Neuer Wehrdienst, militärische Sicherheit, Nationaler Sicherheitsrat: Kabinettsitzung im Bendlerblock (Nachtrag: Pk-Wortlaut)
Das Bundeskabinett hat bei seiner Sitzung im Bendlerblock, dem Berliner Dienstsitz des Verteidigungsministeriums, wie erwartet die Weichen für einen Neuen Wehrdienst gestellt – vorerst ohne Wehrpflicht. Die Ministerrunde billigte zudem den Gesetzentwurf für Neuregelungen zur militärischen Sicherheit und die Regelungen für den neuen Nationalen Sicherheitsrat. Der NATO-Oberbefehlshaber, US-General Alexus Grynkewich, trug dem gesamtem Kabinett als Gast seine Einschätzung der sicherheitspolitischen Lage vor; ebenso Generalinspekteur Carsten Breuer.
Das Gesetz zur Modernisierung des Wehrdienstes folgt, trotz der Kritik vom Koalitionspartner Union, den Vorstellungen von Verteidigungsminister Boris Pistorius: Um die Bundeswehr zu stärken, sollen zunächst alle Deutschen bei Erreichen des 18. Lebensjahres angeschrieben und zur Beantwortung eines Fragebogens aufgefordert werden. Die Antwort ist nur für Männer verpflichtend – abgeleitet von einer möglichen Wiedereinführung der Wehrpflicht, die nach dem Grundgesetz ausschließlich für Männer gelten würde.
Ab 2027 sollen dann die jungen Männer auch zur Musterung verpflichtet werden. Ob die 2011 ausgesetzte Wehrpflicht wieder aktiviert wird, soll im Lichte der freiwilligen Meldungen für einen Dienst in der Bundeswehr in den kommenden Jahren entschieden werden – dann auf Beschluss der Bundesregierung und mit Zustimmung des Bundestages.
Gerade der letzte Punkt war in den Unionsparteien auf heftige Kritik gestoßen. Ihre Forderung richtete sich darauf, bei Verfehlen bestimmter Personalstärken in den nächsten Jahren die Wehrpflicht automatisch wieder in Kraft zu setzen, auch ohne gesonderten Parlamentsbeschluss. Ob im Gesetzgebungsverfahren im Bundestag eine solche Regelung eingeführt wird, die von Teilen des Koalitionspartners SPD abgelehnt wird, ist offen.
Für die Details die Gesetzentwürfe:
und zum Vergleich der Entwurf der vorangegangenen Regierungskoalition:
… und für die Kenner auf 130 Seiten:
Entwurf eines Gesetzes zur Stärkung der Militärischen Sicherheit in der Bundeswehr
Zum Nationalen Sicherheitsrat gibt’s nur ne Pressemitteilung:
Deutschland bekommt einen Nationalen Sicherheitsrat
Aus der gemeinsamen Pressekonferenz von Bundeskanzler Friedrich Merz und Pistorius nach der Kabinettsitzung im Bendlerblock gibt’s bislang nur ein Audio von den Aussagen Pistorius‘:
Fürs Archiv das gesamte Kabinett samt NATO-Oberbefehlshaber und Generalinspekteur im Bendlerblock auf einem Bild:
Nachtrag 28. August: Nachdem das Verteidigungsministerium am Vortag ein Audio nur mit den Aussagen des eigenen Ministers veröffentlicht hatte und den Kanzler wegließ, hier das Transkript der kompletten Pressekonferenz sowohl mit Kanzler als auch Verteidigungsminister:
Merz: Meine Damen und Herren, lassen Sie mich zunächst ein herzliches Wort des Dankes sagen an das Bundesministerium der Verteidigung und insbesondere an den Bundesminister der Verteidigung, den Kollegen Boris Pistorius, für die Gastfreundschaft, die wir heute hier im Haus in Anspruch nehmen durften. Der Bundesverteidigungsminister und ich haben schon relativ früh in dieser Bundesregierung verabredet, dass wir im Spätsommer eine Kabinettssitzung im Verteidigungsministerium anberaumen. Das ist eine alte Tradition, die es in der Bonner Republik in einer Zeit gegeben hat, in der über Sicherheits- und Verteidigungspolitik auch anders gesprochen werden musste, als wir es in den vergangenen Jahren tun durften. Mittlerweile hat sich die außenpolitische und sicherheitspolitische Lage erneut so zugespitzt, dass wir beide es für richtig und notwendig gehalten haben und unverändert halten, dass wir uns mit dem Bundeskabinett einmal im Jahr in diesem Hause treffen, um miteinander ausschließlich über verteidigungspolitische und sicherheitspolitische Fragen zu diskutieren und auch Entscheidungen zu treffen, so wie wir das heute getan haben.
Die sicherheitspolitische Lage in Deutschland und in Europa zwingt uns gerade dazu, diese Tradition wieder aufleben zu lassen. Zugleich setzen wir damit auch ein Zeichen: Sicherheit steht für diese Bundesregierung im Ganzen weit oben auf der politischen Agenda. Das ist unsere Botschaft an die Bürgerinnen und Bürger in unserem Land. Das ist aber auch ein Signal an unsere Verbündeten in Deutschland, in der Europäischen Union und in der NATO, dass Deutschland ein handlungsfähiger Partner in Europa und in der neuen NATO ist.
Wir haben vor den Beschlussfassungen in dieser Kabinettssitzung den Oberbefehlshaber der NATO-Streitkräfte in Europa, General Alexus Grynkewich, getroffen und mit ihm über die militärische Lage gesprochen. Grynkewich ist seit dem 4. Juli dieses Jahres der neue SACEUR, also der oberste Befehlshaber der NATO-Streitkräfte in Europa. Sein Lagebericht war sehr eindeutig: Russland ist und bleibt auf lange Zeit die größte Bedrohung für Freiheit, Frieden und Stabilität in Europa. Darauf antwortet die Bundesregierung mit Entschlossenheit. Wir haben bereits auf dem NATO-Gipfel im Juli mit den Verbündeten den historischen Beschluss gefasst, unsere Fähigkeiten massiv zu stärken. Ich will das hier noch einmal sehr klar unterstreichen und auch die Bedeutung noch einmal hervorheben: Ohne das starke Signal aus Berlin, ohne die Beschlussfassung dieser Koalition, noch bevor sie ins Amt kam, mit einer Änderung des Grundgesetzes diese Verteidigungsausgaben zu ermöglichen, wäre der NATO-Gipfel in Den Haag anders verlaufen. Er wäre wahrscheinlich einer der letzten, wenn nicht der letzte NATO-Gipfel in dieser Form gewesen.
Wir setzen jetzt das um, was wir damit auch ermöglichen: Wir haben den Verteidigungshaushalt deutlich erhöht, wir haben in kurzer Zeit wichtige Gesetze auf den Weg gebracht, um die Bundeswehr zu stärken, und wir haben die Weichen für schnellere und bessere Beschaffungen von Waffen und Ausrüstung bereits gestellt. Gleichzeitig betreiben wir eine aktive Friedensdiplomatie, um das Töten in der Ukraine zu beenden und unsere Sicherheitsinteressen zu wahren. Wir leisten einen Beitrag zum Zusammenhalt in Europa, wir stehen fest an der Seite der Ukraine, und wir bemühen uns nach Kräften um eine Festigung der transatlantischen Partnerschaft.
Das alles ist notwendig, aber es ist nicht ausreichend. Denn Russland führt längst hybride Attacken gegen uns: durch Sabotage, Cyberangriffe und gezielte Desinformation. Wir erleben das, wenn Kabel in der Ostsee zerstört werden. Wir erleben das durch gezielte Angriffe auf unsere IT-Sicherheit. Wir erleben das durch massive Einmischung auch in unsere Demokratie. Hier ist die Bundesregierung im Ganzen gefragt, nicht nur einzelne Ressorts. Wir müssen schneller, kreativer und entschlossener werden, indem wir unsere Infrastruktur härten, unsere Abstimmung verdichten und unsere Gesellschaft insgesamt resilienter machen. Das betrifft das Kabinett ‑ ich habe es schon gesagt ‑ im Ganzen. Es betrifft uns alle.
Das Kabinett hat deshalb heute wichtige Vorhaben auf den Weg gebracht. Ein wichtiger Beschluss dieses Tages ist die Einrichtung eines Nationalen Sicherheitsrats. Meine Damen und Herren, über dieses Thema wird in Deutschland seit 30 Jahren diskutiert. Diese Koalition hat das innerhalb von vier Monaten beschlossen und heute auch auf den parlamentarischen Weg gebracht. Seit 30 Jahren wird diskutiert – wir entscheiden nach vier Monaten. Dieses Gremium wird eine zentrale Plattform der Bundesregierung für übergreifende Fragen nationaler Sicherheit an der Schnittstelle zwischen innerer, äußerer, wirtschaftlicher und digitaler Sicherheit sein. Sicherheit ist auch nicht einem einzigen Ressort allein zuzuordnen. Sie betrifft uns alle. Gleichzeitig ermöglicht es die Einrichtung dieses Nationalen Sicherheitsrats, vorausschauende Strategiearbeit zu leisten, beispielsweise durch die Fortschreibung der Nationalen Sicherheitsstrategie. Der Nationale Sicherheitsrat wird ein wichtiger Baustein für unseren Ansatz einer Sicherheitspolitik aus einem Guss sein.
Darüber hinaus haben wir heute das Gesetz zur Stärkung des Militärischen Abschirmdienstes auf den Weg gebracht. Wir schützen damit unsere Soldatinnen und Soldaten und deren Familien noch besser, als wir das in der Vergangenheit getan haben.
Schließlich haben wir uns auf das Gesetz zur Modernisierung des Wehrdienstes geeinigt. Damit setzen wir ein zentrales Projekt des Koalitionsvertrages um. Dazu wird Boris Pistorius gleich noch ausführlicher etwas sagen. Unser gemeinsames Ziel ist es, die Bundeswehr personell so zu stärken, wie das heute erforderlich ist. Wir wollen den Wehrdienst attraktiver machen und mehr junge Menschen für den Dienst in der Bundeswehr gewinnen. Das ist ein wichtiger Schritt. Ich füge aber auch hinzu: Sollten wir feststellen, dass wir nachsteuern müssen, dann werden wir das tun. Auch das ist in diesem Gesetz bereits angelegt.
Ich will abschließend allen Kolleginnen und Kollegen aus dem Bundeskabinett noch einmal sehr herzlich für die intensive Vorarbeit danken, die wir alle geleistet hatten, damit diese Sitzung des Bundeskabinetts heute hier im Verteidigungsministerium so erfolgreich sein konnte. Lassen Sie mich das etwas salopp sagen: Ein Herbst von Reformen beginnt nicht mit der Wirtschaftspolitik und der Sozialpolitik, sondern ein Herbst der Reformen kann auch mit der Außenpolitik, mit der Sicherheitspolitik und mit der Verteidigungspolitik beginnen. Wir haben heute wirklich große Projekte dieser Koalition gemeinsam auf den Weg gebracht. Dafür bin ich den Ressorts insgesamt dankbar, aber ich bin insbesondere ‑ noch einmal ‑ dem Verteidigungsminister für die Gastfreundschaft und den guten Geist in diesem Haus dankbar. ‑ Herzlichen Dank!
Pistorius: Vielen Dank, Herr Bundeskanzler. ‑ Meine sehr geehrten Damen und Herren, herzlich willkommen auch von mir hier im Stauffenbergsaal im Bendlerblock! Ich freue mich, dass Sie da sind.
Ich freue mich vor allem, dass das Kabinett heute erstmals seit 19 Jahren wieder hier im Verteidigungsministerium eine Sitzung abgehalten hat. Zusammen mit den Inhalten, die wir mit dem SACEUR und mit unserem Generalinspekteur diskutiert haben, macht das deutlich, dass diese Bundesregierung voll auf dem Schirm hat und sich dessen voll bewusst ist, in welcher Sicherheits- und Bedrohungslage wir in Europa und in der Welt gerade leben und was das für die Verantwortung Deutschlands in Europa und in dieser Welt bedeutet. Deswegen stand die Kabinettssitzung auch ganz in diesem Zeichen.
Was Deutschland und unsere Sicherheitsarchitektur in Deutschland angeht, habe ich deutlich gemacht, dass eine funktionierende Bundeswehr voraussetzt, dass das Land funktioniert. Wir brauchen ein funktionierendes Land, das heißt, wir brauchen stabile Brücken, wir brauchen Gesundheitsversorgung, Lebensmittelsicherheit, Energiesicherheit und digitale Sicherheit. All das brauchen wir, damit die Bundeswehr ihren Auftrag am Ende auch erfüllen kann. Auch dieses Signal einer gemeinsamen Verantwortung der ganzen Bundesregierung haben wir heute noch einmal sehr klar ausgesendet.
Wir haben heute, wie der Bundeskanzler schon gesagt hat, zwei Gesetze auf den Weg gebracht.
Ich beginne einmal mit dem Gesetz zum neuen Wehrdienst. Große Ereignisse werfen bekanntermaßen ihre Schatten voraus. Das gilt gerade auch für den neuen Wehrdienst, der in den letzten Wochen und Monaten durchaus auch schon lebhaft diskutiert worden ist. Das ist eben auch nicht irgendein Gesetz, sondern es ist ein wirklicher Schritt, ein Riesenschritt nach vorne, weil er deutlich macht, dass wir einen Aufwuchs der Bundeswehr brauchen ‑ besser heute als morgen ‑, dass das aber langfristig angelegt werden muss und nachhaltig sein muss und dass es darum geht, gleichzeitig das Mindset in der Gesellschaft gerade auch bei jungen Männern und Frauen zu verändern und für Verantwortung für diesen Dienst am Land zu werben. Jeder und jede aus der jungen Generation wird sich also, anders als bislang, entscheiden müssen: Was kann ich und was will ich zur Sicherheit meines Landes, in dem ich lebe, beitragen? Ist mir das egal? Will ich Verantwortung übernehmen, und wenn ja, an welcher Stelle? Die jungen Frauen und Männer werden sich mit ihren Freunden und Familien dann Gedanken über diese Fragen machen, wenn der Brief da ist, der die alte Erfassung ersetzt ‑ der Fragebogen, der dann digital ausgefüllt werden muss. Die Debatten, die es in den Familien, an den Arbeitsplätzen, in den Schulen und in den Universitäten geben wird, sind gewollt. Sie sind notwendig, weil es darum geht, das Bewusstsein zu wecken und zu verstärken. Erst aus dieser Debatte heraus werden Männer und Frauen, die gerade 18 geworden sind, auch eine Haltung entwickeln und eine wohlüberlegte, individuelle, selbstbewusste Entscheidung treffen können. Genau das ist die Stärke dieses Gesetzes.
Warum brauchen wir einen neuen Wehrdienst? ‑ Bei all den öffentlichen Diskussionen der vergangenen Wochen und Monate ‑ auch heute Morgen und in den letzten Wochen ‑ ist eines unstrittig: Die Bundeswehr muss aufwachsen. Die internationale Sicherheitslage, vor allem das aggressive Auftreten Russlands, erfordert dies. Wir brauchen nicht nur eine gut ausgerüstete Truppe ‑ da sind wir im vollen Lauf; dafür sorgen wir seit zweieinhalb Jahren und hören nicht auf ‑, sondern wir brauchen eben auch eine personell stark aufgestellte Bundeswehr. Erst dann ist Abschreckung als Ganzes gegenüber Russland auch wirklich glaubhaft. Anders ausgedrückt: Eine starke Armee ‑ personell und materiell ‑ ist das effektivste Mittel, um Kriege zu verhindern. Genau darum geht es hier. Das ist unser Ziel. Dafür brauchen wir nicht nur aktive Soldatinnen und Soldaten ‑ hier steigen die Zahlen bereits in bislang nicht gekannten Kurven an; das ist sehr erfreulich ‑, sondern wir brauchen zudem vor allem auch eine gut aufgestellte Reserve für die Jahre, die vor uns liegen. Genau hier setzt der Wehrdienst an; denn nach der Ausbildung bei der Bundeswehr sind die jungen Männer und Frauen Teil der Reserve. Alle Reservisten stärken die Truppe, stärken den Heimatschutz und entlasten die kämpfende Truppe dann, wenn es ernst werden sollte.
Damit wir einen Überblick haben, wer überhaupt zur Verfügung steht und wer überhaupt dort draußen ist, müssen wir die Wehrerfassung, die es seit 2011 nicht mehr gibt, wieder neu erfinden, genauso wie die Wehrüberwachung. Das wird der Kernpunkt gleich am Anfang sein. Die Freiwilligkeit erreichen wir dann vor allem durch die Attraktivität des Dienstes. Wir optimieren die Ausbildung und wir bieten Qualifikationsmodule für all diejenigen an, die länger als sechs Monate bleiben. Ich habe mir in Germersheim vor einigen Wochen ansehen können, wie die Ausbildung funktioniert und wie die Fortschritte sichtbar werden. Wir integrieren zum Beispiel die Drohnenausbildung für jeden Soldaten und jede Soldatin. Wir binden die jungen Männer und Frauen noch enger in die aktive Truppe ein. Keiner läuft nebenher; alle sollen mittendrin sein. Wir bilden sie zu Wach- und Sicherungssoldaten aus und wir qualifizieren sie zum erweiterten Heimatschutz.
Und ganz wichtig: Wir verbessern die Bezahlung. Der Sold wird künftig bei 2300 Euro netto liegen. Das ist eine deutliche Steigerung. Es fallen keine Kosten für die Unterkunft an, und es gibt keine Kosten für die Krankenkasse. Das ist also insgesamt ein Paket, das die Attraktivität gegenüber dem heutigen Status quo deutlich erhöht. Wir bieten außerdem flexible Ausbildungszeiten an. Jeder und jede wählt selbst, wie lange er oder sie zu uns kommen will. Ich kürze das an dieser Stelle ab, weil Sie alle die einzelnen Module kennen. Aber eines ist klar: Wir ermöglichen eine bestmögliche Qualifikation gerade bei denjenigen, die länger bleiben. Das können Sprachkurse, Führerscheine, IT-Lehrgänge und vieles andere mehr sein.
Trotzdem ist nicht garantiert, dass die Freiwilligkeit ausreicht ‑ der Bundeskanzler hat es angesprochen. Aber das Ziel des Aufwuchses einer Reserve von 200.000 bis zum Ende des Jahrzehnts ‑ sich zusammensetzend aus 100.000 aus der heute schon vorhandenen Reserve, die nicht beordert ist, und 100.000 durch den neuen Wehrdienst bis zum Jahr 2029/2030 ‑ darf nicht gefährdet werden. Deswegen ist klar, dass wir einen Mechanismus im Gesetz haben, der sagt: Wenn die Zahlen sinken, wenn die Zahlen nicht reichen, um die steigenden Kapazitäten, die wir in den nächsten Jahren aufbauen werden, zu füllen, und damit das Ziel der 200 000 nicht erreicht zu werden droht, dann werden wir diesen Mechanismus in Gang setzen müssen, dann wird das Kabinett entscheiden müssen und dann wird es einen Parlamentsbeschluss geben müssen. Dieser ist schon deshalb notwendig ‑ das will ich noch einmal unterstreichen ‑, weil seinerzeit auch die Wehrpflicht durch Gesetz außer Kraft gesetzt worden ist. Es braucht für die Wiederinkraftsetzung also ein entsprechendes Äquivalent. ‑ Meine Damen und Herren, so viel zum Wehrdienst. Auf Fragen gehe ich gerne später noch ein.
In aller Kürze noch zum Artikelgesetz Militärische Sicherheit: Dazu hat es in der alten Wahlperiode schon einen Anlauf gegeben. Es geht dabei um die Vereinfachung, die Beschleunigung von Sicherheitsüberprüfungen und die Digitalisierung. Es geht aber vor allen Dingen auch um den Schutz der Soldatinnen und Soldaten und ihrer Familien in Litauen und darum, dafür die Voraussetzungen zu schaffen, die bisher im militärischen Sicherheitsgesetz fehlen. All das haben wir heute auf den Weg gebracht.
Herr Bundeskanzler, ich bin Ihnen und dem ganzen Kabinett sehr dankbar für die Anwesenheit hier, aber auch für die ausgezeichnete Kooperation in den vergangenen Monaten ‑ nicht nur dann, wenn es um den Haushalt ging, sondern insbesondere auch jetzt mit diesen beiden wichtigen Gesetzesvorhaben für die Bundeswehr und damit für die Sicherheit in unserem Land. Ich freue mich auf die weitere Zusammenarbeit und bedanke mich für Ihre Aufmerksamkeit.
Frage: Herr Bundeskanzler, Sie haben gesagt, Sie wollen die Bundeswehr wieder zur stärksten konventionellen Armee Europas machen. Der Schwachpunkt ist das Personal. Es gibt kaum jemanden in der Bundeswehr, der sagt, dass das mit diesem Gesetzentwurf, der keinen Automatismus hin zu Verpflichtungen wie in anderen Ländern sieht, möglich ist. Sie haben gesagt, gegebenenfalls werde nachgesteuert. Wann würde denn nachgesteuert ‑ schon 2026, falls dann deutlich wird, dass die Zielvorgaben für das Jahr nicht erfüllt werden?
Herr Minister Pistorius, müssten nicht auch jetzt schon Frauen stärker mit eingebunden werden?
Merz: Herr Kollege, wir haben heute ein Gesetz beschlossen, das einen bestimmten Ablauf und auch eine bestimmte Mechanik in Gang setzt. Wir haben im Koalitionsvertrag vereinbart, dass wir die Bundeswehr zunächst auf der Basis der Freiwilligkeit aufwachsen lassen wollen. Das erreichen wir jetzt mit diesem Gesetz. Das wird jetzt sofort beginnen, bereits mit dem Jahr 2026. Wenn wir im Laufe der nächsten ein, zwei, drei Jahre sehen, dass die Zielgrößen nicht erreicht werden, dann haben wir im Gesetz für diesen Fall einen Mechanismus angelegt, der zu einer höheren Verpflichtung führen wird. Das erfordert dann noch einmal einen gesonderten Kabinettsbeschluss und einen gesonderten Bundestagsbeschluss. Jedenfalls aus heutiger Sicht bin ich aber zuversichtlich, dass wir zunächst jedenfalls die Zahlen, die wir brauchen, erreichen.
Alles andere wird man dann im Lichte der Entwicklung zu beurteilen haben. Ich bin aber wirklich dankbar, dass wir diesen Schritt heute gehen. Wir sind damit wieder zurück auf dem Weg hin zu einer Wehrdienstarmee. Das ist eine gute Entwicklung, die ich ausdrücklich begrüße. Wie gesagt, alles andere wird man dann im Lichte der Lage zu bewerten und zu beurteilen haben.
Pistorius: Herr Kollege, es ist, wenn ich das so salopp sagen darf, eine steile These zu sagen, Sie hätten noch niemanden getroffen, der gesagt hat, dass man das erreichen könne. Wahrscheinlich sollte das zur Anschärfung Ihrer Frage dienen. Das ist natürlich zulässig, aber lassen Sie mich entsprechend freundlich darauf antworten: Ich bin sehr zuversichtlich, und ich bin da beileibe nicht der Einzige. Die Erfahrungen aus Schweden und anderen Ländern lehren uns, dass das funktionieren kann ‑ insbesondere dann, wenn man in der Bezahlung und Ausstattung, aber eben auch in der Ausbildung attraktiv wird.
Wir haben für dieses Jahr 15.000 angepeilt und sind jetzt, im August, schon bei knapp 13.000 angelangt. Das heißt, die Zahlen steigen eben auch für den freiwilligen Wehrdienst schon jetzt an, ohne dass die Attraktivitätsmerkmale, von denen ich gesprochen habe, schon da wären. Es gibt also guten Grund zu der Annahme, dass wir Jahr für Jahr einen Aufwuchs um mehrere Tausend haben werden, bis hin zu rund 30.000 im Jahre 2029. Aber wie gesagt, wenn das nicht funktioniert, werden wir nachsteuern müssen.
Zur Frage eines Automatismus: Was wäre denn ein Automatismus? Heißt das, wir legen einen Rechenschieber an und sagen: Wenn es 50 zu wenig sind, dann gibt es einen Automatismus und niemand trifft mehr eine Entscheidung? Das wäre sehr merkwürdig, weil wir ja immerhin über eine Wehrpflicht reden, die wieder in Kraft gesetzt werden müsste. Von daher braucht es in jedem Fall diese Befassung.
Was die Frauen angeht: Wir haben keine Wehrpflicht für Frauen in Deutschland. Wir können Frauen nicht verpflichten, Wehrdienst zu leisten oder diesen Fragebogen, der ja nichts anderes als die alte Erfassung ist, auszufüllen. Also muss es doch darum gehen, eine Diskussion zu führen, die Frauen ermuntert, ebenfalls zur Bundeswehr zu gehen. Wenn jemand sagt, er wolle die Wehrpflicht erweitern oder in Gänze wieder einführen, dann kommen wir zwangsläufig an den Punkt, dann auch über Frauen zu reden. Das versteht sich von selbst, allein schon wegen Artikel 3 unserer Verfassung. Aber zum jetzigen Zeitpunkt würde es bedeuten, eine Grundgesetzänderung herbeizuführen, und da wir in diesen Fragen gerade alle keine Zeit zu verlieren haben, wäre das der falsche Weg und zu viel Verzögerung.
Frage: Ich habe eine Frage mit Blick auf die Besucherin, die Sie, Herr Minister, morgen hier haben, und mit Blick auf Ihre Gespräche, Herr Merz, in Frankreich. FCAS lautet das Stichwort, und es sieht diesbezüglich gerade wieder einmal nicht gut aus. Was erhoffen Sie sich, was wird am Ende dieser Woche besser sein als heute?
Merz: Zu diesem Thema gar nichts; denn darüber wird bei den deutsch-französischen Regierungskonsultationen nicht gesprochen werden. Ich habe mit Präsident Macron verabredet, dass wir im letzten Quartal des Jahres, also zum Ende des Jahres 2025, gemeinsam eine Entscheidung treffen, wie es mit FCAS weitergeht. Wenn Sie sich mit dem Thema etwas intensiver beschäftigen, wissen Sie vermutlich, dass es zurzeit auf der französischen Seite den Wunsch gibt, ein weiteres Unternehmen sehr umfangreich an dem Projekt zu beteiligen. Das macht die Sache nicht einfacher. Ich hoffe aber, dass wir hier zu einer Lösung kommen; denn wir brauchen in Europa ein neues Kampfflugzeug, das entwickelt werden muss, und wir haben es zurzeit aus eigenen Beständen und aus eigener Produktion nicht. Deswegen möchte ich, dass wir zum Jahresende zu einer Entscheidung kommen, wie das Projekt weitergeht.
Frage: Herr Bundeskanzler, Herr Minister, ich habe auch eine Frage zu den Zielmarken bzw. zu der Kritik daran, dass es keine genauen Zielmarken gibt. Sind Sie im Kabinett übereingekommen, zu welchem Zeitpunkt Sie eine Bilanz ziehen wollen, wie und wann Sie entscheiden, ob dieser Weg ausreichend ist?
Merz: Der Bundesverteidigungsminister hat ja auf einen Sachverhalt aufmerksam gemacht, der von allen, die jetzt sehr schnell Aufwuchs haben wollen, offensichtlich nicht hinreichend berücksichtigt wird. Wir alle wollen sehr schnell den Aufwuchs sehen, aber es gibt eine Reihe von objektiven Kriterien, wie ein solcher Aufwuchs stattfinden kann. Die zwei wesentlichen Kriterien sind Standorte und Ausbilder, und wenn wir die nicht haben, dann können wir heute nicht 350.000 junge Männer in Deutschland zum Wehrdienst einberufen. Uns fehlen die Kasernen und uns fehlen die Ausbilder. Das heißt, das muss jetzt alles von unten wieder aufwachsen. Dieser Aufwuchs wird jetzt forciert. Wir gehen jetzt wirklich an diese Arbeit heran, mit dem erklärten Ziel ‑ Zielmarke Boris Pistorius ‑, 260.000 Soldatinnen und Soldaten in Deutschland zu haben. Diese Zielmarke wollen wir erreichen.
Was mein Ziel betrifft ‑ und ich wiederhole hier, was ich im Deutschen Bundestag und bei anderer Gelegenheit gesagt habe ‑, so ist Deutschland aufgrund seiner Größe und seiner wirtschaftlichen Stärke das Land, das in der NATO auf europäischer Seite die stärkste konventionelle Armee haben muss. Diesem Ziel ordnen wir die Entscheidungen unter, die wir gemeinsam treffen.
Pistorius: Ich würde das gerne um einen Gesichtspunkt ergänzen, den ich schon das ein oder andere Mal genannt habe.
Die Kasernen sind das eine ‑ etwa 130 Standorte sind in den letzten 25 Jahren verschwunden oder umgewidmet worden. Die ersetzt man nicht mal eben so, aber man bräuchte sie, um große Zahlen von wehrpflichtigen Wehrdienstleistenden dann entsprechend ausbilden zu können.
Die Frage, die sich stellt, ist also: Wie viel können wir in den nächsten Jahren ausbilden? Das richtet sich danach, wie schnell wir die Kapazitäten aufbauen können, also Unterkünfte in bestehenden Standorten oder Revitalisierung von alten Standorten. Dafür haben wir einen Plan entwickelt, auch mit durchaus unkonventionellen Mitteln, mit hoher Beschleunigung auch durch ein Infrastrukturgesetz, das noch kommt, aber auch bei der Beschaffung. Das Ziel ist, in den nächsten Jahren aufwachsend von 2025/26 bis 2029 dann auf 25.000 bis 30.000 pro Jahr zu kommen. Wenn Sie diese Jahre dann zusammenzählen, kommen Sie auf gut 110.000 Wehrdienstleistende, die in diesen Jahren ausgebildet werden konnten. Das ist dann der Teil der Reserve, der sofort über die Jahre aufwachsend zur Verfügung steht ‑ plus 100.000 aus der bisherigen Reserve macht das 200.000. Hinzu kommt der Aufwuchs der stehenden Streitkräfte, der auch noch eine Herausforderung sein wird. Dann sind wir bei den Zahlen, über die wir reden, und auch da geht es um Attraktivität.
Von daher haben wir einen Aufwuchspfad, der auch der Signalgeber dafür ist, dass wir handeln müssen, wenn etwas nicht so läuft, wie es laufen müsste ‑ und genau darum geht es.
Merz: Vielen Dank und frohes Schaffen allerseits!
(Foto oben: Bei der Kabinettsitzung im abhörsicheren Konferenzraum des Verteidigungsministeriums, dem so genannten U-Boot, v.l. Generalinspekteur Carsten Breuer, NATO-Oberbefehlshaber Alexus Grynkewich, Bundeskanzler Friedrich Merz, Verteidigungsminister Boris Pistorius, Finanzminister und Vizekanzler Lars Klingbeil, Bundesinnenminister Alexander Dobrindt; Foto unten: Das Bundeskabinett mit NATO-Oberbefehlshaber Alexus Grynkewich und Bundeswehr-Generalinspekteur Carsten Breuer im Bendlerblock – Fotos Christoph Kassette/Bundeswehr. Wer alle Personen auf dem zweiten Foto benennen kann, bekommt Fleißpunkte)

Die Diskussion zeigt, dass sich alles – immer wieder – um die gleichen Punkte dreht: Der demografische Befund ist so, wie er ist. Als scheinbar probate Abhilfe bietet sich die Wehrpflicht für Männer an, die verfassungsrechtlich bereits verankert ist (Art. 12 a Abs. 1 GG), nur ausgesetzt wurde und parlamentarisch mit einfacher Mehrheit wieder eingeführt werden kann. Abgesehen davon, dass das gesamte Wehrersatzwesen sowohl zivil (KWEA) als auch militärisch völlig neu aufgebaut werden müsste, wäre eine „neue“ Wehrpflicht jedoch nicht mehr die „alte“, denn die soziologischen Voraussetzungen sind nicht mehr gegeben. Wir hatten noch in den achtziger Jahren verhältnismäßig große Jahrgänge aus einer vergleichsweise homogenen Bevölkerung heraus. Dies ist nicht mehr der Fall, der junge Mann mit deutschem Pass würde aus seinem nun viel kleineren und viel disparateren Jahrgang ausschließlich deshalb gezogen, weil seine Altersgenossen ohne deutschen Pass nicht gezogen werden können und eine Wehr- oder Dienstpflicht für Frauen parlamentarisch nicht durchsetzbar ist; die erforderliche Zweidrittelmehrheit (Art. 12 a Abs. 4 Satz 2, 79 Abs. 2 GG) wird absehbar weder mit den richtigen noch mit den falschen Parteien zustande kommen. Der besagte junge Mann, aufgewachsen in einer Gesellschaft, die Männer und Frauen, Menschen mit und ohne deutschen Pass vollständig gleichstellt, wird den vielbeschworenen Mindset nicht entwickeln können, zumal dieser heute nicht mehr auf Landes-, sondern auf Bündnisverteidigung und damit (auch) auf Einsätze außerhalb der „Drehscheibe Deutschland“ bezogen sein soll. Deshalb wird den Streitkräften nichts anderes übrigbleiben, als jedenfalls bei Mannschaften und Uffz o. P. die Anforderungen weiter zu fassen – mit Folgen, die z. B. in Spanien zu besichtigen waren (vgl. etwa „Angst vor dem Idiotenheer“, in: Der Tagesspiegel vom 18.02.2000). In Deutschland mag es nicht ganz so weit kommen, aber die Konzeption der Inneren Führung stünde – in ihrer derzeitigen Fassung – auf dem Prüfstand. Im Grunde genommen müssten allein die demografische Ausgangslage einerseits und das Kriegs- und Konfliktbild in der Ukraine andererseits dazu führen, die Bundeswehr insgesamt (Streitkräfte und Bundeswehrverwaltung) als Zweck-Ziel-Mittel-Zusammenhang völlig neu zu denken. Eines scheint mir dabei aber festzustehen: Die Zweidrittelmehrheit wird wohl nicht zu bekommen sein.
@MFG: Genau, wir müssen vom Bild aus dem IKM loskommen. Ich sehe keinen Grund, warum zur Verteidigung von NATO und EU ein Einsatz von Wehrpflichtigen nicht möglich sein soll.
Nicht zuletzt sind wir nicht nur Bundes-, sondern auch EU-Bürger.
Wie von Ihnen angesprochen haben wir das im Kalten Krieg auch selber bereits getan. Ferner waren auch zahlreiche der auf Bundesgebiet eingesetzten alliierten Soldaten Wehrpflichtige.
Da das andere Thema bereits geschlossen ist…
Nun auch ganz offiziell:
„Pilotprojekt beendet: Freiwilliger Wehrdienst für den Heimatschutz wird verstetigt“
https://www.bundeswehr.de/de/organisation/personal/pilotprojekt-heimatschutz-freiwillige-wehrdienst-5989538
Hier ist auch bereits zu sehen wie seit 01.07.2025 der Übergang auf den Wegfall des Dienstverhältnis FWDL
vorbereitet wird.
Einstellung als FWDL-kurz bzw. FWDL-lang.
Ab 01.01.2026 wird dann daraus SaZ-kurz (6-12) und SaZ-lang (12-23).
OFA d.Res. sagt: 29.08.2025 um 12:57 Uhr
Vielleicht sollten Sie auf Leser-Kritik gelassener reagieren. Das tut Ihrem Blutdruck gut. Sollten Sie als OFA d.R. eigentlich wissen.
Haben Sie meine Wort so sehr verletzt, dass Sie mir Deplazierung als Soldat, mangelnde Auffassungsgabe usf. vorwerfen müssen? Souverän argumentieren geht anders.
„Ebensowenig habe ich analysiert, dass die Bundeswehr bisher eine Söldnerarmee war.“
Ahja..
„Die Attraktivitätsoffensive über 2000€ netto als Gamechanger und der gleichzeitige Verzicht auf die Wehrpflicht macht aus einer Volksarmee eine Söldnerarmee.“
Das sind doch ihre Worte?
Seitdem wir die Wehrpflicht aussetzten, kommt jeder Freiwillig Wehrdienstleistende bzw. SaZ Mannschafter in diese Gehaltklasse. Also schon seit Jahren! Dann ist der Zustand, den Sie einer Söldnerarmee zuschreiben bereits seit Jahren in der Bundeswehr Realität. Daraus folgt: Ihre Söldnerarmee Bundeswehr ist schon existent.
Dabei ist das natürlich ohnehin alles Quatsch, was Sie sich da zusammenschreiben. Ein Söldner ist eine Person, die für Bezahlung in einem bewaffneten Konflikt für einen fremden Staat oder eine andere Partei kämpft, statt aus eigenem Antrieb, wie der Verteidigung des Heimatlandes. Deshalb ist das Motto der Fremdenlegion auch „Legio Patria Nostra“ – die Legion ist unser Vaterland (und nicht die Französische Republik)
Ganz anders in der Bundeswehr. Auch ein künftiger Mannschafter oder zukünftiger Wehrpflichtiger mit 2000 Euro netto schwört/gelobt weiterhin „Recht und Freiheit des deutschen Volkes tapfer zu verteidigen“ und muss Deutscher sein, um in den deutschen Streitkräften zu dienen. Vom Dienst für einen fremden Staat oder rein monetären Motiven kann hier keine Rede sein. Deshalb machen auch 2000 Euro netto keinen Wehrpflichtigen zu einem Söldner oder die Bundewehr zu einer Söldnerarmee. Übrigens auch nicht, wenn die Bundeswehr einer reine Freiwilligenarmee geblieben wäre.
Fiel Ihne auf, dass Sie bei @ORR sagt: 30.08.2025 um 10:28 Uhr zum Opfer Ihrer eigenen argumentativen Verhedderungen“ werden?
Zitat:
„Allerdings hat es sich in der Vergangenheit gezeigt, dass sehr oft das Geld der einzige Motivator war. Sehr viele Soldaten gingen in den Auslandseinsatz, um zusätzliches „Geld zu verdienen“.
Der Einsatz für die FDGO […] stand da nur sehr selten im Fokus.“
Mit Ihren vielen Einsatztagen werden Sie selbst dort defacto von @ORR zum „Söldner“ erklärt, der das alles nur für Geld tat und dem die FDGO dabei am **** vorbeiging. Fühlen Sie sich davon als ehemaliger Soldat angesprochen? Trifft das auf Sie zu? Stimmen Sie dem zu?
Kleines Bonmot zum Thema Wehrfähigkeit in den deutschsprachigen Staaten ( „DACH“ = D, CH & Ö ):
Bei unseren deutschsprachigen Nachbarn gibt es ja eine Wehrpflicht.
Die Situation in der der sehr wehrhaften Schweiz ist bekannt.
In Österreich gibt es den Staatsvertrag von 1955 zur Wiederherstellung eines unabhängigen Österreich.
In diesem ist u.a. geregelt das Österreich keine “ Spezialwaffen “ besitzen darf.
Das bedeutete ab 1987 für den kontrovers diskutierten Überschalljet Saab Draken das die einzige Bewaffnung die Bordkanone war ( Effektive Reichweite ca. 400m ) Gelenkte Luft-Luft-Raketen waren verboten.
https://hdgoe.at/draken_kontroverse
Wer sich nur ansatzweise mit der Luftwaffe auskennt kann das kaum glauben.
Im Balkankrieg 1991 flogen jugoslawische Jets bei Angriffen kurz über österreichisches Territorium. Die anderen hatten ja keine Lenkwaffen…
Ein Herr Medwedew hat vor kurzem mit Konsequenzen gedroht sollte sich Österreich nicht an diesen Vertrag von 1955 halten… Es ging u.a, um den NATO Beitritt…
Man sieht „Wehrpflicht ist nicht alles“ ;-)
@Felix2 und at all:
Ich versuche, dieses Neuer Wehrdienst-Vorhaben bzw. FWDL/SaZ-kurz und FWDL/SaZ-lang besser zu verstehen.
Ich beziehe mich dabei auf folgenden Artikel:
https://www.bundeswehr.de/de/organisation/personal/pilotprojekt-heimatschutz-freiwillige-wehrdienst-5989538
Mal angenommen, ein 19jähriger Schulabgänger hat Interesse am Neuen Wehrdienst. In der Nähe gibt es eine Pionier-Einheit, die er spannend findet. Welche Möglichkeiten gibt es?
FWDL/SaZ-kurz offensichtlich nicht, da:
„Seit Juli 2025 werden die „FWDL-Kurz“ mit einer Verpflichtungszeit von sieben bis elf Monaten grundsätzlich heimatnah in den Heimatschutzregimentern eingestellt. Sie sind dort zum Beispiel für die Sicherung des deutschen Staatsgebiets und den Schutz kritischer Infrastruktur zuständig. Auf diese Aufgaben ausgerichtet ist auch die Ausbildung der Soldatinnen und Soldaten in den ersten sechs Monaten ihrer Dienstzeit. Nach dem Freiwilligen Wehrdienst werden sie in der Territorialen Reserve beordert.“
(Zitat aus oben genannter Quelle).
Bleibt nur FWDL/SaZ-lang?
„Die „FWDL-Lang“ mit einer Verpflichtungszeit von zwölf bis 23 Monaten hingegen werden für alle Aufgaben der Landes- und Bündnisverteidigung ausgebildet und für diese herangezogen und beordert. Dies kann etwa auch der Heimatschutz sein oder andere Aufgaben in allen Teilstreitkräften.“
(Zitat aus oben genannter Quelle).
Das heißt, der beispielhaft genannte junge Mensch kann sich für 12 Monate (Mindestverpflichtungszeit) als FWDL/SaZ-lang verpflichten und bekommt dann (beispielsweise) die Grundausbildung und Dienstpostenausbildung bei den Pionieren. Wird er VERPFLICHTEND im Anschluss Reservist? So lese ich es heraus.
Der 40jährige Familienvater, der sich gerne im Heimatschutz engagieren möchte, MUSS (?) dann für mindestens sieben Monate FWDL/SaZ-kurz machen, bekäme aber auch die ca. 2.300 Euro netto/Monat der dann üblichen A3-Besoldung?
Und die Ungedienten-Ausbildung ist ebenso wie „Dein Jahr für Deutschland“ gestrichen?
@Lehrer sagt:
02.09.2025 um 17:03 Uhr
2x Ja
Wobei er natürlich die Eignung für die Pioniere bekommen muss und dort auch ein Bedarf bestehen muss.
zum Reservedienst:
Alle ausscheidenden Soldaten sind
i.d.R. Reservist und werden im Rahmen
der sog. Grundbeorderung entsprechend eingeplant.
Wie genannt die Kurz-Diener zukünftig i.d.R. in den Heimatschutzregimentern.
Die Besoldung gem. BBesG greift ab 01.01.2026.
Aktuell erhalten die FWDL Brutto:
Schütze, etc. 1837 €
Gefreiter 1892 €, nach 3 Monaten
Obergefreiter 2001 €, nach 6 Monaten
Hauptgefreiter 2272 €, nach 12 Monaten
2272 € bei LStKl I ca. 2050 € Netto
Kinderzuschlag je Kind 115 €
+ kostenlose Unterkunft
+ kostenlose Krankenversorgung
@ MFG Ich habe noch nicht gehört, dass in den Ländern, in denen für Frauen die Wehrpflicht gilt, die Bevölkerung drastisch zurückgegangen ist. Das Argument lasse ich mal nicht gelten. Wir sollten Xena anwerben oder Wonder Woman.
@snappy 02.09.2025, 15:55 Uhr:
„…Fiel Ihne auf, dass Sie bei @ORR sagt: 30.08.2025 um 10:28 Uhr zum Opfer Ihrer eigenen argumentativen Verhedderungen“ werden.
Zitat:…
Mit Ihren vielen Einsatztagen werden Sie selbst dort defacto von @ORR zum „Söldner“ erklärt, der das alles nur für Geld tat und dem die FDGO dabei am **** vorbeiging. Fühlen Sie sich davon als ehemaliger Soldat angesprochen? Trifft das auf Sie zu? Stimmen Sie dem zu?“
Ich stimme @OFA d.Res zu vollumfänglich zu: „Genauer lesen hilft“.
Ich sprach von „sehr vielen“, nicht von „allen“. Kleine Worte, großer Unterschied.
Und wenn es Sie beruhigt, KFOR habe ich tatsächlich aus Überzeugung gemacht.
In AFG oder MLI war ich weder wegen des Geldes noch wegen der Karriere (=„Pflichttor“), auch nicht aus Überzeugung (Wer den Unfug glaubt, dass die FDGO auch am Hindukusch verteidigt wird, der glaubt auch, dass die Erde eine Scheibe sei). Ich habe schlichtweg eine Mangel-AVR und wurde dementsprechend quasi befohlen. Quasi deshalb, weil wir damals bei der Übernahme zum SaZ unterschreiben mußten, dass wir freiwillig für die BRD in den Auslandseinsatz gehen würden. Ohne die Unterschrift kein SaZ.
Den Ratschlag, den Sie @OFA d.Res gaben („… gelassener reagieren…..tut Ihrem Blutdruck gut…“) sollten Sie sich vielleicht selbst zu eigen machen, oder einen Grundsatz des Funkens beherzigen: D-D-S.
stadtaffe sagt:
02.09.2025 um 10:05 Uhr
„[…] In Bundeseigentum sind noch zahlreiche geeignete Liegenschaften vorhanden. […]“
Ist das wirklich so? Nenn doch mal bitte welche.
@Y-998201
Das ist auch nicht das Argument. Das Argument ist, dass Frauen in ihrer persönlichen Lebensgestaltung massiven Einschränkungen unterliegen, wenn sie Kinder bekommen. Pro Kind sind das mindestens zwei Jahre, wenn sie denn überhaupt früh einen Krippenplatz bekommen. Mit Nachteilen in der beruflichen Entwicklung, weil sie nicht oder nur in Teilzeit verfügbar sind, Sonderaufgaben, bei denen man sich entwickeln und zeigen kann, an andere vergeben werden, man auf einmal älter erscheint etc. Und verloren geht nicht die Entwicklung in diesen Jahren, die kommt ja vielleicht zeitversetzt nach, sondern das, was am Ende des Berufslebens hätte erreicht werden können. Und selbst bei modernen und mitarbeiterfreundlichen Arbeitgebern ist das so, wie ich aus eigenem täglichen Erleben gelernt habe. Es ist schlichtweg unfair, Frauen zu den vier bis fünf Jahren persönlicher Einschränkungen, die zwei Kinder erfordern, dann auch noch ein Jahr (oder was auch immer) Wehrpflicht aufzubürden. Zu Unterstützungsleistungen können sie im Verteidigungsfall ohnehin herangezogen werden, das reicht.
„Auch ein künftiger Mannschafter oder zukünftiger Wehrpflichtiger … muss Deutscher sein, um in den deutschen Streitkräften zu dienen.“
Wie ist dann die Aussage von Kiesewetter zu verstehen, dass man über den Dienst als Soldat die deutsche Staatsangehörigkeit erwerben kann / können soll / können sollte?
Da ich jetzt ein paar Mal das Zauberwort „Grundbeorderung“ gelesen habe, möchte ich dazu noch kurz meinen Senf dazu geben, wie das so (nicht) funktioniert, um das im Verhältnis zu den positiven Argumentationen der Wehrpflicht zu sehen.
Ich habe die BW 2021 mit dem Eingliederungsschein verlassen und habe ein duales Studium für den gehobenen Verwaltungsdienst begonnen. Der meiner Meinung nach lückenhafte Wissensstand der G1/S1 Abteilung zum Thema GBO ist m.M.n. ein ausdruck der verzwickten Lage, insbesondere jetzt mit der Wehrpflicht. Keiner blickt es mehr, keiner kann was sagen und die Informationen beim Empfänger sind äußerst überschaubar.
Stand 2021 war, dass ich mit einer Grundbeorderung in den ersten drei Jahren nach Ausscheiden aus der Bw eine Wehrübung machen MUSS. Da dass bei einem Vollzeitstudium/Ausbiludng ja nicht geht wurde ich von der GBO Liste „herunter genommen“. Seitdem habe ich nie wieder etwas von der BW gehört was ne Übung , meinen Status oder sonstiges angeht. Ich fühle mich als Vollzeit Zivilist. Meine Erinnerungen an meine Letztverwendung werden auch langsam blasser..
Oft werde ich gefragt (weil ja bekannt ist dass ich SaZ war), wie der aktuelle Stand bei der Wehrpflicht ist, und ich muss sagen, keine Ahnung Pech gehabt, beim Lotto hast du mehr Glück auf dein Wunschhlos.
Nur noch meine Gedanken bevor der Thread ausläuft ^^
@Y-998201: Wie viele dieser Staaten sind mit ihren weiblichen Wehrpflichtigen auch tatsächlich in den Krieg gezogen? Da fällt mir eigentlich nur ein Beispiel ein: Israel. Und dort gibt es bekanntlich „Alija“, das Recht auf Heimkehr, sodass die Bevölkerung nicht einzig und allein von der natürlichen Reproduktionsrate abhängig ist. Außerdem war die Gruppe mit der statistisch höchsten Fruchtbarkeit (Orthodoxe) lange Zeit von der Wehrpflicht ausgenommen, und zwar sowohl Männer wie auch Frauen. Das aber nur am Rand.
Wonder Woman wäre natürlich toll, Als Kind war ich ein großer Fan von Lynda Carter in ihrer ikonischen Rolle.
Trennung:
@snappy: Vom lesen der Formulierung, dass die FDGO „selten im Fokus“ war, zu der pauschalen Annahme zu purzeln, dass die FDGO Soldaten im Auslandseinsatz quasi „am A**** vorbei“ ging, ist schon ein wenig gewagt.
Das ist die Art passiv-aggressive Argumentation, die man sonst eher von Drückerkolonnen in der Fußgängerzone kennt, wenn man schlicht keinen Bock hat, sich wegen Spenden eine Frikadelle ins Ohr labern zu lassen. So nach der Masche: „Ihnen sind arme Kinder wohl egal, wie?“
Merken Sie selbst, oder?
@snappy:
Wissen ist Macht. Wissen nichts, macht nichts.
1.) Ich habe meinen Wehrdienst als w15 für 900 Mark pro Monat abgeleistet. Kann das Geld jetzt nicht die vorrangige Motivation gewesen sein.
2.) Als Reservist habe ich Dutzende von Wehrübungstagen mit deutlichen Abschlägen zu meinem regulären Gehalt abgeleistet.
3.) Als Oberarzt verdient man im Zivilen deutlich mehr als A15 + AVZ, was ich als BS bekam.
Insofern: Ich war nie auch nur im Ansatz wegen des Geldes bei der Budeswehr, wäre auch nicht plausibel gewesen. Können Sie nicht wissen, macht nichts.
Was die Motivation der Soldaten angeht, die FDGO tapfer zu verteidigen, lasse ich Sie gerne in Ihrem Optimismus. Hoffentlich haben Sie Recht.
@Berufspessimist: So ganz schlau werde ich als alter S1 jetzt nicht… Jammern Sie, dass vor vier Jahren „noch“ nicht „alles Roger“ war? Oder dass „die BW“ Sie „nicht mehr angefasst“ hat, weil Sie gerne GBO würden? Was auch immer: Wenn Sie „etwas wollen“, müssen SIE sich kümmern.
@ Metallkopf Meinen Sie, die Skandinavier nehmen da Rücksicht drauf, wenn es hart auf hart kommt? Ich nicht. Ich dachte übrigens eher an Gal Gadot. Passt auch besser zum Thema. Die hat nämlich Wehrdienst geleistet. Dass die Orthodoxen jetzt auch ran müssen, finde ich als Atheist nur richtig. Da die Herrschaften ja so glaubensfest sind, kennen die sicherlich die im alten Testament aufgeführten Gebote für den Heeresdienst, inklusive Spatengang. Die“Alija“ führt dazu, dass Leute, die, wenn überhaupt, die zweite oder dritte Generation in Israel bzw. völkerrechtswidrig im Westjordanland leben, Leute vertreiben wollen, deren Familien da schon Jahrhunderte, wenn nicht länger, leben.
@Berufspessimist sagt:
03.09.2025 um 7:48 Uhr
„Stand 2021 war, dass ich mit einer Grundbeorderung in den ersten drei Jahren
nach Ausscheiden aus der Bw eine Wehrübung machen MUSS. “
Dies war noch nie so.
Weil, Zitat:
„Zu Ihrer Information sei an dieser Stelle nochmals auf folgendes hingewiesen:
Sämtliche für Reservistinnen und Reservisten im Frieden vorgesehenen
Dienstleistungen/Übungen sind nur nach Ihrer vorherigen Einwilligung möglich.
Davon ausgenommen ist der unbefristete Wehrdienst im Spannungs- oder Verteidigungsfall.“
@Heiko Kania: Ja, das ist leider ziemlich zutreffend. Aber wenn die Bundeswehr doch so dringend qualifiziertes und motiviertes Personal auch für die Reserve haben möchte (manche sagen sogar: „braucht“), dann kann man schon erwarten, dass es in dieser Hinsicht zu einem Paradigmenwechsel kommen muss und die Bundeswehr vielleicht irgendwann mal damit beginnt, Prozesse für Interessierte deutlich zu beschleunigen und zu vereinfachen, damit nicht die bei Interessensbekundung noch vorhandene Grundmotivation, in irgendeiner Funktion mitzuwirken, nicht durch Tonnen an notwendigen Passierscheinen A-XXXVIII (aber dann bitte auch in der aktualisierten Fassung nach Rundschreiben B-LXIV – und die kriegste nur im Intranet, in das Du als nichtbeorderter und gerade nicht übender Reservist nicht so einfach reinkommst) und ähnlichen Dummf**k erstickt wird.
Die alltäglichen Abenteuer der Reservistenexistenz in der Basilika des St. Bürokrazius mal außenvor. BAPersBw ist da oftmals Verhinderer anstatt Ermöglicher zu sein. Und wenn es die Vorschriften sind, dann gehören die eben angepasst. Es ist nämlich offenkundig, dass die Vorschriftenlage in vielen Aspekten von irgendjemandem geschrieben wurden, der entweder von Reservisten noch nie etwas gehört hat, oder – was noch viel schlimmer wäre – dem Reserve egal war. So nach dem Motto: „Das gehört nicht zu meinem Aufgabenbereich!“
@Metallkopf: Von 1999 bis 2004 war ich bei der damaligen SDH der für deren zentrale Reservistenbearbeitung im Heer Zuständige (kleiner Vorläufer der heutigen Abteilung VI). Seien Sie versichert: derjenige, der sich bei uns mit Anliegen meldete, „wurde geholfen“. Was möglich war, wurde ermöglicht. Allerdings war (…und ist…?) NIE alles möglich. Obwohl WIR Reservisten brauchen. Schön wäre, dies zu realisieren und zu respektieren. Wenn ich allerdings sehe, welche tatsächliche Flexibilität die Personalführung der BW im Gegensatz zu der damaligen Zeit inzwischen hat, freue ich mich. Obwohl – siehe aktueller Ansatz dieses Austausches seitens „Berufspessimist“ (offen bleibt, ob dieser Name „Programm“ sein könnte) – natürlich stets der „eigene“ Fall exemplarisch für alle Ungerechtigkeiten und „Schlechtigkeiten von Personalführung“ steht. Mein Rat und meine Erfahrung: feststellen, wer der konkrete Personalführer / Zuständige ist und mit ihm / ihr im vernünftigen Austausch eigene Absichten und vorhandene Möglichkeiten besprechen / austauschen.
@Metallkopf sagt:
04.09.2025 um 7:33 Uhr
“ Und wenn es die Vorschriften sind, dann gehören die eben angepasst.“
U.a. in diesem Kontext – unabhängig von Aktiv oder Res – hat der GI am 28.08.2025 die
„Weisung Nr. 1 – für die Fokussierung militärischer Forderungen für den personellen Aufwuchs der Streitkräfte“
erlassen. Es bleibt nun abzuwarten was die mit der Umsetzung betrauten Verantwortlichen daraus machen…
bzw. wie lange es dauern wird bis signifikante Effekte erzielt werden und in welcher Qualität und Quantität.
Der Handlungsbedarf im Bereich des Personals wurde also schon erkannt… der Teufel liegt, wie immer im Leben… in der realen Umsetzung in der Praxis…
Und Sie haben natürlich recht, sollte dies das vorherrschende Mindset sein (bleiben):
„Das gehört nicht zu meinem Aufgabenbereich!“ …
Bleibt auch diese Weisung nur ein Stück Papier…
@Metallkopf sagt: 04.09.2025 um 7:33 Uhr
BAPers ist nicht das Problem, mit meinem jeweiligen Personalführer hatte ich als Reservist in den letzten 24 Jahren keine Probleme, alles eine Frage der Kommunikation. Wenn man deutlich sagt, was man gerne hätte, dann bekommt man auch klare Antworten, was geht und was nicht. Und dann muss man sich eben entscheiden.
Nach meiner Erfahrung ist der Engpass für die Reservistenbeorderung an zwei anderen Stellen verortet. Nämlich beim MAD, der die Sicherheitsüberprüfungen in der Masse einfach nicht schafft, und bei den Karrierecentern, die die notwendigen Kapazitäten nicht haben. Dazu kommt dann noch, das jemand im Archiv in St. Augustin die alte G-Karte suchen und verschicken muss, das dauert. Und wenn die weg ist, dann wird es kompliziert.
Beides wurde erkannt. Es soll eine neue Musterungsorganisation entstehen und eine SÜ 0 wurde gerade eingeführt. Es sollte besser werden, ich bin gespannt.
Und die digitale G-Akte soll auch kommen, aber wohl nicht für die alten archivierten Akten.
Ich sehe den ganzen Prozess durchaus positiv. Das man gesellschaftlich und politisch nicht mit der Maximalforderung „Grundgesetzänderung und Wehrpflicht für Männer und Frauen“ durchkommt, das war doch klar. Die gesellschaftliche Akzeptanz dafür muss wieder wachsen, das dauert einen Augenblick. Der Zeitrahmen ist schon ambitioniert.
[blockquote]
Metallkopf sagt:
04.09.2025 um 7:33 Uhr
Ja, das ist leider ziemlich zutreffend. Aber wenn die Bundeswehr doch so dringend qualifiziertes und motiviertes Personal auch für die Reserve haben möchte (manche sagen sogar: „braucht“), dann kann man schon erwarten, dass es in dieser Hinsicht zu einem Paradigmenwechsel kommen muss und die Bundeswehr vielleicht irgendwann mal damit beginnt, Prozesse für Interessierte deutlich zu beschleunigen und zu vereinfachen, damit nicht die bei Interessensbekundung noch vorhandene Grundmotivation, in irgendeiner Funktion mitzuwirken, nicht durch Tonnen an notwendigen Passierscheinen A-XXXVIII (aber dann bitte auch in der aktualisierten Fassung nach Rundschreiben B-LXIV – und die kriegste nur im Intranet, in das Du als nichtbeorderter und gerade nicht übender Reservist nicht so einfach reinkommst) und ähnlichen Dummf**k erstickt wird.
Die alltäglichen Abenteuer der Reservistenexistenz in der Basilika des St. Bürokrazius mal außenvor. BAPersBw ist da oftmals Verhinderer anstatt Ermöglicher zu sein. Und wenn es die Vorschriften sind, dann gehören die eben angepasst. Es ist nämlich offenkundig, dass die Vorschriftenlage in vielen Aspekten von irgendjemandem geschrieben wurden, der entweder von Reservisten noch nie etwas gehört hat, oder – was noch viel schlimmer wäre – dem Reserve egal war. So nach dem Motto: „Das gehört nicht zu meinem Aufgabenbereich!“
[/blockquote]
Danke für diese wundervolle Vorlage! Auch wenn ich mit der Dauerbaustelle BAPersBw nichts zu tun habe, so liegt es hier und da auch an der Truppe selber!
Und dieses Beispiel ist hier hervorragend geeignet. Ein paar olle Zivilisten haben (aus purer Selbstlosigkeit und weil es sogar Sinn ergibt) sich standortübergreifend mit einigen argumentativen Mühen aber doch erfolgreich (!) dafür eingesetzt, damit eine Regelung (aka Vorschrift) dahingehend geändert wird, damit auch gerade übende Reservisten theoretisch und in der Praxis über nicht-eigene IT-Hardware dann Intranet-Zugriff bekommen dürfen (und zwar ohne umständliches und damals nicht-sofort-vorhandenes Anmeldungsgedöns etc.).
Aber an wen scheiterte es in der Praxis? An den eigenen Kameraden vor Ort! Wenn militärische Vorgesetzte und fachliche (mil.) Diener in trauter Zweisamkeit zur gleichen Meinung kommen: ja man könnte es so machen, aber dies machen wir lieber doch nicht, weil dann müsste man ja das Datenschutzkonzept (etc pp.) ändern und dafür müsste man ja den Kdr behelligen, der dann vielleicht wieder unliebsame Fragen stellt oder noch schlimmer weitere Aufträge verteilt… nein nein nein, diese Verbesserung für übende Reservisten findet also nicht statt! Ende der Durchsage!
Ich bringe dieses Beispiel hier weil es genau so passiert ist (und sicherlich irgendwo immer noch passiert) und nicht immer sind „die Umständlichkeiten der anderen an allem Schuld“ – sondern: packt euch hin und wieder mal selbst an die eigene Nase…
@Felix2 und Heiko Kania: Die Hoffnung stirbt bekanntlich erst mit dem letzten Hoffenden, folglich zuletzt.
@Y-998201: Der Einwurf war auch eher dahin zu verstehen, als Einbußen in der Bevölkerungsentwicklung immerhin von Einwanderern wenigstens teilweise kompensiert werden können. Eine zur Einwanderung aufgrund ethno-religiöser Kriterien jederzeit berechtigte, substanzielle Diaspora hat eben nicht jeder Staat. Die aus Deutschland nach Amerika ausgewanderten „48er“ sind jedenfalls nicht darunter zu rechnen. Bestenfalls noch Spätaussiedler. Wieder ’n anderes Thema. Das führt jetzt vermutlich aber endgültig zu tief in den OT, weshalb wir das lieber vor dem Auftauchen eckiger Klammern beenden. :)
ORR sagt: 02.09.2025 um 20:58 Uhr
OFA d.Res. sagt: 03.09.2025 um 10:06 Uhr
Warum rechtfertigen Sie beide sich eigentlich vor mir? Müssen sie doch gar nicht.
Nach dem Lesen Ihrer letzten beiden Beiträge (und einiger anderer), Sie beide legen den „sehr vielen“ einfach nur das in den Mund, was Sie selbst seit langem denken. In die „sehr vielen“ Köpfe der Anderen können Sie nicht gucken, sehr wohl aber in Ihren eigenen.
Trauen Sie der Welt und den Menschen um Sie herum mal wieder was Gutes zu. ;-)
@ORR Denken – Drücken – Sprechen? Hier im Blog gilt, wie auch anderswo im digitalen Raum, D – S – D – Denken – Schreiben – (absenden) Drücken. Nicht jede aufgeschnappt Binse bietet sich zur Dauerwiederholung an. Nur mal so.
Pistorius heute: “Wir schreiben schwarze Zahlen“. Bin gespannt, was das genau bedeutet. Sind wir in zwei Jahren schon bei 203.300 Soldaten? Ich hoffe, dass der Hausherr sowie andere Medienschaffende kritisch am Ball bleiben, denn ich kann mir das nicht wirklich vorstellen.
@mrx
Wenn Sie öfter üben und ggf. auch beordert sind haben Sie i.d.R. einen eDTA (vulgo: Truppenausweis). Vor Beginn der RDL wird dieser freigeschaltet, so daß Sie dann auch ins Intranet können – ggf. müssen die Passwörter noch aktualisiert werden, aber das sollte durch die BWI recht schnell erfolgen. Sinnvoll ist das natürlich bei Übungen von mindestens zwei Wochen Dauer.
Und einen Arbeitsplatz mit dienstlicher IT benötigen Sie natürlich auch; falls erforderlich kann der S6 i.d.R. etwas organisieren.
Nachdem ich die vielen Kommentare hier zumindest überflogen habe wird einiges immer klarer:
@Berufspessimist sagt:
03.09.2025 um 7:48 Uhr
„Stand 2021 war, dass ich mit einer Grundbeorderung in den ersten drei Jahren nach Ausscheiden aus der Bw eine Wehrübung machen MUSS. “
Dies war noch nie so.“
********************************
Exkurs BW vor Aussetzung der Wehrpflicht:
In den noch gut organisierten Zeiten, speziell im und kurz nach dem kalten Krieg, war es für die meisten Wehrdienstleistenden üblich ihre komplette Ausrüstung nach der Dienstzeit abzugeben.
Für die meisten bedeutet dies es gab ( wie bei mir ) bestimmte Gruppen die ihre Klamotten im grünen Seesack irgendwo zuhause einlagern mussten.
In meinem Fall (die ganze Einheit) gab es noch ein Passwort auf dessen Erwähnung hin im Radio oder Fernsehen man sich in 24 h bei der Einheit zu melden hatte.
Das galt wohl für alle Einheiten die in einer beschlossenen Mobilisierung ganz zu Anfang zwingend erforderlich waren.
Bei mir war es die Funktruppe der Feldjäger die mit Relaistrupps auf Bergen die Koordination erst ermöglichte incl. auch ziviler Notrufe.
Damals gab es ja keine Handys.
Das bedeutete in der Praxis das man schon im Jahr nach der Entlassung den ersten Einberufungsbefehl im Briefkasten hatte.
Grosses NATO-Reforger-Manöver. Funkunterstützung. Und viele vertraute Gesichter der alten Einheit waren auch da.
Ich erinnere mich noch an einen Standort auf dem Feldbergplateu (880m NN, Taunus bei Frankfurt).
Alles voll mit Ausflüglern und Touristen, neben uns die US-Army, die Briten UND die Franzosen. Alle mit ihren eigenen Funktrupps.
Wir kamen aus den Erklärungen gar nicht mehr heraus. „Präsentierteller“ traf die Situation ganz gut…
Wehrübungen insgesamt dreimal in 7 Jahren.
Nach 10 Jahren kam dann ein Brief die Klamotten abzugeben.
Das ging alles nur mit der damaligen Gesetzeslage und Organisation.
Die es nicht mehr gibt.
Aus dem Stand, sprich dem plötzlich verkündeten „V-Fall“, kein Problem.
Wurde ja en gros geübt.
Um zum obigen Zitat zurückzukommen:
“ Es muss nach der Grundbeorderung eine Wehrübung innerhalb von 3 Jahren geben – Das war noch nie so “
Das war früher doch mal der Fall…
Was einem heute am meisten Sorgen machen könnte ist das Chaos was in einem V-Fall ausbrechen würde durch eine Wiedereinsetzung der Wehrpflicht.
Ich bin sicher die „anderen“ wissen das auch…
Mit der Hoffnung keinen hier mit alten Geschichten gelangweilt zu haben,
Apollo 11.
@Metallkopf: „Besser ein Licht anzünden, als über Dunkelheit klagen“!
@ Metallkopf Ich dachte eher an die Angelsachsen. Das wäre ja mal interessant. Aber ja, jetzt ist genug.
@Holzi: „Wir schreiben in diesem Jahr schwarze Zahlen bei den Personaleinstellungen. Das heißt, wir stellen erstmals seit fünf Jahren oder sechs Jahren wieder mehr ein, als rausgehen aus der Bundeswehr“, sagte der SPD-Politiker Pistorius. Vermutlich ist dies der tatsächliche Wortlaut, den Sie verkürzt schreiben ohne Auslassungszeichen. Oder gibt es eine andere Quelle?
@Holzi sagt:
04.09.2025 um 15:51 Uhr
„Pistorius heute: “Wir schreiben schwarze Zahlen“. Bin gespannt, was das genau bedeutet. “
Es kommt halt immer darauf an WIE man fragt und WAS man wirklich wissen will… 😉
Beispiel aus der Truppenpraxis:
Kdr zum KpChef:
„Ist Ihre Kp voll besetzt?“
KpChef:
Ja, her Kdr. Melde 100 % besetzt.
Kdr:
„Super!“ … dreht sich um und geht.
ODER
Kdr zum KpChef:
„Ist Ihre Kp voll EINSATZBEREIT?“
KpChef:
Nein, her Kdr.
Es sind zwar 100 % der Dienstposten besetzt…
Aber 10 Soldaten haben dauerhafte körperliche Einschränkungen, davon sind 4 Spezialisten, deren Fähigkeiten wir dringend benötigen und auch nicht kompensieren können.
Dazu kommen gravierende Ausbildungsdefizite, die ich auch nicht beeinflussen kann, da außerhalb meiner Verantwortung. z.B. keine Ausbildskapazitäten an den Schulen, Absagen von Übungen…
Kdr:
„Das sieht ja übel aus!
Danke für Ihre ehrlichen Worte!“
Und im besten Fall wäre der Kdr ebenso ehrlich gegenüber seinen Vorgesetzten… 😉
@Felix2: Ist immer die Frage, was innerhalb einer Hierarchie belohnt wird, und wofür man einen eingeschenkt bekommt.
Und die Welt ist auch nicht schwarz-weiß. Nicht jeder, der offen Probleme benennt, muss dabei zwangsläufig ehrlich sein. Ich kenne aus eigenem Erleben durchaus einige Leute, deren Kommunikation mit Vorgesetzten mit „professionelles Dauerjammern“ recht gut beschrieben ist. Alles ganz schwierig, immer zuviel zu tun mit zuwenig Personal, die Rahmenbedingungen und überhaupt…
Das ist ja mal eine spannende Debatte! Mir ist aufgefallen, wie wichtig der Aspekt der Attraktivität ist. 2300 Euro netto klingen zwar gut, aber die Frage ist, ob das reichen wird, um wirklich motivierte Menschen zu gewinnen. Und die Diskussion um die Wehrpflicht für Frauen finde ich sehr interessant und wichtig für die Zukunft der Bundeswehr.
@zorse: Die Debatte um „Wehrpflicht für die Frauen“ ist aus meiner Sicht eine Scheindebatte. Tatsächlich ginge es um eine „Allgemeine Wehrpflicht“ nicht „nur“ für die Männer. Und auch wenn hier häufig / überwiegend die Wiedereinsetzung der Anwendung aller Bestimmungen des WPflG gefordert wird (= die Wehrpflicht als solche war nie ausgesetzt, lediglich die sie umsetzenden Regelungen), bleibt der bisher tatsächlich erkennbare, zukünftig auch höhere Bedarf der BW dauerhaft erkennbar unter dem tatsächlichen Aufkommen – unter verfassungsrechtlich geforderten Gesichtspunkten von „Allgemeiner“ Wehrpflicht – der männlichen WPfl.
@zorse sagt:
10.09.2025 um 8:36 Uhr
„Das ist ja mal eine spannende Debatte! Mir ist aufgefallen, wie wichtig der Aspekt der Attraktivität ist.“
Die Attraktivität ist, wie bei allen Arbeitgebern, einer der Schlüsselfaktoren.
Insbesondere für die Bundeswehr, deren primäre Zielgruppe im Alter 18-29 liegt.
Vor diesem Hintergrund macht diese Studie nachdenklich, wenn man die Aussagen im
Kapitel 9 „Arbeitgeberattraktivität der Bundeswehr“ ab Seite 57 zu dieser (!) Zielgruppe liest…
Zitate:
„Das Interesse am Soldatenberuf ist mit 10 Prozent deutlich geringer.“
„Das Interesse junger Menschen am Soldatenberuf ist im Vergleich zum Vorjahr
bei den Frauen leicht und bei den Männern stark gesunken. Noch nie seit
Erhebungsbeginn im Jahr 2020 haben sich weniger junge Menschen für den
Soldatenberuf interessiert. Die Akzeptanz eines zeitlich befristeten Wehrdienstes
ist bei jungen Menschen deutlich größer als ihr Interesse an einer Karriere als
Berufs- oder Zeitsoldat in der Bundeswehr.“
„Die Attraktivität der Bundeswehr als Arbeitgeber ist bei jungen Männern seit 2022 rückläufig.“
Da nützt es nix, wenn „die Alten“ in der Gesellschaft deutlich mehr pro eingestellt sind…
https://zms.bundeswehr.de/de/publikationen-ueberblick/bevoelkerungsbefragung-2025-deutschland-fuehrungsrolle–5990790
@Felix2: Der Jahrgang 2007 ist ca. 685.000 Köpfe stark. 10% davon haben Interesse am AG BW gem. Ihrer Ausführungen. Wir suchen mit dem neuen Wehrdienstmodell in erster Linie keine „Häuptlinge“ sondern „Indianer“. Insofern: wo genau wäre dann DAS entscheidende Problem?
@ Thomas Melber; 041618Bsep25
Schön und gut. So blumig ist es aber nicht. Wenn es gut läuft, sie einen ständigen PC (mit Boot-Buddy) haben kann es sein das sie Verzuglos arbeiten können. Arbeiten bedeutet in der Regel nicht Intranet im SP sondern Zugriff auf Mail, Laufwerke / Verzeichnisse und sonstigen Firlefanz. Achja, sollten ihre 2200 Updates (leicht übertrieben) dann abgeschlossen sein, viel Spaß am Jährlichen Online-Belehrungswahn!
Da sickert mal ganz schnell ein Arbeitstag dahin…