Sicherheitshalber der Podcast #101: Krieg im Sudan | Diktatfrieden in der Ukraine?
Sicherheitshalber ist der Podcast zur sicherheitspolitischen Lage in Deutschland, Europa und der Welt. In Folge 101 sprechen Ulrike Franke, Frank Sauer, Carlo Masala und ich zuerst mit Gerrit Kurtz über den – erneuten – Krieg im Sudan. Das Ausmaß der Gewalt ist nur schwer zu begreifen. Im zweiten Teil rekonstruieren wir den aktuellen Stand rund um den 28-Punkte-Plan für die Ukraine, der inzwischen kein 28-Punkte-Plan mehr ist. Wie geht das in den kommenden Tagen weiter?
Abschließend wie immer der Sicherheitshinweis, der kurze Fingerzeig auf aktuelle, sicherheitspolitisch einschlägige Themen und Entwicklungen – diesmal mit dem Dauerbrenner Bundeswehr-Personalstärke, Pentagon-Ermittlungen gegen einen ehemaligen Soldaten und heutigen Politiker, einem Haus aus Dynamit und US-Sanktionen gegen einen IStGH-Richter.
Sudan: 00:01:09
Ukraine: 00:43:33
Fazit: 01:06:23
Sicherheitshinweise: 01:08:57
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Thema: 1 Sudan
Unser Gast: Dr. Gerrit Kurtz, SWP (und private Webseite)
Augen geradeaus!, Sudan-Evakuierungsmission der Bundeswehr abgeschlossen, 27.04.2023
Gerrit Kurtz, Der Schutz der Zivilbevölkerung in Sudan, SWP-Aktuell 2025/A 31, 01.07.2025,
Gerrit Kurtz, Gespräch über Hintergründe zum Konfliktgeschehen in Sudan, UNEINS Magazin 3/2025, Juli 2025,
Gerrit Kurtz, Sudan: schwer zu vermitteln, in: Internationale Politik 1/2025, 30.12.2024
Gerrit Kurtz, Machtbeziehungen in Sudan nach dem Fall Bashirs., SWP-Studie 2024/S 10, 20.03.2024
Gerrit Kurtz, Wie man über den Krieg in Sudan sprechen sollte – und wie nicht, Megatrends Afrika Spotlight 30, 22.4.2024,
Thema 2: Diktatfrieden für die Ukraine?
Barak Ravid, Dave Lawler, Trump’s full 28-point Ukraine-Russia peace plan, Axios, 20.11.2025
Michael Weiss, “He Must Have Got This From K.”, Foreign Office Substack, 21.11.2025
FAZ, Widersprüche bei Urheberschaft von Friedensplan für Ukraine, 23.11.2025
FAZ, USA und Ukraine einigen sich auf überarbeiteten Friedensplan, 24.11.2025
Sicherheitshinweise:
Thomas: Personalvorstellungen der Luftwaffe, https://www.spiegel.de/politik/deutschland/bundeswehr-luftwaffenchef-neumann-ueber-drohnenabwehr-und-kampfjets-a-246eb264-0523-41e1-b2f4-10a0c2829b0e
Carlo: Ermittlungen gegen US Politiker, https://x.com/DeptofWar/status/1992999267967905905?s=20
Frank: Gute Filme über Nuklearwaffen? Schlechtes Omen!, Netflix: A House of Dynamite
Rike: US-Sanktionen gegen einen Richter des Internationalen Strafgerichtshofs, https://www.lemonde.fr/en/international/article/2025/11/19/nicolas-guillou-french-icc-judge-sanctioned-by-the-us-you-are-effectively-blacklisted-by-much-of-the-world-s-banking-system_6747628_4.html#
BlueSky:
Sicherheitspod: @sicherheitspod.de
Rike: @rikefranke.bsky.social
Frank: @drfranksauer.bsky.social
Carlo: @carlomasala1.bsky.social
Thomas: @wiegold.de
Als Weltanschauungskrieger wird sich der Herr im Kreml nicht mit weniger Einverstanden erklären, zumal er in diesen 28 Punkten, welche offenbar aus Moskau kommen und in Washington adaptiert wurden, mit keinem Satz von einem Abrücken seiner Ziele sprechen möchte : Restauration der russischen Einflußgebiete in Anlehnung an die ehemalige UdSSR.
Mal sehen, wie lange die Ukraine dem noch standhalten kann.
Im weiteren Verlauf der doppelten Zeitenwende, in welcher die USA kein strategischer, geopolitischer – sondern allenfalls höchstens Geschäftspartner der Europäer sein wollen, ist es nicht ausgeschlossen, dass die UA politische und als Staat kollabieren könnte, was die Bundesregierung zu Recht befürchtet.
Russland rüstet eine zweite Armee auf und rekrutiert monatlich bis zu 30.000 Soldaten, mit dem Ziel einer Personalstärke von 1,5 Millionen Soldaten, berichtet Airbus CEO R. Olbermann beim Top 40-Gipfel von Capital Magazin. Er berichtet weiter über die technische Auf-und Nachrüstung in Russland weiter über den Bedarf und nimmt Bezug auf die Stationierung von taktischen Nuklearwaffen in Belarus.
Welche Relevanz hat dann noch ein „Friedensplan“
Danke für die Bemerkung zur erforderlichen BW-Personalstärke. Die Luftwaffe will also knapp eine Verdoppelung.
Ich wäre dankbar, wenn das Thema auch „von oben“ genommen wird. Ich hatte bereits darauf hingewiesen, dass Oberst Wüstner vom Deutschen BundeswehrVerband bei seiner Anhörung im Deutschen Bundestag, zum Entwurf des WDModG, gesagt hatte, die „aus den NATO-Planungszielen abgeleitete personelle Zielgröße … für die aktive Truppe dürfte … oberhalb von 300.000 aktiven Soldatinnen und Soldaten liegen“.
Genau genommen widerspricht das auch nicht der Formulierung von BM Pistorius, der vor „260.000 aktive Soldatinnen und Soldaten“ ein „mindestens“ eingefügt hatte.
Das Erstaunliche ist somit nicht, dass Heer und Luftwaffe mehr fordern, demnächst auch Marine etc., sondern dass die BW-Führung die mit der NATO-Beschlusslage kompatible Personalmenge nicht herausrückt, nicht öffentlich macht. Das Erstaunliche ist weiter, dass die Regierungsfraktionen, aber auch die übrigen Fraktionen im Deutschen Bundestag, danach nicht fragen. Ein Nicht-wissen-wollen-Kartell.
Im Grunde ist es ähnlich wie bei der Rentendebatte: Die zukünftigen Lasten werden nicht vollumfänglich offenbart. Bei einer Vernehmung bei der Staatsanwaltschaft würde man es „Lüge“ nennen, wenn jemand nicht „die ganze Wahrheit“ sagt, sondern Teile verschweigt. Diesen Vorhalt muss man BM Pistorius schon machen.
Diesmal auch vor allem hörenswert am Ende die „Sicherheitshinweise“ !
Den Film „House of dynamite“, empfohlen von Frank Sauer aka „Dr. Doom“, hab ich natürlich gesehen.
Als Fan der Mutter aller Nuklearfilme „Wargames“ ( von 1983 ) liegt natürlich der Vergleich nahe. Angesprochen wurde der „Bruch“ in der Stringenz in der Handlung des neuen Films. Den hat Wargames nicht. Alleine deshalb ist der empfehlenswerter.
Aber der neue Film rückt eine Möglichkeit in den Focus der den meisten nicht klar war.
Was bitteschön machen wir denn wenn eine einzige Interkontinental-Rakete ( ICBM ) aus dem Meer ( wahrscheinlich U-Boot ) auf eine Millionenstadt zufliegt. Und die eigenen Abwehrrakten versagen ?
Letzteres ist viel wahrscheinlicher als ersteres… ein ganz grundsätzliches Problem schon immer bei der ICBM-Abwehr.
Vor allem aber gegen wen oder was setze ich als US Präsident denn dann meine ganzen Optionen ein die ich im Ringblock im Atomkoffer vorfinde ;-)
Im Grunde wäre das dann Staatsterrorismus der nach Einschlag aber aufklärbar erscheint durch die Analyse der Spaltprodukte im Fallout. So blöd wird Nordkorea ( oops… ) nicht sein…
Das Problem erscheint aber ganz grundsätzlich. Wenn von 3 U-Booten mitten im Ozean je 15 ICBM’s angeflogen kommen. Welches Land / Länder war es denn dann…?
Auch interessanter Hinweis auf die „Verlässlichkeit“ von Herrn Trump.
Gerade im Hinblick auf den Atomschutzschirm. Der alternativlos erscheint.
Was willste machen als Abhängiger… ?
Und auch spannend von Carlo Masala angesprochen die „Empfehlungen“ eines Ex-US-Militärs „Befehle die gegen die Verfassung verstossen“ zu ignorieren.
Erstens sehr mutige Aussage. Denn als Ex-Militär kann man wieder aktiviert werden. Und dann gilt Militärstrafrecht. Nicht lustig…
De facto ein Wahlrecht haben im US-Militär nur Generäle / Admiräle. Die können zurücktreten, wie im Falles des Admirals der den Venezuela-Einsatz befehligte auch geschehen.
Allen anderen wird zwar das Recht zugesprochen verfassungswidrige Befehle nicht auszuführen. Nicht aber selbst zu entscheiden welche das denn genau sind…
Ein grundsätzliches Problem eines jeden Militärs, zumindest im Krieg….
@Ökonom
„… , sondern dass die BW-Führung die mit der NATO-Beschlusslage kompatible Personalmenge nicht herausrückt, nicht öffentlich macht.“
Soweit ich weiß soll der GI die Zahlen bis Ostern nächstes Jahr zusammengestellt haben (Anfang April). Die „Dimensionen“ (TSK, MilOrgBer, oder wie sagt man jetzt ?) müssen ja auch genau begründen für welche Fähigkeiten und Aufgaben sie wieviel Personal benötigen und gerne auch mit welcher Dienstgradstruktur, also quasi die Zielstruktur der Bw (Horizont 2029/ 2035 ?).
Apollo11
… oder was setze ich als US Präsident…
Antwort : Gar nichts wird geschehen, denn der Machthaber im Weißen Haus und der Machthaber im Kreml verbinden ganz offensichtlich gemeinsame Einstellungen und Interessen :
America First mit der MAGA Bewegung oder was davon noch übrig ist plus Make America Great Again. In Moskau sind diese Schnittmengen kongruent: Groß – Russisches Reich mit Satellitenstaaten angelehnt an die vormalige UdSSR.
BEIDE interessieren sich nicht für das Internationale Recht und verachten Demokratie und Rechtsstaat.
BEIDE lassen sich von korrupten Machtapparaten leiten und brechen internationale Vereinbarungen und Konventionen.
BEIDE reden miteinander, treffen Verabredungen hinter den Rücken der Verbündeten und lassen diese im Regen stehen.
BEIDE vertreten allein das RECHT des STARKEN und missachten internationale Konventionen und internationale Institutionen (UN).
BEIDE halten die Möglichkeit der Annektion anderen Staaten oder Länder für „vertretbar“, wenn es den eigenen Zwecken dient.
Das Amerika, was sie suchen und worauf sie sich beziehen, gibt es nicht mehr. Wie bereits oftmals erwähnt, leben oder durchleben wir gerade eine fundamentale Zeitenwende.
Das Amerika, was sie suchen und worauf sie sich beziehen möchten, wird gegen den „Freund im Kreml“ keine nuklearen Waffen einsetzen und damit bricht der Schutzmechanismus der nuklearen Abschreckung insich wirkungslos zusammen.
Vielleicht haben Sie noch die Sehnsucht nach dem „guten Onkel aus Amerika“, der das transatlantische positive Bild einer ganzen Generation geprägt hatte.
Sie haben es aber leider heute mit „Böhse Onkelz“ aus Amerika zu tun.
Bevor ich jammere als Deutscher, hinterfrage ich unsere Unterstützung für due Ukraine.
Wenn uns der Friedensplan nicht gefällt, müssen wir, insbesondere Deutschland, noch mehr tun als die USA unter J. Biden, gemacht haben.
Alle 2 Jahre müssten wenigstens 20 Kampfpanzer Leo 2 an die Ukraine übergeben werden.
Ich würde alle Leo II A5 und A6 A6 der Bundeswehr abgeben. Anstatt diese zu modernisieren.
Wir hätten längst den Fuchs II in der Truppe haben können um dann den Fuchs I, an die Ukraine abzugeben. Insgesamt ca 800 Fahrzeuge. In Tranchen versteht sich.
Wir jamnetn über ein Friedensplan. Deutschland ist abrr nicht in der Lage, ausreichend Waffensysteme zu liefern. Stattdessen, gibt es wieder eine Diskussion, ob Kampfpanzer noch eine Zukunft haben.
Mit Drohnen, macht man keine Geländegewinne.
@ Sandro Valecci Die EU-Staaten haben ca. 1,3 Millionen Mann unter Waffen und die europäischen NATO-Staaten ca. 1,4 Millionen. Wir kriegen die PS nicht auf die Straße und bei uns ist der Wasserkopf vermutlich wesentlich größer. Wieso haben 500 Millionen Menschen Angst vor 143 Millionen? Wenn es konventionell bleibt, sollte es doch wohl schaffbar sein. Die Droherei mit den Russen und dann nur halbherziges Handeln stärkt mein Vertrauen in die Politik nicht gerade.
@Thomas Melber
Danke für den Hinweis, dass bis April 2026 etwas gerechnet werden soll.
Aber die stille Implikation, dass die Fähigkeitsziele, die innerhalb der letzten zwei Jahre NATO-intern erarbeitet worden sind, ohne Bestimmung von Streitkräftestärken ausgekommen sein sollen, würde ich nicht annehmen. wollen. Damit scheint mir weiterhin plausibel, dass man weiss, was man zugesagt hat, will es aber nicht herausrücken.
Haben Sie denn eine Vorstellung, wie die Fähigkeitsziele der Streitkräfte ohne Bestimmung des Personalbedarfs der Streitkräfte bestimmt worden sein sollen?
Guten Morgen,
Ich höre diese Podcastfolgen eigentlich sehr gerne und auch die Gäste sind meistens interessant und bringen Expertise mit.
Hier habe ich zum erstenmal ein Problem mit Ihren Gast.
Meiner Meinung und ich meine das auch an den Nachfragen und Reaktionen Ihrer Kollegen erkennen konnte, hat sich der Gast ständig verzettelt und geriet ins Schwafeln.
Im Grunde weiß ich über den Sudan Konflikt, nach dem Podcast, nicht mehr als ohnehin schon aus den regulären Nachrichten.
Das empfinde ich als Schade.
Das soll eine konstruktive Kritik sein und keinesfalls die Kompetenz oder Auswahl des Gastes kritisieren.
Vielleicht ist der Konflikt im Sudan ja auch zu verworren, selbst für diesen Herrn.
Y-998201
…500 Millionen Europäer…
Diese wären zunächst einmal zu molibisieren. Hierzu bedarf es die Rechtsgrundlagen und den konkreten Anlass. Letzterer wäre der V-Fall.
Die Wahrnehmung und das konkrete Gespür für die Gefahrenlage ist in Europa unterschiedlich ausgeprägt.
Eine hohe Einschätzung der Gefahrenlage haben die skandinavischen Staaten und die Länder des Baltikums. Deswegen gab es auch das Gross – Manöver Steadfast Defender. Verteidigungsminister Björn Arild Gram (Norwegen) sieht Europa an einem Scheideweg zwischen Krieg und Frieden infolge des Invasionskrieges in der UA. Norwegen befürchtet Sabotage gegen die Energie – Infrastruktur, insbesondere Öl und Gas Anlagen. Aber auch eine Annektion von Spitzbergen und eine Angriffswelle gegen die Nordflanke der NATO wird befürchtet.
In Italien wird die Bevölkerung über die Medien an das Thema Verteidigung herangeführt. Zum einen die NATO Bestandsverpflichtung. Aber insbesondere auch auf die Verfassung der italienischen Republik, welche in Artikel 52 die Staatsbürgerliche Verpflichtung zur Landesverteidigung festgelegt hat. Anders als das in Deutschland der Fall ist. Italien hat den Wehrdienst zwar seit 2004 ausgesetzt, jedoch kann der italienische Staatspräsident jederzeit per Dekret die Wehrpflicht wieder in Kraft setzen lassen. Zunächst werden über den Kombattanten Status u. a. Carabinieri und andere Einheiten mit Polizeiangaben den Streitkräften zugeordnet und unterstellt. Danach wird rekrutiert.
… wenn das Konventionell bleibt…
Hierfür kann Ihnen niemand eine Garantie geben. Es dürfte aber konventionell bleiben, wenn die Nuklear Mächte GB und F mit I’m Boot sind
Ich frage mich inzwischen, ob es ‚geheime Zusatzabkommen‘ zwischen den USA und Russland im Speziellen und zwischen USA, Russland und China im Allgemeinen schon gibt bzw. angestrebt werden. Eine Arrondierung der Verantwortungsbereiche, bei der die USA die Ukraine und Taiwan letztlich preisgeben. Die USA sind auf einen Drohnenkrieg noch nicht vorbereitet, und er würde vermutlich die Ära der Flugzeugträger beenden. Man sieht das Unvermeidliche und versucht, das Beste draus zu machen. Aber was springt sonst noch für die USA dabei heraus? Panama? Grönland?
Mir ist dieses Mal aufgefallen, dass insbesondere beim Thema „Friedensplan“ (Anm.: Der 28-Punkte-Plan.) eine einigermaßen stark ausgeprägte Ratlosigkeit herrschte. Das soll keine negative Kritik sein, es ist auch nur allzu verständlich.
Bei dem thematisierten Plan habe ich mir u. a. folgende Fragen gestellt:
Wer hat den Plan erarbeitet?
Welches Ziel verfolgt der Plan? Und erfüllt er das Kriterium der Aufrichtigkeit, vulgo, ist das proklamierte Ziel auch das tatsächliche?
Wem nützt eine erfolgreiche Umsetzung des Plans?
Die erste und die dritte Frage lassen sich unter der Prämisse „Das Ziel ist ein möglichst beständiger Frieden“ vergleichsweise eindeutig beantworten: Die einzelnen Punkte stehen in großer Nähe zu den russischen Maximalforderungen und damit dürfte Russland bei einer Umsetzung der größte Profiteur sein. Inwiefern das Unterziel “Beständigkeit” durch den Plan gewährleistet sein soll, erschließt sich mir nicht.
Eine alternative Beantwortung unter der Prämisse „Das Ziel ist ein möglichst baldiger Frieden, unabhängig davon, ob er gerecht ist“ könnte ein US-amerikanischer Einfluss bei der Erstellung der einzelnen Punkte nahelegen. werden. Dies vor dem Hintergrund, dass die USA bereits mittelfristig mit einem Konflikt mit dem ungleich gefährlicheren China rechnen und dementsprechend Ressourcen zurückhalten müssen, die zur Zeit zur Unterstützung der Ukraine genutzt werden. Im Lichte dieser Betrachtung dürfte neben Russland auch die USA von einem baldigen Ende des Krieges profitieren.
In einer dritten Betrachtung verletze ich das Kriterium der Aufrichtigkeit unter Verwendung der Prämisse „Proklamiertes Ziel ist der Frieden, das tatsächliche ist aber die Wiederaufnahme von Geschäftstätigkeiten eines ausgewählten Kreises in den USA mit Russland“. Dass diese Möglichkeit nicht völlig abwegig ist, zeigten bereits die Reaktionen in der republikanischen Partei – reine Zustimmung erfuhr der Plan ja beim besten Willen nicht. Zudem ist es kein Geheimnis, dass bspw. die Familie Kushner geschäftliche Interessen in Russland hat. In diesem Fall wären die Profiteure Russland und eben besagte Gruppe von Individuen.
Was fällt auf? Zuerst einmal sind alle drei Betrachtungen spekulativ und entstammen meiner Interpretation. Sie sind naheliegend, aber ganz sicher nicht eindeutig belegbar. Des Weiteren – auch ohne Spekulation – unterminiert der Plan die europäisch-amerikanische Partnerschaft ungemein. Wer auch immer diesen Plan erarbeitet hat, kann dementsprechend kein ausgesprochen großes Interesse an einem Fortbestand dieser Verbindung haben. Offenkundig ist auch, dass die Ukraine in jedem Fall der eigentliche Verlierer sein wird. Dass dieser Plan in hohem Maße diskutabel ist, zeigt sich alleine schon im Umgang mit ihm (vgl. Äußerungen von Marco Rubio hinsichtlich Kenntnisstand und Urheberschaft). Fragt man mich nach meiner Meinung, dann würde ich diesen Plan als reines Ablenkungsmanöver einer Personengruppe werten, die kein ernsthaftes Interesse an einem (gerechten) Frieden hat. Deshalb fällt der Umgang (die zuvor angemerkte Einordnung und Interpretation) mit ihm auch so schwer. Wichtig ist jetzt, dass von europäischer Seite eine starke und vor allem geeinte Reaktion einsetzt. Und von amerikanischer Seite wünsche ich mir, dass diejenigen Teile der derzeitigen Regierung, die man noch als „reasonable“ bezeichnen kann, entschieden gegen diesen Plan vorgehen.
Liebe Grüße
Patric Hoffmann
@ Sandro Valecchi 25.11.2025 um 19:28 Uhr
Davon ist auszugehen, wenn man sich keinen Illusionen hingeben möchte. Vielen Dank für diesen klar formulierten Beitrag.
Ebenso klar möchte ich hinzufügen: Die NATO kann sich derzeit ebenso nicht mehr auf die USA als einen verlässlichen Partner stützen. Die Ukraine braucht personelle Verstärkung an der Front, genau so wie RUS sich Verstärkung aus Nord-Korea geholt hat. Davor dürfen wir Europäer nicht zurückschrecken, wollen wir unsere freiheitlich demokratische Ordnung in Europa bewahren. Der Konflikt in der UKR ist nicht beendet, und bleibt solange ein Schwelbrand, solange sich noch RUS Besatzer auf UKR Territorium befinden.
Ein dauerhafter und gerechter Frieden (nicht nur Waffenstillstand) an der Ost-Flanke ist mit der gegenwärtigen russischen Administration illusorisch. Diese wäre zu Fall zu bringen, noch bevor die derzeitigen Regelungen zur Nachfolge Putins umgesetzt werden können. Es gibt noch einen Widerstand gegen den Kreml in diesem Land, und diesen gilt es mit allen Mitteln zu stärken.
Danke für den Podcast, aber es wird immer ernüchternder, denn wir müssen einige Punkte endlich zur Kenntnis nehmen:
1. Die NATO ist ein Sicherheitverein unter amerikanischer Führung. Trump entscheidet, der Rest soll die Klappe halten, denn ohne die USA sind sie nicht handlungsfähig.
Die ganzen Gipfel waren ein völkerrechtliches Zugeständis aller Administrationen von 1955 bis 2016.
Wer „den Bagger“ aufreißt und Dinge fordert, muss auch die Macht haben, diese Forderungen durchzudrücken. Die USA können das, der Rest der NATO – auch gemeinsam – nicht.
2. Die „Europäer“ (eine Formulierung, die die Schwammigkeit der eventuell gemeinten Personen und Länder hervorragend einfängt) sind über den Status der Montan-Union nie wirklich herausgekommen.
Man konnte sich noch nicht mal über gemeinsame Richtlinien beim Thema Straßen- und Schienbau, Schwerverkehr einigen, keine Normierungen, die über die EN hinaus gehen etc.
Daher wird die EU nie mit „einer Stimme“ sprechen und einen Kanon kann man an Verhandlugstischen nicht gebrauchen und die „wirtschaftliche Stärke“ steht auf maximal tönernen Füßen. Da ist mittelfristig nichts zu erwarten.
3. KEINES der Länder „Europas“ oder der EU wird jemals sein Militär (oder auch nur Teile davon) unter die Führung eines derat dysfunktionalen Apparates wie der EU o.ä. stellen!
Solange das nicht passiert, hat „Europa“ keine militärische Stärke, mit der Forderungen auch nur ansatzweise hinterlegt werden können. Und solange ist „Europa“ eine weitere „Schwatzbude“, die – völlig zu Recht – am Tisch der Entscheider (!) nicht zu suchen hat.
Donald Trump ist an diesem Punkt maximal berechenbar. Es geht ihm nicht um Politik – es geht um Deals.
LEAD – FOLLOW – OR GET OUT OF MY WAY!!
Vor diesem Hintergrund sind seine Einlassungen sogar – es klingt komisch wenn man das laut sagt – komplett logisch.
„EU, wenn ihr mitspielen wollt, dürft ihr die Ukraine in euren Zirkus aufnehmen, wenn nicht, dann haltet die Klappe, wen die „Großen“ sich unterhalten!“
Wer nichts beitragen kann, soll sich wenigstens raushalten und wer Forderungen stellt, muss die auch alleine (!) durchsetzen können oder auch hier die Klappe halten.
Ob das im Sinne einer allgemeinen Verbesserung der Lage auf der Welt immer sinnvoll ist und ob diese Einzelinterventionen nicht auf eine dauerhafte Interventionsspirale hinausläuft – geschenkt.
Ob Asien, der Balkan oder die Ukraine brennt – egal, solange es die USA weder bedroht noch tangiert.
Das sind Ecken der Welt, die nur Ärger machen und Geld kosten aber als Handelspartner ausfallen.
Kein Vorteil für die USA – kein Intresse der USA!
Dass das immer noch Kopfschütteln verursacht, ist nur einer gewaltigen Realitätsverweigerung geschuldet.
Daher ist die EINZIGE strategisch sinnvolle Lösung für uns als Deutschland, dass wir so schnell wie möglich eine maximale militärische Schlagkraft entwickeln, im Rahmen der NATO endlich Assets zur Verfügung stellen, die in Europa dringenst gebraucht werden (Logistik-Knotenpunkte, strategische Lufttransportfähigkeiten, etc.), um bei den „Großen“ wieder ernst genommen zu werden.
Wir benötigen die Fähigkeit von „Drohnen-Schwärmen“, Loyal-Wingman etc. und kein FCAS mit dem sich Frankreich die Flugzeuge für den Flugzeugträger finanzieren lässt, sonder schnell und pragmatisch Fähigkeiten, die Deutschland nutzen.
Ob wir einen Fighter der 5., 6. oder 7. Generation brauchen, wage ich zu bestreiten. Warum keinen WSO auf den Rücksitz eines zweisitzigen Eurio-Fighter setzen, der besagten Drohnenschwarm koordiniert?
Warum nicht mit SAAB an einer Lösung werkeln, die wesentlich pragmatischer und weniger arrogant sind, als die Herren und Damen von Dassault?!
Dass Dassault alleine irgenwas Neues entwickeln kann ohne dass Frankreich komplett bankrott geht, glaubt außerhalb Frankreichs eh niemand.
Wieviel von der „force de frappe“ wirklich noch funktional ist, will ich nicht wissen.
Hier ist die Eigenwahrnehmung Frankreichs mit der tatsächlichen Größe nicht mehr ansatzweise kongruent. Die einzigen, die auf die Show noch hereinfallen (außer die Franzosen selbst) sind wir Deutschen, weil wir Ihnen die Bedeutung zumessen, die sie längst nicht mehr haben.
Wenn wir als Deutschland (gerne auch in einer funktionalen EU) unsere Interessen schützen wollen, müssen wir uns endlich eingestehen, dass wir diese haben, dass wir diese verfolgen müssen und dass wir uns dabei selbst (!) die Hände schmutzig machen müssen.
Dann kann – und ich sage bewusst kann – mit Deuschland und Polen als zentralen Kräften in Europa (personell und militärisch), flankiert von den Briten, Niederländern, Schweden, Norwegern, Dänen (!) und Finnen ein Verteidigungsverbund geschaffen werden, der den Nucleus eines gesamteuropäischen Verbundes bilden kann.
Wir müssen selbst von diesem „LEAD – FOLLOW – OR GET OUT OF MY WAY!“ verinnerlichen, aber mit weniger Arroganz vortragen, als andere es tun.
„Führen“ kommt von „voran gehen“, eigne Entscheidungen treffen und diese auch vorantreiben. Wenn das Ergebnis überzeugt und der Weg anderen attraktiv erscheint, werden sie mitmachen oder nachfolgen.
Sonntagsreden, moralische Appelle, Weltmachtgehabe obwohl man NICHTS zu bieten hat, müssen wir endlich ablegen, sondern den jeweiligen Akteuren auf Augenhöhe (!) begegnen.
WIR müssen UNSERE Entscheidungen treffen und uns nicht hinter „internationaler Abstimmung mit unseren Partnern“ oder einer „Europäischen Lösung“ verstecken.
Ersteres heißt:“Bitte liebe USA, sagt uns, was richtig ist!“; Letzteres wird nie zu einem Ergebnis führen, denn man kann es nicht allen Recht machen. Außerdem müssten einige europische Akteure mal die virtuellen Hosen runter lassen – das Elend will aber niemand sehen.
Und um einen sinnlosen Coaching-Spruch zu zitieren: „Machen ist wie wollen – nur krasser!“
Zynische Bemerkung zum Schluss: Der einzige Grund, warum ein Land mit der 1,5-fachen Einwohnerzahl Deutschlands, aber nur 1/3 seines BIP auf der Weltbühne wahrgenommen wird (und wir immer weniger), ist die erhöhte Aggression des politischen Vorgehens, die konsequente Verfolgung der eigenen Interessen und das Vorhandensein von Atomraketen….
@TW: Die „deutshe Version“ des Sicherheitshinweises von Ulrike gibt es hier:
https://www.heise.de/news/Wie-ein-franzoesischer-Richter-von-den-USA-digital-abgeklemmt-wurde-11087453.html
Ein Nachtrag ganz grundsätzlich zu im „Friedensplan“ angesprochenen Sicherheitsgarantien:
Eine Argumentation war immer das es so etwas nicht wirklich geben kann. Das Versprechen der ukrainischen Integrität 1994 bei der Rückgabe der (russischen) Atomwaffen hat ja schon nicht funktioniert. Und da waren im Grunde alle dabei.
In der Situation damals war es essentiell selbst die vage Möglichkeit zu verhindern in der Nuklearwaffen verschwinden, illegal verschoben oder für eine neue Nuklearmacht genutzt werden würden.
Die Rückgabe an Russland war da nur logisch. Und bei der damaligen Weltlage waren Sicherheitsgarantien tatsächlich eine glaubwürdige Option.
Das ist heute völlig anders.
Wenn eine wieder auferstandene Atommacht gnadenlose Blut und Bodenpolitik ( sorry für diesen Ausdruck ) betreibt, dann kann man der Meinung sein das echte Sicherheitsgarantien, d.h. boots on the ground, entweder zu gefährlich wären im Sinne der mögl. explosionsartigen Ausweitung des Kriegs auf andere Länder.
Oder aber die vermutlich wahrscheinlichere Version das die fremden Truppen zurückgepfiffen werden um ebendies zu verhindern im Falle einer Eskalation.
Beide Fälle sind so negativ zu bewerten das man sich schon fragen kann ob es da überhaupt eine echte Lösung geben wird.
Auch da die USA in diesem Zusammenhang sls ein unsicherer Kantonist erscheinen…
Und damit schliesse ich mich der dunklen Prognose des Sicherheitshalber Podcasts an.
@P.H. @Strato239
Wie definieren Sie einen „gerechten Frieden“ ? Bzw. wie realistisch ist es diesen ggü. Rußland durchzusetzen ?
Und: @Strato239, möchten Sie tatsächlich westliche Soldaten an der Front in der Ukraine sehen, außer einer Handvoll Freiwilliger die quasi privat und nicht im staatlichen Auftrag bzw. expliziter Billigung dort sind ?
„…mit Deuschland und Polen als zentralen“ Ich würde hinzufügen – Ukraine… …“und das Vorhandensein von Atomraketen….“ Dies ist auch verpflichtend! Regards…
Ich verstehe Svens „Problem“. Weder empfand die Antworten als schwafelig, noch hatte ich den Eindruck, dass Ihr Gast inkompetent oder unwissend war – in vielen Fällen blieb er die Antwort auf die gestellten sehr guten! Fragen jedoch schuldig…
Die Frage warum uns der Konflikt abseits der humanitären Frage überhaupt interessieren sollte ist sehr berechtigt, eine Antwort hab ich nicht wirklich bekommen (sehr vage Fluchtbewegungen, wobei das ja anscheinend primär Binnenflucht ist) . Die Frage welche Partei von welcher externen Macht aus welchem Grund unterstützt wird wurde im Rahmen der gegebenen Zeit gut beantwortet, wer für uns das kleinere Übel ist jedoch blieb offen. Die Erkenntnis, dass für uns natürlich eine gemäßigte demokratische Regierung wünschenswert wäre ist ja prächtig, aber anscheinend haben eben diese Kräfte keinerlei Waffen/Kräfte/Einfluss und damit bleibt das ein reines Wünsch-dir-was….
Nachtrag zum Umgang mit rechtswidrigen Befehlen beim US-Militär.
Im reichweitenstarken Podcast von Ex-Marineflieger Ward Carrol von heute wird darauf hingewiesen das es grundsätzlich rechtlich möglich ist solche Befehle nicht auszuführen. Das gilt dezidiert für Offiziere in kommandierender Funktion.
Der Verteidigungsminister weist in einem Schreiben aber darauf hin das solche Personen alle Befehle die von oben kommen als rechtmässig zu betrachten haben.
( Wobei das vor allem im Krieg meist alle behaupten… )
Schwierige Situation…
Y-998201 sagt:
Wieso haben 500 Millionen Menschen Angst vor 143 Millionen?
Das ist ganz einfach, weil die 143 Millionen von einer Diktatur geführt werden, die sehr viel schneller entscheidet, als unsere demokratische Föderation, die möglichst einstimmig handeln möchte.
@Der Uhrmacher
„Aber was springt sonst noch für die USA dabei heraus? Panama? Grönland?“
Na aktuell Venezuela offenbar. War/ist ja eigentlich auch mit Russland verbündet, aber sieht mir wie fallen gelassen aus. (Ist eigentlich sonst noch jemandem aufgefallen, dass es kurz nach der Ansage von Trump, der CIA Aktionen in Venezuela zu erlauben, zu einer großen Explosion bei einer venezuelanischen Ölanlage kam?)
Wenn es geheime Zusatzabkommen gibt, dann wurde wohl die Ukraine (bzw. angrenzendes Europa) Putins Machtsphäre und ganz Amerika der USA zugeteilt.
@Sandro Valecchi
„Russland rüstet eine zweite Armee auf und rekrutiert monatlich bis zu 30.000 Soldaten, mit dem Ziel einer Personalstärke von 1,5 Millionen Soldaten, berichtet Airbus CEO “
Und das klingt jetzt natürlich wieder sehr bedrohlich, aber diese Quelle könnte vielleicht finanzielle Anreize haben, die Bedrohung größer darzustellen, als sie ist? (mehr Aufträge und damit Boni für ihn)
Denn das sich Russland es leisten kann, aktuell nebenbei eine zweite Armee aufzubauen, wenn es mal wieder darum geht vor Verhandlungen Fakten zu schaffen und die Frontlinie zu verschieben, glaube ich eher nicht.
@ Malefiz Ich weiß, dass es so ist. Das kommt bei der Erweiteritis der EU und der NATO halt raus. Irgendwann lähmen die inneren Gegensätze und unterschiedlichen Interessen das System. Wenn man dann noch Querschläger wie Orban dabei hat, dann wird das halt nichts. Alle ziehen an einem Strang. Viele in eine andere Richtung.
@P.H. @Strato239
Wie definieren Sie einen „gerechten Frieden“ ? Bzw. wie realistisch ist es diesen ggü. Rußland durchzusetzen ?
– Thomas Melber, 26.11.2025 um 14:49 Uhr
Zur ersten Frage, aber lediglich angerissen und ohne Anspruch auf Vollständigkeit.
Rückzug der russischen Streitkräfte in den international anerkannten Geltungsbereich der eigenen Staatsgrenzen unter Aufgabe des völkerrechtswidrig angeeigneten Territoriums der Ukraine (Anm.: Stand 1991).
Reparationsleistung in wahrscheinlich dreistelliger Milliardenhöhe zugunsten der Ukraine.
Rückführung der aus der Ukraine verschleppten Kinder und erwachsenen Personen.
Zur zweiten Frage:
Die Frage ist nicht, ob eine Umsetzung realistisch ist, sondern ob ein geeintes Europa zu drastischeren Schritten bereit ist. Nachfolgend einige exemplarische Beispiele.
Unter anderem über die Freisetzung des eingefrorenen russischen Kapitals der Zentralbank. Das sind immerhin um die 185 Mrd. Euro. Des Weiteren gehen jüngere Schätzungen davon aus, dass um die 10 Mrd. Euro von mglw. mehreren Millionen russischen Privatanlegern eingefroren wurden. Es ist denkbar, dass dies sich diese Vermögen als Druckmittel zur Destabilisierung der dortigen Kriegsbefürwortung eignen könnte.
Es sollte zudem bedacht werden, dass Russland einem europäischen Bündnis, von Kernwaffen einmal abgesehen, zum jetzigen Stand nur wenig entgegenzusetzen hätte. Und vor einem direkten Eintritt in einen bewaffneten Konflikt sollte zumindest beleuchtet werden, ab welchem Zeitpunkt hybride Gegenmaßnahmen in Russland eingeleitet werden sollen. Ich bin nach wie vor der Meinung, dass die EU oder zumindest die wichtigsten Staaten viel zu zögerlich reagieren und die russische Gesellschaft lange nicht über die oftmals so gepriesene Resilienz verfügt, wenn sie einmal die Medizin ihrer eigenen Regierung zu schmecken bekommt.
Liebe Grüße
Patrick Hoffmann (dieses Mal auch mit „k“)
@P. H.
KI meint:
… Ein gerechter Frieden geht über die bloße Abwesenheit von Krieg hinaus und umfasst soziale Gerechtigkeit, Rechtsstaatlichkeit und Menschenrechte für alle Menschen….
Ein Zustand, dem UKR absehbar nicht nahekommen wird, auch nicht bei einem Kriegsausgang nach eigenen Vorstellungen.
Das (englische) WSJ hat den „Plan Deutschland“ in die Hände bekommen, leider hinter einem Paywall und sie haben ihn auch nicht im Original veröffentlicht. Ich kenne nur die Zusammenfassung auf Twitter aber die liest sich interessant
[Ist an dieser Stelle ziemlich OT. Und heißt „OPLan Deutschland“. Und ist eine Geschichte, in der nichts steht, was nicht schon vorher bekannt gewesen wäre, nur anmutig zusammengefasst. Und nein, „in die Hände bekommen“ hat das WSJ den Plan auch nicht. Und damit gut. T.W.]
@KPK: Sehr wichtiger Beitrag. Und gerade in potentiell durch UKR abzutretende Gebiete leben Ukrainer, die unter RUS Vorstellung kulturell und sprachlich zumindest als minderwertig, wenn nicht gar als verfolgungswürdig gelten.
@Klaus-Peter Kaikowsky (KPK)
Wie gesagt, angerissen und ohne Anspruch auf Vollständigkeit. Dass dazu mehr gehört als der Halt von Kampfhandlungen, ist mir bewusst. Es dürfte aber auch klar sein, dass der Beginn nicht die Einforderung sozialer Reformen sein kann, solange sich auch nur ein feindlicher Kombattant auf eigenem Territorium befindet. Die Einstellung von Kampfhandlungen kann wahrscheinlich innerhalb eines Jahres zugunsten der Ukraine erzwungen werden. Der eigentliche (gerechte) Frieden wird ein Prozess sein, der sich in Jahren messen lassen wird.
Und bevor das hier – mal wieder – in eine bestimmte Richtung abdriftet und ich für solche Diskussionen nicht zur Verfügung stehe: Ein gerechter Frieden wird nichts anderes als ein einseitiges Resultat sein, ansonsten wäre er auch nicht gerecht. Russland hatte nie, hat nicht und wird nie das Recht auf einen wie auch immer selbst definierten Anspruch auf ukraininisches Territorium oder eine Mitbestimmung im politischen Geschehen haben. Dafür gibt es völkerrechtliche Bestimmungen. Alles unterhalb dieser Grenze ist ein schlichtes Eingeständnis an eine künstlich geschaffene Realität, die maßgeblich auf einer opportunistischen Haltung beruht und nicht auf der Anerkennung von Regelungen, die berechtigterweise existieren. Wer bebauptet, dass es eine neue Realität gäbe, verkennt schlicht die Rolle von Angreifer und Angegriffenem (vulgo: Täter und Opfer) und impliziert, dass sich territoriale Aneignung unter Waffengewalt wieder lohne. Ich empfehle hierzu einen Blick in den Wikipedia-Artikel „Liste von Territorialstreitigkeiten“. Möchte man das wirklich wieder aufleben lassen? Ernsthaft?
Und nochmal als Nachtrag zur Einschätzung dessen, was letzten Endes als gerechter Friede gelten mag: Absichtlich ausgelassen habe ich auch diffizile Fragen, bspw. die nach denjenigen ukrainischen Staatsbürgern, die sich innerhalb der letzten Jahre mit einer russischen Besatzung arrangiert haben bzw. von vornherein kollaborierten. Das sind weder Feinde noch gehören sie aus der Ukraine ausgewiesen. Wohl aber werden sie eine Rolle im Friedensprozess spielen. Nur eben nicht zu Beginn.
Liebe Grüße
Patrick Hoffmann
Und noch ein Nachtrag, dieses mal ein Verweis auf einen Artikel des Tagesspiegels: “ Milliardenprojekte der USA und Russlands?: Bericht enthüllt Wirtschaftsinteressen hinter Witkoffs Geheimplan“ (29.11.2025, 21:32 Uhr“)
Ich zitiere mich ausnahmsweise selbst, der Post findet sich weiter oben: „In einer dritten Betrachtung verletze ich das Kriterium der Aufrichtigkeit unter Verwendung der Prämisse „Proklamiertes Ziel ist der Frieden, das tatsächliche ist aber die Wiederaufnahme von Geschäftstätigkeiten eines ausgewählten Kreises in den USA mit Russland“. Dass diese Möglichkeit nicht völlig abwegig ist, zeigten bereits die Reaktionen in der republikanischen Partei – reine Zustimmung erfuhr der Plan ja beim besten Willen nicht. Zudem ist es kein Geheimnis, dass bspw. die Familie Kushner geschäftliche Interessen in Russland hat. In diesem Fall wären die Profiteure Russland und eben besagte Gruppe von Individuen.“ (26.11.2025, 10:46 Uhr)
Ganz tolle Sache…
Liebe Grüße
Patrick Hoffmann
@ Bow
„…. unsere Interessen schützen wollen, müssen wir uns endlich eingestehen, dass wir diese haben, dass wir diese verfolgen müssen und dass wir uns dabei selbst (!) die Hände schmutzig machen müssen…..
………Sonntagsreden, moralische Appelle, Weltmachtgehabe obwohl man NICHTS zu bieten hat, müssen wir endlich ablegen, sondern den jeweiligen Akteuren auf Augenhöhe (!) begegnen.
WIR müssen UNSERE Entscheidungen treffen und uns nicht hinter „internationaler Abstimmung mit unseren Partnern“ oder einer „Europäischen Lösung“ verstecken.“
BZ,
aber das will in Berlin niemand hoeren und umsetzen. Lieber macht man sich beliebt mit einer zusaetzlichen Waffenbestellung in USofA……..
@Bow 11.2025 um 12:27 Uhr
Ein exzellenter Hinweis auf die Digitale Souveränität Europas. Die Problematik hat eine militärische Komponente, die häufig außer Acht gelassen wird.
Heute hat der EU-Abgeordnete René Repasi (SPD) im DLF über diese US-Digitalsanktionen und möglicher EU-Gegenwehr gesprochen. Ein sehr informatives Interview.
https://www.deutschlandfunk.de/us-digitalsanktionen-gespraech-mit-mdep-ren-repasi-spd-ueber-eu-gegenwehr-100.html
Würden digitale US-Services per Dekret abgeschaltet werden, fänden sich EU-Mitgliedstaaten im Digitalen der 90er-Jahre wieder. Schon das Drohen oder die Angst davor trägt dazu bei, das Bully#1 gewinnt.
Rubio nicht Teil eines Treffens der NATO-Aussenminister, man macht am Potomac wohl ernst damit, eine Vermittlerrolle zwischen NATO (minus USA) und RUS einzunehmen.
https://www.tagesschau.de/ausland/amerika/absage-rubio-nato-treffen-100.html
Vermittlerrolle, das muss es nicht heisen. Ich würde wohl auch nicht teilnehmen, weil da ja immer nur die
gleiche heisse Luft ventiliert wird. Die EU und die Rest-NATO, das ist nur noch ein wilder Hühnerhaufen, in dem alle aufgeregt gackerend hin und her laufen. Kein Wunder, dass wir von Trump und Putin so behandelt werden. Die Ukraine hat nur eine Chance, kämpfen bis zum letzten Mann, oder früher oder später von den Russen vollständig geschluckt zu werden. Die derzeitigen Verhandlungen haben für Putin nur den Sinn, die Ukraine zu portionieren, damit das Verschlucken noch einfacher wird.
@TomCat
Andererseits bewegt sich die UKR eben auch keinen Zentimeter. Auf eine vollständige Wiederherstellung der territorialen Integrität Stand 2014 zu bestehen verkennt eklatant die eigenen Möglichkeiten. Ja, „gemein“ und „unfair“, aber so ist es nun einmal, unabhängig davon was in der Verfassung steht.
Und: niemand will die UKR wirklich in der NATO haben, mit Ausnahme einiger, insbesondere deutscher, Falken und vielleicht Frau Kallas. Sicherheitsgarantien müßte man sich überlegen, aber in wie weit diese belastbar wären ? Das wäre sogar bei einer Mitgliedschaft in der NATO die Frage.
Auf weitreichende westliche Waffen kann die UKR eigentlich verzichten, die bauen nunmehr selber welche, auch mit ausländischer Unterstützung. Und eine Stärke der SK von 600.000 Mann ist nun nicht so wenig, das muß man ja auch finanzieren. Eine kampferprobte Reserve käme ja noch on top.
Und bzgl. einer Mitgliedschaft in der EU hat RUS ja durchaus grünes Licht gegeben wiewohl diese die EU sicher überfordern würde und von einigen Staaten inoffiziell nicht gerne gesehen wird aufgrund der Finanztransfers, es gäbe dann wohl nur noch ein Nehmerland, die UKR.
[Kurz noch den Beleg nachreichen für die Aussage „niemand will die UKR wirklich in der NATO haben, mit Ausnahme einiger, insbesondere deutscher, Falken und vielleicht Frau Kallas“? T.W.]
@TW
OK, aber welcher Staat befürwortet ausdrücklich die Aufnahme und verbindet diese mit einer vorbehaltlosen militärisch-kinetischen Unterstützung der Ukraine bei einem unprovozierten Angriff Rußlands ? Diese Staaten könnten ja auch bereits jetzt eine Sicherheitsgarantie für die Zeit nach einem Waffenstillstand geben.
Das hätte auch den Vorteil, daß die Klausel, daß nur Staaten mit geklärten / anerkannten Grenzen aufgenommen dürfen, entfiele.
Die UKR in die NATO – ja unbedingt ! Sicherheitsgarantien – wir überlegen noch. Also: wasch‘ mir den Pelz aber mach‘ mich nicht naß.