Neuer Wehrdienst, militärische Sicherheit, Nationaler Sicherheitsrat: Kabinettsitzung im Bendlerblock (Nachtrag: Pk-Wortlaut)
Das Bundeskabinett hat bei seiner Sitzung im Bendlerblock, dem Berliner Dienstsitz des Verteidigungsministeriums, wie erwartet die Weichen für einen Neuen Wehrdienst gestellt – vorerst ohne Wehrpflicht. Die Ministerrunde billigte zudem den Gesetzentwurf für Neuregelungen zur militärischen Sicherheit und die Regelungen für den neuen Nationalen Sicherheitsrat. Der NATO-Oberbefehlshaber, US-General Alexus Grynkewich, trug dem gesamtem Kabinett als Gast seine Einschätzung der sicherheitspolitischen Lage vor; ebenso Generalinspekteur Carsten Breuer.
Das Gesetz zur Modernisierung des Wehrdienstes folgt, trotz der Kritik vom Koalitionspartner Union, den Vorstellungen von Verteidigungsminister Boris Pistorius: Um die Bundeswehr zu stärken, sollen zunächst alle Deutschen bei Erreichen des 18. Lebensjahres angeschrieben und zur Beantwortung eines Fragebogens aufgefordert werden. Die Antwort ist nur für Männer verpflichtend – abgeleitet von einer möglichen Wiedereinführung der Wehrpflicht, die nach dem Grundgesetz ausschließlich für Männer gelten würde.
Ab 2027 sollen dann die jungen Männer auch zur Musterung verpflichtet werden. Ob die 2011 ausgesetzte Wehrpflicht wieder aktiviert wird, soll im Lichte der freiwilligen Meldungen für einen Dienst in der Bundeswehr in den kommenden Jahren entschieden werden – dann auf Beschluss der Bundesregierung und mit Zustimmung des Bundestages.
Gerade der letzte Punkt war in den Unionsparteien auf heftige Kritik gestoßen. Ihre Forderung richtete sich darauf, bei Verfehlen bestimmter Personalstärken in den nächsten Jahren die Wehrpflicht automatisch wieder in Kraft zu setzen, auch ohne gesonderten Parlamentsbeschluss. Ob im Gesetzgebungsverfahren im Bundestag eine solche Regelung eingeführt wird, die von Teilen des Koalitionspartners SPD abgelehnt wird, ist offen.
Für die Details die Gesetzentwürfe:
und zum Vergleich der Entwurf der vorangegangenen Regierungskoalition:
… und für die Kenner auf 130 Seiten:
Entwurf eines Gesetzes zur Stärkung der Militärischen Sicherheit in der Bundeswehr
Zum Nationalen Sicherheitsrat gibt’s nur ne Pressemitteilung:
Deutschland bekommt einen Nationalen Sicherheitsrat
Aus der gemeinsamen Pressekonferenz von Bundeskanzler Friedrich Merz und Pistorius nach der Kabinettsitzung im Bendlerblock gibt’s bislang nur ein Audio von den Aussagen Pistorius‘:
Fürs Archiv das gesamte Kabinett samt NATO-Oberbefehlshaber und Generalinspekteur im Bendlerblock auf einem Bild:
Nachtrag 28. August: Nachdem das Verteidigungsministerium am Vortag ein Audio nur mit den Aussagen des eigenen Ministers veröffentlicht hatte und den Kanzler wegließ, hier das Transkript der kompletten Pressekonferenz sowohl mit Kanzler als auch Verteidigungsminister:
Merz: Meine Damen und Herren, lassen Sie mich zunächst ein herzliches Wort des Dankes sagen an das Bundesministerium der Verteidigung und insbesondere an den Bundesminister der Verteidigung, den Kollegen Boris Pistorius, für die Gastfreundschaft, die wir heute hier im Haus in Anspruch nehmen durften. Der Bundesverteidigungsminister und ich haben schon relativ früh in dieser Bundesregierung verabredet, dass wir im Spätsommer eine Kabinettssitzung im Verteidigungsministerium anberaumen. Das ist eine alte Tradition, die es in der Bonner Republik in einer Zeit gegeben hat, in der über Sicherheits- und Verteidigungspolitik auch anders gesprochen werden musste, als wir es in den vergangenen Jahren tun durften. Mittlerweile hat sich die außenpolitische und sicherheitspolitische Lage erneut so zugespitzt, dass wir beide es für richtig und notwendig gehalten haben und unverändert halten, dass wir uns mit dem Bundeskabinett einmal im Jahr in diesem Hause treffen, um miteinander ausschließlich über verteidigungspolitische und sicherheitspolitische Fragen zu diskutieren und auch Entscheidungen zu treffen, so wie wir das heute getan haben.
Die sicherheitspolitische Lage in Deutschland und in Europa zwingt uns gerade dazu, diese Tradition wieder aufleben zu lassen. Zugleich setzen wir damit auch ein Zeichen: Sicherheit steht für diese Bundesregierung im Ganzen weit oben auf der politischen Agenda. Das ist unsere Botschaft an die Bürgerinnen und Bürger in unserem Land. Das ist aber auch ein Signal an unsere Verbündeten in Deutschland, in der Europäischen Union und in der NATO, dass Deutschland ein handlungsfähiger Partner in Europa und in der neuen NATO ist.
Wir haben vor den Beschlussfassungen in dieser Kabinettssitzung den Oberbefehlshaber der NATO-Streitkräfte in Europa, General Alexus Grynkewich, getroffen und mit ihm über die militärische Lage gesprochen. Grynkewich ist seit dem 4. Juli dieses Jahres der neue SACEUR, also der oberste Befehlshaber der NATO-Streitkräfte in Europa. Sein Lagebericht war sehr eindeutig: Russland ist und bleibt auf lange Zeit die größte Bedrohung für Freiheit, Frieden und Stabilität in Europa. Darauf antwortet die Bundesregierung mit Entschlossenheit. Wir haben bereits auf dem NATO-Gipfel im Juli mit den Verbündeten den historischen Beschluss gefasst, unsere Fähigkeiten massiv zu stärken. Ich will das hier noch einmal sehr klar unterstreichen und auch die Bedeutung noch einmal hervorheben: Ohne das starke Signal aus Berlin, ohne die Beschlussfassung dieser Koalition, noch bevor sie ins Amt kam, mit einer Änderung des Grundgesetzes diese Verteidigungsausgaben zu ermöglichen, wäre der NATO-Gipfel in Den Haag anders verlaufen. Er wäre wahrscheinlich einer der letzten, wenn nicht der letzte NATO-Gipfel in dieser Form gewesen.
Wir setzen jetzt das um, was wir damit auch ermöglichen: Wir haben den Verteidigungshaushalt deutlich erhöht, wir haben in kurzer Zeit wichtige Gesetze auf den Weg gebracht, um die Bundeswehr zu stärken, und wir haben die Weichen für schnellere und bessere Beschaffungen von Waffen und Ausrüstung bereits gestellt. Gleichzeitig betreiben wir eine aktive Friedensdiplomatie, um das Töten in der Ukraine zu beenden und unsere Sicherheitsinteressen zu wahren. Wir leisten einen Beitrag zum Zusammenhalt in Europa, wir stehen fest an der Seite der Ukraine, und wir bemühen uns nach Kräften um eine Festigung der transatlantischen Partnerschaft.
Das alles ist notwendig, aber es ist nicht ausreichend. Denn Russland führt längst hybride Attacken gegen uns: durch Sabotage, Cyberangriffe und gezielte Desinformation. Wir erleben das, wenn Kabel in der Ostsee zerstört werden. Wir erleben das durch gezielte Angriffe auf unsere IT-Sicherheit. Wir erleben das durch massive Einmischung auch in unsere Demokratie. Hier ist die Bundesregierung im Ganzen gefragt, nicht nur einzelne Ressorts. Wir müssen schneller, kreativer und entschlossener werden, indem wir unsere Infrastruktur härten, unsere Abstimmung verdichten und unsere Gesellschaft insgesamt resilienter machen. Das betrifft das Kabinett ‑ ich habe es schon gesagt ‑ im Ganzen. Es betrifft uns alle.
Das Kabinett hat deshalb heute wichtige Vorhaben auf den Weg gebracht. Ein wichtiger Beschluss dieses Tages ist die Einrichtung eines Nationalen Sicherheitsrats. Meine Damen und Herren, über dieses Thema wird in Deutschland seit 30 Jahren diskutiert. Diese Koalition hat das innerhalb von vier Monaten beschlossen und heute auch auf den parlamentarischen Weg gebracht. Seit 30 Jahren wird diskutiert – wir entscheiden nach vier Monaten. Dieses Gremium wird eine zentrale Plattform der Bundesregierung für übergreifende Fragen nationaler Sicherheit an der Schnittstelle zwischen innerer, äußerer, wirtschaftlicher und digitaler Sicherheit sein. Sicherheit ist auch nicht einem einzigen Ressort allein zuzuordnen. Sie betrifft uns alle. Gleichzeitig ermöglicht es die Einrichtung dieses Nationalen Sicherheitsrats, vorausschauende Strategiearbeit zu leisten, beispielsweise durch die Fortschreibung der Nationalen Sicherheitsstrategie. Der Nationale Sicherheitsrat wird ein wichtiger Baustein für unseren Ansatz einer Sicherheitspolitik aus einem Guss sein.
Darüber hinaus haben wir heute das Gesetz zur Stärkung des Militärischen Abschirmdienstes auf den Weg gebracht. Wir schützen damit unsere Soldatinnen und Soldaten und deren Familien noch besser, als wir das in der Vergangenheit getan haben.
Schließlich haben wir uns auf das Gesetz zur Modernisierung des Wehrdienstes geeinigt. Damit setzen wir ein zentrales Projekt des Koalitionsvertrages um. Dazu wird Boris Pistorius gleich noch ausführlicher etwas sagen. Unser gemeinsames Ziel ist es, die Bundeswehr personell so zu stärken, wie das heute erforderlich ist. Wir wollen den Wehrdienst attraktiver machen und mehr junge Menschen für den Dienst in der Bundeswehr gewinnen. Das ist ein wichtiger Schritt. Ich füge aber auch hinzu: Sollten wir feststellen, dass wir nachsteuern müssen, dann werden wir das tun. Auch das ist in diesem Gesetz bereits angelegt.
Ich will abschließend allen Kolleginnen und Kollegen aus dem Bundeskabinett noch einmal sehr herzlich für die intensive Vorarbeit danken, die wir alle geleistet hatten, damit diese Sitzung des Bundeskabinetts heute hier im Verteidigungsministerium so erfolgreich sein konnte. Lassen Sie mich das etwas salopp sagen: Ein Herbst von Reformen beginnt nicht mit der Wirtschaftspolitik und der Sozialpolitik, sondern ein Herbst der Reformen kann auch mit der Außenpolitik, mit der Sicherheitspolitik und mit der Verteidigungspolitik beginnen. Wir haben heute wirklich große Projekte dieser Koalition gemeinsam auf den Weg gebracht. Dafür bin ich den Ressorts insgesamt dankbar, aber ich bin insbesondere ‑ noch einmal ‑ dem Verteidigungsminister für die Gastfreundschaft und den guten Geist in diesem Haus dankbar. ‑ Herzlichen Dank!
Pistorius: Vielen Dank, Herr Bundeskanzler. ‑ Meine sehr geehrten Damen und Herren, herzlich willkommen auch von mir hier im Stauffenbergsaal im Bendlerblock! Ich freue mich, dass Sie da sind.
Ich freue mich vor allem, dass das Kabinett heute erstmals seit 19 Jahren wieder hier im Verteidigungsministerium eine Sitzung abgehalten hat. Zusammen mit den Inhalten, die wir mit dem SACEUR und mit unserem Generalinspekteur diskutiert haben, macht das deutlich, dass diese Bundesregierung voll auf dem Schirm hat und sich dessen voll bewusst ist, in welcher Sicherheits- und Bedrohungslage wir in Europa und in der Welt gerade leben und was das für die Verantwortung Deutschlands in Europa und in dieser Welt bedeutet. Deswegen stand die Kabinettssitzung auch ganz in diesem Zeichen.
Was Deutschland und unsere Sicherheitsarchitektur in Deutschland angeht, habe ich deutlich gemacht, dass eine funktionierende Bundeswehr voraussetzt, dass das Land funktioniert. Wir brauchen ein funktionierendes Land, das heißt, wir brauchen stabile Brücken, wir brauchen Gesundheitsversorgung, Lebensmittelsicherheit, Energiesicherheit und digitale Sicherheit. All das brauchen wir, damit die Bundeswehr ihren Auftrag am Ende auch erfüllen kann. Auch dieses Signal einer gemeinsamen Verantwortung der ganzen Bundesregierung haben wir heute noch einmal sehr klar ausgesendet.
Wir haben heute, wie der Bundeskanzler schon gesagt hat, zwei Gesetze auf den Weg gebracht.
Ich beginne einmal mit dem Gesetz zum neuen Wehrdienst. Große Ereignisse werfen bekanntermaßen ihre Schatten voraus. Das gilt gerade auch für den neuen Wehrdienst, der in den letzten Wochen und Monaten durchaus auch schon lebhaft diskutiert worden ist. Das ist eben auch nicht irgendein Gesetz, sondern es ist ein wirklicher Schritt, ein Riesenschritt nach vorne, weil er deutlich macht, dass wir einen Aufwuchs der Bundeswehr brauchen ‑ besser heute als morgen ‑, dass das aber langfristig angelegt werden muss und nachhaltig sein muss und dass es darum geht, gleichzeitig das Mindset in der Gesellschaft gerade auch bei jungen Männern und Frauen zu verändern und für Verantwortung für diesen Dienst am Land zu werben. Jeder und jede aus der jungen Generation wird sich also, anders als bislang, entscheiden müssen: Was kann ich und was will ich zur Sicherheit meines Landes, in dem ich lebe, beitragen? Ist mir das egal? Will ich Verantwortung übernehmen, und wenn ja, an welcher Stelle? Die jungen Frauen und Männer werden sich mit ihren Freunden und Familien dann Gedanken über diese Fragen machen, wenn der Brief da ist, der die alte Erfassung ersetzt ‑ der Fragebogen, der dann digital ausgefüllt werden muss. Die Debatten, die es in den Familien, an den Arbeitsplätzen, in den Schulen und in den Universitäten geben wird, sind gewollt. Sie sind notwendig, weil es darum geht, das Bewusstsein zu wecken und zu verstärken. Erst aus dieser Debatte heraus werden Männer und Frauen, die gerade 18 geworden sind, auch eine Haltung entwickeln und eine wohlüberlegte, individuelle, selbstbewusste Entscheidung treffen können. Genau das ist die Stärke dieses Gesetzes.
Warum brauchen wir einen neuen Wehrdienst? ‑ Bei all den öffentlichen Diskussionen der vergangenen Wochen und Monate ‑ auch heute Morgen und in den letzten Wochen ‑ ist eines unstrittig: Die Bundeswehr muss aufwachsen. Die internationale Sicherheitslage, vor allem das aggressive Auftreten Russlands, erfordert dies. Wir brauchen nicht nur eine gut ausgerüstete Truppe ‑ da sind wir im vollen Lauf; dafür sorgen wir seit zweieinhalb Jahren und hören nicht auf ‑, sondern wir brauchen eben auch eine personell stark aufgestellte Bundeswehr. Erst dann ist Abschreckung als Ganzes gegenüber Russland auch wirklich glaubhaft. Anders ausgedrückt: Eine starke Armee ‑ personell und materiell ‑ ist das effektivste Mittel, um Kriege zu verhindern. Genau darum geht es hier. Das ist unser Ziel. Dafür brauchen wir nicht nur aktive Soldatinnen und Soldaten ‑ hier steigen die Zahlen bereits in bislang nicht gekannten Kurven an; das ist sehr erfreulich ‑, sondern wir brauchen zudem vor allem auch eine gut aufgestellte Reserve für die Jahre, die vor uns liegen. Genau hier setzt der Wehrdienst an; denn nach der Ausbildung bei der Bundeswehr sind die jungen Männer und Frauen Teil der Reserve. Alle Reservisten stärken die Truppe, stärken den Heimatschutz und entlasten die kämpfende Truppe dann, wenn es ernst werden sollte.
Damit wir einen Überblick haben, wer überhaupt zur Verfügung steht und wer überhaupt dort draußen ist, müssen wir die Wehrerfassung, die es seit 2011 nicht mehr gibt, wieder neu erfinden, genauso wie die Wehrüberwachung. Das wird der Kernpunkt gleich am Anfang sein. Die Freiwilligkeit erreichen wir dann vor allem durch die Attraktivität des Dienstes. Wir optimieren die Ausbildung und wir bieten Qualifikationsmodule für all diejenigen an, die länger als sechs Monate bleiben. Ich habe mir in Germersheim vor einigen Wochen ansehen können, wie die Ausbildung funktioniert und wie die Fortschritte sichtbar werden. Wir integrieren zum Beispiel die Drohnenausbildung für jeden Soldaten und jede Soldatin. Wir binden die jungen Männer und Frauen noch enger in die aktive Truppe ein. Keiner läuft nebenher; alle sollen mittendrin sein. Wir bilden sie zu Wach- und Sicherungssoldaten aus und wir qualifizieren sie zum erweiterten Heimatschutz.
Und ganz wichtig: Wir verbessern die Bezahlung. Der Sold wird künftig bei 2300 Euro netto liegen. Das ist eine deutliche Steigerung. Es fallen keine Kosten für die Unterkunft an, und es gibt keine Kosten für die Krankenkasse. Das ist also insgesamt ein Paket, das die Attraktivität gegenüber dem heutigen Status quo deutlich erhöht. Wir bieten außerdem flexible Ausbildungszeiten an. Jeder und jede wählt selbst, wie lange er oder sie zu uns kommen will. Ich kürze das an dieser Stelle ab, weil Sie alle die einzelnen Module kennen. Aber eines ist klar: Wir ermöglichen eine bestmögliche Qualifikation gerade bei denjenigen, die länger bleiben. Das können Sprachkurse, Führerscheine, IT-Lehrgänge und vieles andere mehr sein.
Trotzdem ist nicht garantiert, dass die Freiwilligkeit ausreicht ‑ der Bundeskanzler hat es angesprochen. Aber das Ziel des Aufwuchses einer Reserve von 200.000 bis zum Ende des Jahrzehnts ‑ sich zusammensetzend aus 100.000 aus der heute schon vorhandenen Reserve, die nicht beordert ist, und 100.000 durch den neuen Wehrdienst bis zum Jahr 2029/2030 ‑ darf nicht gefährdet werden. Deswegen ist klar, dass wir einen Mechanismus im Gesetz haben, der sagt: Wenn die Zahlen sinken, wenn die Zahlen nicht reichen, um die steigenden Kapazitäten, die wir in den nächsten Jahren aufbauen werden, zu füllen, und damit das Ziel der 200 000 nicht erreicht zu werden droht, dann werden wir diesen Mechanismus in Gang setzen müssen, dann wird das Kabinett entscheiden müssen und dann wird es einen Parlamentsbeschluss geben müssen. Dieser ist schon deshalb notwendig ‑ das will ich noch einmal unterstreichen ‑, weil seinerzeit auch die Wehrpflicht durch Gesetz außer Kraft gesetzt worden ist. Es braucht für die Wiederinkraftsetzung also ein entsprechendes Äquivalent. ‑ Meine Damen und Herren, so viel zum Wehrdienst. Auf Fragen gehe ich gerne später noch ein.
In aller Kürze noch zum Artikelgesetz Militärische Sicherheit: Dazu hat es in der alten Wahlperiode schon einen Anlauf gegeben. Es geht dabei um die Vereinfachung, die Beschleunigung von Sicherheitsüberprüfungen und die Digitalisierung. Es geht aber vor allen Dingen auch um den Schutz der Soldatinnen und Soldaten und ihrer Familien in Litauen und darum, dafür die Voraussetzungen zu schaffen, die bisher im militärischen Sicherheitsgesetz fehlen. All das haben wir heute auf den Weg gebracht.
Herr Bundeskanzler, ich bin Ihnen und dem ganzen Kabinett sehr dankbar für die Anwesenheit hier, aber auch für die ausgezeichnete Kooperation in den vergangenen Monaten ‑ nicht nur dann, wenn es um den Haushalt ging, sondern insbesondere auch jetzt mit diesen beiden wichtigen Gesetzesvorhaben für die Bundeswehr und damit für die Sicherheit in unserem Land. Ich freue mich auf die weitere Zusammenarbeit und bedanke mich für Ihre Aufmerksamkeit.
Frage: Herr Bundeskanzler, Sie haben gesagt, Sie wollen die Bundeswehr wieder zur stärksten konventionellen Armee Europas machen. Der Schwachpunkt ist das Personal. Es gibt kaum jemanden in der Bundeswehr, der sagt, dass das mit diesem Gesetzentwurf, der keinen Automatismus hin zu Verpflichtungen wie in anderen Ländern sieht, möglich ist. Sie haben gesagt, gegebenenfalls werde nachgesteuert. Wann würde denn nachgesteuert ‑ schon 2026, falls dann deutlich wird, dass die Zielvorgaben für das Jahr nicht erfüllt werden?
Herr Minister Pistorius, müssten nicht auch jetzt schon Frauen stärker mit eingebunden werden?
Merz: Herr Kollege, wir haben heute ein Gesetz beschlossen, das einen bestimmten Ablauf und auch eine bestimmte Mechanik in Gang setzt. Wir haben im Koalitionsvertrag vereinbart, dass wir die Bundeswehr zunächst auf der Basis der Freiwilligkeit aufwachsen lassen wollen. Das erreichen wir jetzt mit diesem Gesetz. Das wird jetzt sofort beginnen, bereits mit dem Jahr 2026. Wenn wir im Laufe der nächsten ein, zwei, drei Jahre sehen, dass die Zielgrößen nicht erreicht werden, dann haben wir im Gesetz für diesen Fall einen Mechanismus angelegt, der zu einer höheren Verpflichtung führen wird. Das erfordert dann noch einmal einen gesonderten Kabinettsbeschluss und einen gesonderten Bundestagsbeschluss. Jedenfalls aus heutiger Sicht bin ich aber zuversichtlich, dass wir zunächst jedenfalls die Zahlen, die wir brauchen, erreichen.
Alles andere wird man dann im Lichte der Entwicklung zu beurteilen haben. Ich bin aber wirklich dankbar, dass wir diesen Schritt heute gehen. Wir sind damit wieder zurück auf dem Weg hin zu einer Wehrdienstarmee. Das ist eine gute Entwicklung, die ich ausdrücklich begrüße. Wie gesagt, alles andere wird man dann im Lichte der Lage zu bewerten und zu beurteilen haben.
Pistorius: Herr Kollege, es ist, wenn ich das so salopp sagen darf, eine steile These zu sagen, Sie hätten noch niemanden getroffen, der gesagt hat, dass man das erreichen könne. Wahrscheinlich sollte das zur Anschärfung Ihrer Frage dienen. Das ist natürlich zulässig, aber lassen Sie mich entsprechend freundlich darauf antworten: Ich bin sehr zuversichtlich, und ich bin da beileibe nicht der Einzige. Die Erfahrungen aus Schweden und anderen Ländern lehren uns, dass das funktionieren kann ‑ insbesondere dann, wenn man in der Bezahlung und Ausstattung, aber eben auch in der Ausbildung attraktiv wird.
Wir haben für dieses Jahr 15.000 angepeilt und sind jetzt, im August, schon bei knapp 13.000 angelangt. Das heißt, die Zahlen steigen eben auch für den freiwilligen Wehrdienst schon jetzt an, ohne dass die Attraktivitätsmerkmale, von denen ich gesprochen habe, schon da wären. Es gibt also guten Grund zu der Annahme, dass wir Jahr für Jahr einen Aufwuchs um mehrere Tausend haben werden, bis hin zu rund 30.000 im Jahre 2029. Aber wie gesagt, wenn das nicht funktioniert, werden wir nachsteuern müssen.
Zur Frage eines Automatismus: Was wäre denn ein Automatismus? Heißt das, wir legen einen Rechenschieber an und sagen: Wenn es 50 zu wenig sind, dann gibt es einen Automatismus und niemand trifft mehr eine Entscheidung? Das wäre sehr merkwürdig, weil wir ja immerhin über eine Wehrpflicht reden, die wieder in Kraft gesetzt werden müsste. Von daher braucht es in jedem Fall diese Befassung.
Was die Frauen angeht: Wir haben keine Wehrpflicht für Frauen in Deutschland. Wir können Frauen nicht verpflichten, Wehrdienst zu leisten oder diesen Fragebogen, der ja nichts anderes als die alte Erfassung ist, auszufüllen. Also muss es doch darum gehen, eine Diskussion zu führen, die Frauen ermuntert, ebenfalls zur Bundeswehr zu gehen. Wenn jemand sagt, er wolle die Wehrpflicht erweitern oder in Gänze wieder einführen, dann kommen wir zwangsläufig an den Punkt, dann auch über Frauen zu reden. Das versteht sich von selbst, allein schon wegen Artikel 3 unserer Verfassung. Aber zum jetzigen Zeitpunkt würde es bedeuten, eine Grundgesetzänderung herbeizuführen, und da wir in diesen Fragen gerade alle keine Zeit zu verlieren haben, wäre das der falsche Weg und zu viel Verzögerung.
Frage: Ich habe eine Frage mit Blick auf die Besucherin, die Sie, Herr Minister, morgen hier haben, und mit Blick auf Ihre Gespräche, Herr Merz, in Frankreich. FCAS lautet das Stichwort, und es sieht diesbezüglich gerade wieder einmal nicht gut aus. Was erhoffen Sie sich, was wird am Ende dieser Woche besser sein als heute?
Merz: Zu diesem Thema gar nichts; denn darüber wird bei den deutsch-französischen Regierungskonsultationen nicht gesprochen werden. Ich habe mit Präsident Macron verabredet, dass wir im letzten Quartal des Jahres, also zum Ende des Jahres 2025, gemeinsam eine Entscheidung treffen, wie es mit FCAS weitergeht. Wenn Sie sich mit dem Thema etwas intensiver beschäftigen, wissen Sie vermutlich, dass es zurzeit auf der französischen Seite den Wunsch gibt, ein weiteres Unternehmen sehr umfangreich an dem Projekt zu beteiligen. Das macht die Sache nicht einfacher. Ich hoffe aber, dass wir hier zu einer Lösung kommen; denn wir brauchen in Europa ein neues Kampfflugzeug, das entwickelt werden muss, und wir haben es zurzeit aus eigenen Beständen und aus eigener Produktion nicht. Deswegen möchte ich, dass wir zum Jahresende zu einer Entscheidung kommen, wie das Projekt weitergeht.
Frage: Herr Bundeskanzler, Herr Minister, ich habe auch eine Frage zu den Zielmarken bzw. zu der Kritik daran, dass es keine genauen Zielmarken gibt. Sind Sie im Kabinett übereingekommen, zu welchem Zeitpunkt Sie eine Bilanz ziehen wollen, wie und wann Sie entscheiden, ob dieser Weg ausreichend ist?
Merz: Der Bundesverteidigungsminister hat ja auf einen Sachverhalt aufmerksam gemacht, der von allen, die jetzt sehr schnell Aufwuchs haben wollen, offensichtlich nicht hinreichend berücksichtigt wird. Wir alle wollen sehr schnell den Aufwuchs sehen, aber es gibt eine Reihe von objektiven Kriterien, wie ein solcher Aufwuchs stattfinden kann. Die zwei wesentlichen Kriterien sind Standorte und Ausbilder, und wenn wir die nicht haben, dann können wir heute nicht 350.000 junge Männer in Deutschland zum Wehrdienst einberufen. Uns fehlen die Kasernen und uns fehlen die Ausbilder. Das heißt, das muss jetzt alles von unten wieder aufwachsen. Dieser Aufwuchs wird jetzt forciert. Wir gehen jetzt wirklich an diese Arbeit heran, mit dem erklärten Ziel ‑ Zielmarke Boris Pistorius ‑, 260.000 Soldatinnen und Soldaten in Deutschland zu haben. Diese Zielmarke wollen wir erreichen.
Was mein Ziel betrifft ‑ und ich wiederhole hier, was ich im Deutschen Bundestag und bei anderer Gelegenheit gesagt habe ‑, so ist Deutschland aufgrund seiner Größe und seiner wirtschaftlichen Stärke das Land, das in der NATO auf europäischer Seite die stärkste konventionelle Armee haben muss. Diesem Ziel ordnen wir die Entscheidungen unter, die wir gemeinsam treffen.
Pistorius: Ich würde das gerne um einen Gesichtspunkt ergänzen, den ich schon das ein oder andere Mal genannt habe.
Die Kasernen sind das eine ‑ etwa 130 Standorte sind in den letzten 25 Jahren verschwunden oder umgewidmet worden. Die ersetzt man nicht mal eben so, aber man bräuchte sie, um große Zahlen von wehrpflichtigen Wehrdienstleistenden dann entsprechend ausbilden zu können.
Die Frage, die sich stellt, ist also: Wie viel können wir in den nächsten Jahren ausbilden? Das richtet sich danach, wie schnell wir die Kapazitäten aufbauen können, also Unterkünfte in bestehenden Standorten oder Revitalisierung von alten Standorten. Dafür haben wir einen Plan entwickelt, auch mit durchaus unkonventionellen Mitteln, mit hoher Beschleunigung auch durch ein Infrastrukturgesetz, das noch kommt, aber auch bei der Beschaffung. Das Ziel ist, in den nächsten Jahren aufwachsend von 2025/26 bis 2029 dann auf 25.000 bis 30.000 pro Jahr zu kommen. Wenn Sie diese Jahre dann zusammenzählen, kommen Sie auf gut 110.000 Wehrdienstleistende, die in diesen Jahren ausgebildet werden konnten. Das ist dann der Teil der Reserve, der sofort über die Jahre aufwachsend zur Verfügung steht ‑ plus 100.000 aus der bisherigen Reserve macht das 200.000. Hinzu kommt der Aufwuchs der stehenden Streitkräfte, der auch noch eine Herausforderung sein wird. Dann sind wir bei den Zahlen, über die wir reden, und auch da geht es um Attraktivität.
Von daher haben wir einen Aufwuchspfad, der auch der Signalgeber dafür ist, dass wir handeln müssen, wenn etwas nicht so läuft, wie es laufen müsste ‑ und genau darum geht es.
Merz: Vielen Dank und frohes Schaffen allerseits!
(Foto oben: Bei der Kabinettsitzung im abhörsicheren Konferenzraum des Verteidigungsministeriums, dem so genannten U-Boot, v.l. Generalinspekteur Carsten Breuer, NATO-Oberbefehlshaber Alexus Grynkewich, Bundeskanzler Friedrich Merz, Verteidigungsminister Boris Pistorius, Finanzminister und Vizekanzler Lars Klingbeil, Bundesinnenminister Alexander Dobrindt; Foto unten: Das Bundeskabinett mit NATO-Oberbefehlshaber Alexus Grynkewich und Bundeswehr-Generalinspekteur Carsten Breuer im Bendlerblock – Fotos Christoph Kassette/Bundeswehr. Wer alle Personen auf dem zweiten Foto benennen kann, bekommt Fleißpunkte)

@snappy:
Genauer lesen hilft: Gegen eine seriöse Bezahlung von Soldaten habe ich kein Wort gesagt. Ebensowenig habe ich analysiert, dass die Bundeswehr bisher eine Söldnerarmee war.
Ich weiß natürlich nicht, wo und als was Sie gedient haben, wenn aber das Gehalt die zentrale Motivation gewesen sein sollte, waren Sie eher deplatziert.
Die entscheidende Überlegung, dass es hier nicht um finanzielle Goodies gehen kann, sondern um die Verteidigung unserer Freiheit, und das offensichtlich wenige interessiert, haben Sie nicht erfasst. Ebensowenig die zentrale Pflicht zur Transparenz auch unbequemer politischer Entscheidungen. Es scheinen alle Überlegungen außer der Bezahlung an Ihnen vorbeigegangen zu sein, die Namen Scharnhorst und Helmut Schmidt ebenso.
vielleicht hätte man auch Mal mit jenen Bevölkerungsgruppen, dies es betrifft reden sollen?
btw ich vermute historisch dürfte der größte Teil des Militärs aus Mitgliedern der Kriegerklasse bestanden haben.
@snappy: 100% Zustimmung. Ich war demnach 39 Jahre gezwungener „Söldner“ (1973 als GWDL 15 Monate gestartet)… Bereit und in der Lage, „…das Recht und die Freiheit der Bundesrepublik Deutschland tapfer zu verteidigen…“. Einschließlich Einsätze in EGGESIN (1990/1991), AFG (2004) u. KOS (2007/2008).
@ Thomas Melber Und das nicht zu knapp. Ich hatte mal einen polnischstämmigen Richtschützen, der hat heute eine Firma in Berlin, der war bei den Pfadfindern. Ich habe beim Leben im Felde auch über den Tellerand der Vorschrifen geschaut und mir Kenntnisse angeignet, aber der konnte mir noch was beibringen.
@ Michael Schöfer Ich habe den Eindruck, da herrscht das Prinzip Hoffnung. Aus der Politik braucht mir keiner mehr mit den Russen Angst machen. Dafür tun die Verantwortlichen aus Feigheit vor dem Wähler und Teilen der SPD zu wenig und das Falsche. Mal sehen, wo dieses Land steht, wenn die 500 Mrd ausgegeben sind.
@Bow 29.08.2025 um 9:41 Uhr
An Ihren Ausführungen ist schon etwas dran. Zumal alle großen westlichen Industriestaaten ebenfalls keine Wehrpflicht im engeren Sinn mehr haben, weil ähnliche Probleme. Die Zeiten eines JFK sind überall vorbei: “And so, my fellow Americans: ask not what your country can do for you — ask what you can do for your country.“
In einem Punkt möchte ich Ihnen aber widersprechen:
„Meine Prognose: Auch in 20 Jahren wird die BW keine 200.000 Soldaten jedweden Geschlechts mehr aufbieten können und das ganze schöne Gerät vergammelt, weil es weder gewartet werden kann, noch genug qualifizierte Bediener verfügbar sind.“
Eine Zahl von 200-300T lässt sich auch mit einer Berufs- (= Söldner) Armee leicht realisieren. Um einmal meinem Nickname zu entsprechen, ein Beispiel aus der römischen hohen Kaiserzeit (eine Zeitspanne von ungefähr 250 Jahren). Das römische Reich hatte damals ungefähr soviel Einwohner wie die BRD heute und in relativen Friedenszeiten eine Armee von 200-300.000 Freiwilligen mit einer Regeldienstzeit auch für den einfachen Legionär von 20-25 Jahren. Zirka die Hälfte tat ihren Dienst in den Legionen, die nur römischen Bürgern offenstand. Diese rekrutierten sich überwiegend aus der Unterschicht und die entscheidende Motivation war bei ehrenvoller Entlassung der materielle und auch im gesellschaftlichen Ansehen Aufstieg in den Mittelstand. Die andere Hälfte der Truppen in den Auxiliareinheiten waren die Einwohner der eroberten Provinzen, denen neben den materiellen Vergünstigungen auch die römische Staatsbürgerschaft (Militärdiplom) winkte.
Übrigens gammelten die Legionäre in Friedenszeiten nicht vor sich hin. Die klügeren wurden zur Provinzverwaltung abkommandiert und die anderen haben öffentliche Bauten errichtet.
Nun sind diese Zeiten lange vergangen, aber ein paar Lehren könnte man daraus ziehen.
[Es steht Ihnen natürlich frei, hier das Narrativ zu verbreiten, dass Berufs=Söldnerarmee. Dann sagen Sie ehrlicherweise auch dazu, dass die USA, Frankreich und Großbritannien seit langem reine Söldnerarmeen betreiben. Sonst könnte doch glatt der bestimmt falsche Eindruck entstehen, Sie wollten nur gegen die Bundeswehr hetzen. T.W.]
Söldnerarmee ?
Nach dem kalten Krieg und bis spätestens den „grünen Männchen“ 2014 auf der Krim war ich noch der Meinung das die USA mit ihrer Berufsarmee ein gutes Vorbild für die „neue Weltordnung“ sein könnte.
Seit 2022 ist das nicht mehr so.
Der entscheidende Unterschied der Motivation zum US Militär zu gehen war schon immer die umfassende Krankenversicherung in den US Streitkräften, die evtl. zu erlangende Staatsbürgerschaft und in etlichen Fällen ein kostenloses Studium.
In Deutschland kommt man an diese Punkte ohne Militär dtl. einfacher, bei der Staatsbürgerschaft kann man geteilter Meinung sein…
Trotzdem haben auch die USA ein Rekrutierungsproblem.
Ich hatte mal einen US Flugzeugträger besichtigt, da gibt es 100er Schlafsäle für die Mannschaften. Uff, Top Gun hin oder her, das muss man wollen….
Der entscheidende Vorteil beim neuen deutschen Gesetzesentwurf ist das man (erst mal) keinerlei Gedanken zum Ersatzdienst kommunizieren muss ( Wieviel länger, Wieviel weniger €, Wieviel Prozent Verweigerungsquote wird vermutet ).
Das könnte von dritter Seite ausgeschlachtet werden im nächsten Wahlkampf.
Und noch zum Thema Ukrainekrieg ( der Diskussionsauslöser ):
Es stehen sich scheinbar unversönlich zwei Parteien gegenüber. Die eine wurde und wird angegriffen, die andere erkennt den anderen Staaschef und sein Land nicht an. Und hat sich zudem schon ganze Gebiete qua Gesetz einverleibt obwohl diese teilweise noch nicht erobert sind und sogar qua Gesetz verteidigt werden müssen Das ganze zudem ( auf jeden Fall verbal ) unter Atomschutz.
Man könnte da der Meinung sein das eine ECHTE Sicherheitsgarantie ( Im Gegensatz zu 1994 ) mit Truppenstationierungen aus NATO-Ländern keine gute Idee ist.
Denn egal was auch im zu schließenden „Friedensabkommen“ stehen würde und wie hoch die vermutete Abschreckung auch sein mag, im Zweifel hätte man da SOFORT Gefechte zwischen NATO-Truppen und dem Warschauer Pakt, äh, Russland natürlich…
Will man dieses Risiko eingehen ?
Für mich nur Geschlabber. Warum wartet man bis 2026 wenns schnell gehen muss? Warum erst 2027 einberufen? Ich habe eher den Eindruck mit diesem halbgaren Entwurf ist nichts verstanden worden. Schon garnicht dass der Ernst der Lage Geschwindigkeit erfordert. Wahrscheinlich war dies das Maximum was mit der SPD zu machen war. Die Schuldigen tragen wiedermal Rot.
Nicht zur Veröffentlichung!
Sehr geehrter Herr Wiegold,
normalerweise vermeide ich es, mit dem Administrator eines Blogs zu diskutieren. Aber den von Ihnen hier angenommenen Zusammenhang zwischen der Verwendung des Begriffes „Söldner“ zur „Hetzte gegen die Bundeswehr“ möchte ich doch widersprechen.
Mir fällt auf, dass Sie gelegentlich auf meine Kommentare scharf reagieren. Darf ich nach dem Grund fragen? Ich beanspruche für mich, dass ich in Form und Stil den Forenansprüchen genüge. Ich dachte immer, ein Blog lebt von unterschiedlichen Meinungen. Aber gut, es ist Ihr Blog. Soll ich mich verabschieden?
Mit freundlichem Gruß
Hermann Domscheit
@Segestes
Wenn Ich Junkelmann und Co noch richtig im Kopf habe waren die Legionäre dieser Zeit hauptsächlich unter den Bürgern der Provinzen rekrutiert worden, wohl ad Castra Kinder von Perigrini die in den Auxiliareinheiten gedient hatten.
Die Unterschicht Rekrutierung war wohl Teil der sog „marianischen“ Reformen für Truppen unter z.b. Marius, Sulla, Pompeius und Cäsar…..
btw wenn nötig konnte man ganz schnell vom Sklaven zum Bürger und Legionär werden
@Nico, warum man bis 2027 bis zur ersten verpflichtenden Musterung wartet? Ganz einfach, die nötigen Strukturen um einen kompletten Jahrgang mustern zu können wurden als Friedensdividende in den letzten 14 Jahren verfrühstückt. Die müssen erst wieder aufgebaut werden. Und auch die hier kursierenden Ideen für Alternativen (z.B. Gesundheitsämter einbinden) drehen keine Däumchen und brauchen auch Vorlauf um die Kapazitäten zu schaffen.
Zum Thema Militärrekrutierung & Geschichte.
#Segestes:
Im Jahre 117 erreichte das römische Reich unter Kaiser Trajan seine grösste Ausdehnung. Er wird vor allem deshalb als „bester römischer Kaiser“ angesehen.
( Hier bei mir um die Ecke bringt die Firma Ubisoft aus Mainz demnächst das Strategie-Spiel „Anno 117“ heraus. Bestes PC-Spiel – Preis bei der Gamescom 2025, soll aber keine Werbung sein ).
Auch solche historischen Bewertungen könnte ein Herr P. aus R. in den falschen Hals bekommen haben…
Die Geschichte zeigt das zumindest die Chance auf ein gutes, fortschrittliches Leben immer mit einer gewissen Staatlichkeit einhergeht.
Das genaue Gegenteil davon waren die „dark ages“, das finstere Mittelalter.
Langjährig funktionierende Staaten setzten und setzen noch immer eine gewisse Streitmacht voraus. Früher mit Schild & Schwert, heute mit Panzer & Drohne ( und leider auch der „Bombe“ )
Alternativ dazu gibt es für Kleinststaaten Schutz-Bündnisse wie bei Monaco oder Andorra.
Wir waren letztens in der Saalburg im Taunus bei Frankfurt. Beeindruckende Rekonstruktion auf Originalgrundmauern eines Römerkastells am Limes, der damaligen Verteidigungslinie ( heute würde man es Kontaktzone nennen ) zu den Germanen.
Das Heer der Römer damals hatte in der Tat eine interessante Rekrutierungsgeschichte. Und hier in Mainz kann man bei Neubauten, selbst bei mir in einem Vorort, nie ganz sicher sein ob die Archäologen nicht die Bautätigkeit unterbrechen.
#Segestes: Mutige Namenswahl, schillernder Charakter ;-)
# T.W. : Sorry für der Erwähnung eines kommerziellen Spiels, deshalb kein Link :-)
Ich sehe es auch nicht extrem kritisch. Natürlich wäre es ein tolles Symbol gewesen, die Wehrpflicht direkt zu reaktivieren, aber ohne die notwendigen Strukturen – Wehrerfassung, Musterung, ausreichend Kapazität in Kasernen – auch nicht mehr als ein Symbol. Wenn es dann möglich ist, mit wieder aktivierten Erfassungsstrukturen und derzeit ausgeschriebenen bzw. demnächst auszuschreibenden feldlagerähnlichen Lösungen die Unterbringungskapazität herzustellen, finde ich ca. 1,5 bis 2 Jahre, die das dann gedauert haben wird, für aktuelle deutsche Verhältnisse nahezu unglaublich schnell.
@Nico: „…Die Schuldigen tragen wieder mal Rot.“ Diese Aussage ist unverständlich. Könnten Sie das im Kontext des derzeitigen Themas versuchen, näher zu erläutern?!
@ OFA d.Res. 29.08.2025, 12:57 Uhr
Sehr treffend. Volle Zustimmung.
Allerdings hat es sich in der Vergangenheit gezeigt, dass sehr oft das Geld der einzige Motivator war. Sehr viele Soldaten gingen in den Auslandseinsatz, um zusätzliches „Geld zu verdienen“. Nicht umsonst wurde die Belehrung eingeführt, dass man nicht in der Erwartung der zusätzlichen Zahlung bereits vor dem Einsatz große Käufe starten sollte.
Der Einsatz für die FDGO, die ja gemäß der These namhafter deutscher Politiker auch am Hindukusch verteidigt wird, stand da nur sehr selten im Fokus.
Von daher ist der nun eingeschlagene Kurs nur die konsequente Fortführung eines falschen (nicht wertegeleiteten) Weges.
Ob es der Bw damit gelingt, die Menschen zu rekrutieren, die sie haben möchte, oder ob schlicht Quantität zählt wird sich zeigen. Es bleibt zu hoffen, dass eine ehrliche (nicht politisch ideologisierte) Evaluation stattfindet.
Der Verteidigungsminister scheint keine guten juristischen Berater zu haben. Er ist aber auch selbst Jurist, so daß ich nicht verstehen kann, wie er auf den Unsinn kommt, daß man Frauen nicht zum Ausfüllen des Fragebogens & zur Musterung verpflichten könne.
Denn der Fragebogen & die Musterung der Männer dient gar nicht der Wehrpflicht, welche bisher noch nicht wieder in Kraft gesetzt wurde. Sondern bei den Männern wird verkündet, daß sich alle Männer mit dem Thema Wehrdienst auseinander setzen sollen. Und die spätere Musterung aller Männer, soll ebenfalls dem Kontakt mit den Streitkräften dienen, in der Hoffnung, daß wenn alle Männer sich mustern lassen müssen. damit Kontakt mit der BW haben müssen, sich mehr zum Dienst in der BW entscheiden. Zudem will die BW sicher wissen, durch die Musterung aller Männer, wie die Tauglichkeitsquote der jungen Männer heute ist. Denn die Tauglichkeitsquote bzw. der tatsächliche Gesundheitszustand der jungen Männer dürfte heute schlechter sein, als 2011(bevor der Einwand kommt, ich weiß natürlich, daß die Tauglichkeitsquote bis 2011 künstlich nach oben getrieben wurde, aus Angst das BVerfG könnte den immer kürzeren Wehrdienst mangels Wehrgerechtigkeit für Verfassungswidrig erklären).
Das Übergewicht unter jungen Menschen nimmt zu und beeinträchtigt die Tauglichkeit von Rekruten. Dies gilt nicht nur für Amerika, sondern war auch in Berichten über das Österreichische Bundesheer zu lesen und wird sicher in Deutschlang nicht anderes sein.
Aber wenn die Fragebögen & die Musterung der Männer gerade dazu dient, Bewerber für die BW freiwillig zu überzeugen und mit der Familie/Freunden über den Dienst in der BW zu sprechen, warum behauptet der Verteidigungsminister dann dies sei ein Einstieg in eine (unzulässige) Wehrpflicht bei Frauen? Eine Fragebogenplicht für Frauen und eine Musterungspflicht(die vielleicht einen Tag kostet) ist durch einfaches Gesetz zulässig & die Gleichbehandlung der Geschlechter nach Artikel 3 GG gebietet hier, auch die Frauen zu verpflichten den Fragebogen auszufüllen & einen Tag für eine Musterung zu opfern. Zumal die BW nur durch eine Musterung aller Frauen erfahren kann, wie es um die Tauglichkeit der Frauen für den Fall einer späteren Wehrpflicht für Frauen stehen würde. Denn ich vermute, daß die Frauen, die sich bisher bei der BW bewerben überdurchschnittlich sportlich oder fit sein dürften, da sie sich eine Grundausbildung freiwillig zutrauen. Deshalb hoffe ich, daß ein paar Männer oder Frauen gegen die Fragebogenpflicht nur für Männer vor das BVerfG ziehen per Verfassungsbeschwerde.
[Sie sind Jurist? T W.]
@Closius Männer und Frauen dürfen nicht grundlos unterschiedlich behandelt werden. Rechtsprechung des BVerfG: Ungleichbehandlungen sind zulässig, wenn sie durch einen sachlichen Grund gerechtfertigt sind Der sachliche Grund ist die geltende Rechtslage. Das BVerfG würde die Beschwerde vermutlich noch nicht mal annehmen. Außerdem muss vor einer Beschwerde der Rechtsweg ausgeschöpft werden. Eine abstrakte oder konkrete Normenkontrolle wäre sicher schneller. Auch dabei wird es auf die Argumentation ankommen. Ein Verweis auf Art 3 reicht vermutlich nicht. Da aber die eigentliche Absicht eine Wehrpflicht für alle Geschlechter ist, das auch so bereits gesagt wurde und diese nur zunächst nicht kommen soll, wegen der fehlenden Zweidrittelmehrheit, ist eine Diskriminierung sehr wohl gegeben. Da sehe ich schon einen Ansatz das Gesetz zu stoppen. Die Gelegenheit wird sich die eine oder andere Oppositionspartei nicht entgehen lassen.
@TW: Nein, ich bin auch kein Verfassungsrechtler.
@Closius, warum braucht die Bundeswehr Daten zur Gesundheit von allen Frauen wenn diese keiner Wehrpflicht unterliegen?
@Q, sehe ich anders, auch im wenn nun über eine Wehrpflicht für alle nachgedacht wird. Grundlage für Urteile wird die jeweils aktuelle Rechtslage sein und nicht wie es vielleicht in den Gedanken einzelner Politiker sein sollte. Solange im Grundgesetz nur die Wehrpflicht für Männer steht dürften alle darauf aufbauenden Gesetze die nur auf Männer abstellen verfassungsgemäß sein.
Wo kommt nur die Idee her, dass irgendwas in diesem Land schnell gehen könnte? Wir haben in einer Zeit, in der es uns wirtschafltlich gut ging und in der der demografische Wandel immer fühlbarer wurde, unsere Infrastruktur und unsere Bundeswehr verkommen lassen. Nun befindet sich unsere Wirtschaft in der Rezession, die Zahl der Menschen, die irgendwie Bock auf Wehrdienst haben wird vom Hausherrn regelmäßig aktualisiert berichtet.
Die wird nicht größer, die wird demografisch bedingt kleiner.
Wenn man ein System zur Erfassung von wehrtauglichen jungen Menschen nicht hat und es komplett neu wieder aufbauen muss, dann geht das gar nicht über Nacht. Es gibt auch gar keine Alternative zu dem aktuellen Ansatz. Weil die Strukturen, um in der Größe von 200000+ Fragebögen auszuwerten, rein personell erst aufgebaut werden müssen. Das schlimmste, was der Bundeswehr passieren könnte, wäre wenn von den 200000+ Kandidaten auch nur ein viertel auf einmal zur Musterung erscheinen würde.
Man hätte nicht die medizinischen Einrichtungen, um die Musterungen durchzuführen. Die Kasernen zur Unterbringung wären nicht vorhanden und vermutlich gäbe es nicht mal genug Stiefel in den den Depots.
Ich erinnere mich hier an die Klage von Reservisten, dass die Bundeswehr noch nicht mal genug Material hat um die Zahl bekannter Reservisten mit dafür vorgehaltenen Material trainieren zu lassen.
Also beginnt man mit der Schaffung der Grundlagen wie Erfassung und dem Ausbau der vorhandenen Einrichtung zur Musterung. Mal angenommen, dass unsere zusammenbrechende Wirtschaft mehr junge Menschen dazu bringt, ernsthaft über eine Karriere bei der Bundeswehr nachzudenken, dann hoffe ich, dass dieser Prozess langsam genug geschieht, damit die Bundeswehr mit dem Aufwuchs von Unterbringung und Ausstattung hinterher kommt.
Was diesen Prozess bremsen wird, das ist Geldmangel. Ohne eine florierende Wirtschaft wird uns das Geld fehlen. Was nicht gehen wird, dass ist ein Aufbau nur mit immer weiteren Schulden. Die politische Entwicklung geht nicht nur in Deutschland in eine unerwünschte Richtung.
Zitat:“ Denn Russland führt längst hybride Attacken gegen uns: durch Sabotage, Cyberangriffe und gezielte Desinformation.“
Wir haben Russland unprovoziert einen Wirtschaftskrieg erklärt. Haben wir wirklich erwartet, dass die Russen das unbeantwortet lassen? Aber mal erhlich, das, was da bislang aufgelistet ist, das ist doch eigentlich nicht mehr als ‚ans Bein pinkeln‘.
Ich kann mir nicht vorstellen, dass es dabei bleiben wird. Die Meinungsverschiedenenheiten zwischen den USA und den EU Mitgliedsstaaten über die Frage, ob und wie man mit dem Krieg in der Ukraine umgeht, ist auch eine Art Botschaft an Russland. Es würde mich nicht wundern, wenn die russische Regierung, in dem sicheren Wissen, dass dies für sie keine Konsequenzen hätte, Waffenproduktion für und Waffenlieferungen an die Ukraine auch ausserhalb der Ukraine durch aktive Sabotage be- bzw. verhindern würden.
Wir haben die nächsten drei Jahre verloren.
@ Closius sagt: 30.08.2025 um 10:30 Uhr …….
Selbst die emanzipierteren Damen meiner Bekanntschaft lehnen die Wehrpflicht fuer Frauen durchweg [freiwilliger „Wehrdienst“ (San, Geo, Org, Admin) fuer Frauen wird akzeptiert} ab.
Satire: All pigs want to be (im Original „are“) equal but, some are more equal.
@Closius 30.08.2025 um 10:30 Uhr
Ich würde mir mal das Urteil des Bundesverfassungsgerichts vom 15. Dezember 1983 zur informationellen Selbstbestimmung zu Gemüte führen. Darin heißt es: „Einschränkungen dieses Rechts auf ‚informationelle Selbstbestimmung‘ sind nur im überwiegenden Allgemeininteresse zulässig. Sie bedürfen einer verfassungsgemäßen gesetzlichen Grundlage, die dem rechtsstaatlichen Gebot der Normenklarheit entsprechen muß. Bei seinen Regelungen hat der Gesetzgeber ferner den Grundsatz der Verhältnismäßigkeit zu beachten.“
Die verfassungsgemäße gesetzliche Grundlage zum verpflichtenden Ausfüllen des Fragebogens und der damit verbundenen Erfassung der Daten von Frauen fehlt, weil es nach dem gegenwärtigen Stand für Frauen keine Wehrpflicht gibt. Das Grundgesetz erlaubt sie nicht, jedenfalls in der heute gültigen Fassung. Insofern wäre die Verpflichtung zur Abgabe des Fragebogens auch nicht verhältnismäßig. Es ist also keineswegs Unsinn, wenn Pistorius darauf verzichtet, denn eine diesbezügliche Klage in Karlsruhe wäre sicherlich erfolgreich.
@Schlammstapfer, also das auswerten der Fragebögen dürfte an der Stelle das kleinste Problem sein. Passende elektronische Lösungen würde ich da als marktverfügbar einschätzen. QR Code auf den Anschreiben der einen auf eine passende Webseite führt und dank Code gleich weiß wer ich bin, alternativ Code in Klartext inkl Webseite für die Erfassung oder das was noch klassisch per Post kommt durch den Scanner jagen. Und schon ist die Datenbank mit den Interessenten gefüllt.
Aber ja, einen konkreten Nutzen wird man so schnell aus dem Datensatz nicht ziehen können.
Thema Fragebogen.
Ist eigentlich schon klar in welcher Form der verpflichtend kommt ?
Nur wenn Digital könnte das personalsparend ablaufen. Also Amtsschreiben per Post, aber Antwort per Internet-Formular.
Ich erinnere mich noch an diese Grundsteuer-Geschichte.
Selbst aufgeweckte Personen in der Verwandtschaft hatten sich im Freundesumfeld Hilfe geholt.
Ich erinnere mich u.a. an die Feldgrundstücke in unserer erweiterten Familie mit teils 8 Besitzern da das nie umgeschrieben wurde…
Dieser Papierkram am Rechner war wirklich ermüdend.
Ich hoffe doch stark das zumindest dies in den verpflichtenden Fragebögen, wenn Digital, einfach verständlich rüberkommt.
Sollte im Grunde kein Problem sein, aber sie wissen schon, der Amtsschimmel… ;-)))
Hallo in die Runde,
hier wurde ja bereits mehrfach über die Besoldung der künftigen Wehrpflichtigen/ SaZ geschrieben. Laut diversen Nachrichtenmeldungen soll dies ca. 2.200 Euro netto betragen.
Meine Frage: Wie kommt dieser Betrag zustande? Ist das einfach der Netto-Betrag vom A3-Gehalt (ca. 2.700 Euro brutto)?
@Hallo in die Runde,
“ Ist das einfach der Netto-Betrag vom A3-Gehalt (ca. 2.700 Euro brutto)? “
Ja, da es dann ab 01.01.2026 nur noch das Dienstverhältnis SaZ und BS geben wird.
Und diese werden gem. dem Bundesbesoldungsgesetz besoldet.
Insofern der Tarifabschluss ÖD auf das BBesG übertragen wird, liegt dann das Einstiegsgehalt ab 01.05.2026 A3, Erfahrungsstufe 1, bei ca. 2350 bis 2500 € Netto, je nachdem ob der Soldat in der Gemeinschaftsunterkunft wohnt oder nicht. (01.01.2026 bis 30.04.2026 ca. 50 € weniger)
Heiko Kania sagt…..“““@Nico: „…Die Schuldigen tragen wieder mal Rot.“ Diese Aussage ist unverständlich. Könnten Sie das im Kontext des derzeitigen Themas versuchen, näher zu erläutern?!““““
Mit Verlaub, ich überlasse das Ihrer Interpretation und Fantasie.
[Es reicht jetzt. T.W.]
Aus meiner Sicht ist die geplante Wiedereinführung oder Ausweitung des Wehrdienstes problematisch, weil sie die individuelle Freiheit junger Menschen stark einschränkt und eine Rückkehr zu einer veralteten Militarisierung der Gesellschaft bedeutet. Zwangsdienste wie Musterung und Wehrpflicht stehen im Widerspruch zu modernen Prinzipien von Selbstbestimmung und gesellschaftlicher Teilhabe. Sicherheit sollte auf freiwilligem Engagement, Überzeugung und demokratischer Legitimation beruhen, nicht auf staatlichem Zwang.
Ich sehe die Wehrpflicht als ein starres Instrument, das gesellschaftliche Spaltungen vertieft und nicht zur Lösung heutiger sicherheitspolitischer Herausforderungen beiträgt. Stattdessen sollten zivile Friedensarbeit, Dialog und eine moderne, nachhaltige Sicherheitsstrategie im Mittelpunkt stehen. Die Stärkung der freiwilligen Bundeswehr und ziviler Dienste ist aus meiner Sicht der richtige Weg, um eine freie, gerechte und friedliche Gesellschaft zu fördern.
@Schlammstapfer:
„Wir haben Russland unprovoziert einen Wirtschaftskrieg erklärt. Haben wir wirklich erwartet, dass die Russen das unbeantwortet lassen? Aber mal erhlich, das, was da bislang aufgelistet ist, das ist doch eigentlich nicht mehr als ‚ans Bein pinkeln‘.“
Ich möchte jetzt Ihre Zugehörigkeit zur „V. Kolonne Moskaus“ nicht in Erwägung ziehen, aber einen solch blühenden und bösartigen Unsinn kann ich nicht unwidersprochen lassen.
Selbst wenn Russland an der Legitimität der ukrainischen Regierung berechtigte Zweifel hätte anmelden können, so bestand für einen Waffengang gegen ein (auch von Russland ausdrücklich vertraglich akzeptiert) souveränes Land nie eine völkerrechtliche Begründung.
Dass die NATO mangels Kapazität nicht auf völkerrechtlich durchaus legitime Art und Weise militärisch eingegriffen hat, beispielsweise durch die Errichtung einer Flugverbotszone über der Ukraine, sondern sich auf wirtschaftliche Zwangsmaßnahmen beschränken musste, bedaure ich zutiefst.
Warum Sie (jetzt müsste konsequenterweise von Ihrer Seite das abgedroschene Argument der bösartigen und aggressiven NATO-Osterweiterung kommen) die Täter-Opfer-Zuordnung wiederholt öffentlich verdrehen, vermag ich nicht zu sagen.
@ Felix2
Danke für die Antwort!
@ Karl Nutzler:
Bislang (20:07 Uhr) sind noch keine Reaktionen und Gegenkommentare zu Ihrem Kommentar veröffentlicht, aber ich vermute, es wird harscher Widerspruch kommen von denjenigen, die „die Russen“ schon kurz vor der Oder sehen und gerne die Wehrpflicht und Mannstärke der 1980er zurück hätten.
Grundsätzlich teile ich Ihre Diagnose der heutigen Gesellschaft und sehe es als schwierig bis unmöglich an, die Wehrpflicht „von früher“ wieder einzuführen. Das Fass mit der Frage, ob dies verteidigungspolitisch und militärisch überhaupt notwendig ist, mache ich an dieser Stelle gar nicht erst auf.
Ich bin der Meinung, dass der jetzt eingeführte sogenannte „Neue Wehrdienst“ eine geeignete Form ist: praktikabel, handhabbar, realistisch, wieder mehr Verbindung zwischen Truppe und Gesellschaft sowie (vermutlich, hoffentlich) hilfreich für die Erhöhung der Truppenstärke bei gleichzeitiger Beibehaltung der Freiwilligkeit des Dienstes.
@Lehrer, doch auch eine kurze Wehrpflicht macht Sinn.
Ja, anders als bis 1989 läuft eine potenzielle Front nicht mehr quer durch Deutschland und ein möglicher Krieg wird anders geführt und erfordert andere Fähigkeiten.
Im Gegenzug für die Abgabe der Rolle als Frontstaat hat Deutschland aber die Rolle als Drehscheibe für die Logistik erhalten und damit verbundene Aufgaben/ Pflichten. Unter anderem sind die Verkehrswege zu schützen und andere Hochwertziel. Und die Ukraine hat es vorgemacht, da reicht ein Luftabwehrgürtel entlang der Front nicht mehr, da muss man auch Mal mit innovativen Ideen wie dem 40 Fuß Seecontainer voller FPV Drohnen im Hafen rechnen.
Nicht umsonst wird ja beim neuen Wehrdienst unterschieden ob jemand 6 Monate kommt ( reine Wachausbildung in einem Heimatschutzregiment) oder bis 23 Monate, dann geht’s in ausgewählte Kampfeinheiten.
@Karl Nutzler
Eine freie, gerechte und friedliche Gesellschaft wird es nur geben können, wenn im Falle einer Bedrohung auch jemand für diese Gesellschaft einsteht. Sonst wird das zumindest nichts mit frei und gerecht.
Diese Denke reiht sich ein mit der weit verbreiteten Meinung, dass man gerne alle Segnungen des Rechtsstaates mitnimmt, aber für seine Erhaltung keinerlei Pflichten übernehmen bzw. Anderen überlassen möchte. So wird das nicht funktionieren.
Bzgl. einer Wehrpflicht für Frauen kann es nicht sein, dass man vehement ( und auch zu Recht) Frauenrechte einfordert ( z. B. gleiche Bezahlung, Quote für Führungskräfte etc.), aber bei der Wehrpflicht sagt, dass das mal lieber die Männer machen sollen.
Vielleicht sollte die Politik viel stärker klar machen, dass es die Rechte und Freiheiten, nur geben kann, wenn auch die Pflichten übernommen werden. Fördern und fordern, hieß es mal vor langer Zeit.
@Dilbert:
+1
2500 Euro netto für einen Ungelernten ist schon nicht schlecht. Da könnte man, wenn man aus einem nicht ganz so vermögenden Elernhaus kommt und studieren will, sich ordentlich was zurücklegen, wenn man 23 Monate Lebenszeit investiert. Wenn man Glück hat, kommt noch ein LKW-Führerschein oder andere Qualifikationen und Lebenserfahrung dazu. Mal sehen, wie sich das entwickelt. Blöd ist, wenn das vermehrt Schul- und Lehreabbrecher anzieht. Da ist dann auch keinem geholfen. Ich erwarte dann aber auch, dass die Herrschaften für ihre 2350-2500 Euro körperlich was tun. In sechs bis 23 Monaten bekommt man jemanden fit. Hat bei mir 1991 auch funktioniert.
@Dilbert
Bzgl. Wehrpflicht
Schon mal überlegt das dazu gewisse Mehrheiten im BT und BR nötig sind wenn man das GG ändern will?
Solange es eine Brandmauer gibt wird das nichts.
[Nee, diese Bauernfängerei lassen wir, sonst folge ich tatsächlich dem Vorschlag eines anderen Kommentators, hier zuzumachen. T.W.]
Ich finde die „Debatte“ über Wehrpflicht ziemlich oberflächlich und in Teilen sogar übermäßig platt. Irgendwie habe ich bei den überzeugtesten Jüngern nicht den Eindruck, daß sie sich über die total geänderten Umstände Gedanken machen und wie wenig hierzulande über diese überhaupt gesprochen wird. Es ist ja nun nicht mehr wie vor 1990, der VRV ist nicht mehr an der innerdeutschen Grenze und der Gegner steht nicht mehr mit den über 20 mechanisierten Divisionen der GSSD auf der anderen Seite. Heute erwarten die osteuropäischen „Frontstaaten“ von Deutschland, daß dieses Truppen in deren Länder schickt und gleichzeitig die „Drehscheibe Deutschland“ am Laufen hält. Eine Wehrpflicht mag die Strukturen für letzteres auffüllen bzw überhaupt zum Leben erwecken, tut aber rein gar nichts für das Hauptproblem der „Fronttruppe“. Denn ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, daß irgendeine Regierung in Berlin den Arsch in der Hose hätte und Wehrpflichtige entgegen aller bis dato üblichen Praxis auch „zwangsweise“ ins Ausland verfrachtet (man möge mir die flapsige Ausdrucksweise verzeihen).
Es ist eines zur Verteidigung des eigenen Landes eingezogen zu werden, zur Verteidigung anderer Länder hingegen … das ist eine ganz andere Hausnummer und müßte vorab in aller Breite und Tiefe ausdiskutiert werden. Und angesichts der letzten Umfrage, nach der 59% der Deutschen schon bei einem Angriff auf das eigene Territorium sich weigern würden ein Gewehr in die Hand zu nehmen, würde ich sagen diese Frage hat politschen Sprengstoff in sich … So wie es jetzt mit dieser Neuregelung ist, zählen ja alle als Freiwillige und die haben ja schon immer auch für Dienst in Auslandseinsätzen mit unterschrieben. Aber nur den „Heimatschutz“ aufzublähen und ein klappriges Skelett an Fronttruppen ohne Breite oder Tiefe in ein eventuelles BV-Szenario zu schicken, das wäre politisch innerhalb Europas und der NATO so auch nicht zu erklären … Ergo wäre hier die Wehrpflicht wieder nicht der Weisheit letzter Schluß, jedenfalls nicht so, daß dieses Land um eine schonungslose Grundsatzdebatte ohne vorgedrucktes Endergebnis herumkommen würde.
Oha, die Kolleginnen und Kollegen der Redaktion der Zeitschrift des Katholischen Militärbischofs für die Deutsche Bundeswehr haben es sich nicht nehmen lassen, das hier gepostete Thema „Wehrpflicht“ ebenfalls aufzugreifen; und der neue Wehrbeauftragte des Deutschen Bundestages setzt in seiner ersten Kolumne in der neuesten Ausgabe das Thema fort. Wer Lust und Laune hat das alles nachzulesen, hier der link zur Ausgabe: https://acrobat.adobe.com/id/urn:aaid:sc:EU:011503d7-23eb-4032-817b-34610da6470c
Auweia. Dauert nicht mehr lange und der Hausherr macht wieder mal die Kommentare zu. Bei dem Geschwurbel, was hier teilweise abgesondert wird, wäre das aber vermutlich ein notwendiger Beitrag zur Abkühlung.
Ich hatte zu den abstrusesten Kloppern eigentlich schon was geschrieben, aber ich verkneife es mir lieber, damit es nicht eskaliert.
Lehrer sagt…“““Ich bin der Meinung, dass der jetzt eingeführte sogenannte „Neue Wehrdienst“ eine geeignete Form ist: praktikabel, handhabbar, realistisch, wieder mehr Verbindung zwischen Truppe und Gesellschaft sowie (vermutlich, hoffentlich) hilfreich für die Erhöhung der Truppenstärke bei gleichzeitiger Beibehaltung der Freiwilligkeit des Dienstes.“““
Er ist DERZEIT das Mindeste was man angesichts der Mehrheiten und des politischen Willens einer Demokratie wie der unseren zumuten will. Er ist weder geeignet um Masse auf die Straße zu bringen, genug Personal in 5 Jahren parat zu haben, noch realistisch sinnvoll. Es geht auch nicht um Verbindung zwischen Truppe und Gesellschaft, sondern um möglichst schnell Strukturen zu schaffen die einem Angriff wo auch immer er stattfindet abbremsen zu können. Mit Freiwilligkeit kommen wir hier nicht weiter. Brauchen Sie erst 100.000 russiche Soldaten an der Grenze Litauens um zu verstehen dass in 5 Jahren x 5.000 Mann nur 25.000 ergeben. In Einem Monat sind die verschlissen. Ich wünschte ja Sie haben Recht – aber leider ist die Welt eine Andere.
Dilbert sagt….Bzgl. einer Wehrpflicht für Frauen kann es nicht sein, dass man vehement ( und auch zu Recht) Frauenrechte einfordert ( z. B. gleiche Bezahlung, Quote für Führungskräfte etc.), aber bei der Wehrpflicht sagt, dass das mal lieber die Männer machen sollen. „““
Sehr schön nd treffend formuliert. Und da entlarvt sich die Politik & Gesellschaft selbst. Es müsste mal Einer aufstehen und sagen dass er für bedingungslose Gleichberechtigung eintritt. Was wir diskutieren ist in skandinavischen Staaten und Israel längt konsens. Und keiner würde diesen Ländern Unfairness vorwerfen. Die Wehrpflicht für Männer ist mit einer einfachen parlamentarischen Mehrheit in Kraft zu setzen weil se ja schon eingeführt ist. Ich bin dann jedoch auf die Erste Klage einer Frau gespannt die ihr Recht einfordert. Kann nämlich auch so laufen. Was dann?
@Nico, warum sollte eine Frau gegen eine Wehrpflicht für Männer klagen? Wenn sie will darf sie ja freiwillig zur Bundeswehr und inzwischen auch überall.
Noch ein Gedanke der bei der neuen „Bezahlungsordnung“ der 6 Monate (+) Zeitsoldaten aufkommen könnte und weiter oben schon angedeutet wurde:
Man könnte auf den Gedanken kommen das sich dann Schulabbrecher, aus zerrütteten Elternhäusern stammende Kinder oder, oder… hier häufen könnten ( das soll keine Verurteilung sein ! ).
Einzige Gemeinsamkeit wäre der deutsche Pass…
Man darf gespannt sein wie die Auswahl seitens der zuständigen Stellen ablaufen wird… und was denn genau die angedachten Mindestvoraussetzungen sind.
Ich kann mich noch an diesen BW-Test im kalten Krieg erinnern. Der war irgenwann um die Musterung herum.
Irgendwann kam dann ein Brief mit den „entdeckten“ Fähigkeiten bzw. mögliche Verwendungen.
Das fand ich zumindest interessant und gut organisiert…
Eines war „damals“ aber recht einfach bei der persönlichen Entscheidungsfindung.
Auslandseinsätze waren qua Gesetz verboten. Und selbst nach den Änderungen in den 1990er Jahren waren Wehrpflichtige ausgenommen.
Irgendwie ist das heute unklar…
@ Dilbert: es hieß auch mal Eigentum verpflichtet. Ist halt alles Auslegungssache.
@Alexander:
Eine in mehreren Bundesländern und im Bund als gesichert extremistische Partei wollen Sie nutzen, um dass Grundgesetz zu ändern. Was genau soll man denn da als Soldat:in noch gegen wen verteidigen? Irgendwann ist es dann auch beliebig bzw. Entgegen dem Eid.
[Ich sehe die Gefahr, dass es jetzt sehr schnell zu einer parteipolitischen Auseinandersetzung wird. Bitte nicht. T.W.]
@Apollo 11 @Y-998201
Ja, die Drop Outs und Sozialversager, wer kennt sie nicht. In der französischen Armee werden sie genommen und dann „auf Kurs“ gebracht.
Oftmals ist das die letzte Möglichkeit sich vom Milieu zu lösen und einen strukturierten und geregelten Tagesablauf zu haben. Wie sagte mir diesbezüglich ein französischer Kamerad: „L’armée, c’est un cadre de vie“, man bietet denen, die erkannt haben, daß sie in ihrem Leben etwas ändern müssen, eine neue Lebensalternative, eine Heimat.
Das erfordert natürlich einen hohen Erziehungsaufwand, das war aber bei der alten Wehrpflichtarmee nicht anders. Das übrige tun dann die Kameraden.
Ich hoffe, dass die Mitglieder des Nationalen Sicherheitsrates sich sehr schnell zusammenfinden und schon einmal über die „What if´s“ diskutieren..
Ich halte einen großangelegten Angriff der RF an der NATO Ostgrenze aktuell für sehr unwahrscheinlich. Sehr wohl aber wird WWP die NATO „antesten“. Das geschieht in hybrider Form tagtäglich, ob mit UAV über EU KRITIS, deutschen Truppenübungsplätzen und Kasernen, oder indem Frachter Unterseekabel mit dem Anker beschädigen.
Was ist die nächste Eskalation? Eine Brigade der RF „verfährt sich ganz aus Versehen“ einige km auf NATO Gebiet? Uuuhps, Entschuldigung der Kompaß war verdreht. Oder eine „verirrte“ Drohne trifft nicht nur ein Feld in einem NATO Staat, sondern tötet Menschen. Was dann?
@Apollo11: Sie kennen noch die von den Ausbildern vorgenommene Wertung hinsichtlich der Quartale? Zum Winter hieß es immer: „MMM – Metzger, Maurer, Mörder…“ Das waren dann die, die dann freie Zeit oder keine andere Wahl hatten, als eingezogen zu werden. Tollste Bedingungen für schöne Tage im Gelände oder 48h-Biwak im Schnee. (Gab’s damals ja noch im Winter, in der Eifel oder in Goslar sowieso).
Im Sommer kamen mit Masse Abiturienten und auch Leute, die wenigstens bisschen was in der Birne hatten, und denen es gelungen war, durch Rückstellungen oder freiwillige Musterung zu erreichen, dass sie dann wenigstens bei schönem Wetter eingezogen wurden.
Bei der Marine gab es z.T. ähnliche Sprüche. „Nur die Dummen fahren zur See, und die besonders Dummen im Winter!“ Nicht beleidigt sein, liebe Freunde von Salz und Gischt, ich gebe nur weiter, was mir berichtet wurde.
Es wird auch immer Leute geben, denen gar keine andere Perspektive bleibt, als der Kommiß, wenn sie nicht kriminell werden wollen. Skill issue is real. Aber das bedeutet noch lange nicht, dass wir die Streitkräfte abschreiben können und hinnehmen müssten, dass sich dort ein Hort verfassungsfeindlicher Bestrebungen bilden kann. Der Vorgesetzte hat gegenüber seinen Unterstellten Soldaten bekanntlich neben der Führung und Ausbildung auch die Kernaufgabe der Erziehung. Innere Führung und so.
Fans der Geschichte erinnern sich an die „Zusammenziehung der Versicherungsvertreter“ in einem Kloster in der Eifel…
Interessant ist vor allem, dass selbst nach eigener Aussage der Bundeswehr die volle Umsetzung des Konzepts der „Inneren Führung“ in der neu entstandenen Truppe erheblichen Widerständen begegnete. Letztlich hat das System sich dann doch durchgesetzt. Freilich lebt es – wie alle organisatorischen Grundsätze – aber vom Mitmachen und davon, dass es mit Leben gefüllt bleibt und nicht zur bloßen Phrase verkommt.
In dieser Diskussion wird meiner Meinung nach viel durcheinander geworfen. Zum einen ist nicht geplant, die Allgemeine Wehrpflicht wieder einzuführen mit ca. 300.000 Rekruten jedes Jahr wie Anfang der 1980er.
Wie ich gelesen habe, sollten ca. 20 – 30.000 neue Rekruten (die auch dabei bleiben) pro Jahr ausreichen, die Nato Anforderungen für die nächsten Jahre zu erfüllen. Das sollte logistisch möglich sein (Musterung und Unterbringung). In Bundeseigentum sind noch zahlreiche geeignete Liegenschaften vorhanden.
Hinsichtlich des möglichen Einsatzes von Friedenstruppen (nach einem Waffenstillstand) in der Ukraine ist es ja nicht so, dass diese Truppen die Verteidigung direkt und alleine übernehmen sollen. Dafür ist die ukrainische Armee zuständig und hat das bis heute – unter den gegebenen Umständen – hervorragend gemacht.
Ausländische Friedenstruppen sollen spezielle Fähigkeiten übernehmen und die ukrainische Armee am dann hoffentlich reichlich gelieferten Material ausbilden (z.B. Flugabwehr, Seeüberwachung etc.).
Hinsichtlich der Akzeptanz einer Wehrpflicht und dem Prozentsatz der das Land auch mit der Waffe in der Hand verteidigen (hier ca. 40%) will kann ich nur sagen: meine Alterskohorte hat 1981 auch die Wehrpflicht – wenn auch mit murren – akzeptiert. Heutzutage wird es ähnlich sein.
Es reicht bei Weitem aus, wenn 40% (bei einer repräsentativen Verteilung der Befragten, Männer / Frauen / Ältere und Junge) das Land verteidigen will.
Bitte nicht alles so schwarz sehen, wenn es notwendig ist, kann dieses Land vieles schnell auf die Beine stellen.
@Apollo 11 sagt:
01.09.2025 um 20:04 Uhr
„Auslandseinsätze waren qua Gesetz verboten.
Und selbst nach den Änderungen in den 1990er Jahren waren Wehrpflichtige ausgenommen.“
„Richtige“ Wehrpflichtige wird es ja mit hoher Wahrscheinlichkeit in absehbarer Zeit nicht geben…
Und für die neuen SaZ 6 bis 23 Monate wird gelten:
Soldatengesetz
„§ 40 wird wie folgt geändert:
Nach Absatz 8 wird der folgende Absatz 9 eingefügt:
„ Eine besondere Verwendung im Ausland im Sinne des § 56 Absatz 1 Satz 1 des Bundesbesoldungsgesetzes von Soldaten auf Zeit, die sich für nicht länger als zwölf Monate zu einem Wehrdienst verpflichtet haben, bedarf einer gesonderten schriftlichen Verpflichtungserklärung. Von der Verpflichtung nach Satz 1 kann der Soldat auf schriftlichen Antrag entbunden werden. Dem Antrag ist stattzugeben, wenn die besondere Verwendung im Ausland wegen persönlicher oder familiärer Gründe eine besondere Härte bedeuten würde.“
Begründung des Gesetzgebers:
„Der neue Absatz 9 übernimmt die bisher für den FWDL in § 58e enthaltene Regelung. Im Hinblick auf die Kürze des Wehrdienstverhältnisses und die damit korrespondierende militärische Ausbildung kommt für diese SaZ eine besondere Verwendung im Ausland regelmäßig nicht in Betracht.“
Und sollte es Wehrpflichtige durch Beschluss Regierung und BT geben…
Gilt für diese ja das Wehrpflichtgesetz.
Die darin vorgesehenen Änderungen bewirken:
„Die Streichung der bisherigen §§ 6a, 6c und 6d (besondere Auslandsverwendung, Hilfeleistung
im Innern und Hilfeleistung im Ausland) WPflG erfolgt im Zuge einer Konsolidierung der
Wehrdienstarten im WPflG und im SG. Anstelle der bisherigen Doppelregelung in WPflG und SG
werden die freiwilligen Wehrdienstarten der besonderen Auslandsverwendung, der Hilfeleistung
im Innern und der Hilfeleistung im Ausland künftig ausschließlich im SG geregelt. Diese können
aufgrund der Regelungen in den §§ 59 und 80 SG auch nach Aktivierung der Wehrpflicht auf
Basis der entsprechenden Vorschriften im SG freiwillig geleistet werden.“
Aber beide Fälle betreffen doch nicht den Verteidigungsfall gemäß Grundgesetz,
auch im Rahmen eines Bündnisfalls. Dann gehen alle z.B. auch an die Front in Polen…
Karl Nutzler sagte am 31.08.2025 um 17:24 Uhr: „Aus meiner Sicht ist die geplante Wiedereinführung oder Ausweitung des Wehrdienstes problematisch, weil sie die individuelle Freiheit junger Menschen stark einschränkt und eine Rückkehr zu einer veralteten Militarisierung der Gesellschaft bedeutet. Zwangsdienste wie Musterung und Wehrpflicht stehen im Widerspruch zu modernen Prinzipien von Selbstbestimmung und gesellschaftlicher Teilhabe. Sicherheit sollte auf freiwilligem Engagement, Überzeugung und demokratischer Legitimation beruhen, nicht auf staatlichem Zwang.“
Ja, und versuchen Sie das mal einem Vertreter der aktuellen russischen Führung entgegenzuhalten, wenn er in Ihr Dorf / Ihre Stadt kommt und auf Ihre Familienmitglieder trifft. Die Wehrpflicht ist eine deutlich geringere Einschränkung dieser Werte und Prinzipien als dass, was den Menschen unter aktueller russischer Herrschaft geschieht. Wenn Sie eine bessere Idee haben, wie die Gräuel von Butscha und die anderen grausamen Menschenrechtsverbrechen verhindert werden können, dann bitte heraus damit! Handel, Diplomatie und friedlicher Wettbewerb der Gesellschaftssysteme haben gegenüber der aktuellen russischen Führung nicht so richtig gut gefruchtet.
Wer eine Wehrpflicht für Frauen fordert, kann ja vielleicht mal angestrengt darüber nachdenken, warum es nach wie vor eine Gesellschaft gibt, die aus lebendigen nachwachsenden Menschen besteht. Dass nur Männer der Wehrpflicht unterliegen, ist mit Betrachtung der massiven Einschnitte in der Lebensgestaltung, welche Schwangerschaft, Geburt und Mutterrolle insbesondere für Kleinkinder bedeuten, nur mehr als fair. Und es soll bitte niemand damit kommen, dass Kinder eine bewusste Entscheidung seien, ohne diese bricht in Zukunft schlichtweg alles zusammen, auch ohne Angriff auf die NATO.
Zum Einsatz von Wehrpflichtigen in den östlichen NATO-Staaten: im kalten Krieg hätten Wehrpflichtige im Rahmen von AMF und Marine auch nicht nur in Deutschland gekämpft. Es fehlt schlichtweg an ehrlicher öffentlicher Kommunikation der Politik.
@Thomas Melber
Dann würde ich Mal anfangen an der Qualität und Kompetenz der Erzieher zu arbeiten bevor es die die Sanität, Polizei und Staatsanwaltschaft tun?
Platzeck ist für mich nicht Mal als Vorgesetzter geeignet, noch weniger als Ausbilder.
@Metallkopf
Mit Kompetenz und vernünftiger Ausrüstung sollte der Winter kein Problem sein.