Nachwuchswerbung? Wollen alle.

Die Bundeswehr ist mit dem Ende der Wehrpflicht zum 1. Juli dringend darauf angewiesen, Freiwillige zu finden. Und nachdem die Wehrpflicht auch als, äh, günstiges Rekrutierungsinstrument wegfällt, wird unter anderem Werbung geschaltet. Das sorgte schon für ein bisschen Aufsehen und Ärger, als die Abgeordneten im Verteidigungsausschuss zunächst hörten, dass nur Bild, Bild am Sonntag und bild.de für Webeschaltungen vorgesehen seien. Das stimmte dann so nicht, es wird auch noch ein paar andere Medien geben, aber der Ärger war da.

Jetzt gibt’s eine neue lustige Wende: die linke tageszeitung (taz), so berichten Mediendienste, wolle klagen – eine Begrenzung der Werbung auf die Springer-Medien sei eine strafbare Vorteilsannahme. Nun tue ich den Lesern der taz hoffentlich nicht bitter Unrecht, wenn ich vermute, dass unter ihnen die Zahl der Interessenten an einem freiwilligen Dienst in der Bundeswehr überschaubar ist, vor allem im Vergleich zur Bild-Zeitung. Ausserdem soll die Werbung ja auch im 2. Halbjahr in anderen Print- und Onlinemedien geschaltet werden…

Nun gut, jeder muss wissen, was er tut. (Man verstehe mich nicht falsch: ich lese die taz gerne. Aber ihre Zielgruppe ist eine andere als die der Bild-Zeitung. Hatte ich zumindest bisher immer gedacht.) Ich fände es sehr reizvoll, die Reaktion der taz-Leser auf Werbeanzeigen für Mannschaftsdienstgrade der Bundeswehr in ihrer Zeitung zu beobachten. Vielleicht komme ich ja noch in den Genuss.

Damit aber alle, auch die taz-Leser hier, mal einen Eindruck bekommen: Mit freundlicher Genehmigung des Bundesministeriums der Verteidigung hier zum Anhören die Radio-Werbespots.

(Direktlink: http://audioboo.fm/boos/293832-bundeswehr-werbespots-maerz-2011)

Nachtrag: Der Chef des Heeresführungskommandos zu den Problemen des Nachwuchses im MDR-Interview: Generalleutnant: Truppe fehlen 6.000 Freiwillige. Und der Wehrbeauftragte Hellmut Königshaus sagt der FAZ: Im Moment ist die Bundeswehr keine attraktive Armee.

101 Gedanken zu „Nachwuchswerbung? Wollen alle.

  1. @ Orontes
    Da seh ich jetzt nicht unbedingt ’nen Widerspruch.

    Ich meine jetzt nicht, dass jemand seine „Kriegerehre“ nicht ernstnimmt. Aber zwischen „Ich befolge meine Befehle und kämpfe gut“ und „Mir ist persönlich wichtig, dass der Einsatz ein Erfolg wird“ gibt es eben doch einen Unterschied.

    Ohne jetzt fies, verletzend oder unfair sein zu wollen: Es ist der Unterschied zwischen jemandem, der sechs Monate zur Höhe 432 pendelt, dort ausharrt, und wenn er angegriffen wird gut kämpft. Danach heimfliegt, ein Jahr später wiederkommt, und dann das gleiche wieder macht.
    Und eben jemandem, der nicht nur seine Haut zu Markte trägt, sondern auch einen Erfolg der Mission zu erreichen. Der nicht nur ausführt, sondern auch mit Herz und Verstand bei der Sache ist, der bereit ist für Veränderungen einzutreten wenn er sieht das was nicht funktioniert.

    Achtung, subjektive Außenstehendenmeinung: Da hab ich halt den Eindruck, dass die Bundeswehr gerade den zweiten Typus vergrault. Das macht die Soldaten nicht zu schlechten Kriegern, aber es ist mit ein Grund, warum es u.a. mit dem Afghanistaneinsatz nicht vorangeht.

  2. Nachtrag:
    Beispiel – Ein Soldaten, der nicht nur Krieger ist („Santa gave us C4“, „Silli Rabbit, I have two F-15“), sondern sich auch sonst für den Missionserfolg einsetzt („Dear president Obama“). Weswegen schreibt man bei der Bundeswehr an Kanzlerin oder Verteidigungsminister? Zulagen und Posten…

    (Ja, das war polemisch überspitzt. Ja, ich weiss, dass es bei der Bundeswehr auch andere gibt. Aber die Tendenz geht in meinen Augen doch sehr deutlich in diese Richtung.)

  3. Zur Nachwuchswerbung habe ich nicht die beste Meinung, aber das ist sehr subjektiv und wenn ich die Beitraege – besonders einige Vorschlaege, die „mal eben so rausgehauen werden“ hier lese, steigt meine Laune wieder, denn die sind richtig gut und machen Spass. Hoffentlich lesen die hauptamtlichen Personalwerber die auch …

    Folgend ein Link, der mich gerade vom Stuhl gehauen hat – liest den Artikel jemand, den oder die man mit Muehe und vielen guten Worten ins KWEA lotsen konnte oder zum Wachbataillon BMVg, die derzeit echte Nachwuchs-Probleme haben … ja, die laufen doch sofort schreiend wieder zum Haupttor raus:

    http://www.zeit.de/2011/10/C-Bundeswehr-Ausbilder

    „…angeordnet, dass sie sich nass und nicht trocken rasieren, weil das gründlicher ist.“

    Ist der Artikel Satire oder wirklich ernst gemeint und geschrieben?

    Da kannste Dir jede Werbemark sparen! Ich hoffe wirklich, ich habe da etwas missverstanden …

  4. Nachtrag: Und ich bin nun wirklich kein Freund des taeglichen Wahnsinns und Irrsinns im Dienst, sondern versuche mit Menschenverstand gegen den Apparat anzukommen. Tja, Don Quijote eben …

    Aber solch tumben Berichte haben wir bestimmt nun auch nicht verdient.

  5. Witzig sind diese Radiospots allemal. Gegen den Tritt auf eine Landmine werden sie nicht bestehen. Wer den Dienst in der Bundeswehr attraktiv machen will, muss ihn meiner Meinung nach inhaltlich aufwerten, muss die Bundeswehr, ihre neuen Aufträge und die Außenpolitik mit Sinn und Verständnis füllen.

    Derzeit stehen die Soldaten im Einsatz oft als Hanswurste und Bauernopfer der Politik da, in einer Armee, die es in 50 Jahren nicht geschafft hat, eine neue eigene Tradition zu begründen. Der mündige Staatsbürger in Uniform war immer bestenfalls Statist in einer Armee, die sich in weiten Teilen viel zu eng an den Traditionen der Wehrmacht orientiert und bei ihrer Gründung schnell alle „Verräter des 20. Juli“ weggemobbt hat.

    Die Politik dagegen hat den Wechsel zu einer Armee jenseits des relativ komfortablen Verteidigungsfalls nie deutlich, eindeutig und überzeugend vollzogen: Immer wurden humanitäre Einsätze und Brunnenprojekte „verkauft“, vielleicht allzu deutliche Worte des ehem. Bundespräsidenten lösten Entsetzen aus.

    Jetzt ist die Armee in Ausrüstung, Ausbildung und Doktrin überfordert. Wie will man einen Menschen überzeugen, sein Leben zu riskieren in Einsätzen, über deren Sinn oder Ziel keinerlei Konsens besteht, in einer Armee, die stiefmütterlich behandelt wird?

    Man erwartet Pflichtbewusstsein und Motivation, bietet aber selbst nur verlogene Doppelmoral.

    Ich denke, um Menschen zu finden, die sich im vollen Bewusstsein aller Konsequenzen (jenseits von Buschgeldverlockungen oder Abenteuerlust) für den Dienst entscheiden, ist eine Professionalisierung und ein Kurswechsel von Armee und Politik vonnöten, die wir bisher nicht erreicht haben. Durch Werbung – in welcher Form auch immer – ist dieses Problem nicht zu lösen.

    Aber es gibt einen Lichtblick: Der neue Verteidigungsminister ist mit Sicherheit besser für diese Aufgabe gewappnet als sein Vorgänger.

  6. Wenn ich mit jüngeren Menschen spreche aus dem zivilen Bereich, dann heisst es immer:
    „BW?…nee, lass mal, kein Urlaubsgeld, kein Weihnachtsgeld, Lehrgänge immer weit weg von Freunden, Familie etc….und viele bekloppte ohne soziale Fachkompetenz…..ich lass mich doch net verarschen etc….“

    Kann ich gut nachvollziehen. Es sind zwar viele materielle Gründe, dennoch überaus wichtig in unserer Konsumgeneration.
    Natürlich gibt es viel mehr Gründe, aber das höre ich immer wieder.

    MkG

  7. @ SchreckStarr

    In Ihrem Beispiel liegt in meinen Augen das größte Problem einer qualifizierten Nachwuchswerbung.

    Wer nimmt heute Einfluss auf Schulabgänger etc., also den potenziellen Nachwuchs?

    In erster Linie ist das eine amorphe Medien- und Unterhaltungsindustrie, die sich selbst eher fern der Bundeswehr definiert (und trotzdem als Erste nach Bundeswehreinsätzen in Afrika schreit, wenn dort mal wieder ein Despot durchtickt …).
    Diese setzt jungen Menschen ein Bild vom tumben Soldaten in den Kopf, so dass zu dieser gesellschaftlichen Gruppe niemand gehören möchte. Portale wie zeit.de sind dann nur die pseudointellektuelle Fortsetzung dieses Denkens. Gern wird in solchen Zeitungen dann irgendeine unbedachte Äußerung eines Gefreiten als beispielhaft für alle dargestellt.

    Ein weiteres Problem sind Lehrer. Leider versagt die heutige Lehrerausbildung weitgehend bei Staatsbürgerkunde. Man definiert sich darüber, gegen Rechts zu sein und verortet in der Bundeswehr eh nur eine Ansammlung von Neonazis.
    Auch hier werden junge Menschen eher zu eine Anti- Bundeswehrhaltung sozialisiert.

    Um dies zu durchbrechen, bedarf es einer vollkommen anderen Strategie, als ein paar vollkommen untaugliche Radiospotts.

    Wenn dann noch die Bundeswehr immer noch kein professionelles Personalmanagement hat, macht sie es den oben genannten Gruppen natürlich auch sehr leicht.

  8. @Sun Tzu

    Ihre Ausführungen zu den Lehrkräften kann ich aus eigener Erfahrung so nicht teilen.
    Sicher sind viele Junglehrer mit all den Vorurteilen behaftet, die es auch in der Gesellschaft zur Bundeswehr gibt.
    Jedoch führen meine Kameraden und ich sehr viele gut besuchte Lehrerfortbildungen durch und dazu Seminare mit den Lehrerseminaren in unseren Betreuungsbereichen.
    Dort treffe ich auf sehr viele junge und motivierte Referendare, die ihre anfängliche Scheu gegenüber der Bundeswehr gerne bereit sind, kritisch zu überprüfen.
    Das sagt nichts über ihre sicherheitspolitische Ausbildung und Verortung aus, aber es zeigt mir immer wieder, dass wir als Menschen in der Lage sind, über unsere Vorurteile hinweg zu kommen und uns weiter zu entwickeln.

  9. Tut mir leid, wenn ich jetzt nicht der ernsten Lage angepasst poste. Schon mal Entschuldigung und versprochen, es kommt auch nicht mehr vor (ernstgemeint, aber ich konnte jetzt nicht anders) …

    Koennten die beiden Fotos nicht auch zur Nachwuchswerbung genutzt werden?

    Vielleicht
    1. Bund is cool, man!
    2. Lockerer Haufen – sei ein Teil von uns!
    3. Nie mehr kalte Haende – wir tun was fuer euch!

    http://www.flickr.com/photos/augustinfotos/5496849308/in/photostream/

    http://www.flickr.com/photos/augustinfotos/5496849296/in/photostream/

  10. Man müßte eigentlich nur den Royal Marines-Werbespot übernehmen:
    99% should not even apply. It’s a state of mind.

    Nur Leider wäre schon das offizielle Werbevideo ein fall für den Wehrbeauftragten.

    Wenn wir noch 10 Jahre weiter so Personal gewinnen und ausbilden, dann ist die Bw endgültig eine Armee ohne Soldaten, Einige einsame „Verwirrte“ in der Kampftruppe ausgenommen.

    Wo sagt man denn noch:
    Ja wir sind Soldaten im Herzen und in Taten?

    Stattdessen öffentlicher Dienst in Uniform.

  11. Ich frage mich z. Z. immer wieder, warum von den Anzügen und Trikots der SpoFö-Soldaten das Kreuz und der Schriftzug Bundeswehr verschwunden sind. Ich könnte schwören, dass Hackel Schorsch damals noch so in den Medien präsent war.
    Der heutige Adler geht auf den Bildern fast unter:

    http://www.flickr.com/photos/augustinfotos/5492225202/

    Warum also nicht wieder deutlich machen, dass es sich um Soldaten handelt? Das wäre eine einfache und vergleichsweise kostengünstige Alternative zu diesen bizarren Radiospots.

  12. Der Adler ist n.m.K. das Abzeichen der Nationalmannschaft.
    Aus meiner Sicht sollten Sportsoldaten bei öffentlichen Auftritten ein Bw-Logo auf der Sportbekleidung oder abseits der Sportanlagen Uniform tragen. Dies wird von vielen Sportsoldaten mit Verweis auf Werbepartner abgelehnt. Da gibt es nur eine logische Konsequenz: Entlassung. Denn die Werbepartner scheinen ja wichtiger als der Dienstherr.
    Es wäre eh an der Zeit die SpoFo komplett an das BMI abzugeben. Die sind nämlich zuständig. Wenn die Sportsoldaten als solche nicht erkennbar sind, dann sind sie auch für die Nachwuchsgewinnung nutzlos.

    Auch ein Test für die Ernsthaftigkeit der Reform.

  13. @ jugendoffizier

    Ich weiß, dass es da einiges gibt, was gut und richtig läuft. Das sollte man weiter führen und ausbauen. Viele Jugendoffiziere etc. machen einen sehr guten Job – sie werden nur von anderen Gruppen, insbesondere aus der Politik, vollkommen im Regen stehen gelassen. Sie haben vollkommen recht: Es gibt den von Ihnen beschriebenen oft hoch qualifizierten Dialog, nur fürchte ich, das ist nur ein Tropfen auf den heißen Stein.

    Wir hatten vor längerer Zeit schon mal darüber diskutiert. Das Problem, gerade bei Lehrern und Medienschaffenden, sind die, die ein solches Fortbildungsseminar nicht besuchen würden. Hier müssen andere gesellschaftliche Gruppen in die Pflicht genommen werden, um dumpfe Parolen durch qualifizierte substanzielle Argumentation zu ersetzen.

    Wenn ich mir ansehe, wie sich die Grünen 2005 und die SPD 2009 nach dem Verlust der Regierungsverantwortung schleunigst aus jeder sicherheitspolitischen Verantwortung davongeschlichen haben, bin ich allerdings wenig euphorisch. Ich sehe leider bisher nur das Problem, nicht eine mögliche Lösung.

  14. @J.R., Sascha Stoltenow
    Da widerspreche ich heftigst. So zeigt es doch nur, dass alles besser ist als Soldat zu sein. Zum Soldatenhandwerk mögen Dinge gehören, die auf andere seltsam wirken. Muss der Soldat sich deswegen schämen? In dieser Szene ist es natürlich bewußt überzeichnet und hat ja offensichtlich die Wirkung nicht verfehlt. Es muss aber auch gesagt werden, wir sind keine Amerikaner. Wir brauchen sie auch nicht als Vorbild. Soldatisch gesehen haben wir andere und vor allem bessere Vorbilder als Rambo. Sie sind in den letzten Jahren für Deutschland auf dem Schlachtfeld gefallen. Niemand kennt sie. Ihre Familien und Freunde werden alleine gelassen. Die Verwundeten kämpfen Jahre um Anerkennung ihrer Versorgungsansprüche. Annerkennung ihrer Leistung als Soldat können sie ohnehin nicht erwarten. Oder wird Anerkennung in € ausgedrückt? Dann werden sie verdammt schlecht bezahlt. Es gibt genügend Menschen die sich hinstellen und erklären wie ein Soldat zu sein hat. In keinem anderem Beruf, erlauben sich so viele Schwätzer und Ahnungslose, dass Soldatenhandwerk zu erklären. Die Vorsitzende des Verteidigungsausschusses ist Religionspädagogin. Dazu fällt mir nichts mehr ein.
    Wenn es also um den Nachwuchs geht, wie soll ich diesen angesichts dieser Umstände motivieren? Junge Abiturienten können bei der Bundeswehr alles mögliche studieren. Manches macht Sinn, anderes ist nur dafür da um den Offizier einen akademischen Anstrich zu geben. Es gibt kein militärisches Studium. Dann ist selbstverständlich auch keine Promotion vorgesehen. Wir bilden also scheinbar Soldaten aus, die in ihrem ureigensten Metier nicht die höchsten Weihen der Bildung erreichen können. Dem zu Folge auch nichts dazu beitragen die militärischen Fähigkeiten zu verbessern.
    Es braucht gar nicht soviel um junge Leute zu gewinnen. Anerkennung ihres Berufes ist aber Grundvoraussetzung.

  15. @Sun Tzu
    Also eigentlich möchte ich nicht von „im Regen stehen gelassen“ sprechen. Das ist nämlich eine starke UNTERTREIBUNG von dem, was über die Jahre stattfand und was nun im Zuge der Reform sogar angedacht werden soll (wobei das wohl eher ein internes Bundeswehr-Problem zu sein scheint).

    Im Zuge der Reform ist derzeit mehr als nur angedacht worden, die Zahl der Jugendoffiziere um fast die HÄLFTE ZU KÜRZEN.

    Als ich davon gehört habe, konnte ich es fast nicht glauben. Da reden wir alle davon, dass die Bundeswehr in der Öffentlichkeit nicht stattfindet, stellen hastig um auf eine Berufsarmee und konstatieren einen krassen Bewerberschwund und dann sägen wir auch noch an einer der letzten tragenden Säule, die aktiv in der Öffentlichkeit / Zielgruppe mit sehr großem Erfolg unterwegs sind.

    Wozu brauch ich eigentlich noch Gruppen wie die DFG-VK oder GEW als Kritiker???

  16. @ Jugendoffizier

    Ich bitte mir meine Untertreibung zu entschuldigen. ;-)

    Sie scheinen mehr im Thema Nachwuchsförderung zu sein, als ich, auch wenn Jugendoffiziere ja bei der Personalgewinnung keine Rolle spielen sollen (was ich inhaltlich für falsch halte, ist aber ein anderes Thema). Was will man denn bei den Jugendoffizieren noch streichen? Das sind doch nur so etwa 100, oder?

    Inhaltlich stimme ich Ihnen vollkommen zu. In meinen Augen müsste man die Jugendoffiziere ggf. etwas außerhalb der Bundeswehr fortbilden, damit das professioneller wird. Keinesfalls darf man das System jedoch zusammenstreichen.

    Nur läuft auch diese Fragestellung wieder darauf hinaus: Was hat der ehemalige Bundesverteidigungsminister da für einen Murks gemacht hat? Von den sonstigen Politikern will ich mal gar nicht anfangen. Die „Notbremse“, die da offensichtlich gezogen wurde, könnte viel Schaden von der Bundeswehr abgewendet haben. Denn nicht nur die Frage der Nachwuchsgewinnung ist in den bisherigen Reformvorhaben vollkommen unausgegoren.

  17. Es ist schon erstaunlich, dass gerade die linke TAZ ihre Beteiligung an der Nachwuchswerbung für die BW einklagt. Nun, was tut man nicht alles für Geld. Was kümmert mich mein Geschwätz von gestern, wenn es Geld bringt.

  18. Einen schlechten Areitgeber macht man nicht durch Werdung attraktiver.
    Würde sich das Parlament an den Geist des GG halten, wäre die Bw für Verteidigung des Landes und der Bündnispartner aber die entscheidende Artikel werden im Weißbuch nicht mal mehr erwähnt. Also fallen die neuen Soldaten die fürs Land kämpfen würden (Tu was für dein Land) schon mal weg. So bleiben die die der Vorteile und des Geldes wegen kommen. Überstunden werden nicht bezahlt. Schulsystem für die Kinder ist in der BRD eine Katastrophe und verhindert bei jedem verantwortungsvollen Elternteil einen Umzug. Wohnraum wird keiner mehr vorgehalten (Hat Scharping schon verkauft). Ehepartner finden oft keine Arbeit am neuen Standort. Es gibt Nationen in Europa die werben Soldaten für 15 Jahre an geben ihnen ordendlich Geld und Vorteile im Dienst (müssen sich um nichts auser ihren Dienst kümmern) und nach 15 Jahren eine ordendliche Pension. Die Bw plant SaZ 20 ohne Pension aber mit BFD Anspruch, damit er im Anschluß dann der Wirtschaft bis 67 zur Verfügung steht. Was ein Schwachsinn. Da geht man besser auf Montage oder eine Bohrinsel macht viel Geld und muss sich nicht den Hintern wegschießen lassen.

  19. Zitat:“Was kümmert mich mein Geschwätz von gestern, wenn es Geld bringt.“

    „Alles was die Sozialisten vom Geld verstehen, ist die Tatsache, dass sie es von anderen haben wollen.“
    Konrad Adenauer

    ….duck und weg :-)

    *sorry* konnte ich mir nicht verkneifen

  20. @Sun Tzu
    Ich kenne mich in beiden Metiers aus – Nachwuchswerbung und Öffentlichkeitsarbeit.
    Die inhaltliche Trennung halte ich für sehr wichtig, da es in meinen Augen keine Legitimation von Werbern an den Schulen gibt, außer im Rahmen der Berufsinformationstage. Diese sind jedoch auf wenige Wochen im Jahr beschränkt und diese Selbstbeschränkung halte ich für meine Arbeit als kontraproduktiv.
    Ich möchte dort sein, wo meine Themen im Unterricht behandelt werden und mich dort der Diskussion mit durchaus kritischen Schülern stellen. Gerne auch in Form einer Podiumsdiskussion mit der sogenannten Friedensbewegung.
    Das geht jedoch nicht, wenn ich der Personalwerber bin. Denn dann müssten auch andere Firmen in den Schulen werben können und das kann nicht so ganz der Sinn von Schule sein.

    Die Ausbildung der Jugendoffiziere ist derzeit sehr gut. Die Akademie für Information und Kommunikation holt sich sehr viel Expertise in diesem Bereich von außen. Die jährlichen Fortbildungen sind eher so eine Sache, an der es noch viel Raum für Verbesserungen gibt.

    Das Zusammenstreichen der Gesamtzahl der Jugendoffiziere wird auch im Ministerium nicht von allen für gut befunden. Da ist das letzte Wort noch nicht gesprochen. Aber ein personelles Aufwachsen halte ich dennoch für sehr unwahrscheinlich, wenn auch in letzter Konsequenz für mehr als nur geboten in der jetzigen Situation halte.

    Oder soll nun der Wehrdienstberater den notwendigen sicherheitspolitischen Diskurs in der Öffentlichkeit führen? In meinen Augen sollte dieser sich mehr als zuvor um die Gewinnung von Personal kümmern. Dazu auch mehr Budgetverantwortung für Werbung erhalten (dezentral gibt es da hervorragende und vor allem kostengünstige Ansätze) und auch ein Mitspracherecht bei Inhalten von zentralen Werbebotschaften bekommen. Er ist ja immerhin am Kunden direkt tätig!

  21. http://mil.bundeswehr-karriere.de/portal/a/milkarriere

    Wichtiger Hinweis:

    Aufgrund des laufenden Gesetzgebungsverfahrens handelt es sich hier zunächst um vorläufige Informationen zum Freiwilligen Wehrdienst (FWD). Alle Informationen sind vorbehaltlich einer Entscheidung über den Entwurf des Wehrrechtsänderungsgesetzes 2011.

    873,30 € 1-3 Monat Netto
    1.242,30 € 19-23 Monat Netto
    Bezahlung
    Als freiwillig Wehrdienst Leistende(r) erhalten Sie einen steuerfreien Wehrsold
    Neben dem sogenannten Wehrsoldtagesatz wird Ihnen zusätzlich ein Wehrdienstzuschlag gezahlt. Somit erhalten Sie bereits ab dem ersten Monat Ihres Wehrdienstes einen Wehrsold in Höhe von 777,30 €, welcher sich durch weitere Zulagen und Zuschläge noch erhöhen kann.

    Daneben zahlen wir Ihnen eine besondere Zuwendung (auch als Weihnachtsgeld bekannt) und ein Entlassungsgeld. Die Höhe ist hierbei abhängig von Ihrer Verpflichtungszeit.

    Weitere attraktive Vorteile sind:

    Besondere Zuwendung (Weihnachtsgeld) 19,20 € / Monat
    Entlassungsgeld 76,80 € / Monat
    sowie

    Unentgeltliche truppenärztliche Versorgung
    Unentgeltliche Verpflegung
    Unentgeltliche Unterkunft

    oder dann doch Söldner werden :-)

    „Söldner-Lohn: bis 1000 Dollar pro Tag!“
    Quelle: http://www.blick.ch/news/irak/die-so…rtuschen-72771

  22. @Elhanan
    Alles richtig. Deshalb laufen die guten SaZ auch weg. In technischen Verwendungen ist es auch schon schwer geworden, gute PUOs zu halten. Und Offiziere, die einen technischen Studiengang absolviert haben, werden teilweise noch im Jahr ihres Dienstzeitendes aktenkundig belehrt, dass sie sich als BS bewerben können.
    Mal ganz ehrlich: die Bundeswehr hat schon lange ein Personalproblem.

  23. @ Ethanan 10:40 Uhr

    Volle Zustimmung zu ihrem Beitrag von 10:40 Uhr. So deutlich hat dies bisher noch niemand zusammengefasst !

    Ich habe ebenfalls die Attraktivität von SaZ 20+ ohne Pension auf allen Ebenen hinterfragt. Die Antwort war, es gäbe keine Probleme genügend Freiwillige für diese lange Verpflichtungszeit zu finden. Mit der geplanten Portabilität der Versorgungsbezüge würde der Dienstherr sogar noch Geld sparen, weil die Rentennachversicherungsbeiträge sofort nach Aussscheiden bezahlt werden müssten, die Ruhegehälter erst mit dem allgemeinen Renteneintrittsalter, also zukünftig mit 67 Jahren.
    Die Frage wie der ehemalige SaZ mit 40-45 Jahren einen beruflichen Neustart hinlegen soll, bleibt allerdings unbeantwortet. Es bleiben also nur die, die auch bei einem früheren Ausstieg als SaZ von der Arbeitslosigkeit bedroht wären. Diejenigen, die auch eine zivilberufliche Karriere stemmen können, gehen weitgehend nach 12 Jahren aus dem System Bw raus. Daneben gibt es noch wenige Idealisten, die aus Überzeugung bleiben und die Berufssoldaten, die unter anderen Bedingungen BS geworden sind. Die arbeiten jedoch zielstrebig auf die Pensionierung hin.

    Die Sinnfrage des Bundeswehreinsatz außerhalb von Bündnis- und Landesverteidigung, speziell für die UN-Missionen, wurde von der Politik nicht hinreichend beantwortet und stellt momentan das größte Manko in Richtung Attraktivität dar.
    Für welche Ziele ist der potentielle Anwärter bereit sein eigenens Leben oder seine Gesundheit zu riskieren ?
    Diese Frage muss jenseits von Sonntagsreden und wohlfeilen Sprüchen ( Deutschland wird auch am Hindukusch verteidigt, usw. ) beantwortet werden.

  24. Meiner unmaßgeblichen Meinung nach rächt sich jetzt allenthalben, was seit 1990 versäumt wurde. Der Auftrag des Grundgesetzes, nach der Wiedervereinigung solle sich das ganze deutsche Volk in freier Selbstbestimmung eine Verfassung geben, hätte viele grundsätzliche Fragen aufgeworfen, nicht nur die nach Sinn, Auftrag und Umfang von Streitkräften. Dass die Wiedervereinigung damals im Wege des Beitritts gelöst wurde, mag angesichts der drängenden Probleme angemessen gewesen sein. Aber nach zwanzig Jahren zeigen sich auch die gravierenden Mängel dieses Vorgehens im gesamten Staatswesen.
    2013 jährt sich die große preussische Heeres- (und ST AATS-!)Reform zum 200ten Male. Es wird Zeit, den Tatsachen ins Auge zu sehen. Im Kern einer Bundeswehrreform, daran lassen alle bisher geäußerten Kommentare keinen Zweifel, muß eine Neudefinition des „Soldatseins“ stehen.
    Mit der Einführung der allgemeinen Wehrpflicht in Preussen konnte der Soldat nicht länger nur ein („Im-Sold-des-Königs-Stehender“ ) Geworbener sein. Er mußte durch den Bürger als „geborener Verteidiger seines Vaterlandes“ abgelöst (und 1955 durch den „Staatsbürger in Uniform“ ergänzt ) werden. Nach der faktischen Abschaffung der allgemeinen Wehrpflicht muß dementsprechend eine Neudefinition des Dienstes in den Streitkräften – im öffentlichen Konsens!! – erfolgen. Dann kann man auch erfolgreich werben.

  25. @Georg

    „Diese Frage muss jenseits von Sonntagsreden und wohlfeilen Sprüchen ( Deutschland wird auch am Hindukusch verteidigt, usw. ) beantwortet werden.“

    Die Bürgerrechte der Deutschen werden auch im Maghreb (EU Grenze) verteidigt werden.

    Vollends scheinheilig ist es wenn man die Ziele des Weißbuches liest und dann in den Norden von Afrika schaut. Der umfassende Begriff der Sicherheitspolitik klappt schon an den umittelbaren Grenzen der EU nicht.
    Da paktiert deutsche Politik mit korrupten Regimen, anstatt mit vorausschauender Sicherheitspolitik die uns wichtigen Bürgerrechte einzufordern.
    Wenn das Kind dann in den Brunnen (der mit unserer Unterstützung gebaut wurde)gefallen ist, schickt man junge deutsche Soldaten um die Wirtschaftsflüchtlinge anderer Art (Mitarbeiter von internationalen Firmen die in Libyen Aufbauhilfe leisten) mili. geschützt auszufliegen. Das mit Material welches nie dafür vorgesehen war.

    http://www.stuttgarter-nachrichten.de/inhalt.kommentar-deutschland-ist-scheinheilig.6424ce03-fd35-4868-ac32-a6b9d5aee357.html

    http://www.african-edition.de/magazin/meldung/datum/2011/01/26/die-blinde-politik-sarkozys-im-maghreb.html

  26. @Sascha Stoltenow
    ui ui ui… ob ich hier noch Quellenschutz habe – hier liest ja selbst das Ministerium mit ;-)

    Sagen wir so, es gibt da hinreichend belegte Überlegungen zu den Kürzungen an ganz oberster Stelle. Und es gibt Leute, die im System dagegen angehen. Was am Ende bei raus kommt???
    „Vom Einsatz her denken“ – das war die Maßgabe… da verlieren Jugendoffiziere, da sie nicht primär in den Einsätzen zu finden sind.
    Aber gilt das nicht auch für die Wehrdienstberater? Und die erfüllen eine ebenso wichtige Funktion…

    aber was reg ich mich auf…

  27. Was mir bei der Diskussion über die Schwierigkeiten der Nachwuchsgewinnung als einzige erfolgsversprechende Maßnahme unmittelbar einfällt: Die Lösung wäre die Wehrpflicht …

  28. @Elhanan
    „Vollends scheinheilig ist es wenn man die Ziele des Weißbuches liest und dann in den Norden von Afrika schaut. Der umfassende Begriff der Sicherheitspolitik klappt schon an den umittelbaren Grenzen der EU nicht.
    Da paktiert deutsche Politik mit korrupten Regimen, anstatt mit vorausschauender Sicherheitspolitik die uns wichtigen Bürgerrechte einzufordern.“

    Warum sollen denn Bürgerrechte aus außen- und sicherheitspolitischer Perspektive wichtig sein? Deutsche Interessen in Nordafrika lauten: Zuverlässige Lieferung von Erdöl- und Erdgas, Eindämmung illegaler Migration, Bekämpfung militanter Islamisten. Alle drei Dinge erreichte man bislang mit Hilfe „korrupter Regime“ besser als mit Bürgerrechtlern. Nur wenn die Bürgerrechtler deutlich machen, warum sie deutsche Interessen besser bedienen können, ändert dies aus Sicht einer rationalen Politik daran etwas.
    Deutsche Minister sind übrigens durch Ihren Amtseid an den Schutz deutscher Interessen gebunden. Wer die Interessen von Fremdvölkern auf Kosten deutscher Interessen fördert, würde dadurch u.U. eidbrüchig. Das hatte allerdings in über 50 Jahren BRD bislang fast nie negative Konsequenzen für die Verantwortlichen, so dass diverse ehemalige Spitzenpolitiker (darunter ein ehemaliger Bundeskanzler und ein Ex-Außenminister) jetzt auch ohne erkennbare Gewissensnöte offen für russische Energieunternehmen tätig sein können.

  29. Zum Thema „Attraktivität und Nachwuchsgewinnung“ heute auch ein Interview mit Hellmut Königshaus in der FAS.

  30. @Jugendoffizier: Meine E-Mail-Inbox liest das BMVg nicht, und selbst wenn, E-Mails lassen sich ja von unterschiedlichsten Adressen schicken, habe ich mir sagen lassen. Sogar due Post soll noch Briefe austragen ;-)

    Davon losgelöst: Vom Einsatz her denken enthält auch das Wort denken, und ich habe in Bezug auf das Thema Kommunikation – und da rechne ich die Jugendoffiziere mal rein – an entscheidender Stelle der Bundeswehr überhaupt die Fähigkeiten vorhanden sind, zu denken.

    Das mag jetzt vielleicht abwertend klingen, ist aber nicht so gemeint. Themen aus Kommunikationsperspektive zu durchdenken ist eine spezifische Kompetenz, die in der Bundeswehr kaum entwickelt ist. Der Ort, um das zu tun wäre idealtypisch die AIK, und wozu diese maximal in der Lage ist, zeigt sie exemplarisch bei der Reihe Govermedia. Die gute Ausbildung der Jugendoffiziere steht dazu nicht im Widerspruch. Sie ist das Licht im Dunklen.

  31. @Sascha Stoltenow
    „Der Ort, um das zu tun wäre idealtypisch die AIK…“

    Mein Eindruck von der AIK war, dass man dort nach der Beinahe-Auflösung der Vorgängerinstitution wegen allzu innovativem Denken die eigenen Themen nur noch verwaltet. Hauptsorge scheint (wie beim benachbarten SOWI) zu sein, wie man die Frauenquote erfüllen kann. Eine „Akademie“ ist die AIK m.E. nur noch dem Namen nach, und schon der gewählte Standort Strausosibirsk spricht dafür, dass man am ohnehin dürftigen sicherheitspolitisch-intellektuellen Leben der Berliner Republik nie wirklich teilnehmen wollte.

  32. @T.Wiegold
    Den Nachtrag habe ich gekonnt übersehen :-)
    In dem verlinkten Artikel wird nur auf das Interview hingewiesen. In der FAS ist´s etwa eine halbe Seite.

  33. @Hohenstaufen: .. die Lösung wäre die Wehrpflicht.

    Ja, allerdings unter der Voraussetzung, daß die Wehrpflichtigen zum Einsatzkontingent gehören. Dies würde erfordern, daß Einsätze vom Volk mandatiert werden… :-) -schwer vorstellbar, aber nicht unvorstellbar. Zumindest ein denkbarer Garant dafür, daß wir künftig keine Abenteuer a la Hindukusch mehr erleben.

  34. @Orontes: Da stimme ich prinzipiell zu. Da aber das Denken unabhängig vom Standort immer zwischen den Ohren stattfinden sollte, sind die Schwierigkeiten wohl eher ebenda zu suchen.

  35. @ Orontes
    Warum sollen denn Bürgerrechte aus außen- und sicherheitspolitischer Perspektive wichtig sein?

    Konfliktprävention.

    Wenn man Konflikte und Krisen als deutschen Interessen als abträglich einstuft (auch wegen ihrer Folgen in zweiter und dritter Ableitung, wie Flüchtlichsströme und Unterbrechung des Rohstoffflusses), dann sollte man eigentlich ein Interesse daran haben sie zu vermeiden.

    Und um es mal ganz knapp zu sagen: Frieden ohne Gerechtigkeit ist Wunschdenken.

    „Wir halten Menschen vom Fliehen ab, indem wir die Regime beim Krieg gegen ihre Bevölkerung unterstützen.“ Ein genauso toller Plan wie „Wie schaffen Stabilität indem wir Radikalisierung vorantreiben“.

    Warum nicht gleich „Die DDR ist das Zukunftsmodell für Nordafrika. Außerdem brauchen wir dann die Bundeswehr. Irgendwer muss ja auf die Fliehenden schießen wenn die Leute da raus wollen.“

    Passend dazu dann der Werbespruch:
    „Der Kampf an der der Flüchtlingsfront ist schon hart. Auf Flüchtlinge schiessen geht einem schon nahe, das kann sicherlich nicht jeder. Da braucht es eine besondere Festigkeit. Aber deshalb heißt es ja auch: ‚99,99% should not even apply. It’s a state of mind‘.
    Bundeswehr – Deutschland dienen“

  36. @ J.R.
    Volle Zustimmung

    @Orontes
    „Deutsche Minister sind übrigens durch Ihren Amtseid an den Schutz deutscher Interessen gebunden.“
    Was sind die Interessen der Deutschen? Wenn man es auf die wirtschaftlichen reduziert haben sie recht. Meine Interesse ist es, dass meine Kinder in Frieden, Freiheit und Gerechtigkeit leben. Langfristig erhält man keinen Frieden in der EU wenn man an ihren Grenzen Diktatoren unterstützt. Führen durch Vorbild gilt auch für Länder.

    Ich würde es verhindern zu wissen,wenn mein Kind zur Bw geht, eine Bw die nur den Interessen der BRD verpflichtet wäre. Ich möchte keinen Gurkha in der Familie. Über 90% der Nachwuchgewinnung der Bw geht über Binnenwerbung. Wer die Legitimation duch den Satz „das Recht und die Freiheit des deutschen Volkes tapfer zu verteidigen“ für wirtschaftliche Interessen missbraucht, muss sich nicht wundern dass er keinen vernünftigen Menschen bekommt. Jugendoffiziere sind da nun in einer Zwickmühle.
    Vor Jahren konnten sie das Tun und Handeln mit der Verteidigung des Landes begründen und das war stimmig und ehrenwert. Was sind deren Argumente jetzt? Beschönigen sie in den Vorträgen, lassen sie bestimmte Dinge weg oder zitieren sie nur aus dem Weißbuch?
    In den Diskussionen um den Einsatz in Afghanistan kristallisiert sich alles und die JgdOffze haben immer mehr Mühe ihn vor Schulklassen mit dem Eid zu begründen. Wer dann begründen kann, dass das Recht und die Freiheit der D. am H. verteidigt wird, wird sich schwer tun warum man es dann nicht an den Grenzen der Eu machen muss.
    Die schlechteste Werbung für die Bw ist das Theater um die Reform der Bw innerhalb der Koalition. Jetzt kommen die handwerklichen Fehler an den Tag und es geht ums Geld, der ehm. VM ist an sein Wort nicht mehr gebunden und der Neue nicht an das seines Vorgängers.

  37. @Elhanan
    „Wer die Legitimation duch den Satz “das Recht und die Freiheit des deutschen Volkes tapfer zu verteidigen” für wirtschaftliche Interessen missbraucht…“

    „Nationale Interessen“ sind die Bedingungen, die es einem Staat ermöglichen, Ziele wie Sicherheit und Wohlstand zu erreichen. Wirtschaftliche Interessen sind übrigens von zentraler Bedeutung für den inneren Frieden in Deutschland, der z.B. eine Ölkrise mit anschließender Massenarbeitslosigkeit wohl nicht verkraften würde.

    „Meine Interesse ist es, dass meine Kinder in Frieden, Freiheit und Gerechtigkeit leben.“

    Das ist auch mein individuelles Interesse, aber trägt ein Staat dazu bei, wenn er die „Befreiung“ von Menschen in Libyen von Unterdrückung unterstützt, nur um danach erfahren zu müssen, dass diese sich danach z.B. zur Massenauswanderung nach Europa oder für extreme Formen des Islams (wie in Algerien 1992 oder im Iran 1979) entschließen? Was hätten Ihre und meine Kinder davon?

    Wenn man rechtzeitig die Frage nach dem nationalen Interesse gestellt hätte, dann wäre es im übrigen nie zu einem Afghanistan-Einsatz gekommen, von dem Sie, ich und unsere Kinder nichts haben außer ein paar Milliarden Euro Staatsschulden mehr.

  38. @Orontes

    „Das ist auch mein individuelles Interesse, aber trägt ein Staat dazu bei, wenn er die “Befreiung” von Menschen in Libyen von Unterdrückung unterstützt,…..“

    Der Westen (einschl. China mit Russland) hat sich in der Vergangenheit entschieden Unterdrückung zu unterstützen, ist das besser? Macht das die EU auf lange Sicht sicher?
    Es geht nicht um einen militärischen Einsatz zur Befreiung von Unterdrückung, es geht um den umfassenden Begriff von Sicherheitspolitik. Kurzfristig war die Politik des Westens (zB USA-Iran) gut für unser Interesse, langfristig das Gegenteil. Wo kamen denn die Terriristen 9/11 her? Aus Staaten die der Westen unterstützt hatte! Wenn eine Gesellschaft entwickelt ist und die Staaten um das Mittelmeer hätten die Grundlagen dafür, dann gibt es auch keine Begründung für Wirtschaftsflucht. Bis vor wenigen Wochen war ein großer Teil der deutschen Bevölkerung noch der Meinung, dass Staaten mit islamischem Hintergrund nicht zur Freiheit fähig sind. Es geht um den fairen Umgang mit anderen Ländern. Respekt und Augenhöhe.
    Deutschland hat in der arabischen Welt noch immer den Ruf fair zu sein und dieser Ruf macht die BRD langfristig sicher (wenn man es dann politisch nutzt).

    „Wirtschaftliche Interessen sind übrigens von zentraler Bedeutung für den inneren Frieden in Deutschland, der z.B. eine Ölkrise mit anschließender Massenarbeitslosigkeit wohl nicht verkraften würde.“

    Genau deshalb bedeutet Sicherheitspolitik energiepolitische Unabhängigkeit zu fördern und nicht Ölfelder militärisch zu erobern oder abzusichern. Sicherheitspolitik ist eben umfassend und langfristig. Massenarbeitslosigkeit ist immer ein Zeichen von verfehlter Wirtschaftspolitik und diese kann nur durch nachhaltig wirkende Wirtschaftspolitik verhindert werden. Massenarbeitslosigkeit droht in der Zukunft eher von überschuldeten Staaten denen eine völlig verfehlte Wirtschaftspolitik aufgezwungen wurde und die allein die Interessen der Gläubiger und Aktionäre im Blick haben. Werden wir dann auch das Militär einsetzen? Wenn ja, dann nicht gegen die Verursacher sondern gegen die Opfer (unsere Kinder)!

    „Wenn man rechtzeitig die Frage nach dem nationalen Interesse gestellt hätte, dann wäre es im übrigen nie zu einem Afghanistan-Einsatz gekommen, von dem Sie, ich und unsere Kinder nichts haben außer ein paar Milliarden Euro Staatsschulden mehr.“

    Stimmt!

  39. @Elhanan
    „Der Westen (einschl. China mit Russland) hat sich in der Vergangenheit entschieden Unterdrückung zu unterstützen, ist das besser? Macht das die EU auf lange Sicht sicher?“

    Das kann sein. Die Alternative zu „Unterdrückung“ im Iran war Khomeini, in Algerien waren es militante Islamisten, und in Saudi-Arabien sind es jene Salafisten, von denen Bin Laden einer ist. In China wäre die Alternative zur Unterdrückung der Demokratiebewegung 1989 vielleicht ein Bürgerkrieg gewesen. Und zur faktischen Anerkennung der Unterdrückung im Ostblock gab es angesichts des bis ca. 1986 realen Risikos eines Krieges in Europa keine vernünftige Alternative. Nicht jeder moralische Impuls führt automatisch zu mehr Sicherheit.

    „Wo kamen denn die Terriristen 9/11 her? Aus Staaten die der Westen unterstützt hatte!“

    Hätte der Westen die Saudis nicht unterstützt, wäre der Unterschied allenfalls der gewesen, dass die Salafisten dort vielleicht in den 90ern die politische Macht ergriffen hätten. Das hätte diese aber kein bißchen freundlicher z.B. gegenüber Deutschland und Europa gestimmt. Eher wäre man der Ansicht gewesen, dass der Westen seine Unterstützung des Königshauses aus Angst und Schwäche eingestellt hätte. 9/11 hätte es dank noch umfangreicher fließender saudischer Mittel dann eben aus einem Anlass gegeben, so wie es iranischen Terrorismus trotz (oder wegen) Beendigung der Unterstützung des Shahs gab.

    „Wenn eine Gesellschaft entwickelt ist und die Staaten um das Mittelmeer hätten die Grundlagen dafür, dann gibt es auch keine Begründung für Wirtschaftsflucht.“

    Die Flüchtlinge sind eher wohlhabender als der Bevölkerungsdurchschnitt. Eine Flucht nach Europa kostet viel Geld, und in den ersten Jahrzehnten beschleunigter Entwicklung wäre daher mit mehr Flüchtlingen zu rechnen. Und liegt es in unserer Macht, diese Regionen der Welt zu entwickeln? Es gibt eine negative Korrelation zwischen Entwicklungshilfe und wirtschaftlicher Entwicklung. Ägypten ist z.B. seit langem Empfänger wirtschaftlicher Hilfe in großem Stil, während Südkorea oder Taiwan dies nie waren.

    „Bis vor wenigen Wochen war ein großer Teil der deutschen Bevölkerung noch der Meinung, dass Staaten mit islamischem Hintergrund nicht zur Freiheit fähig sind.“

    Mal sehen, wie die Stimmungslage in einem oder zehn Jahren aussieht. Ich würde aber vermuten, dass weder die eine noch die andere Stimmung Ergebnis sorgfältiger Analyse ist.

    „Es geht um den fairen Umgang mit anderen Ländern. Respekt und Augenhöhe.
    Deutschland hat in der arabischen Welt noch immer den Ruf fair zu sein und dieser Ruf macht die BRD langfristig sicher (wenn man es dann politisch nutzt).“

    Die kollektive Wahrnehmung mangelnden Respekts werden sie im Nahen Osten niemals aus der Welt schaffen. Diese Wahrnehmung sucht sich jeweils nur bestimmte Anlässe als Begründung und hat kulturelle Ursachen. Deutschland wird v.a. deshalb tendenziell positiv wahrgenommen, weil es gegen Briten, Amerikaner und Juden kämpfte, was tatsächlich ein Vorteil ist, denn Deutsche im Ausland manchmal nicht selbstbewusst genug für sich nutzen. Die positive Wahrnehmung ist aber keine Folge des Eintretens für „Freiheit“ oder „Gerechtigkeit“.
    Nahöstliche Einwanderer in Deutschland machen zudem deutlich, dass der orientalische Ehre/Schamkomplex grundsätzlich auch gegenüber Deutschland gilt. Interessanter Artikel dazu: http://www.zeit.de/2003/04/Schuld_im_Islam

    „Massenarbeitslosigkeit droht in der Zukunft eher von überschuldeten Staaten denen eine völlig verfehlte Wirtschaftspolitik aufgezwungen wurde und die allein die Interessen der Gläubiger und Aktionäre im Blick haben. Werden wir dann auch das Militär einsetzen?“

    Letztes Jahr stand der Euro offenbar mindestens einmal kurz vor dem Zusammenbruch, und wenn Banken ein paar Tage geschlossen bleiben, Panikkäufe einsetzen, Nahrungsmittel knapp werden und die ersten Plünderungen zu beobachten sind, dann wird m.E. die Diskussion über den Einsatz der Bundeswehr im Innern rasch abgeschlossen sein.

  40. Kurzfristig haben sie bei fast allen Beispielen recht! Langfristig ist es überall genau das Gegenteil. Die Einmischung der ersten Welt politisch, militärisch oder mit sog. Entwicklungshilfe führte kurzfristig zu viel Möglichkeiten sich Vorteile zu verschaffen, langfristig (da darf man nich in Jahrzehnten rechnen) haben die Völker keinen Vorteil.

    Bestes Beispiel

    „Die Alternative zu “Unterdrückung” im Iran war Khomeini“

    Nein die Alternative war schon 1951 mit der Machtübernahme der ersten demokratisch gewählten Regierung von Mohammad Mossadegh im Iran vorhanden.

    „Es gibt eine negative Korrelation zwischen Entwicklungshilfe und wirtschaftlicher Entwicklung.“

    Kurzfristig ja, siehe neue Bundesländer. Langfristig, müssen wir dann bei unseren Enkeln nachfragen.

    „m.E. die Diskussion über den Einsatz der Bundeswehr im Innern rasch abgeschlossen sein“

    Da haben wir ja dann den richtigen Minister!

    Wie schaffen wir nun wieder den Bogen zur Nachwuchsgewinnung :-)

    Zentrum für Nachwuchsgewinnung auf Lampedusa einrichten.

  41. @ Orontes

    Aus welchem Grund sollte der Einsatz der Bundeswehr im Inneren dann erfolgreich sein? Wenn alles am zusammenbrechen ist, insbesondere dann, wenn kein höheres Ziel erkennbar ist, warum sollten dann die Bundeswehr in der Krise funktionieren?

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