6.000 Freiwillige sind noch da

Bevor Verteidigungsminister Thomas de Maizière zu seinem heutigen Weihnachtsbesuch in Afghanistan aufbrach, hatte er den Zeitungen der DuMont-Gruppe (u.a. Frankfurter Rundschau und Berliner Zeitung) ein Interview gegeben, in dem es auch um die Zahl der Kurzdiener ging, die nach Ende der Wehrpflicht zu dem so genannten Freiwilligen Wehrdienst bei der Truppe angetreten waren. Jeder vierte Freiwillige schmeisst hin, titelte heute die Berliner Zeitung, und wenn diese Zahl auch nicht falsch ist, war ich doch an einer etwas detaillierteren Zählung interessiert…

Verteidigungsminister Thomas de Maizière (r.) mit der FDP-Bundestagsabgeordneten Elke Hoff (M.) und PRT-Kommandeur Oberst Oswald Rosch im PRT Kundus (Foto: Bundeswehr/Rippel via flickr unter CC-Lizenz)

Also die Einzelheiten nach Angaben des Verteidigungsministeriums:

Zum Juli dieses Jahres waren 3.459 Freiwillig Wehrdienstleistende (FWD) angetreten, von denen 958 mittlerweile ausgeschieden sind – das entspricht 27,7 Prozent. 806 davon, 23,3 Prozent der Gesamtzahl, schieden auf eigenen Wunsch aus. 152, also 4,4 Prozent, mussten auf Wunsch der Bundeswehr gehen – sei es aus gesundheitlichen Gründen oder anderen Dingen, die gegen ihre Eignung sprachen.

Zum Oktober 2011 kamen 4.342 FWD. Davon sind 765 (17,6 Prozent) bereits wieder weg; 671 (15,5 Prozent) auf eigenen Wunsch und 94 (2,1 Prozent) auf Veranlassung der Bundeswehr.

Unterm Strich sind damit 2.501 Freiwillig Wehrdienstleistende aus dem Juli und 3.577 FWD aus dem Oktober weiterhin bei der Trupe, mithin gut 6.000, die in diesem Jahr den Dienst begonnen haben.

Wenn nun zum Januar kommenden Jahres gut 2.800 weitere FWD antreten, argumentiert das Ministerium, wird das angepeilte Ziel von mindestens 5.000 freiwilligen Kurzdienern pro Jahr auf jeden Fall erreicht.

Die Zahl deckt sich, natürlich, mit der Ministeraussage im Interview, dass fast ein Viertel der Freiwilligen innerhalb eines halben Jahres wieder gegangen sei. Ob die Zahl im Vergleich zu Ausbildungsstellen oder Jobs in der Privatwirtschaft hoch ist, habe ich so noch nicht prüfen können – laut de Maizière gehen da auch um die 25 Prozent. Und sein Argument, dass etliche sich zum Freiwilligen Wehrdienst melden, obwohl sie auf einen Studienplatz hoffen, und dann kurzfristig abspringen, hat ja auch einiges für sich.

Die Zahlen zeigen aber auch eines: Die 5.000 Freiwilligen pro Jahr klingen halbwegs realistisch. Die 15.000 pro Jahr, die auch mal im Gespräch waren, wären es so nie gewesen.

36 Kommentare zu „6.000 Freiwillige sind noch da“

  • Sun Tzu   |   21. Dezember 2011 - 18:07

    Mich würden in diesem Zusammenhang mal ein paar weitere Zahlen interessieren.

    Wie sehen die Zahlen bei anderen Freiwilligen-Armeen aus? Gibt es in anderen Ländern Hürden in den ersten 3 Monaten, die es verhindern, dass jemand hinschmeißen kann, wenn er an individuelle Grenzen gebracht wird, die er ohne die Möglichkeit, unmittelbar zu schmeißen, durchaus überwinden und daran wachsen könnte?

    Wie viele Bewerber wollten lediglich Zeit überbrücken? So nach dem Motto: Festhalten und weitersuchen mit ein wenig Abenteuerurlaub? Ein Stichwort ist hier sicherlich: Warten auf die Studienplatz-Zusage.

    Hat da jemand nähere aktuelle Informationen?

    [Auf Wunsch des Verfassers nachträglich zwei m eingefügt. T.W.]

  • Soenke Marahrens   |   21. Dezember 2011 - 18:22

    @Sun Tzu

    Ich glaube nicht, dass wir mit der von Ihnen gewaehlten Wortwahl, wobei ich wirklich hoffe, dass beides mal der Buchstabe “m” fehlt ) weiter kommen…..

    Vielleicht lernen wir ja daraus, dass man Praemien erst dann zahlt, wenn der Petent bleibt…. aber grundsaetzlich gilt, Geld ist eben kein Motivator, nur das Fehlen adaequater Bezahlung ist ein Dematovator – es muss nur stimmen (Daniel Pink Drive, auch auf Google)!

  • Sun Tzu   |   21. Dezember 2011 - 18:28

    @ Thomas Wiegold

    Ups, sehr peinlich. Sorry.
    Soenke Marahrens hat mit seiner Kritik vollkommen recht. Das ist aber wirklich nur ein Tippfehler. Könnte ich ein “m” für hinschmeißen kaufen?

    Danke

  • PW   |   21. Dezember 2011 - 18:38

    Wäre tatsächlich mal interessant zu erfahren, wie die Regelung diesbezüglich in anderen Armeen aussieht…
    Vielleicht erntet die BW jetzt in Teilen ja auch nur, was sie gefühlt jahrzehntelang immer gepredigt hat. Wer nur mit “bei uns können sie studieren bei vollem Gehalt” , “wir sind ein Unternehmen wie jedes andere auch” und mit “hier haben sie einen sicheren Job” wirbt, der bekommt dann unter anderem eben auch Leute, die tatsächlich glauben, Befehl und Gehorsam, körperliche Leistungsfähigkeit etc. seien nebensächlich.
    Vielleicht wäre die Situation eine andere, wenn man sich ein Beispiel an anderern Werbestrategien genommen hättte, Bsp: “99 percent need not apply”. Allerdings hätte man dann ja wieder das Problem, dass man angeblich nur diesen sog. “Rambo-Typen” anspricht. Es ist schon schwierig in diesem Land…

  • Roman   |   21. Dezember 2011 - 19:10

    @ TW

    Nee, das m muss wegbleiben. Ich hab erst geschluckt und mich dann durchaus gekringelt vor lachen.

    @ PW

    Nun tritt das in voller Breite auf, was schon bei den Eintritts”wellen” der Frauen zu sehen war. Nicht wenige kommen und nehmen die Gehälter mit bis zum Studienbeginn. Bei ordentlicher Planung (mit vmtl. Hilfe eines Soldaten) kann man beides sogar parallel bis zu sechs Monate durchziehen (bevor einer meckert, das habe ich nicht nur einmal erlebt). Von dem Geld lassen sich nicht wenige Monate Studium in Folge finanzieren.

    Andere widerum haben primär keine Probleme mit dem Beruf an sich, sie sehen aber (und bei vielen von uns war es vmtl. nicht anders), dass die Freunde aus ihrem Jahrgang regelmäßig feiern gehen, baden, chillen und die Zeit bis zum Studium oder Lehre mit dem entdecken der Welt vollbringen. Droht dann noch die Beziehung (bei vielen noch die richtige erste Jugendliebe) zu zerbrechen, dann geht es schnell zum Spieß. Alles verständlich, sollen sie machen, dann muss ich sie nicht mit dem Wehrstrafgesetz gängeln.

  • T.Wiegold   |   21. Dezember 2011 - 19:11

    @Sun Tzu

    Sie brauchen kein M zu kaufen, die sind hier kostenlos ;-)

    (Die Kommentare lassen sich doch vom Verfasser auch noch nachträglich bearbeiten – oder hakt das Feature?)

  • Sun Tzu   |   21. Dezember 2011 - 19:14

    @ T.Wiegold | 21. Dezember 2011 – 19:11

    Vielleicht bin ich ja blind, aber bei mir sehe keine Funktion zum nachbearbeiten.

  • T.Wiegold   |   21. Dezember 2011 - 19:18

    @Sun Tzu

    Sehr komisch. Habe das gerade noch mal (ausgeloggt) getestet; unter dem Kommentar stand ganz eindeutig ein “Bearbeiten”-Button… vielleicht eine Frage des (aktuellen) Browsers?

  • Roman   |   21. Dezember 2011 - 19:18

    Sobald der erste Kommenator geantwortet hat geht es nicht mehr. Außer man ist so ein Typ mit Admin-Dings.

  • T.Wiegold   |   21. Dezember 2011 - 19:19

    @Roman

    Alles klar, das wusste ich nicht (weil ich ja so ein Typ mit Admin-Dings bin).

    @Sun Tzu

    Ich spendiere da mal zwei M.

  • Roman   |   21. Dezember 2011 - 19:20

    Sehe ich übrigens richtig, dass die Frau Hoff in Lederstiefelchen durch das Camp läuft, vom Fellmantel und Muff mal abgesehen?

  • Georg   |   21. Dezember 2011 - 19:49

    Was hat man eigentlich für eine Abbrecher-Quote erwartet ?
    Ohne jetzt einen neuen Neben(kriegs-)diskutierschauplatz aufmachen zu wollen, es gibt auch Zeitsoldaten und Berufssoldaten bei der Bw, die wollen nur die monatliche Kohle mitnehmen und sonst in ihrem Leben wenig beeinträchtigt werden.
    Auf Lehrgang gehen, militärischer Fw-Lehrgang, Militärfachlicher Grundlagenlehrgang (um befördert werden zu können) und dann noch einen zehnmonatigen Gerätelehrgang mit Trennung von zu hause besuchen ? Für was, als StUffz die 4 Jahre Dienstzeit zu hause abwarten, dann in A 7 eingewiesen zu werden und nach 8 Jahren gehen oder als Fw den Grundlagenlehrgang bestehen, befördert werden und dann den Gerätelehrgang schmeißen ( mit M ! ) und trotzdem OFw werden und nach 10 Jahren in den BFD gehen.
    Warum anstrengen beim Bund, man wird auch so befördert, muss nur etwas länger warten.
    Mit dieser Mentalität sind die FWD noch anständig, sie gehen wenigstens dann wenn sie keine Lust mehr haben.

  • Sun Tzu   |   21. Dezember 2011 - 19:56

    T.Wiegold | 21. Dezember 2011 – 19:19

    @Sun Tzu

    Ich spendiere da mal zwei M.
    ===
    Vielen Dank, Fäkalsprache will auch ich hier nicht einführen, auch wenn ich ein Freund klarer Worte bin.

    Nun aber zurück zur Sache.
    Irgendwo müsste es eine Aufstellung geben, wie das in anderen Armeen aussieht und was die beim Employer Branding anders machen. Nur wie drankommen?
    Hat die Bundeswehr eigentlich eine Stabsstelle, die sich um so was wie Employer Branding Gedanken macht, so in professioneller Art und Weise? Notfalls kann man für so was Spezialisten einkaufen und muss nicht auf simple Werbeagenturen zurückgreifen.

  • Hohenstaufen   |   21. Dezember 2011 - 20:11

    Hmmm, wenn man die Zahlen mit der Abbrecherquote in manchen Studiengängen (z.B. Mathematik, Physik) vergleicht, ist alles im üblichen Rahmen.

  • J. König   |   21. Dezember 2011 - 20:28

    “andere Länder”

    Das hätte man ja vor der Aussetzung der allgemeinen Wehrpflicht in Erfahrung bringen können.

    Das Vereinigte Königreich in Großbritannien kennt eine allgemeine Wehrpflicht nur dann, wenn es existentielle bedroht ist.

    Das Königreich der Niederlande hat sehr lange Erfahrungen, wie Freiwillige zu gewinnen sind. Man hätte vor der Aussetzung der allgemeinen Wehrpflicht mal den Bündnispartner über die Berichte der dortigen Deutschen Botschaft fragen können.

    Dies gilt auch für die französische Republik, die ist Bündnispartner und hat dort Deutsche Botschaften.

    Alle Staaten in Europa, die vor der Bundesrepublik Deutschland darauf verzichtet haben, eine Pflicht zur Ableistung eines Dienstes in ihren Streitkräften auszusprechen, haben Erfahrungen.

    Mein letzter Besuch bei den Streitkräften im Königreich Spanien bleibt mir in Erinnerung: Es wurde die spanische Staatsbürgerschaft für alle Freiwlligen aus den ehemaligen spanischen Kolonien ausgesprochen, sofern diese bestimmte Bedingungen für einen Dienst in der spanischen Armee erfüllten.

    Ergo: Vorher die Bündnispartner fragen und nicht erst dann, wenn man feststellt, es wird eng. Aber: wozu gibt des Militärattachees in den Deutschen Botschaften? Vielleicht haben die ihre Berichte sehr zeitnah geschrieben; nur: wer wollte die lesen. Es war doch politisch gewollt; egal was es kostet?

  • Sun Tzu   |   21. Dezember 2011 - 20:44

    @ J. König | 21. Dezember 2011 – 20:28

    Wie wir inzwischen wissen, passt eine derart strukturierte Vorgehensweise nicht zur Arbeitsweise des damaligen IBuK. Copy and Paste vielleicht schon, aber eben nicht die wissenschaftlich analytische Herangehensweise einer vergleichenden Studie, die eine solche Reform braucht. Da treten eben die Unterschiede zwischen einem erschlichenen und einem legitim erworbenen Doktortitel bei der Qualität der gezeigten Leistung zu Tage.

    Dazu kommt dann noch die operative Hektik des heutigen Politbetriebs, die nicht auf Qualität, sondern auf Schlagzeilen setzt. Eine Opposition, die nicht verstehen will, dass man auf dem Rücken von Soldaten keine Parteipolitik macht, verstärkt diesen Effekt dann noch.

  • V   |   21. Dezember 2011 - 21:55

    @Georg:

    dafür gibt es Vorgesetzte und den §55 SG… alles eine Frage des Wollens, woran es leider oftmals krankt, weil der Aufwand groß, der Erfolg mäßig und der der gezahlte Sold nicht der eigene ist…

  • chickenhawk   |   21. Dezember 2011 - 22:21

    Wie sehen die Zahlen bei anderen Freiwilligen-Armeen aus? Gibt es in anderen Ländern Hürden in den ersten 3 Monaten, die es verhindern, dass jemand hinschmeißen kann, wenn er an individuelle Grenzen gebracht wird, die er ohne die Möglichkeit, unmittelbar zu schmeißen, durchaus überwinden und daran wachsen könnte?

    Bei den US-Streitkräften ist es so, dass man tatsächlich 4 Jahre dient, wenn man man sich für 4 Jahre verpflichtet, auch und gerade dann, wenn man nach 2 Wochen Grundausbildung zu der Auffassung gelangt ist, dass man jeden Job in der Welt lieber machen möchte als Soldat zu sein.

    Ausnahmen gibt es nur bei außerordentlichen medizinischen Gründen oder wenn die Vorgesetzten meinen, dass es wirklich keinen Sinn hat, den Betreffenden weiter auszubilden.

  • Generation Pisa   |   21. Dezember 2011 - 23:07

    Ich muss gestehen, ich bekomme die Aussage von Herrn de Maizière von heute und die Aussage von Herrn Schimpf vom letzten Monat nicht zur Deckung. Der Marineinspekteur kann scheinbar nicht mehr ruhig schlafen, weil ihm 1900 Soldaten in den Mannschaftsdienstgraden fehlen
    Kieler Nachrichten

    während der Verteidigungsminister “…keine Rekrutierungsschwierigkeiten auf die Truppe zukommen [sieht]”.

  • Bang50   |   22. Dezember 2011 - 1:08

    Naja die werte Generalität/Admiralität ist ja auch nicht ganz unschuldig an der Situation. Um so weit nach oben zu kommen, muss man schon einiges schöngeredet haben. Deshalb beißt sich bei diesen Äußerungen ein bisschen die Maus in den Schwanz.

    Ich sehe das so:
    Die BW besitzt einfach einen fürchterlichen Ruf der durch mangelnde politische Kompetenz und die Mentalität der militärischen Führung enstanden ist.
    Ein junger Mann der alle Eigenschaften mitbringt welche sich die BW wünscht (hoch motiviert, belastbar und sonstige Hochglanzwörter) wird einen großen Bogen um die BW machen. Alles was er hört von der BW in den Nachrichten, ist der Mangel an Material, Pleiten Pech und Pannen, misserabler politischer Führung, unfähige militärische Führung, Bürokratie im Überfluss, eine seltsame Einstellung der Bevölkerung und der Politik zu ihren Soldaten etc…
    Vielleicht ist der junge Mann sogar eine Idealist und will sich die BW trotzdem mal anschauen. Doch sehr schnell merkt er wie nur der fürchterliche Mangel verwaltet wird und der selbst für den Stuhlgang eine Genehmigung mit dreifachen Durchschlag und Mitzeichnungspflicht benötigt. Da wird auch der motivierteste und größte Idealist schnell zum Verschleiß gebracht. Auch sonst bietet die BW nicht viel Anlaß einem jungen feschen Bub der die Welt erobern möchte (wie wir Schwaben zu sagen pflegen) stolz auf seine Armee zu sein, die sich im vorauseilenden Gehorsam dem Zeitgeist unterwirft und sich in Selbstläuterung bis zur Unkenntlichkeit übt, anstatt ihre Werte zu verteidigen.
    Machen wir uns nichts vor, die Leute welche die BW haben möchte gehen zur Polizei, NGO`s, großen Konzernen etc…
    Die BW ist das traurige Schlußlicht..aber letztlich kann ich inzwischen kein Mitleid mehr mit ihr haben. Den sie hat hart für ihren Imageschaden gearbeitet und bekommt jetzt das was sie verdient hat.

  • Kerveros   |   22. Dezember 2011 - 6:44

    @Generation Pisa:

    solche Sachen sind ganz einfach zu erklären: wenn man per Befehl keine Dienstposten für Menschaftsdienstgrade mehr nachbesetzt, dann hat man offiziell auch ganz schnell keine Persnalengpässe mehr… fehlen tun die im unterstelten Bereich dann trotzdem und der muss sehen, wie er ohne klarkommt.

    Wie war das gleich nochmal mit dem Herrn Churchill und seinen Statistiken?

  • Prediger   |   22. Dezember 2011 - 7:49

    @Kerveros

    Total OT, aber der Urheber des Zitates bezüglich der Statistiken war wohl ein anderer:
    http://www.statistik.baden-wuerttemberg.de/Veroeffentl/Monatshefte/PDF/Beitrag04_11_11.pdf

  • Insider   |   22. Dezember 2011 - 8:43

    @Bang50
    Kann ihren Beitrag zu 100% unterstützen.
    Aber für unseren Minister ist ja noch alles in Ordnung. Na ja dann wird es wohl stimmen ;-(

  • ichundich   |   22. Dezember 2011 - 9:11

    Ich finde es seltsam, wie sich alle an diesen knapp 28 % Abbrecherquote aufziehen, um damit in irgendeiner Weise darstellen wollen, dass die Bw nicht attraktiv sei.
    Man sollte doch mal betonen, dass über 72 % der freiwillig Wehrdienstleistenden auch nach 6 Monaten hinter ihrer damaligen Entscheidung, zur Bundeswehr zu gehen, stehen. Das bedeutet das eine deutliche Mehrheit ihre berufliche Zukunft zunächsteinmal bei der Bundeswehr sieht.

    Dass der wankelmütige Selbstfindungs-Abiturient die Gelegenheit nutzt, ein bisschen Geld für Studium zu sparen und Zeit überbrückt, ist auch nichts neues – das war schon früher bei den “alten” FWDLs so. Es wird immer welche geben, die bestehende Regelungen “ausnutzen”.

    Apropos Abiturienten: Die durchschnittlich Studienabbruchquote in Deutschland scheint bei 21 % zu liegen (http://de.wikipedia.org/wiki/Studienabbruch). Sofern man dies als Indikator verwenden möchte/ kann, ist es nicht ungewöhnlich, dass die Leute (in diesem Umfang) sich umentscheiden und somit zuvor getroffene Entscheidungen korrigieren.

    Wenn ich all die Meldungen lese. kann ich mich nicht des Eindrucks erwehren, dass die Bw als ungeheuerlich unattraktiver Arbeitgeber dargestellt werden soll.
    Ich für meinen Teil muss sagen, dass die Bw in der Summe kein unanständigerer oder unattraktiverer Arbeitgeber ist, als andere in der sogenannten zivilen Welt. Wobei die Bw noch einen USP (unique selling point) – Auslandseinsätze/ Gefahr für Leib und Leben – hat, dessen man sich richtig bewusst sein muss.
    Wo Licht ist, ist auch Schatten, so ist es nun einmal und entweder ich kann mich damit arrangieren oder nicht.

    Wenn sich jemand der Reichweite seiner Entscheidung (erst) in den ersten 6 Monaten bei der Bundeswehr bewusst wird und seine persönlichen Konsequenzen daraus zieht, dann muss man dies doch befürworten und diese Möglichkeit loben. Das diese Möglichkeit des Rücktritts auch wahrgenommen werden wird, ist normal und auch verständlich – besser früh als nie (und dann unzufrieden sein).

  • Hannes   |   22. Dezember 2011 - 9:15

    @Bang 50
    Ebenso volle Zustimmung. Ich wäre damals in meiner AGA auch gegangen, wenn ich freiwillig dagewesen wäre:
    Katastrophale Organisation ohne Plan und Struktur, das allerletzte Material, rumsitzen und warten, demotivierte Ausbilder oder Ausbilder, die es geil fanden, Leute rumzuscheuchen.
    Ich durfte am ersten Wochenende Ordonanz bei einer offiziellen Feierlichkeit spielen und erlebte gleich mal alle Ausbilder vollkommen betrunken, Respekt hatte sich damit eledigt.
    Jeder normale Mensch würde eine solche Organisation schnellstens verlassen, es sei denn, man ist der Meinung, man hätte keine Option.

  • Prediger   |   22. Dezember 2011 - 9:34

    “Das diese Möglichkeit des Rücktritts auch wahrgenommen werden wird, ist normal und auch verständlich – besser früh als nie (und dann unzufrieden sein).”

    Zustimmung, immerhin besteht so die Chance, daß die verbleibenden FWDL eine Berufszufriedenheit entwickeln, die zu einer Weiterverpflichtung führt.

  • Koffer   |   22. Dezember 2011 - 9:40

    @bang 50, Hannes

    Ihre Darstellung ist mir doch ein bisschen zu einfach und vielleicht sogar defätistisch.

    1. Das Ansehen der Bw ist ja grundsätzlich (und das beweisen alle Umfragen) NICHT schlecht.

    2. Unsere Binnenwahrnehmung ob den bürokratischen und unschneidigen und unsoldatischen Strukturen hat etwas mit UNSERER Berufszufriedenheit zu tun und nicht mit der Wahrnehmung der Interssierten.

    @all
    3. Nur 27% Abbrecher/Rausgeworfene? Ich bin mir nicht sicher ob das nicht zu WENIG ist! Habe lange genug AGA gemacht und 30-40% waren eher üblich!

    Nun war das in der FschJgTr, aber dennoch…

    Man sollte ja auch mal daran denken, dass viele der Beweber einfach nicht einsatztauglich sind. Wenn wir die unbedingt halten wollen, dann geht das nur mit (noch weiterem) Absenken unserer Ansprüche.

    4. Ob 6 Monate kurzfristiges und unbeschränktes “Kündigungsrecht” allerdings das richtige ist, da habe ich so meine Zweifel. Manch einer sollte vielleicht zu min. 3 Monate durchbeißen müssen. Manch einer gibt einfach zu früh auf…

    5. Gute Zahlen haben wir so oder so erst in einem Jahr, denn das Klientel und die Zahl der Rekruten in den ersten beiden Quartalen unterscheidet sich fundamental von dem des Sommer und Winterquartals. Von daher dürften die Zahlen noch deutlich sinken. Andererseits ist das angepeilte Ziel von 5000+ trotz allem noch locker zu erreichen…

  • JCR   |   22. Dezember 2011 - 11:39

    Sorry for das OT, aber was ist mit den deutschen Patriots, unsachgemäß gelagert auf einem englischen Frachter in Finnland?
    Irgendwelche Statements aus Deutschland dazu?

    http://www.reuters.com/article/2011/12/21/us-finland-missiles-idUSTRE7BK19I20111221

  • FNU SNU   |   22. Dezember 2011 - 11:54

    @ all Wann wird denn genau die Prämie gezahlt?
    Ich ginbg irgendwie davon aus, nach den 6 Monaten so wie “früher” bei den “auf Widerruf”.
    Wenn die natürlich schon bei der Unterschrift gezahlt wird, ist das sehr schnell verdientes Geld…

    Und Wie die Vorredner bemerkt haben, Bundeswehr hat ein negatives Image in der Medienwelt. Und die Generation “Achtung Kontrolle” und “Toto und Harry” wird dann doch eher von den behörden mit Verweildauer im Inland angesprochen.
    Wobei ein “Checkpoint” bei Achtung Kontrolle durchaus auch was reizvolles hätte. Oder eine Durchsuchung in einem Objekt…
    RTL hatte sogar mal in Punkt 12 einen Zugriff der Zentralen Unterstützungsgruppe Zoll mitfilmen dürfen. Ich bin mal gespannt, ob es jemals Bilder des KSK etc. geben wird.

    Andere Sicherheitsbehörden in D (die ja auch um die potentiellen Soldaten konkurrieren) schaffen es besser, Ihren Nachwuchs zu gewinnen (persönliche Meinung).

  • Roman   |   22. Dezember 2011 - 13:10

    @ eresbe

    Wundert mich aber, das sie noch frei rumläuft. Schließlich ist sie Soldatin und wer da nicht spurt wird abgeholt. Selbst wenn sie nicht in den Bau einwandern kann, da irgend ein Arzt kneift oder Anwalt dann doch geschickt ist, bekommt sie nen Dienstplan von heut bis nächstes Jahr der sich gewaschen hat.

  • T.Wiegold   |   22. Dezember 2011 - 13:32

    @JCR

    zum OT Patriot-Raketen auf dem Frachter:

    Der hier mitlesende und -kommentierende b hat das auf seinem Blog gut aufbereitet:

    http://www.moonofalabama.org/2011/12/no-secret-in-finnish-patriot-missile-discovery.html

    Und dpa hat mittlerweile eine Meldung unter Berufung auf das zuständige Hauptzollamt, die das bestätigt: Gebrauchte deutsche Patriot für Südkorea, legal mit Ausfuhrgenehmigung.

    Scheint also, vorsichtig gesagt, eine etwas übersteigerte Meldung gewesen zu sein.

    Damit haben wir diesen OT wohl abgehakt…

  • OWi   |   22. Dezember 2011 - 14:13

    So weit kann es gar nicht sein mit dem Personalmangel.
    Vll OT; ich war FWDL in Seedorf und studiere jetzt zivil Orientalistik.
    In den Semesterferien wollte ich nun die Kutte mal wieder überstreifen und mich in einer Wehrübung weiterbilden bzw bespaßen lassen.
    Nachdem mir vom KWEA mitgeteilt wurde, ich solle selbst die S1-Abteilungen der Bataillone durchtelefonieren rief ich die Reservistenbearbeiter eben aller an, die für mich ersteinmal fachlich in Frage kamen. Danach musste ich runterstaffeln, denn entweder wusste man nicht “ob wir in 14 Tagen noch existieren” oder man hatte keinen Ansprechpartner für Reservistenangelegenheiten.
    Stand heute ist, dass es nicht möglich scheint, sich ohne weiteres für eine Wehrübung zu melden. Und ich wurde wirklich über viele Stellen weitergeschickt, SKA, SDBw, P, etcetc…
    Dafür dass die Bw damit wirbt, Reservisten als zivile Spezialisten behalten zu wollen u.ä. lässt sie einen damit ganz schön im Stich – sehr schade!

  • T.Wiegold   |   22. Dezember 2011 - 18:05

    @Florian, Roman

    Ich hab die Kommentare zum China-Leopard mal in den anderen Thread verschoben.

  • chickenhawk   |   22. Dezember 2011 - 19:15

    @eresbe | 22. Dezember 2011 – 10:22

    So einen Fall gab es, wenn ich das richtig erinnere, schon mal vor grauer Vorzeit, als Frauen – außer als Ärztin im Sanitätsdienst – noch vom Dienst in der Bundeswehr ausgeschlossen waren.

    Damals verweigerte eine Ober(?)-stabsärztin den Kriegsdienst, und das zu einer Zeit, als die Bundeswehr noch nicht an Auslandseinsätzen beteiligt war.