Twitter-Liveticker aus dem Krieg


Es gab eine Zeit, da war die befremdlichste mediale Vorstellung von einem Krieg, er könne live im Fernsehen übertragen werden. Inzwischen sind wir einen Schritt weiter. Die heute begonnene Militäraktion Israels gegen die militante Hamas im Gaza-Streifen wird von beiden Seiten auf sozialen Netzwerken (fast) in Echtzeit in alle Welt übertragen.

(Nachtrag: Inzwischen hat Youtube dieses Video gesperrt, weil es gegen die Nutzungsbedingungen verstößt… aber es findet sich natürlich weiterhin im Internet. Danke für die Leserhinweise!
Nachtrag 2: Das Video war zwischenzeitlich weg und ist mittleweile wieder da. Laut Youtube wurde es irrtümlich entfernt.)

Die Aktion begann heute nachmittag mit einem Drohnenangriff der Israelis auf den Militärchef der Hamas, Ahmed Jabari, den Israel für Terrorangriffe verantwortlich macht. Von diesem Angriff gibt es oben stehendes Video – auf Youtube. Und beide Seiten halten die Welt via Twitter – auf Englisch – auf dem laufenden. Inzwischen ist das so lang, dass es hier nur zum Teil angezeigt wird, die komplette Übersicht gibt es auf Storify):

67 Kommentare zu „Twitter-Liveticker aus dem Krieg“

  • iltis   |   16. November 2012 - 0:03

    Peter Scholl-Latour hat sich in einigen Büchern intensiv mit dem Konflikt beschäftigt. Auch Bücher, die 20 Jahre alt sind, können da immer noch lehrreich sein

  • Elahan   |   16. November 2012 - 8:28

    @iltis
    “Seit gut 3000 Jahren gehen sich Araber (Ismaeliten) und Israelis (Israeliten) gegenseitig an die Gurgel. Mit durchaus wechselndem Erfolg, wobei die Israeliten in der Regel die Gekniffenen waren”

    Nur, dass die Israelis von heute mit den Israeliten von damals (aus z.T. den Glauben, denn nicht jeder Israeli ist auch Jude) nichts gemein haben, noch nicht einmal die ethnische Herkunft.

    Genau so könnte man behauten, dass Pruzzen (Preußen) seit 1000 Jahren von den Germanen verfolgt werden und nun endlich aus der Diaspora im Westen wieder nach Königsberg einreisen und den Russen das Land nehmen. Ich hoffe nur, dass die vor 2000Jahren vertriebenen Kelten nicht mehr nach DEU wandern. Da wird Glaube zu einem verbindendem Element mit nationalen Ansprüchen! Wer Glaube, ethnische Herkunft und Staatsbürgerschaft verbindet, wird nie Ruhe haben und Unrecht verursachen.

  • Stefan H.   |   16. November 2012 - 9:37

    @Stefan
    “Übersättigung” der Verteidigung ist ein klassisches Problem, da kann die Abfangwahrscheinlichkeit für die erste Rakete noch so hoch sein.
    Bei dem was da alles gekommen ist, könnten selbst die begrenzten Magazinkapazitäten einiger Launcher überfordert gewesen sein.

    Über 50 Raketeneinschläge weniger in besiedelten Gebieten in den letzten 24h ist in jedem Fall ein Fingerzeig auf einen Fähigkeitsgewinn, den man seit dem letzten Schlagabtausch erzielt hat. Richtig erstaunlich wird es, wenn man das Ergebnis mit dem geringen Grundpreis je Abfangrakete verknüpft.

    Wäre interessant, wie sich C-RAM unter diesen Bedingungen schlagen würde, bzw. ob man die Systeme (C-RAM/Iron Dome) ergänzend einsetzen könnte.

  • Stefan H.   |   16. November 2012 - 11:20

    Hier ein Auszug, allerdings einer zweifelhaften russischen Quelle:

    Andererseits beobachteten wir um 8:15 Israelischer Zeit neue intensive Raketenangriffe. Nahe Aschdod sahen wir vier Raketen, die allerdings vom israelischen Raketenabwehrsystem die „Eiserne Kuppel“ abgeschossen wurden. Übrigens ist es eine Neuheit, denn früher verfügte Israel über solch ein System nicht, es ist nur eineinhalb Jahre im Einsatz und erleichtert beträchtlich das Leben der Israelis. Denn das System ortet und schießt nur diejenigen Raketen ab, die unmittelbar zum Ort fliegen. In diesen vier Tagen wurden von diesem System über 150 Raketen abgeschossen. Man kann annehmen, dass jede Rakete teilweise ein potenzielles Menschenleben ist. Denn die Raketen waren auf dem Weg zu besiedelten Orten.

  • chickenhawk   |   16. November 2012 - 12:05

    iltis | 16. November 2012 – 0:00

    Möglicherweise haben wir es mal wieder mit dem Phänomen “Youth bulge” zu tun. Die palästinensische Fortpflanzungsrate ist deutlich höher als die der Israelis, daher ist mit einem Ende der Feindseligkeiten leider erst dann zu rechnen, wenn auf palästinensischer Seite der Überhang an arbeitslosen jungen Männern, die weder Land besitzen noch Arbeit noch Vermögen, abgebaut ist. Für den Libanon war das nach erheblichem Blutzoll die Lösung. Politischen Streit trägt man dort inzwischen durch Errichten einer Zeltstadt vor dem Parlament aus. Zynisch gesprochen: Zum Ballern ist einfach zu wenig Kanonenfutter übrig.

    Man muss sich mal die Bevölkerungsentwicklung im Gaza-Streifen anschauen:

    1945: 32.250 (das war allerdings vor dem starken Zustrom von Flüchtlingen 1948)
    1982: 100.272
    2009: 449.221

    Gaza hat die sechst-höchste Geburtenrate der Welt. Hätte sich zum Beispiel die Bevölkerung in Deutschland nach dem Krieg genauso entwickelt, so würden hier Hunderte von Millionen Menschen leben. Man darf auch nicht vergessen, dass Gaza entgegen der landläufigen Meinung durch die massive internationale Unterstützung (UNRWA) über ein vergleichsweise gutes Gesundheitswesen verfügt (die Keller der Krankenhäuser dienen der Hamas bekanntlich als Kommandozentralen).

    Wie (über Twitter…) zu erfahren war, werden selbst während des andauernden Konfliktes Palästinenser aus Gaza in israelischen Krankenhäusern behandelt.

  • Hans   |   16. November 2012 - 14:58

    Die Bevölkerung von Gaza ist im Schnitt ca 15 Jahre alt.
    Arbeitslosigkeit: Sehr hoch.
    Perspektiven: Eher keine
    Kein Wunder dass der Hass auf Israel groß und die Zustimmung für die Hamas riesig ist, zumal diese sich auch sozial sehr engagiert.
    Das Problem ist also ein großes und wird nicht beim diesen oder nächsten Einmarsch gelöst. Es gibt auch keine Möglichkeit die Leute in Lohn und Brot zu bringen, und selbst dass würde nicht verhindern dass sich die Bevölkerung alle paar Jahre verdoppelt und das Problem von neuem entsteht…

  • iltis   |   16. November 2012 - 15:44

    @elahan: stimmt zwar, daß Benny Netanyahu keinen lückenlosen Stammbaum bis zu Stammvater Abraham mehr nachweisen können wird, trotzdem gehört die Abstammung von Abraham bei beiden Bevölkerungsgruppen nun mal zur dortigen Folklore.

    Restitutionsansprüche führen immer zu Problemen, ob die Vertreibung nun 2000 Jahre zurückliegt oder 60. Rührt man das Ganze aber mit ein wenig religiösen Gedöns an, hat man schnell die kritische Masse erreicht.

    @chickenhawk: Zynismus on: Wenn man diese Zahlen mal so am Stück betrachtet, hat Israel noch ein gutes Stück Arbeit vor sich, zumindest wenn man die Youth Bilge Theorie als Tatsache nimmt. Im Libanon hat das auch nur geklappt, weil Israel lediglich den Katalysator spielen mußte. Den schmutzigen Rest haben andere erledigt.
    Zynismus off.

    Übrigens könnte man auch mal den Gedanken zulassen, ob die lange Friedensperiode in Mitteleuropa nicht vielleicht auch damit zusammenhängt, daß es zu wenige begeisterungsfähiges Potential für gewalttätige Auseinandersetzungen gibt – und was es bedeutet, wenn unsere Gesellschaft große Teile der Jugend von der Teilhabe am gesellschaftlichen Leben ausschließt. Ich könnte mir vorstellen, daß ein Zusammenbruch unserer sozialen Sicherungssysteme ungeahnte Folgen haben könnte. Das wird hier jetzt aber deutlich OT

    @Hans: Genau was Sie beschreiben, ist das Potential für einen ordentlichen Bürgerkrieg. In Gaza wird allerdings die kritische Masse im Inneren nicht erreicht, es bietet sich mit Israel aber ein äußerer Gegner an.

  • Hans   |   16. November 2012 - 15:57

    @iltis
    Die europäische Friedensepoche kann man sicher zu einem Teil darauf zurückführen, auch auf die Erfahrung von 2 gescheiterten Versuchen und die folgende geringe “Begeisterung”.
    Ich denke / fürchte wir können ein ähnliches Experiment bald in Griechenland und in Abschwächung auch in anderen Ländern erleben…

  • chickenhawk   |   16. November 2012 - 15:57

    Elahan | 16. November 2012 – 8:28

    Nur, dass die Israelis von heute mit den Israeliten von damals (aus z.T. den Glauben, denn nicht jeder Israeli ist auch Jude) nichts gemein haben, noch nicht einmal die ethnische Herkunft.

    Das wurde bisweilen behauptet, ist aber nicht wahr. Mittlerweile gibt es nämlich dazu Forschungsergebnisse:

    https://en.wikipedia.org/wiki/Jews#Genetic_studies

    (Das ist übrigens genau die Thematik, die Thilo Sarrazin in einer zugegeben verunglückten Äußerung in einem Interview mit der Welt 2010 ansprach. Interessant ist, dass dieser Punkt in dem deutschsprachigen Wikipedia-Artikel völlig ausgeblendet wird, im Gegensatz zu den anderen Sprachversionen).

  • iltis   |   16. November 2012 - 16:17

    Naja, es gibt political correctness und es gibt german political correctnes. Beides kann einem aufs Gemüt schlagen.

    @elahan: Bei Sarrazin muß man vor allen anmerken/kritisieren, daß er den Unterschied zwischen biologischer und sozialer Evolution entweder nicht kennt oder eben ignoriert. Interessant ist dabei eigentlich der Umstand, daß sich Israeliten und Ismaeliten seit 3000 Jahren auseinander entwickelt haben. Das ist biologisch aber kein sehr großer Zeitraum, sodaß durchaus von einem Bruderkrieg geredet werden kann.

  • chickenhawk   |   16. November 2012 - 16:31

    @ iltis | 16. November 2012 – 16:17

    Das Fass Sarrazin wollen wir lieber geschlossen halten. Es ging mir nur darum, auf die Verbindung aufmerksam zu machen.

    Hier übrigens ein Artikel aus der links-liberalen israelischen Tageszeitung Haaretz mit einem Titel, der in Deutschland einen kollektiven Blutsturz auslösen würde.

  • Orontes   |   16. November 2012 - 16:44

    Hier zur Abwechslung mal etwas schon vor einiger Zeit entstandene Propagandamusik der Hamas:

    http://www.aswatalislam.net/FilesList.aspx?T=Audio&C=Nasheeds&T1=Arabic%20Nasheed%20Collection%202\Dorrat+Al-Shohadaa2+D

    Ich weise auf diese nur zu Studienzwecken hin. Insbesondere den Titel “La lil Yahud” sollte man in Deutschland aus rechtlichen Gründen nicht öffentlich abspielen.

    @chickenhawk
    Die Hamas behauptet, daß die Mehrheit der in Israel lebenden Juden keine Nachkommen von Juden aus dem Nahen Osten seien, sondern Nachkommen von Chasaren aus dem Nordkaukasus, die irgendwann in größerer Zahl zum Judentum konvertiert seien. Das ist zwar nur eine Propagandabehauptung, zeigt aber, wie relativ die Argumentation mit Geschichte in solchen Konflikten ist.

  • chickenhawk   |   16. November 2012 - 17:08

    @ Orontes

    Das ist aber durchaus keine Erfindung der Hamas, sondern eine Theorie, die u. a. von dem israelischen Historiker Shlomo Sand von der Universität Tel Aviv vertreten wird.

    Mittlerweile stehen aber naturwissenschaftliche Methoden zur Verfügung, die zusehends leistungsfähiger sind. Da fühlen sich einige Historiker auf den Schlips getreten.

    Die Brisanz in der Diskussion über den Nahost-Konflikt ist natürlich gegeben.

  • Orontes   |   16. November 2012 - 18:14

    @chickenhawk
    Mit “Propagandabehauptung” meinte ich, daß es m.E. egal ist, wer die historisch korrekteren Argumente hat. Die Hamas wird die jüdischen Israelis kaum dazu überzeugen können, das Land freiwillig aufzugeben, während diese gleichzeitig die Palästineser davon überzeugen können werden, daß ihre Ethnie wie von israelischer Seite oft behauptet nur eine historische Fiktion sei.

  • iltis   |   16. November 2012 - 18:41

    @chickenhawk: Zitat: Das Fass Sarrazin wollen wir lieber geschlossen halten.

    Ei, ei, ei, wenn das nicht mal pc ist :-) Außerdem ist der Haaretz- Artikel verschollen. Oder nicht erreichbar.

    @Orontes: Das heißt dann doch, daß sie es auf jeden Fall ausschießen werden, oder? Vielleicht muß man sich in der Sache eine Runde Fatalismus genehmigen und zur Kenntnis nehmen, daß die ganze Nah-Ost- Diplomatie nichts als Zeit- und Treibstoffverschwendung ist. Wie schon mehrfach festgestellt, geht die Veranstaltung gerade ins vierte Jahrtausend. Warum sollten sie ausgerechnet jetzt damit aufhören?

  • chickenhawk   |   16. November 2012 - 19:01

    @ iltis | 16. November 2012 – 18:41

    Haaretz scheint im Augenblick, wie einige israelische Seiten, zeitweise nicht erreichbar zu sein.

    Der Artikel liegt auch im Google Cache.

  • Bendler-Blog » Blog Archive » BarCamp RheinMain - Vortrag Krieg im Netz   |   24. November 2012 - 16:11

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