Kriegsbilder: Geprägt von Vietnam

US_Army_Vietnam_Smoke_bomb

Aus heutigen Kriegen und Konflikten sind Bilder allgegenwärtig – vor allem, weil neben die Fotos professioneller Berichterstatter die Aufnahmen treten, die inzwischen fast jeder – dank Kamera-Handy – machen und – dank Internet – sofort verbreiten kann. Das Lens Blog der New York Times weist auf ein Buch der Kollegen von Associated Press hin, das an eine Zeit erinnert, in der  eine neue Art von (professionellen) Konfliktphotos aufkam: Der Vietnam-Krieg, aus dem die Öffentlichkeit  erstmals in großer Zahl Bilder von Journalisten zu sehen bekam, die nicht von den kriegsführenden Parteien erstellt oder auch nur zensiert waren. (Dass die Fotografen geprägt waren von ihrem kulturellen Hintergrund und auch nur mit den Truppen der USA und Südvietnams unterwegs waren, ist eine etwas andere Frage, die daran aber wenig ändert.)

Die Fotos aus den 1960-er Jahren haben zumindest die Wahrnehmung meiner Generation geprägt – und einige, die im kollektiven Gedächtnis hängen geblieben sind, gibt es hier zu sehen:

Vietnam War Photos That Made a Difference

(Interessant übrigens, aus heutiger Sicht, dass der damalige AP-Fotochef in Vietnam, Horst Faas, bei seinen schreibenden Kollegen durchsetzte, dass auch sie immer eine Kamera dabei hatten – um auf jeden Moment vorbereitet zu sein.) weiterlesen

Gesucht: Das beste EuroHawk-Foto

EuroHawk beim Überführungsflug – Northrop Grumman Pressefoto

 

So langsam wird’s – optisch – ein bisschen eng: Bislang habe ich mich bemüht, möglichst zu jedem neuen EuroHawk-Eintrag auch ein anderes Foto dieser Riesendrohne zu zeigen (nebenbei: Die Nachrichten-Webseiten und die Tageszeitungen sind da ein bisschen sparsamer, wenn ich die immer wieder gleichen Bilder sehe…).  Aber angesichts der Vielzahl von Blogbeiträgen werden auch für mich die verfügbaren Fotos knapp, zumal ich keinen Zugriff auf die Agenturbilder habe.

Deshalb mache ich aus der Not eine Tugend – und verwende künftig für jeden Blogeintrag zu dem Thema das gleiche Bild, dann auch mit Wiedererkennungswert (natürlich nicht, wenn es was Aktuelles und ein aktuelles Foto dazu geben sollte).

Aus diesem Grund eine kleine Leserumfrage: Was wäre von den zur Auswahl stehenden Bildern das beste Signatur-Foto für den EuroHawk? Ich bin ja ein großer Fan des oben stehenden Bildes vom fliegenden Wal … aber es gibt bestimmt auch andere Meinungen. weiterlesen

Mein Bild und seine Geschichte (neu: Nachtrag)

Meine Arbeit ist ja schon ein bisschen multimedial. Schwerpunkt ist Text, natürlich, aber ich stelle hier auch O-Töne Online, mache ab und zu ein Video und fotografiere natürlich – letzteres nicht zuletzt deshalb, weil ich für Augen geradeaus! Bilder brauche, an denen ich selber die Rechte habe.

Aus diesem Grund habe ich auch ein paar Fotos gemacht, als Verteidigungsminister Thomas de Maizière und Außenminister Guido Westerwelle am vergangenen Donnerstag die deutsche Planung für Afghanistan nach Auslaufen der ISAF-Mission vorstellten. Ein Bild davon habe ich zur Illustration des Blogeintrags hier benutzt; ein paar weitere Bilder habe ich dem Berliner Korrespondenten des Bundeswehr-Senders Radio Andernach überlassen, zum Beispiel das Foto oben: Sozusagen als kollegiale Gefälligkeit, zur Benutzung bei Radio Andernach.

Beim Blick auf die heutige Ausgabe der Bundeswehr-Wochenzeitung aktuell war ich dann ein wenig verblüfft, als ich das Aufmacherfoto sah: weiterlesen

Wie fürs Lehrbuch: Die verschwundenen Kosovo-Fotos

Es sieht mittlerweile aus wie ein Musterfall für das – noch nicht geschriebene, oder kenne ich’s nur noch nicht – Lehrbuch für Presseoffiziere: Der Fall der Fotos, die deutsche Soldaten im Kosovo bei der Räumung einer Straßenblockade zeigten – und dann plötzlich verschwunden waren.

Der Reihe nach:

Am 1. Juni räumte KFOR eine Straßenblockade kosovarischer Serben bei Rudare. Es kam zu Auseinandersetzungen, zwei deutsche Soldaten wurden durch scharfe Schüsse verwundet.

Am 2. Juni veröffentliche die Multinational Task Force East (vormals Multinational Brigade -East, MNBG-E) der KFOR auf dem Photodienst Flickr Bilder von dieser Operation. Die Fotos zeigten Soldaten verschiedener Nationen (unter anderem aus den USA und der Schweiz) und eben auch aus Deutschland bei diesem Einsatz. Alle Fotos trugen den Vermerk U.S. Army photo und RELEASED.

Am 3. Juni griff ich hier bei Augen geradeaus! diese Fotos auf, verlinkte auf die Bildersammlung bei Flickr und zeigte im Blog direkt einige Aufnahmen mit deutschen Soldaten.

Knapp zwei Wochen später stellte ich zufällig fest, dass Fotos verschwunden waren – und zwar aus dem ganzen Set der Aktion bei Rudare ausschließlich die Fotos, die deutsche Soldaten zeigten. Die Bilder mit Soldaten anderer Nationen waren nach wie vor vorhanden. Mit ein bisschen Suchen im Internet fand sich schnell ein Teil der Fotos wieder – bei der Georgia National Guard, von denen ebenfalls Soldaten auf den Bildern waren und die deshalb diese Aufnahmen ebenfalls bei Flickr eingestellt hatte (übrigens mit einer deutlich weiter gehenden Lizenz, die die freie Verwendung erlaubt).

Also: nur und ausschließlich die Deutschen fehlten. Ganz plötzlich. Und gerade die Bilder von Bundeswehrsoldaten mit der Waffe im Anschlag im Kosovo. Das sah sehr nach einer gezielten Aktion aus, vielleicht politisch nicht erwünschte Fotos zu entfernen. Zumal die MNBG-E mir und anderen auf Anfrage mitteilte, die Bilder seien on request by the German army entfernt worden.

Übers Wochenende und heute habe ich mit verschiedenen Leuten gesprochen, und es zeichnet sich eine recht einfache Erklärung ab, die ich von verschiedenen (!) Seiten sowohl völlig inoffiziell als auch halboffiziell gehört habe und die ich für möglich halte:

Einige der abgebildeten deutschen Soldaten wurden von der Veröffentlichung der Bilder überrascht und drangen darauf, dass diese Bilder wieder zurückgezogen wurden – aufgrund der Befürchtung, dass sie auf diesen Aufnahmen identifiziert werden könnten. Dem kam die (amerikanisch geführte) MNBG-E nach. Aber: Die Amis löschten die Fotos kommentarlos, ohne jegliche Erklärung (vielleicht ja auch, könnte ich mir vorstellen, mit einem gemurmelten those f**g Germans). Vor allem aber: sie löschten alle Bilder, auf denen eine deutsche Uniform zu sehen war. Selbst wenn die Person auf so einem Bild, sagen wir mal, relativ schwierig zu erkennen war:

(U.S. Army photo by Sgt. 1st Class Jim Wagner/RELEASED)

Solche Fotos, einmal veröffentlicht (noch dazu als offizielle U.S. Army photos), kursieren schnell im Internet. Allein schon deshalb, weil es von der Bundeswehr kaum scharfe Einsatzfotos aus dem Kosovo gibt.  Und sie werden auch von anderen US-Einheiten ganz offiziell eingestellt.

Das scheint niemand bei dem Lösch-Wunsch bedacht zu haben. Und dass die kommentarlose Löschung selbst unverfänglicher Fotos aus einer offiziellen Veröffentlichungs-Seite erst recht misstrauisch machen muss, hat wohl auch keiner gewusst.

Mit anderen Worten: Wenn die Darstellung stimmt, die ich bislang höre, dann gilt der Spruch: Das Gegenteil von gut ist gut gemeint. Die offensive Löschung der Bilder, ohne den Ansatz einer Erklärung und weit über ein nötiges Maß hinaus, hat den Bildern erst recht Aufmerksamkeit verschafft. Der Streisand-Effekt lässt grüßen.