Coronavirus-Pandemie und Bundeswehr – Sammler 20. März

Der tägliche Sammler zum Thema Bundeswehr und aktuelle Coronavirus-Pandemie am 20. März 2020:

• Der Inspekteur der Streitkräftebasis und, das ist derzeit das Wichtigere, der so genannte Nationale Territoriale Befehlshaber, Generalleutnant Martin Schelleis, hat sich mit einer Videoansprache an Soldaten und zivile Mitarbeiter gewandt – und dabei wohl nicht nur seinen Organisationsbereich Streitkräftebasis im Blick:

Das Audio der beiden Tweets zusammengefast hier:

Schelleis_Appell_20mar2020     

 

• Eine Momentaufnahme aus Stuttgart – nach einem Bericht der US-Soldatenzeitung Stars&Stripes hat die dortige Garnison der US-Streitkräfte, unter anderem Standort des U.S. European Command und des U.S. Africa Command, die höchsten bestätigen Infektionszahlen aller US-Auslandsbasen:

The number of coronavirus cases has surged in Stuttgart, where 21 members of the military community were infected as of Thursday night, garrison officials said. More than 230 other members of the military community, who have symptoms or were in contact with a person who has tested positive for the virus, are in isolation. Trace teams are tracking down those who might have been in contact with them or with confirmed cases at the garrison, which includes EUCOM, U.S. Africa Command, special operations units and others.

• Die Streitkräftebasis veröffentlicht seit Freitag auf ihrer Webseite eine Übersicht über die Amtshilfe der Bundeswehr für zivile Behörden. Die Momentaufnahme mit Stand Donnerstag 1800 Uhr ruckelte erst etwas (mit nicht ganz zutreffenden Angaben), der dort nunmehr wiedergegebene Stand, der sich natürlich ständig ändern kann:

in Bearbeitung genehmigt zurückgezogen
oder abgelehnt
Gesamt
28 13 15 56

Baden-Württemberg: keine genehmigten Anträge

Bayern
sofort – Ende offen – München: Fläche zum Aufstellen von Unterkunftscontainern
17.03.-24.03.2020 – Neuburg-Schrobenhausen : 4-8 Soldaten für Teststation unter Vollschutz

Berlin
17.03.-15.05.2020 – Gesicherte Lagerkapazitäten für Atemschutzmasken und Einmalhandschuhen; Unterstützung mit Personal und Gerät (Gabelstapler) zum Entladen

Brandenburg
keine genehmigten Anträge

Bremen
keine genehmigten Anträge

Hamburg
keine genehmigten Anträge

Hessen
keine genehmigten Anträge

Mecklenburg-Vorpommern
19.03.-19.04.2020 – Rostock: Bereitstellung Zelt für Drive-In-Teststrecke für Corona-Verdachtsfälle
18.03.-30.04.2020 – Rügen: mobiles Team zur Probenentnahme/Abstrich

Niedersachsen
keine genehmigten Anträge

Nordrhein-Westfalen
(Update nach Informationen von Augen geradeaus!: Der besonders betroffene Kreis Heinsberg erhält Amtshilfe: Das Kommando Sanitätseinsatzunterstützung soll 15.000 Stück Mund/Nasenschutz, 8.000 Schutzkittel, 3.000 FFP2-Masken und zwei Intensivrespiratoren liefern.)

Rheinland-Pfalz
11.03.2020 – Ende offen – Koblenz: Abstellung Sanitätspersonal, 2 Fachärzte und 4 Sanitätssoldaten zur Unterstützung einer Fieberambulanz
16.03.2020 – Ende offen – Koblenz: Bereitstellung 400 Feldbetten und 200 Decken
18.03.-22.03.2020 – Neuwied: medizinisches Unterstützungspersonal: 2 Rettungssanitäter und 6 Sanitätssoldaten

Saarland
23.03.2020 – Ende offen – Saarland: Unterstützung mit Personal/KfzKraftfahrzeug für Drive-Through-Probennahme

Sachsen
18.03.2020 – Ende offen – Sachsen: Verpflegung im Stau stehender LKWLastkraftwagen-Fahrer auf der BAB 4 in Richtung polnische Grenze

Sachsen-Anhalt
keine genehmigten Anträge

Schleswig-Holstein
keine genehmigten Anträge

Thüringen
keine genehmigten Anträge

• Dem Appell Wir bleiben für euch hier, bitte bleibt ihr für uns zuhause hat sich die Bundeswehrkrankenhäuser angeschlossen – mit einem Tweet aus dem Bundeswehrzentralkrankenhaus in Koblenz angeschlossen (siehe Foto oben)

• Die aktualisierten Zahlen der Infektions- und Verdachtsfälle in der Bundeswehr:
471 Verdachtsfälle (nach 397 am Vortag)
59 bestätigte Infektionen (nach 52 am Vortag)

• Die Julius-Leber-Kaserne in Berlin, Sitz des Kommandos Territoriale Aufgaben und damit der Operationszentrale auch für Amtshilfe im Inland, wurde weitgehend abgeriegelt. Künftig soll nur noch für den Betrieb wichtiges Schlüsselpersonal mit entsprechendem Passierschein das Kasernengelände im Stadtteil Wedding betreten können.

Update: Die Offiziersschule der Luftwaffe in Fürstenfeldbruck bei München hat den Lehrbetrieb bis zum 20. April eingestellt. Grund soll nach Informationen von Augen geradeaus ein Infektionsfall beim Lehrpersonal sein.

• Generell ist die Lage bei den Lehrgängen je nach Bedeutung und nach Teilstreitkraft oder Organisationsbereich etwas unübersichtlich – eine generelle Aussetzung aller Lehrgänge scheint es noch nicht zu geben.

• Nach dem Aufruf von Ministerin und Generalinspekteur an Reservisten der Bundeswehr am gestrigen Donnerstag haben sich über die E-Mail-Adresse reserve.hilft@bundeswehr.org rund 1500 Personen gemeldet, wie das Bundesamt für Personalmanagement der Bundeswehr (BAPersBw) mitteilte. Außerdem sei die Zahl der freiwilligen Reservistenmeldungen beim Sanitätsdienst, der bereits seit einer Woche nach Spezialisten mit medizinischer Ausbildung sucht, auf inzwischen rund  2500 direkte Anfragen gestiegen.

• Bei Ausgangsbeschränkungen in Bundesländern oder Kommunen brauchen Soldaten auf dem Weg zum Dienst (und zurück) für mögliche Absperrungen nur den Truppenausweis; voraussichtlich keine besonderen Passierscheine, wie Augen geradeaus! erfuhr.

(Für den heutigen Freitag ist damit Ende der Aktualisierungen; nach Bedarf und Entwicklung weiter am Samstag)

12 Gedanken zu „Coronavirus-Pandemie und Bundeswehr – Sammler 20. März

  1. Söder/Phoenix:
    Bayern schließt sich Österreich 1:1 an, zunächst für 14 Tage, ab morgen 00:00 Uhr
    – grundlegende Ausgangsbeschränkung
    – Arbeitsweg/Arztbesuch, ja
    – Ergotherapien geschlossen, Physiotherapien nur Notfälle
    – Besuchsrechte Krankenhaus, Pflegeheim nur im Sterbefall
    – Lebensmitteleinkauf ja
    – Friseure geschlossen
    – Baumärkte, komplette Gastronomie geschlossen
    – Sport draußen nur allein/im Familienrahmen
    – Abriegelung ganzer Gemeinden wird geprüft.
    Erst am Sonntag Video-Konferenz Kanzlerin mit MPs. Eine andere, abweichende Lösung kaum denkbar.

  2. Zitat:
    „Generell ist die Lage bei den Lehrgängen je nach Bedeutung und nach Teilstreitkraft oder Organisationsbereich etwas unübersichtlich – eine generelle Aussetzung aller Lehrgänge scheint es noch nicht zu geben.“

    Warum können nicht alle Lehrgänge (außer für einen Auslandseinsatz) abgebrochen, unterbrochen oder suspendiert werden.

    Wenn die Großindustrie (Autoindustrie) die Bänder still stehen lässt, dann muss es doch auch möglich alle Bw-Lehrgänge zu suspendieren und Lehrgangsteilnehmer nach Hause zu schicken.
    Bitte kommt mir jetzt keiner mit event. Laufbahnnachteilen für die Betrofffenen. Na und, dann gibt es eben verspätete Beförderungen. Ist kein Beinbruch nachdem die Beförderungsbestimmungen sowieso schon für maximal frühestmögliche Beförderungen ausgelegt sind.

    Mit welcher Begründung sind seit einer Woche in DEU alle Schulen zu und die Bw-Schulen (Lehrgänge) sind teilweise noch in Betrieb ?

  3. Dynamische Prozesse sind anscheinend einfach nicht die Stärke der Bundeswehr.

    In vielen Standorten werden Pendler immer noch von zu Hause wochenweise als Reserve in ihre Pendlerwohnungen geholt um sie schneller verfügbar zu haben. Dann reisen am Sonntag und Freitag wieder hunderte von Soldaten durch die ganze Republik um im Falle des Falles ein paar Stunden eher verfügbar zu sein. Zusammen mit nur einfach besetzten Dienstposten und den extrem wichtigen Führungskräften die natürlich jeden Tag da sind und Kontakt zu allen Schichten und Reserven haben sorgt das wohl nur für eine schnellere Verbreitung der Krankheit. Wir.Dienen.Deutschland.

    Aber immerhin habe ich den Eindruck das jetzt die meisten Lehrgänge abgesagt wurden.

  4. Mich würde mal gerne diese immer wieder belastete Aussage der Führungsfähigkeit interessieren …
    Muß ein Kommandeur dazu in seinem Stab sitzen mit seiner ganzen Stabsleiste ?
    Muß ein Kp-Chef dazu inseinem Block verharren mit Spieß und Perser und Kp-Trupp ?

    Meine Herren, wer dieses Denken innehat steht nicht im Leben !

    Wir haben genügend Möglichkeiten abseits einer GeNu-Card zu kommuzieren und unsere Listen zu verwalten und Erreichbarkeiten sicherzustellen … und ob nun der ominöse und höchstwichtige Befehl VS-nfD über die GeNu-Card kommt oder als jpeg und Putin könnte mitlesen … also bitte, wir haben es nicht mit geheimen OP-Plänen zu tun in einer miltärischen Auseinandersetzung sondern mit weitgehend absehbaren (in der jetzigen Phase der Pandemie) Unterstützungsleistungen die koordiniert werden müssen nach Zeit, Raum und verfügbarem Personal !

    Da sollte unsere Führung mal etwas entspannter reagieren in den Ebenen, denn ich denke die ausführende Truppe ist bereit …
    Zumindest mein zugeordneter Einsatzverband hat es auch ohne Befehle der höheren Kommandobehörde organisiert und steht bereit, lange bevor nun ein bedrucktes Papier kam … nannte man auch mal „Leben in der Lage“ trotz Ermangelung von Befehlen ;-)
    Es gibt andere Schmankerl, aber die sind hier nicht angebracht …

  5. @Schnuckel sagt: 21.03.2020 um 10:24 Uhr
    „Dynamische Prozesse sind anscheinend einfach nicht die Stärke der Bundeswehr.“

    Widerspruch. Genau das ist die Stärke der Bundeswehr.

    „In vielen Standorten werden Pendler immer noch von zu Hause wochenweise als Reserve in ihre Pendlerwohnungen geholt um sie schneller verfügbar zu haben.“

    Merken Sie was? Krise = Bedarf an schnell verfügbarer Reserve?

    Ist vielleicht ein gute Idee?

    Ansonsten sind Pauschalbewertung über „viele Standorte“ von der Seitenlinie vielleicht gut um sich den gefühlten Frust von der Seele zu schreiben, aber nicht unbedingt immer hilfreich und sicherlich nicht immer zutreffend.

    Wie auch schon an anderer Stelle gefordert:
    Einfach mal durchatmen und die Profis machen lassen.

  6. @SER sagt: 21.03.2020 um 11:01 Uhr
    „Zumindest mein zugeordneter Einsatzverband hat es auch ohne Befehle der höheren Kommandobehörde organisiert und steht bereit, lange bevor nun ein bedrucktes Papier kam … nannte man auch mal „Leben in der Lage“ trotz Ermangelung von Befehlen ;-)“

    Das ist ja auch seine Pflicht und Aufgabe.

    Soldaten, die ihr Handeln von Vorgesetzten abhängig machen und Nicht-Handeln durch fehlende Befehl begründen verletzten ihre Dienstpflichten.

    Es ist nicht „das BMVg“, dass verantwortlich ist für die Führung der Truppe, sondern die Chefs und die Kommandeure.

    BMVg und Kommandobehörden erlassen lediglich den Rahmen in dem gehandelt werden darf und soll.

  7. @ Georg:

    Als wenn es nur um „verspätete Beförderungen“ ginge…

    Laufende Kurzlehrgänge mit überschaubarem Teilnehmerkreis werden unter strengen Auflagen sinnvollerweise noch zu Ende geführt, anstatt sie einen Tag vor Lehrgangsende abzubrechen. Nicht zwingend notwendige, länger andauernde und noch nicht begonnene Lehrgänge wurden mittlerweile weitestgehend abgesagt. Dabei geht es jedoch nicht nur um Beförderungen, sondern auch um Qualifikationen, deren Nichtvergabe auf dem Zeitstrahl einen noch größeren negativen Effekt nach sich ziehen würde. Und ja, es geht eben AUCH um finanzielle und Laufbahnnachteile. Kannst ja z. B. gern mal ein Jahr auf deine Fliegerzulage warten, die mitunter schon seit über zehn Jahren aussteht. Mal sehen, wie gelassen und unbeeindruckt du dann noch reagierst…

  8. @SER
    1+ So stelle ich mir das auch vor. Schön zu lesen, dass es das auch noch gibt.

    @Koffer

    „Dynamische Prozesse sind anscheinend einfach nicht die Stärke der Bundeswehr.“
    Widerspruch. Genau das ist die Stärke der Bundeswehr.

    Ich wünschte, ich könnte Ihre Einschätzung teilen. Das würde meine Dienstfreude sicher weiter erhöhen.

    Zum Thema „schnell verfügbare Reserve“: Solange Friedensdienstbetrieb von 7-16 Uhr läuft und man danach ohnehin keinen erreicht weil keine Bereitschaft angesetzt ist sehe ich keinen Grund Wochenendpendler vor Ort in Bereitschaft zu halten und sie zweimal wöchentlich pendeln zu lassen. Besonders wenn gleichzeitig die Bevölkerung dazu aufgerufen wird das Haus nicht zu verlassen. Da würde eine Bereitschaft zum nächsten Dienstbeginn oder innerhalb von 6 Stunden völlig reichen.
    Aber da ich momentan kein Disziplinarvorgesetzter mehr bin, betrachte ich das tatsächlich nur von der Seitenlinie. Und natürlich kann ich die Situation (wie Sie übrigens auch) nicht vollumfänglich bewerten. Meine Einschätzung bezieht sich nur auf die drei Verbände, mit denen ich direkt zu tun habe.

    Da ich daran nichts ändern kann, komme ich dann mal gerne Ihrem Wunsch nach, atme tief durch und schaue mir an, wie die Profis das machen.

  9. Die Hamburger Schifffahrts-Nachrichten vesseltracker.com melden, das der Versorger Mosel A512 seit dem 14/15.3. wegen Corona-Verdacht im Tirpitzhafen Kiel festliegt, die Besatzung nach Hause geschickt wurde. Wo kann ich mehr erfahren ?

    [Vielleicht hier auf Augen geradeaus! in der Übersicht vom 19. März? Nur so als Lesevorschlag. Könnte ja helfen.
    https://augengeradeaus.net/2020/03/coronavirus-pandemie-und-bundeswehr-sammler-19-maerz/
    T.W.]

  10. Stichwort Bereitschaft/Führungsfähigkeit/Reserven
    NLD Verteidigungsministerin hat Aufkündigung aller bereits genehmigten Urlaube und keine Genehmigung neuer in die ministerielle Prüfung gegeben.
    Entscheidung kommende Woche.

    [Quelle? T.W.]

  11. @ Drehstuhlpilot

    Zitat:
    „Und ja, es geht eben AUCH um finanzielle und Laufbahnnachteile. Kannst ja z. B. gern mal ein Jahr auf deine Fliegerzulage warten, die mitunter schon seit über zehn Jahren aussteht. Mal sehen, wie gelassen und unbeeindruckt du dann noch reagierst…“

    Das ist genau die Geisteshaltung warum eine freiwillige Ausgangsbeschränkung nicht funktioniert und Zwangsmaßnahmen vom Staat angeordnet werden müssen !

Kommentare sind geschlossen.