Neue Probleme für die Orion: Ersatzteile bei Lagerbrand vernichtet

Bei einem der fliegenden Problemfälle der Bundeswehr gibt es jetzt neuen Grund zur Sorge: Wichtige Ersatzteile für die Überholung der betagten Seefernaufklärer Orion P-3C der Deutschen Marine sind vermutlich in der vergangenen Woche beim Brand einer Lagerhalle in Ingolstadt vernichtet worden. Das bestätigten Sprecher des mit der Überholung beauftragten Airbus-Konzerns und der Marine auf Anfrage von Augen geradeaus!. Die langfristigen Auswirkungen auf den Betrieb der Flugzeuge sind noch unklar.

In der Lagerhalle, in der  Airbus wie auch andere Unternehmen Abstellfläche angemietet hatte und die außerhalb der Airbus-Produktionsstätte in Manching liegt, war es am 10. Oktober zu einer Verpuffung gekommen. Nach Angaben der Feuerwehr geriet das zweistöckige  Gebäude komplett in Brand, Personen wurden nicht verletzt.

Für die Arbeiten an dem Seefernaufklärer entscheidende Teile waren nach Marineangaben in der Halle gelagert: Wesentliche Teile der neuen Tragflächen, mit denen die gebraucht gekauften Flugzeuge ausgerüstet werden sollen. Entsprechende Arbeiten hatte der Haushaltsausschuss des Bundestages bereits im Juli 2015 gebilligt. Für das so genannte Re-Winging waren fast 300 Millionen Euro veranschlagt worden.

Die Seefernaufklärer hatte die Bundeswehr gebraucht von den Niederlanden gekauft und später festgestellt, dass umfangreiche Arbeiten daran erforderlich wurden. Im jüngsten Bericht zur Materiallage der Hauptwaffensysteme heißt es zu den acht Maschinen:

Der Gesamtbestand der Bundeswehr beläuft sich auf 8 Luftfahrzeuge vom Typ P-3C ORION.
Das System ist einsatzreif.
Der Verfügungsbestand lag im Mittel bei 5 Flugzeugen. Davon waren durchschnittlich 2 einsatzbereit. Dies entspricht im Mittel einer 41%igen materiellen Einsatzbereitschaft.
Sowohl die laufenden Einsatzverpflichtungen im Rahmen der Operation EUNAVFOR ATALANTA als auch der Beitrag zu Maßnahmen der NATO zur Rückversicherung der Baltischen Staaten konnten parallel zu dringend erforderlichen Maßnahmen zum Fähigkeitserhalt erfüllt werden. Eine deutliche Verbesserung wird nach Abschluss weiterer Projekte (Erneuerung von Tragflächen, Missionssystem und Avionik für den Instrumentenflug) ab 2023/24 eintreten.

Nach dem Brand besteht die Gefahr, dass dieser Zeitplan ins Rutschen kommt, weil eben die Ersatzteile für die Erneuerung der Tragflächen nach ersten Erkenntnissen nicht mehr verwendet werden können. Wie schnell Ersatz dafür beschafft werden kann, ist offen.

Es ist nicht das erste Mal, dass die Bundeswehr durch einen Brand in einer privaten Lagerhalle ein die Gefahr gerät, eine wichtige Fähigkeit nicht nutzen zu können: Im Februar 2015 wurden die Container für das Einsatzrettungszentrum auf den Einsatzgruppenversorgern durch ein Feuer vernichtet, die Marine verlor auf einen Schlag die Hälfte ihrer schwimmenden Krankenhäuser. So weit ich das sehe, ist bislang noch kein Ersatz dafür beschafft.

Die Deutsche Marine ist allerdings nicht die einzige Institution, die das Großfeuer in Ingolstadt über einen möglichen finanziellen Schaden hinaus vor große Probleme stellt. Nach einem Bericht des Bayerischen Rundfunks* war in dieser Halle auch eine Sammlung des Deutschen Museums eingelagert – mit zum Teil unersetzlichen Exponaten. (Ergänzung: Das berichtet auch dpa; ein Link über eine ausländische Zeitungswebseite: Deutsches Museum beklagt nach Brand in Depot Millionenschaden)

Nachtrag: Der NDR-Kollege Christoph Proessl hat weitere Details – u.a. ist nicht nur die Orion betroffen, sondern auch praktisch alle Flugzeuge der Luftwaffe:

*Die Meldung des Bayerischen Rundfunks ist nur bis zum 11.10.2019 abrufbar

(Archivbild: Orion P-3C der Marine im Mai 2012 in Djibouti)

49 Kommentare zu „Neue Probleme für die Orion: Ersatzteile bei Lagerbrand vernichtet“

  • Navales   |   17. Oktober 2018 - 7:30

    Wenn die Maßnahmen zum Fähigkeitserhalt und zur Erhöhung der Einsatzbereitschaft sich dadurch noch einmal erheblich über 2023/24 hinaus hinziehen, sollte die Marine m.E. dringend über eine ergänzende Zwischenlösung nachdenken, wie beispielsweise Italien sie mit der ATR 72MP praktiziert. Diese scheinen schnell verfügbar zu sein: Italien hat laut flightglobal.com im Juli eine weitere Maschine dieses Typs bestellt, die bereits 2019 geliefert werden soll.

  • Der Realist   |   17. Oktober 2018 - 8:16

    Die P-3 Orion ist auch ohne diesen Brand eine einzige Fehleintscheidung, die den Steuerzahler unnötig Geld kostet.

    Es wurden bisher für Kauf und Reparaturen der Flugzeuge rund 1,2 Milliarden Euro ausgeben. Wohl gemerkt für 8 Flugzeuge mit Baujahr 1982 bis 1984.

    Für aktuell 340 Mio Euro/Flugzeug inklusive Training und Ersatzteilen hätte man die P-8 kaufen können und würde damit über ein Flugzeug für die kommenden 30 Jahre verfügen, daß mit anderen NATO-Staaten interoperabel wäre.

    Da man 8 P-3 durch 6 P-8 ersetzen kann, ergäben sich Kosten von rund 2 Milliarden Euro.

    Alternativ wäre auch die Beschaffung einer größeren Anzahl von C295AEW möglich gewesen. Hier hätte man für 2 Milliarden Euro rund 15 Flugzeuge bekommen.

    Nun wird die P-3 durch den A320MPA ersetzt werden und es ergeben sich Gesamt-Kosten des Atlantique-Ersatzes von mindestens 4 Milliarden Euro (P-3 + 320MPA).

  • Trevor Faith   |   17. Oktober 2018 - 8:33

    „Der Gesamtbestand der Bundeswehr beläuft sich auf 8 Luftfahrzeuge vom Typ P-3C ORION.
    Das System ist einsatzreif.“

    Was, bitte schön, bedeutet einsatzreif?

  • Zimdarsen   |   17. Oktober 2018 - 9:27

    @Trevor Faith

    „Was, bitte schön, bedeutet einsatzreif?“

    Es bedeutet nicht -Einsatzklar- einzelnes LFZ klar zum Einsatz.

    Bedenklich finde ich, dass die Bw Material welches für die Einsatzbereitschaft der Bw nötig ist in ungeschützten Anlagen einlagert und eigene Kapazitäten mit eigenem perfektem Brandschutz nicht genutzt werden.

    Billig ist eben nicht immer günstig.

    [Ehe sich ein Missverständnis festsetzt: Hier hat nicht die Bw Material eingelagert, sondern ein Unternehmen. Ob die Anlage vor Feuer „ungeschützt“ war, habe ich so auch noch nicht gelesen; haben Sie da Näheres? T.W.]

  • Bow   |   17. Oktober 2018 - 10:46

    Moin allerseits!

    Mal nebenbei, warum sollte die P-3C durch eine A320 ersetzt werden? Hat nicht Airbus ein Joint Venture mit Kawasaki über die P1 geschlossen?

    Oder vertue ich mich da?

  • Zimdarsen   |   17. Oktober 2018 - 11:35

    @T.W.

    Ja, Airbus hat das Material eingelagert ändert nichts am Problem und daraus ergebenden Fragestellung.

    Wie geben ja auch militärisch, taktischen LuTrans an priv Firmen, was erst dann zum Problem wird, wenn einer runter fällt.

    Einsatzwichtiges Gerät wie zB H145 wird durch ziv Firmen betreut und auch da stellt sich die Frage nach der geschützten Ersatzteilversorgung.

    Der normale ziv Brandschutz unterscheidet sich vom Brandschutz in Kaufering oder Mechernich wesentlich.

    Man kann es anders machen, ist halt dann nichts.

  • J. S.   |   17. Oktober 2018 - 13:39

    Der Brandschutz in Kaufering oder Mechernich mag ein besonderer sein. Es gibt aber auch genug BW-Lager, z.b. am Fliegerhorst Wunstorf, die unterscheiden sich im baulichen Brandschutz nicht von zivilen Lager.
    Der einzige Unterschied wäre die schnellere Verfügbarkeit der Feuerwehr, was bei einer Verpuffung auch eher wenig nützt.

  • Georg   |   17. Oktober 2018 - 13:53

    @ Zimdarsen

    Zitat:
    „Der normale ziv Brandschutz unterscheidet sich vom Brandschutz in Kaufering oder Mechernich wesentlich.

    Man kann es anders machen, ist halt dann nichts.“

    Eben, genauso !

    Die Frage ist eben, ob wichtige Ersatzteile für Waffensysteme nicht auch in Friedenszeiten in geschützten militärischen Anlagen, unterirdischen Depots oder in massiven Stahlbetonbunkern zu lagern sind.

    Sowohl aus der Untertageanlage in Mechernich, im ehemaligen Bleibergwerk als auch aus dem riesigen Bunker in Kaufering sind mir keine solche Brände bekannt.

    Wenn allein das „Re-Winging“, also die Ersatzteile für neue Tragflächen, 300 Mio Euro gekostet haben, dann sind die Ersatzteile inkl. der benötigten Vorlaufzeit um sie zu beschaffen, viel zu wertvoll um sie bei einem Subunternehmer von Airbus in einer „Kfz-Halle“ oder ähnlichem zu lagern.

    Man muss halt wissen, wem man die Sachen anvertrauen kann und wem nicht – Und zivile Firmen gehören offensichtlich nicht dazu !

  • T.Wiegold   |   17. Oktober 2018 - 14:50

    Ich muss jetzt mal ein bisschen zur Vorsicht aufrufen. Natürlich kann und muss man darüber debattieren, wie weit die Bundeswehr Aufgaben an zivile Unternehmen auslagern kann und soll. Aber jetzt eine Art permanente Kriegswirtschaft auszurufen, ist schon merkwürdig. Soll die Truppe jetzt ihre eigenen Flugzeuge entwickeln und bauen, und auch so was wie den Einbau von Tragflächen eines US-Musters selbst organisieren?

    Diese billige Behauptung, zivilen Firmen (und Institutionen?) könne man ja nicht trauen, ist schon ziemlich unterste Schublade. Gerade vor dem Hintergrund, dass gerade mal tausende von zivilen Helfern der Bundeswehr in Meppen den Arsch gerettet haben.

  • Alpha November   |   17. Oktober 2018 - 14:54

    Naja Feuerwiderstand von Bauteilen, Zündquellen, Elektrosicherheit, Personalschulung, das sind alles so Dinge, die im zivilen Industriebau (z.B. Lagerhalle) so eine Sache sind. Ich will es mal freundlich ausdrücken: Das ist sehr auf der wirtschaftlichen Seite bewertet. Bedeutet die Versicherung wird es dann schon richten.

    Blöd nur wenn man nicht ersetzbare Teile einlagert und den Schutz nicht anpasst. Ist baurechtlich ok und (ggf!) erlaubt, nutzt einem nur nichts, wenn es einen wirklich mal trifft.

    Falls einem dieses Risiko allein noch nicht hoch genug ist, dann kann man es aber noch puschen: Wenn man sich bei Misch-Hallen mit einmietet erkauft man zusätzliches Risiko, denn auch wenn man für sich alles pingelig einhält und 10 mal kontrolliert, brennt die Hütte trotzdem ab, wenn der Nachbar (auf den man keinen Einfluss hat) halt nur entsprechend schlampig ist. Hier Böte sich z.B. eine Kfz-Werkstatt oder eine Tischlerei an, falls man nach Risikomaximierung strebt. Wenn es dann noch Mietnachbarn gibt, die kurzentschlossene Feine haben, dann wird es ggf. noch riskanter, da die Chancen auf sogenannten „nicht-bestimmungsgemäßen Gebrauch“ (=Brandstiftung) erheblich steigen können.

    Nun wäre es ja interessant zu wissen wem die Halle gehört, wer alles Mieter war und bei welchem Mieter der Brand ausgebrochen ist und warum.
    Kür wäre dann ja festzustellen ob die Baugenehmigung insgesamt eingehalten war. (Ist sie bei Mischmietobjekten in der Regel selten!)

    Aber die BW hat es natürlich dieses mal leicht, denn sie hat bei Airbus bestellt, und wird einfach und simpel auf Einhaltung eines Vertrages pochen – zu Recht. Das Problem hat ggf. Airbus bzw. deren Versicherungen. Nutzt am Ende praktisch nichts, weil die Vögel ggf. nicht fliegen, aber wenigstens rechtlich und damit kostenmäßig eindeutig gelagert. Es sei denn… man hätte schlechte Verträge… spannend.

  • sakrileg   |   17. Oktober 2018 - 15:18

    Als jemand der auch schon im Museum im Depot gearbeitet hat: Das war damals vom Brandschutz her sicher nicht zu 100% sicher, aber auch da wurde schon sehr drauf geachtet, dass kein absoluter Murks gemacht wurde. Da auch das Deutsche Museum die Lagerhalle ebenfalls nutzte, gehe ich mal davon aus, dass die Lagerstelle keine brandfällige Zeitbombe war, wie das mMn hier bei manchem Kommentator ein wenig herausklingt.

    Und der Bundeswehr nach dem Moorbrand und dem damit einhergehenden Fiasko eine besondere Feuersicherheit/Fähigkeit im Löschen zuzugestehen, naja, das ist für den Außenstehenden dann schon eher amüsant, muss ich sagen. Es mag sogar gerechtfertigt sein, aber dass da ein schaler Beigeschmack im Sinne „Ironie des Schicksals“ bleibt, wenn die Behauptung aufgestellt wird, das sollte wohl verständlich sein.

  • Pio-Fritz   |   17. Oktober 2018 - 15:30

    Das wäre doch die Gelegenheit, diesen finanziellen Fehlgriff der Beschaffung der P3-C zu korrigieren und das Modell zu ersetzen, Muster gibt es ja ausreichend am Markt.

    Man muss sich nur ENTSCHEIDEN, und das möglichst bald. Und da ist der Pferdefuß…

  • Klaus-Peter Kaikowsky   |   17. Oktober 2018 - 15:38

    @sakrileg
    Die Bundeswehr stellt Streitkräfte dar, ist keine Feuerwehr, kein THW, kein Rotes Kreuz.
    Der Bw-Brandschutz ist zivil organisiert: https://www.feuerwehrmagazin.de/edossier/bundeswehr-feuerwehr-deutschlands-zweitgroesste-berufsfeuerwehr-im-portrait-57073
    Den Brandschutz in einer angemieteten Lagerhalle verantwortet der Eigentümer, ggf überantwortet an den Betreiber. Mit dem Moorbrand hat dieser Brand rein gar nichts – ursächlich – zu tun.

    [Das dürfte dem angesprochenen Kommentator wie auch mir klar sein. Aber die Reaktion auf die Aussage „diese Zivilen können keinen Brandschutz“ ist vielleicht nachvollziehbar… T.W.]

  • f28   |   17. Oktober 2018 - 16:22

    doch, natürlich können die Zivilen auch Brandschutz. Aber Alpha November hat das schon korrekt beschrieben, wie es in der zivilen Industrie (in der ich mein Geld verdiene) tendenziell läuft. Brandschutz ist einer von sehr vielen Aspekten, und üblicherweise bei weitem nicht der wichtigste. Wenn nicht grade eine Begehung durch die Feuerwehr ansteht, kräht da kein Hahn nach. Der Job als Brandschutzbeautragter ist auch kein typisches Karrieresprungbrett. Und der Hinweis auf mögliche Fehler der Nachbarn ist auch völlig berechtigt….

  • Zimdarsen   |   17. Oktober 2018 - 16:30

    @T.W.

    Keiner ruft zu einer Art permanente Kriegswirtschaft aus.
    Wer jedoch LV/BV ernst meint muss für LV/BV gerüstet sein. Ob das nun bedeutet, dass man schützt oder disloziert ist dann eine zweite Frage. Doch selbst die Industrie trifft bei Hochwertteilen besondere Maßnahmen, um Versorgung im Frieden durch Ausfall von Produktionsstätten/Zulieferer durch Streik oder Brexit uvm sicher zu stellen.

    Nein, die Bw muss keine Lfz entwickeln und Herstellen. Das Herstellen von Ersatzteilen, die Instandsetzung von LFZ (zB der Einbau von Tragflächen) sollte nicht nur durch die Bw organisiert werden, sondern wird auch durchgeführt, leider zu wenig.

    Genau das ist der Grund warum. Es an Verfügbarkeit fehlt.

    Wenn Manching mal brennt, steht die ganze Luftwaffe und dann brauchen wir uns über VJTF keine Gedanken mehr machen, da bracht es noch nicht einmal LV/BV.

    Ich glaube eher, dass LV/BV von KEINEM ernsthaft geplant wird (evtl ab 2030+).

  • Alpha November   |   17. Oktober 2018 - 16:35

    @ sakrileg | 17. Oktober 2018 – 15:18
    Naja im Moment weiss keiner wer außer den zwei genannten Geschädigten noch in der Mischhalle war. Falls keiner, dann war es ja einer der beiden, was die Sache nicht wirklich besser machen würde.
    Natürlich sind Brände nicht auszuschliessen, aber Sie brauchen dafür zwei Dinge: 1. Brandlast und 2. Zündquellen. Brandlast lieferten die beiden uns bekannten Mieter sicherlich hinlänglich. Zündquellen: Kann sein, vermutlich eher weniger bzw. nicht.
    Bleiben also als Zündquellen Wetter, nichtbestimmungsgemäßer Gebrauch, Bauteile des Gebäudes (Vermieter), unbekannte Nachbarn mit dem ganzen Spektrum,…

    @TW u.A.

    Wenn es nun also zu einem Brand kommt, dann sind die Auswirkungen dessen ganz wesentlich davon abhängig wie man das Schutzniveau angesetzt hatte. Und das ist im zivilen Markt fast ausnahmslos „nur“ das Baurecht – und das ist eben nur das absolute Mindestmaß (praktisch betrachtet ist es Nachbarschutz).
    Da oben drauf kommt dann oft gerade mal noch der Arbeitsschutz (bei Vermietungen aber Mietersache, da immer der Arbeitgeber zuständig ist). Dies erhöht das Level dann marginal im Wesentlichen im Bereich Personenschutz.

    „Zivile“ können also definitiv Brandschutz, es wären dann aber Spezial- und Sonderfälle. „Hallenvermieter“ als Renditebetrieb dürften da eher nicht zu denjenigen gehören, die eine Sonderausstattung anbieten – auch wenn das natürlich sein kann und auch sogar hier so gewesen sein könnte.

    Spätestens wenn man unersetzbare Dinge lagert, die auch eine Versicherung mit Geld nicht wieder gut machen kann, muss sich der Schutzanspruch sicher deutlich über das Baurecht heben. Wie weit ist halt dann ganz sicher eine reine Budget-Frage.
    Da die erforderliche Anlagentechnik sicher noch mal so teuer ist wie die Halle, wäre das Museum (oder vergleichbare) sicher nicht soweit gegangen und hätte seinen Anteil der Mietfläche (für die Mietzeit) selbst aufgerüstet – denn dann hätten sie gleich allein selbst für ihren Bedarf bauen können. Vor allem hätten sie sich das Risiko von Nachbarn dann niemals leisten dürfen.

  • Zimdarsen   |   17. Oktober 2018 - 17:11

    @T.W.

    „Diese billige Behauptung, zivilen Firmen (und Institutionen?) könne man ja nicht trauen, ist schon ziemlich unterste Schublade.“

    Wer hat das behauptet? Ich bin mir sehr sicher, dass ziv Firmen besten Brandschutz leisten können, es gibt genügend Firmen die einen sehr hohen Wert darauf legen, aber es muss einen Grund geben (Auflagen, Image oder Gewinn).

    Einsatzwichtiges Gerät sollte nicht nur durch Brand, sondern auch durch Diebstahl, Sabotage oder grundsätzlich vor Zerstörung geschützt werden und genau dazu hat die Bw entsprechende Infra (und Platz).

    War wohl nicht einsatzwichtig ;-)

  • Georg   |   17. Oktober 2018 - 17:24

    Mein Beitrag von 13:53 Uhr haben Sie etwas verquert in den Hals bekommen. Er war so nach ihrer Interpretation nicht gemeint.

    Wie die Reaktionen von anderen Kommentatoren zeigen, kann man eine zivile angemietete Lagerhalle, die nicht auf dem Werksgelände steht und nicht vom Werksschutz bewacht wird, auch als relativ unsichere Lagerstätte für einzigartige Hochwertersatzteile ansehen, die die Einsatzbereitschaft eines ganzen Waffensystems auf Jahre gewährleisten sollen.

    Dies wollte ich mit meinem Beitrag ausdrücken, ein Lager im Bergwerk oder im Betonbunker mit meterdicken Mauern, mit eigener Werksfeuerwehr erscheint mir von der innneren und äußeren Sicherheit und auch vom vorbeugenden und abwehrenden Brandschutz der besserer Lagerort zu sein.

    Von der baulichen Absicherung gegen Sabotage sowieso. (Wieviel Brandanschläge auf Bw-Fahrzeuge sind in den letzten Jahren verübt worden ?)
    Zum Glück war der Lagerplatz für diese Tragflächenersatzteile den linken autonomen Gruppen und ähnlichen radikalen Bw-Gegnern nicht bekannt.

    Und damit sind wir beim Pudels Kern, Sicherheit kann man nicht betriebswirtschaftlich mit Subunternehmer optimieren und renditeorientiere Industrieunternehmen stellen eben nicht die höchste Sicherheitsstufe in der Lagerhaltung dar.

  • T.Wiegold   |   17. Oktober 2018 - 18:24

    @all

    Siehe Nachtrag oben – offensichtlich ist nicht nur die Orion betroffen.

  • Edgar Lefgrün   |   17. Oktober 2018 - 18:31

    „Kurz nachdem die automatische Brandmeldeanlage ausgelöst hatte, gab es wohl eine Verpuffung und eine damit verbundene Brandausbreitung. Kurz darauf stand die komplette Halle im Vollbrand.“

    Die Verpuffung ist also eine Folge, nicht die Ursache.

    “ wohl eine Verpuffung“

    Ob liesst sich für mich als Annahme, nicht als feststehende Erkenntnis (der Feuerwehr).

  • Alex   |   17. Oktober 2018 - 19:11

    Dann wollen wir hoffen, dass die Ersatzteile gleichmäßig in ihrer Anzahl auf die Außenlager aufgeteilt worden sind, sodass es nicht zu einem Totalausfall kommt!

  • TomTom   |   17. Oktober 2018 - 20:19

    Wenn Airbus auch in diesem Fall haftet wie bei den sonstigen Wartungs- und Instandsetzungsmaßnahmen, dann bekommt auf jeden Fall die Bundeswehr die Torte ab, denn da reden wir von homöopathischen Dosen an Schadenersatz, unabhängig der Schadenshöhe.
    Und so oder so stehen dringend benötigte Waffensysteme nicht oder nur sehr viel später zur Verfügung.

  • Eisenstein   |   17. Oktober 2018 - 22:33

    Es wäre interessant ob die acht Tragflächen-Bausätze der US-Hersteller Lockheed davon betroffen sind, wie viele davon schon verbaut worden, dazu kommen dann noch die Mittelstücke für den Rumpf und hinteren Leitwerk. Diese wurden extra angefertigt, sind nicht vorrätig, wenn diese jetzt zerstört wurden wird das wohl ein Millionen Schaden. Vor allen Dingen stellt sich die Frage, kann man die noch bekommen denn viele wurden davon nicht gefertigt. Wenn jetzt diese Bauteile betroffen sind wird es eng, diese Teile (angegriffen) müssen unbedingt ersetzt werden um die P 3C Orion in der Luft zu halten.

  • Mitleser   |   17. Oktober 2018 - 22:53

    Ach Gott, der US Air Force ist derweil der Hangar über ein bis zwei Dutzend unersetzbarer F-22 zusammengebrochen. Klasse-5-Hurricane über Land, konnte ja niemand damit rechnen, daß nach Andrews 1992 sowas noch mal passiert. Wenn der Bundeswehr derweil unersetzbare Teile für ihre Flugzeuge abfackeln, ist das doch nur der Beweis, daß sie inzwischen wieder auf Weltniveau agiert.

    /sarc off

  • ini   |   18. Oktober 2018 - 8:12

    Falls es jemanden interessiert:

    Auf der Webseite der Firma „Staudinger Unternehmensgruppe“ kann man Luftbilder der Lagerhallen sehen. Die Firma vermietet universell einsetzbare Lager- und Produktionshallen mit Büro- und Sozialräumen. Es stehen insgesamt ca. 145.000 qm Nutzfläche zur Verfügung. Neben Kaltlager- und beheizbaren Flächen sind auch klimatisierte Hallen (Heizung/Kühlung) vorhanden.

    Die Hallen liegen direkt am Bahnhof. Man kann sich also vorstellen, warum ADS sich für diese Lagerfläche entschieden hat.

    Der Schaden wird ggü. ADS sicherlich durch eine Versicherung reguliert. Die Frage ist, wie der Schaden ggü. der Bundeswehr (ggf. Verzögerungen/Einsatzeinschränkungen) reguliert wird. Ich nehme an die meisten Verträge, die mit den eingelagerten Teilen bedient werden, stammen noch aus der Zeit vor dem neuen Vertragsrecht. D.h. Vertragsstrafen bei gibt es nicht.

  • ede144   |   18. Oktober 2018 - 10:12

    @ini

    Es ist egal, ob in den Verträgen Strafen ausgehandelt wurden. Feuer ist höhere Gewalt, da ziehen die nicht. Es sei denn man hat Standards für die Lagerung der Teile vereinbart, die z. B. sich auf Brandschutz, Einbruchsschutz usw. beziehen. Wenn die nicht erfüllt wurden dann kann man Pönale ziehen, ansonsten Pech gehabt.

  • Zimdarsen   |   18. Oktober 2018 - 11:26

    Die Strafe oder mögliche finanz. Entschädigung spielen eher eine untergeordnete Rolle. Wichtiger wären die Schlussfolgerungen für die Einsatzbereitschaft der Bw und ggf nötige Veränderungen zur Lagerung von Hochwertteilen.

  • Alpha November   |   18. Oktober 2018 - 14:09

    @ Zimdarsen | 18. Oktober 2018 – 11:26

    Richtig. Und da muss man schnell erkennen, dass man a) alleine bauen/lagern muss (also unabhängig von dritten) und das man b) ggf. Maßnahmen über das Baurecht hinaus ergreifen muss. Klassiker wäre z.B. häufigere Brandabschnittsbildung, d.h. mehr einzelne Räume oder allein stehende Bauten.

    Wenn ich in den Medien lese, dass ein Lagerabschnitt des Deutschen Museums fast 4000m² groß war und mehr oder minder ausgebrannt ist, dann ist doch vieles klar. Gleichzeitig waren die glücklich, das ihr weiterer 10.000m² Abschnitt auf der anderen Seite verschont geblieben ist. So große Abschnitte sind überhaupt nur mit Industriebaugenehmigungen möglich (oder mit viel anderweitiger Kompensation). Das geht dann nur mit Brandmeldeanlage, die hier ja auch vorhanden war. Aber vielen ist halt nicht klar, dass die auslöst um Bescheid zu sagen, dass man die Versicherung anrufen kann. Einen Brand hält die nicht auf, sie zeigt ihn nur an.

    Fazit:
    Man kann alles in einen Raum stecken, aber man muss sich halt klar sein, dass dann auch alles weg oder beschädigt ist. Auch Luftfahrzeugteile dürften ggü. Wärme und vor allem auch Brandruss stark anfällig sein. Wer garantiert am Ende noch für so etwas…
    Rauch kommt überall hin. Da helfen nur Trennwände oder Einzelhallen.

  • Pio-Fritz   |   18. Oktober 2018 - 14:41

    Am besten kaufen wir große, feuerfeste und erdbebensicher aufgehängte Safes für die Bw-Ersatzteile../scnr

    Wenn ich die Kommentare hier so lese, scheinen ja unschätzbar, nicht zu ersetzende Werte durch grobe Fahrlässigkeit von Airbus Defence and Space GmbH vernichtet worden sein. Dabei wurde, so einige Kommentatoren, jeglicher Brandschutz außer acht gelassen, ob in Unkenntnis oder sonstwie.

    Mensch Leute, kriegt euch ein. Es ist eine Lagerhalle abgebrannt, kommt öfter vor. Die Brandursache wird geklärt und die Versicherung von Airbus ersetzt den Schaden.
    Das einzig wirklich Ärgerliche ist, das die Wiederbeschaffung wahrscheinlich ewig dauert, weil der Beschaffungsprozeß der Bw zu kompliziert ist und die industriellen Kapazitäten nicht in dem Maße vorhanden. Dafür kann aber Airbus nix.

    Ich bezweifele, das eine Lagerung in einem eigenen Depot/Lager das Brandrisiko wesentlich minimiert. Das ist wieder so eine Forderung, die keiner erfüllen kann, weil man genau das vor Jahren aufgegeben hat. Und nicht im Handumdrehen wieder einführen kann.

  • Zimdarsen   |   18. Oktober 2018 - 14:54

    @Alpha Novembe

    Das hat die Bw alles.

  • Der Realist   |   18. Oktober 2018 - 14:55

    Also ist außer den Airbussen der Flugbereitschaft quasi jedes wichtige Fluggerät betroffen, was kein Helikopter ist.

    Vielleicht denkt man in Zukunft mal über eine dezentrale Ersatzteillagerung nach…?

  • Georg   |   18. Oktober 2018 - 14:59

    Airbus Manching hat ja vor knapp 3 Wochen angekündigt ein riesiges Logistikzentrum für die Luftwaffe mit einer Lagerkapazität bis zu 100 000 Ersatzteile für die jetzigen und die zukünftigen Waffensysteme der Luftwaffe, Marine usw. zu lagern und zu versorgen.

    Damit würde Airbus seine bis zu 28 Außenlager für Ersatzteile zentralisieren als logistische Drehscheibe und die gesamte Lw, vermutlich aber alle fliegenden Waffensysteme der Bw mit Erstatzteilen, aber auch mit Schmier- und Betriebsstoffen versorgen (vermutlich ohne das Kerosin, das über Pipelines an die Flugplätze kommt.

    Der Hardhöhenkurier und lokale Medien usw. haben darüber berichtet:

    https://www.hardthoehenkurier.de/index.php/alle-nachrichten/1828-airbus-investiert-60-millionen-euro-in-neues-logistikzentrum-fuer-militaerische-flugzeuge

    und ein Videofilmbericht über die Grundsteinlegung auf Ingolstadt TV (falls dieser Link zulässig ist) :

    https://www.intv.de/mediathek/video/ein-neues-kapitel-fuer-airbus-spatenstich-military-air-space-center/

    Jetzt erhebt sich natürlich die Frage, nachdem sich dieser Brand ereignete, wie muss eine einzigartige Ressource für die Durchhaltefähigkeit aller fliegenden Waffensysteme der Bw geschützt werden ?

    Kann diese logistische Drehscheibe einfach wie ein Zentrallager eines Möbelgiganten auf einem Werksgelände stehen ?

    Dies ist nicht nur eine Frage von Airbus intern, sondern auch eine Frage, die die Bundesregierung beschäftigten muss aus zweierlei Gründen:

    1. die „Einzigartigkeit“ der Anlage und damit die besondere Verwundbarkeit für die Einsatzbereitschaft der Bw

    2. nach meine Einschätzung wird es sich bei dem Lagerbestand um bereits von der Bundesrepublik bezahlten Ersatzteile handeln, die nur in einem industriellen Lager gebündelt gelagert werden. (Modell: bundeseigenes Lager in vorgeschobenen Bereich beim industriellen Instandsetzer).
    So soll oder wird es auch bei vorrätigen Ersatzteilen für Bw-Fahrzeuge bei der Fa. ESG in Fürstenfeldbruck gemacht.

    Das bedeutet also, das dort Sachen von erheblichen Wert lagern werden. Die P3-Orion Ersatzteile haben 300 Mio Euro gekostet. Wenn man den zukünftigen Ersatzteilwert für Tornado und Eurofighter und event. für weitere Ltz-Typen hinzunimmt, kommt man wahrscheinlich auf einen Warenwert der dort gelagert werden soll von 1 Mrd Euro !

    Was bedeutet dies nun für die sicherheitstechnische Absicherung dieses überirdischen Lagers ?

    Als Soldat im Wachdienst hat man mal gelernt, dass ein Schusswaffengebrauch in einem militärischen Sicherheitsbereich bei einer schwerwiegenden Folge gerechtfertigt ist.

    Eine schwierwiegende Folg wird als „eine Gefahr für die Sicherheit der Bundesrepublik Deutschland, die Schlagkraft der Truppe, Leib und Leben eines Menschen oder Sachen von bedeutenden Wert, die dem Täter nicht gehören“, definiert.

    Als dies ist bei dem zukünftigen Logistikzentrum sicherlich gegeben, aber es ist eben kein militärischer Sicherheitsbereich.

    Wie wird also die Unverletztlichkeit des Lagerbereiches zukünftig sichergestellt werden?
    Genügt eine technische Absicherung oder muss dies ein mit bewaffneten Wachmännern speziell gesicherter Bereich werden ?

    Alles Fragen, die m.M.n durch dieses Brandereignis schlagartig gestellt und beantwortet werden müssen !

  • Milliway   |   18. Oktober 2018 - 15:28

    @ Eisenstein | 17. Oktober 2018 – 22:33

    „Wenn jetzt diese Bauteile betroffen sind wird es eng, diese Teile müssen unbedingt ersetzt werden um die P 3C Orion in der Luft zu halten.“

    Kann die ganze P-3C Orion Hysterie nicht ganz nachvollziehen, da die Ersatzteil Versorgung für diesen Flugzeugtyp eigentlich gesichert ist.

    Insgesamt habe ich den Eindruck dass die BAAINBw mit der Betreuung unsere P-3C Orion völlig überfordert ist.

    In der Vergangenheit hat Südkorea ebenfalls eine Verlängerung der Lebensdauer an 8 P-3B Orion für 300-Millionen-Dollar durchführen lassen. In Preis war der Kauf von 8 gebrauchten Flugzeuge mit enthalten.
    Insgesamt kostete die Sanierung der acht P-3B Orion 550 Millionen Dollar, wobei die Maschinen auch ein komplett neues System-Upgrades einschließlich Mehrzweckradar bekommen hatten.

    http://www.amarcexperience.com/ui/index.php?option=com_content&view=article&id=22&catid=8&Itemid=159

    Auf der anderen Seite veranschlagt Airbus fast 300 Millionen Euro für die Verlängerung der Lebensdauer, das sind dann eher Apothekerpreise.

    Auch bei der P-3C Orion stoßen wir auf das altbekannte Problem, die es Machen, können es nicht, die es können, dürfen es nicht.
    Also ich hätte dieses Jahr noch weitere 8 Regenerierte P-3C Orion in Nordholz auf dem Hoff stehen.

  • ThoDan   |   18. Oktober 2018 - 15:42

    @Georg

    Erinnert mich an die US Army Air Force auf Hawaii 1941, um die Flugzeuge leichter gegen Saboteure zu schützen stellten sie hübsch zusammen in die Mitte der Flugplätze……

  • Mitleser   |   19. Oktober 2018 - 10:09

    Interessehalber gefragt:

    Betreibt die Bundeswehr ein Shelf-life extension program (SLEP)?

    Nach der Entwicklung in den USA in den 80ern hat sich das in eine Reihe ziviler und militärischer US-Vorschriften niedergeschlagen. Ich gehe mal davon aus, daß auch eine entsprechende NATO-Norm nicht vergessen wurde. Wird diesbezüglich noch etwas von der Bundeswehr praktiziert?

  • Zimdarsen   |   19. Oktober 2018 - 16:56

    @Mitleser

    Der war gut :-)

    Wir wissen zT noch nicht einmal mehr was in den Lagern ist, wo es ist und ob wir das was wir noch haben benötigen. Viel schlimmer ist, dass die SKB Lager räumt und Bauteile zerstört ohne dass bekannt ist, ob wir das Zeug noch benötigen. Aber so ist es halt beim Umzug (……mit SASPF) :-((.

  • Schorsch52   |   20. Oktober 2018 - 0:16

    @ Zimdarsen

    … aber Ihrer lässt einen ziemlich jede Hoffnung verlieren!

    Die Reste in SAP verschollen, verbrannt oder teilstreitkraftübergreifend verschrottet? Weiße Fahnen kaufen wir dann aus der Kaffeekasse im Baumarkt?

  • Zimdarsen   |   20. Oktober 2018 - 11:02

    @Schorsch52

    Alle mit den Waffensystemen Beschäftigten Soldaten wissen, dass die schlechte Materiallage nichts mit dem Alter der Systeme zu tun hat.
    Jedes Teil welches wir benötigen kann beschafft oder in Werften produziert werden. Zum Teilbfehlen undms ja gerade befinden neuen Sytemen Teile.

    Wer zeitgleich ein neues Matbewirtschaftungssystem, die Organisation, die Verfahren, Vorschriften, Lieferanten, Planungszeiträume, Verwendungsdauer, Personal, Verwendungszweck, Anzahl im laufenden Einsatz verändert (oft grundsätzlich) nimmt jeder seriösen Planung die Grundlage. Drei Parameter würden ein Unternehmen schon an den Rand des Handhabbaren bringen.

    Wir haben durch die Reformen und laufenden Einsätze das System überfordert und dann kommt im Krieg oder Grundbetrieb noch die Störgröße durch Katastrophe, Unfall, Diebstahl, Sabotage, Innovation uem noch dazu.

    Wenn wir nicht schnell das Vorhandene stärken, dann geht es noch weiter den Berg nach unten.

  • Nur 2 Cent   |   20. Oktober 2018 - 12:02

    @Zimdarsen: Es kann eben nicht jedes Teil beschafft werden. Der Grund ist gerade das Alter der Systeme, verbunden mit dem Auftragnehmermonopol der Bundeswehr.

    Entweder haben die Teile extrem lange Lieferfristen, so dass jegliche Planung über den Haufen geworfen wird, oder es sind Produktänderungen notwendig, weil das Nachfolgeteil andere Abmaße, Anschlussmaße, Ansteuerparameter oder ein anderes Verhalten aufweist.

    Und bei Produktänderung gerät das Ganze dann in die bürokratischen Mühlen der seit 2012 immer weiter verkomplizierten Planungs- und Beschaffungs-Prozesse. Merke: Regelungen und Weisungen werden schnell aufgestellt, aber selten zurückgenommen.

    Und sollte dann mal ein kurzfristig nachbeschaffbarer/instandsetzbarer Artikel im Depot sein, so gilt nach 2012:
    – Einlagern als Schrott
    – Instandsetzen irgendwann (ist für den Zuständigen nur eine Nummer im System)

    Da ist ein Lager voller verfügbarer Ersatzteile mehr als Gold wert. Wenn es abraucht, ist es eine Katastrophe.

    Complexity killed the cat.

    Meines Erachtens nach ist das System Bundeswehr am Ende. Das Knarzen im Gebälk nimmt zu. Die Maschine läuft nur noch durch das Engagement des Einzelnen. Eigentlich hilft nur eine Zäsur: Abwickeln. Neu aufbauen ohne Altlasten.

  • Grashüpfer   |   20. Oktober 2018 - 12:55

    Sehr schön Zimdarsen. Damit ist alles beschrieben. Das ist der Kern aller Probleme. Von Rucksack zur Bekleidung, Flugzeuge und Funkgeräte …. usw

  • Zimdarsen   |   20. Oktober 2018 - 16:25

    @Nur 2 Cent

    „Es kann eben nicht jedes Teil beschafft werden. Der Grund ist gerade das Alter der Systeme, verbunden mit dem Auftragnehmermonopol der Bundeswehr“

    Nein eben nicht. Es kann jetzt sofort nicht mehr jedes beschafft werden, aber das ist immer so. Genau deshalb plant man, hat Lagerhaltung und eigene Werften. Wenn man dann die Lager schließt, die Planung alle 4Jahre über den Haufen wirft und die Werften samt Personal so weit reduziert, dass Sie nicht mehr arbeitsfähig sind, dann hat man auch bei neuen Sytemen Probleme. Das Alter der Systeme ist nicht die Ursache.

    Wir haben auch bei Neusystemen die selben Probleme.

  • Der Realist   |   20. Oktober 2018 - 16:30

    @ Bow

    Es ging darum, daß Japan sich eventuell technologisch am neuen europäischen MPA beteiligen möchte, welches auf dem A320neo basiert.

    Die Wahrscheinlichkeit dafür ist gerade deutlich gestiegen:

    Japan sucht ein neues Kampfflugzeug und erwägt, sich zusätzlich am neuen deutsch-französichen Fighter zu beteiligen:

    https://nationalinterest.org/blog/buzz/japan-wont-build-super-f-22-or-new-f-15-after-all-33781

    Ich bin mir aber nicht sicher, wie es um die Einsatzbereitschaft unserer P3 nach dem Brand in den kommenden Jahren aussehen wird. Vielleicht brauchen wir sogar eine Zwischenlösung, weil der 320neo noch ein paar Jahre brauchen wird.

  • Zimdarsen   |   20. Oktober 2018 - 16:35

    Zum Teil fehlen uns ja gerade Ersatzteile von neuen Sytemen. (So macht der Satz Sinn :-)).

  • Ottone   |   20. Oktober 2018 - 17:15

    @TW: Der EGV Frankfurt soll ein nur auf ihn zugeschnittenes integriertes „iMerz“ erhalten, wenn ich das richtig im Kopf habe.

  • Zimdarsen   |   22. Oktober 2018 - 9:54

    „Es werde nun sichergestellt, dass die Produktion im Wartungsgeschäft trotz des Brands kontinuierlich weiterlaufe, hieß es bei Airbus lediglich. Es gebe noch weitere Lager, in denen die dafür notwendigen Teile untergebracht seien.“ (PNP)

    Von Bw kein Wort. Bin mal gespannt, ob sich die Bw einen Überblick verschafft und wenigstens die Missionaausrüstungsersatzteile und Abweichende Avionik gesondert einlagert.

  • FNU SNU   |   22. Oktober 2018 - 11:45

    @Zimdarsen:

    Es sind Kräfte der Bundeswehr vor Ort (Lager) und prüfen die einzelnen Komponenten.
    Vorsichtige Entwarnung, kein Totalausfall.
    Aber Prüfung dauert an, ist ja durchaus teure Technik, das klappt nicht so schnell…

    @all:

    Die Politik hat nunmal Entschieden, dass die Bundeswehr nach 1990 massiv zur Fridensdividente beitragen muss und eben Depotlagerung, Systemzentren, Fähigkeiten massiv reduziert (durch Reduzierung im EPl 14).

    Und einmal abgebaute und verlorene Expertise ist sehr teuer im Wiederaufbau. Dazu kommen eben jetzt all die Probleme mit zeitgleichen Einsätzen, modernisierung etc.

    Die Beschaffungsstrukturen, Logistik etc. müssen erstmal wieder aufwachsen.
    Das dauert nunmal leider.

  • Zimdarsen   |   22. Oktober 2018 - 12:05

    @FNU SNU  

    Dass es dauert zusätzlichen gehärteten und geschützten Lageraum bereitzustellen, dürfte jedem klar sein.

    Deshalb ist es um so wichtiger, den vorhandenen zu nutzen und jetzt Entscheidungen zu treffen um für die Bw und Europa genügend für LV/BV zu bekommen.

  • Der Realist   |   23. Oktober 2018 - 10:12

    Die Bedrohung durch russische U-Boote steigt anscheinend, daher möchte man unbemannte Systeme zur Bekämpfung entwickeln:

    https://www.defensenews.com/naval/2018/10/21/to-combat-russian-subs-nato-allies-are-teaming-up-to-develop-unmanned-systems-at-sea/

    Um so schlimmer in diesem Zusammenhang der schlechte Klarstand unserer Orions und der Brand, der die Situation weiter anspannen dürfte.

    [Die entsprechende Absichtserklärung hatten mehrere Länder, darunter Deutschland, bereits Anfang Oktober unterzeichnet; außerdem gibt es ein deutsch-französisches Programm für einen neuen Seefernaufklärer, genauer: ein Maritime Airborne Warfare System. Die verlinkte Geschichte greift das jetzt noch mal auf, und den Zusammenhang mit dem Brand bzw. der Orion sehe ich nicht so ganz…? T.W.]

  • Der Realist   |   23. Oktober 2018 - 14:23

    @ T.W.

    Eine einfache Antwort:

    Mangelhafte Fähigkeiten der U-Bootbekämpfung der Bundeswehr. Ausgelöst durch zuwenige und veraltete U-Bootjagdflugzeuge und eine nochmals verschärfte Situation durch zerstörte oder beschädigte Ersatzteile dieser Flotte.