Luftwaffe in den Anti-ISIS-Einsatz gestartet: 2x Tornado, 2x Airbus

20151210_ECR-Tornado_Jagel_OIR

(Bundeswehr/Jane Schmidt)

Die Luftwaffe ist am (heutigen) Donnerstag (fast) planmäßig in ihren Einsatz gegen die islamistischen ISIS-Milizen in Syrien und im Irak gestartet. Von der Basis des Taktischen Luftwaffengeschwaders 51 Immelmann in Jagel bei Schleswig hoben die ersten beiden Tornados und ein Transporter Airbus A400M ab. Vom Flughafen Köln/Bonn startete ein Airbus A310 der Flugbereitschaft in der Konfiguration als Tanker (MRTT – Multirole Transport Tanker), der allerdings nach Luftwaffenangaben wegen Problemen mit dem Flugplan später als geplant seine Reise zunächst nach Jagel für einen Vorbeiflug und dann ebenfalls wie die anderen Maschinen in Richtung des südtürkischen Flugplatzes Inçirlik begann.

(Randbemerkung: Die deutsche Luftwaffe wird damit, so die Selbst-Einschätzung der US-geführten Anti-ISIS-Koalition, Teil der most precise air campaign in the history of warfare

Die Einsatzflüge der Aufklärungstornados vor allem über Syrien werden laut Luftwaffe voraussichtlich Mitte bis Ende Januar beginnen. Dafür sind zunächst vier dieser Kampfjets in der Version ECR (Electronic Combat Reconnaissance) aus Jagel und zwei Maschinen in der Jagdbomber-Ausführung (IDS, Interdiction/Strike) vom Taktischen Luftwaffengeschwader 33 aus Büchel in Rheinland-Pfalz vorgesehen. Beide Versionen können mit den Aufklärungskameras, dem so genannten Recce Lite Pod, ausgerüstet werden. Diese erste Zusammenstellung kann aber während des Einsatzes noch je nach verfügbaren Flugzeugen verändert werden.

Das Tankflugzeug wird nach Angaben der Luftwaffe voraussichtlich noch im Dezember seine Mission beginnen. Der A310 steht dann als fliegende Tankstelle für alle Flugzeuge der US-geführten Anti-ISIS-Allianz, der Operation Inherent Resolve (OIR), zur Verfügung. Bis auf die Maschinen des US-Typs F16 können alle anderen Kampfjets der verschiedenen Nationen im OIR-Einsatz betankt werden.

Wie der Tanker unterstehen auch die Tornados dem OIR-Hauptquartier; die Einsatzziele der deutschen Aufklärer werden – mit deutscher Kontrolle und Zustimmung – von dieser Koalition festgelegt.

20151209_OIR_Luftwaffe_Baggetag

(Bundeswehr/Jane Schmidt)

Nachtrag: Wie der n-tv-Kollege Dirk Emmerich beobachten konnte, landeten inzwischen die Tornados und der Tanker in Incirlik. Der A400M-Transporter war bereits zuvor angekommen.

Nachtrag 2: Noch ein paar Fotos, fürs Archiv:

Foto Helwin Scharn

Foto Helwin Scharn

 

Foto Helwin Scharn

Foto Helwin Scharn

 

Foto Helwin Scharn

Foto Helwin Scharn

 

Brigadegeneral Andreas Franz Schick (li), der deutsche Kontingentführer im A400M auf dem Flug nach Inçirlik - Bundeswehr/Andrea Bienert

Brigadegeneral Andreas Franz Schick (li), der deutsche Kontingentführer im A400M auf dem Flug nach Inçirlik – Bundeswehr/Andrea Bienert

 

Landung in Inçirlik - Bundeswehr/Andrea Bienert

Landung in Inçirlik – Bundeswehr/Andrea Bienert

 

63 Kommentare zu „Luftwaffe in den Anti-ISIS-Einsatz gestartet: 2x Tornado, 2x Airbus“

  • T.Wiegold   |   13. Dezember 2015 - 11:33

    @Vader

    Gibt’s da ne Übersicht, oder Zuordnungsmöglichkeit? (Ich wusste nicht, dass die beiden jetzt verlegten Tornados keine ASSTA3-Maschinen sind – damit kommen die also als Recce-Lite-Träger gar nicht infrage?)

  • Zimdarsen   |   13. Dezember 2015 - 12:00

    @T.Wiegold

    „….. keine ASSTA3-Maschinen sind – damit kommen die also als Recce-Lite-Träger gar nicht infrage?“

    Wieso, was hat ASSTA 3 mit der Grundbefähigung RecceLite zu tun?
    RecceLite fliegt seit 2009 auch ohne ASSTA 3.

    Mir macht da eher Link 16 und Datenübermittlungssystems MIDS Sorgen.

  • Closius   |   13. Dezember 2015 - 12:10

    Laut Wikipedia hat das Immelmanngeschwader neben 20 ECR Tornados auch 5 IDS Tornados, welche den Stand ASSTA3 nicht brauchen um Recce-Lite einzusetzen. Die beiden entsandten Tornados könnten also auch IDS Tornados sein.

    Wären es dagegen wirklich ECR Tornados, ohne ASSTA3, dann wäre es ein Skandal und die Öffentlichkeit getäuscht worden durch die Entsendung von nicht einsatzreifen Maschinen.

  • Fishman53   |   13. Dezember 2015 - 12:16

    Das ist mir auch gar nicht aufgefallen und ich habe auch gar nicht drauf geachtet weil nicht mit gerechnet. Ich nehme an dass man die jetzt verlegten nach den Eingewöhnungsflügen zurückverlegt bzw. austauscht gegen ASSTA-Maschinen mit vollem Flugstundenvorrat. Zu erkennen ist das bei den ECR u. a. gleich daran, dass die längliche „Beule“ (war früher ein IR Scanner drin meine ich) unter dem Rumpf/Cockpithöhe fehlt.

  • Vader   |   13. Dezember 2015 - 12:17

    @T.Wiegold

    Ich schaue am Montag mal nach einer Übersicht, optisch kann man sie eigentlich sehr einfach identifizieren. Am oberen Teil der Finne sind die beige farbigen Sensoren sehr gut sichtbar.

    Mein Stand ist das die Lfz nicht RecceLite fähig sind. Das mag aber eventuell auch nicht mehr so sein. Der für mich wichtige Faktor, warum diese Lfz nicht vor Ort bleiben werden, ist das fehlende MIDS (LINK16). Ohne MIDS sind kombinierte internationale Missionen nicht mehr durchführbar.

    Italien hatte das gleiche MIDS Problem, dort hat man es mit EF gelöst. EF hat MIDS und Tornado den LDP. Die sind im Verbund geflogen.

  • Vader   |   13. Dezember 2015 - 12:44

    Korrektur: Die Lfz sind RecceLite fähig, die MIDS Problematik ist aber nach wie vor gegeben.

  • FK70   |   13. Dezember 2015 - 14:02

    Die Flugstundenproblematik scheint enorm zu sein. Im KdoLw arbeitet man angeblich mit Hochdruck an einer „Durchhaltematrix“ sowie an Möglichkeitenn, die die Flugstunden der Tornados erhöhen. Böse Zungen behaupten, dass der Engpass an Flugstunden von Anfang an klar war, jedoch nicht an das BMVg komuniziert wurde. Nun (durch den Einsatz) besteht angeblich die Möglichkeit mehr Druck auf Ersatzteilbeschaffung etc. zu bekommen. Ich habe das lediglich von einem Kameraden im KdoLw gehört. Vielleicht weiß hier jemand mehr?!

  • Memoria   |   13. Dezember 2015 - 14:55

    @FK70:
    Das ist dann also das Ergebnis von einem Jahr Task Force Starrflügler unter Führung des InspL?

    Sagenhaft.
    Die Ergebnisse der Task Forces sind im Bericht an den Bundestag ja auch eher eine Ansammlung von Selbstverständlichkeiten und vagen Ankündigungen. Nun wird es konkret.

    Kommt aber nicht überraschend – ich erinnere an die Diskussion um den PLV 2016 vor einem Jahr. Damals hat das BMVg den Warnruf noch abgebügelt.

    Und nun?

  • Zimdarsen   |   13. Dezember 2015 - 15:31

    Das Ergebnis der Task Force Starrflügler wirkt sich erst in der Zukunft aus, jetzt haben wir es mit dem Erbe von TdM und seinen Vorgängern zu tun.
    Ohne den Einsatz wäre der Tornado in seiner Verfügbarkeit im Grundbetrieb (Flugstunden) bestimmt noch weiter reduziert worden und auch die Zahl der Piloten wäre vermutlich noch um einige verringert worden.

  • Memoria   |   13. Dezember 2015 - 15:52

    @Zimdarsen:
    Nur leider sagt das BMVg nicht einmal bis wann die 70% der Verfügungsbereitschaft wieder einsatzklar sein werden. Es soll laut BMVg 2017 „sichtbare Verbesserungen“ (http://www.griephan.de/fileadmin/user_upload/Newspdf/2015-Bw-MatLage.pdf, S. 77) geben.

    Dass es ohne den Einsatz noch schlechter liefe, zeigt dass man im BMVg gar nicht konsequent an einer Verbesserung der Einsatzbereitschaft interessiert ist.

    Aber damit scheint man allgemein in Exekutive und Legislative zufrieden zu sein.

  • SchmidtM   |   13. Dezember 2015 - 17:00

    Die auffälligsten optischen Unterschiede:
    ECR- keine Kanone, „Beule “ für FLIR unter der Nase und eine breite schwarze Antennenverkleidung zwischen flügelvorderkante und Rumpf.

    ASSTA3- beige statt schwarze Abdeckungen für die Antennen oben an der Finne, vorne links unter der Nase eine zusätzliche „Beule“ mit beiger Antennenverkleidung.

    Recce Lite kann am IDS in ASSTA 1 und ASSTA 3 genutzt werden, am ECR erst ab ASSTA 3. Der optische Unterschied zum LITENING LDP ist die Runde schwarze Antennenverkleidung unter dem Pod.

    Die diversen Spotter- und Luftfahrtforen sind bei sowas ein recht guter Ort für Informationen.

    Mögliche Fragen, die sich daraus an das Ministerium ergeben:
    – Warum wurden jetzt zwei ASSTA 1 ECR verlegt und welchen Auftrag haben diese?
    – Wie lange werden sie in Incirlik stationiert sein?
    – Wann werden die für den Einsatz über Syrien vorgesehen Maschinen verlegt und ab wann sollen die ersten Flüge im syrischen Luftraum beginnen?
    – In welcher Konfiguration werden die Tornados in Syrien eingesetzt? Stichworte SDS, NVG
    – Sind für den Einsatz in Syrien Ausnahmegenehmigungen nötig, und wenn ja, warum?

  • Memoria   |   13. Dezember 2015 - 17:41

    @SchmidtM:
    Danke für die Einordnung. Dann also reine Symbopolitik, damit was fliegt?
    Richtig hinschauen wird ja eh niemand…

    Hier noch der offizielle Bestand:
    „Auch beim TORNADO wurde die materielle Einsatzbereitschaft maßgeblich durch die
    mangelnde Verfügbarkeit verschiedener Ersatzteile beeinflusst, aber auch durch die
    Umstellung der logistischen Verfahren auf SASPF und nicht zuletzt durch die noch
    bis 2019 laufende Avionik-Umrüstung ASST A3.
    Die bisher auf ASST A3 umgerüsteten Trägerflugzeuge (aktuell 39) sind alle befähigt
    in der Aufklärungsrolle mittels Anbau des RecceLite fliegen zu können. Die Luftwaffe
    verfügt insgesamt über 8 RecceLite Systeme.“
    http://www.griephan.de/fileadmin/user_upload/Newspdf/2015-Bw-MatLage.pdf; S. 49

  • SchmidtM   |   13. Dezember 2015 - 19:05

    @ Memoria

    Und wie viele dieser RecceLite sind einsatzbereit?

    Stichwort SDS:

    Bedingt durch den Einsatz in Afghanistan wurde der Selbstschutzbehälter BOZ-101 als nicht ausreichend erachtet. Es wurde im Herbst 2007 durch die Firma Terma der SDS an den Tornado integriert und dieser auch in Afghanistan genutzt. http://www.scanter2001.com/media/90377/terma_update_may_2008.pdf
    Auf den Bilder des täglichen Flugbetriebs , z.B.. Im flugzeugforum, ist der SDS jedoch nicht zu entdecken. Warum? Wird in Syrien wieder mit dem SDS geflogen?
    Zum etwa gleichen Zeitpunkt entschlossen sich auch Briten und Italiener tätig zu werden. In Italien wird seit etwa 2009 mit dem BOZ 102 EC operationell im Einsatz geflogen. https://aviacaonoticias.wordpress.com/2009/02/page/6/ Dieser hat einen missile approach Warnung system (MAW) integriert. Die Briten haben sich für das AIRCM system von terma entschieden. Auch hier ist ein MAW integriert und wird seit 2009 operationell genutzt. http://www.terma.com/media/90355/terma_update_december_2008.pdf
    Die Notwendigkeit eines solchen Systems wird in der Luftwaffe anscheinend erst später erkannt. https://aviacaonoticias.wordpress.com/2009/02/page/6/ Stellt sich die Frage nach dem warum, denn an der Bedrohungslage hatte sich zwischenzeitlich nichts geändert.

    Was ist aus diesem Projekt geworden? Wird das System in Syrien einsatzbereit sein? Und wenn nicht, warum dauert es über zwei Jahre ein System zu integrieren, dass in Italien und Großbritannien (in ähnlicher Form) seit fünf Jahren im Einsatz ist?