Somalias Piraten wieder mit großem Mutterschiff unterwegs

Piraten aus Somalia haben mit dem neuen Jahr ihre Aktivitäten wieder massiv verstärkt. Augenfälligstes Beispiel dafür ist die aktuelle Warnung der NATO vor einem neuen, großen Piraten-Mutterschiff: Der Chemikalientanker Liquid Velvet, Anfang November vergangenen Jahres im Golf von Aden gekapert, setzte sich als schwimmende Basis der Seeräuber in Marsch:

—WARNING WARNING WARNING—
Alert number 004/2012
At 1024 UTC / 10 JAN 12 / the pirated MV LIQUID VELVET could be acting as a mothership and was reported in position 10 58 N 053 23 E
Vessels are advised to exercise extreme caution when navigating within 100 nautical miles of the position given in this report and maintain maximum CPA with any ship acting suspiciously.

Nun ist das nicht grundsätzlich Neues – schon in den vergangenen Jahren waren immer wieder gekaperte Handelsschiffe als Piraten-Basis genutzt worden, zum Beispiel auch der Flüssiggastanker York. Und an Bord dieser Riesen-Mutterschiffe wurden bis zu 100 Piraten mit ihren Angriffsbooten, den schnellen Skiffs, vermutet.

Vermutlich als Piraten-Mutterschiff genutzt: der Chemikalientanker Liquid Velvet (Foto: NATO Shipping Centre)

In den vergangenen Monaten allerdings waren vor allem die dagegen kleinen Dhaus als Mutterschiffe aufgefallen und mehrfach auch aufgebracht worden – wie von der deutschen Fregatte Köln, wie vor ein paar Tagen die iranische Dhau Al Molai von der U.S. Navy, wie ebenfalls in den vergangenen Tagen die Dänen unter NATO-Kommando. Auf die großen Frachter in ihrer Gewalt hatten die Seeräuber, aus welchen Gründen auch immer, in jüngster Zeit nicht mehr zurückgegriffen.

Die neue Welle der Aktivität zeigt sich auch an der wieder steigenden Zahl der Angriffe seit Jahresbeginn. Die NATO-Alarmmeldungen allein am 4. Januar nur im Golf von Aden:

There have been reports of 4 skiffs in the Gulf of Aden/ Bab al Mandeb region.  This Pirate Attack Group has attacked 1 vessel, and approached 3 vessels.
Approaches occured:
0345Z in vicinity of 1205N 04423E
0753Z in vicinity of 12 14N 044 11E
0817Z in vicinity of 12 17N 044 10E
***These vessels are Safe***
*** The Pirate Attack Group is still in the region***

Date of Alert: 04 Jan 2012
Location: [001] Gulf of Aden 13 10 N 049 12 E
Latitude: 13 10 N
Longitude: 049 12 E
Alert Details:
–WARNING WARNING WARNING—
At 0200 UTC a merchant vessel was attacked by 1 skiff in position 13 10 N 049 12 E.
**This vessel managed to evade hijack***
*** Vessel is SAFE***
The Pirate Attack group is still in the area.

Date of Alert: 04 Jan 2012
Location: [002] GULF OF ADEN 12 17 N 044 10 E
Latitude: 12 17 N
Longitude: 044 10 E
Alert Details:
—WARNING WARNING WARNING—
At 0822 UTC a merchant vessel was reported under attack by a skiff in position 12 17 N 044 10 E.
***This vessel managed to evade hijack***
The Pirate Attack group is still in the area.

Dennoch sind die Erfolge der somalischen Piraten deutlich geringer als noch ein Jahr zuvor. Ob sie mit ihren neuen Aktivitäten Erfolg haben werden, ist natürlich unklar – allerdings sind derzeit wieder etwas weniger Marineeinheiten am Horn von Afrika präsent.

Nachtrag: Der Somalia Report meldet nun die – bislang unbestätigte – Kaperung eines iranischen Frachters (Tankers?) im Golf von Aden – wenn sich das bestätigt, der erste größere Piratenerfolg in diesem Jahr.

Nachtrag 2: Die Liquid Velvet bewegt sich an der somalischen Küste nach Süden.

Position 1024 UTC am 10. Januar 2012 (Quelle: NATO, Karte: Openstreetmap)

Postion 0200 UTC am 11. Januar 2012 (Quelle hier; Karte: OpenStreetMap)

4 Gedanken zu „Somalias Piraten wieder mit großem Mutterschiff unterwegs

  1. Da wird das Versenken ob der Eigentumsverhältnisse des Schiffes sicher schwierig.

  2. Richtig. Ich bin gespannt, was das Jahr 2012 bringt. Vor allem mit Sicht auf die „Logistik am Strand“-Geschichte.

  3. da vielleicht einmal den Chinesen oder Indern einen Tip geben, das dürften so ziemlich die einzigen sein denen Eigentumsverhältnisse egal sind.
    Diese Länder machen das einzig richtige und handeln ohne Angst vor dem „hinterher“ zu haben

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