NATO-Außenminister: Montenegro aufgenommen, weitere Beschlüsse zur Prüfung

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Die Außenminister der NATO haben am (heutigen) Donnerstag den Weg frei gemacht für eine Aufnahme Montenegros in die Allianz. Auf dem traditionellen Familienfoto, nun erstmals mit den Vertretern von 29 Staaten plus Generalsekretär Jens Stoltenberg, freut sich Premierminister Milo Dukanovic (im Foto oben in der Mitte vorn), über den absehbaren Beitritt des kleinen Balkanstaats zum Bündnis.

Das war allerdings, wenn man sich die Aussagen des Generalsekretärs anhört, der – bislang – konkreteste Beschluss der Außenminister im Nordatlantikrat am Donnerstag. Alles übrige, von der US-Bitte nach NATO-Unterstützung für den Kampf gegen ISIS in Syrien und im Irak, bis zu einer möglichen Ausweitung der maritimen Präsenz des Bündnisses vor die Küste Libyens, ist noch im Prüfstadium. Vergleichsweise konkret kündigte Stoltenberg an, die NATO-Überwachungsmission Operation Active Endeavour im östlichen Mittelmeer solle umgebaut werden, bis hin zum Stoppen von Schiffen (conducting interdiction).

Das Thema Russland spielte dabei – vorerst – keine Rolle, weil es erst am Donnerstagabend, beim Dinner-Treffen der Minister hinter verschlossenen Türen, zur Sprache kommen sollte.

Aus dem Statement des Generalsekretärs:

We have just had a very useful and good meeting and discussion on one of the main themes of the Warsaw Summit, and that is how to project stability in NATO’s neighbourhood.
NATO has a long history of doing just that: through operations such as in Afghanistan or in the Balkans; through military training missions such as in Iraq; and capacity building for more than 40 different partners.
We must retain our ability to deploy combat forces, when needed. But we must also do more to train up local forces, to secure their own territory, and push back against extremist groups.
NATO can make a real contribution.
We have the experience in doing large-scale training.
We have the political and military structures to run such missions.
We are actively engaging with partners in many parts of the world.
And we have the staying power – which matters for this kind of long-term challenges.
We have increased our efforts since Foreign Ministers last time met in December.
Iraqi officers are now being trained in Jordan in areas such as countering Improvised Explosive Devices, military medicine and civil-military planning. Several hundred Iraqi officers will have completed training by the end of this year.
We are developing a number of projects with Jordan itself, including on cyber defence.
In Tunisia, we are providing assistance and expertise to develop special forces training and a national intelligence ‘fusion centre’.
We are also providing capacity-building support to Moldova and Georgia, and assisting Ukraine with its ongoing reforms.
Today, we discussed what more we should do.
On Iraq, we discussed the request by Prime Minister Al-Abadi to expand our training and capacity-building into Iraq itself.
We agreed to send an assessment team to Iraq as soon as possible. To explore the possibility of NATO training inside Iraq, and how to ensure that any such efforts would be complementary to what the Global Coalition is doing.
All Allies contribute to the Coalition in one way or another. Today, we also discussed how NATO could further support the Coalition.
Including by providing direct NATO support by AWACS aircraft operating in NATO territory and international airspace. And we will look into that possibility.
On Libya, we decided to continue our preparatory work with a view to helping build Libyans defence and security institutions.
NATO stands ready to support the Libyan authorities, based on their request, and as part of the UN-led efforts.
We also agreed that the Alliance can do more in the Mediterranean Sea, in cooperation with the European Union and other actors.
We are now converting Operation Active Endeavour into a broader Maritime security operation.
We are still working on the details. But this would include seven different tasks. Such as supporting situational awareness, upholding freedom of navigation, conducting interdiction, supporting maritime counter-terrorism and contributing to capacity building.

Zur Ergänzung: US-Außenminister John Kerry hielt in Brüssel eine separate Pressekonferenz ab. Und dabei war ein Punkt auffällig: Die USA werden sich an der NATO-Mission in der Ägäis beteiligen, die mit Patrouillen an der Seegrenze zwischen der Türkei und Griechenland den Flüchtlingsstrom nach Europa eindämmen helfen soll:

At sea, I informed allies that the United States is finalizing plans to send a naval vessel to the Aegean to join NATO’s maritime effort in that region in order to deter illegal migration and human trafficking.

Mehr zu Russland (dazu sagte auch Kerry einiges in seiner Pressekonferenz) werden wir dann vielleicht morgen hören. Interessant übrigens, was die russische staatliche Medien-Seite Sputnik News zufällig heute veröffentlichte:

Alptraum für NATO: Russisches Fla-System S-300W4 erhält neuartige Rakete
Das russische Luftabwehrsystem S-300W4 wird demnächst mit neuartigen Raketen bestückt, die einen Aktionsradius von bis zu 400 Kilometer haben. Das teilte der Chefkonstrukteur des russischen Rüstungskonzerns Almaz Antey, Pawel Sosinow, am Donnerstag nach Angaben des TV-Sender Swesda mit. (…)
Ein gutes Beispiel für das Fehlen nicht strategischer Kontroll- und Verteidigungsmittel liefert die Operation der USA und NATO gegen Jugoslawien im Jahr 1999, als die Luftwaffe westlicher Länder fast unbestraft Präzisionsschläge gegen Militär- und Industrieobjekte des Landes geflogen hatten. Die Luftabwehr des leidgeprüften Jugoslawien erwies sich im Grunde genommen als machtlos.

Da sind ja alle Buzzwords schon drin.

(Foto: NATO)

34 Gedanken zu „NATO-Außenminister: Montenegro aufgenommen, weitere Beschlüsse zur Prüfung

  1. Angekündigt war die geplante Ausstattung der russischen Streitkräfte mit einer über 300km weiterreichenden S-300 Version schon 2012:
    http://de.sputniknews.com/militar/20120313/263042680.html
    Zitat :“Quellen im russischen Verteidigungsministerium verrieten, dass die ersten drei Abteilungen von S-300W4-Raketensystemen im Militärbezirk Süd in die Bewaffnung aufgenommen werden sollen. “
    Die Begründung im „Sputnik“-Artikel 2012: „Unruhe an der Südgrenze und Sorgen um Olympia 2014 in Sotschi.“
    (Oder dachte man damals (auch) schon an eine Krim-Besetzung ? Von der Westgrenze Russlands ist im Artikel nicht die Rede)
    2015 gab es dann eine Meldung über die Erprobung der Raketen:
    http://ria.ru/defense_safety/20150110/1041996381.html

  2. Naja, in der Tat eher Propaganda von rt.
    Jede der Information könnte gefälscht sein.

  3. Hmmm… Eine Flugabwehrrakete mit 300 bzw. 400km Reichweite? Technisch auf jeden Fall machbar. Aber ist der taktische Nutzen wirklich so groß??

    Meine Zweifel sind vor allem darin begründet: Wenn so ein System wirklich so viel Sinn hätte, dann wären westliche Luftabwehrraketen mit ähnlichen Reichweiten doch auch längst im Einsatz. Aber spontan ist das einzige, das mir einfällt, die inzwischen aufgrund ausgemusterten Trägersystem (F-14 Tomcat) ebenfalls obsolete AIM-54 Phoenix.

    Oder würden Patriot bzw. MEADS das westliche Gegenstück zu den S300 darstellen?

  4. Riesenvorteil bei der Aufnahme Montenegros in die NATO: man kann jeden der 2.000 Soldaten persönlich per Handschlag im Rahmen des Verteidigungsbündnisses willkommen heißen.

  5. Man sollte mal das ohnehinin teils falsche Geplänkel über Raketen, Streitkräte und Ersatzheer Montenegros bei Seite lassen und stattdessen einen Blick auf die Landkarte werfen. Mit den gemeinsamen Landesgrenzen zu Kroatien, Bosnien und Herzegowina, Serbien, dem Kosovo und Albanien hat die N N NATO geostrategisch einen Partner und Stabilisierungsfaktor auf dem immernoch krisengebeutelten Balkan gefunden, der seines Gleichen sucht.

  6. Vtg-Amtmann: +1

    Und dieses „Die Russen haben die Nato vor jeder Osterweiterung gewarnt“ kolpotiererei der Leitmedien ist etwas fehl am Platze. @Leitmedien: BLick auf die Karte mit den Nato Mitgliedern hilft auch hier.

  7. Die Montenegriner hätten übrigens von uns gerne BO105 für Armee, Polizei, Aussengrenzen-, Küsten- und Umweltschutz sowie Gebirgsfliegerei gehabt, genauso wie Kroatien, Slowenien, Bosnien und Herzigowina, Mazedonien und die Baltischen Republiken.

    Natürlich nachgerüstet und zugelassen auf 2 x 650 SHP RR C30 (EASA-TCDS, FAA STC), neue Avionik und EQMT samt moderner Bewaffnung und ein paar Spezialitäten aus der Arbeitsfliegerei. Also so ein richtiges Arbeitstier mit „Power-satt“, daß man auch notfalls „noch mit dem Hammer reparieren kann“.

    Ab 4.Quartal 2009 habe ich das schon eingefädelt und mich teils mit den entsprechenden Mil. Attachées persönlich getroffen. So auch im Fall Montenegro. Da träumte das BMVg noch von den Forderungen des BRH und des RPA zur Ausmusterung der BO105. Wir wußten allerdings aufgrund eines bestimmten Beschaffungsvorhabens, daß die Zeit der „Restnutzung“ der BO105 in der BW längste abgelaufen war.

    Aber es hat nicht sollen sein. Die für Pakistan von TDM und SB „reservierten“ BO105 kamen dort gemäß KWG nie an bzw. konnten nie ankommen, geschweige denn dort fliegen (Hot & High). Der Rest des „BO105-Goldstaubes“ wurde zerschnippelt (= demilitarisiert) und über die VEBEG verscherbelt.

    Wir haben es ja?
    Und von einer bestimmten Sorte an Drehstuhlstrategen in den Ämtern, mit entsprechender Fehlerkultur an der m.M.n. UvdL und KS „Null“ geändert haben, haben wir noch mehr!

  8. @Vtg-Amtmann, bitte schreiben sie ihren Beitrag nochmal, OHNE Abkürzungen, Danke! Ihrer verbitterten Art Abschlusssätze könnten sie vielleicht zukünftig weglassen.

  9. Wow, das Wort „Stabilisierung“ wäre mir in diesem Kontext wirklich als allerletztes in den Sinn gekommen. Stabilisieren tun andere Institutionen und andere Maßnahmen, z.B. zur Entwicklung und wirtschaftlichen Zusammenarbeit mit einem Land, aber sicherlich nicht die NATO mit dieser militärisch komplett sinnlosen und die Russen unnötig verärgernden Erweiterung.

    Klar müssen „wir“ die Balkan-Länder stärker einbinden, aber doch bitte nicht mit der NATO.

    Oder um es mit anderen Worten zu sagen, damit es besser verständlich wird:

    Kl. m. „w“ d. B-Ls strkr. einb., adb. n. m. d. NATO.

  10. Nach den GO-Regeln hat die NATO nunmehr einen Gebietspunkt und 2 Gefangenenpunkte mehr ;-) – Wenn’s denn hilft /SCNR
    Auf jeden Fall gehört nun die gesamte adriatische Küste zum NATO-Vertragsgebiet (bis auf die paar Kilometer bei Neuma)

  11. @Christian S.

    In eine stabilen Region muss auch die militärische Komponente betrachtet werden.
    Wenn sich einzelne Akteure an die Gurgel gehen, ist eine Region auch nicht stabil.

    Und die baltischen Staaten sind ein gutes Beispiel: Ob dieser Teil der Region noch stabil wäre, wenn er russische Besetzung wäre, verneine ich.

    Nun ist durch den NATO Beitritt eine russische Invasion der baltischen Staaten deutlich unwahrscheinlicher geworden und somit die Region stabiler geworden.

  12. Also Iskander-M nach Weißrußland und S-300 nach Serbien wird sicherlich ein stabilisierender Beitrag sein /SCNR

  13. @LTC007

    „Red Storm Rising Revised“ ? Vorwort von Tom Clancy ? /SCNR

    Wenn ich mal Kerry’s aktuelles Statement und die „message“ von General Sir Richard Shirreff übereinanderlege und dann noch mit Brexit-Begleitmusik unterlege, dann wird mir langsam ein büschen schwummerig. Kann es sein, dass sich USA und UK militärstrategisch immer mehr auf die strategische Ebene zurück ziehen und den Kontinentaleurpäern/EU die gesamte konventionelle Risk & Burden-Load – natürlich unter US-lead-from behind via NATO – in Sachen Rußland, Iran, IS und Co aufhalsen wollen ?
    Wir sollen also die ganze geopolitische Kacke entsorgen, die die Herren Bush, Blair, Cameron und Obama in den letzten 15 Jahren so angerichtet haben ?
    With friends like U, who needs enenmies ? Ach so, USA und UK haben ja keine Freunde, sondern nur Interessen – ich kann nur hoffen, dass Berlin das endlich begreift.

  14. @klabautermann: Ich werde das Buch erstmal lesen. Britische Generale/Ex-Generale neigen eher weniger zu Dramatik. Und was die Rolle von Berlin angeht, empfehle ich die Lektüre des Beitrags von Oberst a.D. Wolf Poulet heute in der FAZ online: „Deutsche Sicherheitspolitik – Wann raffen wir uns endlich auf?- Nur das tun, was gerade nötig ist.“

  15. @LTC007

    Den Artikel habe ich gelesen, allerdings ist mir die Message von Poulet nicht so ganz klar.
    Falls dessen subkutane Message lautet, dass Deutschland künftig auch grundsätzlich mit Kampftruppen in Einsätze gehen sollte falls irgendjemand „Rape“ schreit und unsere Unterstützung verlangt ? Da kann ich nur sagen: ziemlich schwache Begründung, die Herr Poulet da liefert; er ist es wohl auf seine alten Tage Leid geworden immer nur „gut“ zu sein ? Ich stimme in vielen Punkten zu, aber nicht unbedingt in seiner „historischen“ Schlußfolgerung, dass sich der deutsche Sttaat 70 Jahre nach WK II von seinem schuldbeladenen Gutstaatlertum endlich befreien und nach Innen und Außen mit mehr „Härte“ agieren sollte. Wie wäre denn die Lage in Libyen heute, wenn sich Deutschland mit Kampftruppen an der Entsorgung des Gadaffi-Regimes beteiligt hätte. Blühende libysche Landschaften ?? Das ist nur ein Beispiel, bei dem die retrospektive Poulet“sche Argumentation mich nicht überzeugt. Ein gutes Deutschland ist nur dann gut, wenn es willig allen Forderungen unserer „Freunde und Partner“ Folge leistet inkl kinetischer Beteiligung an Kampfeinsätzen? Haben wir das nicht in Afghanistan getan ? Müssen wir das aber auch dann mit-tun, wenn es völkerrechtlich und verfassungsrechtlich keinesfalls so eineindeutig ist wie in ISAF ? Ein Deutschland, dass sich seine souveräne politische Entscheidung über den Kampfeinsatz deutscher Streitkräfte im Ausland vorbehält – selbst im Falle des Art 5 NATO-Vertrag – ist kein „gutes“ Deutschland, sondern ein „pöses“ Deutschland ?
    Es ist natürlich ermüdend, dass BReg(BuT aus vermeintlich sicherheitspolitischen Fragen in Sachen BW und Einstz BW immer erst eine rechtliche Frage macht. Andersherum wäre es doch viel „einfacher“ (siehe US und UK). Ais langjähriger, aktiver Angehöriger des deutschen „Gesellschaftsvertrages, Kapitel Streitkräfte“ bin ich doch sehr dafür, dass es so bleibt wie es unsere FDGO vorsieht.

  16. naja, die Diskussion über die Sinnhaftigkeit der deutschen Sicherheitspolitik hatten wir ja schon öfter hier (nicht, dass es nicht dringend nötig wäre…). Aber es geht m.E. überhaupt nicht darum, jedesmal fleißig mitzuschießen, wenn ein Verbündeter das grade haben möchte. Es würde ja schon reichen, endlich mal überhaupt so etwas wie eine stringente Linie zu fahren, was den Einsatz der BW anbetrifft.

    Das seit 20 Jahren praktizierte Bild sieht doch üblicherweise so aus: eigentlich wollen wir ja nur friedlich zu Hause in der Kaserne sitzen. Aber andererseits wollen internationale Organisationen und Verbündete, dass auch wir uns an militärischen Aktionen beteiligen (die Sinnhaftigkeit mal beiseite gelassen). Und da müssen wir halt irgendwas machen, da wir diesen Vereinen nun mal beigetreten sind und das Kleingedruckte damals nicht so richtig gelesen (oder ernstgenommen haben, siehe Beistandsklausel der EU-Verträge)

    Aber da wir nix Böses wollen, bieten wir dann irgendwelche Feigenblättchen an (auch, weil mehr kaum noch verfügbar ist). Das wird dann volltönend vermarktet. Nach außen als substantieller Beitrag (frage mich da immer, was die anderen WIRKLICH davon halten), nach innen als „Übernahme von Verantwortung in der Welt, bei der wir aber niemandem wehtun“. Dann stellen wir (oder die anderen) fest, dass das nicht ausreicht. Also wird widerstrebend noch ein bisschen nachgelegt.

    Und so hoppeln oder schwimmen versprengte Grüppchen unserer Soldaten in den entlegensten Teilen der Welt umher, ohne wirklich irgendwo etwas Relevantes zu bewirken. Und ohne dass irgendjemand von der Sinnhaftigkeit dieser „Linie“ überzeugt werden kann. Naja, wie auch, es ist ja auch gar keine Linie vorhanden, jedenfalls keine, die ich erkennen könnte.

  17. @Klabautermann: Zustimmung. Und die aus unserer Struktur erwachende Eigenschaft „mit Leuten reden können“ macht uns zu einem wichtigen Partner besonders für US-Neocon wie auch UK/FR. Wie war das in Mali? Die Tuareg, zum ersten Mal In der Geschichte ein innerer Waffenstillstand zufällig dann wenn gerade wir da eintreffen!?

    @Christian S.: Entschiedene Gegenrede. Die einzelnen Regionen unter der Überschrift Human Development Report betrachtet führt mich regelmäßig zum Begriff „Planungssicherheit für Institutionen wie auch das Individuum“.

    Planungssicherheit ist dann mal ein derart weicher Begriff. Daher die Frage, wie schafft man Planungssicherheit, wenn diese so gar nicht existiert? Indem man sie suggeriert! Eine Zugehörigkeit zu und damit verbundenen Solidarität von den stärksten Militär-, Wissens- und Wirtschaftsnationen der Welt (per capita) schafft Selbstvertrauen. Und wer sich selbst vertraut der suggeriert sich schon mal Planungssicherheit.

    Folge: Gesellschaftliche Entwicklung mit Blick auf Slowenien z.B.

  18. @klabautermann

    Sie haben sehr gut erkannt, dass Russland Europa destabilisieren möchte.

  19. Ich hatte das Buch des UK Ex-Generals nur deshalb „eingeworfen“, weil es beim NATO-Treffen auch um Russland ging. Der Hinweis auf das ausgezeichnete FAZ-Stück zur dt. Situation war Beiwerk.

    Wenn bei uns mehr Leute wie @Snowparrot erkennen würden, das in Russland Ungutes zu unseren Lasten und denen unserer Bündnispartner geschieht, wäre schon viel gewonnen. Ich würde mich jedenfalls nicht gerne aus Vilnius verabschieden, wenn die Prophezeihungen des Herrn Generals wirklich einträten.

  20. @Snowparrot

    Na ja, die USA möchten ja gerne Rußland a bisserl destabilisiern – ist eben the next best thing zu neo-liberaler Demokratiisreung, die wohl unter Putin nicht machbar ist.. Putin hat aber keine Chance/Möglichkeit die USA zu destabilisieren. Was macht er also ? Nachdem Europa sich nun im Rahmen der Ukraine-Krise zunächst für den US-amerikanischen, geopolitischen Kurs entschieden hatte, muß er natürlich an der Destabilisierung Europas schrauben, damit die Europäer spüren, welche Risiken und Kosten diese euro-atlantische Linientreue so mit sich bringt ;-) Und Deutschland hält sich so weit es irgend möglich ist seine Optionen offen.
    Allerdings sind die Destabilisierungsmöglichkeiten in Sachen Europa für Hern Putin ziemlich begrenzt. Die Weißrussen wollen die Iskander-M nur ins Land lassen, wenn sie taktisch-technische Mitsprache/Beteiligung an dem russischen Iskander-Komplex bekommen. Das lehnen die Russen ab – bislang. Die Serben werden wohl kaum den Russen S-300 abnehmen, selbst nicht geschenkt – die wollen so rasch als möglich in die EU, um der wirtschaftlichen Isolationslage zu entkommen.
    Im Westen und im Osten also nix Neues – völlig überflüssige geopolitische Spielchen.

  21. @LTC007

    Wenn also bis März 2017 kein deutsches PanzerBtl in Vilnius eingetroffen ist, dann sollten Sie sich ein Ticket kaufen, denn wenn der General mit seiner „Prophezeiung“ richtig liegt, dann rollen die russischen Panzer am 01APR0001 über die Grenze Richtung Kaliningrad.

    Ich muß mal wieder „Der Seher“ von Aterix und Obelix lesen ;-)

  22. @klabautermann: Sie sind sehr selbstsicher. Vielleicht zu sehr? Russische Panzer, die Kaliningrad angreifen, sind mir übrigens ziemlich egal.

  23. @LTC007

    Wenn man – so wie ich – 42 Jahre lang das „Ost-minus-West – gleich – Null“-Spiel nicht nur betrachtet, sondern mitgespielt hat, dann gewinnt man eine gewisse Abgeklärtheit – insbesondere auch in Sachen „Prophezeiung“ von Generalen und Admiralen, die sich in ihrem eigenen cold-war-narrative verrannt haben
    Mir ist übriges durchaus bewußt, dass russische Panzer, die über z.Bsp. Vilnius Richtung Kaliningrad rollen, ganz bestimmt nicht den Auftrag haben Kaliningrad anzugreifen……..es sei denn, die NATO ist bereits in Kaliningrad einmarschiert ;-)

  24. @f28

    Natürlich gibt es eine klare Linie in der Sicherheitspolitik!

    Sie ist grün, mit gelber Tinte auf Toilettenpapier und schnurgerade gerade, in Form einer Katze, gezogen worden.

    Macht keinen Sinn? Genau darum geht es ja ;-)

    @Stefan Büttner
    Der Vtg-Amtmann hat aber Recht.

    Ich habe es schon oft gesagt und alleine bin ich mit der Ansicht wohl kaum, es gibt keine Fehlerkorrektur und eine FehlerKULTUR schon gar nicht.
    Korrigiert werden nur Aussagen die Mängel aufdecken und zwar in der Form das sie beschönigt werden. Danach folgt oft das man doch Mängel einräumen muss aber in Form einer Salamitaktik.

    Leute die Milliarden in den Sand setzen und gesetzt haben, die taugliches Material in die Verschrottung gaben und geben, sitzen immer noch in ihren Büros und verfahren genau so weiter.

    Material das bei uns als Schrott gilt, wäre wo anders ein riesen Fortschritt, mit Modernisierung gar ein Quantensprung!

    Das betrifft aktuell Systeme wie die Bo105 und den Marder.
    Beide sind auf einem technischen Stand den man in vielen Ländern der Welt beherrschen kann und der auch an der Front noch gut beherrschbar ist.

    Die Bo105 könnte man Modernisieren, für den Marder hat Rheinmetall schon alles parat, Umrüstung auf APC (armored personnel carrier) , IFV (Infantry fighting vehicle) mit 30 mm ABM Kanone (Kanone für air burst ammunition) und als LBT (light battle tank mit 105 mm HITFACT Turm von Oto Melara aus Italien) sind vor geraumer Zeit vorgestellt worden.
    Alle aufgepanzert, mit neuem minensicheren und nach oben vergrößertem Innenraum, sowie neuem Triebwerk.

    Die Verschrottung der Marder lief dennoch weiter… durch den Kauf von Battle Tank Dismantling GmbH Koch durch KMW ist damit hoffentlich Schluss und die Dinger landen in welcher Form auch immer, da wo sie noch gebraucht werden.

    Auch für den angeblich quasi obsoleten Leopard 2 A4 hat Rheinmetall seit Jahren ein Modernisierungskonzept nach dem Baukastenprinzip.

    Rheinmetall hat scheinbar mehr Ahnung von Lebenszeitmanagement, Nutzungsdauerverlängerung und Aufwuchspotenzial, als das Verteidigungsministerium mit seinen angeschlossenen Ämtern.

    Ich bin mal gespannt wie die Verwertung der Schnellboote der Gepard Klasse und Fregatten der Bremen Klasse aussehen wird.

    In Italien stehen in nächster Zeit rund 54 Marineschiffe zum Verkauf und dort ist man sehr aktiv beim Verkauf dieser Einheiten (nach Modernisierung und Überholung auf den heimischen Werften).

    Italian Navy Co-Hosts Event To Sell Vessels
    http://www.defensenews.com/story/defense/naval/navy/2016/04/22/italy-navy-vessel-ship-funding-political-scandal/83375906/

    Bei uns wird es sicher die Vebeg regeln.

  25. @SvD

    Imho sind die Schnellboote der Gepard Klasse und Fregatten der Bremen Klasse schiffbaulich und systemtechnisch sowie von der logistischen Versorgbarkeit ziemlich „alle“. Da wären Neubauten preiswerter als ein Retrofit und eine „Abgabe“ an interessierte Partner wie Montenegro. Selbst ein zum Küstenwachboot abgespeckter Geparde kann da schnell zum Danaergeschenk werden. „Verdienen“ würde imho der Steuerzahler in keinem Fall.
    Die Bremen werden wohl als Rasierklingen enden, wenn sie nicht mehr zur Kanibalisierung für die noch laufenden Schiffe benötigt werden.
    Die Geparden ?Wenn ich allein an die Rumpfkonstruktion denke (Holz auf Alu geklebt), dann kann ich mir keinen Kunden vorstellen, der diesen Kostenfaktor nicht mit Stirnrunzeln betrachten wird. Keine Ahnung, was aus denen wird. Kaminholz ?/SCNR

  26. Ist der Aufbau der Tags in diesem Thread beabsichtigt? Macht mir irgendwie bizarre Bauchschmerzen… Jedes Theatre ist eine eigene Konferenz.

  27. @Klabautermann

    Das die Schiffe ziemlich abgenutzt sind ist mir klar.

    Bei den letzten Schnellbooten die nach Afrika gingen wurde sich schon über den Preis aufgeregt, der war im Gegensatz zu vorherigen Exporten viel höher. Geschuldet war das wohl dem bescheidenen technischen Zustand der Holzrümpfe.

    Bei der Bremen Klasse gab es vor Jahren schon mal eine Einsatzdokumentation wo ein Diesel und später auch noch eine Gasturbine ausgefallen sind. Wirklich überrascht hat das wohl niemanden an Board.
    Nun gibt es aber bei der Klasse 2 Nachzügler, Augsburg und Lübeck, die bald 8 Jahre nach den ersten Einheiten in Dienst gestellt wurden.

    Vielleicht ist da noch etwas Leben drin?

    Das die Schiffe regelrecht geschlachtet werden um die aktiven Einheiten ohne Neuteile betreiben zu können ist nicht neu. Ist aber vielleicht sogar ein Verkaufsargument, immerhin kann man Ersatzteile mitgeben.

    Zumindest kann man im Falle der Verschrottung die 76 mm, MLG 27, Ram Werfer und auch die MK29 Starter noch weiterverwenden (letztere werden wohl wieder großspurig als Schrott abgetan und entsorgt). Sähen auf der F125 sicher ganz schick aus, wenn kein VLS mehr einrüstbar ist ;-)

    Bei der Minenabwehr fand die letzten Jahre ja auch eine stattliche Außerdiensstellungswelle statt. Die Boote werden auch nicht besser wenn sie jahrelang im Hafen liegen.

    Die Schiffe die Italien verkaufen will, haben bei Ihrer Außerdienststellung teilweise über 40 Jahre auf dem Buckel!

    Darunter auch 3 Docklandungsschiffe der San Giorgio klasse und der Flugzeugträger Giuseppe Garibaldi.

    Interessenten gibt es wohl genug… vielleicht ist die italienische Staatswerft da etwas cleverer als unsere Werften was die Regeneration von Schiffen angeht?

    Heeresmaterial ist bei uns außer dem Marder, M113 und den Minenwerfern wohl keines da.

    Schon tragisch wenn man kaum Altgerät anbieten kann, weil das einfach alles entsorgt wird. Die Krönung ist das das auch nicht umsonst passiert…

  28. @klabautermann

    Ich finde es faszinierend, (und ich bin immer verwundert), wie unpräzise und teilweise informiert sie argumentieren.
    Schon alleine die „neo-liberaler Demokratiisreung“ (Originalorthografie) ist ein Wortungetüm. Sie versuchen ein linkes Feindbild („Neoliberalismus“, übrigens zusammen) zu benutzen, um meine Bemerkung, dass Luftabwehr in Serbien seitens Russland zu einer Destabilisierung zu führen. (Wie ihr langer Text zu meinen Argument in Zusammenhang zu meinen Argument steht, ist mir auch nicht klar)

    Ein kleiner Tipp: Wikipedia hilft. https://de.wikipedia.org/wiki/Neoliberalismus

    Auch, wenn dieses Wort sehr negativ verwendet, im Kern wird damit eine Wirtschaftsform beschrieben. In der Sicherheitspolitik „Neoliberalismus“ zu verwenden, macht einfach keinen Sinn.
    Es sei erwähnt, dass Ludwig Erhard als Neoliberaler galt und in der Nazi-Zeit dieses Konzept wesentlich weiter entwickelt hat.

    Was uns zum zweiten Punkt führt: Man kann sich über das für und wider von „Regime Change“ streiten, aber nunja, anscheinend haben Sie ein Problem mit „Demokratiisreung“, was aber defacto in Deutschland und Japan nach dem 2. Weltkrieg geschah. Mancher Bundespräsident nannte diesen Vorgang übrigens Befreiung und jeder deutsche Soldat gelöbt, die „Freiheit des deutschen Volkes tapfer zu verteidigen“, ebendiese Freiheit.

    „Europa sich nun im Rahmen der Ukraine-Krise zunächst für den US-amerikanischen, geopolitischen Kurs entschieden hatte, muß er natürlich an der Destabilisierung Europas schrauben, damit die Europäer spüren, welche Risiken und Kosten diese euro-atlantische Linientreue so mit sich bringt ;-) “ Ok, nehmen wir dies an. Sie scheinen Freunde dabei zu haben, dass ein Diktator diesen Teil der Erde stabilisieren, weil mit der amerikanischen Außenpolitk unzufrieden sind.

    (Es sei auch erwähnt, dass ihre Annahme der US-amerikanischen Außenpolitik gänzlich falsch ist, aber die Abhandlung der NATO-Russland Beziehung der letzten 20 Jahre spare ich mir…)

    “ Und Deutschland hält sich so weit es irgend möglich ist seine Optionen offen.“ Da ist total falsch. Die Ukraine-Politik der europäischen Union wurde wesentlich von Angela Merkel geprägt (inklusive Sanktionen) und jetzt kommte es: Merkel gilt als Transatlantikerin.

    Und immer wenn ihre Text: Es graut immer wieder. Es sind die kleinen Fehler, die ihr Weltbild ausmachen.

    „Im Westen und im Osten also nix Neues – völlig überflüssige geopolitische Spielchen.“

    Nun das russische Verhalten ist tatsächlich überflüssig. Interessant, dass ihnen das Machogehabe Putins auch geopolitische Spielchen sind. Und die Angst in den osteuropäischen Staaten, irgendwann wieder aus Moskau wieder regiert zu werden. Oder der Wunsch vieler Ukrainer, endlich einen korruptionsfreien Staat zu haben. Alles geopolitische Spielchen? Das ist eine sehr enge Sicht auf die Welt, die übrigens nicht von jeden Politikwissenschaftler so geteilt wird. (Die übrigens deutlich differenzierter antworten als Sie)

  29. @Schneepapagei

    Vielen Dank für diese Vorlesung – Sie sollten sich ein besseres Übersetzungsprogramm leisten.

    „Es sei erwähnt, dass Ludwig Erhard als Neoliberaler galt und in der Nazi-Zeit dieses Konzept wesentlich weiter entwickelt hat.“ Das hat der gute, ordoliberale Ludwig aber nun wirklich nicht verdient.
    Ein kleiner Hinweis: ich benutze den Begriff „neo-liberale Demokratisierung“ nicht wirtschaftsgeschichtlich,oder-theoretisch sondern ideologie-kriitsch im Sinne der kritischen Betrachtung der Reaganomics oder des Thatcherismus in den 80ern – können Sie in dem von Ihnen verlinkten Wiki-Artikel nachlesen. „Weiterhin verwenden Autoren das Wort in der Analyse eines bestimmten normativen Freiheitsverhältnisses des Individuums gegenüber Kollektiven, insbesondere in Bezug auf Freiheit als allumfassenden sozialen Wert, der durch Verringerung des Staates auf ein Minimum gefördert werde. Zu dieser Kategorie gehört zudem die Übertragung ökonomischer Prinzipien auf Lebensbereiche jenseits der Arbeit und wirtschaftlichen Tätigkeit“
    Womit ich bei der Kommerzialisierung der Politik – auch der Sicherheitspolitik angekommen bin, z.Bsp in Form von PPP, Commercial Approach bei Rüstung und Logistik oder Contracted Private Security Provider etc. im Bereich Verteidigung und zunehmend auch im Bereich Innere Sicherheit.
    Schönes Wochenende ;-)

  30. Entschuldigung

    Selbst dann haben Sie sich nicht auf PPP bezogen (wo hat die USA Ru zu PPP gezwungen? ), sondern spielten ganz eindeutig auf Regime Change an.
    Aber ich gebe es auf: Sie sind nicht in der Lage, sich Fehler einzugestehen.

    Immerhin glauben sie nicht mehr, dass die Bundesregierung die Sanktionen nur mitträgt. Sie haben mir nicht widersprochen. ;)

  31. Trotz „Pest und Cholera“-Getöse aus Polen Richtung Clinton und Trump ist am Freitag der Spatenstich für den Baubeginn der AEGIS Ashore Station nahe Stolp (Slupsk) im Rahmen des europäischen Antiraketensystems „European Phased Adaptive Approach“ (EPAA) erfolgt. http://missiledefenseadvocacy.org/missile-defense-systems/european-phased-adaptive-approach-epaa/
    Geostrategisch aus russischer Sicht bestimmt bedeutsamer als die Aufnahme Montenegros in die NATO……trotzdem hat man dazu aus Moskau nichts gehört – jedenfalls ich hab nichts gefunden.

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