Neues vom Puma: Millionen-Nachrüstung für die VJTF

Der Schützenpanzer Puma, nach Bundeswehr-Eigeneinschätzung der modernste Schützenpanzer der Welt, muss vor seinem geplanten ersten tatsächlichen Einsatz in fünf Jahren noch kräftig nachgerüstet werden – vor allem mit Kommunikationstechnik. Für die geplante Beteiligung an der NATO-Speerspitze, der Very High Readiness Joint Task Force (VJTF), im Jahr 2023 werden für diese Modernisierung voraussichtlich 500 Millionen Euro fällig. Für 40 (kein Schreibfehler) Fahrzeuge.

Die Kollegin Sabine Siebold von Reuters hat das alles mal aufgeschrieben; ihr Hintergrundbericht findet sich zum Beispiel bei n-tv:

„Puma“-Aufrüstung kostet 500 Millionen

(Archivbild: Puma im Februar 2016 bei der Ausbildung auf der Schießbahn in Bergen – Bundeswehr/Daniel Dinnebier)

Knopf im Ohr – die Erläuterung

Der eine oder andere erinnert sich: Vor zehn Tagen hatte ich auf den Bundeswehr-Auftrag über 3,3 Millionen Euro für die Firma CeoTronics AG hingewiesen, die – vereinfacht gesagt – Ohrstöpsel für Funkgeräte liefert. Weil kurz vorher die Bundeswehr bekannt gegeben hatte, 930 neue zertifizierte Sprechsätze für das System Infanterist der Zukunft – Erweitertes System (Idz/ES) zu bestellen, konnte man zu dem Schluss kommen, da würden Knöpfe im Ohr für 3.500 Euro das Stück beschafft….

Das Unternehmen teilte mir recht schnell mit, dass diese Rechnung nicht stimme. Aber wie es sich nun verhält, wollte mir die CeoTronics AG nun auch nicht sagen. Also habe ich das Verteidigungsministerium gefragt. Und gerade eben kam die Antwort:

Mit der Einführung des Ausrüstungssystems „Infanterist der Zukunft“ (IdZ)
konnte ein erheblicher Fähigkeitsaufwuchs für den infanteristisch
eingesetzten, abgesessenen Soldaten erreicht werden. Die
Fähigkeitsverbesserungen konzentrieren sich auf die Bereiche „Wirksamkeit
im Einsatz“, „Überlebensfähigkeit und Schutz“, „Durchhaltefähigkeit/
Mobilität“ und „Führungsfähigkeit“. Mit dem IdZ Basissystem können bereits
wesentliche Anforderungen an die Ausrüstung erfüllt werden.
Im Hinblick auf die Führungsfähigkeit und den Informationsaustausch
innerhalb einer Gruppe von Infanteristen kommt dem sogenannten Sprechsatz
besondere Bedeutung zu. Um den Soldaten im Einsatz bestmöglich
auszurüsten, werden Sprechsätze benötigt, die sowohl Kommunikation und
Gehörschutz als auch ein Tragen des Gefechtshelms ermöglichen. Für die
Zertifizierung dieses Gehörschutzes sind die Sprechsätze mit Ohrstücken
(Otoplastiken) auszustatten, die auf den individuellen Soldaten angepasst
werden müssen.
Auf der Basis einer durchgeführten Vergleichsuntersuchung verschiedener
Fabrikate wurde schließlich die Fa. CeoTronics mit der Umrüstung dieser
ursprünglich von Fa. Sennheiser gelieferten Sprechsätze beauftragt.
Im Rahmen des genannten Auftrages sind mehrere tausend auf den
individuellen Soldaten angepasste Ohrstücke (Otoplastiken) zu fertigen und
bei jedem Soldaten auf Dichtigkeit zu überprüfen. Im Hinblick auf die
Anzahl der Otoplastiken sind neben den aktuell im Einsatz befindlichen
Systemen auch künftige Einsatzkontingente – einschließlich der
einsatzvorbereitenden Ausbildung – und Ersatzteile zu berücksichtigen.

Jenseits der Beschaffungslyrik soll das wohl heißen: Wir haben gemerkt, dass die vorhandenen Sprechsätze für das seit ein paar Jahren eingeführte Basis-System Infanterist der Zukunft (IdZ) technisch nicht dem entsprechen, was wir wollen. Deshalb rüsten wir dieses Basis-System für ein paar tausend Soldaten nach (wie viele solcher Systeme sind eigentlich eingeführt?). Außerdem rechnen wir damit, dass das Basis-System noch eine Weile im Einsatz gebraucht wird, und für die Zukunft bestellen wir auch noch ein bisschen Ohrstücke mit.

Knopf im Ohr für 3,3 Millionen Euro

So ganz am Rande der derzeitigen Ausrüstungsdebatte erfährt man manches nur durch Zufall: Für rund 3,3 Millionen Euro, teilt die CeoTronics AG aus Rödermark mit, habe die Bundeswehr bei ihr individuell anpassbare Öhrstöpsel bestellt, die sowohl als Ohrhörer für den Funk als auch als Gehörschutz dienen. Da es nach Firmenangaben der zweitgrößte Einzelauftrag seit Gründung der CeoTronics AG ist, teilte die Aktiengesellschaft  das in einer Pflichtmeldung an die Börse mit.

Vermutlich handelt es sich bei dem bestellten In-Ohr-Produkt um das System CT-ClipCom, dass das Unternehmen auch auf seiner Webseite bewirbt, und ebenso vermutlich ist es das hier schon von der Bundeswehr angekündigte System. Obwohl, 3,3 Millionen Euro geteilt durch 930 würde dann pro Sprechsatz gut 3.500 Euro ausmachen? Hui… (Kann doch eigentlich nicht sein, aber für eine Nachfrage ist derzeit bei der Firma keiner erreichbar.)

Wie auch immer: Es scheint also voran zu gehen beim Thema persönliche Ausrüstung für den Einsatz…

Nachtrag angesichts der Diskussion: Ich habe zwar noch keine Antwort des Unternehmens (verständlich wg. Wochenende), aber verweise mal auf den Wikipedia-Eintrag: Danach hatte die Bundeswehr 2007 für 5,5 Mio Euro insgesamt 3.700 Systeme in Auftrag gegeben. Die Relation klingt schon anders..

Nachtrag 2: Heute (8. Dezember) teilt mir das Unternehmen mit, die von Ihnen angenommene Stückzahl im Zusammenhang mit der beauftragten Mannausstattung und unserer dazugehörigen Dienstleistung ist nicht korrekt. Deshalb sei auch der vermutete Stückpreis falsch. Erklärende weitere Informationen gibt es aber auch auf Nachfrage nicht – mehr als in der Mitteilung an die Börse stehe, müsse die Firma nicht veröffentlichen. Sagt der Vorstandschef.

Also weiter recherchieren.