Bundeswehr stellt weiteres Panzerbataillon auf

Die Bundeswehr will ein neues Panzerbataillon aufstellen und damit die Zahl dieser Bataillone im Deutschen Heer auf sechs erhöhen. Das kündigte Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen am (heutigen) Donnerstag bei einem Besuch der Panzertruppe in Munster an. Allerdings soll nach Informationen von Augen geradeaus! mit dem zusätzlichen Bataillon, das in Hardheim im Norden Baden-Württembergs stationiert wird, die bislang geplante Zahl von rund 320 Kampfpanzern in der Bundeswehr nicht erhöht werden.

Nach Angaben der Ministerin werden für das neue Bataillon mehr als 500 Dienstposten vorgesehen. Am Standort Hardheim sollen dafür 20 Millionen Euro investiert werden.

Das weitere Bataillon ist bereits das zweite, das nach den Truppenreduzierungen und Standortschließungen seit 1990 innerhalb der vergangenen Jahre neu aufgestellt wird: 2016 war das Panzerbataillon 414 in Bergen-Lohheide als gemischter deutsch-niederländischer Verband aufgestellt worden. Über einen solchen neuen Verband am Standort Hardheim, der nach früherer Planung hätte geschlossen werden sollen, dann aber reaktiviert wurde und  seit gut einem Jahr eine Stabs- und Unterstützungskompanie für die Spezialkräfte als Teil eines Special Operations Component Command (SOCC) beherbergt, war schon vor zwei Jahren in der Lokalpresse* spekuliert worden.

Mit dem dann sechsten Panzerbataillon des Heeres stellt sich die Frage, wie es künftig mit der Ausstattung aussieht. Im vergangenen Jahr hatte der Haushaltsausschuss des Bundestages den Rückkauf von 100 älteren Leopard-Kampfpanzern von der Industrie gebilligt, die bis 2023 modernisiert und an die Truppe ausgeliefert werden sollen. Entsprechende Planungen hatte von der Leyen bereits 2015 angekündigt. Ihr Sprecher Jens Flosdorff:

Ich kann die Meldung bestätigen, dass im Ministerium die Entscheidung gefallen ist, die künftige Obergrenze auf 328 anzuheben, nämlich 320 Kampfpanzer, die der Truppe zur Verfügung stehen sollen, und acht Kampfpanzer, die dem Beschaffungsamt, für die Techniker, für Demonstrationszwecke zur Verfügung stehen, um dort Nachbesserungen und Modernisierungen vorzunehmen.

Allerdings muss man da noch mal genau hinschauen: Nicht alle 100 zurückgekauften älteren Panzer werden als modernisierte Kampfpanzer zur Truppe zurückkehren. Im vergangenen Jahr hatte Oberstleutnant Frank Lobitz als stellvertrender Projektleiter im Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr (BAAINBw) die Zahlen in einem Beitrag für die Zeitschrift Europäische Sicherheit und Technik* erläutert:

Durch die Ministerin wurde im April 2015 entschieden, eine Stückzahlerhöhung durch Rückkauf von 100 im Industriebesitz befindlichen älteren KPz Leopard 2 A4 und Übernahme von 16 KPz Leopard 2 A6 aus niederländischen Beständen zu realisieren. Zudem wurde die schrittweise Modernisierung dieser Fahrzeuge angeordnet.
Von den 100 zurückgekauften Fahrzeugen fließen 68 in das Aufwuchsprogramm, die übrigen 32 werden für noch genauer zu definierende Umbauten in Unterstützungsfahrzeuge wie die neue Gefechtsfeldbrücke, den Nachfolger des Pionierpanzer Dachs oder andere zurückgehalten. Ziel ist die langfristige Umstellung aller Familienfahrzeuge auf die Basis Leopard 2, um die logistische Gleichheit zum KPz zu erreichen.

Zur Übersicht: die derzeitigen Panzerbataillone der Bundeswehr:

Panzerlehrbataillon 93 in Munster

Panzerbataillon 104, Pfreimd

Panzerbataillon 203, Augustdorf

Panzerbataillon 393, Bad Frankenhausen

Panzerbataillon 414, Bergen-Lohheide (2016 als gemischter deutsch-niederländischer Verband neu aufgestellt)

• das (teilaktive) Gebirgspanzerbataillon 8

*Links zu deutschen Verlagswebseiten finden angesichts des Leistungsschutzrechts hier nicht statt; Veröffentlichungen vor mehr als einem Jahr sind da etwas unproblematischer.

(Foto: Kampfpanzer Leopard 2 eingesetzt als Feldposten sichert den Verfügungsraum der deutschen Battlegroup bei der NATO-Großübung Trident Juncture 2018 in Engerdal/Norwegen am 03.11.2018 – Marco Dorow/Bundeswehr)

130 Kommentare zu „Bundeswehr stellt weiteres Panzerbataillon auf“

  • ede144   |   09. Dezember 2018 - 11:21

    @Anton Brekster

    Nein, die Friedensdividende wurde nicht von den Generälen vorgeschlagen sondern von der Politik gefordert. Die hohlen Strukturen sind die Konsequenz daraus und meiner Meinung nach ist es einfacher hohle Strukturen wieder aufzufüllen als sie komplett neu zu erstellen.

    @Ha-Wa
    Natürlich kann man über ein neues Panzerbattalion lästern, da es nicht komplett ist und Personal und Material fehlt. Allerdings gilt hier das Gleiche wie oben, wenn ich keine Einheit habe, habe ich keine Dienstposten und damit bekomme ich kein Material und kein Personal.

    Siehe auch die Diskussion um die 5 neuen Korvetten, da war auch gefühlt jeder zweite Beitrag wir haben kein Personal.

  • Voodoo   |   09. Dezember 2018 - 12:34

    @ K.B.

    Ein Panzerbataillon besteht zwar aus vielen KPz, aber eben nicht nur – es ist also schön, wenn man zusätzliches, schießendes Großgerät vorab „organisiert“ hat, nur führt dies leider nicht automatisch auch zur Zweisung von BÜFFEL, Gefechtsstand-BOXER etc. pp., weil diese Fahrzeuge nicht in ausreichender Stückzahl existieren.

    Dieses Material und vor allem das Personal, welches die Fahrzeuge nachher besetzen soll, kann erst dann eingestellt bzw. ausgeblidet werden, wenn die DP scharfgeschaltet wurden – vorab läuft da gar nichts. Zur Erläuterung: KPz-Besatzungen kriegen wir ggf. schnell zusammen, nur logistisches Fachpersonal muss z.T. fünf (!) Jahre lang ausgebildet werden – und genau davon haben wir in den Streitkräften insgesamt erschreckend wenig.

  • Memoria   |   09. Dezember 2018 - 13:10

    @Voodoo:
    Zustimmung, so schließt sich der Kreis nach knapp 100 Kommentaren:
    https://augengeradeaus.net/2018/12/bundeswehr-stellt-weiteres-panzerbataillon-auf/comment-page-1/#comment-304848

    GTK Boxer GefStd, BPz Büffel, nicht zu vergessen das Material für den Transportzug, die Inst, den FmZg und natürlich, dass dafür notwendige Personal.

    Da das neue Btl wohl für die VJTF 2023 vorgesehen ist, müsste es auch hier entsprechende Folgebeschaffungen geben.
    Aber an diesem Querschnittsmaterial hakt es eben weiterhin.

  • Panzer1969   |   09. Dezember 2018 - 13:27

    Auch im bin zu 90% bei Herrn Brekster. In der Zeit als die Heeressruktur „Heer 2011“ in einem kleinsten Kreis geplant wurde, wurde in einem sogenanntem Elfenbeinturm im Fü H alles weggeblasen. Alles was gegen den Stabilisierungsoperationenwahn sprach. AFG das hat alles bestimmt, wer dort diente, war gefragt. Alle anderen unwichtig. Die Generäle im FüH haben Referatsleitern im Dienstgrad eines Obersten freie Hand gelassen. Diese haben in äußerst rüder Art und Weise Argumente des Heeresführungskommandos und des Heeresamtes einfach beiseite gewischt. Guter Streit und die Kraft des Argumentes waren nicht gefragt. Unsere heutigen Generale an der Spitze des Heeres waren nicht alle im sogenannten inneren Zirkel. Das bedauerliche ist aber dass dieses Verhalten heute wieder angesagt ist. Im Kommando Heer weiß man natürlich alles besser, weil der dummen Truppe die Zusammenhänge fehlen. Mutige, aufrichtige Kritik und Gutes Führen , das steht in Hochglanzbroschüren, aber kritisiert man und ist wirklich unbequem, wird indirekt signalisiert A 16?, B 3? Gar B6? Sie nicht. Oder als General wird man vorzeitig in den Ruhestand entsandt. Sogar 3* haben die Heeresspitze verlassen. Ob sie wohl zu unbequem waren? Die Generale die noch als Divisionskommandeure über das Kommando Heer geklagt haben, sitzen nun im BMVg als AL und reden der BM nach dem Mund. Nun sagen sie selbst, das Kommando Heer, die verstehen es gerade noch aber die armselige Truppe: Meckert nur. Haben keine Ahnung. Nun rüsten wir also auf gegen den Russen. Das hat gute Gründe. Aber ich sehe eine neue Einseitigkeit für Landes- und Bündnisverteidigung. Wunden aus der Zeit 2011 werden geleckt, Fähigkeitsprofile werden erarbeitet, mit ministeriellem Sachverstand. Ggf. noch mit den Kommandos. Truppe wird gesagt, ist geheim. Ihr versteht es nicht. Erinnert das nicht an 2011? Hat jemand den schwachen Auftritt der BM gesehen, wie sie sich diesen Verband selbst zuschreibt? Aber ist es nicht sie, die Missionen im Irak einkauft, von Mali, dem neuen AFG, gar nicht zu reden. Ist das Landes- und Bündnisverteidigung?

  • Ulenspiegel   |   09. Dezember 2018 - 14:16

    ede144 schrieb: „Die hohlen Strukturen sind die Konsequenz daraus und meiner Meinung nach ist es einfacher hohle Strukturen wieder aufzufüllen als sie komplett neu zu erstellen.“

    Da arbeitest du mit der kritischen Annahme, dass die hohlen Strukturen an sich gut sind.

    1985 hatte Westdeutschland 500.000 Mann unter Waffen, davon 250.000 Zeitsoldaten. Es gelang mit 2.8% des BRD Bruttosozialprodukts 12 Divisionen zu erhalten.

    Wenn die derzeitigen Strukturen gut wären, müsste nichts mehr aufgefüllt werden.

    Dass wir mit 1.5% des gesamtdeutschen Bruttosozialprodukts und 170.000 Zeitsoldaten Schwierigkeiten haben, 6 Brigaden (!) zu unterhalten, sollte doch zu der Schlussfolgerung führen, dass funktionierende Strukturen durch Strukturen geringerer Qualität ersetzt worden sind.

  • Ulenspiegel   |   09. Dezember 2018 - 14:21

    „Auf der anderen Seite muss man aber auch klar sagen: Wäre der neue Verband in die ostdeutsche Provinz gekommen (wozu ich auch den Bayerischen Wald zähle), wäre das Geschrei wegen der mangelnden Attraktivität der Standorte weit weg von Autobahnen und Bevölkerungszentren mindestens genauso groß gewesen.“

    Dumme Frage. Wäre im deutsch/polnischem Grenzgebiet mit akzeptabler Entfernung nach Berlin das wirklich ein Problem und würde das nicht auch andere Optionen bieten?

  • Klaus-Peter Kaikowsky   |   09. Dezember 2018 - 14:57

    @Voodoo
    „Ein Panzerbataillon besteht zwar aus vielen KPz, aber eben nicht nur …“
    JA und NEIN!
    Ganz grob gesagt sitzt personell betrachtet knapp 50% des Verbandes in der StVersKp, ohne die in den Kampfkompanien nach Verbrauch der Kampfbeladung rein gar nichts mehr geht. Je nach Gefechtsart und Intensitätsfaktor kann das binnen 48 Std der Fall sein, bei Großkaliber-Mun auch deutlich früher. – Zustimmung also -.

    Widerspruch bei „KPz-Besatzungen kriegen wir ggf. schnell zusammen,…“
    Wenn Sie sich diese zuversetzen lassen könnten, komplett, mag es tendenziell stimmen. Geht es um Fragen von Ausbildung und Erziehung der Besatzungen planen Sie für eine umfassende Ausbildung mit Ziel „combat ready“ bitte 12 Monate ein.
    Kurzer Hinweis zum warum:
    Kommandanten-Ausbildung, ZgFhr-Ausbildung, stvKpChef und KpChef bemühen andere Zeitfaktoren als MkF, RS und LS in der Mannschaftsebene.
    Unterstellte Ihre Annahme „nur“ Mannsch, reicht es ggf. aus für ein „schnell zusammen kriegen“.
    Mitnichten sind rasch zusammen gewürfelte Besatzungen und Züge aber funktionierende Truppenkörper. Bis zur Erreichung der Ausbildungsstufe C (Ebene PzKp, falls so begrifflich noch existent) müssen zunächst die PzZg einsatzbereit sein, um dann vom KpChef UND BtlKdr im KpRahmen gedrillt bzw mit den übrigen PzKp UND der 1./- bewertet zu werden.
    Dass eine PzKp allein hinsichtlich Einsatzwert ein NICHTS darstellt, sondern nur im Verbund des PzBtl voll zur Entfaltung kommt, wird hoffentlich nicht bestritten werden. – Zusammenfassung: Ein Jahr wird gebraucht -!

  • Thomas Melber   |   09. Dezember 2018 - 16:05

    Nichts gegen Hardheim, aber für mich ist das Problem, daß es im Umkreis keine PzGren gibt – wie soll da “ ‚mal eben“ das Zusammenwirken der gepanzerten Truppen geübt werden?

    Für mich wären „gemischte“ StO erste Wahl.

  • Voodoo   |   09. Dezember 2018 - 16:43

    @ KPK

    Zustimmung zu den genannten Punkten hinsichtlich der FOC – wir tragen beide dieselbe Waffenfarbe ;-)

  • Memoria   |   09. Dezember 2018 - 19:42

    @Sepp:
    Zum Thema passend sind aus dem Bericht die Angaben zur Materialerhaltung. Diese steigen nächstes Jahr im Vergleich zu den Vorjahren erheblich – sinken dann aber wieder ab. Die gültige Finanzplanung gibt wohl nicht mehr her.
    Im Text dazu wird auch festgestellt, dass die Ausgaben weiter steigen müssten.

    Denn am Ende hilft ein neues PzBtl wenig, wenn am Ende (wieder) die Ersatzteile fehlen.

  • Memoria   |   09. Dezember 2018 - 19:52

    Da es ja eine Neuaufstellung des PzBtl 363 hier noch der Hinweis auf eine bemerkenswert Chronik zur Auflösung:
    http://www.traditionsverband-kuelsheim.de/attachments/article/214/Chronik_PzBtl_363_Vorwort_Grussworte.pdf

    Allein das Kapitel zur Tradition wäre etwas mehr knapp 15 Jahre später schon ein Aufreger…

  • Zimdarsen   |   09. Dezember 2018 - 20:01

    Kasernen für die Grundbetrieb weit ab von mehreren möglichen Frontline, gestaffelt (Polen, Tschechien, Slowakei, Ungarn, Rumänien, Bulgarien, Baltikum noch dazwischen) ist wohl eher klug.

    Zum gemeinsamen Üben verlegt man ins Übungsgebiet. Grundbetrieb läuft auch ohne PzGren, sind ja im Ernstfall evtl aus NL oder Polen ;-)

  • Metallkopf   |   10. Dezember 2018 - 13:05

    @klauspeterkaikowsky | 07. Dezember 2018 – 8:45
    „@Metallkopf
    Der PzZg ist die kleinste Feuer- und Bewegungseinheit der PzTr. Züge werden NIE (!!!) aufgeteilt!“

    Wollte ich auch nicht behaupten. Vielleicht missverständlich ausgedrückt. Die Panzerzüge einer PzKp werden jedoch ggf. zur Verstärkung von PzGrenKp durchaus einzeln auf diese verteilt, wenn geboten. Genauso wie eine PzKp auch einen Zug PzGren bekommen kann.

    [Es wird jetzt sehr kleinteilig .. T.W.]

  • Memoria   |   10. Dezember 2018 - 19:46

    Fernab von den Diskussionen um den Einsatz von PzZg vielleicht nochmal ein Blick in die wahrscheinliche Zukunft aus der weiter oben verlinkten Zeitschrift des Kommando Heer:

    „Man könnte darüber diskutieren, welche
    Auswirkungen die moderne abstandsfähige
    Waffenwirkung auf die Grundsätze von Feuer
    und Bewegung hat. Ist unter diesen Bedingungen
    gegen einen gleichwertigen Gegner Bewegungs-
    krieg noch realistisch? Welche Voraussetzungen
    wären zu erfüllen, wenn man dies unverändert
    für den zweckmäßigsten Ansatz hält?

    Derartige Diskussionen werden oft isoliert,
    in kleinem Kreis geführt, meist innerhalb der
    Doktringemeinde. Sollten sie nicht auch auf grö-
    ßerer Bühne zur Sprache kommen? Zugegebener-
    maßen gibt es nicht allzu viele geeignete Bühnen.
    Aber die Bedeutung dieser Themen für auf Erfolg
    ausgerichtete Streitkräfte sollte eine Präsenz in
    den verfügbaren Formaten rechtfertigen.“

    Ähnliche Überlegungen gibt es aktuell in den USA:
    https://breakingdefense.com/2018/12/beyond-inf-missiles-networks-the-new-trench-warfare/

    Das Pendel zwischen Offensive und Defensive scheint einmal mehr erheblich in Bewegung zu kommen.

    Dies bedeutet erstmal nicht, dass ein weiteres PzBtl (de facto eine zusätzliche PzKp + eine StVersKp) falsch sind.
    Es geht viel eher darum die gesamten Streitkräfte auf das wahrscheinliche Kriegsbild auszurichten, das wahrscheinlich völlig andere Rahmenbedingungen zu Grunde legt als die letzten Jahrzehnte.

    Sensoren und Effektoren entwickeln sich erheblich weiter.
    In diesem Gefüge wird sicher auch eine Landplattform mit hoher Beweglichkeit, Schutz und Feuerkraft (=Kampfpanzer) eine Rolle spielen, jedoch operativ/ taktisch – und somit auch technisch – anders ausgerichtet als bisher.

    Es genügt sicher nicht auf die Herausforderungen der aktuellen Lage und nahen Zukunft mit den Grundsätzen der letzten Jahrzehnte zu antworten.

    Im Heer gibt es offensichtlich entsprechende Überlegungen, jedoch scheinen sie noch (?) nicht die Konzeption, Planung und Ausbildung zu prägen.

  • Carnivora   |   10. Dezember 2018 - 20:13

    Tatsächlich kleinteilig – aber trotzdem noch nicht richtig.
    Natürlich kann – und darf gemäß entsprechender Regelung – ein Panzerzug aufgeteilt werden:
    Der Befehl des taktischen Vorgesetzten reicht aus. Und er kann sich, wenn er denn will, dafür auch auf die Regelung beziehen, die das z.B. für die Gefechtsaufklärung „zulässt“.

  • HaTi   |   10. Dezember 2018 - 21:07

    [blockquote]Klaus-Peter Kaikowsky | 09. Dezember 2018 – 14:57[/blockquote]

    Wie funktionierte das mit der Ausbildung zu Zeiten der Wehrpflicht, und wie viel schlechter war „damals“ der Kampfwert?
    Gerade bezogen auf z.B. Großmanöver wie REFORGER oder auch Aufenthalte in Shilo.

  • Thomas Melber   |   10. Dezember 2018 - 21:31

    @HaTi
    Ganz einfach, da waren Panzerfahrer i.d.R. W15, dto. Richt- / Ladeschütze.

    Das anspruchsvollste System im Heer, an dem Wehrpflichtige ausgebildet wurden, war der GEPARD.

  • Thomas Melber   |   10. Dezember 2018 - 21:48

    @Memoria
    Stoßkraft bekommt man insbesondere über Masse – zum Ausnutzen von Durchbrüchen müssen Reserven vorhanden sein (sowie natürlich auch für Gegenstöße). Diese Reserven sehe ich bei uns nicht. Merke: auch der Gegner verfügt über Wirkmittel.

    Wir sollten uns daher zunächst auf Möglichkeiten von Defensivoperationen (verzögern / verteidigen) konzentrieren – dies ist „kurzfristig“ umsetzbar, teilweise relativ preiswert (Sperrkapazität) und läßt sich politisch auch besser „verkaufen“.

    Allerdings bedeutet „verzögern“ eben auch Preisgabe von Gelände, was bei unseren baltischen Freunden naturgemäß nicht gut ankommt. Allerdings kann man dort aufgrund des Geländes den Gegner auch gut blocken.

  • Smith   |   10. Dezember 2018 - 22:40

    Wem wird dieses PzBtl eigentlich unterstellt sein?
    Fehlt der Brig im Nordosten nicht eins? Wird da demnächst denn auch eins aufstellt? Die Brig in Munster hat ja sogar zwei. Oder ist das für LV/BV im Nordosten nicht so wichtig oder pol. uninteressant? Wie kam man denn auf Hartheim?

    [Nicht nur in die Tasten greifen, auch lesen – ist hier alles schon sehr detailliert diskutiert worden. T.W.]

  • Hans Dampf   |   11. Dezember 2018 - 6:40

    @ Memoria:

    Wie sieht denn genau der Krieg der Zukunft aus? Wie wird er geführt? Welche Waffensysteme werden dafür benötigt und was genau müssen diese können?
    Für meinen Geschmack ist da zu viel Semantik im Stil von Weißbuch und Co in dem Text, den Sie zitieren. Alles nett zu lesen, zustimmungsfähig, aber was fehlt ist das konkrete „und nun“? Letztlich wird es immer darum gehen, dass die Offensive über die Defensive obsiegt. Das war, meines bescheidenen Wissens nach, immer die Grundfeste in der Kriegsgeschichte. Und wenn die Defensive die Oberhand gewann, dann wurde technisch/taktisch etwas geändert, um das Verhältnis wieder umzukehren.

  • Dipl.-Inf(anterist)   |   11. Dezember 2018 - 7:04

    Tja, man muss sich wirklich immer wieder wundern, welche Ausbildungshöhen in der Gefechtsausbildung zu Zeiten des „Kalten Krieges“ in der Truppe mit Wehrpflichtigen erreicht wurden, die heute mit hochdotierten SaZ/BS offenbar nicht mehr erreichbar sind!
    Da wurde eine PzGrenKp in einem Gefechtsschießen auf der Ebene des verstärkten Bataillons (gern auch mit Artillerieunterstützung) in Shilo von einem Hauptmann (A11) geführt, der sich auf seine 3 Zugführer (1x Lt/OLt, A09/10, 2x HFw A08) verlassen musste, die ihrerseits jeweils 3 Schützenpanzer führten, die nominell mit einem Kommandanten/Gruppenführer (Fw/OFw A07/08) und einem Truppführer (U/SU A05/06) besetzt waren. De facto waren aber auch mal U/SU als Kommandant und OG/HG (auch Wehrpflichtige!) als Truppführer eingesetzt.
    Und, guess what: das lief, und garnicht mal so schlecht, wenn man den Bewertungen der damaligen Vorgesetzten und der Anerkennung der Bündnispartner glauben mag!
    Ähnliches galt im übrigen auch für die „Kettengesichter“ der Panzertruppe…!

    Man kann sich ja kaum vorstellen, wie viel besser das heute mit einem KpChef Major (A13), einem stv KpChef (A11/12), ZgFhr StFw bis Hptm (A08Z-A11) und Grp-/Trp bis hin zum StFw läuft… ***Sarkusmus aus***

  • Memoria   |   11. Dezember 2018 - 10:15

    @Hans Dampf:
    Ich bin mir nicht ganz sicher, ob sie auch den verlinkten Bericht gelesen haben. Zunächst einmal war die Offensive nicht immer im Vorteil, es waren immer wieder technische und taktische Innovationen, die das Verhältnis zwischen beiden Extremen prägte. Das prominenteste Beispiel – und hier auch passend – ist sicherlich der Kampfpanzer.

    Er war das Ergebnis der Probleme der Offensive im ersten Weltkrieg durch Weiterentwicklung der Artillerie und die Verbreitung des Maschinengewehres.

    Der Kampfpanzer und – wichtiger mechanisierte Großverbände – wurden dann nach dem ersten Weltkrieg von einigen Vordenkern in die Debatte gebracht und in manchen Ländern umgesetzt.

    Das Beispiel zeigt zunächst mal, daß es keinen Automatismus hin zur Innovation gibt, sondern es umfassender konzeptioneller Grundlagenarbeit erfordert.

    Die Weiterentwicklung von Sensoren und Wirkmittel, so die oben erwähnte These – könnte dazu führen, dass künftig wieder die Defensive in den Vordergrund tritt (z. B. A2/AD). Hierbei muss man auch sauber die strategische, operative und taktische Ebene unterscheiden.

    Sehr anschaulich machte dies der Stabschef der U.S. Army:
    Künftig wird es nur sehr schwer möglich sein an einem Ort auch nur wenige Stunden auf dem Gefechtsfeld zu verbleiben.

  • Thomas Melber   |   11. Dezember 2018 - 12:44

    „Künftig wird es nur sehr schwer möglich sein an einem Ort auch nur wenige Stunden auf dem Gefechtsfeld zu verbleiben.“

    D.h., daß ich einen BrigGefSt gar nicht erst aufzubauen brauche, und selbst auf Btl Ebene lohnt sich das ggf. nur sehr bedingt (z.B. bei der KpfUstg / ArtBtl). Inst wird dann auch eine Herausforderung.

    Zudem erfolgt die Gefechtsführung tatsächlich 24/7 ohne Ruhezeit. Aber gut, daß man noch im „extended day shift mode“ übt, SAZV sei Dank.

  • Klaus-Peter Kaikowsky   |   11. Dezember 2018 - 13:38

    @Dipl.-Inf(anterist)
    Herrliche Zeiten, erfolgreiche, danke.
    Und dann war da noch der StUffz mbL, auf seine Beförderung wartend, dem ich aber den zustehenden III. PzZg gab und der Wochen später in SHILO auf der SB DEILINGHOFEN im BtlGefSch – Angriff – seinen Mann stand. Im fünften Dienstjahr übrigens.
    Mit dem „OffzKorps der Kp“ funktioniert solches natürlich um Längen besser, sicher.

  • HaTi   |   11. Dezember 2018 - 19:29

    Abgesehen von dem angenehmen Nebeneffekt das man zu Zeiten der Wehrpflicht immer auf einen riesen Pool an ausgebildeten Panzermänner zurückgreifen konnte sollte es wirklich zu einer kinetischen Auseinandersetzung kommen.

    Für Hardheim kann man jetzt wieder teuer alte Männer (z.B. Wiedereinsteller Ü40-Ü50) einkaufen.

  • Alex M.   |   12. Dezember 2018 - 10:30

    @TW,

    ist Ihnen der Tagesbefehl der GenInsp zur Aufstellung des PzBtl 363 bekannt?

    Da klärt sich auch die Unterstellung (PzGrenBrig 37) und woher die Kompanien „stammen“ (Abgabe von je einer Kompanie von 104 und 393 sowie zwei Kp des GebPzBtl 8).

    [Der ist hier in den Kommentaren schon mehrfach erwähnt und zitiert worden ebenso die Unterstellungen. Den Tagesbefehl selbst habe ich bislang nicht. T.W.]

  • Alex M.   |   12. Dezember 2018 - 10:57

    Korrigiere meine Beitrag von 10:30 Uhr
    Die beiden Kompanien sind vom teilaktiven GebPzBtl, die in Pfreimd und Bad Frankenhausen stationiert sind! Es sind nur diese zwei zur Verlegung nach Hardheim vorgesehen.

    Es sind keine „aktiven“ Kompanien von 104 bzw 393.

  • Hans Dampf   |   13. Dezember 2018 - 11:07

    @ Alex M.

    Es sind aktive Kompanien, die mit nachtaktiven die teilaktiven Bataillone bilden/bildeten. Im Frieden sind/waren diese Kompanien aktiven Bataillonen unterstellt.

  • T.Wiegold   |   13. Dezember 2018 - 11:10

    So, nachdem jetzt „nachtaktive Bataillone“ in die Debatte eingeführt werden, denke ich, es ist genug Glühwein geflossen, und mache die Kommentare in diesem Thread dicht. Sinnvoller scheint es ja nicht zu werden.