Verteidigungsaufstellung erlassen – jetzt müsste alles klar sein
Die Bundeswehr hat jetzt eine so genannte Verteidigungsaufstellung: Im Konflikt-, Krisen- und Kriegsfall soll jeder Soldat und jede Soldatin wissen, was die Aufgabe ist – eventuell ja ganz anders als im so genannten Friedensbetrieb. Öffentlich soll das Dokument, nachvollziehbarerweise, nicht werden. Jetzt wird’s aber drauf ankommen, ob wirklich jede/r weiß, wo sein/ihr Platz ist.
Über das Dokument, dass am (heutigen) Mittwoch dem Verteidigungsausschuss vorgestellt wurde, berichtet das Verteidigungsministerium selbst:
Die Verteidigungsaufstellung gibt den grundlegenden strategischen Rahmen vor, wie die deutschen Streitkräfte nach vollständiger Mobilmachung gegliedert sind, um Deutschland im Fall der Fälle verteidigen zu können. Der klare Fokus liegt dabei zunächst auf dem Jahr 2029 – dem Zeitpunkt, zu dem Russland absehbar in der Lage sein könnte, NATO-Territorium anzugreifen. Die aktuelle Verteidigungsaufstellung konzentriert sich deshalb auf die Verteidigungsfähigkeit der Bundeswehr mit den 2029 absehbar verfügbaren Kräften, Mitteln und Strukturen.
Im Krisen- oder Kriegszustand muss sich die Bundeswehr schnell und effizient umgliedern. Tritt ein solcher Fall ein, wird die Gliederung in Friedenszeiten aufgegeben und die Bundeswehr nimmt die Verteidigungsaufstellung ein. Strukturen, die Verteilung von Material und die Zuweisung von Personal werden dann zügig angepasst. Einige Aufgaben, die im Frieden wichtig sind, werden geringer priorisiert oder wegfallen. Zudem wird Personal teilweise mit neuen Aufgaben und an anderer Stelle eingesetzt werden. Teil- beziehungsweise nichtaktive Strukturen werden für die Verteidigungsaufstellung aufwachsen. Dafür werden in der Folge zur Verteidigungsaufstellung auch das Alarmierungssystem und der Mobilmachungsplan der Bundeswehr angepasst beziehungsweise neu erarbeitet werden.
Zusammengefasst berücksichtigt die Verteidigungsaufstellung also die Vorgaben der Militärstrategie, die Anforderungen, die sich aus den NATO-Verteidigungsplänen und den abgeleiteten nationalen Vorgaben (Operationsplan Deutschland) ergeben, die bestehenden Friedensstrukturen und das aktuell vorhandene Personal, die perspektivischen personellen und materiellen Aufwüchse bis zum Jahr 2029 sowie neue Fähigkeiten, die bis 2029 in die Streitkräfte eingeführt werden.
Es ist müßig zu fragen warum das erst jetzt kommt. Von einer Teilstreitkraft hörte ich, sie hätten sich für die Arbeiten an der neuen Verteidigungsaufstellung das letzte Dokument dieser Art besorgen wollen – und dafür bis ins Militärarchiv nach Freiburg reisen müssen. Ranghohe Offiziere berichteten mir, ihr Dienstposten zu Friedenszeiten werde im Kriegsfall kaum von Bedeutung sein. Aber was dann ihre Aufgabe sein könnte, war bislang eben noch nicht festgelegt.
Interessant wird die Einbindung der Reservisten ebenso wie die angekündigte Modernisierung des Alarmierungssystems. Ich vermute, da werden nicht mehr wie im Kalten Krieg Codewörter und ähnliches über den Rundfunk verlesen. Statt dessen dürfte eine Smartphone-App das Mittel der Wahl sein (ob das der Weisheit letzter Schluss ist, kann man natürlich bezweifeln, erst recht seit letzter Nacht). Aber für die Reserve gibt es nach Angaben des Ministeriums ambitionierte Ziele:
Ein wichtiger Punkt in dem Dokument ist die herausgehobene Bedeutung der Reserve für die Verteidigungsbereitschaft: Reservistinnen und Reservisten sollen künftig so ausgebildet, ausgestattet, beübt und in die Strukturen der aktiven Truppe integriert werden, dass sie im Krisenfall sofort zusammen mit dieser eingesetzt werden können.
Und die Aufstellung für den Ernstfall dürfte auch Konsequenzen für die Strukturen der aktiven Truppe haben. Mal abwarten, was da in nächster Zeit als Neustrukturierung noch kommt.
(Archivbild Mai 2026: Soldaten des Panzergrenadierbataillons 122 verlassen den Schützenpanzer Puma bei der Übung Freedom Shield der Panzerbrigade 45 „Litauen“ auf dem Truppenübungsplatz Pabrade in Litauen – Marco Dorow/Bundeswehr)
Moin,
interessant. Mit dem Personal könnte man die Ergänzungstruppenteile und den Heimatschutz unterstützen.
Außerdem könnte man auf das Konzept der NVA zurückgreifen, wonach die Truppenschulen im Ereignisfall zu Divisionen werden.
Passt ja auch recht gut SchulKdr wird DivKdr, die Lehrgruppen werden zu RGT/Brigaden, Inspektionen zu Btl, Hörsäle zu Kp.
https://de.wikipedia.org/wiki/Mobilmachungsdivisionen_(NVA)?wprov=sfti1#
Interessant ist sicher auch ob zivile Beschäftigte des GB BMVg auf militärische DP umgeplant werden sollen. Wird denn noch regelmäßig die ASA 1 und ASA 2 durchgeführt, ggf. verpflichtend ?
ASA: allgemein soldatische Ausbildung; es gibt wohl auch eine ASSA, das zweite „S“ steht für „streitkräftegemeinsame“, diese aber mit SP Ungediente, was die zivilen MA oft sind
Sarc: On;
[blockquote] Im Krisen- oder Kriegszustand muss sich die Bundeswehr schnell und effizient umgliedern. Tritt ein solcher Fall ein, wird die Gliederung in Friedenszeiten aufgegeben und die Bundeswehr nimmt die Verteidigungsaufstellung ein. Strukturen, die Verteilung von Material und die Zuweisung von Personal werden dann zügig angepasst. [/blockquote]
Die groteske Version von Art. 87a GG.
[blockquote] Einige Aufgaben, die im Frieden wichtig sind, werden geringer priorisiert oder wegfallen. [/blockquote]
[blockquote] Ranghohe Offiziere berichteten mir, ihr Dienstposten zu Friedenszeiten werde im Kriegsfall kaum von Bedeutung sein. [/blockquote]
Die groteske Version von Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen (ALG-Bosslevel-A14+).
[blockquote] Zudem wird Personal teilweise mit neuen Aufgaben und an anderer Stelle eingesetzt werden. [/blockquote]
Die groteske Version von „Train as you fight“.
[blockquote] Teil- beziehungsweise nichtaktive Strukturen werden für die Verteidigungsaufstellung aufwachsen. [/blockquote]
Die tödlich-groteske Version von „Train as you fight“, wenn dein Kdr vom Elefantenfriedhof kommt (irgendwo musste er hin).
[blockquote] Der klare Fokus liegt dabei zunächst auf dem Jahr 2029 – dem Zeitpunkt, zu dem Russland absehbar in der Lage sein könnte, NATO-Territorium anzugreifen. [/blockquote]
[blockquote] Reservistinnen und Reservisten sollen [b]künftig[/b] so ausgebildet, ausgestattet, beübt und in die Strukturen der aktiven Truppe integriert werden, dass sie im Krisenfall sofort zusammen mit dieser eingesetzt werden können. [/blockquote]
Die groteske Version von „Zeit ist relativ“.
Sarc: Off;
Mh, was spricht dagegen weiterhin in der Tagesschau via flinkem Faultier und lahmen Leoparden Reservisten einzuberufen?
Ja das mag uncool und altmodisch wirken, erreicht aber auch den Reservisten der nachmittags am Badesee sein Handy versenkt hat entweder direkt oder über dritte und nicht erst 5 Tage später wenn er ein neues Handy hat und die passende App wieder läuft weil er sich ein neues Passwort geben lassen musste.
Zumindest beide Wege würde ich vorplanen.
@123whatever
Ich finde Ihren Stil des Kommentierens fragwürdig und zugleich abwertend. Und evtl. sollten Sie sich mal vor Augen führen, dass ein Kdr „vom Elefantenfriedhof“ mehr Einsatz- und Übungserfahrung mitbringt, als der schneidige Neue frisch von der FüAk, der noch Sehnsucht nach Orden hat. Ein Blick in die Geschichte könnte Ihren Horizont dahingehend erweitern.
@T.W.
„Ich vermute, da werden nicht mehr wie im Kalten Krieg Codewörter und ähnliches über den Rundfunk verlesen.“
Das war in der BW bei meinen 10 Jahre Reserve ( nach W15) bis 1995 tatsächlich so.
Wäre das Codewort „weisser Fisch“ gekommen wär ich erst zu meinen Eltern ( da waren die BW-Klamotten auf dem Speicher ) und dann gestiefelt und gespornt 8 km weiter in die Kaserne.
Nach den 10 Jahren kam ein Brief zur Abgabe der Klamotten. Vorher dreimalige Wehrübung, jeweils REFORGER-Grossmanöver.
All das gibts in Deutschland nicht mehr. Wohl aber in ähnlicher Form in Ländern die sich immer (noch) bedroht sahen und sehen, bspw. Finnland.
Hierzulande ist das im Nachhinein erstaunlich. Eine 7-stellige Anzahl von Reservisten, beeindruckende Depots u.a. mit Fahrzeugen aller Art, Arbeitgeberprobleme ( Freistellung ) gab es fast nicht.
Durch regelmässige Übungen lief das wie ein Uhrwerk.
Ob das alles im vermuteten Atomkrieg irgendeinen Sinn gehabt hätte, darüber streiten die Historiker bis heute.
Aber das es dazu ( dem Grossangriff des Warschauer Pakts ) nicht kam, da könnte die gute Vorbereitung dran schuld sein :-)
Da kommen Jugenderinnerungen an die Arbeit mit dem „General Defense Plan“ auf ;).
Was die Vergleichbarkeit mit den Zeiten des kalten Kriegs betrifft, hatte allein mein ehemaliges Korps drei der damals 12 kriegsstarken Divisionen samt Kampf-, Führungs- und Einsatz-Unterstützungskräften zu „bereedern“. Dafür sind wir größenordnungsmäßig mit weniger als 15 Generalen (1 GL, 4 GM, Rest BG) ausgekommen, die auf eine Schicht von kompetenten (General-)stabsoffizieren, aufbauen konnten, Diese habe ich als verantwortungs- und führungs-bereiter erlebt, als den Durchschnitt ihrer heutigen Nachfolger. Auch hatten wir alle mehr „Beinfreiheit“ und konnten damit effizienter arbeiten.
Werden wir wirklich unsere Verteidigungsfähigkeit dadurch steigern, dass wir inzwischen für Kommandos in Divisionsstärke 2 GL, 3-4 GM und weiter 5+BGs einsetzen?
Ich versuche mir vorzustellen, wie das – besonders in den hoch technisierten Verbänden – mit den sofort einsatzbereiten Reservisten funktionieren soll. Wir hatten seinerzeit Feldersatz-Einheiten, in denen wir das Personal erst „ergänzungstrainiert“ haben., bevor es in den Einsatz geschickt wurde. Vergleichbare Fähigkeiten im BOS-Bereich werden überwiegend in Stützpunkten aufgebaut und erhalten, die dicht an den Wohnorten der entsprechend Engagierten liegen, die häufig in Ballungsgebieten wohnen. Es stellt sich die Frage, zu welchem Anteil man Ausbildungseinrichtungen dichter an die Wohnorte der Reservisten heranbringt und dazu auf innovative Technologien zurückgreift.
Was mir ebenfalls noch Rätsel aufgibt ist der Heimatschutz: Wie soll der in einem Staat mit 11.000 Kommunen und mehreren tausend kritischen Infrastrukturen über fünf Dimensionen organisiert werden. Ich weiß natürlich, dass man z.B. die Luftverteidigung von WK II, dem kalten Krieg und der heutigen Zeit nicht miteinander vergleichen kann. Aber selbst wenn man davon ausgeht, dass man heute – auf der Basis welcher „Schutz-Domes“ auch immer – mit 10 % des WK II Personalbedarfs auskommt, vermag ich nicht mir vorzustellen, wie die ca 100.000 Personen für eine solche Fähigkeit organisiert und kompetent erhalten werden sollen.
Im Ergebnis stellt sich mir – auch aus Effizienz und Kostengründen – die Frage, ob wir – ggfs. ergänzend – mit einer flächendeckenden Milizstruktur wie im Baltikum und in Skandinavien als Träger eines Heimatschutzes nicht besser bedient wären. Berichte aus Polen zeigen, dass man hier mit ca 20 % im Vergleich zu einer regulären Einheit rechnen kann,
@Stubenviech:
„Passt ja auch recht gut SchulKdr wird DivKdr, die Lehrgruppen werden zu RGT/Brigaden, Inspektionen zu Btl, Hörsäle zu Kp.“
Kp‘n also in Hörsaalstärke – also so um die 25 Pax – interessanter Gedanke..
Ist es nicht eher so, dass bei Ausruf der VtdgAufstellung, die Lehrgangsteilnehmenden vom Lg abgelöst werden, in ihre Stammeinheiten zurückkehren und dort ihren DP-originären Auftrag ausführen?
@Voodoo sagt:
24.06.2026 um 19:30 Uhr
Danke, das ist Absicht. Mein Vertrauen in OTL Dunning-Kruger mit seinen obsoleten Erfahrungen aus der ILÜ 19whatever ist spätestens seit den taktischen Revolutionen des Kriegs gegen die Ukraine gering.
Ich finde es beleidigend und grotesk, dass Deutschland seit 15 Jahren eine Berufsarmee hat, der über die Jahre aberhunderte Milliarden zugeteilt wurden, und die es nicht geschafft hat, sich verteidigungsfähig aufzustellen, sondern dies erst nach Eintritt der Krise und durch Rückkehr zur Wehrpflicht zu tun gedenkt (siehe dieser Artikel). Die mir eine Einsatzbereitschaft einer „künftigen“ Reserve in drei Jahren weiß machen will.
Ebenso fühle mich als Steuerzahler in einem finanzpolitisch in die Enge getriebenen Staat, der absehbar haushalterisch handlungsunfähig wird, in obszöner Art und Weise verar***t, wenn ich lese, dass es „im Frieden wichtige“ Dienstposten mit hochrangigen Offizieren gibt, die offenbar unnötig für die Verteidigung sind und den Haushalt sprichwörtlich lebenslang belasten werden. Bei einer Quote von 3,42 Mannschaften und Unteroffizieren pro Offizier schlägt der Protest auf die Tastatur.
Blättere ich einen Artikel weiter, lese ich vom Multimilliardengrab F126. Blättere ich zurück, winkt das Unvermögen aus Litauen. Davor die Milliardensenke FCAS und es geht immer so weiter, bald dann die KI-Senke. Und kontinuierlich wird hier die Wehrpflicht gefordert, als sei das letzte Hemd nicht genug. Von hohen Ansprüchen in der Bevölkerung geschwafelt, deren wehrfähiges Altersband unter nicht-endendem Existenzdruck steht.
In Summe erzeugt dies eine gewisse Spannung in meinem Stil, die durchaus als abwertend interpretiert werden kann.
Seien wir beide froh, dass der Hausherr meinen provokanten Protest (und es soll damit beendet sein) bisher erduldet hat, und der Souverän diesen Streitkräften freundlich desinteressiert gegenüber gestimmt ist.
@JFST: Wir haben dann im Hörsaal Hörsaalleiter/Chef und Hörsaalfeldwebel/Spieß; der Rest kommt aus der Reserve, wobei auf die Ergänzungstruppenteile zurückgegriffen werden könnte.
https://de.wikipedia.org/wiki/Erg%C3%A4nzungstruppenteil?wprov=sfti1#
Das Materiallager (beschafft wird ja) ist vor Ort.
Panzertruppenschule und Infanterieschule wären schon zwei Divisionen. Die Divisionstruppen stammen von den jeweiligen Truppenschulen.
Grundsätzlich finde ich eine einfache Alarmierung „wie früher“ durchaus zielführend.
Nehmen wir das Beispiel der Schweiz im Zweiten Weltkrieg ohne jedwede IT:
Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Mobilmachung_(Schweiz)?wprov=sfti1#
„Am 28. August 1939 ordnete der Bundesrat mittels Plakaten die Mobilmachung von 80‘000 Mann des Grenzschutzes sowie am 1. September, dem Tag des Deutschen Überfalls auf Polen die allgemeine Kriegsmobilmachung für den nächsten Tag an. […] Die Materialfassungsdetachemente rückten sofort ein und am folgenden Tag 430‘000 Mann Kampftruppen, 200‘000 Hilfsdienstpflichtige und 10‘000 Frauen des neu gegründeten Frauenhilfsdienstes (FHD). Die Generalmobilmachung verlief problemlos innert drei Tagen. Die zweite allgemeine Mobilmachung wurde am 10. Mai 1940 ausgelöst und verlief mit fast 700‘000 Wehrmännern oder zwanzig Prozent der Bevölkerung ebenfalls geordnet.“
Statt dessen hacken unsere Reservisten die immer wieder gleichen -bereits 100-fach bekannten- Daten in die immer gleichen Formulare, damit diese von (bestimmt nicht faulen) Mitarbeitern händisch in andere Formulare gehackt werden, damit vielleicht unter Umständen irgendwo irgendwie irgendwas funktioniert…
@Stubenviech:
Got it!
So macht’s Sinn 👍🏻
@JFST: Danke und gerne; jetzt wissen wir auch, was ganz bestimmt nicht passieren wird, weil es bestimmt Komplizierteres gibt, das evtl. in zwanzig Jahren einsatzbereit sein könnte…. ;-)
Ganz Gold wäre natürlich, wenn man auch die Traditionen früherer TrTle wieder aufnehmen würde, auch um die gesellschaftliche Kohäsion zu stärken.
Praktisch, dass alles immer erst einige Jahre in der Zukunft erreicht werden muss. Es wäre doch viel spannender, zu schauen was die Bw auch *jetzt* schon tun könnte. Dass da überhaupt nichts möglich wäre und man alles erst jahrelang vorbereiten muss, glaube ich nicht. Aber es wäre sicherlich ernüchternd und da möchte wahrscheinlich niemand so genau drüber nachdenken.
Seien wir mal ehrlich – die „2029 absehbar verfügbaren Kräfte, Mittel und Strukturen“ werden größtenteils dieselben sein wie auch 2026. Ich kann mir vorstellen, wie in dieser Verteidigungsaufstellung bereits mit Skyranger-Batterien, vollausgestatteten Reservisten usw. geplant wird.
Wie wäre es denn mal mit einer Mobilmachungsübung analog zum Warntag? Das wäre sicherlich aufschlussreich.
Jede Woche habe ich einen festen Termin in einem 1.000 Jahre alten Gebäude, in der vermutlich ältesten Garnison Deutschlands, Es ist nach einem römischen Reitersoldaten benannt und hat auch schon als Kaserne, Pferdestall und Sterbehaus für ein große Armee gedient.. Dort lese ich einem kleinen, aber interessierten Publikum Texte vor, die mehr als 2.000 Jahre alt aber häufig von erschreckender Aktualität sind. Daraus ein Beitrag für die laufenden Diskussionen auf dieser Plattform, ;)
„Alle Dinge sind rastlos tätig, / kein Mensch kann alles ausdrücken, nie wird ein Auge satt, wenn es beobachtet, / nie wird ein Ohr vom Hören voll.
Was geschehen ist, wird wieder geschehen, / was getan wurde, wird man wieder tun: / Es gibt nichts Neues unter der Sonne.
Zwar gibt es bisweilen ein Ding, von dem es heißt: / Sieh dir das an, das ist etwas Neues – / aber auch das gab es schon in den Zeiten, die vor uns gewesen sind.
Nur gibt es keine Erinnerung an die Früheren / und auch an die Späteren, die erst kommen werden,
auch an sie wird es keine Erinnerung geben / bei denen, die noch später kommen werden.“
Buch Kohelet bzw. Prediger 1,4–11
@Flo: Die App gibt es schon heißt „Meine Reserve“ und soll genau das können. Funfact im November 25 live gegangen, läuft darüber noch nichts…
Natürlich hat eine Armee in Friedenszeiten dutzende Aufgaben die in Kriegszeiten nun mal anders sind. Ich glaube hier wissen einige gar nicht was Planungsarbeit in Stäben usw. beinhaltet. Einen GDP oder OplanDeu erstellt man nun mal auch nicht im V Fall sondern davor.
Wir neigen auch dazu uns schlechter zu machen als wir sind.
@shippo, 25.06.2026, 10:15 Uhr:
„…Wie wäre es denn mal mit einer Mobilmachungsübung analog zum Warntag? Das wäre sicherlich aufschlussreich.“
Sehr gute Idee, aber abwegig.
Eine der goldenen Regeln zum Erklimmen der Karriereleiter: Stelle niemals Fragen, deren unangenehme Antwort du bereits kennst, bzw. deren Antwort du nicht hören willst.
Und ich bin ganz sicher, dass man im BMVg weiß, wo die Bw bzgl. Einsatzfähigkeit steht. Das will aber niemand öffentlich machen zumindest nicht ohne massive „cheating preparation“.
EHRLICH. IST. ANDERS.
@PMJ, OT:
Nach einigen Startschwierigkeiten trotz Live-Test funktioniert die App „Meine Reserve“ ganz gut und Heranziehungen können darüber abgewickelt werden.
Später soll ja auch die USG mit eingebunden werden.
Wer prüft denn ob die Soldaten aus den Stäben / Schulen etc. überhaupt die passende Qualifikation für den DP im V-Fall haben? Wenn ich im Amt für irgendwelche Excel Listen zuständig bin, kann ich dann auch noch das Funkgerät im GefFzg bedienen? Ich glaube da kommen noch enorme Herausforderungen auf die Truppe zu. Von IGF und richtiger moderner Gefechtsausbildung ganz zu schweigen.
Es mag altmodisch klingen, aber gibt es keine STAN Stellen mehr?
War da drin nicht definiert, was ein Soldat im Großen vaterländischen Krieg machen sollte?
Gibt es das nicht mehr?
[Die V-STAN eben nicht mehr, so wie ich das verstehe. T.W.]
@cato:
Danke.
@Sven @TW
Ich schrieb ja bereits daß in der Soll-Org / IS Org V-Dienstposten hinterlegt sind die im Grundbetrieb nicht besetzt sind.
Die sind zwar für Reservisten könnten aber genauso gut mit dann umzusetzenden Aktiven besetzt werden.
@Insider: dazu müssten die Beroffenen sowie die zuständigen Stellen erst einmal wissen, wer welchen V-DP besetzt, bzw. entsprechene Strukturen geschaffen werden.
Ich persönlich gehöre (wie auch viele andere Soldaten in meiner Dienststelle) auch zu denjenigen, deren Aufgabe bei LV/BV schlicht nicht benötigt wird, habe aber keine Ahnung, welche V-Verwendung auf mich wartet. Ein Umstand, auf den ich in meiner Dienststelle seit mindestens drei Jahren hinweise.
Es ja gäbe durchaus eine Reihe von Verwendungen, für die man mich im V-Fall einplanen könnte…. es müssen nur die Planungen kommunizert werden.
[Ja aber das ist doch jetzt alles geklärt, behaupten Ministerium und GI? Ist dem nicht so? T.W.]
Wahrscheinlich sehe ich das zu einfach, aber:
im Intranet gibt es ja das Dienstposten-Informationsportal, unterteilt in die Kategorien Aktive / zivile Beschäftigte / Reservisten.. Das könnte man ja um eine Kategorie „V“ (oder wie sie dann heißt) ergänzen, wobei diese bereits grundsätzlich bei den Reservisten abgebildet ist (DP nur für Reservisten). In der jeweiligen IS Org sind die Stellen ja auch ausgewiesen, da muß man dann aber schon wissen, welche DSt man betrachten möchte.
Die aktiven Kameraden, die sich einen V-DP suchen müssen könnten dann ja nach Dotierung, ATN / ATB u.a. entsprechende DP identifizieren, wobei die lebensälteren und ggf. nicht mehr uneingeschränkt außendienst verwendungsfähigen Kameraden ja grundsätzlich heimatnah eingesetzt werden könnten – was auch ggf. Unterkunft etc. entlastet.
Die Herausforderung ist allerdings, daß man auf seinem V-DP im Grundbetrieb üben sollte..
Daneben gibt es die grundbeorderten die zahlreiche DP besetzen werden, idealerweise da und in der Funktion, wo sie zuletzt gedient haben.
> [Ja aber das ist doch jetzt alles geklärt, behaupten Ministerium und GI? Ist dem nicht so? T.W.]
wir sind eine recht große Einheit mit relativ hoher Dienstgraddichte und bei uns weiß absolut niemand, was wir im V-Fall machen werden
Das sind bestimmt diese Dienststellen und Einheiten mit den Dienstposten für Operationsplanung, von denen oben geschrieben wurde („Einen GDP oder OplanDeu erstellt man nun mal auch nicht im V Fall sondern davor.“).
SCNR
Das eine Armee im Verteidigungsfall aufwächst und nicht-aktive Truppenteile aktiviert werden und den bestehenden Truppenkörper ergänzen und es dafür vorbereitenden Planungen geben muss, das verstehe ich.
Aber das sich eine (ganze) Armee im Verteidigungsfall erst einmal umgliedern muss, das finde ich einigermaßen absurd und problematisch. Von den organisatorischen und logistischen Aufwänden und den Zeitverlusten dieser Aktion mal ganz abgesehen.
Ich denke, da können sich einige vom liebgewonnenen Friedensgrundbetrieb nicht mehr lösen und sich schonungslos ehrlich machen.
„Der Bund stellt Streitkräfte zur Verteidigung auf.“ – Der Satz ist im Präsens geschrieben.
@ Helpless Desk, 01.07.2026, 11:24 Uhr:
„…Ich denke, da können sich einige vom liebgewonnenen Friedensgrundbetrieb nicht mehr lösen und sich schonungslos ehrlich machen. …“
Zustimmung 100%. Damit sind wir aber wir bei dem „Fröscheproblem“.
Wer den Froschteich entwässern möchte (muss), fragt besser nicht die Frösche.
Ganz nebenbei müßten Sie dann sehr viele Mitarbeiter aus den Wasserköpfen entlassen, oder so viele Manöverelemente aufstellen, dass all diese Mitarbeiter auch etwas zu führen haben, nach dem Grundprinzip „Kein Stab ohne Truppe“. Beides ist eine Herkulesaufgabe.
@Helpless Desk
@ORR (ich mag Ihre Kommentare 😃)
Genial erkannt, das ist das Problem der Bundeswehr, wir sind in der bestehenden Struktur nicht kriegsfähig!
Wir haben schon vor langem fast resigniert und gesagt eigentlich müsste man eine neue Bundeswehr aufbauen und die bestehende Stück für Stück auflösen und, wo möglich, in eine neue Struktur überführen.
Nachtrag
In einem ersten Schritt müsste der Bundesrechnungshof seine Zuständigkeit für die Bundeswehr verlieren. Viele unserer Probleme resultieren aus der Tatsache das der Rechnungshof den Friedensbetrieb als „Normalzustand“ definiert und somit Lagerhaltung, Reserven und unabhängige Kompetenz (z.B. Bundeswehrapotheken) für überflüssig und zu teuer erklärt.
@Sepp
Der BRH hat eine beratende Funktion, d.h. bedeutet nicht, daß man seinem Rat folgen muß insbesondere wenn es gute Gründe gibt, die dagegen sprechen.
Nur hat man das seinerzeit bereitwillig aufgegriffen weil ja sparen, insbesondere im EP 14, angesagt war („Friedensdividende“ stand gegen: si vis pacem para bellum), und die Kapitalseite hat gewonnen.
Es gibt keine „Kapitalseite die gewonnen hätte“ zum Nachteil der Bw, sondern einen Haushalt, der Prioritäten aufweist. Dass die Bw jahrzehntelang gering priorisiert wurde ist richtig. Mir fehlt jedoch die Erinnerung an Widerstand aus der militärischen Spitze oder roten Alarm aus dem Controlling. Markige „Das Heer ist blank“-Wortmeldungen kamen erst als es opportun war. Vereinzelt nachdem die Pension im Trockenen war.
Die Ausrede „es lag am Geld“ wirkt auch mit Blick auf verstetigte Kopflastigkeit, Unvermögen trotz jüngerer Geldschwemme, ungenügender Organisation der Reserve (inkl. Verlust der Datenbasis), Trägheit im Personalwesen sowie im Bang-For-Buck-Vergleich mit Peerstaaten und kontinuierlichem Missmanagement von Rüstungsprojekten wenig überzeugend.
Die Verantwortung beim BRH zu suchen ist großartige Satire. Danke dafür.
@Sepp:
Unglaublich! Ich habe gerade im Thread „Verteidigungshaushalt soll 2027 um fast ein Drittel steigen“ genau das gleiche wie Sie vorgeschlagen: Ganzen Militärapparat auflösen und neu konfigurieren, ich halte ihn nicht für reformierbar.