Bundeswehr rüstet im Weltraum auf – 35 Mrd Euro bis 2030
Die Bundeswehr will auch im Weltraum aufrüsten. Rund 35 Milliarden Euro sollen nach Angaben von Verteidigungsminister Boris Pistorius in den kommenden fünf Jahren für die Weltraumsicherheit ausgegeben werden – ausdrücklich auch für Offensivfähigkeiten.
Aus Zeitgründen hier erstmal nur der Auszug dazu aus der Rede des Ministers beim Weltraumkongress des Bundesverbandes der deutschen Industrie (BDI) am (heutigen) Donnerstag in Berlin, zitiert nach dem vorab veröffentlichten Redemanuskript:
Für den Weltraum dort oben gilt die gleiche Erkenntnis, die wir erst vor wenigen Jahren hier auf dem europäischen Kontinent schmerzhaft gelernt haben: Frieden und Sicherheit sind keine Selbstverständlichkeiten. Sie müssen verteidigt werden.
Wir haben uns entschieden zu handeln. Auch wenn wir zunächst erst einmal Begriffe für diesen historischen Kurswechsel finden mussten.
Heute, über drei Jahre später, wissen nicht nur die Menschen in unserem Land etwas mit den Worten „Zeitenwende“ und „Kriegstüchtigkeit“ anzufangen. Sie verbinden auch konkretes pmolitisches Handeln damit.
Deutschland ist bereit, mehr Verantwortung zu tragen – als
Schrittmacher unter den europäischen Nationen. Diese
Verantwortung endet nicht in der Stratosphäre – im Gegenteil.
Deshalb bauen wir innerhalb der Bundeswehr Strukturen auf, um uns mittel- und langfristig auch im Weltraum wirksam verteidigen und abschrecken zu können. Die Bundeswehr ist ein wichtiger Teil einer gesamtstaatlichen Weltraumsicherheitsarchitektur.
Unter dem Begriff Architektur verbirgt sich eine resiliente Struktur aus Satellitenkonstellationen, Bodenstationen, gesicherte Startfähigkeiten und Services. Ein Gesamtpaket, das Schutz und Wirkung gleichermaßen gewährleistet.
Wir nehmen hierfür auch richtig Geld in die Hand. Allein bis 2030
planen wir Haushaltsmittel in Höhe von 35 Milliarden Euro in
Projekten einzusetzen.
Diese Architektur umfasst eine Reihe von Maßnahmen: Wir härten unsere Systeme gegen Störungen und Angriffe. Das schließt ganz ausdrücklich die Cybersicherheit für alle Weltraumsysteme ein.
Wir verbessern die Lageerfassung im Orbit durch Radare, Teleskope und durch den zukünftigen Einsatz von Wächtersatelliten.
Zusätzlich müssen wir Redundanzen durch mehrere, vernetzte Satellitenkonstellationen schaffen und auch über Offensivfähigkeiten
sprechen. Auch im Weltraum müssen wir abschrecken können, um verteidigungsfähig zu sein.
Deutschland braucht außerdem gesicherte auch on-demand
verfügbare Transportkapazitäten ins All – hier setzen wir auf einen
Mix: kleine Trägerraketen für flexible Starts, mittelfristig aber auch europäische Schwerlastträger, die im Wettbewerb entstehen – und
vor allem bestehen müssen.
Und: Wir brauchen ein eigenes militärisches Satelliten-
Betriebszentrum im Weltraumkommando der Bundeswehr. Nur so behalten wir die Kontrolle über unsere Systeme und können im
Ernstfall schnell reagieren.
Die Oberste Raumbehörde befiehlt:
Rücksturz zur Erde!
“ und auch über Offensivfähigkeiten
sprechen. Auch im Weltraum müssen wir abschrecken können, um verteidigungsfähig zu sein“
Es gab mal einen Internationelen Konsens auf Rüstung im Weltraum zu verzichten. Denn ansonsten setzt das eine Spirale in Gang, die bedeutet dass bald viele Atomwaffen direkt im Weltraum über uns kreisen, jederzeit bereit noch schneller und mit noch weniger Vorwarnzeit die Nukleare Apokalypse auszulösen.
Eine Wahl auf Offensivkapazitäten zu verzichten scheint man zwqr nicht wirklich zu haben (und es geht hier ja eher um Boden oder Jetgestützte Antisatellitenwaffen), ich wollte nur nochmal den Gedanken in die Runde geben, dass es gute Gründe gab, den Weltraum demilitarisiert zu lassen und dass die aktuelle Entwicklung bedenklich ist. Denn die Sprache klingt schon sehr stark nach normalisierung vom Militär im Weltraum.
Das klingt super. Ein bisschen enttäuscht bin ich aber von der gering ausgeprägten europäischen Dimension. Da wir strategische Kapazitäten im Weltraum quasi von Null auf aufbauen, wäre das doch eine Gelegenheit gewesen, multinational vorzugehen und ein gemeinsames Kommando aufzubauen.
[Bin unterwegs, deshalb erstmal nur der Ausschnitt, komplette rede auch mit Blick auf Europa stelle ich später ein. Ist ggf auch auf Webseite BMVg zu finden. T.W.]
Letztes Jahr Mai wurde bekannt, dass Russland mutmassliche Satellitenkiller in All geschossen hat, um eventuell westliche Aufklärungs- und Kommunikationssatelliten abschiessen zu können. Im Angriffsfall könnte Russland so ziemlich elegant militärisches wie ziviles Leben eventuell entscheidend lahmlegen.
Interessantes Thema. Nur leider, wie so oft, deutlich zu spät.
Alleine bezüglich der (europ.) Schwerlastträger reden wir von einem Jahrzehnt +. Und von einer, erneuten, massiven Abhängigkeit von Frankreich (Le Pen lässt grüßen), was Startanlagen betrifft.
Dazu kommt die Problematik, die durch leistungsfähigere KI entsteht. Da kann es durchaus sein, dass unser tolles neues System in 12 Jahren halbwegs einsatzfähig ist, und Russland zum halben Preis ein deutlich besseres System auf die Beine stellt, welches schneller fertig wird. Nicht damit anzufangen ist falsch, aber ab welchem Punkt sind wir uns sicher, dass bezüglich KI nur noch minimale Verbesserungen möglich sind und sichergestellt ist, dass unser System konkurrenzfähig ist.
Hier wäre es wichtig, Druck auf China auszuüben bzw. China eventuell ein wenig entgegenzukommen. Solange die Achse Peking – Moskau besteht, können wir Russland nicht daran hindern, die Hardware zu erhalten, die man benötigt um leistungsfähigere KI-Systeme zu erschaffen / betreiben. Das wirkt sich dann natürlich auch auf den Bereich Drohnen aus.
Starlink / Ukraine / Elon Musk
Das gab wohl den Ausschlag das jetzt viele, wohl zu Recht, sich im Weltraum engagieren.
Betrachtet man das Starlink-Netzwerk mit demnächst über 10.000 Satelliten erschliesst sich mir aber nicht wirklich was einzelne Anti-Satelliten-Waffen da bringen sollen…
Bedenklich finde ich Projekte wie die amerikanische X 37, ein kleiner fernsteuerbarer, unbemannter Raumgleiter. Derzeitiger Rekord: Über 900 Tage am Stück im All. Nutzlast über 200 kg… Reiner Testträger.
Aber 200 kg würden auch für ….. reichen.
„Es sind die Frogs ! …Wir warten auf die Entscheidung der Weltregierung“
( Raumschiff Orion im bayrischen Fernsehen, noch vor der Mondlandung ;-)
Gerade in Bayern gibt es übrigens Weltraum / Raketen – Startups wie Isar Aerospace oder die Rocket Factory Augsburg.
Jetzt wo das Militär dabei ist darf man sich diese Namen merken…
@ Jens Es wird in der Fachpresse über russische Killersatelliten spekuliert, allgemein bekannt ist das nicht (siehe DGLR Kongress gestern in Augsburg). Von anderen Nationen wurden solche bereits eingesetzt. Als Konsequenz hat beispielsweise Indien angekündigt Satelliten nur noch mit Body Guard Satelliten zu launchen..
Komplett sinnloses Geldverbrennen! Die USA brauchen Satelliten Aufklärung und Kommunikation da sie Global operieren wollen.
Für uns ist Terrestrische Langstrecken Kommunikation via Richtfunk und Kurzwellentechnik ausreichend wenn man innerhalb von Europa und evtl. noch dem europäischen Teil der Russischen Föderation operieren will und muss.
Aufklärung kann man billiger und zuverlässiger mit Fliegenden Systemen erreichen (bemannt+unbemannt).
Kann ich im Konfliktfall die Satellitenkonstellation nicht schützen oder habe genug Redundanz ist die im Zeitalter von Anti-Satelliten Waffen (Laiser oder Rakete) schnell wertlos… ein mobiles Richtfunk Datennetz kann der Gegner nicht so schnell ausschalten.
Aber hey der Finanzminister unterschreibt ja zur Zeit Blankoschecks für die Bundeswehr hau raus die Kohle als ob es kein Morgen gibt.
@Felix so weit ich weiss wurde die Europäische Version probiert mit dem Resultat, dass Deutsche Unternehmen bei den meisten Arbeitspaketen nicht zum Zuge kamen.. Das Ganze wurde damals vom Französischen EU-Kommissar Breton designed und firmiert unter Iris^2.
Also Träume hat unser VM. Mir ist zwar immer noch nicht klar mit welchem Personal und welcher Industrie ( doch wohl aufgrund der aktuellen Weltlage ohne chinesische und amerikanische Chips) er das alles stemmen will, aber egal, die Kohle muss raus.
Achtung Ironie: Wann kommt denn der erste eigene Flugzeugträger für die Marine?
@L.P. Danke für die Info. Sind die Systeme, die jetzt angeschafft werden, wenigstens mit Iris 2 kompatibel? Und werden sie irgendwie
Wenn man sieht wie die Ukraine am seidenen Starlink-Faden von Elon Musk hängt, wir das allerhöchste Zeit, dass wir da mal in die Gänge kommen. Auch wenn ein europäischer Ansatz wäre besser, einer muss mal voran gehen. Was die Blankoschecks angeht, das sind noch lange nicht die 600 Mrd., die man der Bundeswehr über die Jahre weggespart hat. By the way, wo ist das Geld denn hin? Und mal provokativ gefragt, wollen wir eines Tages Putin ein schuldenfreies Deutschland übergeben?
Geil!
Kap“tän auf der FGS Enterpreis (Name schon mal eingedeutscht). Fünf Jahre ab in unbekannte Weiten. Ein würdiger Abschluss meiner Karriere!
Mach hinne Boris – bitte in Warpgeschwindigkeit statt Deutschlandtakt.
Mit intergalaktischen Gruß
Ihr ergebener Snappy
Es ist die richtige und längst überfällige Entscheidung, auch wenn die in der Kommentar-Landschaft kritisch begleitet wird.
1970 hat ein dt. Politiker den Weg für das Projekt Airbus geebnet. Und Franz Josef Strauß war im Aufsichtsrat gewesen.
Im Jahr 2000 erfolgte die Gründung von EADS.
Wahrscheinlich hätten diese Kommentatoren seinerzeit auch orakelt, das bringe doch alles nichts, weil es ja schon einen Marktführer Boeing gäbe.
Offenkundig hat es etwas gebracht.
Wir durchleben eine doppelte Zeitenwende : der Konflikt mit Russland. Und die nun unvermeidlichen Emanzipation von den USA.
Es gibt kein Weg zurück. Und es gibt keine andere Alternativen.
@Küstengang01
Selten einen so dämlichen Kommentar gelesen. Moderne Kriegsführung wird durch Sattelitenaufklärung ganz maßgeblich bestimmt, ebenso Kommunikation. Wer nicht blind ist, hat das in den letzten 3+ Jahren in der Ukraine wieder und wieder eindrücklich vor Augen geführt bekommen. Vorher natürlich auch schon.
Und dann auch noch Richtfunk(!) als alternative zu nennen….Sind Sie Flacherdler, oder haben Sie sonst noch nie etwas von der Erdkrümmung gehört? Mit Richtfunk deckt man bestenfalls das direkte Umfeld ab – wenn es keine Hindernisse gibt.
Ganz zu schweigen davon, dass wir durchaus global operieren wollen und können müssen.
[Bei allen Meinungsverschiedenheiten: Am Ton lässt sich noch arbeiten. Rumpöbeln gegen andere Kommentatoren, deren Meinung man für blöde hält, lassen wir hier einfach. T.W.]
@küstengang01
so einfach ist das auch nicht. Der Funkhorizont bei Land und Seegerbünden Systemen ist nicht wirklich hoch, ungerichtet lässt sich zudem relativ leicht stören.
Satellitenkommunikation ist ja auch nichts anderes als Richtfunktion, hier kann ich aber, da ich steil nach oben schaue, mit Antennen wie crpa die störer relativ gut ausblenden, weil der Schwierigkeiten hat auf meine linke zu kommen. mit bodengebundenen Richtfunk kann da leichter einer als verlängerung in die Verbindungslinie kommen.
Ein wesentliches Konzept in diesem Kontext ist Responsive Space. “Responsive Space” bezeichnet ein Konzept in der Raumfahrt, bei dem weltraumgestützte Systeme sehr schnell und flexibel auf neue Anforderungen oder Bedrohungen reagieren können.
Es entstand ursprünglich im militärischen Umfeld, um Satelliten und Dienste kurzfristig verfügbar zu machen.
Das Ziel ist, innerhalb von Stunden oder Tagen statt Monaten oder Jahren neue Kapazitäten ins All zu bringen.
Dazu gehören schnell startbare Trägerraketen, standardisierte Satellitenmodule und vereinfachte Missionsplanung.
Responsive Space setzt stark auf kleine, kostengünstige Satelliten, die in Serie produziert werden können.
Auch Bodeninfrastruktur wie mobile Startplätze oder vernetzte Kontrollzentren sind Teil des Konzepts.
Im Verteidigungsbereich ermöglicht es die schnelle Wiederherstellung von Kommunikations- oder Aufklärungsfähigkeiten nach Ausfällen…
Langfristig gilt Responsive Space als Schlüsselfaktor, um Raumfahrt agiler, robuster und sicherheitsrelevanter zu machen.
@Küstengang 01. Am 28.02.2022 sind tausende Windkraftanlagen, welche über das GPS und das Satellitenzeitsignal gesteuert werden, in Europa gestört worden. Die Anlagen haben sich einfach abgeschaltet. Die Vermutungen durch das Weltraumkommando in Uedem gehen dahin, dass da Russland beim Einmarsch in die Ukraine bei den Störmaßnahmen etwas übertrieben hat. Blöderweise wird über das Zeitsignal die ganze kritische Infrastruktur, wie Energieversorgung, der gesamte weltweite Zahlungsverkehr, GPS und andere zivile Positionierungssystem gesteuert. Satellitenausfall oder Abschattung lässt uns in kürzester Zeit im Dunkeln sitzen, da läuft keine Produktion, kein Datenaustausch und keine Logistik. Und das halten sie nicht für schützenswert?
@Othinus
…Moderne Kriegsführung wird durch Sattelitenaufklärung ganz maßgeblich bestimmt, ebenso Kommunikation….
Deshalb beschafft die Bundeswehr für 5,5 Milliarden Euro TaWAN LBO. Ein mobiles Richtfunknetzt um Datenanbindung von Berlin bis West Russland zu ermöglichen.
…Und dann auch noch Richtfunk(!) als alternative zu nennen….Sind Sie Flacherdler,..
Nein ganz sicher nicht! Habe aber als Fernmelder längere Zeit in verschiedenen Fachzügen Führung und Kommunikation (FZ FK) des THW’s gedient. In einem hatten wir einen WV Trupp (Weitverkehrstrupp) Deutschlandweit waren wir mit den 8 vorhanden Trupps in der Lage eine Richtfunkstrecke von ca. 260km länge aufzubauen. Beim Einsatz in Meppen haben 3,5km gereicht um für ein Feldlager mit 5000 Einsatzkräften Daten und Fernmeldeverbindung herzustellen.
@Träumer
…so einfach ist das auch nicht. Der Funkhorizont bei Land und Seegerbünden Systemen ist nicht wirklich hoch, ungerichtet lässt sich zudem relativ leicht stören…
UKW hat eine quasi optische Verbreitung… ich erreiche alles was innerhalb der Horizontreichweite liegt. je höher die Antenne um so weiter kommt man. Moderne SDR Digitalfunkradios sind auch codiert und gegen störung gehärtet.
Ein Battalion sollte sich in UKW Funkreichweite aufhalten…. für weiter entfernte Übergeordnete Führung bauen die Fernmelder was auf… ein Gateway oder Relais oder eine Kabelgebundene Fernmeldestrecke.
Für alles was richtig weit weg muss nimmt man Kurzwelle… damit kommt man auch um den ganzen Planeten (hängt aber vom Wetter, Sonnenstand und der Ionosphäre ab. Musste ich mal vor über 20 Jahren lernen als ich mein GOC Funkpatent für die Seeschifffahrt gemacht habe. Googlen sie gerne Mal WinLink… damit verschicken Amateurfunker über Kurzwelle E-Mails ins WWW.
@zulu1975
…Satellitenausfall oder Abschattung lässt uns in kürzester Zeit im Dunkeln sitzen, da läuft keine Produktion, kein Datenaustausch und keine Logistik. Und das halten sie nicht für schützenswert?…
Schützen können wir da gar nix. Zumal das meiste US Systeme sind. Sowas zeigt nur das man die Führungsunterstützungs Strukturen sofern man die nicht braucht weil man weltweit jederzeit dritte Weltländer überfallen will nicht auf Satelliten abstützen sollte die der Gegner im Konfliktfall schnell ausschalten kann.
Was mich noch zusätzlich besorgt, ist das Szenario, dass in einem Konflikt irgendwer da oben in der Umlaufbahn so einiges kinetisch zertrümmert. Dann fliegen da Unmengen an Schrapnells herum, und wenn es blöd läuft, schalten die ungezielt und nicht steuerbar zahllose Satelliten aus und verhindern obendrein jeden Neustart und jede Reparatur. So ein Szenario wurde auch in einem „Sicherheitshalber“ mal erwähnt (ich glaube #16). Dann haben wir das ganze schöne Geld total in den Sand gesetzt, und hoffentlich wird auch redundant darüber nachgedacht, wie man ohne Satelliten ein Land verteidigen kann.
@FeBo:
Die Bundeswehr pflegt die Weltraummüll-Lage in ihrem Weltraum-Lagezentrum in Kalkar. Detaillierte Informationen zum Weltraummüll finden sie u.a. in Wikipedia und den dort gelisteten Quellen-Verweisen. Danach scheint das Problem (noch?) beherrschbar. zu sein.
Zu den dringend benötigten Fähigkeiten im Weltraum, gehört u.a. ODINs EYE, ein für den europäischen Raum optimiertes Überwachungssystem, das unter maßgeblicher Beteiligung der deutschen OHB System AG realisiert wird. Das System wird es u.a. erlauben, russische Hyperschall-Raketen bereits in der Startphase zu entdecken und so hinreichend Zeit für eine effektive Abwehr zu gewinnen. Diese Fähigkeit wäre mit luft- bzw. boden-gebundenen Infrastrukturen so nicht möglich.
Da die Kommentare schon voller KI Hype usw. sind, der Zweck eigener Kapazitäten im Weltraum ist ganz klassisch, Aufklärung und Kommunikation.
Und dazu benötigt es eine Konstellation für Redundanz und Leistungsfähigkeit. Man lädt auch eher Angriffe auf eigene Satelliten ein wenn man wenige hat, das sind dann sehr attraktive Flaschenhälse mit denen man uns leicht mit einer einzelnen Maßnahme stark schädigen kann.
Eine ganze Konstellation schaltet hingegen niemand aus ohne den Weltraum über Jahrzehnte unzugänglich zu machen (Kaskade von Weltraumschrott). Das ist dann die ähnliche Logik wie MAD.
Übrigens, weil es in einem anderen Kommentar stand, da ist wohl jemand in dej 80ern mit Star Wars aufgewachsen, nicht nur hat Deutschland keine eigenen Atomraketen zur Verfügung, es gibt auch überhaupt keinen Nutzen diese im Orbit zu stationieren. ICBM der Atommächte können jederzeit von U-Booten abgefeuert werden und können durch keine Technologie aufgehalten werden. Und während man genau weiss welchem Staat ein Sattelit gehört, da jeder Start neuer Satelliten international genau verfolgt wird, weiss im Zweifelsfall niemand welcher Staat gerade eine ICBM auf hoher See von einem U-Boot aus abgeschossen hat. Es ist nicht so, dass die sowas wie eine zweifelsfreie Signatur hätten. Und für Zweitschlag eignen sich orbitale Plattformen sowieso nicht, sie wären ein Ziel jedes Erstschlags. Während der Standorte der U-Boote mit ICBM unbekannt ist und diese auch noch zurückschlagen können wenn ihr Heimatland schon längst eingeäschert wurde. Erst durch diese Zweitschlagsfähigkeit funktioniert Abschreckung wirklich.
Die Idee von Atomraketen im All gefiel höchstens Reagan, Hollywood und dem Bauchgefühl der Generation die im Kalten Krieg aufgewachsen ist und sich gruseln wollte.
Schöne Kommentare!
Zu Iris 2 siehe hier:
https://de.wikipedia.org/wiki/IRIS%C2%B2
Zu Abschreckung mit atomaren Waffen und zweifelsfreien Signaturen siehe hier:
https://de.wikipedia.org/wiki/72_Minuten_bis_zur_Vernichtung
@Left Blank
Annie hat in einem ausführlichen Interview, ich glaube beim DOAC Podcast, bestätigt, dass sich Starts der ICBM selbstverständlich weltweit detektieren lassen, jedoch bei U-Booten auf hoher See eine Zuordnung der Herkunft der ICBM nicht möglich ist. Falls nicht zufällig ein Jagd U-Boot in der Nähe ist, welches das abschießende U-Boot identifizieren kann, ist es nicht sicher möglich jemals festzustellen wer die ICBM abgeschossen hatte, solange der jeweilige Staat es nicht einräumt.
Das ist ein nicht ganz kleines Problem beim Thema Zweitschlag.
Das genaue Gegenteil ist Star Wars. Mit relativ einfachen Methoden können orbitale Waffen von allen Ländern darunter überwacht werden. Sie brauchen dazu nicht einmal eigenen spezielle Satelliten, wie bei der Überwachung von Raketensilos auf dem Erdboden.
Orbitale Abschussbasen sind in jeder Hinsicht die schlechteste denkbare Möglichkeit, besonders verwundbar und dazu noch unfassbar teuer und gefährlich. Ein kleiner Meteorit an der falschen Stelle und ein Haufen Atommüll verteilt sich irgendwo auf der Erdoberfläche nach dem Wiedereintritt.
Das war nie etwas anderes als ein Kopfgespinst.
@Eric: Wenn man auf eine kleine Anzahl von Atomwaffen nicht reagiert, kann man dann anhand der Signatur des spaltbaren Materials die Herkunft ermitteln.
Wenn man zurückschlägt, dann ist es eh egal, wer angefangen hat.
Wenn wir:
für jeden Soldaten eine Waffe
für jeden einen Platz auf einem Gefechtsfahrzeug ( plus Umlaufreserven)
für jeden der es braucht und will ein Bett in einer Kaserne
für jedes Waffensystem ausreichend Munition bevorraten
für eine sinnvolle Ausbildung und Übungen genügend finanzielle Mittel zur Verfügung haben
alle Waffensysteme die zur Auftragserfüllung an Land auf See und in der Luft ( Stichwort strat. Lufttransport) nötig sind in ausreichender Anzahl besitzen.
und noch einiges mehr davon erfüllen. Dann und nur dann sollten wir darüber nachdenken ob wir in der Liga der Weltraumkrieger mitspielen können und wollen.
@Küstengang01:
Golf clap… Gut gemacht. Aber glauben Sie, dass das in einer asymmetrischen Bedrohungslage mit nicht klar erkennbaren Gegnerns auch so funktioniert? Oder baut dann der Heimatschutz (wer genau?) um jeden WV-Trupp eine Verteidigungsstellung mit Drohnenabwehr? Während zugleich alle kritische Infrastruktur wie Kraftwerke, Fabriken, Brücken, Umspannwerke usw. bewacht werden muss?
Selbst das Millionenheer an Reservisten aus der Zeit des kalten Krieges hätte seine liebe Not mit diesen Aufgaben gehabt. Und damals konnte man wenigstens mit seinen Verbündeten rechnen, weil die Verteidigung am Eisernen Vorhang neben den deutschen drei durch weitere, alliierte Armeekorps vorgesehen werden konnte.
Eine vergleichbare Verteidigungsaufstellung müsste jetzt vom Schwarzen Meer bis zur Ostsee reichen, auch unter Einbeziehung der Streitkräfte der neuen NATO-Mitglieder ist dies eine spannende Vorstellung, wie das funktionieren sollte.
Die dereinst im Kalten Krieg erreichte Stärke der Bundeswehr von knapp oberhalb 500.000 Soldaten und der Rückgriff auf erhebliche Zahlen an einigermaßen ausgebildeten Reservisten für Bewachung und Bestreifung dürfte wohl kaum innerhalb weniger Jahre erreichbar sein, selbst wenn das irgendwer in Verantwortung tatsächlich versuchen wollte.
Für die damals neu aufgestellte Bundeswehr dauerte der Aufwuchs von der Inkraftsetzung der allgemeinen Wehrpflicht zum 1. April 1957 bis zum annähernden Erreichen der nominalen Stärke bis in die 60er Jahre! Bundesgrenzschutz und Küstenwache wurden massiv zugunsten der Streitkräfte kannibalisiert. Und trotz der (Wieder-)Aufstellung von über 56 Einheiten im Anfangsjahr 1956 gab es zum Ende des Jahres gerade mal 7.700 Menschen in Uniform, die dort ihren Dienst taten. Diese Einheiten existierten somit zunächst einmal nur auf dem Papier.
Nur so an die Fraktion der Mitkommentatoren, die immer geräuschvoll nölt, wenn z.B. die Brigade in Litauen noch gar nicht so recht existiert. Dicke Bretter kann man mit Dünnbrettbohrern nur schwer durchbekommen. Gar kein Verständnis habe ich für die Einstellung dass man eine Sache lassen muss, um eine andere zu tun. Damit stellen wir heute schon die Weiche dafür, dass wir morgen wieder Fähigkeitslücken beklagen, und die immer gleichen Kommentare dann monieren, dass man „das längst hätte angehen können“. Und jetzt wird es mal angegangen und es kommt im übertragenen Sinn ein; „Erstmal jeder seinen Esbitkocher, dann reden wir mal über Weltraum!“
Man kann das durchaus auch parallel angehen, @Grimes. Es soll zwar Leute geben, die sich nur auf eine Sache gleichzeitig konzentrieren können, aber es gibt ja gottlob auch die Möglichkeit, dass Menschen, jeweils einen eigenen Auftrag nebeneinander abarbeiten können.
@Grimes: Exakt so sehe ich das auch.
Den schrecklichen Verdacht, dass hier wieder Show vor realer Problemlösung geht, wie in so vielen politischen Bereichen, werde ich nicht los. Es geht wohl in die Richtung (und da passt der „Drohnenwall“ genau rein): Wie bekommen wir irgendetwas gegen Russland zum Laufen, was möglichst wenige Soldaten benötigt, und dann in jeder denkbaren körperlichen Verfassung, damit man sich nur nicht in das Wepennest „Wehrpflicht“ setzen muss. Eine zahlenmäßig respektable Armee, Marine und Luftwaffe mit physisch und psychisch tauglichen, gut trainierten und perfekt ausgerüsteten Soldaten sehe ich noch nicht einmal am Horizont.
@aussenstehender
Die Signatur lässt sich nur bei nicht detonierten Atomwaffen zweifelsfrei prüfen, das spaltbare Material wurde im Zuge der Detonation gespalten und hat keine Signatur mehr.
Du kannst zwar im Explosionsgebiet die Isotope messen, es ist aber möglich eine falsche Fährte zu legen indem man den Sprengkopf so modifiziert, dass gewünschte Profile der Isotope und Spaltprodukte vorgefunden werden. Das kompakte, undetonierten Spaltmaterial kann man nicht derartig „kneten“. Da hinterher kein kompakter Körper mehr vorliegt, sondern Messungen in einem großen Umkreis vorgenommen werden, ist es nicht möglich diesen Unterschied nachzuweisen.
Besonders problematisch ist, dass Forensik in jedem Fall Zeit braucht. Zeit die nicht vorhanden ist. Wer Annies Buch gelesen hat weiss ja von welchen Reaktionszeiten auszugehen ist. Selbst ohne Manipulationen ist ein Angriff aus dem Nichts, von einem U-Boot auf hoher See, das nicht durch ein Jagd U-Boot identifiziert werden konnte, eine Situation für die es keinen wirklichen Plan gibt. Ein unglaublicher Vorteil des Angreifers in der Taktik, shock and awe, gegenüber „jeder hat gesehen woher die Rakete kam“ bei einer orbitalen Plattform. DARUM ging es hier ja, wieso Star Wars immer Kokolores war. Nicht alles was nach viel Aufwand und Weltraum klingt ist auch besonders mächtig.