Neue Zahlen vom Pentagon: 11.000 statt 8.400 US-Soldaten in Afghanistan (Update)

Die USA haben in Afghanistan derzeit rund 11.000 Soldaten im Einsatz und damit deutlich mehr als die bislang öffentlich bekannte Zahl von 8.400 US-Soldaten. Diese Zahl nannte Generalleutnant Kenneth McKenzie, der Direktor des Joint Staff, am (heutigen) Mittwoch bei einer Pressekonferenz im US-Verteidigungsministerium. Zuvor hatte Verteidigungsminister James Mattis nach Angaben des Ministeriums angeordnet, im Interesse der Transparenz die tatsächlichen Zahlen der eingesetzten Soldaten offenzulegen, zunächst in Afghanistan.

Die konkreten Zahlen für die Einsätze im Irak und in Syrien sollen später bekanntgegeben werden. Dass die USA deutlich mehr Soldaten an den Hindukusch geschickt haben als bekannt, hatte bereits vor einer Woche das Wall Street Journal unter Verweis auf Quellen im Pentagon berichtet. In den öffentlichen Zahlen waren unter anderem die Einheiten nicht erfasst, die nur kurzfristig in das Einsatzland geschickt wurden.

Mit der neuen Offenheit des Pentagon war allerdings noch keine Angabe zu der erwarteten Truppenaufstockung der USA in Afghanistan verbunden, wie sie nach der Rede von US-Präsident Donald Trump am 22. August erwartet worden war. Dazu werde es zu gegebener Zeit Informationen geben, sagte eine Pentagon-Sprecherin.

Die nun offiziellen höheren Zahlen wurden nicht danach aufgeschlüsselt, wie viele Soldaten in der NATO-geführten Resolute Support Mission im Einsatz sind und wie viele für den Anti-Terror-Kampf allein unter US-Kommando zur Verfügung stehen. Dennoch erhöht die deutlich höhere Zahl der US-Soldaten im Land schon jetzt den Druck auf NATO-Partner, bei einer Aufstockung der USA ebenfalls nachzuziehen. Sowohl Bundeskanzlerin Angela Merkel als auch Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen hatten allerdings bereits deutlich gemacht, dass eine Erhöhung der derzeitigen Bundeswehr-Truppenstärke in Afghanistan von bis zu 980 Soldaten nicht geplant sei.

Update: Dass die US-Truppen in Afghanistan um bis zu 3.900 Soldaten aufgestockt werden sollen, war nach einer entsprechenden Ermächtigung von Trump schon länger bekannt – die Washington Post hat jetzt dazu mehr Details:

The bulk of the roughly 4,000 additional troops headed to Afghanistan will probably be composed of thousands of paratroopers from two units — the 82nd Airborne Division and an airborne brigade from the 25th Infantry Division, according to U.S. officials.
More air support — in the form of more F-16 fighters, A-10 ground attack aircraft and additional B-52 bomber support, or a combination of all three — is also probably on the way, according to a U.S. official, who spoke on the condition of anonymity to discuss plans that had not yet been made public.  (…)
Small Marine artillery detachments, composed of about 100 or so troops per unit, will be spread around the country to fill in gaps in air support, the official said.

(Foto: US-Truppen in Kabul Ende Mai 2017 – Foto Resolute Support Mission)

8 Kommentare zu „Neue Zahlen vom Pentagon: 11.000 statt 8.400 US-Soldaten in Afghanistan (Update)“

  • Klauspeterkaikowsky   |   30. August 2017 - 21:54

    “ … dass eine Erhöhung der derzeitigen Bundeswehr-Truppenstärke in Afghanistan von bis zu 980 Soldaten nicht geplant sei“
    Klar ist das die Ansage.
    Jede andere bedeutete nämlich Opposition, ab 2418.00sep17.
    Bis Weihnachten vernehmen wir andere „Erkenntnisse“.

  • Klauspeterkaikowsky   |   30. August 2017 - 22:11

    Bei Tagesschau.de wird aber Truppenaufstockung beziffert:
    „Entsendung weiterer Soldaten
    Derzeit bereitet das US-Verteidigungsministerium die Entsendung von weiteren 3900 Soldaten nach Afghanistan vor. Sie sollen die Ausbildung afghanischer Truppen unterstützen und beratend tätig sein, sowie bei Antiterroroperationen helfen. …“.

  • T.Wiegold   |   30. August 2017 - 22:20

    Ah, da weiß tagesschau.de mehr als alle anderen. Bislang gibt es nämlich nur von Trump eine Ermächtigung, um 3.900 Soldaten aufzustocken, wie viele es werden, hat das US-Militär noch nicht mitgeteilt. Aber da tageschau.de das jetzt weiß, wird alles gut. Und tatsächlich, die sollen sowohl bei der Ausbildung helfen als auch bei Antiterroroperationen helfen (wem eigentlich?).

  • JoachimSimanski   |   30. August 2017 - 22:33

    Darf man an der Ansage von 980 Soldaten aus Deutschland zweifeln ?? Wir haben jetzt erstmal Wahl da wird alles versprochen was nach der Wahl dann nicht mehr gehalten wird. Es würde mich aber freuen wenn die Zahl wirklich bei 980 bliebe.

  • klabautermann   |   31. August 2017 - 8:04

    Nachdem sich nun die USN eine „operative Pause“ auferlegt hat und fast zeitgleich verkündet, dass man künftig bei maintenance&repais vertärkt „Bordmitteln“ und weniger privat contractors einsetzen will, kommt bei mir so langsam der Verdacht auf, dass die USA mit Blick auf running cost noch pleiter als pleite sind. Das würde auch diesen plötzlichen „Aufwuchs“ an Soldaten in Afghanistan erklären – sind halt billiger als contractors. Und das erklärt auch diese Zögerlichkeit von Mattis mit Blick auf die zusätzlichen Surge-Kräfte. Die Schulden-/HH-Krise und der drohende Shutdown ist wohl ernster als man so denken mag. Der US Finanzminister verzögert seit Monaten die Bezahlung von O&M-Dienstleistungen privater Dienstleister für die Regierung – offenbar sieht das bei den US Streitkräften nicht viel besser aus. Falls also der Government Shutdown kommt, dann kann das sogar den operational shutdown bedeuten…..und nun auch noch „Harvey“ mit Schäden im dreistelligen Milliardenbereich.
    Ich habe so das ungute Gefühl, dass der Trump-Surge in Afghanistan sich noch etwas verzögern wird………

  • Mitleser   |   31. August 2017 - 14:26

    Im Irak wohl um die 7.000 und nicht die bisher genannte Zahl von 5.200, wie US-Medien melden.

    http://www.politico.com/story/2017/08/26/mattis-trump-troop-numbers-war-zone-242055?utm_source=Sailthru&utm_medium=email&utm_campaign=EBB%2008.28.2017&utm_term=Editorial%20-%20Military%20-%20Early%20Bird%20Brief

    In Syrien sind auch deutlich mehr als die offiziell genannten 503 Soldaten. Die sind nur die Kampftruppe, während man die Unterstützungskräfte vor Ort – USMC Artillerie, Pioniere, Army Rangers – nicht mitzählt. Man beruft sich Regierungsseitig auf die Force Level Management Policy:

    „Under the so-called Force Management Level policy, the Pentagon doesn’t count troops who are in the war zones for fewer than 120 days in the public numbers. That includes troops like construction engineers who are building a bridge or repairing an airfield, as well as the combat units like Marine artillery batteries that have deployed to Syria — even though those very Marines have been featured in glitzy official videos.“

  • Klaus-Peter Kaikowsky   |   31. August 2017 - 16:45

    Mehr Klarheit? Nein!
    https://www.armytimes.com/news/your-army/2017/08/30/three-army-brigades-set-for-deployments-this-fall/?utm_source=Sailthru&utm_medium=email&utm_campaign=Army%20DNR%2008-30-17&utm_term=Editorial%20-%20Army%20-%20Daily%20News%20Roundup
    The 3rd Combat Aviation Brigade and 3rd Sustainment Brigade are headed to Afghanistan in support of Operation Freedom’s Sentinel.
    Allerdings umfasst dies nicht eine angekündigte Verstärkung, denn
    The 3rd Infantry Division soldiers will replace those from the 16th Combat Aviation Brigade and 1st Sustainment Brigade, according to the Army.

    @Klabautermann
    Informationen zu „Die Schulden-/HH-Krise und der drohende Shutdown ist wohl ernster als man so denken mag“ sind mannigfaltig, nur, auch zutreffend?
    Der U.S Arbeitsmarkt boomt, was bei 4,7% Arbeitslosigkeit, offizielle Angaben, im Vergleich zu DEU 5,7% für August wohl zutrifft. Im letzten Bewertungsmonat (August) wurden 210.000 neue Stellen geschaffen, in erster Linie durch Kleinbetriebe, die von 1 – 49 Angestellten gerechnet werden, so zumindest n-tv/Börse von der Wall-Street.
    Diese Zahlen seien nicht erwartet worden.
    Diese Neu-Beschäfigten zahlen zusätzliche Steuern. Als sicher darf zudem gelten, POTUS und Kongress werden ausnahmsweise einmal gemeinsame Sache machen, zur Abwehr eines erneuten government shutdown, durch Anhebung der Grenzen.
    (Ironie on) Oder treibt uns die (DEU) national-typische Haltung „Glas halb leer“ um, Lust am Untergang und überhaupt, erstmal dagegen? (Ironie off)
    „Harvey“ wird sich auswirken, durch Produktionsausfälle kurz- bis mittelfristig, die steigenden Mineralölpreise sogar sofort, heute schon.
    Dennoch bietet er für den „Secretary of the Treasury“ auch mittelfristig erfreuliche Aussichten: Es bildet sich eine Sonderkonjunktur, da der Wiederaufbau Jobs schaffen wird und für Auslastung auch kleiner Unternehmen sorgen kann.

    Die Contractor-Rolle wird offenbar differenziert gesehen, denn:
    Generals who try to get rid of civilian contractors soon face resistance from subordinate commanders who will point out that more troops assigned to support jobs will mean fewer available for combat.
    Bei https://www.your-poc.com/u-s-military-used-civilian-contractors-combat-zones-since-1960s/