Dokumentation: Merkel bei der Bundeswehr in Jordanien

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat am (heutigen) Donnerstag bei ihrer Jordanien-Reise die Bundeswehrsoldaten auf dem Fliegerhorst Al Azraq besucht. Die Luftwaffe hat dort vier Tornado-Aufklärungsflugzeuge und ein Tankflugzeug stationiert, die im Rahmen der internationalen Anti-ISIS-Koalition im Einsatz sind.

Zur Dokumentation Merkels Statement (in der Abschrift des Bundespresseamtes):

Liebe Soldatinnen und Soldaten, ich freue mich, dass ich heute hier in Al-Azraq bin. Ich habe heute Vormittag die Deutsch-Jordanische Universität besucht. Da sieht man ein Bild, wie wir auch jordanische junge Leute ausbilden. Dann habe ich mit dem König und dem Ministerpräsidenten Gespräche geführt. Jetzt war es mir ein Herzensanliegen, auch Sie hier in Al-Azraq zu besuchen. Denn wir wissen, dass Sie hier gut aufgenommen sind. Der König hat mich gebeten, Ihnen ganz herzliche Grüße zu übermitteln. Man freut sich über die deutschen Soldaten hier in Jordanien. Wir haben ja auch eine Ertüchtigungsinitiative mit Jordanien. Insgesamt ist die deutsch-jordanische Zusammenarbeit in den letzten Jahren doch sehr angestiegen.

Sie versehen hier einen wichtigen Dienst. Ihr Chef hat mir eben einen Einblick in das gegeben, was Sie tun. Die Operation gegen den IS ‑ oder gegen Da’esh, wie man hier in der Region sagt ‑ ist natürlich eine Operation, an der man auch den Erfolg sieht. Die Operation ist nicht beendet. Wir haben auch die Rückzugsvarianten ins Auge gefasst. Wir haben auf den Bildern gesehen, wie der Einflussbereich von Da’esh zurückgegangen ist. Nicht bei jedem Einsatz sieht man ja so, wie es vorangeht. Dennoch kann man auch erkennen, dass die Rückzugsräume immer noch da sind und dieser Einsatz deshalb weiterhin geflogen werden muss.

Sie sind Teil eines interessanten und wirklich nicht einfachen Verbundes von Streitkräften. Wenn man über internationale Zusammenarbeit spricht, über multilaterale Zusammenarbeit, dann muss sich hier wirklich jeder auf jeden verlassen können. Sie stellen natürlich wichtige Informationen für andere zur Verfügung, die dann die Bekämpfung der Ziele vornehmen müssen. Wir wissen ‑ deshalb haben Sie eine so wichtige Mission; das will ich ausdrücklich noch einmal sagen ‑, dass die Terroranschläge von Paris von Rakka aus geplant wurden und dass zwischen unserer Sicherheit zu Hause und dem, was Sie hier tun, ein unmittelbarer Zusammenhang besteht. Deshalb helfen Sie den Menschen in Deutschland, sicherer zu leben. Das ist wirklich ein großer Beitrag.

Die Umgebung hier ist, sagen wir einmal so, überschaubar. Wir haben eben auch darüber gesprochen, dass die Sicherheitslage natürlich trotzdem so ist, dass Sie nicht einfach aus dem Camp hinauskommen. Deshalb ist es, denke ich, gut, dass Sie hier ein schönes Camp haben. Aber insgesamt ist es auch wichtig für uns, aber auch für die mitreisenden Bundestagsabgeordneten, dass wir sehen, was für ein Mandat das ist. Wenn man das hier vor Ort sieht, hat man natürlich ein ganz anderes Gefühl für die Dinge, als wenn wir dieses Mandat einfach im Deutschen Bundestag beschließen. Insofern glaube ich, dass die Bundeswehr ‑ oft wird ja auch darüber geschrieben, was alles nicht geht ‑ an dieser Stelle zeigen kann, dass sie ein verlässlicher, wichtiger Partner in einer großen internationalen Organisation ist.

Ich freue mich, in wenigen Minuten mit einigen von Ihnen noch ein bisschen mehr im Detail sprechen zu können. Die Region rückt geistig viel näher an uns heran, als das früher der Fall war, durch die Flüchtlinge, die nach Deutschland gekommen sind, durch Ihre Arbeit, auch wenn man sieht, wo überall in der Region wir jetzt vereinzelt Soldaten haben, von Bagdad über Erbil bis Katar und hier an dieser Stelle, auch noch in der Türkei, in Konya, im NATO-Zusammenhang. Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht, aber irgendwo entwickelt sich dann doch dieses Gefühl, dass das alles gar nicht so weit weg ist. Es ist zwar völlig anders und auch schon in einiger Flugentfernung, aber insgesamt doch vor unserer Haustür und eben mit direkten Wirkungen auf uns. Deshalb entwickeln wir auch politisch ein Gefühl dafür, dass das, was wir hier unterlassen, zum Beispiel die Finanzierung von Flüchtlingscamps in Jordanien oder die Nichtbeschulung von Kindern oder das Gleiche im Libanon, letztlich ganz intensive Auswirkungen auf uns hat.

Wenn Sie sich hier mit den Gegebenheiten, auch den militärischen Gegebenheiten, in Syrien befassen, dann sehen Sie, wie eng die früher im Kalten Krieg ja völlig verfeindeten Blöcke zusammengerückt sind. Koordinierung mit Russland gehört sozusagen zur Tagesaufgabe. Denken Sie an unseren NATO-Partner Türkei mit wiederum natürlich sehr eigenen Interessen in dieser Region.

Insofern zeigt sich hier auch, wie geschichtliche Zusammenhänge im Grunde wieder auferstehen. Ich habe mir neulich noch einmal angeschaut, was nach dem Ersten Weltkrieg eigentlich passiert ist. Damals ist die ganze Region neu aufgeteilt worden. Die Sykes-Picot-Linie ist ja so entstanden, dass man gesagt hat: Von Acre in Israel bis zum zweiten K von Kirkuk wird jetzt eine Linie gezogen. Ein Teil kommt zu Großbritannien, der andere zu Frankreich. Die Nachwirkungen spüren Sie hier in der Region noch an vielen, vielen Stellen, weil sich viele Nationen hier auch gar nicht so entwickelt haben, wie das bei uns über viele Jahrhunderte ‑ leider auch mit sehr vielen Kriegen ‑ stattgefunden hat.

Insofern danke ich Ihnen noch einmal von ganzem Herzen für Ihre Arbeit für den Frieden und für die Sicherheit. Ich sage das etwas emphatisch. Das ist mit vielen Nachteilen auch für Ihre Familien verbunden, die auf Sie verzichten müssen. Einmal im Jahr lade ich ja Angehörige von Bundeswehrsoldatinnen und ‑soldaten ein, die das alles aus der Heimatperspektive verfolgen. Aber ein Stück Deutschland haben Sie sich ja hierhergeholt. Der gut riechende Rasen ist eine deutliche Besonderheit hier in der Region. Jetzt wollen wir hoffen, dass auf dem Rasen in Russland Vernünftiges für unsere Mannschaft passiert. Das werden Sie hier ja auch verfolgen.

Danke, dass Sie mich empfangen. Alles Gute! Es scheinen ja ziemlich viele hier zu sein. Manche haben vielleicht auch noch etwas anderes zu tun, als sich jetzt mit mir zu befassen. Danke auch an diejenigen, die Betankung vornehmen. Das finde ich auch eine der spektakulärsten Übungen, die man durchführen kann. Ist jemand hier, der in solch einem Betankungsflugzeug fliegt? ‑ Sie arbeiten daran? Das ist alles hohe Präzision. Ich werde nachher noch die Frage stellen, ob das technische Gerät in der Wüstenumgebung hier sehr leidet und ob man dann doppelt so viel Pflege hat. Aber das ist nicht für die große Runde. ‑ Danke! Alles Gute! Herzliche Grüße aus der Heimat, auch ‑ das darf ich, glaube ich, sagen ‑ im Namen der Bundestagsabgeordneten, die mich hierher begleitet haben!

(Foto: Bundeswehr/Jürgen Sickmann)

18 Kommentare zu „Dokumentation: Merkel bei der Bundeswehr in Jordanien“

  • Carnivora   |   21. Juni 2018 - 23:09

    Wer schreibt der BK solche Ansprachen auf – oder anders: Kann ihr vllt. doch mal jemand etwas aufschreiben, damit sie nicht zu vmtl. freier Rede gezwungen wird?

  • Alex   |   21. Juni 2018 - 23:26

    „wie eng die früher im Kalten Krieg ja völlig verfeindeten Blöcke zusammengerückt sind. Koordinierung mit Russland gehört sozusagen zur Tagesaufgabe.“
    Danke, Russland! ;) Liest denn niemand Korrektur?

  • ini   |   22. Juni 2018 - 8:15

    „Deshalb helfen Sie den Menschen in Deutschland, sicherer zu leben.“

    Das klingt stark nach: „Deutschland wird auch am Hindukusch verteidigt.“

    Auch die Kanzlerin hat es noch nicht verstanden.

    Trotzdem aber schön für die Soldaten vor Ort, Anerkennung und Respekt für Ihren Dienst von der Kanzlerin direkt zu erfahren.

  • Pete   |   22. Juni 2018 - 8:32

    „…Wenn man das hier vor Ort sieht, hat man natürlich ein ganz anderes Gefühl für die Dinge, als wenn wir dieses Mandat einfach im Deutschen Bundestag beschließen…“

    Eine für mich enthüllende und erschreckende Aussage einer Regierungschefin, die ihre Soldaten in einen rechtlich durchaus umstrittenen Einsatz geführt hat. Die banale Aussage“…wenn wir dieses Mandat einfach im Deutschen Bundestag beschließen…“ verstört mich. Wenn Mandate „einfach“ beschlossen werden, dann hat man nicht besonders darüber nachgedacht. Und was meint sie mit den „Dingen“, für die sie nun ein ganz anderes Gefühl hat?

    Ich hatte zuerst gedacht, dass die gesamte Rede so nicht gehalten worden sein kann, weil der gesamte Text aus meiner Sicht eher für eine Schulklasse auf Exkursion im Ausland passen würde als auf eine Gruppe von Soldaten im Auslandseinsatz.

  • Yeoman   |   22. Juni 2018 - 8:44

    Freie Rede – in der Merkel-typischen Mischung aus enormem Allgemeinwissen (Stichworte Sykes-Picot-Linie, Kalter Krieg), unvoreingenommener Neugierde und solidem Briefing. Das mag einen ansprechen oder nicht, aber Krittelei ist fehl am Platze. Bei solchen Gelegenheiten ein Statement abzulesen, wäre eindeutig die armseligere Option, und alle einsatzerfahrenen Kameraden unter der Leserschaft wissen, dass die allermeisten Grußworte nur aus Stanzen bestehen.
    Wenn schon Textkritik, dann zum wording: Soldaten der Bundeswehr verrichten DIENST, keine ARBEIT.

  • Zimdarsen   |   22. Juni 2018 - 9:15

    @Yeoman

    Natürlich leisten wir Dienst im Gesamten aber im konkreten ist es Arbeit und deshalb heißt es auf die Stunde bezogen Arbeitszeit. Dienstzeit und der Dienst ist was wir für die BRD leisten, ein Kfz zu Betanken oder LKW zu fahren ist erstmal Arbeit und auch am Gegner kann man sich abarbeiten ;-).

  • Pete   |   22. Juni 2018 - 9:28

    @Yeoman
    „…alle einsatzerfahrenen Kameraden unter der Leserschaft wissen, dass die allermeisten Grußworte nur aus Stanzen bestehen…“

    Mit „Stanzen“ von einer Regierungschefin, die sie in den Einsatz geschickt hat, sollten sich die Soldaten nicht zufrieden geben. Dafür ist ein Auslandseinsatz von Soldaten zu ernsthaft. Es ist ja keine Spielerei und auch kein Abenteuerurlaub, sondern der Einsatz militärischer Gewalt bei dem getötet wird und auch Soldaten getötet werden können.

  • Klauspeterkaikowsky   |   22. Juni 2018 - 10:50

    Zur Operationsführung mit den Hauptverbündeten, NICHTS❗
    Aber Russland.
    Coalition Forces, Partners Begin Phase 2 of Operation Roundup
    June 3, 2018
    From a Combined Joint Task Force Operation Inherent Resolve News Release

    SOUTHWEST ASIA —
    Syrian Democratic Forces have initiated ground operations for phase two of Operation Roundup to defeat Islamic State of Iraq and Syria remnants in northeastern Syria, Combined Joint Task Force Operation Inherent Resolve officials announced today. …

  • Dante   |   22. Juni 2018 - 10:58

    Ich konnte allerdings keine wirkliche Antwort auf die beiden relevanten Fragen „was machen die leute da genau“ und noch besser „wass hat DE“ damit zu tun und „wem bringt es konkret was“?
    Ich denke die russen haben ihre eignen aufklärer. Und nachdem sich die USA aus diesem konflikt verabschieden wollen, stellt sich ja dann doch mal die Sinnfage.
    Abgesehen davon kostet es haufen Geld dass anderwo fehlt.

  • FNU SNU   |   23. Juni 2018 - 14:41

    Was wir da machen?

    Unsere zukünftige Luftwaffenausbildung abstimmen.

    Ist alles da. Flughafen mit Infrastruktur, Fläche, etc.

    Genau deshalb sind wir noch in Jordanien.

    Just my humble opinion…

  • Redenschreiber   |   23. Juni 2018 - 22:51

    Ein kleiner aber feiner Unterschied:

    Gerade bei einer freien Rede sollte man nicht jedes Wort auf die Goldwaage legen.
    Bei einer vorher verfassten Rede kann und sollte man dann jedes Wort auf die Goldwaage legen.

    – zukünftige Luftwaffenausbildung?
    Ist das realistisch oder war das als Scherz gemeint?
    Statt USA dann Jordanien oder gibts USA schon gar nicht mehr. Habe Wikipedia gelesen und bin nicht so ganz schlau geworden.

  • Klauspeterkaikowsky   |   24. Juni 2018 - 11:08

    http://www.tagesschau.de/ausland/syrien-angriffe-115.html
    „Koordinierung mit Russland gehört sozusagen zur Tagesaufgabe“.
    Provinz Daa’ra, seit Tagen kämpfen im Süden Syriens Assads Truppen wieder gegen Rebellen – trotz einer Waffenruhe. Zum ersten Mal seit langem kamen nun offenbar russische Kampfjets zum Einsatz.
    Dann wird die „die Rückzugsvarianten ins Auge gefasst“.

  • Dante   |   24. Juni 2018 - 13:19

    @KPK @ FNU SNU
    „Koordinierung mit Russland gehört sozusagen zur Tagesaufgabe“
    Dass wass die Leute da machen ist nachvollziehbar. Mir fehlt es ein wenig am Warum.
    Zumal jordanien auch ne LW mit f 16 (und garnicht mal wenige) hat.
    Mir fehlt da irgendwie ein klein wenig die Begründung für den Nutzen für DE.

  • Zimdarsen   |   24. Juni 2018 - 16:00

    @Dante

    Ein Blick nach Am Asrak hilft, da sind außer die Luftwaffe noch viele Luftstreitkräfte anderer Staaten. Deutschland hat mit seinem Beitrag einen Anteil der es DE ermöglicht Einblick zu haben, Entwicklungen verfolgen zu können und etwas Einfluss im Interesse von DE und Europa zu haben. Die Frage muss lauten, was geschieht wenn wir nicht unterstützen und ggf zB der Flüchtlingsdruck auf die EU auch aus dieser Richtung zunähen.

  • Klauspeterkaikowsky   |   24. Juni 2018 - 18:11

    Inherent Resolve „vielbeschäftigt“ mit operation roundup, Phase 2, ab 02. Juni
    Bw mit den Tornados und MRTT ist Teil davon.
    Was stört, die Kanzlerin sinniert über „Koordinierung mit Russland gehört sozusagen zur Tagesaufgabe“, zur Operationsführung mit Alliierten keine verwertbare Aussage. Das „Die Operation ist nicht beendet. Wir haben auch die Rückzugsvarianten ins Auge gefasst“ ist was(?) DEMOTIVIEREND, ohne Not Rückzug (=Flucht) zu sprechen.

    @CJTFOIR committed to #DefeatDaesh mission. #USA and #Turkish forces conducted independent, coordinated patrols on opposite sides of northern demarcation line outside #Manbij, #Syria today. Patrols ensure safety of Manbij and work to achieve peace and security #AfterDaesh.
    independent, coordinated heißt: Jeder macht sein Ding, nördlich/südlich der Manbij-Grenzlinie zum türkisch eroberten Kurdengebiet.

  • Alex   |   24. Juni 2018 - 21:00

    Ob Syrien halbwegs sicher ist, wird nicht von der syr. Regierung oder Russland festgelegt, sondern von unserer Bundesregierung. Hat diese ein Interesse daran?
    Wer wird eigentlich für den Wiederaufbau unter Assad zahlen?
    Wie hat sich unsere Sicherheit durch Counter Daesh verbessert? Kam Anis Amri nicht aus Tunesien und hatte Kontakte nach Libyen? Wurde das russische Flugzeug nicht in Ägypten zerstört?

  • Dante   |   25. Juni 2018 - 15:03

    @alex
    Dass mit dem wiederaufbau wird ne interessante Frage für die nächsten Jahre.
    Im positivsten Falle werden die dass bezahlen die Glauben die religiöse und politische Bedeutungshoheit zu haben. Im Sinne eines Marshallplans.
    Im besten Falle werden sich der Iran und die Saudies versuchen gegenseitig mit dem Aufbau der Infrastruktur zu übertreffen um sich als Bennefit den Einfuß zu sichern.

  • Klaus-Peter Kaikowsky   |   25. Juni 2018 - 16:12

    Heimlich still und leise, ohne mediales Aufsehen: Deutschland ist der Europäischen Interventionsinitiative EI2 beigetreten

    [Habe dazu einen eigenen Eintrag eröffnet; bitte den umfangreichen Kommentar dort posten – hier passt es nicht wirklich. T.W.]