Brandbrief des KSK-Kommandeurs gegen Rechtsextremisten: „Sie gehören nicht zu uns!“ (Neufassung)

Nach dem jüngsten bekanntgewordenen Fall eines mutmaßlichen Rechtsextremisten im Kommando Spezialkräfte (KSK) der Bundeswehr hat sich dessen Kommandeur in einem Brandbrief an seine Soldaten gewandt. Wer nicht für die Verfassung eintrete, verdiene die Kameradschaft der Einheit nicht, schrieb Brigadegeneral Markus Kreitmayr in einem Rundbrief an das Kommando. Das KSK werde die Aufklärung der Vorfälle mit aller Kraft vorantreiben.

In den vergangenen Jahren waren bei der Eliteinheit wiederholt Rechtsextremisten enttarnt worden. Im jüngsten Fall war Mitte Mai gegen einen Oberstabsfeldwebel der Einheit Haftbefehl erlassen worden, nachdem auf seinem Privatgrundstück in Sachsen Waffen und Munition gefunden worden waren. Außerdem wurden dabei nationalsozialistische Devotionalien sichergestellt. Bereits zuvor hatte der Militärische Abschirmdienst (MAD nach Enttarnung von Rechtsextremisten im Kommando das KSK zu einem Arbeitsschwerpunkt erklärt.

Der KSK-Kommandeur bezeichnete in seinem vergangene Woche versandten Schreiben den Vorfall um den festgenommenen Oberstabsfeldwebel als schockierenden Höhepunkt. Der Fall stelle eine neue alarmierende Qualität dar, schrieb Kreitmayr. Zugleich appellierte er an die Soldaten des Verbandes, gegen Rechtsextremisten in den eigenen Reihen anzugehen:

Wir müssen uns dieser Realität stellen, denn unser aller Ruf, die Reputation unseres Verbands und das Ansehen der Bundeswehr stehen auf dem Spiel. Gerade an uns, als dem Kern der Spezialkräfte der Bundeswehr, müssen die höchsten Ansprüche an Haltung, Pflichterfüllung und treues Dienen gestellt werden. Ein tadelloser Charakter, eine gereifte und stabile Persönlichkeit sowie ein unerschütterliches Wertefundament, basierend auf den Werten unserer freiheitlich demokratischen Grundordnung, müssen der Anspruch an uns selbst, also an jede und jeden in unserem Team, sein. Denn die Werte unseres Grundgesetztes verleihen unserem Dienen erst Sinn, Wirkung und damit Wert. (…)
Wir haben geschworen, der Bundesrepublik Deutschland treu zu dienen und das Recht und die Freiheit des deutschen Volkes tapfer zu verteidigen. Das heißt, Verfassungstreue ist unsere Pflicht und Mäßigungsgebot sowie Wohlverhaltenspflicht gehören untrennbar dazu. So haben wir unsere Verfassung nicht nur anzuerkennen, sondern müssen aus innerer Überzeugung und Pflichtbewusstsein innerhalb und außerhalb des Dienstes, ob in oder ohne Uniform, aktiv für sie eintreten und sie verteidigen. Der Präsident des BAMAD [Bundesamt für den Militärischen Abschirmdienst] bringt es in seinem Vorwort zum MAD-Report 2019 auf den Punkt:
„Verfassungspatriotismus ist unser Beruf“
Damit rufe ich all diejenigen, die sich möglicherweise noch in unseren Reihen befinden und genau wissen, dass sie diesen verbindlichen Ansprüchen und Anforderungen nicht gerecht werden oder gar mit dem rechten Spektrum sympathisieren, klar, unmissverständlich und entschlossen zu:
Sie verdienen unsere Kameradschaft nicht!
Sie gehören nicht zu uns!
Sie sollten aus eigenem Antrieb unseren Verband und die Bundeswehr verlassen!
Tun Sie es nicht, werden Sie feststellen, dass wir Sie finden und entfernen werden!

Kreitmayr sicherte zugleich zu, dass bei jedem Verdachtsfall die rechtsstaatlichen Grundsätze und Regelungen der Wehrdisziplinarordnung gewahrt würden. Vorverurteilungn oder Verallgemeinerungen, von denen das ganze KSK betroffen wäre, müssten unterbleiben. Die weit überwiegende Mehrheit der Soldaten des Verbandes diene tadellos, vorbildlich verfassungstreu und hoch motiviert und habe das Recht, nicht unter Generalverdacht gestellt zuwerden.

Doch um dieser berechtigten Forderung Nachdruck zu verleihen, müssen wir als Gemeinschaft auch unseren Beitrag zur Veränderung entschlossen und wahrhaftig leisten, betonte der Kommandeur.  Er rief die Verfassungspatrioten des Kommandos Spezialkräfte auf: Gemeinsam werden wir das Kommando Spezialkräfte der Zukunft gestalten.

Nachtrag: Angesichts des erkennbaren Interesses (und da der Brief nicht eingestuft ist) hier komplett zum Nachlesen:
20200518_KSK-Brief_Kreitmayr

(Archivbild Juni 2018: KSK-Vorführung am Tag der Bundeswehr am Militärhistorischen Museum in Dresden – Christian Thiel/Bundeswehr)

118 Gedanken zu „Brandbrief des KSK-Kommandeurs gegen Rechtsextremisten: „Sie gehören nicht zu uns!“ (Neufassung)

  1. Mir stellt sich hier erneut die Frage nach den Vorbildern.
    Diese fehlen doch sehr in Politik und Gesellschaft.
    Und die wenigen Soldaten, die es gab, wurden in vorauseilendem Gehorsam entfernt.

    Beispiel Fußball : Bestechungen blieben ungeahndet (wegen Corona)
    Verkehrsminister, BmVg ungeahndet.

    Da fragt man sich schon, wo denn gesunde Werte herkommen sollen, ohne von der Presse zerrissen zu werden.

    [Ich verstehe jetzt Ihre Analogien zu Fußball, Verkehrsminister und dem „ungeahndeten“ Verteidigungsministerium nicht? Und welche Soldaten wurden „in vorauseilendem Gehorsam entfernt“? Kurz: was wollen Sie sagen? T.W.]

  2. – Zitat-Anfang
    „Verfassungspatriotismus ist unser Beruf“
    Damit rufe ich all diejenigen, die sich möglicherweise noch in unseren Reihen befinden und genau wissen, dass sie diesen verbindlichen Ansprüchen und Anforderungen nicht gerecht werden oder gar mit dem (!) rechten Spektrum sympathisieren (!), klar, unmissverständlich und entschlossen zu:
    Sie verdienen unsere Kameradschaft nicht!
    Sie gehören nicht zu uns!
    Sie sollten aus eigenem Antrieb unseren Verband und die Bundeswehr verlassen!
    Tun Sie es nicht, werden Sie feststellen, dass wir Sie finden und entfernen werden!
    – Zitat-Ende

    Mittlerweile gilt also die politische Verortung „rechts“ als unvereinbar mit der Mitgliedschaft im KSK bzw. der Bundeswehr. Zumindest, wenn es nach Brigadegeneral Kreitmayr geht. Sagt er das aus innerer Überzeugung oder aus vorauseilendem Gehorsam?

  3. @Daniel Maier sagt: 26.05.2020 um 14:49 Uhr
    „Mittlerweile gilt also die politische Verortung „rechts“ als unvereinbar mit der Mitgliedschaft im KSK bzw. der Bundeswehr.“

    Ich denke dazu hat @Landmatrose3000 im anderen Faden die richtige Erklärung/Einordnung gefunden:
    „Ich ahne schon die Reaktion wegen der Verwendung des Begriffs „Rechtes Spektrum“ durch BG Kreitmayr denke mir mal den impliziten Zusatz „ mit fehlender Verfassungstreue“ dazu, und empfehle das allseits auch so zu machen. Den CSU-Wähler und den verfassungstreuen Konservativen wird er wohl kaum gemeint haben.“

  4. Allerhöchsten Respekt vor der Anssage von Brigadegeneral Kreitmayr.

    @Daniel Maier – Sie wissen ganz genau, dass er damit nicht „ein bisschen rechts“ und „nur konservativ“ gemeint hat.

  5. @Gömann

    Es fehlt aber auch bereits an Vorbildern, und zwar sowohl auf individueller wie auch auf organisatorischer Ebene. Während Träger des Victoria Cross oder der Medal of Honor in ihren Armeen als lebende Legenden gelten, nach denen auch schon mal Kriegsschiffe benannt werden, konnte keine Verleihung des Ehrenkreuzes für Tapferkeit ohne obrigkeitliche Warnungen vor einem Heldenkult erfolgen.

    Wie bizarr unsere Maßstäbe im Vergleich zu jenen anderer Staaten sind, lässt sich derzeit schön am Beispiel des Generals Sembritzki ablesen, jetzt Stabschef der US-Armee in Europa. Die Amerikaner sind stolzer auf diesen deutschen Offizier, der in Afghanistan weit über das Maß der Pflichterfüllung gehende persönliche Tapferkeit gezeigt hat, als es die Bundeswehr jemals wahr.

    Auch unterschätzt oder ignoriert die Politik den positiven Einfluss, den eine lange Traditionslinie einer Organisationseinheit auf das Verhalten ihrer Mitglieder entfalten kann.

    Dieses Phänomen ist in der militärischen und selbst in der zivilen Welt bestens dokumentiert. So gibt es Studien, die zeigen, dass Produktivität und Motivation einer Belegschaft steigen, wenn ein Unternehmen ein langes Bestehen in seine Corporate Identity übernimmt, also bspw. mit Slogans wie „seit über 100 Jahren für Sie da“.

    An dieser Stelle sei bemerkt, ich versuche hier keineswegs, rechtsextremistische Umtriebe als Betriebsunfälle darzustellen, quasi als unschuldige Folge schlechter Führung. Dem ist nicht so.

    Vielmehr erkläre ich sie damit, dass eine Organisation, die sich aus der Gesellschaft rekrutiert, eben leider auch deren zersetzende Elemente absorbiert. Und vielleicht führt die organisatorische Abgeschiedenheit des KSK auch zu einer Art Echo-Kammer, in der es an Korrektiven fehlt.

    Aber es kann doch keine zwei Meinungen darüber geben, dass die Bundeswehr in einem malignen Identitätskonflikt steckt, wenn sie im Austausch mit anderen Streitkräften als Teil einer langen deutschen militärischen Tradition gesehen wird, selbst aber so tun muss, als sei irgendwann vom Himmel gefallen. Es entstehen Lücken und Brüche, die sich mancher selber füllt.

    In diesem Sinne habe ich es immer bedauert, dass man die Gelegenheit verpasst hat, die Armeen von 1871 bis 1945 in die Traditionslinie der Bundeswehr einzubeziehen und ihre Verbrechen als Hypothek zu begreifen, als Auftrag, es besser zu machen. Stattdessen verharrt die Bundeswehr in einem Limbus, der mich an die Schilderungen meiner Großeltern erinnert, wie man in den Wirtschaftswunderjahren mit dem Dritten Reich umging.

    Aber auch der absurde Übereifer, mit dem der Traditionserlass durchgesetzt wird, kann den antiextremistischen Bestrebungen der Streitkräfte nur schaden.

    Wer etwa den Fallschirmjägern den Leitspruch „Treue um Treue“ verbietet, obwohl jegliche Auslegungsmöglichkeit des Mottos positiver Natur ist und kameradschaftliche Treue sogar zu den ausdrücklichen Soldatenpflichten gehört, erweckt den Eindruck der politischen Korrektheit, mit der Folge, dass auch sinnvolle und erforderliche Entscheidungen von den Betroffenen als unsinnig abgetan und abgelehnt werden. (Insbesondere in diesem Falle, da die Bezeichnung „Fallschirmjäger“ vielleicht sogar politisch aufgeladener ist als „Treue um Treue“.)

    Wer zu oft ohne ersichtlichen Grund „Es brennt!“ ruft, riskiert eben, dass keiner mehr auf seine Warnungen achtet, wenn es wirklich brennt.

  6. Vorsorglich der Hinweis: Es geht bei dem Schreiben Kreitmayrs nicht um den Traditionserlass.

  7. Sollte man Faxnummer und Telefonnummer des Schreibens nicht besser schwärzen , auch wenn er nicht eingestuft ist ? ( Oder ist der Brief mit ungeschwärzten Telefonnummern sowieso schon medial im Umlauf) ?

    [Da der DBwV das Schreiben ebenso veröffentlicht hat, ist das Thema glaube ich erledigt. T.W.]

  8. Offensichtlich der erste Kommandeur, der sich dieser Thematik mal mit der nötigen Ernsthaftigkeit annimmt. Wobei Worte ja schon genug gesprochen wurden. Danach wurde meist an den Symptomen gedoktert, bis die Presse das Interesse verloren hat.

    Mal ehrlich, das was die letzten 10 Jahre (und länger) in Calw läuft ist doch eine Farce.
    Angefangen mit General Günzel und seinen fragwürdigen Einlassungen zum Thema „Brandenburger“.
    Dann „Hauptmann Daniel“ und seine fragwürdige Mail an Oberstleutnant a.D. Rose vom Darmstädter Signal.
    Die Kompaniechefparty mit Schweinsköpfen und Amüsierdame.
    Ablösung des stellvertretenden Kommandeurs.
    Hannibal der „Netzwerker“.
    Jetzt der Oberstabsfeldwebel mit Kalashnikov.
    Und das sind mit Sicherheit nur die öffentlich bekannten Verfehlungen.

    Wie viele Nackenschläge braucht das KSK eigentlich noch, um zu verstehen, dass so ein Verband auch irgendwann mal ausgespielt hat und aufgelöst wird? Damit wären dann über 20 Jahre Kommandoexpertise der Bundeswehr in der Mülltonne. Reife Leistung.

    Wenn es dem jetzigen Kommandeur nicht gelingt, Disziplin und Ordnung in seine Truppe zu kriegen, dann gute Nacht Marie.

  9. – Zitat Anfang
    @Daniel Maier sagt: 26.05.2020 um 14:49 Uhr
    „Mittlerweile gilt also die politische Verortung „rechts“ als unvereinbar mit der Mitgliedschaft im KSK bzw. der Bundeswehr.“

    Ich denke dazu hat @Landmatrose3000 im anderen Faden die richtige Erklärung/Einordnung gefunden:
    „Ich ahne schon die Reaktion wegen der Verwendung des Begriffs „Rechtes Spektrum“ durch BG Kreitmayr denke mir mal den impliziten Zusatz „ mit fehlender Verfassungstreue“ dazu, und empfehle das allseits auch so zu machen. Den CSU-Wähler und den verfassungstreuen Konservativen wird er wohl kaum gemeint haben.“
    – Zitat Ende

    Ein Brigadegeneral sollte sich der Macht seiner Worte bewusst sein. Der von Landmatrose3000 angedachte implizite Zusatz mag tatsächlich zutreffen, er muss es aber nicht. Zwischen Konservativen und Rechten gibt mal mehr, mal weniger deutliche Unterschiede. Es sind keine Synonyme. Auch dezidiert rechte Einstellungen liegen innerhalb des von der Verfassung und Gesetz vorgegeben Rahmen. Alles andere ist Rechtsextremismus.
    Das geht aus dem vom Brigadegeneral geschriebenen Brief nicht hervor.

  10. Mir hat mal jemand gesagt:
    „Wenn man aus der dümmsten Luftlandebrigade Deutschlands eine Spezialeinheit macht, kriegt man nur das KSK.“
    Das ist wohl unfair, den ganzen wirklich guten Soldaten dieses Verbandes gegenüber, aber der Kern der Aussage ist nicht ganz falsch. Wer sich an die NAGOLD Brigade erinnert, weiß was ich meine.

  11. Ob jetzt der komplette Briefkopf mit Telefonnummern frei im Netz….?

    Mir gefällt der Brief sehr, eine tolle Ansprache!

  12. @Gorgon Stare sagt: 26.05.2020 um 15:39 Uhr
    „Offensichtlich der erste Kommandeur, der sich dieser Thematik mal mit der nötigen Ernsthaftigkeit annimmt.“

    Soso, ist das so?

    Selbst wenn man die These akzeptieren würde (und ich tue das ausdrücklich nicht!), dann wäre sie zumindest mit Blick auf die Kommandeure von Buttler und Hartbrod nachweisbar falsch und vermutlich würde man auch Gen Sollfrank Unrecht tun.

    Aber so oder so verweigere ich mich der zugrunde liegenden Unterstellung.

    @pirat77 sagt: 26.05.2020 um 15:47 Uhr
    „Mir hat mal jemand gesagt:
    „Wenn man aus der dümmsten Luftlandebrigade Deutschlands eine Spezialeinheit macht, kriegt man nur das KSK.“
    Das ist wohl unfair, den ganzen wirklich guten Soldaten dieses Verbandes gegenüber, aber der Kern der Aussage ist nicht ganz falsch. Wer sich an die NAGOLD Brigade erinnert, weiß was ich meine.“

    Da bleibt mir fast die Spucke weg.

    Das ist nicht nur unfair, eine solche Aussage ist unverschämt, rufschädigend, unkameradschaftlich und neben bei mit dem Menschenbild der Inneren Führung und der FDGO nicht vereinbar.

    Treten Sie vielleicht mal bitte einen Schritt zurück und überlegen Sie auf wie vielen Ebenen (intellektuell und menschlich) Ihre Unterstellungen außerhalb des Sehstreifens liegen!

  13. Sehr guter Brief und ein wichtiges Signal an den Verband und seine „gepatchten“ Mitglieder im speziellen. Als Kommandeur muss man voran gehen und BG Kreitmayr stärkt den Verfassungspatrioten seines Verbandes mit diesen Worten unmissverständlich den Rücken. Deutlicher geht es nicht.
    Weiterhin (leider) bemerkenswert das es dieses Signal braucht.
    Verfassungspatriotismus äußert sich nicht nur in starken Worten, sondern im täglichen Arbeiten, Verhalten und Äußerungen in Wort und Schrift. Gegen rechte Spinner dauernd anzureden kann auf die Dauer auch ermüdend sein. Umso wichtiger ist es dabei nicht nachzulassen und solche Elemente einzuschränken und zu entfernen. Mit den Worten des Generals wissen seine Untergebenen auf welcher Seite er steht. Auf der der Verfassungspatrioten.

  14. – Zitat Anfang
    Allerhöchsten Respekt vor der Anssage von Brigadegeneral Kreitmayr.

    @Daniel Maier – Sie wissen ganz genau, dass er damit nicht „ein bisschen rechts“ und „nur konservativ“ gemeint hat.
    – Zitat Ende

    Nein, das geht aus dem Brief ja gerade nicht hervor.
    Was aus dem Brief hingegen vorgeht, ist ein ungeklärtes Verhältnis zur Abgrenzung von „rechts“ und „rechtsextrem“ durch Brigadegeneral Kreitmayr.

  15. @Koffer
    „Ich denke dazu hat @Landmatrose3000 im anderen Faden die richtige Erklärung/Einordnung gefunden“

    Wenn er das gemeint hätte, dann hätte er nicht das Wort „oder“ benutzt, sondern „und“. Und hätte er es auch so meinen wollen, wie sie es hindeuten, dann hätte er sich auch keinen Zacken aus der Krone gebrochen, wenn er „extrem“ an das Wort angehangen hätte.

    „„Verfassungspatriotismus ist unser Beruf“
    Damit rufe ich all diejenigen, die sich möglicherweise noch in unseren Reihen befinden und genau wissen, dass sie diesen verbindlichen Ansprüchen und Anforderungen nicht gerecht werden ODER [anstatt UND] gar mit dem rechten [anstatt RECHTSEXTREMEN] Spektrum sympathisieren, klar, unmissverständlich und entschlossen zu“

    Er sagt somit ausdrücklich, dass diejenigen, die mit dem „rechten Spektrum“ sympathisieren verfolgt werden, selbst wenn sie den „verbindlichen Ansprüchen und Anforderungen“ entsprechen.

    Für mich steht fest, und das nicht nur bezogen auf die Wortwahl in diesem Fall, dass es hier nicht um extremistische Tendenzen geht, sondern um die generelle Verfolgung von Gesinnungen geht. George Orwell schrieb von „Gedankenverbrechen“, aber im Grundgesetz ist auch die Rede davon, dass niemand wegen seiner „politischen Weltanschauungen benachteiligt“ werden darf.

    Als jemand, der selber eine Diktatur erlebt hat, weil er darin aufgewachsen ist, schrillen bei mir sämtliche Alarmglocken. Ich sehe die Entwicklungen in diesem Land (auch in anderen Bereichen) mit sehr großer Sorge.

  16. Ich finde es persönlich echt spannend, wie man dieses Schreiben, wenn man selbst auf dem Boden der Verfassung steht, so interpretieren kann, dass hier alles rechts der SPD als nicht dazugehörig bezeichnet werden soll. Ich wiederhole es gern immer wieder: Wer sich wirklich ernsthaft durch solche Worte verunsichert fühlt, hat da möglicherweise auch einen Grund zu.

    Ich finde das Medium recht spannend, insbesondere bei so einem kleinen Verband. Also ja, da kommt der Kommandeur mal ungefiltert durch, aber über zwei Stufen sollte es doch möglich sein, dass den Soladten gruppenweise ins Gesicht zu sagen. Oder andersherum: Mir ist ein bisschen unklar, wie nicht-verfassungstreue Haltungen da NICHT auffallen können. Mal abgesehen von wirklich klandestinem Verhalten.

    Zuletzt sei angemerkt, dass ja auch der große Verbündete innerhalb seiner Spezialeinheiten in letzter Zeit häufig Disziplin- und Haltungsprobleme bekommen hat. Dass menschenverachtende Grundeinstellungen sich am Ende auch gegen Kameraden richten können und deswegen auch im Sinne der Kampfkraft nicht wünschenswert sind, kann man dort im Einzelfall auch sehen.

  17. „Für mich steht fest, und das nicht nur bezogen auf die Wortwahl in diesem Fall, dass es hier nicht um extremistische Tendenzen geht, sondern um die generelle Verfolgung von Gesinnungen geht. George Orwell schrieb von „Gedankenverbrechen““

    @Sanjäger
    „Wer sich wirklich ernsthaft durch solche Worte verunsichert fühlt, hat da möglicherweise auch einen Grund zu.“

    quod erat demonstrandum

  18. Da gerade einige wieder komplett freidrehen und dem Kommandeur KSK vorwerfen, Meinungsfreiheit einzuschränken, weil er angeblich gegen „Rechte“ vorgehen will, ein Zitat aus dem Brief: „Ob durch ihre fehlende Verfassungstreue, ihre Nähe zur Bewegung der Reichsbürger oder ihre rechtsextremistische Gesinnung und Unterstützung rechtsextremistischer Ideologien.“
    Wenn ihr verstehen wollt, ist der Satz klar, oder braucht ihr noch ein Handpuppenvideo? Rechtsextrem, fehlende Verfassungstreue, Nazis, Reichsbürger. All das Kroppzeug, das sich außerhalb der FDGO stellt. Die haben in der Bundeswehr nichts verloren. Wer sich jetzt in Wortklauberei hineinbegibt, will das Problem nicht sehen, verharmlost es und trägt nur dazu bei, dem Ansehen der Bundeswehr und des KSK zu schaden

  19. @ Max Kleine
    Ihr Beitrag trifft den Nagel auf den Kopf!

    – Zitat Anfang
    Ich finde es persönlich echt spannend, wie man dieses Schreiben, wenn man selbst auf dem Boden der Verfassung steht, so interpretieren kann, dass hier alles rechts der SPD als nicht dazugehörig bezeichnet werden soll. Ich wiederhole es gern immer wieder: Wer sich wirklich ernsthaft durch solche Worte verunsichert fühlt, hat da möglicherweise auch einen Grund zu.
    – Zitat Ende
    Spannend finde ich, wie man die in Frage stehende Aussage so fehlinterpretieren kann, wie Sie es tun.
    Wenn diejenigen Soldaten, die „mit dem rechten Spektrum sympathisieren“ die Bundeswehr bitte zu verlassen haben, dann offenbart sich darin eine Auffassung, die das politisch zulässige Spektrum unzulässig verengt. Übrigens ist auf der politisch rechten Seite sehr viel Platz geschaffen worden durch Angela Merkel, spätestens seit 2015.

  20. Den Freunden des selektiven Lesens empfehle ich den Kommentar von Carlo Masala etwas weiter oben.

  21. @Max Kleine

    Also Bitte, wenn das Ihre Argumentationsschiene sein soll?
    Als jemand, der ebenfalls eine Diktatur erlebt hat, weil er darin aufgewachsen ist, schrillen bei mir sämtliche Alarmglocken. Ich sehe die Entwicklungen in diesem Land (auch in anderen Bereichen) mit sehr großer Sorge.
    „Wir werden sie jagen!“[sic]
    „Wir holen uns unser Land zurück!“[sic]
    Die Wahlerfolge der AfD insgesamt?
    Das Thüringen Erlebnis?

    Damit ist dieser OT für mich beeendet.

  22. @Daniel Maier
    Scheinbar wollen Sie es nicht verstehen. Carlo Masala hat ja die entsprechende Passage aus dem Brief zitiert (falls Sie den noch nicht gelesen haben sollten holen Sie das bitte nach, es lohnt sich!). Jeder der nicht zur FDGO steht hat in der BW absolut NICHTS zu suchen. Ja, BG Kreitmayr hätte evtl. besser rechtsextrem als rechts schreiben sollen, aber das was Sie hier betreiben ist Haarspalterei…

  23. Alle, die sich nun über die Begrifflichkeit „rechtes Spektrum“ beschweren, sollten den Brief nochmal ordentlich von vorne lesen. Nachdem Herr General Keitmayr die Begrifflichkeit das erste mal verwendet hat, folgt im darauffolgenden Satz direkt eine Präzisierung, was er damit meint, ein: „ob durch fehlende Verfassungstreue, Nähe zu Bewegung der Reichsbürger oder rechtsextremistische Gesinnung und Unterstützung rechtsextremistischer Ideologien“. Ich finde es bezeichnend, dass durch einige Kommentatoren immer wieder das Narrativ bedient wird, dass die angeblich „linken Eliten“ des Landes alles konservative oder rechte verbieten wollen. Nämlich genau das ist das narrativ, mit dem sich auch rechtsextreme als gutbürgerlich darstellen wollen. Wenn sich diese Personen dann durch den Brief persönlich angesprochen und angegriffen fühlen, erreicht er ja letztlich doch die richtigen. Schön wäre es nur, wenn diese Personen auch die richtigen Schlüsse ziehen und die Bundeswehr verlassen würden.

    @muck
    „ In diesem Sinne habe ich es immer bedauert, dass man die Gelegenheit verpasst hat, die Armeen von 1871 bis 1945 in die Traditionslinie der Bundeswehr einzubeziehen und ihre Verbrechen als Hypothek zu begreifen, als Auftrag, es besser zu machen.“

    Dann lesen sie die Vorschrift A-2600/1 zum Thema Innere Führung, dort steht genau das beschrieben…

  24. @Daniel Maier: Nette Versuche, hier die Diskussion zum Entgleisen zu bringen. Was an „verfassungsfeindlich“ ist Dir unklar? Damit ist ncht gemeint, dass Du die widerlichen Rassisten der AfD nicht toll finden darfst. Das ist total erlaubt. Angesichts der aus dieser Fraktion vorgebrachten verteidigungspolitischen Vorstellungeb sind zwar Zweifel an ihren militärischen Fähigkeiten angebracht und die Bundeswehr ist allein deshalb ein besserer Ort, wenn solche Schmalspurstrategen die Truppe verlassen, aber Dummheit verstößt nur selten gegen die Verfassung. Also: Was ist Dein Argument?

  25. – Zitat Anfang
    Da gerade einige wieder komplett freidrehen und dem Kommandeur KSK vorwerfen, Meinungsfreiheit einzuschränken, weil er angeblich gegen „Rechte“ vorgehen will, ein Zitat aus dem Brief: „Ob durch ihre fehlende Verfassungstreue, ihre Nähe zur Bewegung der Reichsbürger oder ihre rechtsextremistische Gesinnung und Unterstützung rechtsextremistischer Ideologien.“
    Wenn ihr verstehen wollt, ist der Satz klar, oder braucht ihr noch ein Handpuppenvideo? Rechtsextrem, fehlende Verfassungstreue, Nazis, Reichsbürger. All das Kroppzeug, das sich außerhalb der FDGO stellt. Die haben in der Bundeswehr nichts verloren. Wer sich jetzt in Wortklauberei hineinbegibt, will das Problem nicht sehen, verharmlost es und trägt nur dazu bei, dem Ansehen der Bundeswehr und des KSK zu schaden.
    – Zitat Ende

    Mit dem großzügigen Umgang mit Pejorativen („freidrehen“, „Handpuppenvideo“) wird ihr Beitrag nicht besser.

    Direkt am Anfang des 2. Absatzes schreibt Brigadegeneral Kreitmayr:
    „Inmitten unserer Gemeinschaft befanden und befinden sich offensichtlich noch immer
    individuen, die dem sogenannten rechten Spektrum zuzuordnen sind.“
    Sorgfältiger Umgang mit Sprache ist wichtig und hätte der Brigadegeneral nur das von ihnen zitierte geschrieben, wäre daran auch nichts auszusetzen.
    In einem anderen Satz hat er aber das „sympathisieren mit rechen Einstellungen“ eindeutig als nicht vereinbar mit dem Dienst in der Bundeswehr dargestellt.
    Ihr Beitrag ist daher sowohl sachlich als auch im Tonfall unangemessen.

  26. @Daniel Meyer

    – Dieses Problem besteht aber gesamtgesellschaftlich. ‚Rechts‘ wird als Synonym für ‚rechtsradikal‘ und ‚rechtsextrem‘ gebraucht, obwohl die drei Adjektive eigentlich drei unterschiedliche Phänomene beschreiben.

    Leider wird sowohl die rechtliche Dimension als auch der Schaden, den diese mangelnde Trennschärfe anrichtet, oft ignoriert. Oder, um es mit den Worten des großartigen Stephen Fry zu sagen: „Das größte politische Problem unserer Zeit ist, dass die Menschen anstelle des Zielführenden lieber das tun, was ihnen Zustimmung beschert.“

    Wer ‚links‘ bzw. ‚rechts‘ ist (oder ‚linksradikal‘ bzw. ‚rechtsradikal‘), steht nach einhelliger Meinung der Rechtslehre auf dem Boden der Verfassung und macht nur von seinen Rechten Gebrauch, wie sie auch für den Staatsbürger als Staatsdiener gelten. Erst der Extremist verlässt den Boden der Verfassung. Es kennzeichnet ihn gerade als Extremisten, dass seine Ansichten (lat. extremus, -a, -um: der, die, das Äußerste) so weit von den Normen und Werten der Verfassung entfernt stehen, dass sie schlechterdings miteinander unvereinbar erscheinen müssen.

    Wer hingegen stinknormale ‚Linke‘ bzw. ‚Rechte‘ en passant den Extremisten zuschlägt, begeht mindestens eine Fahrlässigkeit, die mit dem Anspruch, die Verfassung beim Wort zu nehmen, nur schwerlich vereinbar ist. Schlimmstenfalls jedoch drängt man solche Menschen Extremisten in die Arme, die ja schon parat stehen und erinnern: „Siehst Du? Ich habe es Dir ja gesagt!“

    Ich halte Andeutungen wie die @Sanjägers, wer hier Vorbehalte verspüre, sei wohl selbst ein klammheimlicher Extremist, für unfair. Gerade wenn es um den Kampf gegen den Extremismus geht, kann man nicht pedantisch genug sein – denn kaum etwas gebiert Extremisten so zuverlässig wie die vermeintliche Bestätigung ihrer Annahme, Demokratie und Freiheitsrechte gälten nicht für alle gleichermaßen.

  27. Der Brief ist wohl das Mittel in der Coronazeit um zu seinen Soldaten zu sprechen.
    Das der Kdr reagieren muss ist klar. Für mich ist das aber ein teilweise überzogener Brief, der wohl auch nach aussen adressiert ist.
    Ich gehe davon aus, das die Masse des KSK Vetfassungs- und Auftragstreu ist. Dann sollte so ein Brief zuerst einmal an diese Personen adressiert sein und dann kommen die Bösen. Was mir gar nicht gefällt, sind diese ungenauen populistischen Begriffe. Verfassungspatriot (ausgeliehen), rechtes Spektrum usw. Truppe braucht klare Worte die sie versteht und kein politisches Statement. Insofern sät so ein Brief eher Unsicherheit und Absicherung in so einem Verband.

  28. @Hausherr

    Mein Kommentar bezog sich auf die Aussagen des Lesers Daniel Meyer, bzw. auf die von ihm aufgeworfene Fragestellung. Tut mir leid, aber ich drifte gerne auf die Meta-Ebene ab. Wenn das grundsätzlich hier als „off-topic“ gilt, einfach sagen.

    @AoR

    In der Tat ein Schreiben, das an Eindringlichkeit kaum zu überbieten ist. Wobei ich vermuten muss, dass die (noch zu erfolgende?) persönliche Ansprache hier weit wirkungsvoller sein dürfte. Ist eigentlich bekannt, ab wann die entsprechenden Einschränkungen in der Bundeswehr aufgehoben werden, und man wieder ein paar hundert Leute in denselben Raum setzen darf?

  29. Kommandeursbrief im Link gelesen, und gedacht – klasse formuliert! Ziemlich perfekte Mischung aus glasklarer Haltung, appellierender und motivierender Ansprache an die weit überwiegende Mehrheit der „Guten“ mit einer Prise Gemeinschaftsgefühl, und Versprechen sich vor diese „Guten“ zu stellen, aber deren Mitwirkung im Veränderungsprozess auch einzufordern.

    Sowas hat gefehlt. Klar, dass der Brief auch Aussenwirkung haben soll. Nur so macht das Sinn.

    Wer den Brief gelesen hat und danach noch auf der Formulierung „Rechtes Spektrum“ des BG nölig herumreitet, dem ist dann wohl wirklich nicht mehr zu helfen, wahrscheinlich auch nicht mit Handpuppenvideos…

  30. @ Max Kleine

    Zitat:
    „Für mich steht fest, und das nicht nur bezogen auf die Wortwahl in diesem Fall, dass es hier nicht um extremistische Tendenzen geht, sondern um die generelle Verfolgung von Gesinnungen geht. George Orwell schrieb von „Gedankenverbrechen“, aber im Grundgesetz ist auch die Rede davon, dass niemand wegen seiner „politischen Weltanschauungen benachteiligt“ werden darf.
    Als jemand, der selber eine Diktatur erlebt hat, weil er darin aufgewachsen ist, schrillen bei mir sämtliche Alarmglocken. Ich sehe die Entwicklungen in diesem Land (auch in anderen Bereichen) mit sehr großer Sorge.“

    Mag sein das jemand der (vermutlich) in der DDR aufgewachsen ist, so denkt, aber mittlerweile haben wir 30 Jahre Wiedervereinigung und Sie haben die gesellschaftliche Realität in Deutschland erfahren. Da gibt es keine „Gedankenverbrechen“, da dürfen Spinner behaupten, das Bill Gates den Corona-Virus erfunden hat und der mit dem 5G Netz verbreitet wird und sie deshalb mit Alufolie um den Kopf herumrennen.

    Was jedoch nicht geht ist das Beamte und Soldaten, die Diener dieses Staates, die der Freiheitlichen Grundordnung in besonderer Weise verpflichtet sind, nicht auf unserer Verfassung stehen, oder waren die führenden Köpfe der DDR in Staat und Armee alles Dissidenten ?

    Das ist ihre eigentliche Aussage mit ihrem obigen Zitat, dass in der Führung der DDR keine Dissidenten waren. Dies ist auch nicht verwunderlich. Dies ist in allen Staaten der Welt so.

    @ all

    „Getroffene Hunde jaulen“ !

    Das kann man in den 24 Kommentaren zu diesem Beitrag in kürzester Zeit wieder nachlesen. Respekt vor dem Kommandeur. Er hat erkannt, dass eine Reinigung von den rechtsextremen Mitgliedern des KSK eine Überlebensfrage für das KSK ist und er hat klipp und klar ausgedrückt, dass ein Decken von solchen Vorgängen nicht von der Kameradschaft nach § 12 SG gedeckt ist. Das ist die Kernaussage !

    Wenn dies jetzt konsequent umgesetzt wird bis in jeden Kommandotrupp hinein, dann wird sich in Calw was ändern. Er hat auch ausgesagt, das dies die schwerste Krise des KSK seit ihrem Bestehen ist und damit angedeutet wenn jetzt keine „Selbstreinigung“ des Verbandes von rechtsradikalen und rechtsextremen Elementen erfolgt, dann steht das Gespenst der Auflösung des Verbandes am Horizont.

  31. @ Daniel Maier sagt:
    26.05.2020 um 15:46 Uhr

    „.. Alles andere ist Rechtsextremismus.“

    Ok, ein Versuch: Nein. Lesen Sie für nähere Erläuterungen den MAD-Report 2019, und §8 Soldatengesetz. Frei zu ergooglen.

  32. @Carlo Masala
    Würden Sie es auch angemessen finden, wenn z. B. ein Hochschullehrer an einer Universität der Bundeswehr, der sich in seinen Publikationen durchaus anerkennend auf rechte Autoren wie Carl Schmitt bezieht, zu jenen gezählt wird, die Sie als „Kroppzeug“ bezeichnen, oder würden Sie auch in diesem Fall sagen, dass eine Differenzierung zwischen rechts und rechtsextrem nur „Wortklauberei“ ist?
    Falls es einen solchen Professor in Wirklichkeit geben sollte, würde ich ihn übrigens nicht beneiden, denn in einem auch durch Worte wie „Kroppzeug“ aufgeheizten Diskussionsklima dürfte er es schwer haben, noch mit sachlichen Argumenten zu seiner Verteidigung durchzudringen, sobald er einmal unter Verdacht steht.

  33. Max Kleine:
    Vielen Dank für Ihr präzises Herausarbeiten des Geschriebenen.
    So ein Brief wird nicht zwischen Tür und Angel geschrieben sondern jedes Wort wird mehrfach abgewogen und der gesamte Text geprüft.

    @Sanjäger
    Interpretieren tun diejenigen, die dem Geschriebenen nun andere Deutungen verpassen wollen. Ich werde jetzt keine Exegese durchführen, will aber einfach nur das Geschriebene bewerten. Der Herr General schreibt: „….oder gar mit dem rechten Spektrum sympathisieren, klar, unmissverständlich und entschlossen zu: Sie verdienen unsere Kameradschaft nicht!“

    Wer also mit dem rechten Spektrum sympathisiert, verdient keine Kameradschaft.
    Das Spektrum [sein Wort] reicht von Rechtsextrem via Rechtsradikal via Rechts bis irgendwohin zum Rechts-Liberalismus [deshalb sass 1949 im Bundestag die FDP rechts neben der CDU, weil sie so galt].

    Wer sich also bspw. dem National-Liberalismus, deckungsgleich mit Rechts-Liberalismus, verbunden fühlt oder mit bestimmten Ideen desselben sympathisiert, verdient keine Kameradschaft und ist folgerichtig kein Kamerad mehr. Heisst, dass er [unehrenhaft ?] entlassen werden muss.

    https://de.wikipedia.org/wiki/Nationalliberalismus

    P.S.: Das Extremisten und Radikale in staatlichen Institutionen nichts zu suchen haben, sollte klar sein. Egal ob Bundeswehr oder Verfassungsgericht.

  34. Eine Bitte in der, äh, munteren Debatte: Div. Anklänge an eine parteipolitische Debatte bitte nicht, auf die Ebene sollte das ohnehin schwierige Thema nicht kommen.

  35. Ja freilich, da politische Meinungen normalverteilt sind, umfasst das gesamte „rechte Spektrum“ immer genau eine Hälfte der Bevölkerung.
    Daß jedoch nicht diese gesamte Hälfte gemeint wird, wird doch durch den Satz „Ob durch ihre fehlende Verfassungstreue, ihre Nähe zur Bewegung der Reichsbürger oder ihre rechtsextremistische Gesinnung und Unterstützung rechtsextremistischer Ideologien.“ mehr als klar.
    Für ein Lamento über eine angebliche „generelle Verfolgung von Gesinnungen“ gibt es da gar keinen Anlass. Nicht zuletzt, weil das ungesetzlich wäre.

  36. @Carlo Masala – Klare, unmißverständliche und RICHTIGE Worte.
    Der Herr Brigadegeneral hat endlich einmal klar verständliche Worte gewählt.
    Dem zolle ich Hochachtung und wünsche ihm, diese auch so umzusetzen.

  37. @arminm Ich selbst habe mich in mehreren Publikationen mit Carl Schmitt befasst ( der Frage, was die Internationale Plitik von ihm lernen kann). Aber zu ihrer Frage. Es geht hier ja nicht um Soldaten, die Carl Schmitt lesen. Es geht um Verfassungsfeinde. Und wenn wir einen Konsens darin haben, dass diese Armee im Rahmen der Verfassung agieren muss und ihre Soldat*innen Verfassungspatrioten sein müssen, dann hat Kroppzeug ( und ja: jeder der behauptet, dass die parlamentarische Demokratie abgeschafft gehört, dass der Holocaust nie stattgefunden hat, dass die Bundesrepublik eine GmbH ist, die Waffen klauen und für den Tag x horten etc ist Kroppzeug) in der Bundeswehr nichts zu suchen. Gehört aufgespürt und entfernt

    @DanielMaier Leider muss ich sagen, dass ihre Diskussionsbeiträge zu dem Thema der verfassungsfeindlichen Rechten genau in die Hände spielen und sie deren Taktik anwenden. Der Brief ist deutlich und klar. Und btw.“rechts“ wurde von der Linken in den politischen Sprachgebrauch eingeführt. Ein demokratischer Rechter würde sich nie so nennen. Der würde nationalkonservativ/konservativ whatsoever sagen. Aber NIE rechts. Also verteidigen sie hier einen Begriff, der auch historisch eine ganz klare Konotation hat und seit den 60er Jahren in Deutschland als Selbstbezeichnung nur von jenen gewählt wird, die außerhalb der FDGO stehen.

  38. Ich kann mir zwischenzeitlich gut vorstellen und auch wünschen, dass die gesamte Cause nun nach den Bestimmungen des Wehrbeauftragtengesetzes mit geklärt werden können.Eine Beauftragung durch den Verteidigungsausschuss scheint nun angemessen zu sein . Der Leitende Beamte im Amt der Wehrbeauftragten könnte ja daraufhin die Amtsinaberin beraten und ermutigen und „um eine Weisung zur Prüfung bestimmter Vorgänge nachsuchen“. Mit vier neuen (A13) Dienstposten im Referat WB 6 wäre das doch leistbar, sofern es eine Beauftragung durch den Verteidigungsausschuss geben würde.

    „§ 1 (2) Der Wehrbeauftragte wird auf Weisung des Bundestages oder des Verteidigungsausschusses zur Prüfungbestimmter Vorgänge tätig. Eine Weisung kann nur erteilt werden, wenn der Verteidigungsausschuß denVorgang nicht zum Gegenstand seiner eigenen Beratung macht. Der Wehrbeauftragte kann bei dem Verteidigungsausschuß um eine Weisung zur Prüfung bestimmter Vorgänge nachsuchen.“

  39. @Carlo Masala
    Die Beispiele, die Sie nennen, sind unstrittig. Der Präsident des BAMAD, den General Kreitmayr zustimmend zitiert hat, geht aber weit darüber hinaus. Er erklärte kürzlich, dass seine Behörde auch gegen Personen „unterhalb der Schwelle zum klar erkannten Extremisten“ sowie gegen Personen vorgehen wolle, die nicht „Extremisten im Sinne des Gesetzes“ sind. In „Graubereichen“ werde „versucht, Begriffe und Gedanken hoffähig zu machen, die mit der gebotenen Verfassungstreue nicht vereinbar sind“. Ein Beispiel dafür seien Positionen mit „einem extrem zugespitzten Freund-Feind-Denken“. Ich habe angesichts solcher Äußerungen Zweifel daran, dass jemand, der z.B. Schmitts „Begriff des Politischen“ aufgreift, sich auch künftig darauf verlassen kann, nicht zum Ziel solcher Aktivitäten zu werden. Dass in der Bundeswehr bereits das Zeigen von Portraits von Helmut Schmidt Verdacht auslösen kann, beruhigt meine Zweifel nicht.

  40. @Arminm

    „Er [der Kommandeur KSK] kündigt eine „Null-Toleranz-Linie“ an, aber auch die Einhaltung der rechtsstaatlichen Grundsätze in jedem Einzelfall.“

    Damit dürften Ihre Bedenken ausgeräumt sein

  41. @Armin M.
    Oder der Versuch, den Begriff „Völkisch“ wieder in den Sprachgebrauch einzubringen?
    Sollte sich unser Land wirklich an den Versuch machen, sich von seinem schweren Erbe zu trennen?
    Dass ich das noch erleben darf?

  42. @ Armin M.

    Zitat: „Dass in der Bundeswehr bereits das Zeigen von Portraits von Helmut Schmidt Verdacht auslösen kann, beruhigt meine Zweifel nicht.“

    Eigentlich sollte man so eine Bemerkung gar nicht kommentieren, aber wenn man sie nicht kommentiert bleibt der Unsinn so stehen und setzt sich fest.

    Also während der Zeit wo in der Bw nach nationalsozialistischen Devotionalien auf Ministerinnenweisung gesucht wurde, haben ein paar forsche Studenten, junge Offiziere an der Bw-Universität in Hamburg, ein Bild des Namensgebers der Uni in Wehrmachtsuniform gesucht, das an der Wand hing. Dies haben sie dann plakativ als Fundstück der Presse präsentiert um ihren Protest der gesamten Maßnahme auszudrücken.

    Ehrlicherweise sollte man diesen Vorgang nicht als Beweis für irgendetwas heranziehen, außer das die jungen Offiziere einen sehr medienwirksamen Weg gefunden haben auf sich aufmerksam zu machen und damit versucht haben, die ganze Kampagne zu diskretitieren – was Sie mit dem Zitat auch wieder gemacht haben !

  43. @Armin M. sagt: 26.05.2020 um 19:50 Uhr
    Hier schlagen zwei Herzen in meiner Brust.

    Einerseits haben merken Sie korrekt an, dass es das verfassungsrechtlich geschützte Recht jedes Bürgers ist auch radikale Positionen vertreten zu dürfen.

    Nachrichtendienste gegen solches zulässige Verhalten einzusetzen halte ich für bedenklich.

    Andererseits unterliegen Staatsdiener einer besonderen Treuepflicht zum GG und zu unserem Staat, die über das hinaus geht, was einem normalen Bürger vorgegeben ist.

    Mit Aussetzung der Wehrpflicht ist auch das entlastende „Zwangsdienst“-Argument entfallen, weil jemand der radikale Gesinnung hat ja nicht gegen seinen Willen Soldat sein muss.

    Von daher sehe ich zwar Ihren Punkt und vor allem die Gefahr, dass das Kind mit dem Bade ausgeschüttet wird (wir haben das ja leider auch bereits in diesem Kommentarfäden und thematisch verwandten bereits von mehreren Kommentatoren gesehen), aber im Ergebnis halte ich das Vorgehen des MAD noch für vertretbar.

    Es ist ein schwierige Gratwanderung, aber amS eine notwendige.

  44. @Armin M.
    „Dass in der Bundeswehr bereits das Zeigen von Portraits von Helmut Schmidt Verdacht auslösen kann, beruhigt meine Zweifel nicht“.
    Das beunruhigt mich sehr.
    Dafür haben Sie Belege?

  45. @ CRM-Moderator

    Zitat: „Wer sich also bspw. dem National-Liberalismus, deckungsgleich mit Rechts-Liberalismus, verbunden fühlt oder mit bestimmten Ideen desselben sympathisiert, verdient keine Kameradschaft und ist folgerichtig kein Kamerad mehr. Heisst, dass er [unehrenhaft ?] entlassen werden muss.“

    In dem von Ihnen selber verlinkten Wikipedia Artikel wird der Unterschied zwischen National-Liberalismus, Rechts-Liberalismus und Rechtspopulismus erklärt:

    Zitat:
    „Die 2013 gegründete Alternative für Deutschland, die sich programmatisch rechts von CDU/CSU und FDP positioniert und auch ehemalige FDP-Wähler an sich binden konnte, wurde von einigen Beobachtern auch als „nationalliberal“ charakterisiert.[15] Seit der Abspaltung des liberalen Flügels um Bernd Lucke im Jahr 2015 neigt die Partei jedoch eher einem Nationalkonservatismus bzw. Rechtspopulismus zu. Auch die Partei „Die Republikaner“ wurden vereinzelt als Rechtsliberal oder als Nationalliberal klassifiziert[16], wird heute aber eher dem Rechtspopulismus zugeordnet.[17]“

    Selbst die Mitgliedschaft in der AFD-Partei hat keine dienstrechtlichen Konsequenzen. Sehr wohl aber die Mitgliedschaft, bzw. eine Zugehörigkeit oder eine Verbundenheit mit dem „rechten Flügel“ der Partei. Hier kann und muss man die Frage nach § 8 SG nach dem jederzeitigen, aktiven Eintreten für die Verfassung stellen.

    Also letztendlich der Versuch von Ihnen nationalkonservatives mit rechtsextremen Gedankengut zu vermischen um damit den gesamten Vorgang, die Absicht des Kommandeurs zu diskretieren.

    Dabei ist Ihnen klar sein, nur mit dem „Seitenruder“ gibt es keinen koordinierten Kurvenflug. Sie brauchen auch noch gleichzeitig das „Querruder“ und wenn sie außerdem noch ihre Flughöhe halten wollen auch noch gleichzeitig „Höhenruder“. Warum Sie etwas was Sie tagtäglich in ihrem Job selbstverständlich machen, bei der politischen Bewertung dieses Briefes nicht machen, das verstehe ich nicht.

  46. Wer BG Kreitmayr kennen lernen oder gar mit ihm oder unter seinem Kommando dienen durfte, der weiß 1.) wo er politisch steht und 2.) wie ein Vorbild aussieht. Er ist nämlich absolut eines!

Kommentare sind geschlossen.