RC N Watch: Zivile Führung für Faizabad noch im Dezember

Gestern war’s für mich noch eine Vermutung, jetzt ist es bestätigt:

Thomas de Maizière und ich haben vereinbart, dass noch im Dezember die Gesamtführung am Standort Faisabad in zivile Hände kommt und vom Auswärtigen Amt übernommen wird.

sagte Bundesaußenminister Guido Westerwelle der Bild am Sonntag laut Vorabmeldungen.

(Nachtrag: Hier der Wortlaut des Interviews.)

(Interessant am Rande: Der Verteidigungsminister sagte in dem Interview offensichtlich ohne Widerspruch seines Außenamtskollegen, dass es natürlich auch nach 2014 bewaffnete Unterstützung für die afghanische Armee geben werde: Das wären dann keine kämpfenden Truppen mehr, aber vielleicht Angehörige von Kampftruppen, die Kampftruppen in Afghanistan ausbilden. Und sie wären ausreichend bewaffnet, um sich schützen zu können. Da hatte es aus dem AA auch etwas andere Signale gegeben.)

 

13 Gedanken zu „RC N Watch: Zivile Führung für Faizabad noch im Dezember

  1. Die Äußerung muss man sich echt auf der Zunge zergehen lassen. Ich komme mir vor wie zu Jungs Zeiten, das ist kein Krieg, das ist dort einfach eine andere Situation. Ich dachte, wir haben diese Kindergarten-Rhetorik hinter uns gebracht? Anscheinend nicht.

    „Das wären dann keine kämpfenden Truppen mehr, aber vielleicht Angehörige von Kampftruppen, die Kampftruppen in Afghanistan ausbilden. Und sie wären ausreichend bewaffnet, um sich schützen zu können.“

    Gebt der „kämpfenden Truppe“ doch einfach ein blaues Barett und ein Sanitäter-Badge. Ist doch lächerlich, wie hier wieder vor der Wirklichkeit geflüchtet wird. Sagt doch einfach klar und deutlich, dass auch nach 2014 eine bestimmte Anzahl von Kampftruppen benötigt werden.

    Jetzt machen wir in Deutschland also schon den Unterschied zwischen „Kampftruppen“ und „kämpfenden Truppen“. Köstlich!

  2. Hier wird bereits wieder eine m.E.n. unsägliche verbale Trennung aufgemacht. Auf der einen Seite Kampftruppen, die natürlich abgezogen werden und auf der anderen Seite Ausbilder, die natürlich vor Ort bleiben.
    Vor Ort und in der Kampfsituation (TIC) gibt es keinen wesentlichen Unterschied zwischen einem Infanteriezug und einem OMLT, außer dass das OMLT i.d.R. mit weniger Unterstützung rechnen kann. Der Counterpart der Infanterie, bekommt wenigstens Unterstützung von der Kompanie- oder die Bataillonsebene geschickt, dass OMLT muss die Situation halt zusammen mit der ANA lösen oder auf externe Hilfe hoffen. Wie schnell so etwas schief gehen kann, kann man aus dem in Achie zusammen geschossenen OMLT in 2009 lernen. Nach massiven Beschuss bewegungsunfähig und vom Feind umgeben, wäre ohne Entsatz aus KDZ die Situation – wenn die Munition ausgeht – schnell katastrophal geworden.
    Meiner Meinung nach wird das Risiko für die eingesetzten Soldaten höher und die Gesamtsituation der Ausbildungskräfte verbal verniedlicht. Es erinnert mich an die Stabilisierungsmission, die auch auf keinen Fall Krieg genannt werden dürfte – nur jetzt halt als Ausbildungsmission…
    OMLT halte ich für richtig und habe es auch selbst gemacht. Aber ehrlich gesagt möchte ich nicht zu dem kleinen Häuflein des letzten Aufgebots gehören, dass das Mentoring des ANA-Kandaks 2/2/209 machen darf, wenn das PRT FEY und alle handlungsfähigen eigenen Kräfte abgezogen sind. Und nein – ein mongolisches Role 1 Sanitätszelt finde ich genau so toll, wie die Verwundetenversorgung der ANA.
    Und wenn ich es nicht machen möchte, dann möchte ich noch viel weniger einen Kameraden hin schicken!

  3. Es ist bedauerlich. Mehr kann man nicht dazu sagen, es fehlen jegliche Hintergrundinformationen.

  4. @Stefan H.:
    Volle Zustimmung.

    Die Abzugsdiskussion erinnert auch mich an die unsägliche Schönrednerei von Jung.
    Aber auch in der Bw hat man auc meiner Sicht noch nicht erkannt, dass der anspruchsvollste Teil des Afghanistaneinsatzes erst noch kommt: Nach 2014.

    Die hierfür notwendigen „OMLT+“ und notwendige Unterstützer (QRF, San, NG&A, HFlg, etc.) müssten jetzt ausgeplant und vorbereitet werden.
    Mit Blick auf die notwendigen Fähigkeiten für eine weitgehend autonome Einsatzart(darüber hatten wir es ja hier schonmal) sind aus meiner Sicht noch sehr viele Hausaufgaben unerledigt – insbesondere mit Blick Personalauswahl und Ausbildung).
    Aber in den höheren Stellen ist man wohl weiterhin der Ansicht, dass normale Kampftruppe diese Ausbildung übernehmen kann („jeder deutsche Offizier und Unteroffizier kann ausbilden…“) bzw. Personal aus Stäben diese Aufgabe ad-hoc übernehmen kann. Das ist natürlich besser als das bisherige Eingreifen in die Verbände, aber eben für die Aufgabe weiterhin zu wenig (notwendig, aber nicht hinreichend).

    Wie müßte denn aus Ihrer OMLT-Erfahrung heraus ein deutsches Einsatzkontingent ISAF im Jahr 2015 aussehen???

  5. Streiche: Primat der Politik
    Setze: Primat des Zivilen

    Wenn das mit dem out-sourcing staatlicher Kernaufgaben nicht klappt, dann machen wir eben in-sourcing……bin mal gespannt ob die USA ihre nach 2014 in Afghanistan verbleibenden Truppen auch dem State Department unterstellen ……

    Hallo Berlin !! Geht’s noch ???

  6. Warum regt ihr euch so auf?
    Jedes PRT ist „double-headed“ mit einem Vertreter des AA und einem des BMVg (vulgo Soldat) und da wird sich schön abgestimmt, bevor etwas getan wird.
    Dass dies in KDZ auf Grund des Umfeldes etwas anders nach außen wirkt, ist klar. Aber in FEY war es halt über die letzten Jahre gesehen zu ruhig; und das könnte auch daher stammen, dass es dort Flecken gibt, in denen noch kein ISAF-/OEF-Soldat war, weil die zu bescheiden liegen.

  7. Zitat Memoria: „Wie müßte denn aus Ihrer OMLT-Erfahrung heraus ein deutsches Einsatzkontingent ISAF im Jahr 2015 aussehen???“

    Ohne mich um die Frage drücken zu wollen, stelle ich zuerst die Frage was Deutschland eigentlich in Afghanistan erreichen möchte?

    Ein nachhaltiges Ergebnis würde einen Blut und Kostenintensiven Ansatz über Jahrzehnte erfordern, dessen Ausgang trotzdem zweifelhaft bleibt. Ich sage nur Stichworte wie Nationalstaatsbildung, Demokratieverständnis durch Bildung, Aufbau einer lebensfähigen Wirtschaft, Finanz und Steuerwesen, Justizwesen etc. – also alles Generationenaufgaben und weit außerhalb dessen was Bundeswehr bewirken kann.

    Ich unterstelle etwas boshaft, dass das neu avisierte Ziel ein gesichtswahrender Abzug ist – was ich übrigens als pragmatischen Ansatz auch favorisiere.
    Wenn die ANSF quantitativ und qualitativ – nach afghanischen Gesichtspunkten – die Sicherheitsverantwortung übernehmen kann, dann ist rein definitorisch die Aufgabe ISAF gelöst, das operative Ziel der Bundeswehr erfüllt – und wir sollten schnell abziehen!
    Selbstverständlich wird dieser Sicherheitsapparat, der m.E. auch bis 2014 aufstellbar ist, ohne das der restliche Staat funktioniert niemals nachhaltig sein. Er wird uns aber den Rücken decken, während wir abziehen und uns Bilder von Hubschraubern über Botschaften wie in Vietnam ersparen. Dann wird die ANSF früher oder später zerfallen – analog der Nadschibullah Armee 1989-1992, die übrigens auch aufgebaut und gementort wurde. Geschichte wiederholt sich und wer nicht aus ihr lernt ist gezwungen sie erneut zu erleben…
    Aus meiner Bewertung wird es aber keinen wesentlichen Unterschied machen ob wir 2014 oder 2020 abziehen. Der von mir erwartete Zerfall der ANSF hängt nicht an Ausbildung und Ausrüstung der ANSF, sondern dass nach einem Abzug der NATO die Löhne nicht bezahlt oder die Seiten gewechselt werden. Der ausgebildete oder gementorte ANSF Führer von heute wird dann der Warlord von morgen – er muss sich ja sein Auskommen sichern und Überlebenskünstler sind zwangsläufig aufgrund der letzten Jahrzehnte alle Afghanen.

    Diese Prognose zu Grunde legend, sehe ich nicht auf den ersten Blick, warum ein paar hundert Ausbilder als Feigenblatt der Nachhaltigkeit ihre Knochen unter hohem Risiko für ein unterschiedsloses Ergebnis nach 2015 einsetzen sollten. Der Block bietet ja mannigfaltig Möglichkeiten, bei Zukunftsthemen zu philosophieren wie konzeptionell eine Truppe beschaffen sein sollte, die einen Sicherheitsapparat zur Stabilisierung einer Region aufbauen soll. Ich halte diese Fähigkeit für eine sehr wichtige in den kommenden Dekaden.
    Da ich einen schnellen Abzug aus Afghanistan unterstütze, plane ich selbst gedanklich nur ein Kontingent 2015 aus, wenn das Primat der Politik mich dazu zwingt.
    @Memoria: Jetzt habe ich mich doch um Ihre Frage gedrückt – mea culpa!

  8. @Kampftruppen
    Mit dem Begriff „Kampftruppen“ hat die Bundesregierung ohnehin so ihre Probleme. Im Januar hat sie trotz „umfangreicher Recherchen“ keine befriedigende Antwort darauf geben können, was sie eigentlich darunter versteht.
    Wenn man jetzt noch in Rechnung stellt, dass „Ausbildung“ nach dem OMLT-Konzept auch nur ein öffentlichkeitsfreundlicheres Wort für „Anleitung im Kampf“ ist, lesen wir de Maiziére als „keine kämpfenden Truppen mehr, aber vielleicht Angehörige von Kampftruppen, die gemeinsam mit [afghanischen] Kampftruppen in Afghanistan kämpfen.“ Mit derlei Geschwurbel sollen in der Regel Sachverhalte verdeckt werden.

  9. @ Stefan H.:
    Aus meiner Sicht muss aber gerade ein gesichtswahrender Abzug mit einer Brücke (=OMLT+) versehen werden, ansonsten ist der Druck 2014ff zu groß.
    Warum können wir nicht wenigstens den Epilog professionell vorbereiten und durchführen??
    Zudem haben die Bundeskanzlerin und die zuständigen Minister ja bereits die Absicht der übergeordneten Führung vorgegeben (s.o.).
    Nur leider habe ich den Eindruck, dass man sich in der militärischen Führung der Größe der Aufgabe gar nicht bewußt ist, da ja die „Kampftruppe“ abgezogen ist…
    Zur Finanzierung der ANSF: Warum muss die Finanzierung 2014 enden? Andere Staaten bekommen auch seit Jahrzehnten erhebliche Finanzmittel der USA.
    Unterm Strich braucht das Land auch nach 2014 noch „Stützräder“, damit in einem Verrhandlungsprozess mit den Taliban kein allzugroßes Ungleichgewicht herrscht.
    Was natürlich bleibt ist das Legitimitätsdefizit der Regierung Karzai – aber allein daran gemessen müßte man schon weit vor 2014 abziehen.

    Daher wäre ich weiterhin an ihrer Vorstellung der Umsetzung der Ziffer 3a. der Bundesregierung interessiert.

  10. @Memoria
    Ein OMLT+ Konzept ist der logische nächste Schritt und wird meiner Einschätzung nach das nächste militärische Konzept der Bundeswehr in Afghanistan sein. Das PRT Konzept deutet sich ja an, wird zivil überführt (und wahrscheinlich irgend wann bis zum endgültigen Exit durch das AA beerdigt). Das Konzept mit Hilfe ASBs/TFs Partnering zu betreiben wird bei einer weiteren Abschmelzung des Kontingentlimits schnell an seine Grenzen stoßen (Tippe NLT Ende 2013). Dazu wird der Bedarf Räume offensiv zu nehmen – tendenziell auf der Zeitachse sinken und dafür ist dieses Konzept m.E. besonders gut geeignet. Eine QRF wird man natürlich nachfolgend brauchen – solange Soldaten noch irgend wo in Afghanistan unterwegs sind.

    Warum muss die Finanzierung 2014 enden?
    Das tut sie nicht – nur wenn niemand vor Ort ist und Auszahlungen und den Wirkungsgrad der eingesetzten Mittel kontrolliert, dann gehe ich tendenziell nicht davon aus, dass noch viele internationale Mittel beim einfachen afghanischen Soldaten und Polizisten ankommen. Oben rein heißt nicht zwingend unten verteilt…hier wird aber sofort und unmittelbar mit den Füssen abgestimmt, wenn der Monatslohn ausbleibt. Das externe Finanzierung bei anderen Staaten klappt, würde ich in Afghanistan nicht zum Maßstab machen – man kann schon diskutieren ob überhaupt eine Nationalstaatsbildung stattgefunden hat. Die Mentalität und die allgegenwärtige Korruption machen das Leben auch nicht grundsätzlich einfacher.

    Der Ausbildungsgesichtspunkt OMLT wird m.E. auf der Zeitachse zurück gehen. Man muss eben auch die Frage stellen, was das 12te OMLT Kontingent noch wesentlich anderes vermitteln sollte, als das 9te.
    Kämpfen als Infanteristen – natürlich mit ortsüblicher Qualität – kann die ANA jetzt schon, dass ist es nicht.
    Kerndefizite sind m.E. nach Logistik und Liegenschaftsaufbau und -management. Kasernen in jeder Provinz aufzubauen kostet Zeit, kann aber bei RC N durchaus bis Ende 2014 ausgeführt werden – es fehlen auch nicht mehr ganz so viele Liegenschaften. Das ortsübliches Liegenschaftsmanagment die Wohnqualität der Soldaten schnell ins unterirdische fallen lässt, dass werden wir auch in der nächsten Dekade nicht lösen. Ich kann mir aber auch nicht vorstellen, dass Deutschland die Kasernen alle 3-4 Jahre neu ausstatten möchte, weil jede Form der Installation etc. dann abgebaut und verkauft oder nach Hause gebracht wurde.
    Die Logistik: Grundproblem ist hier, dass einfach die US-Handbücher in Dari übersetzt wurden. Eine westliche Welt Logistik (Pull-System) – Antragsorientiert und maßgeschneidert wird in Afghanistan gar nicht funktionieren.
    – Man muss zeitgerecht im Vorlauf einen Bedarf anfordern – dass widerspricht jeglicher afghanischer Philosophie im hier und jetzt zu leben.
    – Man braucht moderne Kommunikationsmittel um Anforderungen über 1000 km schnell versenden zu können. Ein Kandak der ANA hat weder Fax, noch Internet oder e-mail Anschluss, meist nicht einmal ein Festnetztelefon. Klar haben alle Handys, aber darüber kann man keinen Antrag stellen – ohne Unterschriften und Billigungen (Machtdemonstrationen der Machtinhaber) geht im afghanischen System gar nichts. Was bleibt ist die afghanische Post und der Zeitvorlauf bei Anforderungen steigt schnell ins unermessliche (Anforderung Kandak 2/2/209 FEY – nach KDZ Brig 2/209, Anforderung KDZ-MES an 209 Corps, Anforderung MES – KBL; wir sprechen nun schon von 3 Postläufen mit der afghanischen Post nur um ein Anforderungsformular MOD 14 mal einzureichen! Natürlich müssen die Güter den umgekehrten Weg nehmen – und das alles durch unsichere Gebiete und jeder Führer auf jeder Zwischenebene kann die Güter nach eigenen Prioritäten umwidmen! Armes Kandak in FEY – viel kommt da nicht an!)
    – Dazu kommt, dass Anträge und Logistikberechnungen, aber auch definierte Entnahmen sich nicht wesentlich verbessern, wenn die Masse der Soldaten nicht lesen und schreiben – geschweige denn rechnen kann.
    – Per Anforderung exakt für Verwendungszwecke definierte Vorratsmengen machen natürlich auch keinen Sinn, wenn örtsüblich jede Führungsebene einen Teil des gelieferten für eigene Zwecke abzweigt. Da dies vom Antragsteller einberechnet werden muss, kommt es zu Mondanforderungen ohne sinnvollen Hintergrund, diese werden dann mit Masse ignoriert und man schaut halt dann, wie man sich auf allen Ebenen z.B. mit ISAF behilft. Wenn die Anforderung (Mod 14) zu keinem Ergebnis führt, dann verlieren selbst die ausgebildeten und gementorten ANA-Logistiker schnell den Glauben an das System und behelfen sich halt anders.
    Lange Rede kurzer Sinn: Die Logistik wird schnell im Rahmen des Möglichen funktionieren, wenn man auf ein Push-System umstellt. Das System ist dann nicht sehr effizient aber effektiv – und hat auch in der Nadschibullah Armee (und jeder Armee des Warschauer Pakts) schon einmal funktioniert. Es wird dann in seinen Auswirkungen auch von jedem Afghanen verstanden – leider können wir da nicht umstellen, da wir nur ein Teil des Gesamten sind und US-Stäbe halt sehr an US-Handbüchern hängen.

    Beim Gefechtsmentoring würde es nach 2014 m.E. nur um das Einbringen von Fähigkeiten gehen, über die die ANA nicht originär verfügt – weil „normale“ Taktik und Operationsführung haben sie dann schon zig mal gementort bekommen:
    1.Technische Aufklären (Drohnen, EW, etc.): Hat die ANA nicht und wird sie auch nicht bekommen. Ehrlich gesagt hat es aber auch z.B. Pakistan – als Atommacht nicht – offensichtlich müssen die meisten Länder der Erde ohne auskommen, warum nicht auch Afghanistan. Besonders da die ANA uns im Bereich HUMINT Aufklärung Haushoch überlegen ist. Es ist ihr Land – sie wissen was dort wo abläuft, auch ohne technisch abhören oder beobachten zu müssen.
    2. CAS und Rover als Führungsmittel: Da wir keine fixed-Wing Fähigkeit für die ANA aufbauen, werden sie gesichert keine haben – ob 2014 oder 2020 macht da keinen Unterschied. Also werden sie ohne CAS auskommen müssen – mit Mörsern und Artillerie gibt es einfacher verständliche Substitute – für besonders heikle Fälle gibt es im ANA-Airkorps Mil Mi 35 (Ex Mil Mi 24) und diese Fähigkeit ist bereits aufgebaut.
    3. Fähigkeit EOD/IED-Suche/RCP: Die ANA-Pionierschule arbeitet bereits – ok hier braucht man noch Zeit. Länger gementorte Kampfkandaks kennen inzwischen aber auch einfache Techniken zur IED-Suche. Zum Teil haben sogar ANA-Einheiten inzwischen Gegenstücke zu den Bw-Walongeräten zur abgesessenen IED-Suche – wenn nicht gerade wieder die Batterien alle sind. Ein funktionierendes RCP haben aktuell genau 2 Staaten der Erde und hoffentlich in 2012 auch die Bundeswehr als Nummer 3! Die Afghanen werden es weder in 2014 noch in 2020 haben – wie ca. 180 andere Staaten der Erde auch nicht.
    4. Sanitätsunterstützung: Hier ist das etische Grundproblem. Ende 2014 wird die ANA ein Sanitätssystem haben, allerdings ist unseres (gerade Bundeswehr – da sind wir vorne) grenzenlos besser – was aber auch vergleichend zu dem gesamten Gesundheitssystem Afghanistan gilt. Hier steht jedes OMLT früher oder später vor der Herausforderung ob Verwundete in das ANA- oder ISAF-System eingespeist werden. Ehrlich gesagt hat ein CAT-A Verwundeter im System ANA kaum eine Überlebenschance – wie halt auch in jedem anderen Entwicklungsland der Erde. Klar ist, wir retten dort regelmäßig Verwundete von unbeschreiblichen Verletzungsmustern, was ANA-Angehörigen wie ein Wunder vorkommt. Kleiner Exkurs aus eigenem Erleben: Das hat übrigens auch zur Folge, dass gelegentlich einem noch Tote – mit aus dem Kopf heraus schauenden Hirn gebracht werden – weil ISAF kann ja vielleicht doch noch was machen – Exkurs Ende. Einen ISAF-Vergleichsmaßstab können wir Afghanistan im Bereich der Sanitätsversorgung nicht aufbauen – auch bis 2020 nicht. Die ANA-Klinik in MES ist aber bereits heute eher vergleichbar zu einem Schwellenland als nach Maßstab 3. Welt. Übrigens kann man auch mit den Mil-Mi 17 der ANA Verwundete aus fliegen. Die Anzahl der Medivac Hubschrauber Deutschlands zwingen uns jetzt auch nicht gerade zum Aufenthalt nach 2014 – obwohl – da müsste dann schon der erste absehbar im Zulauf sein…

    Fazit: So lange ISAF noch vor Ort ist und die ANA aufgebaut wird, ist OMLT+ ein mögliches Absicherungskonzept. Weiterhin benötigt man OMLT zwingend für die Koordinierung der eigenen Truppe mit der ANA. Ist die eigene Truppe weg (Ende 2014), sinkt m.E. die Notwendigkeit von OMLT und deren Risiko steigt enorm. Wenn sich der Endstate aber nicht mehr wesentlich verändert, dann bin ich nicht begeistert den dann zwangsläufig fälligen Preis zahlen zu müssen. Wie schon in einem vorherigen Post aufgeführt: OMLT als Feigenblatt der Nachhaltigkeit nach einem Abzug des restlichen Kontingents – nein danke!

    @Memoria
    Ich vermute Sie wollen mir noch die Aussage entlocken, dass spezialisierte OMLT Truppen regulären überlegen sind. Ja – ist der Fall, wobei ich oberhalb der Kandak-Ebene keine Notwendigkeit von Spezial- oder spezialisierten Kräften sehe. Ehrlich gesagt braucht man da meistens nicht einmal echte Fachkompetenz im Führungsgrundgebiet, da in der ANA beispielsweise Personal- und Logistik ohne SAP und durch jeden mit gesundem Menschenverstand lösbar sind. Bei Taktik- und Operationsführung geht es auch nicht um komplexe Drehtür-Zangenmanöver im weitreichenden mechanisierten Stoß sondern i.d.R. um relativ abgegrenzte Gebiete die zu nehmen und zu halten sind. Sprach- und interkulturelle Kompetenzen – dazu Robustheit und Durchhaltefähigkeit körperlich wie mental, infanteristisches Grundverständnis zum Selbstschutz und die absolute Schlüsselqualifikation Frustrationstoleranz – dann wird das schon. Auf Kandak-Ebene sollten wir sicher das ODA-Konzept der Amerikaner unter die Lupe nehmen – aber da ist auch nicht alles Gold was glänzt, aber zumindest ein Beispiel der Weiterentwicklung. KSK braucht es jedenfalls dafür nicht – wie immer alles nur meine persönliche und rein private Meinung.

  11. Da kann man eigentlich nur ein Ausrufezeichen drunter setzen. Was heißt das eigentlich im Umkehrschluss für uns? Wir müssten für die ANA ein sicheres und einfaches Bezahlsystem aufbauen, in der die Vorgesetzten zwar Zustimmungspflichtig sind, aber keinen Zugriff auf die Gelder selbst besitzen. Ansonsten gibt es von mir nur noch den dezenten Hinweis, das wir gerade genug Liegenschaftsmaterial für die nächsten 10 Jahre freisetzen, damit könnten die ANA auch noch was anfangen. Wobei ich glaube, das lokal neubeschaffen vmtl. günstiger ist als unseren Schrott dorthinzubringen. Andererseits müssen wir ja unser Zeug auch wieder nach Hause bringen, da können die Flieger auf dem Hinweg ruhig was mitnehmen. :-)

Kommentare sind geschlossen.