Bundestag gibt Mittel für Loitering Munition frei – unter Auflagen (Neufassung, mit Wortlaut Maßgabebeschluss, und KORREKTUR)
Der Haushaltsausschuss des Bundestages hat den Weg für Investitionen in Kamikaze-Drohnen für die Bundeswehr, so genannte Loitering Munition, freigemacht. Die Abgeordneten billigten Rahmenverträge mit den deutschen Verteidigungs-Startups Stark Defence und Helsing, die bereits im kommenden Jahr diese als Munition eingestuften unbemannten Flugsysteme an die Truppe liefern sollen. Allerdings müssen die Unternehmen vor Ausschöpfen der ursprünglich avisierten Vertragssummen weitere Bedingungen erfüllen.
Die Planung für diese Einweg-Drohnen, die über einem Gefechtsfeld abwarten (loitering) können und dann auf ein Ziel gelenkt werden (oder es sich auch selbst aussuchen), hatte die Bundeswehr im April vergangenen Jahres begonnen. Im Laufe des Jahres 2025 liefen dann die Tests, und ein knappes Jahr später sollen die Beschaffungsverträge abgeschlossen werden. Das kann man vermutlich als Rekord bezeichnen.
Möglich wurde das allerdings auch deshalb, weil die Verträge zunächst mit den beiden deutschen Rüstungs-Startups Helsing und Stark Defence zwar am Ende Milliardenbeträge umfassen sollen – aber zunächst ganz wesentlich eine Anzahlung auf die Zukunft sind. Denn diese militärische Schlüsselfähigkeit, so das Verteidigungsministerium, soll und muss so schnell wie möglich erreicht werden. Die Loitering Munition Systems der beiden Herstellerfirmen sind deshalb, um es allgemeinverständlich auszudrücken, noch nicht zu Ende entwickelt – und die Weiterentwicklung ist Teil der Vereinbarung zwischen Ministerium und Industrie.
Die unverzichtbare Ergänzung der Fähigkeiten der Streitkräfte zur punktgenauen Bekämpfung oberhalb der Artilleriereichweite, so erläuterte das Verteidigungsministerium in einer internen Übersicht, soll deshalb über parallele Beschaffung, Erprobung und Ausbildung erreicht werden. Was sonst als Fehler gilt (Produkt reift beim Kunden) ist damit Teil des Konzepts. Denn bei diesen Waffensystemen gilt, insbesondere angesichts der Erfahrungen der Ukraine im Abwehrkampf gegen die russiche Invasion: Geld mag genug da sein, Zeit sicherlich nicht. Die Fähigkeit soll schließlich bereits im kommenden Jahr der neuen Panzerbrigade 45 in Litauen zur Verfügung stehen. Danach soll in einem zweiten Schritt der Bedarf der Bundeswehr insgesamt gedeckt werden – mit mehreren zehntausend Stück Loitering Munition.
Der Haushaltsausschuss des Bundestages gab nach Angaben von Ausschussmitgliedern am (heutigen) Mittwoch die Beschaffung frei. Zugleich zog das Gremium aber mit einem so genannten Maßgabebeschluss eine finanzielle Obergrenze ein. Im Wortlaut:
Der Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestages stellt fest:
Sicherheit verlangt Entschlossenheit. Haushaltsführung verlangt Maß. Wo militärische Dringlichkeit auf Milliardenbindungen trifft, ist es Aufgabe des Parlaments, Tempo mit Verantwortung zu verbinden. Der Haushaltsausschuss bekennt sich zur schnellen Schließung bestehender Fähigkeitslücken – und zugleich zur Wahrung seines Budgetrechts, zur Sicherung des Wettbewerbs und zur sparsamen Verwendung öffentlicher Mittel. Der Haushaltsausschuss erwartet zudem, dass die erforderlichen Bedarfe der Panzerbrigade 45 „Litauen“ bis spätestens 31. Dezember 2027 bereitgestellt werden.
Die vorliegenden Rahmenverträge enthalten erhebliche maximale Abrufvolumina mit mehrjähriger Laufzeit. Ohne parlamentarische Steuerung bestünde die Gefahr einer faktischen Vorfestlegung milliardenschwerer Haushaltsmittel über einen langen Zeitraum.
Vor diesem Hintergrund stimmt der Haushaltsausschuss den vorgelegten Rahmenvereinbarungen mit Festbeauftragungsanteil unter folgenden Maßgaben zu:
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- Ohne erneute parlamentarische Billigung dürfen keine weiteren Abrufe getätigt werden. Abrufe, die über die jeweilige erste Festbeauftragung hinausgehen, bedürfen der ausdrücklichen Zustimmung des Haushaltsausschusses des Deutschen Bundestages.
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Die in den jeweiligen Rahmenvereinbarungen vorgesehenen maximalen Abrufmengen werden für alle beauftragten Unternehmen einheitlich verbindlich gedeckelt auf einen Gesamtauftragswert von jeweils 1 Mrd. Euro brutto.
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Alle geplanten Abrufe aus den Rahmenvereinbarungen oberhalb dieser gedeckelten, jeweiligen Gesamtauftragswerte sind mit aktualisierter Bedarfsbegründung, Marktanalyse, Preisprüfung sowie Leistungsnachweis dem Haushaltsausschuss zur gesonderten Billigung vorzulegen.
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Das BMVg darf die geplanten Abrufe nur tätigen, wenn der Nachweis der abgeschlossenen Qualifikation und Serienreife erbracht wird.
- Das BMVg wird verpflichtet, den Berichterstattern des Einzelplans 14 erstmals sechs Monate nach Beschlussfassung einen Sachstandsbericht vorzulegen, aus dem hervorgeht: Qualifikations- und Serienreifestand
Liefermengen und Zeitplan
Preisentwicklung
industrielle Produktionskapazitäten
Wettbewerbssituation im Markt
- Ohne erneute parlamentarische Billigung dürfen keine weiteren Abrufe getätigt werden. Abrufe, die über die jeweilige erste Festbeauftragung hinausgehen, bedürfen der ausdrücklichen Zustimmung des Haushaltsausschusses des Deutschen Bundestages.
Die Unternehmen bekamen damit unter dieser Einschränkung die Billigung der Abgeordneten für die Rahmenverträge über rund 2,9 Milliarden Euro (Stark Defence) und 1,5 Milliarden Euro (Helsing). Der Unterschied zwischen beiden Firmen wird noch offensichtlicher, wenn man die nominal gleichen Festbeauftragungen in diesen Verträgen ansieht: Dafür sind zwar für beide Unternehmen rund 270 Millionen Euro vorgesehen – für dieses Geld gibt es jeweils gut hundert so genannte Einsatzsets, die bei Helsing 50 und bei Stark 20 Systeme enthalten. (KORREKTUR, nicht 50 und 20 Systeme für jeweils 270 Mio Euro)
Der Unterschied, erläuterte das Ministerium, beruhe auf den unterschiedlichen Konzepten und Fähigkeiten der jeweiligen Systeme: Der Einweg-Effektor Virtus von Stark Defence sei ein Senkrechtstarter ohne gesonderte Startvorrichtung und zudem mehrfach verwendbar. Das System HX-2 von Helsing benötige dagegen ein Katapult – und da diese Drohne bereits an mehrere andere Nationen verkauft worden sei, reduziere sich der deutsche Anteil an Entwicklung und Aufbau von Produktionskapazitäten.
Als dritter Hersteller soll voraussichtlich im April Rheinmetall ebenfalls einen Auftrag bekommen. Das Unternehmen hatte laut Ministerium zunächst nicht genügend Nachweise für die Wirksamkeit seiner Einweg-Drohne geliefert. In den vergangenen Tagen meldete Rheinmetall jedoch erfolgreiche Tests seines Systems FV-014 nach. Die finanzielle Deckelung des Maßgabebeschlusses soll dann auch für diese Loitering Munition gelten.
Für die Abstimmung im Haushaltsausschuss spielte angesichts der Koalitionsmehrheit dann auch die Kritik keine Rolle mehr, die zuvor vor allem die Grünen angemeldet hatten: Der US-Investor Peter Thiel, Unterstützer von US-Präsident Donald Trump und offenkundiger Demokratie-Ablehner, ist auf verschiedenen Wegen Geldgeber von Stark Defence. Deshalb hatte auch Verteidigungsminister Boris Pistorius zunächst Bedenken geäußert, die nach seinen Worten aber überwunden wurden. Auffällig ist dabei, dass sich Minister wie Ministerium dabei nur auf eigene Aussagen des Unternehmens stützen: Das mag zutreffen, dieses Entgegenkommen ist in diesem sicherheitssensiblen Bereich allerdings zumindest ungewöhnlich.
(Archivbild: Start einer HX-2-Drohne – Werksfoto Helsing)
Der Haushalts-Ausschuss tut sich schwer damit, eine Beschaffung ohne „Marktanalyse, Preisprüfung sowie Leistungsnachweis“ zu genehmigen. Ich denke, dass man mit dem Kompromiss einer Deckelung auf zunächst 1 Mrd. € und einer Zustimmung bei Überschreitung des ersten Auftragsvolumens von 270 Mio.€ pro Vertrag durchaus leben kann. Ich bin durchaus auch dafür, hier Marktprinzipien, d.h. das bessere Preis-Leistungsverhältnis wirken zu lassen.
Sorgen macht mit das Thema Leistungsnachweis. Das riecht nach Spezifikationen und aufwändigen Qualifizierungen als Basis für eine Beschaffung dieser Leistung. Wo wir aber hinkommen müssen, ist eher eine Beurteilung der bereits erreichten Leistungsfähigkeit sowie eine Anerkennung der Entwicklungs- und Anpassungsfähigkeit des Lieferanten als Basis für eine „Wette“ auf die Leistungsfähigkeit der neuen Charge. Dem Text des Haushaltsausschusses entnehme ich da einen noch notwendigen Entwicklungsschritt für dieses Gremium.
Grundsätzlich schwierig finde ich auch die Formulierung „erforderliche Bedarfe der Panzerbrigade 45 „Litauen“ bis spätestens 31. Dezember 2027.“ Wie ich schon sehr häufig erwähnt habe, sehe ich eigentlich nie einen Bedarf für einen gewissen Zeitpunkt. Ich sehe immer den Bedarf an einem qualifizierten Zulauf – natürlich in Abhängigkeit von Anzahl und Zustand des bereits vorhandenen Materials. Gerade bei Drohnen wäre es fatal, der Brigade Litauen eine gewisse Stückzahl bis zum 31.12.2027 zu liefern und dann die Lieferung komplett einzustellen, weil „die Brigade ja versorgt ist“. Es wäre aus dieser Sicht heraus deshalb dringend geraten, dass die Bundeswehr eine Zulaufmenge für die Brigade definiert und dem Haushaltsausschuss erklärt.
Ich weiß nicht was so ein „System“ von 5,4 Mio.€ (Helsing) und 13,5 Mio.€ (Stark) enthält. Hoffentlich ja deutlich mehr als eine Loitering Munition mit Startbehälter und Steuerung. 100.000 € ist ja ein wahrscheinlich sinnvoller Vergleichsweirt für SMART155 Munition. Greifen wir einmal hoch und nehmen 270.ooo€ pro Munition an, so sollten für die 270 Mio.€ jeweils 1000 Stück drin sein. Also 2000 oder später 3000 aus drei Verträgen.
Was wäre also eine vernünftige Lieferrate von Munition an eine Brigade?
300 pro Jahr zum Anfang und dann dauerhaft 150 pro Jahr?
Die Dinger müssen ja auch transportiert und gesteuert werden.
Hat jmd Informationen bzgl. der konzeptionellen Einordnung des Systems „Kamikazedrohne“ wonach sich der Bedarf auch quantitativ Ableiten lässt?
@ TW Danke für die klarstellende Korrektur, bei 2000 Virtus bzw 5000 HX-2 samt drumherum für die 270 mio klingt das jetzt wesentlich plausibler und insgesamt tatsächlich nach einem sehr guten eingeschlagenen Weg in der Beschaffung..
Hört sich nach einem vernünftigen Vorgehen an…
Finde es auch gut dass es vllt 3 Hersteller werden… Rheinmetall hat hier die Chance und das Potential aufzuholen… Konkurrenz belebt hier das Geschäft…
und eine gute Mischung aus Startups und etablierten Unternehmen macht Sinn!
Ich hätte generell noch eine HERO120 gerne gesehen… wobei diese ggf. näher an einer ATGM dran ist…
Zum rein finanziellen Aspekt. Einen Vergleich sollten sich aktuelle Beschaffungspläne immer gefallen lassen:
Eingesetzte modifizierte Baumarkt-Drohnen im aktuellen Ukraine-Frontgeschehen zu bestellten Drohnen der BW. Die Wirkung mit den üblichen Hohlladungen ist wohl in etwa vergleichbar.
Das selbsthergestellte und völlig neuentwickelte Drohnen, gerade bei Reichweiten bis 100 km, deutlich teurer sind ist klar.
Das Verhältnis derzeit incl. der üblichen, transportierten Hohlladungsmunition ist etwa:
– Drohne im Ukraine-Krieg: Ab ca. 1000 € mit und ohne Glasfasersteuerung
– Beschaffungsplanung der BW ( rein funkgesteuert, d.h. grundsätzlich störbar ): Eine Drohne geht je nach Hersteller schon in Richtung 100.000 €.
Das ist eine Menge Geld. Das Verhältnis liegt bei ca. 1:50 bis 1:100
Auch wenn die neuen BW-Kamikaze-Drohnen echt gut sein sollten ( die Tests laufen ja noch ) , reicht die Menge bei dem hohen Preis denn im Konfliktfall ?
Im Falle der Litauenbrigade bringt die Stationierung natürlich sehr wohl etwas. Zumindest wenn der böse Feind seine Eloka-Forschung unglücklich fortführt, die BW-Drohnen sind ja alle funkgesteuert…
Ein grösserer Stolperstein sind die neuen Drohnen aber in jedem Fall…
@Apollo 11
110mm Kaliber bei TDW Lion Strike LS110 bei Stark Virtus vs. 72,5mm bei PG-22 bis 85mm bei PG-7V klingen nicht gerade nach einer vergleichbaren Wirkung mit den FPV-„Baumarkt-Drohnen“ (m.E. falscher Begriff; wohl eher von Freiwilligen oder Unternehmen zusammengebaut). Die Lancet-Drohne mit 50km Reichweite spielt nicht einmal in der gleichen Liga (80-100km) und kostet bereits mehrere Zehntausend Euro. Unglücklicherweise ist auch die Lancet funkgesteuert wie auch der LFK Spike NLOS mit ähnlicher Reichweite. Non-Line-of-Sight- und Lock-on-after-Lauch-Fähigkeiten existieren übrigens seit einigen Jahren.
Wenn man nachrechnet:
135.000 € pro (Einweg-) Drohne ( Stark )
54.000 € pro (Einweg-) Drohne ( Helsing )
Zum Vergleich:
Oft genannte Preise für aktuelle, modifizierte Ukraine-Drohnen aus handelsüblichen Teilen:
800 € plus Hohlladung, also gerundet 1000 € +/- X
Für ein hochintensives Gefecht ist die BW-Beschaffung an festgefahrener Front also definitiv ungeeignet ( auch aufgrund der reinen, grundsätzlich störbaren Funk-Lenkung ).
Das ist aber hier nicht die Intension.
Vielmehr primar der Schutz der Litauenbrigade durch Einführung eines weiteren ( Milliarden- ) Stolpersteins.
Das ist in jedem Fall ein Schritt in die richtige Richtung, den massiven Kostenfaktor mögen die Experten einordnen. Bin gespannt auf die Meinung der Drohnenexpertin Ulrike Franke im nächsten Sicherheitshalber-Podcast…
Marktanalyse ist bei nicht marktgängigen Leistungen eher schwierig. Dafür gibt es die Möglichkeit einer Preisprüfung in den jeweils für den Lieferanten zuständigen Landesbehörden.
Die Kosten für die Beschaffung für die Bw sind nur ansatzweise vertretbar (sicher ginge es auch deutlich günstiger) wenn diese Drohnen nur gegen wirkliche Hochwertziele eingesetzt werden (KPz u.ä.). In der UKR werden aber sehr oft auch Einzelschützen bekämpft, da zählt dann tatsächlich Masse bzw. Menge.
Und um den Gegner am Boden zu ärgern und zu beschäftigen brauche ich das deutsche Hi-Tec erst einmal nicht.
Zudem sind die Drohnen viel zu sperrig um in Stückzahlen mit einem abgesessenen Trupp mitgeführt zu werden. Was ebenso kommen wird bzw. bereits im Einsatz ist: „drones-in-waiting“, d.h. abgesetzte Drohnen, die warten bis ein Ziel sich nähert und die dann aufsteigen und es bekämpfen, quasi eine Art mobile Mine.
Man darf diese Drohnen nicht mit den günstigen wegwerf Drohnen in der Ukraine mit 20km Reichweite und reiner Fernsteuerung vergleichen…
Diese Drohnen hier sind in allen Bereichen besser und eher mit Lancet zu vergleichen… und auch deutlich besser als der wenn alles mal funktioniert…daher get der Preis von ca 50.000€ erstmal in Ordnung… ich denke hier ist später auch noch durch Skalierung eine deutliche Reduzierung machbar…
und die Frage ist wo will man hin… von diesen Loitering Munitions braucht man keine Mio auf Lager… man benötigt immer eine 5-Stellige Anzahl auf Lager insgesamt Übungen… und ausreichend Produktions und Weiterentwicklungskappa
Ich finde den Kompromiss gut.
Einerseits investiert man in die Zukunft, andererseits wird nicht blind Geld ausgegeben, denn das würde – zu Recht (!) – vom BRH moniert.
Natürlich geht die Entwicklung rasend weiter und alles, was ich heute bestelle ist technisch bereits veraltet, aber die Erstbefähigung bei der PzBrig 45 ist sinnvoll und was man dann braucht, sehen wir.
Bitte nicht stumpf auf den Preis gucken.
Ich denke schon, dass da auch qualitative Unterschiede bei den Stark-/Helsing-Produkten zu den Selbstbau-Dronen der Ukraine sind. Auch dort geht nicht mal jede 10. Drohne ins Ziel (siehe Sicherheitspodcast 104) und daher wird hier nicht der „Impact/€“ berechnet, sondern nur der „Preis/Drohne“.
Das sind zwei verschiedene paar Schuhe.
Es ist daher zu begrüßen, dass was passiert, dass man versucht beiden Anforderungen (Verfügbarkeit und technische Höhe vs. finanzielle Verbindlichkeit) gerecht zu werden und gestehen wir hier auch der BW und dem BAAINBw zu, dass alle Seiten hier noch lernen müssen und werden.
Für mich einfach ein guter Kompromiss.
In einer Zeit, in der die Schwarzmalerei Konjunktur hat, meiner Meinung nach eine gute Nachricht. Ist alles perfekt? Bestimmt nicht. Muss allen Beteiligten die Möglichkeit, zu lernen, zugebilligt werden? Auf jeden Fall. Dass neue Wege in der Beschaffung gewagt werden, wurde schon umfassend gelobt. Da die Hersteller z.T. mit der Ukraine in enger Verbindung stehen, bin ich zuversichtlich, dass sich auch Glasfaserlenkungen und weitere Entwicklungen in den Produktportfolios etablieren werden, wo sinnvoll und vorteilhaft. Hier muss man leider sagen, dass die Ukraine derzeit Innovationsfeld ist und wir uns gereifte Technologien „aussuchen dürfen“ – das ist nicht so makaber gemeint, wie es klingt. Deshalb sollten wir diese Chance nutzen, zuschauen, lernen, und aus den Opfern der Ukraine das Beste machen.
@Apollo11
>>Oft genannte Preise für aktuelle, modifizierte Ukraine-Drohnen aus handelsüblichen Teilen:
800 € plus Hohlladung, also gerundet 1000 € +/- X<<
Der Preisverlgeich ist gerechtfertigt, jedoch werden hier Äpfel mit Birnen verglichen. Von der Reichweite einmal ganz abgesehen besteht der Hauptunterschied darin, wie die Dronen kommunizieren und ins Ziel gelenkt werden. Meines Verständnisses nach sind die ukrainischen Eigenbauten entweder per Funk oder Lichtleiter ferngesteuert oder nutzen GPS.
Auf dem Gefechtsfeld ist Funk und GPS immer öfter nachhaltig gestört und Lichtleiter schränken die Verwendung ein.
Die neuen Dronen hingegen verfügen meines Verständnisses nach über die Fähigkeit zur eigenständigen Zielerfassung und sind somit weder auf Funkverbindung noch Lichtleiter zwingend angewiesen.
Zudem gibt es Lösungen, die ohne GPS Daten auskommen.
Das schönste, massenproduzierte und günstigste System nützt leider gar nichts, wenn es zuverlässig gestört werden kann, daher sind hier meines Erachtens die Mehrkosten absolut gerechtfertigt, weil sie eine neue Gefechtsfeldfähigkeit erschließen.
Wie in allen militärischen Anwendungen wird aber auch hier der Technologiewettlauf nicht Halt machen und für jede neu entwickelte Lösung werden Gegenmaßnahmen entwickelt werden.
@ QMensch:
„…Die neuen Dronen hingegen verfügen meines Verständnisses nach über die Fähigkeit zur eigenständigen Zielerfassung und sind somit weder auf Funkverbindung noch Lichtleiter zwingend angewiesen….“
Das könnte ein valides Argument sein. Widerspricht aber der BW-Philosophie der letzten Entscheidung die ein Mensch treffen sollte. Stichwort Kollateralschäden / friendly fire.
So richtig kommuniziert was die neuen, teuren Drohnen denn machen wenn die Kommunikation abbricht wurde nicht wirklich…
@QMensch
„Das schönste, massenproduzierte und günstigste System nützt leider gar nichts, wenn es zuverlässig gestört werden kann, …“
Es nutzt aber auch das teure autonom zielfindende System nichts wenn ich einen „man-in-the-loop“ zur Freigabe des Wirkens benötige, das (Bild-) Signal der Drohne dann aber gestört ist. Quasi: ja, autonom, dennoch nicht autonom.
@Die Planung für diese Einweg-Drohnen, die über einem Gefechtsfeld abwarten (loitering) können und dann auf ein Ziel gelenkt werden (oder es sich auch selbst aussuchen)…
Und können (wenn die Herstellerangaben zutreffen sollten) noch etwas mehr leisten:
Command and Weapons Control Software (= Missionssystem) soll die Steuerung verschiedener Systeme unterschiedlicher Hersteller ermöglichen;
Softwareknoten (Systemsoftware innerhalb eines Knotens einbetten)= keine manuelle Steuerung durch einen Soldaten notwendig = in Gefangenschaft geratene Soldaten können nicht erpresst oder „umgedreht“ werden.
Was die hier bereits (zu Recht) diskutierten, hohen Kosten verständlicher erscheinen lässt
Funk-/Lichtleiter-/oder GPS gesteuerte Kamikazedrohnen, erzeugen bei jedem Drehflügler verhaltene Begeisterung, insbesondere bei der Annahme, dass Rot ebenfalls derart perfide Bewaffnung führt.
@Ted, 26.02.2026, 19:45 Uhr
„Funk-/Lichtleiter-/oder GPS gesteuerte Kamikazedrohnen, erzeugen bei jedem Drehflügler verhaltene Begeisterung, insbesondere bei der Annahme, dass Rot ebenfalls derart perfide Bewaffnung führt.“
Volle Zustimmung. Dann müssen sich die Weiterentwickler der Bw in Köln jetzt mal echte Gedanken bzgl. einer Nachfolge des Tiger machen.
Zitate Start:
„Funk-/Lichtleiter-/oder GPS gesteuerte Kamikazedrohnen, erzeugen bei jedem Drehflügler verhaltene Begeisterung, insbesondere bei der Annahme, dass Rot ebenfalls derart perfide Bewaffnung führt.
„Dann müssen sich die Weiterentwickler der Bw in Köln jetzt mal echte Gedanken bzgl. einer Nachfolge des Tiger machen“
Zitate Ende.
Nein , müssen sie nicht (mehr) !
Der Front Kampf Heli im NATO BV/LV Fall ist TOT !
(Das hat D mal ausnahmsweise gut erkannt…andere Nationen leider noch nicht)
Und für „echten“ IKM gegen minder bewaffnete Drittwelt Milizen würde ein M-Force Paket für den H-145 massig ausreichen … ABER:
IKM mit bemannten bewaffneten Helikoptern wird es auch nicht mehr geben, denn jede Drittwelt Miliz bekommt Drohnen demnächst im Russen/Iran/NOK/China Aldi um die Ecke !
Der Militär Hubschrauber an sich wird somit nur noch im Marine Diensten (ASW/SOF/Rescue) und als Transportmittel für Schnell Transporte von weit hinter der Front in 100% Drohnen geräumte (!) Gebiete an der Front benötigt.
Aktuelle Empfehlung für alle Interessierten (von 2026):
„Krieg im Drohnenfeuer“ in der ZDF Mediathek.
Dominiert wird die neue Frontrealität von diesen kleinen und mittleren Billig-Baukasten-Drohnen mit ähnlichem Aufbau und Nutzlasten von Handgranaten ( ca. 400 gr. ) bis zu Hohlladungen ( ca. 1,5 bis 3+ kg ).
Aufbau immer ähnlich:
– Akku oben ( ab ca. 1 kg )
– Kasten der Steuereinheit darunter
– Hohlladungsgranate unten ( 3 kg )
– An den Seitenauslegern 4 E-Motoren mit Propellern
– evtl. Glasfaserspindel, die wiegt aber schon bei 10 km Reichweite über 1,3 kg und reduziert die Nutzlast
Das wären die Daten einer typ. mittleren Drohne im 1000 Dollar-Bereich mit um die 10 km Reichweite.
Sieht zusammengeschustert aus mit offen verlegten Kabeln und Klebeband oder Kabelbindern über der Hohlladung.
Bei der Hohlladung ( und natürlich der Reichweite ) gibt es den größten Unterschied zu den neuen Bundeswehr-Beschaffungen:
Die neue 3 kg ( 110mm ) Hochpräzisionshohlladung von TDW kostet wahrscheinlich mindestens. das 10fache der im Ukrainekrieg vermutlich eingesetzten „Billig“-Hohlladungen. Durchlagsleistung mindestens. 880 mm , Billighohlladungen liegen oft bis zum Faktor 3 darunter, da reicht dann der Schutz modernster Kampfpanzer.
An der realen Front in der Ukraine sind viele Drohnen aber leichter, noch billiger und ohne Hohlladungen, da ja oft nur leicht- oder ungepanzerte Ziele wie Motorräder, Soldaten oder Zivilisten angegriffen werden.
Schlägt aber eine Hohlladung ( egal welcher Art ) in ein nur leichtgepanzertes Fahrzeug ein gibt es meist Tote. Deshalb geht in der Killzone derzeit mit den meisten Fahrzeugen nichts mehr…
Die neuen BW-Beschaffungen sind aber eher als Drohnenschutzschirm um Grossverbände gedacht ( Bsp. Litauenbrigade ) und dienen damit auch der Abschreckung. Ob das in der Realität funktionieren würde weiß aber keiner so genau. Denn gegen einen angreifenden Drohnenschwarm sind die ja nutzlos…
PS:
Im dritten Teil des ZDF-Berichts kommt auch die neueste russische Riesen-Düsendrohne vor die auf ukr. Gebiet abstürzte ( 18 km Flughöhe, mehrere 1000 km Reichweite, Sprengstoff im Tonnen-Bereich )
@Der_Picard, 27.02.2026, 15:59 Uhr:
„…Nein , müssen sie nicht (mehr) !
Der Front Kampf Heli im NATO BV/LV Fall ist TOT !
(Das hat D mal ausnahmsweise gut erkannt…andere Nationen leider noch nicht)…“
Wenn das so ist, und es vor allem auch von D erkannt wurde, wie Sie behaupten, dann ist der Logik folgend der H-145 mit Kanone bzw sMG, 70mm Raketen usw. völlig unsinnig. Dann benötigt man maximal eine Plattform (H 145 oder was auch immer) als Träger für kleine Kamikazedrohnen, loitering ammunition usw.
Ich bin gespannt „wo die Reise hingeht“. Und vor genau diesem Hintergrund müssen sich die Weiterentwickler der Bw in Köln sehr wohl echte Gedanken machen bzgl. einer Nachfolge des Tiger.
@ORR, danke das Sie diesen Bogen spannen.
Amt für Heeresentwicklung, Planungsamt, Zentrum für Digitalisierung … In ihren Hochglanzbrochüren rühmen sie sich als die Treiber und Ideengeber für die Zukunft, Forderungen der Streitkräfte für das 21 Jahrhundert formulieren.
In Endlosprüfschleifen zwischen Berlin, Köln, Bonn, Rostock, Wilhelmshaven, Herres-, Marine- und Luftwaffenplaner munter beim „Arbeitskreis Analyse“ und Excelisten mit zig zehntausende Zeilen pflegen und das BAAINBw mit blödsinnigen Dauermitprüfaufträgen für die Excelliste in der Fassung Nummer 12.385 davon abhalten, die PS auf die Straße zu bringen.
Irgendwo in Zeile 8790 ist vielleicht das Drohnenprojekt wo zwischen Planungsamt und Zentrum Digitalisierung die 35. Arbeitsbesprechung anberaumt ist zum Thema den IT Anteil der Drohne fachlich von den Rotorbaugruppen getrennt nach Abteilung Rü und IC in die ministerielle Fachaufsicht zu übergeben
Planende – Wo seid ihr eigentlich seit der Zeitenwenderede, den 100Mrd und dem What ever it takes?
Beispiele in diesem Text entspringen meiner Fantasie, Ähnlichkeiten mit der Realität wären rein zufällig
ORR sagt:
27.02.2026 um 18:27 Uhr
@Der_Picard, 27.02.2026, 15:59 Uhr:
„…Nein , müssen sie nicht (mehr) !
Der Front Kampf Heli im NATO BV/LV Fall ist TOT !
Öhm Nö, der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt…. links und rechts ein SMARTSHOOTER POD und vorn und oben AESA Module….das ist vielleicht noch nicht da, aber auch keine Zauberei mehr. Und schon hab ich ein Wirkmittel das TopDown wirkt und dem armen Skyranger die Büsche freihält.
@Grashüpfer, 27.02.2026, 19:58 Uhr:
„…In Endlosprüfschleifen zwischen Berlin, Köln, Bonn, Rostock, Wilhelmshaven, Herres-, Marine- und Luftwaffenplaner munter beim „Arbeitskreis Analyse“ und Excelisten mit zig zehntausende Zeilen pflegen und das BAAINBw mit blödsinnigen Dauermitprüfaufträgen für die Excelliste in der Fassung Nummer 12.385 davon abhalten, die PS auf die Straße zu bringen. …“
100% Zustimmung
Wenn man die Prozesse, die dafür sorgen, dass man sich hier selbst beschäftigt, ohne PS auf die Straße zu bringen, aber einer drastischen Effizienzsteigerung unterzieht, wären ganz viele intelligente und fleißige hochrangige Mitarbeiter plötzlich arbeitslos.
Man könnte sie natürlich als Ausbilder in der Grundausbildung (oder wie das heute heißt) einsetzen, wenn demnächst zigtausend Neubewerber ausgebildet werden wollen.. Ich stelle mir gerade vor, wie der A15er dem jungen Rekruten die P8 erklärt.
SARC
@Apollo 11 27.02.2026 um 17:14 Uhr:
In der Masse müssen Kamikazedrohnen nicht die Panzerung von MBT/SPW durchschlagen. Für einen „mission kill“ reicht des Zerstören von Optik/Laser. Falls das Fahrzeug verlassen wird, bleibt genug Zeit für eine Zerstörung mit einer weiteren Drohne oder Artillerie.
@Der_Picard, @ORR
Wichtig für die Helis ist nur genug Leistung/Nutzlast. Auf jeder Seite dann ein 100-200kW Laser dran da reichen 1-2 sec (400kJ) pro Drohne/ManPad zum Abschuss. Im Pod ein kleinerer 15-20kW Akku würde für ca 150 Schuss reichen und wird ggf aus dem Hubschrauber nachgeladen.
Oder besser statt Pod als loyal Drohne die dann „alten“ Helis /Bodentruppen Begleitschutz gibt .
@ aussenstehender:
„In der Masse müssen Kamikazedrohnen nicht die Panzerung von MBT/SPW durchschlagen. Für einen „mission kill“ reicht des Zerstören von Optik/Laser. Falls das Fahrzeug verlassen wird, bleibt genug Zeit für eine Zerstörung mit einer weiteren Drohne oder Artillerie.“
Völlig richtig.
Ich fürchte die Forschung & Entwicklung in der ( Billig- ) Drohnen-Bewaffnung hat gerade erst begonnen.
Früher war es ein Riesenproblem mit diesen schweineteuren, schultergestützten Panzerabwehrwaffen überhaupt zu treffen. Gerade auch da ja das Ziel in Sicht sein musste.
Heute fliegen billigste Drohnen durch die Gegend ohne beim Start überhaupt ein Ziel zu haben. Und wenn es in Sicht kommt ist die Trefferwahrscheinlichkeit sehr hoch. Noch dazu kann sich der Drohnenpilot den Treffpunkt im Grunde frei aussuchen.
Die Traglast der im Ukraine-Krieg meist verwendeten FPV-Drohnen liegt bei 0,5 bis 3 kg. Bei den ( teureren ) Standard-Drohnen geht es aber bis 15 kg Nutzlast.
Ich vermute die Entwicklung geht in Richtung Spezial-Hohlladung die den Kettenantrieb eines Kampfpanzers ausschaltet ( „sitting duck“ ).
Das geht evtl. schon mit 3 kg Nutzlast. Da werden geheime Tests laufen wieviel Nutzlast bei neu entwickelten Sprengköpfen es dafür genau braucht für bspw. Leopard 2 oder T90.
Das würde noch mehr Erklärungsnot auslösen wenn ein 30 Millionen Leopard 2 durch eine 1000 € Drohne erst lahmgelegt und dann durch nachfolgende Drohnen vernichtet wird. Und das mit einer nicht hinzunehmenden Wahrscheinlichkeit für einen dritte-Welt, Verzeihung, globaler-Süden-Etat.
Und selbst eine 15 kg Nutzlastdrohne liegt preislich immer noch deutlich unter Manpad-Panzerabwehrwaffen. Und damit geht dann die Überlebensfähigkeit eines modernen Kampfpanzers gegen Null. Zumindest wenn die Abwehr nicht funktioniert.
Ich vermute weiter das solche Gedanken auch um die Litauenbrigade kreisen, da steht ja viel teures Gerät auf kleinstem Raum. Zumindest bei einem Angriff am Wochenende.
Pearl Harbor lässt grüßen…
@Apollo 11 Was kostet denn so eine „schweineteure“ Panzerfaust3-Patrone ohne wiederverwendbares Griffstück? 3500-4000 Euro? Wenn ich da Glück habe, brauche ich da nur einen Schuß. Die Wirkung des Geschoßkopfes ist skalierbar. Da haben mehrere Drohnen wohl keinen Preisvorteil. Der Vorteil ist, dass ich mit einer Drohne das Ziel nicht sehen muß und aktiv suchen kann. Die Panzerabwehr aller Truppen wird wohl auch in Zukunft nicht auf Panzerfäuste verzichten können.
@ Y-998201
Das ist grundsätzlich richtig.
Auch die komplett ungelenkte Panzerfaust 3 hat immer noch ihre Berechtigung für Begleittruppen u. a. von Panzerverbänden.
Wenn die treffen siehts für den Gegner schlecht aus.
Das Problem ist vielmehr die search-and-destroy-Kapazität eines Drohnenschwarms der in 5 km Entfernung ausserhalb jeglicher Sichtweite und Vorwarnung startet.
Da sind dann ganze Panzerverbände gefährdet. Nicht mehr der gegnerische Kampfpanzer ist heute der Hauptgegner.
Darauf wird man sich einstellen müssen.
@Ex_Inst: Ich sehe ebenso wie Sie großes Potential für Laser bei der Drohnenabwehr. Allerdings würde ich einen 50kW Laser zunächst einmal als ein Boxer-Modul erwarten. Die gesamt Installation ist doch recht groß und schwer.
Laser halte ich deshalb für ein gutes Mittel, weil die Treffgenauigkeit auch auf größere Entfernungen, d.h. mehrere Kilometer, sehr gut sein könnte. Wenn das System einen Drohnenkill in wenigen Sekunden herbeiführen kann, dann sollte es einen Drohnenschwarm bereits auf größere Entfernung ausdünnen können.
Ich verstehe ehrlich gesagt nicht, dass die Entwicklung hin zur Einsatzfähigkeit in Deutschland so lange braucht. Aus meiner Sicht fehlt hier schlichtweg der Wille. Wenn unsere militärische Führung ein Boxer-basiertes Modul fordern würde, wären wie technologisch definitiv in der Lage, dies bis Ende kommenden Jahres serienreif zu bekommen. Rheinmetall hat schon vor 12 (!) Jahren in entsprechenden Tests die Leistungsfähigkeit demonstriert (30kW Niveau). Für die Marine läuft ja die Entwicklung seit Jahren und auch noch für einige Jahre. Unser Heer könnte aber viel schneller eine weniger leistungsfähige Variante gebrauchen.
Zum Abschluß – Wenn es um die ultimative Panzerabwehr-Munition geht:
Die mit dem größten Einsatz ins Ziel getragene Version sind Panzerabwehrrakten die von Luftfahrzeugen abgefeuert werden. Aktuelle Beispiele wären Brimstone und Hellfire.
Sprengkopfgewicht der Tandemhohlladungen sind dort 6,5 und 9 kg..
Man kann bei dem sehr hohen Einsatz davon ausgehen das bei einem Voll-Treffer auf einen modernen Kampfpanzer wie T14 Armata, egal wo, der Panzer sicher vernichtet ist.
Das wäre also die neue, sichere Drohnen-Nutzlast gegen Kampfpanzerverbände.
( Ist schon interessant was man sich im Netz zu recherchieren genötigt sieht nach der russischen Vollinvasion der Ukraine )
@Nachhaltig (03.03., 11:33 Uhr): Beim Laser gibt es – neben den Witterungseinschränkungen – noch ein anderes, nicht gelöstes Problem. Bei der derzeit mit einem Strahl zu erreichenden Energieabgabe kann ein auch nicht gehärtetes, sich bewegendes Ziel nur dann beschädigt werden, wenn der Strahl über Sekunden kontinuierlich exakt auf demselben Treffpunkt gehalten wird. Die Vorarbeit dazu können Sensor und Feuerleitanlage zwar leisten, aber die Richtanlagen packen das bei einem sich bewegenden Ziel nur dann, wenn sich dieses auf einer annähernd gleichförmigen Zielbahn befindet. Geschwindigkeitsänderungen und Parabeländerungen sind tolerabel, nicht aber sprunghafte Richtungsänderungen. Quasi ein „Rumzicken“ im Luftraum. Dem kann nur durch eine Vervielfachung der am Ziel wirksam werdenden Energiemenge begegnet werden. Auch durch mehrere gleichgerichtete Waffen ist das nicht zu lösen – die haben ja alle das gleiche Problem. Es müsste also so viel Energie her, dass das Ziel gleich beim ersten Kontaktreffer zerstört wird. Daher sind die herkömmlichen Bekämpfungsoptionen zumindest gegen manövrierende Drohnen oder Wirkmittel mit gehärteter Geschosshülle derzeit noch wirksamer.
@ Hans Schommer:
Zunächst einmal vielen Dank für Ihre Information. Die Limitierung durch die Richtanlagen kann ich nachvollziehen.
Zum von Ihnen genannten „Rumzicken“:
1. Herkömmliche Bekämpfungsmethoden können nur dort wirksamer sein, wo sie eine Wolke von Splittern erzeugen. Die Direkttrefferwahrscheinlichkeit ist natürlich noch deutlich geringer als bei den Lasern.
2. „Rumzicken“ müssen die Drohnen ja erst einmal können. FPV-Quadrucopter-Drohnen können das natürlich gut. Alle was flügelbasiert ist wohl eher weniger. Laser könnten aus meiner Sicht zumindest gegen diese Art von Drohnen (oder Loitering Ammunition, etc.) wirksam sein.
Grundsätzlich finde ich, dass es sich auf jeden Fall lohnt „ein Werkzeug mehr im Werkzeugkasten der Heeresflugabwehr“ zu haben. Für welches Einsatzszenario es sich dann am besten eignet sollte man ausprobieren. Außerdem kann man dieses Werkzeug ja durchaus weiterentwickeln. Es gibt ja auch nicht nur eine Sorte von Kanonen. Vielleicht lassen sich für die kleinen Drohnen hochfokussierte, leichtere Systeme entwickeln, die sich auch mechanisch leichter richten lassen.
Ich habe bei einer früheren Diskussion übrigens schon einmal hinterfragt, warum man unbedingt mit cw-Lasern arbeiten möchte. Warum nicht gepulst arbeiten? Also alle paar Sekunden einen „fetten“ Puls raushauen, der die direkt die Zerstörung bringt. Dann kann man auch mit dem „Rumzicken“ besser klar kommen.
Der Laser auf Boxer heißt „Jupiter“.
Ansonsten würde ich nicht jeden Schmarrn glauben, der über Laser erzählt wird. Gut das sich Politiker ab und zu selbst ein Bild machen, um sich eine realistische Vorstellung von dem zu gewinnen was geht und was nicht. Das ermöglicht dann fundierte Entscheidungen auf Fakten.
@Nachhaltig
Möglicherweise wird es Drohnen geben, die ein Anlasern erkennen und dann automatisch „evasive action“ einleiten. Oder aber absichtlich geopfert werden um den Standort des Lasers zu ermitteln welcher dann von einer anderen Drohne bekämpft wird.
Das Thema Laser mal aus der anderen Sicht beleuchtet:
Zum Schutz potenzieller Laser-Ziele, die es nicht so mit dem „Rumzicken“ haben (können), kommen Rotation des Objektes sowie Reflexion, Refraktion und Diffusion des Strahles in Frage. Rotation ist ja nix neues (Granaten, Lfk, Raketen). Zur Anwendung der letzten Drei im militärischen Bereich wird recht intensiv geforscht – auch in DEU.
@ Hans Schommer:
zur Rotation: Die kann in der Tat helfen, wenn man einen Punkt anvisiert hat, der durch Rotation maskiert werden kann. Ich habe natürlich auch keine Ahnung, woran sich das Ziel-Lasern „festbeisst“. Irgendeine Stelle, die Reflektion bietet?
Zum Thema Reflexion, Refraktion und Diffusion: Das ist natürlich ebenfalls ein valider Punkt. Spiegelnde Oberflächen… Das hängt natürlich auch stark von der Wellenlänge ab, bei der der Laser funktioniert. Eine Ablenkun des Zielmarkierungs-Lasers wäre natürlich auch eine interessante Vorgehensweise.
@Thomas Melber: Ihr Kommentar gilt grundsätzlich für alle Flugabwehrsysteme. Wenn sich die Flugabwehrsysteme nicht die gegen die Drohnenangriffe behaupten können, dann hat man sowieso keine Chance.
Zurück zum eigentlichen Thema:
Eine Eigenschaft der Loitering Ammunition ist das „Herumlungern“ über dem Ziel. Da können Informationen gesammelt und kommuniziert werden. Und es kann das lohnenste Ziel ausgesucht werden. Ich halte diesen Mehrwert aber in einem aktiv verteidigten Luftraum für gering. Die Drohne wird keine Zeit für das Herumlungern haben. Sie ist auch nicht wirklich klein und schnell – also ein leichtes Ziel.
Was mir als Alternative fehlt, sind kostengünstige bodengestützte „Mini-Marschflugkörper“ im gleichen Wirkungsbereich. Also 100 km Reichweite und kleiner Sprengkopf aber hohe Unterschallgeschwindigkeit. Ähnlich den luftgestützen Spear 3. Also unterhalb der weitreichenden Raketenartillerie angesetzt.
Die sollten eine höhere Durchsetzungsfähigkeit haben und wären auch schneller am Ziel. Die Frage ist allerdings, ob ein Start-Up auch dort eine kostengünstige Variante für die Massenproduktion entwickeln kann. Was nicht leiden darf ist die Punktgenauigkeit. Nichts zu treffen ist ein Luxus, den man sich bei diesen Preisen nicht leisten kann.
Einen hab ich noch:
In einem Beitrag des öff.-rechtl. Fernsehens von gestern abend wurde das Einweg-Drohnen-Beschaffungsprogramm der Bundesregierung über den grünen Klee gelobt.
ABER NICHT DOCH :-)))
Experten ( fernab der Hersteller natürlich ) haben massive Zweifel nach teils desaströsen Tests u.a. in der Ukraine.
In Tateinheit mit dem absolut ruinösen Preis ( im Bericht wurden 92.000 € pro Drohne genannt, ich komme auf bis zu 135.000 € ) ist auch das Preis/Leistungs-Verhältnis desaströs.
Wir sprechen hier von Einweg-Systemen mit offensichtlichen Fehlern. Und Grossbeschaffungen mit der Involvierung von Ex-Politikern in der Geschäftskette.
Soweit zum Thema “ Lernen aus Fehlern der Vergangenheit “ ….
@Nachhaltig (06.03., 09:44)): Nur der Vollständigkeit halber, weil ich vergaß, das zu erwähnen: Zu den von mir genannten optischen Gegenmitteln: Denen kann dann die Resorptionsbeschichtung gegen Radardetektion zum Opfer fallen. Noch interessanter (aus wissenschaftlicher Sicht) sind Verfahren zur Suche nach durch den Luftraum fliegenden Nichts, die quasi als sich bewegende „schwarze Löcher“ zu erkennen sind.