Politikchefs der Verteidigungsministerien von Deutschland und Russland im Gespräch

Fürs Archiv – und weil es in diesen Zeiten entweder selten vorkommt oder nicht öffentlich bekannt wird: Der Leiter der Politikabteilung im deutschen Verteidigungsministerium, Geza von Geyr, hat in dieser Woche politische Gespräche in Moskau geführt. Dabei ging es, so berichtet das russische Verteidigungsministerium, auch um eine Wiederaufnahme der (militärischen?) Zusammenarbeit zwischen den Ministerien beider Länder:

On March 23, Chief of the Main directorate of international military cooperation of the Russian Defence Ministry Sergei Koshelev has held negotiations with the Chief of the Department of Politics of the Federal Ministry of Defence of Germany in Moscow.

The parties discussed topical issues of international security, in particular, the situation in Eastern Europe and in the Middle East, relations of NATO and Russia, as well as talked about resumption of cooperation between both military departments.

Die komplette offizielle russische Mitteilung auf Englisch hier (vom späten Freitagabend Moskauer Zeit, obwohl das Treffen schon am Donnerstag war. Die Nachrichtenagentur TASS hatte darüber zuerst am frühen Freitagabend berichtet, allerdings zunächst nur auf Russisch). Vom BMVg gibt es bislang nichts dazu.

Die NATO hatte als Folge der Ukraine-Krise und der Annexion der Krim die militärische Zusammenarbeit mit Russland ausgesetzt, politische Gesprächskanäle sollen aber erhalten bleiben – dafür hatte sich vor allem Deutschland immer wieder eingesetzt.

(Foto: Geyr, links, mit Koshelev – Russisches Verteidigungsministerium)

15 Gedanken zu „Politikchefs der Verteidigungsministerien von Deutschland und Russland im Gespräch

  1. Spätetens seit dem gestrigen TRUMP-Debakel zur Ablösung OBAMA-Care offenbart sich, POTUS bleibt absehbar mittelfristig eingebunden in innenpolitischen Grabenkämpfen zur Gesichtswahrung.
    Außen-und SiPo-mäßig kann Wesentliches kaum erwartet werden.
    Wer, wenn nicht DEU ist prädestiniert zumindest auf Kommunikationsebene das strategische Vakuum zu befüllen? Hollande wird abgelöst, May macht Brexit, irgendwie und Merkel hat zwar auch WAHL, allerdings üben sich SPD- Kanzler traditionell in guten Beziehungen zum Kreml. Passt alles! Es sei denn, Resteuropa befürchtet DEU Separatgespräche mit Moskau.

  2. Wenigstens gibt es direkte Gespräche mit einem Handschlag als Zeichen des gegenseitigen Respekts ( so hoffe ich doch!). Hoffentlich kamen alle relevanten Then auf den Tisch, zädie zu einem besseren gegenseiten Verständnis führen. Wie ssgte BK’in Merkel in einem anderen Anlass: Besser man redet miteinander, als man redet über einander.

  3. Dieser handshake sieht imho schon etwas seltsam aus,…… hat schon eine gewisse symbolische Qualität. Da streckt von Geyr seinem russischen Kollegen den kleinen Dialogfinger hin und der grabscht sich gleich die ganze Hand inkl. Handgelenk ……..kann man auch an der russischen Presseerklärung ablesen ;-)

  4. Ich frage mich, was könnte die (militärische) Zusammebarbeit der Ministerien der beiden Länder sein? Ich habe keine Vorstellung.

  5. Über den genauen Inhalt der Gespräche können wir spekulieren; wir wissen MENA war Inhalt.

    In Syrien liefern sich von der Türkei wie Saudi Arabien unterstützte Rebellenverbänden Alliierten mit Al-Kaidas Fetah As-Sham an zwei Fronten Gefechte mit der SAA. Hierbei büßte die Revolution gar Gelände vor Damaskus ein und das Rebellengebiet würde gespalten. Im Norden Hamas kommt die Offensive schleppend voran.

    Das letzte Aufbäumen der Sunnitischen Proxys kann als ein vorweggenommenes Ende der durch Kampfhandlungen veränderbaren Verhandlungsmacht in Astana gesehen werden. Daesh verliert zur Stunde Mossul und Raqqa an die Kurden, deren sunnitische und christliche Verbündete sowie schiitische Milizen der Zentralregierung in Baghdad. Die westliche sowie russische Unterstützung dieser Strategie ist offensichtlich.

    Just veröffentlichte Chatam House in London eine Analyse zu Syrien. Die meist britisch wie französisch orientierten young hopefuls fahren eine gründliche Analyse der Lage in Syrien und arbeiten Verhandlungsziele „Des Westens“ heraus, welche gegenüber Damaskus zu realisieren wären.

    Verhandlungsmasse lokalisieren die Analytiker zurecht anhand der Tatsache, dass die Achse Russland, Iran wie China wenig gewillt bis schwer in der Lage wäre, den Wiederaufbau Syriens zu stemmen. Der Westen solle dies also stemmen!

    Bitch, who? Anyone? Weder Paris noch London verfügen in absehbarer Zukunft das Budget für derartige Investments hergeben. Saudi Arabien nahm kürzlich erst Kredite auf und die Türkei steht vor dem volkswirtschaftlichen Kollaps.

    Von Gerade Gespräche​ kommen zum richtigen Zeitpunkt in Verbindung zu Moskau eine UN Resolution zu Syrien anzubahnen. Die USA werden sich noch entscheiden, wie sie sich positionieren – die Vorzüge einer Super-Weltmacht eben.

    Sehr geehrter Herr Bundespräsident Steinmeier,

    Wäre es Angezeigt auf einen ständigen Sitz Deutschlands im Sicherheitsrat zu pochen, einen zusätzlichen ständigen Sitz der EU?

  6. @ AoR

    Was ist das Endziel ihrer Analyse ?

    Die verschiedenen Kriegstreiber, Saudi Arabien, Iran, Russland, USA, Türkei, Frankreich finanzierten den Krieg im Syrien und Deutschland soll den Wiederaufbau bezahlen ?

    So dumm kann Deutschland schlecht sein, wir können auch gut ohne einen ständigen Sitze im Weltsicherheitsrat leben.
    Es reichen schon die 23 Mrd Euro / Jahr, die uns die Flüchtlinge pro Jahr kosten. Nebenbei bemerkt, rechnen Sie diese Zahl zu unserem Verteidigungsetat von 37 Mrd Euro darauf dann sind wir bei annähernd 2 % BIP und das ohne wir einen Schuss in Syrien abgegeben haben !

  7. @Georg: So sieht’s aus und jetzt können wir uns überlegen wo es hingehen soll. 23 Mrd € in Jahr während der Konflikt weiter brodelt? Somalia, Libyen und Afghanistan mahnen uns zu Kooperation EU – RUS. Jedenfalls bis Whiskey Hotel einen Plan hat ohne wie unsere britischen und französischen Freunde von prokuristischer Manier über unsere Schatullen zu verfügen.

    (Wem schuldeten wir noch riesen Summen für Verteidigung?)

    Bis dahin gilt, Shanghai Kooperationsrat + EU müssen ran während die Türkei und Saudi am @Melberschen Katzentisch brüllen und die Kontrolle über ihre Rhetorik verlieren. Gott sei dank haben wir ein Nuklearabkommen mit dem Iran. Zuschläge gehen bisher an deutsche Unternehmen ;)

    Und ja, die Flüchtlinge wollen auch irgendwann wieder nach Hause.

  8. Ah – interessant. Was teilt das RUS Verteidigungsministerium denn sonst noch so mit? Wäre vielleicht einen eigenen Faden wert.
    Hans Schommer

  9. @AoR & all

    Diese Meldung der Times hatte ich am Sonntag auch gesehen – aber Vorsicht: Merkwürdigerweise gibt es keinerlei zweite Quelle; alle beziehen sich nur auf den Times-Bericht. Ich würde deshalb darum bitten, das nicht zu vertiefen, so lange nicht Klarheit herrscht, ob es stimmt. (Und schon gar nicht hier vertiefen, weil ziemlich OT.)

  10. @T.Wiegold: Danke für die Richtigstellung. Hatte auch den Eindruck, dass da jemand „eine Sau durchs Dorf“ jagt.

  11. Heute Treffen NATO-Russland-Rat zu Ukraine und Terrorbekämpfung (Phoenix).
    Nach ca zweijähriger Unterbrechung infolge. der Ukraine-Krise, gab es erst in 2016 erneut zwei Zusammenkünfte.
    Heute soll es zudem um „Risikovermeidung“ bei Truppenübungen zur Vorbeugung verhängnisvoller Missverständnisse gehen.
    Angesichts der militärischen Krisenprävention an den Ostgrenzen des Bündnisses von Estland bis Rumänien sowie im Schwarzen Meer im Verband von eFP und „atlantic resolve“ als Reaktion auf RUS Aufrüstung können (wieder) zu nutzende Gesprächsfäden vorteilhaft sein.
    Eigentlich sind in der „Grundakte NATO-Russland“ sowie im „KSE-Vertrag“ Verifikationsregime einschließlich Überprüfungsmaßnahmen und Anmeldepflichten von Truppenübungen alle bis ins Detail geregelt, reicht aber in Zeiten hybrider und unkonventioneller, asymmetrischer Kriegführung nicht mehr aus.
    Für die aus NATO-Sicht kritischen Entwicklungen in der Ukraine und Moldawien existiert sogar bei KSE eine Vereinbarung der „Flankenregelung“, in Abgrenzung zum eigentlichen Vertragsgebiet, mit Sonderregelungen des „Basic Temporary Deployment“ bei KPz, SPz und Art.

  12. Ergebnis Treffen NATO-Russland von gestern:
    RUS unterrichtet offiziell zu drei neue Div im westlichen Militärbezirk, NATO ebenso offiziell zu vier Battlegroups im Baltikum/in Polen.
    „Im Geist der Transparenz“. (SZ)
    Entspannung à la Helsinki.

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