Wie fürs Lehrbuch: Die verschwundenen Kosovo-Fotos

Es sieht mittlerweile aus wie ein Musterfall für das – noch nicht geschriebene, oder kenne ich’s nur noch nicht – Lehrbuch für Presseoffiziere: Der Fall der Fotos, die deutsche Soldaten im Kosovo bei der Räumung einer Straßenblockade zeigten – und dann plötzlich verschwunden waren.

Der Reihe nach:

Am 1. Juni räumte KFOR eine Straßenblockade kosovarischer Serben bei Rudare. Es kam zu Auseinandersetzungen, zwei deutsche Soldaten wurden durch scharfe Schüsse verwundet.

Am 2. Juni veröffentliche die Multinational Task Force East (vormals Multinational Brigade -East, MNBG-E) der KFOR auf dem Photodienst Flickr Bilder von dieser Operation. Die Fotos zeigten Soldaten verschiedener Nationen (unter anderem aus den USA und der Schweiz) und eben auch aus Deutschland bei diesem Einsatz. Alle Fotos trugen den Vermerk U.S. Army photo und RELEASED.

Am 3. Juni griff ich hier bei Augen geradeaus! diese Fotos auf, verlinkte auf die Bildersammlung bei Flickr und zeigte im Blog direkt einige Aufnahmen mit deutschen Soldaten.

Knapp zwei Wochen später stellte ich zufällig fest, dass Fotos verschwunden waren – und zwar aus dem ganzen Set der Aktion bei Rudare ausschließlich die Fotos, die deutsche Soldaten zeigten. Die Bilder mit Soldaten anderer Nationen waren nach wie vor vorhanden. Mit ein bisschen Suchen im Internet fand sich schnell ein Teil der Fotos wieder – bei der Georgia National Guard, von denen ebenfalls Soldaten auf den Bildern waren und die deshalb diese Aufnahmen ebenfalls bei Flickr eingestellt hatte (übrigens mit einer deutlich weiter gehenden Lizenz, die die freie Verwendung erlaubt).

Also: nur und ausschließlich die Deutschen fehlten. Ganz plötzlich. Und gerade die Bilder von Bundeswehrsoldaten mit der Waffe im Anschlag im Kosovo. Das sah sehr nach einer gezielten Aktion aus, vielleicht politisch nicht erwünschte Fotos zu entfernen. Zumal die MNBG-E mir und anderen auf Anfrage mitteilte, die Bilder seien on request by the German army entfernt worden.

Übers Wochenende und heute habe ich mit verschiedenen Leuten gesprochen, und es zeichnet sich eine recht einfache Erklärung ab, die ich von verschiedenen (!) Seiten sowohl völlig inoffiziell als auch halboffiziell gehört habe und die ich für möglich halte:

Einige der abgebildeten deutschen Soldaten wurden von der Veröffentlichung der Bilder überrascht und drangen darauf, dass diese Bilder wieder zurückgezogen wurden – aufgrund der Befürchtung, dass sie auf diesen Aufnahmen identifiziert werden könnten. Dem kam die (amerikanisch geführte) MNBG-E nach. Aber: Die Amis löschten die Fotos kommentarlos, ohne jegliche Erklärung (vielleicht ja auch, könnte ich mir vorstellen, mit einem gemurmelten those f**g Germans). Vor allem aber: sie löschten alle Bilder, auf denen eine deutsche Uniform zu sehen war. Selbst wenn die Person auf so einem Bild, sagen wir mal, relativ schwierig zu erkennen war:

(U.S. Army photo by Sgt. 1st Class Jim Wagner/RELEASED)

Solche Fotos, einmal veröffentlicht (noch dazu als offizielle U.S. Army photos), kursieren schnell im Internet. Allein schon deshalb, weil es von der Bundeswehr kaum scharfe Einsatzfotos aus dem Kosovo gibt.  Und sie werden auch von anderen US-Einheiten ganz offiziell eingestellt.

Das scheint niemand bei dem Lösch-Wunsch bedacht zu haben. Und dass die kommentarlose Löschung selbst unverfänglicher Fotos aus einer offiziellen Veröffentlichungs-Seite erst recht misstrauisch machen muss, hat wohl auch keiner gewusst.

Mit anderen Worten: Wenn die Darstellung stimmt, die ich bislang höre, dann gilt der Spruch: Das Gegenteil von gut ist gut gemeint. Die offensive Löschung der Bilder, ohne den Ansatz einer Erklärung und weit über ein nötiges Maß hinaus, hat den Bildern erst recht Aufmerksamkeit verschafft. Der Streisand-Effekt lässt grüßen.

44 Gedanken zu „Wie fürs Lehrbuch: Die verschwundenen Kosovo-Fotos

  1. „Der Streisand-Effekt lässt grüßen.“

    Eher der Mücke-Elefant-Effekt.

    @Alexander: Die Wahrnehmung von Persönlichkeitsrechten sollte die AIK beschäftigen? Nur weil die Bilder nicht mit dem Hinweis: “ Der Gefreite Müller, wohnhaft in…,PK…, stationiert in Calw, hat der Veröffentlichung dieser Bilder widersprochen“ versehen worden sind. Dürfte ein kurzes Beispiel werden.

  2. Diese Dinge sollte man wirklich grundsätzlich regeln.

    Es ist auch an folgendes zu denken: KFOR-Aktionen finden unter dem prüfenden Auge der Weltöffentlichkeit und insbesondere der serbischen Öffentlichkeit statt. Da sollte man (gemeint ist damit der Entsendestaat, nicht der einzelne Soldat) schon sehr triftige Gründe haben, wenn man einmal veröffentlichte Bilder wieder aus dem Verkehr zieht. Es kann sonst sehr leicht ein falscher Eindruck entstehen.

  3. Nehmen wir mal ein Beispiel aus der „Schlammzone“: ich habe während meines KFOR-Einsatzes immer die Szenarien in die gedeckte Aufstellung verlassen, wenn ein KFZ mit Kennzeichen meines Heimatlandkreises aufgetaucht ist. Man kennt ja seine Nachbarschaft.

    Von daher nachvollziehbar.

  4. @Prediger

    Die Bilder sind offiziell von einer KFOR/NATO-Nation freigegeben worden. In einem multinationalen Einsatz, der seit 1999 läuft. Wenn man in der Zeit keine gemeinsamen Prozeduren für die Freigabe von Bildern entwickelt hat, würde es vielleicht langsam mal Zeit?

  5. @Thomsen

    Wie z.B. PR? Ich wußte doch, daß ich Sie am Tor erkannt habe…

    Mal ehrlich: Was haben Sie denn für eine Nachbarschaft?

  6. Angst Essen Seelen auf :(

    Weil ja genau SOVIELE Terroristen sich einen Deutschen OFw herauspicken werden, der an einer normalen Op im Kosovo teilnimmt…

    Und die Amis (die ja mit gefährlichen und sensitiven Operation auch KEINE Erfahrung haben) sind vermutlich alles doof und ohne Fürsorge für ihre Soldaten…

    *kopfschüttel* wann wird unsere Armee endlich erwachsen werden :(

  7. @TW

    Ich fand die Bilder doch auch gut.

    Und Sie sollten es doch eigentlich besser wissen: Was bitte ist in einem „multinational environment“ schon genormt?

  8. @ Prediger, 18. Juni 2012 – 21:59:

    solche, deren Kinder meinen daheim erzählten, dass ihr Papa auch Soldat im Kosovo war Mitte bis Ende der 90er, und bei denen man vor Abflug gar nicht genügend Duftmarken hinterlassen konnte, als das man die 4 Monate ruhig da unten verbringen konnte.

    Comprende? ;-)

    Wobei: streiche „haben“, setze „hatten“, u.a. aus diesen Gründen.

    @ Koffer: ICH weiss, was sich zu diesem Thema in meiner Kompanie an der Heimatfront im Zuständigkeitsbereich des MAD zugetragen hat, also bitte nicht so voreilig. Und selbst wenn: wird nicht in jedem S2-Unterricht vor Einsatzbeginn genau davor gewarnt? Wo ist also das Problem?

  9. @Thomsen
    Es ist doch vollkommen aberwitzig zu glauben, dass man jegliche Bilder von deutschen Sdt im Netz unterdrücken könnte!

    Und dann ist es aus meiner Sicht wesentlich besser es vernünftig zu machen, als es Passanten, dem Gegner und den Youtube/Facebook Jüngern in der Nachbar-Kompanie zu überlassen.

    Ja ich weiß auch, dass in der GUTEN ALTEN ZEIT (also die Gummistiefel noch aus Holz waren) es SO ETWAS nicht gegeben hätte.

    Aber wenn hier in diesem blog nicht jemand die Zeitreise erfindet, dann wird man das Internet wohl kaum durch Belehrung des S2 abschalten können ;)

  10. Si senor.

    Sagen wir mal so: der Trigger nach dem Einsatz, bei welchem ich mich gedanklich immer wieder mit der MP an einer belebten Kreuzung in PRIZREN stehend wiederfand, waren die Gerüche, wenn der Großteil der Nachbarschaft seine kulturspezifischen Mahlzeiten im Garten grillte.

    Lange Rede, kurzer Sinn: wie gesagt, ich kann es nachvollziehen, dass ein Soldat es aus welchen Gründen auch immer nicht möchte, dass er auf solchen Bildern erkannt wird. Bei mir wäre es – damals – die Nachbarschaft gewesen, weil das größtenteils Albaner bzw. Kosovaren waren und ich denen nicht traute, vor allem wegen der oben erwähnten Aussagen. Punkt.

    Das PERSEC in der BW gelegentlich noch ein Buch mit sieben Siegeln ist wird der ein oder andere hier sicherlich auch live erlebt haben.

    @ Koffer:

    Ja ich weiß auch, dass in der GUTEN ALTEN ZEIT (also die Gummistiefel noch aus Holz waren) es SO ETWAS nicht gegeben hätte.

    Das ist jetzt sachfremdes Geschwätz, da meine Aussagen eigentlich genau in das Gegenteil weisen sollten: „früher“ war das noch schlimmer.

    Ist aber unter´m Strich egal. Wir haben jetzt also entfernte Bilder, wobei die betroffenen Kameraden entweder ein berechtigtes Interese an der Entfernung hatten oder jemand in übertriebener Fürsorge gehandelt hat.

  11. @Thomsen
    Nein, dass war kein „sachfremdes“ Geschwätz, sondern absichtlich verwendete Ironie, denn wie sie aus meinen Beiträgen ersehen können, kann ich die in den letzten Jahren aufkeimende Hybris über den „Persönlichkeitsschutz“ deutscher Soldaten in Situationen in denen sie als Träger hoheitlicher Gewalt eingesetzt sind und nicht einem BESONDEREN Gefährdungsgrad unterliegen nicht nachvollziehen.

    Und vor dem Hintergrund der berechtigten Interessen der Bw an „guten“ Bildern mit deutschen Soldaten halte ich die Entwicklung für bedenklich.

    Am konkreten Beispiel kann man nämlich erkennen, dass so „schöne Bilder“ von unseren Verbündenden verbreitet werden und wir „klein und hässlich“ und selbst ausblenden (lassen).

  12. @ Koffer, 18. Juni 2012, 22:41

    Am konkreten Beispiel kann man nämlich erkennen, dass so “schöne Bilder” von unseren Verbündenden verbreitet werden und wir “klein und hässlich” und selbst ausblenden (lassen).

    Will ich nicht in Abrede stellen, aber wir kennen die konkreten Hintergründe für die Entfernung immer noch nicht, nur dass das auf Geheiss BW stattgefunden hat.

    @ Prediger: zu OPSEC: spätestens jetzt sind wir bei der sinnfreien Namensschild-Weisungslage bei KFOR angekommen, die wir ja alle so mögen. :-)

    Wenn das Erkundungskommando von den Locals mit den Worten begrüsst wird „Hallo, hab gehört du kommst in zwei Monaten wieder runter bis Ende des Jahres!“

    Ui, jetzt ist mir die Verpixel-Funktion meines Bildbearbeitungsprogramms grad eingefallen.

    Ist es auch übertriebene Geheimniskrämerei, wenn in Einsatzberichten etc., welche für die breite Masse gedacht sind, die Klarmnamen geändert werden?

  13. @Thomsen

    Zum Beispiel: 3rd Squadron, 108th Cavalry Regiment

    Cdr: LTC Joseph Lynch
    Command Sergeant Major: CSM Matthew Marks

    Und dank Namensschilder/ Helmband kann ich die Herren auf den Bildern eindeutig zuordnen.

    Und nun?

  14. Natürlich ist die naheliegenste Erklärung für die Entfernung der Fotos, dass Persönlichkeitsrechte verletzt wurden. Die nächstfolgende Erklärung ist dann die Sicherheit der Familienangehörigen in Deutschland, also OpSec. Aber mal Hand aufs Herz, wo war denn die Identität des abgebildeten Bw-Soldaten gefährdet ? Es war eine Seitenaufnahme, ohne Dienstgrad, ohne alles. Und in Deutschland gibt es auch keine Kompanielisten im Internet, auf Wikipedia oder sonstwo, wo die Namen der Soldaten im Einsatz verzeichnet sind.

    Es ist eben wie bei der Medizinerausbildung: „Hörst du etwas von Paarhufer, dann denk an Pferde und nicht an Zebra“.
    Nur, wir sind eben keine Mediziner, sondern eine Armee im öffentlichkeitsscheuen Einsatz, einem Einsatz, den unsere Führung entweder ganz aus der Öffentlichkeit raus halten will, oder nur ein ganz bestimmtes Bild in die deutsche Öffentlichkeit vermitteln will. Dieses Bild ist der Helfer und Beschützer, aber nicht der Kämpfer. Die deutsche Öffentlichkeit inklusive vieler Abgeordnete des Deutschen Bundestages, haben für die Kampfrolle, den Kampfeinsatz der Bw keine Sympathien.

    Ergo, bist du Bw-Soldat und kein Mediziner, dann „denk bei Paarhufer an Zebra und nicht an Pferd ! „

  15. „Ergo, bist du Bw-Soldat und kein Mediziner, dann “denk bei Paarhufer an Zebra und nicht an Pferd ! “

    Und wenn meine erste Assoziation bei dem Thema Bundeswehr- Paarhufer Kamel ist?

  16. Mal eine Frage an die hier mitlesenden Soldaten und natürlich auch an TW:

    Inwiefern gibt ein Soldat grdsl. sein Einverständnis zur Veröffentlichung von Bildern? Ich sehe da sowohl juristisch als auch moralisch aus Sicht des Dienstherren ein Problem. 1) ist ein Kriegsschauplatz ein öffentlicher Ort wie zum Beispiel eine Castordemo, wo Polizisten nichts dagegen machen können dass sie am nächsten Tag in der BILD zu sehen sind? Wissen die Soldaten immer, dass es Bilder von Ihnen gibt? (Sprich können sie evtl. Angehörige darauf vorbereiten? Es ist immer etwas anderes, ob man seinen Partner/Vater/Sohn nur im Kopf im Krieg sieht, oder ob man auf einmal ein Bild im Netz findet, auf dem ich sehe, wie irgendjemand mit einer Waffe auf einen geliebten Menschen zielt?
    2) Wie sieht die BW das grdsl. Werden Soldaten im Flickr-Stream IMMER gefragt/informiert? Kümmert sich die BW darum, die Medienrechte/Bildrechte ihrer Soldaten zu Hause zu schützen? (Bsp: Zeitung druckt Bild von Soldaten mit Namensschild und in der Headline steht welche Einheit aus Musterstadt das ist. Soldat Mustermann ist noch im Felde und bekommt nicht mit, wie „Antimilitaristen“ sein Haus verschönern) etc.

  17. Die Abbildung der Soldaten ist, wie die jedes anderen auch, in drei Fällen gestattet: Wenn er seine Einwilligung erklärt, im Rahmen der Panoramafreiheit und soweit er Person der Zeitgeschichte ist. Also wenn er Beiwerk des Bildinhalts ist, an einem Aufzug oder einer Versammlung teilnimmt (insb. Gelöbnis), oder er in einen Vorgang verwickelt ist, dessen Darstellung im Rahmen der Meinungsäußerungsfreiheit so schützenswert ist, dass sie das Interesse des Abgebildeten überwiegt. Dabei muss die Abbildung der Person für den konkreten Vorgang von Bedeutung sein. Das öffentliche Interesse am Themenkomplex einer militärischen Auseinandersetzung rechtfertigt daher nicht von vorn herein die individuelle Abbildung aller dort anzutreffenden Soldaten.

    Manche der Bilder konnte man mit der Begründung einkassieren, andere nicht. Ich kann gut verstehen, wenn Beteiligte Bedenken gegen die Veröffentlichung hatten, da einige klar identifizierbar waren. Dass sie für jedermann identifizierbar sein müssten, kann man kaum als Kriterium heranziehen. Auch ein zufälliges Wiedererkennen kann Probleme bereiten.

  18. @ Prediger, 18. Juni 2012 – 23:01

    Und dank Namensschilder/ Helmband kann ich die Herren auf den Bildern eindeutig zuordnen.

    Und nun?

    Ja, und nun? Die Amis machen das, also ist es gut? Mir ist das relativ wurscht, was die Herrschaften aus Aremorica machen. Denen fehlt wohl auch etwas die räumliche Nähe zum Einsatzort bzw. die unmittelbare Betroffenheit durch die „Diaspora“ Ende der 90er.

    Auf der anderen Seite wurde zu Recht gefragt (Georg,18. Juni 2012 – 23:24), ob durch ein simples Bild schon PERSEC gefährdet ist. Aber wie bereits schrieb,

    Wir haben jetzt also entfernte Bilder, wobei die betroffenen Kameraden entweder ein berechtigtes Interese an der Entfernung hatten oder jemand in übertriebener Fürsorge gehandelt hat.

    Wir kennen die genauen Hintergründe nicht. Es mag durchaus eine Verbindung zu dem in den S2-Unterrichten Gelehrten geben, mehr aber auch nicht. Und ob das der Weisheit letzter Schluss ist, will ich auch nicht allgemein beurteilen.

  19. Auf das juristische Feld würde ich nicht so gehen…. Wir haben hier von einem US-Bürger im Staatsauftrag gefertigte Fotos bei einem Einsatz der NATO in einem Drittland, die von einer US-Regierungsinstitution auf einer US-Webplattform veröffentlicht wurden. Bei der juristischen Aufarbeitung wünsche ich viel Spaß.

  20. Was war denn mit den Bildern aus Afghanistan? Da waren die Soldaten auch zu erkennen und trugen nicht diesen Overall, sondern ein Namensschild auf der Brust. Wie die reale Bedrohung der Soldaten im Inland aussieht, ist mir unbekannt, aber man wird doch wohl nicht via Treibjagd zum Marktplatz gehetzt, um dort einer wilden Meute ausgeliefert zu werden. Des Weiteren bleibt es unverständlich, was an einer legalen Räumung einer Straßenspeere und der legalen Verwendung/in Anschlagbringung einer Schusswaffe so verrucht sein soll, dass man fürchten muss, Opfer einer Treibjagd zu werden.

  21. @David Ermes: Das mit dem Flickr-Stream ist eine interessante Frage. Ich habe mal aus Interesse den Namen einer in der Bildbeschreibung genannten Kameradin gegooglet und fand mehrere Bundeswehr- und Zeitungsberichte von verschiedenen Stationen ihrer Karriere.

    Daraus würde ich schließen, dass es einen Pool aus „Vorzeigesoldaten“ gibt, die längerfristig für so etwas herhalten und entsprechend dann ihre Einverständnis gegeben haben.

  22. Servus,

    gesetzter Fall, das ist so eingetreten:

    Die einzelnen Bewegründe, die einen Menschen, in diesem Fall einen Soldaten, dazu führen, um Löschung zu bitten, können doch völlig unbeachtet bleiben.
    Er äußert ein entsprechendes Interesse daran, die zu beachtende Vorschriftenlage gibt ihm recht, und dieser wurde durch die Herausnahme der Bilder entsprochen.

  23. Wie weit kommt man eigentlich mit den „Rechten am eigenen Bild“? Das war bei meinem letzten Einsatz ein ganz großes Thema und riss große Lücken in die Kontingentbücher… ;-)

  24. Servus,

    es muss unterschieden werden zwischen Fotografien im dienstlichen Interesse und Bildern, die danach im Rahmen public affairs öffentlich gemacht werden.

    Ersteres muss der Soldat natürlich hinnehmen, da immer wieder in der Ausbildung oder auch im Einsatz (Bewegt-)Bilder angefertigt werden. Zur Ausbildungs- und Einsatzauswertung ohne Frage essentiell und solange sie auch nur im Dienst (Stichwort „für den Dienstgebrauch“) verwendet werden, problemfrei.

    Interessant wird es im zweiten Fall. Ich habe mal gesagt bekommen, dass der Soldat grundsätzlich sein Einverständnis geben muss zu Bildern, bei denen eine, vielleicht auch nur potentiell gelagerte „Wiedererkennungsgefahr“ besteht. Widerspricht der Soldat, sind sie nicht zu veröffentlichen (dürfen aber gleichwohl intern, Stichwort „Dienstgebrauch“, verwendet werden).

    Warum man nun, um auf den konkreten Fall wieder zurück zu kommen, alle Bilder mit deutscher Beteiligung herausgenommen hat, weiß ich auch nicht.

  25. @Beobachter

    „Ich habe mal gesagt bekommen“ ist mir bisschen wenig – Sie haben davor auf „die zu beachtende Vorschriftenlage“ hingewiesen. Und ich wüsste jetzt gerne, auf wessen Vorschriften in diesem NATO-Einsatz Sie anspielen.

  26. T.Wiegold | 19. Juni 2012 – 7:40
    Auf das juristische Feld würde ich nicht so gehen…. Wir haben hier von einem US-Bürger im Staatsauftrag gefertigte Fotos bei einem Einsatz der NATO in einem Drittland, die von einer US-Regierungsinstitution auf einer US-Webplattform veröffentlicht wurden. Bei der juristischen Aufarbeitung wünsche ich viel Spaß.

    Man kann vielleicht noch anmerken, dass hier auch zwei unterschiedliche Rechtskulturen aufeinander stoßen. Ein „Recht am eigenen Bild“ gibt es in den USA nicht, weder für Prominente, noch für Privatleute. Wer sich in der Öffentlichkeit – und darunter versteht man alles außerhalb der eigenen vier Wände – aufhält, den darf man fotografieren. Mit einem ganz langen Teleobjektiv, wenn es sein muss.

    Dabei spielt es keine Rolle, ob es sich bei dem Fotografierten um Tom Cruise, einen Politiker, einen Polizisten, einen Soldaten oder Joe Shmoe von nebenan handelt.

  27. Servus,

    “Ich habe mal gesagt bekommen” ist mir bisschen wenig – Sie haben davor auf “die zu beachtende Vorschriftenlage” hingewiesen. Und ich wüsste jetzt gerne, auf wessen Vorschriften in diesem NATO-Einsatz Sie anspielen.

    ausgehend von meinem Verständnis, auf Lehrgängen rechtskonforme Inhalte vermittelt bekommen zu haben, beziehe ich mich auf nationale Regelungen, gleichwohl sie schon ein paar Jahre her sind.

    Eine andere Regelung ist mir nicht bekannt.

  28. @T.Wiegold:
    Die Sache ist juristisch nicht so kompliziert, praktisch hingegen wohl. Für den einzelnen Soldaten ist hinsichtlich seiner nicht-internen Abbildung die allgmeine Rechtslage nach dem deutschen KunstUrhG maßgeblich, wie oben dargestellt. Denn sobald die daraus erwachsende Rechtsposition im Rahmen des Dienstverhältnisses objektiv verletzt wird, hat der Soldat gegen seinen – an diese deutsche Rechtslage gebundenen – Dienstherrn aus dessen allgemeiner Schutzpflicht einen Anspruch auf Abwendung der Rechtsverletzung (im Rahmen eines zumutbaren, ggü. Dritten verhältnismäßigen Bemühens). Dass der Betroffene im Ausland sich ggü. einem Fremden auf die dt. Rechtslage nicht berufen kann, ist für einen Soldaten im Einsatz daher nicht von Belang.
    Praktisch gesehen kann man sich natürlich im Einzelfall streiten, welche Hebel in Bewegung gesetzt werden müssen, um den Schutz einer solchen Einzelrechtsposition zu gewährleisten.

  29. Die ganze Diskussion verstehe ich nicht. Ein Soldat in Uniform hat kein Recht am eigenen Bild, es gehört der Bundeswehr. Also kann auch kein einzelner Soldat verlangen, daß ein Foto mit seinem Gesicht entfernt wird. That´s it!

  30. @ Ops | 19. Juni 2012 – 11:25

    Auch wenn man mal die Vorfrage, ob das KunstUrhG überhaupt anwendbar ist, dahingestellt sein lässt: Die Soldaten, die an der Blockaderäumung teilnahmen, waren Akteure im Sinne von § 23 Abs. 1 Ziffer 1 KunstUrhG („Bildnisse aus dem Bereiche der Zeitgeschichte“). Eine Einwilligung in die Verbreitung der Fotos war also nicht erforderlich.

    Wenn die Amerikaner die Bilder gelöscht haben, so taten sie das aus Kulanz und aus Pragmatismus („sind halt ein wenig verschroben, unsere deutschen Kameraden“). Wenn das Pressefotos gewesen wären, hätte sich die Situation ganz anders dargestellt. Jeder Verantwortliche sollte es sich gründlich überlegen, ob er sich z. B. mit einer Presseagentur in Verbindung setzt, um die Verbreitung von Fotos zu unterbinden. Mit so etwas könnte man wirklich einen PR-Gau verursachen.

  31. Persönlichkeitsrechte hat jeder Mensch, zumindet hier. Der Hinweis auf diese war allerdings auch nur die Erklärung der Bundeswehr, nicht das direkte Statement der Soldaten. Man hätte die Betroffenen auch unkenntlich machen können, anstatt sie gleich zu entfernen.

    Es wären sonst bitte sämtliche veröffentlichte Aufnahmen deutscher Soldaten auf die Verletzung der entsprechenden Rechte zu prüfen und zu löschen.

  32. @ W.E.C.H | 19. Juni 2012 – 18:26
    Das kann man z.B. per google erfahren oder aber auch widerlegen …. das Thema ist zu komplex. T.W. könnte da ja was aus journalistischer Sicht schreiben … ist aber ein großes Fass (Persönlichkeitsrecht vs Pressefreiheit …. hier in DEU würde die Pressefreiheit den „Zuschlag“ bekommen). Also, besser Ball flach halten oder klagen!

  33. Der Laie fragt sich nun:
    Wenn PERSEC als so wichtig erachtet wird, warum hat man nach mehr als 15 Jahren nicht entsprechende Maßnahmen ergriffen? Sturmhaube und Schutzbrille wurden ja bereits angesprochen.
    Stattdessen nachträglicher Aktionismus – als uns im Sommer 2012 bei CRC-Einsätzen KFOR eigene (!) Fotografen und nachträglich das Internet überraschten?!?

  34. Wenn ich hier schon sowas lese, per Namensschild identifiziert dann frag ich mich ernsthaft. Gerade heutzutage ist sowas doch der blanke Schwachsinn gerade im Einsatz sollte man sowas auf jeden Fall entfernen bzw garnet erst anbringen. Naja typisch BW erstmal kümmern wir uns garnet drum und dann aber gleich mit der grossen Keule.

  35. „Persönlichkeitsrechte hat jeder Mensch, zumindet hier“

    @Niklas,

    Grundsätzlich richtig, jedoch gibt es hier Abstufung die von der Rechtssprechung entwickelt worden sind. Also vorsicht mit solchen Aussagen.

    Spannend ist die Frage ob Soldaten die an einem Internationalen Auslandseinsatz mit UN- und Bundestagsmandat unter den Bereich der Öfflichkeitssphäre fallen, diese genießt nämlich den geringsten Schutz.
    Bei der Öffentlichkeitssphäre kommt das Interesse der Öffentlichkeit eine höhere Bedeutung zu als dem Schutz den der Einzelnen.

  36. @Georg
    @Prediger

    Weder Zebras noch Pferde sind Paarhufer. Ich hoffe Ihre Beiträge nichtzoologischer Natur sind von größererem Sachverstand geprägt.
    ;-)

  37. @ Jeff costello

    Danke für den Hinweis. Ich habe versehentlich falsch zitiert. Sowohl Pferde als auch Zebra sind „Unpaarhufer“. Die Vorsilbe „Un-“ hatte ich vergessen.
    Im Gegensatz dazu sind Kamele (@ Prediger) tatsächlich Paarhufer.
    Ich habe mir überlegt, ob ich es korrigieren soll, da es ja eigentlich „etwas“ off-topic ist.

    Nun gut, jetzt ist es also geklärt. :-))

    Im Übrigen hat @ Memoria 19.06. 22.15 Uhr noch etwas zu dem Thema PERSEC geschrieben, das ich nur unterstützen kann.
    Ich denke nach wie vor, das Thema „persönliche Sicherheit“ ist ein vorgeschobenes, eventl. auch einfach ein willkommenes Thema für den Dienstherrn, um diesen politisch ungeliebten und relativ erfolglosen Einsatz (EUMEX, Organisierte Kriminalität im Kosovo usw.) medial aus dem Blickpunkt zu halten.

  38. Ich würde Georg’s Fazit voll zustimmen. Die politische Führung des Verteidigungsministeriums steuert hier mit. Der Steuerungswille über das, was mit welchen Texten aus Einsätzen in die Öffentlichkeit gelangen soll, ist inzwischen perfekter als bei unseren Verbündeten in den USA. Diese Bilder symbolisieren Bedrohung, Gefahr und Risiko. So etwas scheint so gar nicht in die vorgegebene Linie, wonach KFOR doch eine erfolgreiche THW-Mission kurz vor dem Abschluss ist.

  39. Setzt man diese Sichtweise mit der stiefmütterlichen Berichterstattung der vergangenen Jahre über die Lage da unten in Relation, könnte man durchaus zu dem Schluss kommen.

Kommentare sind geschlossen.