Bundeswehr beendet Anti-ISIS-Einsatz in Incirlik (m. Nachtrag)

Fast eineinhalb Jahre nach dem ersten Einsatzflug deutscher Tornado-Aufklärungsjets im Kampf gegen ISIS hat die Bundeswehr ihre Mission auf der türkischen Luftwaffenbasis Incirlik eingestellt. Am (heutigen) Montag starteten die Maschinen zum Rückflug zu ihrem Heimatflugplatz, dem Fliegerhorst des Taktischen Luftwaffengeschwaders 33 in Büchel, wie die Luftwaffe mitteilte. Den letzten Einsatzflug im Rahmen der internationalen Anti-ISIS-Koalition hatten die Tornados nach Angaben des Einsatzführungskommandos am vergangenen Samstag absolviert.

Der am 8. Januar vergangenen Jahres begonnene Einsatz der Aufklärungsflugzeuge von Incirlik aus wurde – ebenso wie die Missionen eines Tankflugzeugs der Luftwaffe – nach einer Entscheidung der Bundesregierung und nicht zuletzt auf Drängen des Bundestages beendet: Nachdem die Türkei erneut deutschen Abgeordneten den Besuch bei den Bundeswehrsoldaten auf der türkischen Basis untersagt hatte, wurde die Verlegung der Maschinen auf die Basis Al-Azraq in Jordanien beschlossen.

Während das Tankflugzeug bereits am 9. Juli aus Incirlik abgezogen wurde und zwei Tage später von Jordanien aus seine Einsatzflüge wieder aufnahm, bedeutet der Umzug nach Al Azraq für die Tornados eine zwei- bis drei Monate lange Unterbrechung: Die Technik am Boden, insbesondere die Auswertestation für die Luftbilder (Ground Exploitation Station, GES) sowie Geräte und Werkzeuge für die ständige Wartung der Jets müssen verpackt und verlegt werden, weil die Luftwaffe diese Ausstattung nicht mehrfach besitzt. Auf der Luftwaffen-Webseite wird das erläutert:

Die deutschen Tornados werden jedoch nicht direkt von der Türkei nach Jordanien verlegt. Zum einen könnten ihre Luftbilder ohne die entsprechende Technik in Jordanien nicht ausgewertet werden – zum anderen gibt es vor Ort noch nicht die nötige Infrastruktur für die deutschen Aufklärungsflugzeuge.
Herzstück der Mission Counter Daesh ist die sogenannte GES (Ground Exploitation Station) – die Bildauswertestelle. Hier werden die Luftbilder des Tornados kontrolliert, gesichtet, sortiert und ausgewertet. Bis die GES in Jordanien ankommt und einsatzbereit ist, könnten also auch die Luftaufnahmen der Tornados nicht ausgewertet werden. Ebenso fehlen noch sämtliche Werkzeuge, Bodenkontrollgeräte und das nötige Wartungspersonal der Jets in Al-Azraq. Bis das gesamte Material einsatzbereit in Jordanien steht, könnten die Recce-Tornados weder Einsätze fliegen noch ausreichend gewartet werden. Für die Zeit des Umzuges geht es also zurück nach Deutschland.
Denn für einen lückenlosen Einsatz müssten Personal und Material, zumindest kurzfristig, an beiden Standorten vorhanden sein – also doppelt. Der logistische und finanzielle Aufwand wäre enorm. Ressourcenschonend geht es also während der Umzugszeit für die Tornados nach Deutschland.

Ressourcenschonend scheint die optimistische Sichtweise, es klingt eher danach, dass die Luftwaffe mit dem vorhandenen Gerät nicht zwei solcher Einsätze zeitgleich bewältigen könnte. Und das bedeutet natürlich auch, dass mit dem Abflug der Tornados die Arbeit der Bundeswehr in Incirlik noch längst nicht beendet ist – denn jetzt geht es ans Einpacken.

Nachtrag und Korrektur: Ich habe natürlich übersehen, dass die Luftwaffe, genauer das Taktische Luftwaffengeschwader 51 in Jagel, derzeit nicht nur einen, sondern gleich drei Aufklärungsmissionen bewältigen muss: Neben dem Anti-ISIS-Einsatz mit Tornados zwei Missionen jeweils mit Heron-Drohnen in Afghanistan und in Mali. Und für jeden dieser Einsätze ist eine Auswertestation nötig, eine bislang in Incirlik, eine in Masar-i-Scharif und eine in Jagel, in der das Bildmaterial aus Mali ausgewertet wird. Insofern relativiert sich das Problem mit der Verlegung der GES nach Jordanien – unabhängig von den zur Verfügung stehenden Finanzmitteln wäre vermutlich normalerweise die Nutzung von drei solcher Stationen für die geplanten Einsätze ausreichend. (Danke für die Hinweise in den Kommentaren.)

(Archivbild: Techniker bereiten am 8. Januar 2016 im Rahmen des Einsatzes Counter DAESH den ersten Einsatzflug zweier Recce Tornados auf der Air Base in Incirlik vor – Bundeswehr/Falk Bärwald)

74 Kommentare zu „Bundeswehr beendet Anti-ISIS-Einsatz in Incirlik (m. Nachtrag)“

  • Grashüpfer   |   01. August 2017 - 21:56

    Ich würde mir hier mehr Sachlichkeit wünschen. Auf der eine Seite wird ständig gefordert den Soldaten mehr gesellschaftlichen Respekt zu zollen und dann wird hier teilweise ziemlich merkwürdig argumentiert. @ Jens, danke für den Job den Ihr unter den Rahmenbedingungen von 25 Jahren abbau und sparen leistet.
    Die Soldatinnen und Soldaten haben sich natürlich Ihren Heimaturlaub bei den Familien verdient. Die Soldatinnen und Soldaten haben es auch verdient, N I C H T in 10 Personen Containern untergebracht zu werden.
    Väter und Mütter haben es verdient bei der Einschulung dabei sein zu dürfen etc etc etc …

    Es ist kaum bis keine Substanz mehr vorhanden aus der heraus man eben mal solche Operationen stemmen kann

    Also nichts für ungut, aber wie man sieht wird das hier nämlich gelesen. Von BW-Angehörigen aller Ebenen. Kritisch hinterfragen ist ja in Ordnung. Aber Argumente die bei den Betroffenen aber (ungewollt) als Vorwürfe ankommen sind nicht schön.

    Aus meiner unmaßgeblichen Sicht sollte die Diskussion aus der Grasnarbenebene (welcher Feldwebel darf wann Urlaub machen) raus ein bis zwei Ebenen höher angesetzt sein, und zwar bis wann kann bei der Luftwaffe die operative Fähigkeit hergestellt werden parallel zum Abbau Incirlik den Aufbau in Jordanien durchzuführen – und das nicht mit dem Material und Personal aus Incerlik sondern frischen. Ist das überhaupt in den LOA der Lw vorgesehen? Wieviel Geschwader braucht man eigentlich, wie muss der Personalansatz insgesamt dafür Aussehen. Welche Rolle spielt in diesem Zusammenhang die Frage nach unbemannten Aufklärungsdrohnen?

    Gruß
    Grashüpfer

  • Jens   |   01. August 2017 - 22:12

    ..@Koffer

    Bewerbe dich als Wiedereinsteller oder oder Neuanfänger, denn auf das Kommentar gehe ich nicht ein.Auch habe ich keine Lust darauf zu antworten.

    Wir leisten hier das was wir können und jeder der helfen möchte kann gerne mit Lufthansa nach Aldana fliegen und uns helfen damit es schneller geht.

    Das war jetzt der letzte Post in diesem Threat.

  • Koffer   |   01. August 2017 - 22:28

    @Grashüpfer | 01. August 2017 – 21:56
    „Auf der eine Seite wird ständig gefordert den Soldaten mehr gesellschaftlichen Respekt zu zollen und dann wird hier teilweise ziemlich merkwürdig argumentiert.“

    Sorry, aber das eine hat hier nichts mit dem anderen zu tun.

    Die Forderung nach gesellschaftlicher Anerkennung der Leistung von Soldaten kollidiert keineswegs mit der Feststellung, dass die Bundeswehr ein peinliches Bild abgibt (national wie international), wenn Sie über zwei Monaten benötigt um ein halbes Dutzend Flugzeuge einsatzbereit zu verlegen.

    Darüber hinaus ist „Familien-Sommerurlaub“ glaube ich keineswegs ein Grund einen Einsatz zu unterbrechen. Das gilt schon für den Einzelnen und erst Recht für ein ganzes Kontingent.

    „Die Soldatinnen und Soldaten haben es auch verdient, N I C H T in 10 Personen Containern untergebracht zu werden.“

    Was heisst denn hier „verdient“?! Man wird so untergebracht wie es die Einsatzbedingungen zulassen. Zu Bevorzugen sind natürlich klimatisierte Einzelcontainer, aber wenn es sein muss, dann muss man halt auch mal die Zähne zusammenbeißen und in einem Mehrfachzelt unterkommen (hoffentlich dann zumindest klimatisiert).

    Wenn das nicht geht (erst Recht für einen überschaubaren Zeitraum von wenigen Wochen), dann stelle ich mir ernsthaft die Frage, nach unserem LoA als Soldaten!

    Nebenbei: Die Sache mit dem Familienurlaub (so absurd ich diese Idee im Zusammenhang mit einem Einsatz sowieso finde) kann schon alleine deswegen nicht für diese peinliche Unterbrechung des Einsatzes eine Begründung sein, da bei Nicht-Verlegung aus INCERLIK ja der Einsatz auch nicht für zwei Monate „Sommerferien“ unterbrochen worden wäre.

  • Martin B.   |   01. August 2017 - 23:08

    @Koffer Als Infanterist,oder Fallschirmjäger, lassen sich sehr leicht Problemlösungen für fremde Teilstreitkräfte finden. Erst Recht von der heimischen Couch oder dem Stammtisch.
    Fakt ist doch, solange die deutschen Tornados nicht von Jordanien aus fliegen können,bzw.nicht dorthin verlegt werden können, bedarf es auch keine Luftfahrzeugtechniker vor Ort!
    Behelfsmäßige Abstellflächen für Luftfahrzeuge sind auch so eine Sache,- die müssen eben aus Beton in einer bestimmten Stärke sein, es stehen ja schließlich keine Panzer oder Raketenwerfer drauf,die so etwas ja Gott sei Dank nicht benötigen.
    Die Vergabe nach „außen“ für Personal zum abbauen der Möbel wird so nicht durchführbar sein,wenn man weiß,was für ein Akt es z. Z.ist,auch nur einen deutschen Soldaten auf die Base Incirlik zu bekommen.
    Im übrigen dürfen wir alle mal gespannt sein,ob denn in 3 Monaten alle wichtigen Container für Jordanien auch dort angekommen sind,oder nicht doch der eine oder andere aus unerklärlichen Gründen noch beim türkischen Zoll in Incirlik festgehalten wird!

  • Memoria   |   02. August 2017 - 0:38

    @Jens:
    Ich kann ihren Ärger nachvollziehen, wichtig ist jedoch aus meiner Sicht zwischen den großen Leistungen der Truppe und den gegebenen Rahmenbedingungen zu unterscheiden.

    Zweitere werden hier hinterfragt. Weder die Ausstattung mit Material noch mit Personal sind unveränderlich.
    Noch weniger die Prioritäten bei Rückbau und Neubau von Infrastruktur.

    Vielen Dank für Ihren Dienst.

  • T.Wiegold   |   02. August 2017 - 7:18

    An der Stelle muss ich mal reingrätschen und das Beharren der Infanterie stoppen, Technikern aus der Luftwaffe mal ihre Arbeit zu erklären. Das wird langsam ein bisschen lächerlich; nur weil man oft genug im Zelt geschlafen hat, weiß man noch nicht, was für die Verlegung der Wartung von Strahlflugzeugen nötig ist.

    Ich bitte deshalb dringend darum, diesen Unsinn hier einzustellen, und schalte die entsprechenden Kommentare gar nicht erst frei.

  • klabautermann   |   02. August 2017 - 8:29

    Vorsicht Sarkasmus !

    Die neue, deutsche Flecktarnbewegung sollte so langsam ernsthaft eine BDSM-Gruppentherapie in Erwägung ziehen, denn treu dienen kann der Soldat ja wohl bloß, wenn er quasi freiwillig „leidet“ im Grundbetrieb und im Einsatz ?
    Marine und Lw sollten sich schnellsten ihr eigenes Flecktarn-Muster zulegen, damit sie nicht immer mit den Frontkämpfern der Flecktarnbewegung verwechselt werden können./SARC OFF

    Falls die Lw zusammen mit der SKB es schafft, dass in knapp 3 Monaten die Tornado von Jordanien aus den Einsatz fortsetzen, dann kann man nur sagen: Hut ab.
    Also, werte Kameraden von der Amigo-Luft-Truppe, laßt Euch nicht beirren und unter vollig unnötigen Zeitdruck setzen – vor allem nicht in Sachen Einsatz-CRM.

  • Koffer   |   02. August 2017 - 10:33

    @Martin B. | 01. August 2017 – 23:08 u. T.Wiegold | 02. August 2017 – 7:18
    Die Frage ist doch nicht ob Zelt oder nicht Zelt oder ob Behelfslösung oder Nicht-Behelfslösung oder ob Luftwaffe oder Infanterie (auf das Thema „Sommerurlaub“ gehe ich jetzt mal nicht weiter ein).

    Die Frage ist doch einzig und allein ob wir bei einem politisch-strategisch wichtigen Auftrag im Kernbereich des Auftrags der Streitkräfte eine Unterbrechung von über zwei Monaten (noch vorheriger Kenntnis von mehreren zusätzlichen Wochen und Ankündigung von insgesamt Monaten)
    a) kritisieren und beabsichtigen diesen Mangel für zu Zukunft abstellen,
    b) tolerieren, da es uns (DEU) vielleicht sogar gelegen kommt, weil der Einsatz sowieso nur eine politische Schaufensterfunktion hatte, aber inhaltlich keinen Mehrwert für die Einsatzkoalition brachte oder sogar
    c) akzeptieren, weil unser LoA halt so und nicht anders ist.

    Die seit einigen Kommentaren statt findenden, persönlichen Angriffe lenken doch von diesem inhaltlichen Kernthema ob, oder?!

    [Äh, wer hat denn die Debatte nach dem Muster „stellt euch nicht so an, wenn ihr mal im Zelt schlafen müsst“ hier aufgebracht? T.W.]

  • huey   |   02. August 2017 - 11:07

    Auch, wenn ich Argumente nach dem Motto „Soldaten brauchen keine Urlaub, sondern haben dahin zu gehen, wohin sie befohlen werden“ nicht gutheisse:

    Es ist nach wie vor ein Witz, das eine Fähigkeit, die zu den „allgemeinen Aufgaben im Einsatz“ gehört (Aufklärung), und zudem in einer Zeit geboren wurde, in der man von der Annahme ausging, das alle Truppenteile binnen 72 Stunden in ihre Verfügungsräume hätten verlegen müssen, nunmehr 3 Monate benötigt, um ein paar Kilometer umzuziehen.

    Während die Luftwaffe in der Türkei „zusammenpackt“ (was Aufgabe der Logistiker sein dürfte-dazu werden die Bediener und Auswerter eigentlich nicht benötigt, so dass diese nun schon mal zu ihrem „Heimaturlaub“ aufbrechen könnten, kann ein zweites Logistik-Team die Vorbereitungen in Jordanien treffen, so dass man die Container direkt nach Ankunft in Betrieb nehmen kann…

    Wir hatten (als „Private Einsatzdienstleister“) ein ähnliches Vorhaben in zwei nicht näher zu bezeichnenden afrikanischen Ländern…

    Während der Betrieb von der „alten“ Basis wie gewohnt weiterging, wurde durch ein Team das alte Lager nach und nach abgebaut; ein zweites Team hat das neue Lager (knapp 1000 Km entfernt) vorbereitet….

    An Tag x wurden die Luftfahrzeuge dann verlegt, und waren am Tag nach ihrer Ankunft am neuen Standort einsatzbereit (inkl. Drohnen-Live-Feed über Satellit)…..

    Wenn das eine kleine private Firma hinbekommt-warum schafft das eine Armee mit fast 200.000 Mann nicht?

    Natürlich ist die Laufzeit der Container zu berücksichtigen-da es aber eine NATO-Operation ist, dürften die USA und die zivilen Betreiber ihre Flugzeuge bereitstellen….

    Eine C17 kann 77 Tonnen Ladung transportieren, eine IL76 liegt in einem ähnlichen Bereich…

    Gründe mag es genug geben-alleine, ich kann und will sie nicht verstehen…..eine Armee muss flexibel und schnell sein….flexibel war die Bundeswehr noch nie…und jetzt zeigt sie auch, das sie „schnell“ auch nicht in ihrem Repertoire hat…

  • Koffer   |   02. August 2017 - 12:44

    @T.W.
    „Äh, wer hat denn die Debatte nach dem Muster „stellt euch nicht so an, wenn ihr mal im Zelt schlafen müsst“ hier aufgebracht? T.W.“

    –> @Jens | 01. August 2017 – 19:46
    „Das Problem ist einfach das es bis jetzt nicht die Unterkünfte für die Soldaten gibt“

    –> @Grashüpfer | 01. August 2017 – 21:56
    „Die Soldatinnen und Soldaten haben es auch verdient, N I C H T in 10 Personen Containern untergebracht zu werden.“

    –> @Jens | 01. August 2017 – 22:12
    „..@Koffer
    Bewerbe dich als Wiedereinsteller oder oder Neuanfänger,“

    @huey | 02. August 2017 – 11:07
    „Auch, wenn ich Argumente nach dem Motto „Soldaten brauchen keine Urlaub,“

    DAS habe ich nie gesagt!

    „sondern haben dahin zu gehen, wohin sie befohlen werden“ nicht gutheisse:“

    DAS allerdings sehr wohl ;)

    „Wenn das eine kleine private Firma hinbekommt-warum schafft das eine Armee mit fast 200.000 Mann nicht? […] Gründe mag es genug geben-alleine, ich kann und will sie nicht verstehen…..eine Armee muss flexibel und schnell sein….flexibel war die Bundeswehr noch nie…und jetzt zeigt sie auch, das sie „schnell“ auch nicht in ihrem Repertoire hat…“

    Zustimmung. Leider :(

    Wobei ich immer mehr zu der Version: Die Bw kann, sieht aber aus militärpolitischen Gründen keinen dringenden Bedarf und der Einsatz-Koalition scheint es angesichts eines überschaubaren (?!?!) Zusatzwertes egal zu sein.

    Darauf deutet ja auch die eigenen Aussage der Lw hin „Ressourcenschonend geht es also während der Umzugszeit für die Tornados nach Deutschland.“

  • Hubi   |   02. August 2017 - 12:54

    @Koffer
    Sorry, aber der Bereich Logistik, insbesondere wenn man auf Dienstleister angewiesen ist, ist nicht nur abhängig vom Volumen.

  • Klauspeterkaikowsky   |   02. August 2017 - 13:13

    https://sputniknews.com/amp/world/201708021056103765-russia-syria-servicemen-kremlin/
    Offiziell 40 RUS Verluste in Syrien, auf Nachfragen wegen höherer Zahlen in Social Network, keine Änderungen.

    [Häh? Hier die offizielle russische Erklärung posten, dass die Reuters-Berichterstattung über die Gefallenen unsinnig sei, aber die zugrunde liegende Berichterstattung noch nicht mal erwähnen, geschweige denn verlinken? So gehen wir hier bitte nicht vor.

    Also, die Reuters-Meldung: Russian losses in Syria jump in 2017, Reuters estimates show

    Die obige Sputnik-Meldung ist die Reaktion darauf.
    T.W.]

  • Koffer   |   02. August 2017 - 14:32

    @Hubi | 02. August 2017 – 12:54
    „Sorry, aber der Bereich Logistik, insbesondere wenn man auf Dienstleister angewiesen ist, ist nicht nur abhängig vom Volumen.“

    Dem stimme ich zu. Es ist in der Tat nicht nur eine Frage des Volumens…

  • Klauspeterkaikowsky   |   02. August 2017 - 14:40

    @T.W.
    „Unsinnig“ ist nicht meine Begriffswelt, in diesem Zusammenhang. Ansonsten haben Sie natürlich Recht.

  • Hubi   |   02. August 2017 - 14:47

    Kein Logistik-Unternehmen in der Welt hat mal so eben möglicherweise irgendwann irgendwo Kapazitäten unbekannter Größenordnung herumstehen. Vorhaltung, Disposition sind ein knallhartes Geschäft.

  • Pio-Fritz   |   02. August 2017 - 15:39

    Mein erster Kommentar, den ich mit der Bitte um mehr Sachlichkeit in der Diskussion eröffnen möchte.
    Die hier gestartete Diskussion ist beispielhaft, es werden automatische Beißreflexe von einigen (immer wieder auftauchenden) Kommentatoren ausgelöst, die meistens darin gipfeln, das alles peinlich, die Bundeswehr nichts reißt und die militärische Führung unfähig ist. Das erinnert mich an 80 Millionen Bundestrainer bei einer Fußball-WM, die alles besser wissen. Einen Mehrwert an Erkenntnis kann ich daraus nicht ziehen.

    Ich finde an der Situation nichts peinlich oder beschämend etc. pp.. Wie wir alle lesen konnten, ist die restriktive Ressource die Technik der Bildauswertung (GES), die es dreimal gibt, die auch dreimal im Einsatz ist. Also bleibt nur Abbau-Umzug-Aufbau, Zeitansatz 2 Monate. Dieser ist mit Sicherheit auch von Experten berechnet und belegt worden.

    Die Reaktion der Führung der Counter-Daesh-Mission lässt zwei Schlüsse zu:

    1. Die Aufklärung wird eigentlich gar nicht benötigt und deshalb stören die zwei Monate Pause auch nicht.
    2. Die Fähigkeit ist so wichtig und selten, das man gerne zwei Monate auf die Deutschen wartet, weil andere Nationen diese Fähigkeit gar nicht haben oder nicht zur Verfügung stellen können/wollen.

    Ich persönlich tendiere zu Version 2, ansonsten hätte man den Streit mit der Türke in Absprache mit den Verbündeten durch Abzug der Soldaten lösen können. Dann gäbe es eben keine deutschen Soldaten bei Counter Daesh (und ein Problem innerhalb der NATO weniger).

    Die Diskussion um Einzelheiten und Details geht meiner Meinung nach am Kern vorbei. Die zentrale Frage bei allen Diskussionen, egal, ob es um Personal, Material oder Einsätze geht ist doch: „Reicht die personelle und materielle Ausstattung und der Umfang der Bundeswehr um die Anforderungen und Einsatzvorgaben des Primats der Politik in seinen sicherheitspolitischen Leitlinien zu erfüllen?“

    Die Antwort muss dann im vorliegenden Fall beinhalten, das drei Missionen möglich sind, allerdings gibt es dann keine Reserve. Wenn dann etwas Unvorhergesehenes passiert, wie die kurzfristige Verlegung, muss man entsprechend Zeit einplanen.

  • Zum Heulen   |   02. August 2017 - 21:41

    @ Pio-Fritz | 02. August 2017 – 15:39

    Bleiben wir mal in Ihrem Narrativ und gehen nicht davon aus, dass Sie mit Ihrem Beitrag bestimmte Interessen verfolgen. Und unterlassen wird das „aus dem Nähkästchen plaudern“ und beziehen uns nur auf öffentlich verfügbare Informationen – wie die 80 Mio. Bundestrainer!

    Es ist höchst anmaßend, zu glauben, die Bundeswehr habe DIE weltweit gefragte Expertise in Luftbildauswertung. In Fürstenfeldbruck wurde zwar durchaus gute Arbeit geleistet, aber seien wir doch mal ehrlich: Mit den Ressourcen, die für dieses Themenfeld bereitgestellt werden, kann die Bundeswehr allenfalls Kreisklasse sein. Allein das US-National Reconnaissance Office (Sattelitenaufklärung) hat ein Budget, das etwa einem Drittel des gesamten Einzelplans 14 entspricht.
    Da Deutschland sich in den letzten Jahren höchst unkollegial gegenüber den USA aufgeführt hat, wird man uns nicht mehr bei neuen Entwicklungen spicken lassen, wie das noch bis in die 1990er Jahre üblich war. Wir haben also nicht das Budget für die Entwicklung eigener Fähigkeiten, andere bringen uns ihre Expertise nicht mehr bei, damit sind wir, was den technischen Standard des Jahres 2017 angeht, wie Blinde, die von der Farbe reden.

    Dann schauen wir uns beispielsweise an, wie auf der anderen Seite des Atlantiks zum Beispiel im Rahmen von Übungen wie Red Flag auch Bildauswerter-Züge mal mit Szenarien konfrontiert werden, dass ihre Basis ausradiert sei und sie jetzt bitte 100 Meilen weiter in 48 Stunden neu anfangen sollen … von der materiellen, organisatorischen und mentalen Flexibilität, die da eintrainiert wird, hat die Bundeswehr offenbar noch nie gehört.

    Unter der Prämisse, dass der begrenzende Faktor Luftbildauswertung tatsächlich der ausschlaggebende Faktor für die zwei Monate Pause ist, wäre nun organisatorisch zu hinterfragen, ob es nicht eine Fehlplanung ist, allerlei Satelliten, Drohnen und sonstige bildgenerierende Aufklärungsmittel zu beschaffen, wenn man anschließend nicht ausreichend Befähigung zur Auswertung der gelieferten Daten hat. Die Worte „unfassbar peinlich“ und die Aufforderung, dass die oberste Dienstfrau hier bei vorzuhaltenden Befähigungen nacharbeiten muss, halte ich hier für sehr angemessen.
    Gute ***-Auswerter brauchen Jahre der Ausbildung, bis sie ihren Job in der notwendigen Qualität beherrschen. Die muss man als Bundeswehr in ausreichender Anzahl haben und kann nicht erst mit der Ausbildung beginnen, wenn ein Bedarf nicht mehr zu vertuschen ist.

    Zur Ehrenrettung der betroffen Soldaten: Es könnte ja auch sein, dass die öffentliche Begründung nicht der tatsächliche Grund ist und der zuständige Kommunikationsstab sich eine zu simple Geschichte zusammenfabuliert hat. Der Vorwurf „unfassbar peinlich“ trifft dann immer noch, nur eben andere.

    Und jetzt zurück zur Sportschau, Madrid führt mit einem Tor!

  • Wa-Ge   |   02. August 2017 - 22:16

    @ T.W.

    Ich weiss nicht ob das hier missinterpretiert wird was unter anderem Koffer und ich schreiben, aber ich empfinde es nicht, dass hier die Infanterie der Lw erklärt wie diese ihr Geschäft zu betreiben hat.

    Was jedoch geschieht und das gebe ich gerne zu, dass hier durch uns in einem bestimmten Bereich bewusst oder unbewusst Salz in die Wunde gestreut wird.

    Der Grund ist die durch das BMVg kommunizierte Begründung für die Verlegungungsdauer. Und die teilweise ergänzenden Gründe einzelner Mitdiskutatnten.

    Als Beispiel nur so viel: Die Lw sagt man muss X Container Material aus Incilik abziehen, aber man sagt nicht wieviel davon für die Erstdurchführung eines Einsatzes notwendig ist. Scheitert es tatsächlich nur an der Auswertereinheit? Was den Rest an geht kann es ja nicht sein, da ja bereits ein Teil des „Incilik-Paketes“ der Bw innerhalb kürzester Zeit nach Jordanien verlegt ist und dort weiterhin seine Fähigkeit, das Betanken, der Nato bereitstellt.
    Haben die Airbuse keine Piloten, Techniker, … die untergebracht werden müssen? Wird für deren Betrieb keine Instandsetzungskapazität samt Ersatzteilpaket vor Ort benötigt?
    Musste dieses nicht mit nach Jordanien gebracht und dort irgendwo gelagert werden?
    Müssen die Flieger nicht irgendwo auf der Airbase abgestellt werden? Wieso gibt es da Flächen die einen Airbus aushalten, aber keine Tornados? Wieso kann das Personal der Flugbereitschaft unter den dor vorherschenden Bedingungen Ihren Auftrag erfüllen, das Tornado Personal aber nicht?

    Scheitert das tatsächlich alles nur an der Verlegung eines einzigen Gerätes? Wenn ja, was ist dann eigentlich Plan B, falls dieses Gerät mal ausfällt? Brechen wir dann den Einsatz ab?

    Sarkasmus on:
    Wieso kann man eigentlich bei 40° nach mehreren Nächten in einer nichtklimatisierten, mehrfachbelegten Unterkunft erfolgreich ein MG bedienen aber keinen Schraubenschlüssel?
    Sarkasmus off.

  • Memoria   |   03. August 2017 - 6:56

    @Pio-Fritz:
    Unsere Fähigkeiten indessen Bereich sind – anders als vom BMVg behauptet – international nicht so herausragend. Daher bitte keine falschen Schlüsse ziehen.

    @Zum Heulen:
    Volle Zustimmung.

    @all:
    Eine wie ich finde sehr lehrreiche Diskussion.
    Zeigt sie doch wie unterschiedlich die Sichtweise auf Notwendigkeiten und Unveränderlichkeiten ist.

    Dazu noch ein Literaturtipp für die nächste Zeit:
    https://www.perlentaucher.de/buch/martin-sebaldt/nicht-abwehrbereit.html

    [Hm, so ganz unproblematisch scheint der Literaturtipp nicht T.W.]

  • Klauspeterkaikowsky   |   03. August 2017 - 15:15

    DAILY SABAH
    @DailySabah
    Can Turkey’s purchase of S-400s be beneficial for NATO? – by Ragıp Soylu @ragipsoylu | DS
    RUS liefert ohne Kronjuwelen. Dass NATO sich das System ansieht, dürfte klar sein, falls Erdogan U.S. reinschauen lässt.

  • Milliway   |   04. August 2017 - 15:19

    @ Pio-Fritz | 02. August 2017 – 15:39

    „1. Die Aufklärung wird eigentlich gar nicht benötigt und deshalb stören die zwei Monate Pause auch nicht.“

    Das ist die Richtig Einschätzung der aktuellen Gesamt Situation.

    „ 2. Die Fähigkeit ist so wichtig und selten, das man gerne zwei Monate auf die Deutschen wartet, weil andere Nationen diese Fähigkeit gar nicht haben oder nicht zur Verfügung stellen können/wollen. Ich persönlich tendiere zu Version 2“

    Diese Annahme ist Falsch, weil

    Jede eingesetzte Maschine verwendet die gleiche Sensorik zur Zielerfassung oder ist mit leistungsfähigeren Sensoren ausgestattet ( FLIR and laser designator pods z.B. Litening oder Sniper ) Des Weiteren werden echte Aufklärungsmaschinen wie u.a. RC-135, U-2, G550 CAEW oder Drohnen eingesetzt.

    http://docplayer.org/11242581-Hipac-digitale-kamerasysteme-hoechster-leistung-fuer-die-aufklaerung.html

    Wo stehen wir mit unsern RecceLite in direkten Vergleich da ?

    @ all:

    Wir haben ein Real Time Image Intelligence Center nicht wie in Clip dargestellt von ELTA sondern das Pendant von Rafael Advenced Systems gekauft. ( Status ist mir nicht bekannt? ) Wenn wir dieses System auf der Luftwaffenbasis in Incirlik installiert haben? Dann kann man die 2 Monate Pause nachvollziehen. Ein Festestes Gebäude kann man eben nicht wie ein Container kurzfristig verlegen.

    https://www.youtube.com/watch?v=3aE8t8eQpUI

    Kurzfristig Können wir unser Tornados mir RecceLite XR und RTP-Pod upgraden. Benötigen beide Systeme da grundverschiedene Technologien, die sich gegenseitig ergänzen.

    http://www.iai.co.il/Sip_Storage//FILES/0/41550.pdf

    Persönliche Meinung

    Da der Auftrag nicht erfüllt wurde und weiter eine Fähigkeitslücke in Bereich Aufklärung besteht, würde ich das TaktLwG 51 „I“ in Schleswig / Jagel entlasten.

    – In den ein eigenständiges Aufklärungsgeschwader aufgestellt wird.
    Eine mögliche Lösung wäre das reaktivieren des Westfallen Geschwaders.
    Mögliches Equipment wäre G550 CAEW und Су-34 Recce.

    – Desweiteren würde die Drohnen Fliegerei in einen eigenständiges Geschwader zusammengezogen.
    Mögliches Equipment wäre MQ-4 und MQ-9.
    ( Auf Heron wird zugunsten der MQ-9 und CAEW verzichtet )

    [Auch wenn ich hier gerade nicht so sehr ein Auge drauf haben kann: Zum Wünsch-Dir-Was-Thread machen wir es bitte nicht, schon gar nicht so jenseits jeglicher Realität. T.W.]

  • Klauspeterkaikowsky   |   08. August 2017 - 10:04

    Auf NATO-Ticket nach Konya? Lächerlich. Besuch durch die Hintertür ändert NICHTS an TUR Haltung!

    https://twitter.com/tagesschau/status/894827962788446208

    [Zu dem Thema gibt es einen neuen Eintrag, ggf. weitere Debatte bitte dort. T.W.]

  • Klaus-Peter Kaikowsky   |   09. August 2017 - 13:19

    Ggf noch von Interesse, was im OpRaum CJTFOIR vor sich geht, aktuelles Strike Update hier:
    http://www.inherentresolve.mil/Portals/14/Documents/Strike%20Releases/2017/08August/20170809%20Strike%20Release.pdf?ver=2017-08-09-050943-163
    In SYR Deir ez-Zor und ar-Raqqa nach wie vor im Fokus, im IRK fällt Tal Afar auf.

    Interessant in dem Zusammenhang, Debka informierte gestern zu angeblicher Kooperation US-Spezialkräfte mit SAA sowie der libanesischen Hezbollah in libanesisch-syrischen Grenzregion gegen ex-Al-Nusra, (jetzt Dschabhat Fatah asch-Scham) was natürlich bisherige Konstellationen umkehrte.

  • Memoria   |   09. August 2017 - 22:06

    Hier zur Einordnung noch die aktuellen Beiträge der RAF:
    https://www.gov.uk/government/news/update-air-strikes-against-daesh

    Falls noch jemand glaubt es wartet jemand auf die Deutschen, hilft dies vielleicht als „Fakten Check“.

    Unser Beitrag war, ist und bleibt rudimentär.

    Es wäre gut, wenn das Märchen von den überragenden deutschen Beiträgen etwas weniger geglaubt wird.