarf zu einer gewissen Grundkapazität ensteht leider immer wieder, was ja viele noch immer zu leugnen scheinen und nur auf leicht, schnell, „flexibel“ (eindeutig falsch verwendet) gehen. Solche Spezialisierungen rächen sich, denn der Generalist überlebt! :)

  • klabautermann   |   07. Juli 2012 - 20:02

    Hut ab @Niklas, Ihren Kommentar unterschreib ich ;-)

  • Hans   |   07. Juli 2012 - 22:58

    @Niklas
    1. Auch wenn es solche Gelegenheiten gibt, lassen die Europäer in Zukunft hoffentlich die Finger von solchen Abenteuern.
    2. Da planen die Briten dann doch richtig: Viele Kampftruppen für einen kurzen „chirurgischen“ Einsatz, räumlich und zeitlich begrenzt. Die BW plant 6er-Rotation für ein 2. AFG, das es so m.E. nicht geben wird.
    3. Wenn doch eine langfristige StabOp ansteht, schicken die Briten etc die Kampftruppen, das können sie politisch vieeel besser durchsetzen. Und wir beschränken uns dann eben wieder auf „Brunnenbau + Mädchenschulenbau“, also spielen Force-Enabler. Da sind wir wieder besser aufgestellt.

    Einziges Problem: Wenn die ARG vor 2020 in Falkland auf dumme Gedanken kommen, haben die Briten keine Flugzeugträger und nur geringe Marinekapazitäten. Als Inselland mit globalen Besitzungen / Stützpunkten sollte ihnen die Navy mehr Sorge bereiten als die Army ;)