Debatte um Kasernennamen der Bundeswehr: Wie denn nun?

Die Debatte über das Traditionsverständnis der Bundeswehr und die Bezüge zur Wehrmacht des NS-Regimes wird in den vergangenen zwei Wochen mit viel Emotion, aber auch mit einem gehörigen Maß an Missverständnissen geführt. Nachdem Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen in einem Interview der Bild am Sonntag*  das Thema Kasernennamen der Bundeswehr erneut in die Diskussion eingebracht hatte (Wenn wir in den kom­men­den Mo­na­ten den 35 Jahre alten Tra­di­ti­ons­er­lass ‎mo­der­ni­sie­ren, müs­sen wir auch an das Thema Ka­ser­nen­na­men ran), habe ich den Sprecher des Verteidigungsministeriums gefragt, ob die Ministerin da ihre frühere Position geändert hat.

Ein Beispiel dafür ist der schon länger schwelende Streit um die Lent-Kaserne in Rotenburg in Niedersachsen, benannt nach Helmut Lent, Pilot der Luftwaffe im Zweiten Weltkrieg und einer der erfolgreichsten Nachtjäger der Wehrmacht. Der Streit um diese Namensgebung ist bei Wikipedia nachzulesen; angeblich gibt es eine Anweisung des Luftwaffeninspekteurs (Korrektur: von wem diese Anweisung sein soll, ist irgendwie fraglich; ich bemühe mich um Klärung), einen neuen Namen zu suchen – dagegen aber Widerstand aus der Gemeinde Rotenburg. Und eine CDU-Abgeordnete aus der Region verweist öffentlich darauf, dass von der Leyen die Entscheidung nicht von oben treffen wolle, sondern das letzte Wort vor Ort gesprochen werde: Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen hat mir persönlich bestätigt, dass über die Beibehaltung des Namens Lent-Kaserne vor Ort in Rotenburg entschieden werden kann.

Gilt das noch, oder ist derzeit alles anders? Danach habe ich den Sprecher des Verteidigungsministeriums, Jens Flosdorff, gefragt. Seine Antwort macht das, muss ich zugeben, für mich letztendlich nicht so viel klarer:

BPK_Kasernennamen_15mai2017     

 

 

(Transkript wird nachgetragen)

*Deutsche Verlagswebseiten werden hier aus bekannten Gründen i.d.R. nicht verlinkt; bei diesem Link handelt es sich um eine zur Verbreitung vorgesehene Vorabmeldung

(Wie bei diesem Thema leider nötig, stelle ich alle Kommentare auf moderiert.)

(Archivbild: Frankreich, Juni 1942: Hochdekorierte Offiziere der Luftwaffe (Ritterkreuz; Nachtjäger) auf Podest mit Hakenkreuz-Flagge stehend, 1.v.links der „Kommandierende General der Nachtjagd“, Josef Kammhuber, 3 v.links Helmut Lent; KBK Lw 3 – Von Bundesarchiv, Bild 101I-360-2089-24 / Doelfs / CC-BY-SA 3.0, CC BY-SA 3.0 de, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=5411266)

99 Kommentare zu „Debatte um Kasernennamen der Bundeswehr: Wie denn nun?“

  • Hans Dampf   |   16. Mai 2017 - 8:24

    Nun, die Nachtjagd diente in der Tat in erster Linie der Reichsluftverteidigung. Militärisch gesehen war der Schutz der Rüstungsindustrie und militärischer Anlagen wohl wichtiger, als der Schutz der Zivilbevölkerung. Für den einzelnen mag letzteres jedoch durchaus eine Rolle gespielt haben oder gar Ansporn gewesen sein, sofern man selbst über Verwandte und Bekannte verfügte, die Opfer der Bombenangriffe wurden oder von ihnen gefährdet waren. Ich finde es gut, dass man heute auch über deutsche Opfer sprechen kann, ohne gleich als Revanchist zu gelten. Dass der Krieg von Deutschland ausging, das ist gemeinhin bekannt, macht aber den uneingeschränkten Bombenkrieg, gleich welcher Partei, nicht besser. Es gab keinen „Sir Harris“, was schon viel über die zeitgenössische Rezeption des Geschehenen aussagt.
    Ich finde, wenn man der Meinung ist, dass Namensgeber, ob einer Kaserne, einer Straße oder eines Platzes, höchsten Maßstäben gerecht werden müssen – was in meinen Augen nahezu utopisch ist – dann soll man es doch gleich ganz sein lassen, aber bitte schön konsequent! Dann wie in New York, X. Straße, alles korrekt, alles steril, alles gut!
    Oder aber, man sieht ein, dass es solche Heiligen gar nicht geben kann und dass Namensgebungen teilweise schon mehr als ein halbes Jahrhundert zurückliegen, also ihrerseits ebenfalls schon ein Stück weit als Tradition betrachtet werden können und ordnet es in den jeweiligen zeitlichen Zusammenhang ein – gewissermaßen als Mittel der politischen Bildung und zur geistigen Auseinandersetzung mit dem eigenen Beruf am konkreten Beispiel. Das schließt natürlich nicht aus, Kasernen, die nach anerkannten Verbrechern benannt sind, umzubenennen. Dass letztgenanntes hier der Fall ist, sehe ich nicht.

  • Auslandsdiener   |   16. Mai 2017 - 9:11

    @T.Wiegold: Richtig, dafür kann man aber nicht Lent zur Verantwortung ziehen. Diese „selbst schuld“ Argumentation halte ich für historisch zweifelhaft und an der Erfahrung der Bevölkerung vorbei.
    Diese Debatte ist nicht zu lösen, und den inhärenten Widersprüchen müssen wir uns stellen. Verbote sind ein Zeichen von mangelndem Willen zur Auseinandersetzung mit der Geschichte.

  • klabautermann   |   16. Mai 2017 - 9:20

    „Im Streit um Wehrmachtsandenken in der Bundeswehr erhöht die CSU den Druck auf Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen – und fordert mehr Achtung für „unsere Väter und Großväter“. Auch von einem SPD-Urgestein kommt scharfe Kritik.“ (N-TV)
    Tja, Herr Uhl und Herr Scharping sollten sich einmal hier: https://de.wikipedia.org/wiki/Volkstrauertag ….. über Volkstrauertag versus Heldengedenktag der Nazis schlau machen.
    Wie mögen wohl die Nachkommen der Besatzungen der von dem „heldenhaften“ Helmut abgeschossenen alliierten Flugzeuge das empfinden, dass die BW diesem Nazi-Helden durch die Benennung einer BW-Kaserne sozusagen ein Heldendenkmal setzt ?
    Und wenn die BuReg 2014 das noch nicht als Problem angesehen hat, dann sollte man zur Kenntnis nehhmen, dass wir 2017 schreiben und die innenpolitische und parteipolitische „Lage“ mit Blick auf Rechtspopulismus und – extremismus sich völlig verändert hat.

  • T.Wiegold   |   16. Mai 2017 - 9:20

    Nun, ich habe nicht gesagt „selbst schuld“, sondern darauf hingewiesen, dass auch diese Abwehr feindlicher Angriffe nicht im luftleeren Raum existiert…

    Insgesamt bin ich ziemlich verwundert. Ein Großteil der Kommentatoren tut so, als hätte ich gefordert, Lent posthum zum Kriegsverbrecher zu erklären und die Erinnerung aus den Geschichtsbüchern zu tiligen…

    Ich habe die – ja bestehende – Kontroverse über die Benennung einer Kaserne nach diesem Jagdflieger dargestellt. Aber wenn schon historische Bilder, die ihn im Setting der damaligen Zeit zeigen, als tendenziös verunglimpft werden, scheint mir das Bedürfnis an Darstellung der Situation hinter dem Bedürfnis nach Glorifizierung doch ziemlich zurückzutreten.

  • Karl Mohr   |   16. Mai 2017 - 9:22

    @T.W.
    das Bild ist ausgesprochen treffend gewählt.
    Die Kiste auf der Lent posiert (und Kammhuber der spätere Inspekteur der Luftwaffe), ist mit den Flaggen der Bewegung von Adolf Nazi (H.Schmidt) verhüllt.
    Ein Sinnbild dessen was Ihn nach „oben“ gebracht hat.
    Besser kann man das gegenseitige profitieren voneinander, da Prestige und schnelles persönliches Fortkommen (Mitte 20 und Oberstleutnant!) , dort gefügiges Werkzeug nicht darstellen, besser kann man das perfide „Treue um Treue“ nicht bloßstellen.
    Lent auf einen rein handwerklich geschickten Flieger zu reduzieren wird seiner Leistung und seiner Stellung im System Nazi-Luftwaffe nicht gerecht.
    Glückwunsch zur Auswahl.

  • Mike   |   16. Mai 2017 - 9:36

    @Klabautermann
    „Wie mögen wohl die Nachkommen der Besatzungen der von dem „heldenhaften“ Helmut abgeschossenen alliierten Flugzeuge das empfinden, dass die BW diesem Nazi-Helden durch die Benennung einer BW-Kaserne sozusagen ein Heldendenkmal setzt ?“

    Anderes Beispiel: Das Grab von M. Wittmann in der Normandie ist stets geschmückt, nicht von Deutschen, sondern von den ehemaligen Gegnern, also den Nachfahren derer, die er „abgeschossen“ hat. Ich glaube, in USA und UK hat man damit (und wohl auch mit Lent) eher kein Problem.

  • Memoria   |   16. Mai 2017 - 9:40

    @klabautermann:
    Diese offenbar völlig neue Lage führte an der MSM zu einer Entfernung aller Büsten aus der Aula:
    http://augengeradeaus.net/2017/05/traditionserlass-wird-vor-der-wahl-ueberarbeitet-und-spd-geht-auf-konfrontationskurs/#comment-268998

    Ist auch noch sinnvoll?

  • klabautermann   |   16. Mai 2017 - 9:49

    Was nun den Verteidiger der Heimatfront Lent anbelangt, sollten sich die Lent-Verteidiger einmal darüber schlau machen, wer denn den „Totalen Krieg“ ausgerufen hat und was das denn bedeutet hat – auch mit Blick auf die Strategie und Operationsführung der Alliierten.
    Wer den Wind seht, wird Sturm ernten.
    „……In der von den Nationalsozialisten verwendeten Bedeutung ist der „totale Krieg“ eine Kriegsführung, in deren Verlauf alle verfügbaren Ressourcen genutzt werden. Im totalen Krieg wird die Unterscheidung zwischen Heimat und Front aufgehoben (Heimatfront). Die gesamten Produktionsmittel und die gesamte Arbeitskraft der Zivilbevölkerung werden ein Bestandteil des Kriegsapparates. Diese Anstrengungen sollen dem eigentlichen Ziel, nämlich der Vernichtung des Gegners, dienen“
    http://augengeradeaus.net/2017/05/debatte-um-kasernennamen-der-bundeswehr-wie-denn-nun/#comments
    Der Aufruf zum Vernichtungskrieg bis zum letzten Soldaten, Patrone und zur letzten Milchkuh schließt ja auch jede Art von Kapitulation aus. Und spätestens an dieser Stelle sollten mal einige Traditionsrevisionisten hier im Blog ihre scheinheilige Rhetorik gegen UvdL a bisserl runter schrauben. Wer die „Heimat“ und die eigene Zivilbevölkerung offiziell und straff durchorganisiert zum Kriegsgebiet und Vernichtungskmittel macht, der soll sich nicht wundern, dass dann über der Heimatfront Bomber des Gegners auftauchen. Und die als heldenhaft von den Nazis ausgezeichneten Verteidiger dieser Heimatfront haben nicht das Recht und die Freiheit des deutschen Volkes verteidigt sondern haben versucht einen sinnlosen Vernichtungskrieg bis zum Endsieg weiter zu führen und damit den Krieg in die „Heimat“ getragen.

  • Mike   |   16. Mai 2017 - 9:52

    @Klabautermann:
    „Wie mögen wohl die Nachkommen der Besatzungen der von dem „heldenhaften“ Helmut abgeschossenen alliierten Flugzeuge das empfinden, dass die BW diesem Nazi-Helden durch die Benennung einer BW-Kaserne sozusagen ein Heldendenkmal setzt ?“
    In USA und UK dürfte man damit weniger Probleme haben als in DEU.
    Andres Bsp.: Das Grab von M.Wittmann in der Normandie ist stets geschmückt – nicht von Deutschen!

  • Hans Dampf   |   16. Mai 2017 - 9:54

    @ Klabautermann:

    „Und wenn die BuReg 2014 das noch nicht als Problem angesehen hat, dann sollte man zur Kenntnis nehhmen, dass wir 2017 schreiben und die innenpolitische und parteipolitische „Lage“ mit Blick auf Rechtspopulismus und – extremismus sich völlig verändert hat.“
    Dennoch muss die Frage erlaubt sein, inwieweit es einen Kausalzusammenhang zwischen dem einen (Rechtsradikalismus/-extremismus/-terrorismus [!!!] in der Bundeswehr) und dem anderen (Namensgebung von Kasernen nach Soldaten der Wehrmacht) gibt. Nur das würde ein „sofortiges Einschreiten“ gebieten. Ich habe selbst einige Jahre in einer „GFM-Rommel-Kaserne“ und einer „Hindenburg-Kaserne“ gedient. Und nun? Hat mich (und tausende andere) das zum Rechtsradikalen gemacht? Was ist mit den „Kameraden auf See“, die auf einem Zerstörer Lütjens, Rommel oder Mölders gefahren sind?
    Dieser Zusammenhang, der hier hergestellt wird, ist meiner Meinung nach völlig abstrus. Ja, man kann sich über Sinn oder Unsinn von Namensgebungen streiten, das ist völlig unbenommen. Aber der Anlass hierfür verhindert eine sinnvolle Debatte.
    Im Übrigen finde ich es reichlich bigott, dass sich einerseits gegen Begriffe wie „Bildersturm“ verwahrt wird, aber Frau Ministerin wie selbstverständlich von einem „Säuberungsprozess“ spricht…

  • Frank   |   16. Mai 2017 - 9:59

    Mich überrascht diese Diskussion hier ja nicht wirklich,

    irgendwie ist der einzige wirklich aktive, kommentierbare, sicherheitspolitisch und Bundeswehr orientierte Blog eben anfällig für moralische Diskussionen.
    Insb. dann wenn es sich um das größte menschlichen und politischen Versagens des 20. Jahrhunderts um eine Deutschen Nation geht.
    Eine derartiger Wahnsinn ist eben auch 3-4 Generationen später noch nicht bis ins letzte Detail ausdiskutiert.

    Das Grundproblem für die Traditionslinien der Bundeswehr besteht wohl darin, dass Tradition sich gerne auf Allgemeingültigkeiten bezieht, auf das große Ganze, den übergeordneten Sinn eben.

    Nun wird sich hier darüber gestritten WO und ob im Bezug der Bundeswehr zur Wehrmacht das Große-Ganze zu finden ist,

    1. in der Tatsache das die Wehrmacht auf im inneren in der Lage war taktisch operativ hervorragende Soldaten in den Kampf zu schicken,

    oder im Gengensatz

    2. in dem Umstand das dieser Kampf, Hitlers Kampf für die Hölle auf Erden war.

    Hier sollte an den eindeutigen Schwur auf den Gröfaz erinnert werden die all Soldaten persönlich geleistet haben.

    Meiner Meinung nach ist es ja oké wenn die Bundeswehr sich in ihrer Ausbildung und Taktik auf bewehrtes aus der Wehrmacht beruft, Schützenlinie etc, Wenn danach aber kein Schlussstrich gezogen wird, ist es leicht sich mit der Traditionssuche in dem strategischen/ menschlichen Wahnsinn der Nazis zu verirren.

    Von daher ein klares Ja von mir zur Umbenennung von Kasernen, und das Abhängen von Wehrmachtshelmen/ Devotionalien und Bilder stolzer arischer Landser nach dem Vorbild rassisch-reiner deutscher Kunst in den Kasernen der Bundeswehr.
    Diese drücken nur eins aus: Ich bin nicht nur besser weil ich hervorragend Ausgebildet bin, sondern weil ich ein Arier bin.

    Zu keinem anderen Zweck wurde diese „arische Kunst“ inkl. Helden Ergötzung erfunden!
    Sie ist nicht dazu gedacht sich kritisch über Sinn und Wahnsinn Gedanken zu machen.
    Und so kontextlos wie sie scheinbar 2017 in Kasernen zu finden ist, regt diese Kunst genauso wenig dazu an wie vor über 70 Jahren.
    Für mich ist unfassbar traurig, dass dies bisher offensichtlich nicht in der Bundeswehr zu Vermittlern war. Egal ob Mannschaften oder Offizieren.

    Aber gut ich bin auch ein Kind des vereinigten Deutschlands.

    Und noch eins, niemand ist gezwungen seiner Vorfahren die Tapferkeit abzuerkennen und Feigheit vorzuwerfen, nur weil er eine Traditionslinie zu Ihnen bricht.

  • MikeMolto   |   16. Mai 2017 - 10:01

    @ klabautermann | 16. Mai 2017 – 9:20

    ‚Wie mögen wohl die Nachkommen der Besatzungen der von dem „heldenhaften“ Helmut abgeschossenen alliierten Flugzeuge das empfinden, dass die BW diesem Nazi-Helden durch die Benennung einer BW-Kaserne sozusagen ein Heldendenkmal setzt ?‘

    Die Frage ist honorig aber nicht negativ zun beantworten. Waehrend meiner langen Zeit in USofA und auch seitens Besatzungssoldaten/Zivilisten in DL habe ich nie rpt nie Kritik seiten Angehoeriger an Kampf und Verteidigung der ‚Shermans‘ gehoert – und nicht weil man mir nicht zu nahe treten wollte, denn das o.G. gilt ausdruecklich nicht fuer KZ- Arbeitslager-Opfer und deren Hinterbleibene.

  • Stellung halten_Daheim   |   16. Mai 2017 - 10:10

    @T.W. 16.Mai 2017 – 0:30
    Es handelte sich um einen Angriffskrieg des Deutschen Reiches gegen „die ganze Welt“, mit dem Auftrag den „Feind“ zu vernichten. Ist bekannt.

    Das politische Fazit 1: Von deutschem Boden soll nie wieder Krieg ausgehen.

    (Verbot des Angriffskrieges, Art. 26 Grundgesetz /GG:
    Abs. 1 Handlungen, die geeignet sind und in der Absicht vorgenommen werden, das friedliche Zusammenleben der Völker zu stören, insbesondere die Führung eines Angriffskrieges vorzubereiten, sind verfassungswidrig. Sie sind unter Strafe zu stellen. )

    Das politische Fazit 2: Vice versa: Man kann angegriffen werden.

    (Art 73 GG, Abs. 1 Der Bund hat die ausschließliche Gesetzgebung über: 1. die auswärtigen Angelegenheiten sowie die Verteidigung einschließlich des Schutzes der Zivilbevölkerung; …)

    Das politische Fazit 3: Man braucht Bündnispartner und lohnende Ziele (Frieden).

    (Art 80a GG Abs.1: Ist in diesem Grundgesetz oder in einem Bundesgesetz über die Verteidigung einschließlich des Schutzes der Zivilbevölkerung bestimmt, daß Rechtsvorschriften nur nach Maßgabe dieses Artikels angewandt werden dürfen, so ist die Anwendung außer im Verteidigungsfalle nur zulässig, wenn der Bundestag den Eintritt des Spannungsfalles festgestellt oder wenn er der Anwendung besonders zugestimmt hat. (…)
    (3) Abweichend von Absatz 1 ist die Anwendung solcher Rechtsvorschriften auch auf der Grundlage und nach Maßgabe eines Beschlusses zulässig, der von einem internationalen Organ im Rahmen eines Bündnisvertrages mit Zustimmung der Bundesregierung gefaßt wird. Maßnahmen nach diesem Absatz sind aufzuheben, wenn der Bundestag es mit der Mehrheit seiner Mitglieder verlangt.)

    Die logische Konsequenz: Man braucht gemeinsame Ziele, moralische Werte, personell-militärische und sachliche Mittel (Fähigkeiten).

    (Art 53a GG Abs. 2: Die Bundesregierung hat den Gemeinsamen Ausschuß über ihre Planungen für den Verteidigungsfall zu unterrichten. Die Rechte des Bundestages (…) bleiben unberührt.)
    (Art 65a GG Abs. 1: Der Bundesminister für Verteidigung hat die Befehls- und Kommandogewalt über die Streitkräfte. )

    Schwerpunkt 1: Innere Führung (Debatte läuft, wie hier exemplarisch moderat moderiert)
    Schwerpunkt 2: Planung für personell-militärische und sachliche Mittel (Fähigkeiten)

    (Art 87a GG Abs.1: Der Bund stellt Streitkräfte zur Verteidigung auf. Ihre zahlenmäßige Stärke und die Grundzüge ihrer Organisation müssen sich aus dem Haushaltsplan ergeben.

    Schwerpunkt 2: fehlt mir – beim Bundestag.

    …, womit ich das Thema des Threads „Kasernennamen“ verlassen habe. Bitte um Verständnis.

  • Hans Dampf   |   16. Mai 2017 - 10:28

    @ Karl Mohr:

    1.) Dies ist die deutsche „Reichskriegsflagge“ von 1935 – 1945. Dass etwas mit einer Flagge verhüllt/dekoriert ist (z.B. ein Rednerpult) ist auch noch heute Usus. Ob man da also etwas hineininterpretieren kann, lasse ich einmal da hingestellt.
    2.) „Gefügiges Werkzeug“, „Treue um Treue“, „ein Sinnbild dessen, was ihn nach oben gebracht hat“, finden Sie nicht, dass Sie sich etwas selbstgefällig anhören? Piloten galten in der Tat als Helden, ihre Beförderungen/Auszeichnungen richteten sich im Wesentlichen nach der Zahl der Abschüsse. Was werfen Sie den Piloten also vor? Dass sie das getan haben, wofür sie ausgebildet wurden? Es wird vermutlich niemand – wie auch heute – in tiefe Trauer verfallen, wenn er befördert oder ausgezeichnet wird. Sie haben natürlich recht: Die rasche Beförderung von im Kampfe bewährten Soldaten bis in die höchsten Dienstgrade entsprach dem Geschmack Hitlers und wurde in der Luftwaffe auch maßgeblich so angewendet – das Heer hat sich dem recht erfolgreich widersetzen können. Aber diese Praxis nun den Piloten zum Vorwurf zu machen, halte ich für merkwürdig. Wenn Sie heute einen Piloten fragen, was er tun will, dann wird er ihnen sagen: Fliegen! Wer sich Jagdpilot nennt, der wird vermutlich eine gewisse Freude und Genugtuung empfinden, wenn er sich im Luftkampf (erfolgreich) mit einem anderen Piloten messen kann. Ich gehe davon aus, dass dies früher nicht anders war.

  • klabautermann   |   16. Mai 2017 - 10:34

    In meinem klabautermann | 16. Mai 2017 – 9:49 habe ich einen falschen Link gepostet, es sollte der hier sein:
    https://de.wikipedia.org/wiki/Totaler_Krieg

    Ich kann einfach nicht verstehen, wie man ernsthaft im Jahre des Herren 2017 versuchen kann, die Wehrmacht oder einzelne Angehörige der Wehrmacht, die durch herausragende „soldatische Leistungen“ angebliche Vorbilder für die Soldaten der BW seien, von dem nazionalsozialistischen Regime und seiner menschenverachtenden Diktatur, die sich letztlich sogar gegen die eigene Bevölkerung gerichtet hat, „intellektuell“ trennen kann.
    Wer keine Schuld hat, der hat nicht unbedingt Ehre….das gilt kollektiv wie individuell.
    (Ich glaube H.Schmidt hat das so in etwa einmal in einem Artikel formuliert)
    Rommel hatte wenigstens soviel Ehre im Leib, dass er sich die Kugel gegeben hat nachdem er von den Nazis kaltgestellt worden war. Dadurch hat er auch sicher gestellt, dass er von den Nazis nicht als Kriegsheld mißbraucht werden konnte – auch nicht posthum.

  • TobyR   |   16. Mai 2017 - 10:47

    @ klabautermann

    „Was nun den Verteidiger der Heimatfront Lent anbelangt, sollten sich die Lent-Verteidiger einmal darüber schlau machen, wer denn den „Totalen Krieg“ ausgerufen hat und was das denn bedeutet hat “

    Sowohl Goebbels‘ Sportpalastrede als auch die faktische Umstellung auf eine ‚totale‘ Kriegführung – die allerdings auch nicht aus Wohngebieten Industrieanlagen gemacht hat und die mit besagter Rede in keinem mehr als symbolischen Zusammenhang steht – datieren zeitlich weit nach der strategischen Richtungssetzung des Bomber Command auf Zerstörung von Wohnvierteln und Tötung von Zivilisten als Kriegsmittel zur Brechung der zivilen Moral hin.

    Ich neige wie die meisten Historiker zu der schrulligen Ansicht, dass Ursachen im Allgemeinen vor den durch sie verursachten Wirkungen stattfinden.

  • MikeMolto   |   16. Mai 2017 - 10:57

    @ klabautermann | 16. Mai 2017 – 9:49

    „Wer die „Heimat“ und die eigene Zivilbevölkerung offiziell und straff durchorganisiert zum Kriegsgebiet und Vernichtungskmittel macht, der soll sich nicht wundern, dass dann über der Heimatfront Bomber des Gegners auftauchen. Und die als heldenhaft von den Nazis ausgezeichneten Verteidiger dieser Heimatfront haben nicht das Recht und die Freiheit des deutschen Volkes verteidigt sondern haben versucht einen sinnlosen Vernichtungskrieg bis zum Endsieg weiter zu führen und damit den Krieg in die „Heimat“ “

    Per Grundsatz richtig,
    Jedoch: referre annum. 1940ff war die Chance (gefuehlt) groesser den Krieg als Soldat oder Zivilist zu ueberstehen denn als Kriegsdienstverweigerer oder Widerstandskaempfer erschossen oder gehenkt zu werden. Und die meisten (auch Soldaten) hatten nicht den Ueberblick….
    Damit rechtfertige ich weder den WWII noch das Handeln der Verantwortlichen aber mache darauf aufmerksam, dass wir mit der ‚Gnade der spaeten Geburt‘ und Sozialisierung in einer Demokratie denjenigen die gefehlt haben nur dann einen Vorwurf machen duerfen wenn wir sicher sind, es unter den damaligen Umstaenden anders und besser gemacht zu haben. –
    Was eine klare und eindeutige Reaktion/Absage auf heutige rechtsextreme und/oder terroristische Haltungen sowie Heldenverehrung impliziert.

    Andererseits: Ich bin dagegen jedes Denkmal aus zeitgenoessischer Sicht zu betrachten und zu bewerten. Aus meiner Sicht waeren die vielen frueheren Hitler/Stalin/Lenin/Kaiser Denkmaeler viel besser geeignet gewesen dem Buerger von heute seine Geschichte und Verantwortung aufzuzeigen als irgendwelche verstaubenden wissenschaftliche Sammlungen.

  • T.Wiegold   |   16. Mai 2017 - 11:00

    Die Debatte ist langsam deutlich entfernt von der Frage der Benennung von Kasernen… und wird sehr grundsätzlich?

  • klabautermann   |   16. Mai 2017 - 11:11

    @Memoria

    Der InspM hat einfach bis zur Neufassung des Traditionserlasses alle Büsten entfernen lassen, denn der neue Erlass könnte die Nachhaltigkeit des MSM-Aula-Umgestaltungskonzeptes aus 2016 („Wir wollen unsere Vergangenheit nicht verleugnen, nicht verschweigen und nicht verdrängen, wir werden sie auch weiterhin darstellen““, sagte Flottillenadmiral Carsten Stawitzki, der heutige Kommandeur der Marineschule Mürwik und ergänzt: „“Aber wir werden jetzt das in den Mittelpunkt rücken, was unser Selbstverständnis ausmacht: Die preußischen Reformer, den Widerstand im Nationalsozialismus sowie unsere eigene Tradition“) in Frage stellen – und das ist in der Tat imho „sinnvoll“, denn die öffentliche (Wahlkampf)Debatte nimmt langsam hysterische Züge an…und Wahlkampf findet bitte außerhalb der Kaserne statt. Vielleicht werden die Büsten ja nach der Wahl wieder aufgestellt ;-)

  • Wa-Ge   |   16. Mai 2017 - 11:13

    @klabautermann | 16. Mai 2017 – 10:34
    „Ich kann einfach nicht verstehen, wie man ernsthaft im Jahre des Herren 2017 versuchen kann, die Wehrmacht oder einzelne Angehörige der Wehrmacht, die durch herausragende „soldatische Leistungen“ angebliche Vorbilder für die Soldaten der BW seien, von dem nazionalsozialistischen Regime und seiner menschenverachtenden Diktatur, die sich letztlich sogar gegen die eigene Bevölkerung gerichtet hat, „intellektuell“ trennen kann.“

    Schon aus Eigeninteresse des Soldaten ist dieses Verhalten mehr als nachvollziehbar. Wenn ausschließlich politische Gründe für eine Ehrung bzw. nicht Ehrung sprechen würden, wären die 60 Jahre BW-Tradition bei einem Regierungswechsel unter Umständen dann auch nicht mehr traditionswürdig.
    Die BW ist eine Parlamentsarmee und keine politische Armee!

    „Rommel hatte wenigstens soviel Ehre im Leib, dass er sich die Kugel gegeben hat nachdem er von den Nazis kaltgestellt worden war. “

    Was erzählen Sie da?
    Rommel hat sich nicht die Kugel gegeben weil er von den Nazis kaltgestellt wurde, sondern weil ihm ganz deutlich zu verstehen gegeben wurde, entweder er begeht Suizid oder auf Ihn und seine Familie wartet eine ähnliche Zukunft wie auf die aktiven Widerständler.

  • Hans Dampf   |   16. Mai 2017 - 11:23

    @ T.W.

    Das stimmt, die Debatte ist nunmehr sehr grundsätzlich, aber zeigt doch auch, dass es mit einem „da müssen wir ran“ nicht getan sein kann; zumindest meiner Meinung nach nicht.

  • joey   |   16. Mai 2017 - 11:38

    man kann immer wieder fragen, warum man denn so gerne auf dem historisch so verminten Gebiet der Truppenangehörigen 33-45 benannt hat, ob Lent Kaserne oder Lütjens Zerstörer. Gibt es in der deutschen Militärgeschichte keine anderen Quellen?
    Na, welche Verbrechen haben die Staufer begangen? Egal, ist Mittelalter, 30 jähriger Krieg wird dann schon wieder gefährlich…

    Die Geografie war ja schon immer unverdächtig, wer will denn nicht mal in der Bayerwaldkaserne Urlaub machen…-) Da kann man dann auch gleich am Namen rausfinden, wo denn die Liegenschaft ungefähr zu suchen ist.

    Bei Marineschiffen kommen mir die „Bayern“ und sonstige eindeutigen Binnennamen dann doch wieder lustig vor, die Thetis Klasse fand ich schön benannt… Göttinnen kommen heutzutage ja kaum mehr vor, jedoch eine „von der Leyen“ Kaserne (benannt nach den Fürsten vdL) wäre heute irgendwie …

  • Memoria   |   16. Mai 2017 - 11:45

    @klabautermann:
    Die Entfernung aller Büsten einschl. von Persönlichkeiten mit eindeutigem Bezug zum Widerstand (Kranzfelder) und keinem Wehrmachtsbezug (Wellershoff) halte ich da jedoch schon überzogen. Dies schützt die MSM nicht vor Wahlkampf, sondern offenbart ein wirkliches Haltungsproblem an der Spitze der Marine. Lieber alles weg, damit man sich nicht angreifbar macht. Auch wenn es Persönlichkeiten betrifft die mit diese Büste erst seit letztem Jahr in dieser Form geehrt werden. Ein sehr seltsamer Umgang mit Tradition.

    Zumal der aktuelle Insp M die derzeitige Umgestaltung der Aula ja angestoßen hat und aktuell noch der aktuelle Traditionserlass gilt.

    Selten wurde vorauseilender Gehorsam so deutlich.
    Die Botschaft bei dem Offizieranwärtern bezüglich Innere Führung ist bestimmt angekommen.

  • Sommerbiwak   |   16. Mai 2017 - 11:49

    Abseits der Diskussion um Lent Kaserne oder nicht Lent Kaserne oder die Grundsatzdebatte, die sich hier entspinnt.

    Die Photographie aus dem Bundesarchv im Kopf des Artikels ist großartig in ihrer absurden Albernheit. Das Podest (vermutlich ein LKW-Anhänger?) verkleidet mit Reichskiegsflaggen all überall. Das sieht sowas von albern aus. Wie auch Hitler und „die Bewegung“ etwas albernes hatte wenn sie Hakenkreuze und Flaggen überall anbrachte, aber nichtsdestotrotz offenbar sehr gefährlich wie die Geschichte zeigt und deswegen ernst zu nehmen war. Eigentlich eine kleine Lektion in Aufmerksamkeit, daß die Dinge anders sind als sie scheinen.

  • TobyR   |   16. Mai 2017 - 11:55

    @ T.Wiegold

    Es geht ja auch um Grundsätzliches. Wobei ich hier jetzt in keinen Exkurs zum Thema ‚Strategic Bombing‘ und seine Abwehr einsteigen wollte, aber da vielleicht erfahrungsgeprägt gewisse Schnappreflexe entwickelt habe.

    @ klabautermann

    Noch ein bißchen Nitpicking: ‚Die Kugel‘ hat sich Rommel überhaupt nicht gegeben, Er hat – wie von Wa-Ge korrekt ausgesagt, erzwungenen – Suizid mit Hilfe des dafür von den ‚Vollstreckern‘ bereitgestellten Giftes begangen. Die ‚offizielle‘ Todesursache musste schließlich zumindest einer extrem oberflächlichen Prüfung standhalten können, was bei einer offensichtlich selbst beigebrachten Schußverletzung nicht der Fall gewesen wäre.

  • Karl Mohr   |   16. Mai 2017 - 11:59

    Hans Dampf
    weil Sie mir selbstgefällige Haltung attestieren wollen:
    Die „Reichskriegsflagge ist ein Symbol, deshalb wurde ihre Gestaltung auch an die „Neue Zeit “ Angepasst. Ja gefügiges Werkzeug, zu dieser Einschätzung stehe ich, weil ich durchaus auch im historischen Kontext einordne.

    Auch z.B. Kammhuber und die sog. beer-order: eindfach mal googeln.

    Und es hat auch Bezüge bis in die Gegenwart, wenn heute Jagdpiloten „die einfach nur fliegen wollen“ von einem Minister der Abschuß von Zivilflugzeugen befohlen werden soll.
    Haltung setzt Reflektion und Gewissen voraus, egal wie man sich entscheidet.
    Und diese Entscheidungsfähigkeit und moralisch- sittliche Verantwortung sollten die Nachgeborenen auch ihren Vorfahren nicht absprechen.

  • klabautermann   |   16. Mai 2017 - 12:17

    @Wa-Ge

    Das Thema Rommel ist sehr komplex. Und in der Tat hat sich Rommel nicht die Kugel gegeben, sondern hat unter Zwang eine Zyanidkapsel geschluckt.
    Die persönliche Tragik von Rommel ist imho in diesem Artikel ganz gut erfasst:
    http://www.spiegel.de/kultur/tv/ard-film-rommel-familie-empoert-ueber-wuestenfuchs-drehbuch-a-786803.html
    Rommel war weder Held der Wehrmacht noch Held des Widerstandes – und für mich persönlich ist er ein gutes Beispiel darfür, dass er – trotz der spätern „Erkenntnis“ einem Verbrecher gedient zu haben – allein schon durch seine Befehlsverweigerung bei El Alamein und dem geordneten Rückzug bewiesen hat, dass er auch im heutigen Verständnis der InFü ein Vorbild sein kann – man muß das nur in die richtige Perspektive rücken.

  • Memoria   |   16. Mai 2017 - 12:40

    @klabautermann:
    Man kann nur hoffen, dass gerade mit Blick auf Rommel eine sachliche Diskussion möglich ist.

    Über die Kasernennamen wird es hier ja dann bald eine Festlegung geben müssen.

    Deswegen sind Kasernennamen für Politiker ein so schwieriges Thema: Es sind binäre Entscheidungen erforderlich.

  • Auslandsdiener   |   16. Mai 2017 - 12:50

    Dem Blogbetreiber sei ausdrücklich gedankt für die Gelegenheit des Gedankenaustausches, wo endlich die Vielfalt der Meinungen auf den virtuellen Tisch kommt. Das gewählte Bild ist daher hervorragend geeignet, die Diskussion zu begleiten, da es den Wesenskern trifft – ergötzen wir uns an Äußerlichkeiten oder wollen wir verstehen. Wenn Lent als erfolgreicher Soldat im Krieg nicht als Namensgeber taugt, General Heusinger aber schon, fällt mir die Differenzierung schwer – der letztere hatte lediglich die Gnade erfahren zu überleben und in den Dienst der Bw zu kommen, während der Erste im Krieg fiel.
    Der Kern der Frage scheint mir zu sein: erlaubt man den Soldaten eine soldatische Tradition im Sinne militärischer Erfolge? Und zwar nicht „Ey, cooler Typ der Wehrmacht“, sondern in Verbindung mit einer kritischen Auseinandersetzung. Kasernennamen sind dafür hervorragend geeignet.
    Das Abhängen von Bildern oder anderen ähnlichen Gegenständen ist nur wieder eine Überreaktion von Befehlsempfängern, die die Diskussion- auch mit/in der Öffentlichkeit- scheuen oder die eigene Vergangenheit nicht wahrhaben wollen – siehe UniBwHH. Verbote haben wie Mauern noch nie geholfen. Wenn man es ernst meint mit mehr PolBil, dann sollten die Kasernennamen und weiteres bestehen bleiben.

  • Sachlicher   |   16. Mai 2017 - 12:58

    @klabautermann | 16. Mai 2017 – 10:34
    Wer keine Schuld hat, der hat nicht unbedingt Ehre….
    Welche Schuld meinen Sie? Juristische, moralische, religiöse?

    Nicht, dass Sie mich falsch verstehen:
    Ich verstehe Sie durchaus, wenn Sie darauf abstellen, dass eine militärische Leistung in der Vergangenheit alleine zwar ausreicht, um sich im geschichts- und militärwissenschaftlichen Unterricht damit zu befassen aber nicht, um tradiert zu werden. Das sehe ich grundsätzlich auch so. Darauf hatte ich mehrfach im Zusammenhang mit Erich von Manstein hingewiesen.

    Die Kameradinnen und Kameraden Militärhistoriker der Bundeswehr haben diesbezüglich den Sachverstand und publizieren diesen. Insofern ich zu Helmut Lent gar keine Meinung, auch: weil keine näheren Kenntnisse zu dem Mann habe, ich mich zumindest auf diese Fachleute abstützen, würde wie ich sie immer in ihrer Kompetenz in solch gelagerten Mediationsverfahren einbinden würde.

    @klabautermann | 16. Mai 2017 – 11:11
    Mit Verlaub, aber Opportunismus innerhalb eines demokratischen Regelsystems sorgt für die Entfernung eines Widerstandskämpfers (Alfred Kranzfelder) innerhalb eines Unrechtssystems -den man in der Kemptener Zivilgesellschaft als gedenkwürdig betrachtet- die Entfernung eines Mannes, der dem Revanchismus ggü jenem Widerstandskämpfers eine Abfuhr erteilte (Rolf Johanesson) und eines Mannes, der aufgrund seines Geburtstermins Zeit seines Lebens in der Bundeswehr diente und es bis ins Spitzenamt schaffte (Dieter Wellershoff)?!

    Wow. Und damit ziehen wir unseren Soldatennachwuchs groß?! Ich nehme zur Kenntnis, dass wir also aufgegeben haben. Wir haben damit aber gar nicht mehr das moralische Recht, über Namensgeber heutiger Kasernen zu debattieren.

    siehe http://augengeradeaus.net/2017/05/traditionserlass-wird-vor-der-wahl-ueberarbeitet-und-spd-geht-auf-konfrontationskurs/#comment-269014

    Na ja, Memoria hatte ja dazu bereits dankenswerterweise ausgeführt.

  • MarderMüller   |   16. Mai 2017 - 13:02

    Ich bin nun ja, um es nicht an guten Sitten mangeln zu lassen, erstaunt über die meisten Beiträge zu diesem Thema.
    Erwin Rommel – der am Meisten von den Alliierten geschätzte Truppenführer des zweiten Weltkrieges – wird als ehrloser Nazi hingestellt. Er hat sich im Beisein von Gestapo – Schergen das Leben genommen um seine Familie zu schützen.
    Von Tresckow, Speidel, von Stauffenberg, de Maiziere und viele andere – alles Nazi´s derer man nicht Gedenken sollte? Was bilden Sie sich ein über so viele Menschen die ihr Leben gegeben oder mindestens riskiert haben zu richten.
    Alle fünf Millionen oder mehr – deutsche Soldaten mit übelsten KZ – Wächtern gleichzusetzen raubt mir den Atem.

  • klabautermann   |   16. Mai 2017 - 13:31

    @Sachlicher

    Ihre Frage nach „welcher Schuld“ müssen sie an H.Schmidt richten, vermutlich meinte er, dass Schuld und Ehre nicht gegeneinander aufwiegbar sind. So habe ich ihn jedenfalls verstanden.

    Zum Thema Aula Marineschule lesen sie bitte noch einmal meinen Kommentar. Der InspM hat goar keine Namen „getilgt“, Und auch für die Namensgebung von Kasernen der BW gilt das/der Primat der Politik und so lange die politische Debate über Tradition und Namen tobt, geht man als Marinesoldat eben auf Tauchstation. Die jungen Soldaten an der MSM werden schon keinen Schaden für ihr Berufs-/Leben erleiden, wenn man sie von dieser Debatte gerade in Wahlkampfzeiten quasi beschützt. So langsam wird die Diskussion über Büsten und Bilder etwas lächerlich.
    Der Kranzfelder Hafen heißt übrigens noch immer Kranzfelder Hafen, und mir ist keine Initiative der Marine bekannt, dass der auch umbenannt werden soll.

  • Hans Dampf   |   16. Mai 2017 - 13:31

    @ Karl Mohr:

    Mir ist die Gestaltung der Reichskriegsflagge von 1935 – 1945 durchaus geläufig. Sie verbindet im Wesentlichen klassische Elemente der Reichskriegsflagge, die zurück auf die 1860er Jahre geht, mit dem Hakenkreuz, dem Symbol des nationalsozialistischen, neuen Deutschland. Exakt dies war ja auch von Hitler so beabsichtigt, siehe „Tag von Potsdam“.
    Man sieht auf dem Bild mehrere Offiziere/Piloten, die auf einem mit Reichskriegsflaggen dekorierten Podest stehen. Nicht mehr – und nicht weniger. Sie entwerfen daraufhin das Bild des Opportunisten, des karrieregeilen Offiziers, der sich seine fliegerischen Leistungen von „der Politik“/“der Luftwaffe“/“dem Führer“ in Geld, Beförderung und Prestige bezahlen lässt. Es mag so sein, dass er so war, ich weiß es schlichtweg nicht – dies aus diesem Bild zu schlussfolgern, ist jedoch in meinen Augen schlicht unzulässig.

  • TobyR   |   16. Mai 2017 - 14:04

    @ T. Wiegold

    Die Online-Präsenz einer bekannten rechtskonservativen Wochenzeitung* meldet

    „Überall werden derzeit in Einrichtungen der Bundeswehr Stahlhelme, Panzermodelle, Wandbilder, historische Waffen und Uniformen, Regimentsabzeichen und Orden entfernt. Die Soldaten wurden darüber belehrt, daß die Einheiten Memorabilien aus der Zeit von 1933 bis 45 nur noch in zuvor genehmigten Sammlungen besitzen dürfen. Reine Dekorationsgegenstände sind verboten, auch wenn es sich um Geschenke anderer Einheiten handelt. Auch dürfen in den Dienstzimmern keine Fotos mehr von Verwandten oder Vorfahren hängen, auf denen diese in Wehrmachtsuniformen abgebildet sind.“

    Berichtet wurde auch, dass aus dem Bundeswehrkrankenhaus Westerstede die Rotkreuzflagge des letzten Verbandplatzes, den es 1945 in Berlin gab, entfernt wurde; dass weiterhin in Hammelburg eine Darstellung Rommels, über den hier ja auch schon geredet wurde, übermalt wurde.

    Könnten Sie wohl nachhaken, was jetzt genau angewiesen wurde und welchem Prinzip diese Aktionen folgen?

    * Und nur fürs Protokoll, ich informiere mich bei Blättern, die ein weites politisches Spektrum umfassen.

  • Wa-Ge   |   16. Mai 2017 - 14:39

    @klabautermann | 16. Mai 2017 – 13:31

    „Und auch für die Namensgebung von Kasernen der BW gilt das/der Primat der Politik und so lange die politische Debate über Tradition und Namen tobt, geht man als Marinesoldat eben auf Tauchstation. Die jungen Soldaten an der MSM werden schon keinen Schaden für ihr Berufs-/Leben erleiden, wenn man sie von dieser Debatte gerade in Wahlkampfzeiten quasi beschützt.“

    Man könnte da auch Duckmäusetum erkennen, was aber sicherlich nicht Ziel der Marineoffiziererziehung ist.

    Generell sollte man Offiziere und Offizieranwärter nicht vor Debatten schützen sondern Sie ermuntern sich daran zu beteiligen. Hat man nicht genau deshalb die Rolle der FüAk erst vor kurzem aufgewertet?

  • Hans Schommer   |   16. Mai 2017 - 14:58

    Zum Aufreisser: Für meine Frau sieht das so aus: „Man meint ja, die stehen auf einem Sarg“.
    „Stimmt“ – sag ich.
    Und die Auswahl des Fotos in Bezug gesetzt zur Überschrift find auch ich voll daneben – aber wen interessiert’s?
    Hans Schommer

  • Memoria   |   16. Mai 2017 - 15:01

    @klabautermann:
    Die Führung geht auf Tauchstation, da sie es nicht nur zulässt, sondern aktiv die Wegnahme von traditionswürdigen – und auch in allen Äußerungen der Ministerin als weiterhin traditionsstiftenden bezeichneten – Fälle anweist.
    Auch wenn diese nur vorübergehend ist, damit entsteht doch nur noch mehr Unsicherheit in Traditionsbereichen, die seitens der politischen Leitung nicht einmal ansatzweise in Betracht gezogen wurde.

    Da ist für mich der vorgeblichen Schutz der Soldaten vor parteipolitischer Hysterie kein schlüssiges Argument.

    Die Hysterie entsteht in weiten Teilen durch die Erteilung solcher aktionistischer Weisungen durch die militärische Führung.

    Aber da werden wir wohl nicht einig werden. Ist auch nicht schlimm, gibt mir aber einen tiefen Einblick in verschiedenes Verständnis von Führung. Auch was gelernt.

  • Bow   |   16. Mai 2017 - 15:10

    Bei allem, was hier geschrieben wurde, der Kernpunkt ist doch der:
    Darf eine Armee der Bundesrepublik Deutschland sich in irgendeiner Tradition sehen?
    Meine Antwort:
    Ganz klar JA!
    Die Bundeswehr wurde ja gegründet in der Zielsetzung der „Reichswehr“ vor dem Hintergrund der Perversion zur nationalsozialistischen „Wehrmacht“.
    Die Offiziere, die am 05.05.1955 in Andernach einrückten und der überwiegende Teil der Unteroffiziere und Mannschaften, rekrutierte sich ja aus ehemaligen Mitgliedern der Reichswehr/Wehrmacht.
    von daher steht die Bundeswehr schon rein personell in direkter Tradition.
    Die Taktiken, die Struktur etc. ebenfalls.
    Was aber die Bundeswehr zur Bundeswehr macht, sind u.a. die „Innere Führung“, den Wehrbeauftragten und das Fehlen einer direkten Militärgerichtsbarkeit.
    Diese sind ja in direktem Gegensatz zur Reichswehr/Wehrmacht entwickelt worden, um solche Auswüchse wie zwischen 1935 und 1945 zu verhindern.

    Vor diesem Hintergrund verhält sich die Bundeswehr zur Reichswehr/Wehrmacht, wie ein Kind zu seinen Eltern, das Teile der Werte übernimmt, die es für gut hält; anderes aber kritisch hinterfragt und ablehnt.

    Und daher steht die Bundeswehr klar in der Tradition. Teils als Legat – teils als Bürde!

  • Marc K.   |   16. Mai 2017 - 15:31

    Auf der offiziellen Homepage der Bundeswehr wurde der Prozess zur Kasernenbenennung nochmal aufgegriffen und die Vorschriftenlage so dargestellt, wie es auch hier in den Kommentaren bereits getan wurde:

    https://tinyurl.com/lbelro9

  • Koffer   |   16. Mai 2017 - 15:49

    @Bow | 16. Mai 2017 – 15:10
    +1

    Der damalige Bundespräsident Köhler sagte hierzu in 2005 treffend:
    „Die Bundeswehr hat ihre eigene gute Tradition, und sie pflegt die Tradition ihrer Vorgängerarmeen, getreu dem Apostelwort (Paulus) an die Thessalonicher, 5, 21: Prüfet alles. Das Gute behaltet.“

    Ergänzen kann man das dann sicherlich noch mit dem anschließenden Bibelwort „Meidet das Böse in jeder Gestalt.“ Aber das verändert die Aussage Köhlers nicht wesentlich…

  • iltis   |   16. Mai 2017 - 16:31

    Fremdschämen ist einem inzwischen ja beinahe zur zweiten Natur geworden.. Aber ich gewöhn’n mich schon noch dran.

    Aber eins scheint mir doch noch der Erwägung wert, wenn es um Kriegsschuld und die Frage alliierter (und sonstiger) Kriegsverbrechen geht. Bei 80 Millionen oder wievielen Deutschen fällt es schwer, das Individuum im Auge zu behalten.

    Da ist es tragisch genug, wenn eine Bombe ein Wohngebiet als Kollateralschaden trifft und damit an der Situation vollkommen Unschuldige tötet. Ein Wohngebiet als Ziel auszusuchen, ist eine ganz andere Sache. Und alleine die durch Geburt bestimmte Herkunft aus dem Volke X oder Y berechtigt niemanden, dem Individuum eine Schuld zuzuweisen und damit zu sagen: Selber schuld.

    Das wäre aus meiner Sicht dann Sippenhaft, die niemals menschlich sein kann. Das muß man auch jenen ins Stammbuch schreiben, die Wohngebiete oder zivile Einrichtungen nutzen, um militärische Einrichtungen dort unterzuziehen.

  • Sailor   |   16. Mai 2017 - 17:03

    Passend zur aktuellen Debatte der Titel heute erschienenen Fortsetzung von „Die Rekruten“:

    Keitel is back!

    Ich musste ein wenig schmunzeln ;-)

  • Hans Schommer   |   16. Mai 2017 - 17:10

    Vorbemerkung an den Hausherrn: Was ich im Folgenden schreibe, ist wahr und vollumfänglich zitierfähig!
    @ Marc K. | 16. Mai 2017 – 15:31
    Diese „Vorschriftenlage“ galt auch schon im Jahre 2000, als die Rüdel-Kaserne in Rendsburg umbenannt wurde. Das war da aber schon reine Theorie und nicht das Papier wert, auf dem es geschrieben stand
    Der Kommandeur der Heeresflugabwehrschule und sein Kasernenkommandant haben damals der Wahrheit zuwider dem Ministerium das Einverständnis der Truppe zur Namensänderung gemeldet. Dazu ist zu bemerken, dass das mit dem vorgeschriebenen Akt der Meinungsbildung vorgesehene Prozedere überhaupt nicht stattgefunden hat. Zwei Stabsoffiziere und – wenn ich recht erinnere – ein Hauptmann hatten sich mittels der Vertrauensperson der Offiziere empört. Und wurden beim Kasernenkommandant – Oberst und Stv. Schulkommandeur – einbestellt. Mangelnde Loyalität, Querulantentum und fehlende Weitsicht – alles wurde in einem willkürlich erscheinenden Mix unterstellt. Und politischer Druck geltend gemacht.
    Letztlich traten die Zweifler an Richtigkeit und Rechtmäßigkeit der Namensänderung dann ab – und schwiegen.
    Zumindest der Name eines der Männer, die damals weder die Kraft noch den Willen aufbrachten, ihre Überzeugung in die Öffentlichkeit zu tragen und dem Unrecht die Stirn zu bieten, soll genannt werden:
    Oberstleutnant Hans Schommer
    Und ich schäme mich für meine Unentschlossenheit und hoffe, dass die Offiziere und Unteroffiziere, die heute die Linie bilden, mehr Schneid beweisen.
    Hans Schommer

  • Obermaat   |   16. Mai 2017 - 17:38

    @joey | 16. Mai 2017 – 11:38
    „man kann immer wieder fragen, warum man denn so gerne auf dem historisch so verminten Gebiet der Truppenangehörigen 33-45 benannt hat, ob Lent Kaserne oder Lütjens Zerstörer. Gibt es in der deutschen Militärgeschichte keine anderen Quellen?
    Na, welche Verbrechen haben die Staufer begangen? Egal, ist Mittelalter, 30 jähriger Krieg wird dann schon wieder gefährlich…

    Die Geografie war ja schon immer unverdächtig, wer will denn nicht mal in der Bayerwaldkaserne Urlaub machen…-) Da kann man dann auch gleich am Namen rausfinden, wo denn die Liegenschaft ungefähr zu suchen ist.“

    Dann brauchen wir aber nicht so weit zurückzugehen. Das viel gelobte Preussentum hat ja wohl ab 1865 auch für einige Kriege gesorgt, die uns bis heute beschäftigen. Und nicht nur in diesem Forum. Räumt die IBUK da gleich mit auf, oder begrenzen wir das nonchalant auf die Wehrmacht?

  • blücher   |   16. Mai 2017 - 17:43

    Hier lesen doch auch einige österreichische Kameraden mit oder zumindest Leute mit integrierter Erfahrung.

    Wie handhabt das Bundesheer betreffenden heiklen Spagat denn? Gibt es da eine entsprechende Vorschrift, äquivalent zur InFü und zum Traditionserlass?

    Eine kurze Recherche im Bezug auf die Namensgebung der Offz.Jahrgänge scheint mir zu ergeben, dass das Verständnis da vom Türkenkrieg bis heute (Ausnahme WK II) sehr ungebrochen scheint.

    https://de.wikipedia.org/wiki/Ausmusterungsjahrg%C3%A4nge_der_Theresianischen_Milit%C3%A4rakademie

  • Sakrileg   |   16. Mai 2017 - 22:14

    Jetzt ganz sakrileghaft (und zugegebenermaßen auch provokant) gefragt, aber was spräche denn gegen eine Benennung einiger Kasernen zB nach Deserteuren aus der Wehrmacht?

    Ich kann mir natürlich vorstellen, dass der ein oder andere da nicht drauf erpicht wäre, aber wären dort nicht durchaus Vorbilder – jedenfalls in Hinblick auf eigenes Denken und moralische Handeln – zu finden, sofern(!) man auch dort den Einzelfall prüft? Ich bin leider kein Experte was die Thematik angeht, aber hier (https://de.wikipedia.org/wiki/Strafdivision_999) ließen sich doch sicherlich Personen finden, die vorbildhaft sein können.

    Oder wäre das Stigma des „im Stich lassen“ von Kameraden zu groß?

    Auch die Idee einer Scholl-Kaserne wurde hier ja schon angesprochen, aber leider nicht weiter aufgegriffen, soweit ich das überblicke.

  • Nikom   |   16. Mai 2017 - 23:21

    Das Audimax der Sanitätsakademie der Bundeswehr in München ist nach Hans Scholl benannt. Weitere Benennungen sind mir nicht bekannt.

  • 0815   |   17. Mai 2017 - 0:31

    @Hans Schommer | 16. Mai 2017 – 17:10
    „Und politischer Druck geltend gemacht“
    Was darf man denn darunter verstehen? Wurde es etwa am Ende doch politisch?

    Herr Schommer,
    aus Gesprächen der letzten Tage in Bezug auf Umbenenung von Liegenschaften und der Traditionspflege in der Truppe ergibt sich aus der Schlammzone folgendes Bild:

    – eine Redestunde (politische Bildung sollte es partout nicht heißen) mit allen Soldaten einer Einheit wurde verboten, um jeglichen Anschein des Widerstandes (Ungehorsam) aus der Schlammzone von Anfang an zu unterdrücken. (Absurd!)
    Jemand könnte dies ja nach oben melden! Innere Führung?

    – Gespräche wurden zumeist im“ Kreis des Vertrauens“ geführt (diverse Erlebnisse Schweissen halt doch zusammen!),um mögliche Denunzianten nicht mit Munition zu versorgen. 《Klingt schon wieder etwas konspirativ 》

    – das Verhalten der Übergeordneten Führung zum Thema Tradition und Umgang mit Geschichte sowie den angekündigten „schonungslosen Säuberungen“ wird „unten“ sehr sehr genau beobachtet.

    – als mögliche Kasernennamen wurde Blumenkaserne oder Wohlfühlkaserne genannt. Die restlichen Ergebnissse spare ich mir, wobei der Name Titanic- Kaserne auch interessant klingt.

    – die allerwenigstens mit Frau,Kind,Haus und Kegel haben in Anbetracht des Kahlschlages von Personal a la Standort XY…..Lust unter die Guillotine zu geraten, da nicht mehr genug Tamponade vorhanden ist um die Blutungen zu stoppen, und einfach die Schnauze halten werden!
    Das Thema Umbenennung von Kasernen ,Tradition gestern und heute, wird uns noch mehr beschäftigen als wir bisher erwarten!

    $

  • TobyR   |   17. Mai 2017 - 12:28

    @ Sakrileg

    Gegenfrage: Welche Tugenden, die auch für die heutigen Soldaten relevant sind, sollen denn mit Deserteuren als Vorbildern hochgehalten werden?

    Bei den Benennungen nach Rommel, Lent oder anderen ist die Sache ja klar: Einsatzbereitschaft, Tapferkeit, Leistungsfähigkeit. Ob diese recht unzweifelhaft durch die genannten Personen verkörperten Eigenschaften es angesichts des historischen Kontext rechtfertigen, sie als Vorbilder auszuzeichnen, ist diskutabel.

    Schon mit den militärischen Widerständlern – die ja nicht umsonst von der linken Seite des politischen Spektrums immer wieder angegriffen werden – hatte die Politik schon immer ein gewisses verdruckstes Problem, weswegen die Bezugnahme auf diese Leute auch so formelhaft und oberflächlich ist. Widerstand gegen eine als verbrecherisch erkannte politische Führung kann eigentlich nur in der hypothetischen Vergangenheit gutgeheißen werden, weil die politische Führung nach ihrem eigenen Verständnis nicht verbrecherisch handeln kann und demzufolge Ungehorsam des Militärs im heutigen Kontext niemals legitim sein kann oder darf.

    (Auch wenn Helmut Schmidt sich sicher war, dass die Bundesrepublik niemals ihre Soldaten ‚mißbrauchen‘ würde: Zahlreiche Beispiele von dem in diesem Zusammenhang erwähnten ‚Strategic Bombing‘ über den Algerienkrieg und Vietnam bis zu völkerrechtswidrigen nahöstlichen ‚Interventionen‘ der letzten Jahrzehnte belegen, dass auch gefestigte demokratische Gesellschaften den politischen Willen zu glasklar verbrecherischer Kriegführung hervorbringen können.)

    Aber um zu den Deserteuren zurückzukommen. Meiner Beobachtung nach werden solche Forderungen regelmäßig von Leuten erhoben, welche die Bundeswehr im Speziellen und deutsches Militär im Allgemeinen ablehnen (teilweise regelrecht hassen) und bei denen auch nicht zu erkennen ist, dass sie diese Einstellung jemals ändern werden. Die Bundeswehr hat meiner Meinung nach nichts zu gewinnen, indem sie sich bei Leuten anbiedert, die sie beseitigen wollen.
    Deswegen läuft meine oben erwähnte Gegenfrage auch darauf hinaus, was solche Umbenennungen für die Bundeswehr Positives erbringen kann – statt für ihre Kritiker.

    P.S.: Falls ich mehr Rechtschreibfehler als gewöhnlich hatte, bitte ich dies nachzusehen. War gerade wieder beim Augenarzt und kann mein Getippe selber nur verschwommen wahrnehmen.