Auch ohne rote Ampel: Viel fliegendes Gerät bleibt am Boden

SeaLynx_TRJE2015

Ein gutes Jahr ist es her, da nahmen die Abgeordneten im Verteidigungsausschuss einen ziemlich erschreckenden Mängelbericht zur Kenntnis. Die Informationen zur Materiallage der Großsysteme der Bundeswehr war, zusammenfassend gesagt, recht verheerend  – vor allem beim fliegenden Gerät, Flugzeuge wie Hubschrauber, aller drei Teilstreitkräfte Luftwaffe, Heer und Marine. Hinzu kam eine nicht so einheitliche Systematik, nach der die Angaben für manche Hubschrauber eine noch gelbe Ampel zeigten, obwohl zum Zeitpunkt des Berichts kein Helikopter dieses Typs flog.

Die militärische Führung gelobte Besserung und jegliche Anstrengung, dass es künftig besser aussehen möge. Aber wenn sich die Abgeordneten in der Ausschusssitzung am (heutigen) Mittwoch erneut über den Bericht zur materiellen Einsatzbereitschaft der Hauptwaffensysteme der Bundeswehr beugen, finden sie zwar eine neue Systematik vor. Doch unter dem Strich kein so viel besseres Bild als 2014. Und wieder ist es das fliegende Gerät, das die meisten Sorgen macht.

Dabei rechnet die militärische Führung im diesjährigen Bericht schon anders und verzichtet ganz auf die Ampeln, setzt an ihre Stelle aber neue Rechnungsart: Neben dem Gesamtbestand, in dem unter anderem auch das Gerät erfasst ist, dass gerade bei der Industrie in der Wartung ist, wird nun zusätzlich der Verfügungsbestand aufgelistet. Also das Gerät, was tatsächlich bei der Truppe steht – teilweise schon ein deutlicher Unterschied. Und von diesem Verfügungsbestand, das ist das Kriterium, sollen mindestens 70 Prozent nutzbar sein.

Doch das wird bei fast allem, was fliegt, bei weitem nicht erreicht. Die nüchternen Zahlen der Bestandsaufnahme sehen vor allem bei den Hubschraubern düster aus:

  • Transporthubschrauber NH90: Der Gesamtbestand beträgt zwar 40 Helikopter, doch dem Heer standen im zurückliegenden jahr im Durchschnitt 23 Hubschrauber zur Verfügung. Davon einsatzbereit: fünf – eine Einsatzbereitschaft im Mittel von 22 Prozent. Die geringe Einsatzbereitschaft wird nach wie vor durch die hohe Anzahl von Vorserienhubschraubern, fehlende Ersatzteile sowie insbesondere fehlende Kapazitäten zur Durchführung der aufwändigen Wartungs- und Inspektionsmaßnahmen beschränkt, heißt es in dem Bericht.
  • Kampfhubschrauber Tiger: Ein Gesamtbestand von 43 Systemen, davon standen dem Heer im Durchschnitt 23 Helikopter zur Verfügung. Davon einsatzbereit: sechs – eine mittlere Einsatzbereitschaft von 26 Prozent. Die Ursachen liegen laut Bericht in der Uneinheitlichkeit der Flotte mit sechs zum Teil erheblich unterschiedlichen Bauzuständen aufgrund unterschiedlicher Entwicklungsstände, dem Fehl an Ersatz- und Austauschteilen und dem an Personal begründet.
  • Transporthubschrauber CH-53: Davon verfügt die Luftwaffe im Schnitt über 45 Maschinen – obwohl es insgesamt noch 75 gibt. Doch für Umrüstung auf die GA-Version, geplante Instandsetzung oder Behebung von Störungen standen oder stehen durchschnittlich 25 Helikopter  bei der Industrie, fünf werden für die technische Ausbildung benötigt und zwei stehen zur Erprobung bei einer Wehrtechnischen Dienststelle. Von den 45 verfügbaren Maschinen waren im Mittel 18 einsatzbereit – das entspricht 40 Prozent. Allerdings soll sich laut Bericht die Situation bessern, wenn umgerüstete GA-Versionen wieder in die Truppe zurückkommen.
  • Marinehubschrauber SeaKing: Da nennt der Bericht zwar den Gesamtbestand von 21 Hubschraubern; dann wird es aber mit exakten Zahlen eng: Die durchschnittlich im letzten Jahr erreicht materielle Einsatzbereitschaft liegt unterhalb des erforderlichen operativen Minimalbedarfs von sechs materiell einsatzbereiten Luftfahrzeugen für Einsatz und Ausbildung. Bedingt durch eine sehr lange Nutzungsdauer (Indiensthaltung) war dieser Klarstand nur mit großem Aufwand unter anderem aufgrund der geringen Verfügbarkeit von Ersatzteilen zu halten.
  • Marinehubschrauber SeaLynx: Gesamtbestand 22 Helikopter – und die Einsatzbereitschaft? Die hat sich auf einem Niveau von druchschnittlich vier einsatzbereiten Maschinen eingependelt. Dieser Wert liegt deutlich unerhalb des derzeit erforderlichen operativen Minimalbedarfes von mindestens sechs materiell einsatzbereiten Luftfahrzeugen für Einsatz und Ausbildung.

Deutlich besser sieht es bei den Hubschrauber aus, die demnächst ausgemustert werden sollen. Das Vietnam-Modell Bell UH1-D, das nur noch bis Ende 2016 geflogen werden soll, hat bei einem Gesamtbestand von 49 und einem Verfügungsbestand von 36 Hubschraubern eine Einsatzbereitschaft von 67 Prozent. Auch der Helikopter Bo105, ebenfalls im Restflugbetrieb bis Ende 2016, hat bei einem Gesamtbestand von – abschmelzend – 78 und einem Verfügungsbestand von 42 Hubschrauber eine Einsatzbereitschaft von durchschnittlich 64 Prozent.

Die angepeilte Nutzung von mindestens 70 Prozent wird auch bei den Kampfflugzeugen der Luftwaffe nicht erreicht:

  • Beim Eufofighter hat die Luftwaffe einen Gesamtbestand von 114, weitere sechs Maschinen sind in der Auslieferung. Aber im Schnitt 40 Prozent der Kampfjets waren im zurückliegenden Jahr in der Instandsetzung, bei Hochrüstmaßnahmen oder Störbehebungen. Durchschnittlich stehen der Luftwaffe 68 Maschinen zur Verfügung – aufgrund überlanger Inspektions- und Instandsetzungszeiten wegen unzureichender Kapazitäten und fehlender Ersatzteile. Von diesen 68 Flugzeugen waren 55 Prozent einsatzbereit.
  • Beim Tornado lag der Gesamtbestand bei 93 Flugzeugen – von denen im Durchschnitt 66 Maschinen der Truppe zur Verfügung standen. Davon waren im Schnitt 29 einsatzbereit, was einer Quote von 44 Prozent entspricht. Auch hier, heißt es im dem Bericht, wurde die materielle Einsatzbereitschaft maßgeblich durch die mangelnde Verfügbarkeit verschiedener Ersatzteile beeinflusst. Zudem habe die Umstellung der Logistik-Software und die Umrüstung der Avionik die Zahl der verfügbaren Tornados nach unten gedrückt.

Die Probleme bei den Hubschraubern und den Kampfflugzeugen sind die offensichtlichsten und gravierendsten, die die Bundeswehr bei ihren Hauptwaffensystemen melden muss. Doch auch bei etlichen anderen Systemen sieht es nicht wirklich besser aus: Beim Transportflugzeug Transall C-160 waren im Berichtszeitraum im Schnitt 21 Maschinen einsatzbereit, was einem Klarstand von 57 Prozent entspricht. Beim Boxer, dem Gepanzerten Transportkraftfahrzeug, konnte die Verfügbarkeit von 47 Prozent im September vergangenen Jahres auf durchschnittlich 64 Prozent gesteigert werden – wenn auch auf niedrigem Niveau: Von durchschnittlch 120 Fahrzeugen waren im Schnitt 77 einsatzbereit.

Bei den schon länger genutzten Heeres-Systemen werden dagegen die angestrebten 70 Prozent Klarstand (des Verfügungsbestandes) weitgehend erreicht – vor allem auch deswegen, weil die Truppe offensichtlich die Logistik im Griff hat. Die Waffensysteme Kampfpanzer Leopard 2, Schützenpanzer Marder, Transportpanzer Fuchs, Spähwagen Fennek, Panzerhaubitze 2000 und Raketenwerfer Mars sind einsatzfreife Waffensysteme, werden logistisch beherrscht und liegen regelmäßig bei einer Verfügbarkeit von über 70 Prozent, heißt es in dem Bericht.

Auch die Marine bezeichnet die Verfügbarkeit ihrer größten Kampfschiffe, der Fregatten der Klassen 122, 123 und 124 als gut – ist allerdings in dem Bericht mit exakten Zahlenangaben zurückhaltend. Vom Gesamtbestand von 15 Fregatten wurden fünf bereits außer Dienst gestellt; vom Verfügungsbestand von zehn Fregatten stehen laut Bericht derzeit sieben Einheiten zur Verfügung. Damit werde die materielle Verfügbarkeit der Einheiten in den letzten Monaten als gut bewertet. Allerdings rechnet die Marine offensichtlich großzügiger: Die verfügbaren sieben Fregatten sind entweder im Einsatz, in der Einsatzvor- oder -nachbereitung oder in einsatzgleichen Verpflichtungen gebunden oder befinden sich in der Vorbereitung auf eine Werftzeit.

In seinen einleitenden Bemerkungen zu dem Bericht weist Generalinspekteur Volker Wieker darauf hin, dass die eingeschränkten Bereitschaftsstände nur für den Friedensbetrieb gelten: Bei Einsätzen im Rahmen der Landes- und Bündnisverteidigung nach Art.5 des NATO-Vertrages können die Inspekteure Abweichungen nach ihrem Ermessen anweisen, wenn es für die Auftragserfüllung unerlässlich erscheint. Für den Ernstfall, soll das heißen, ist die Bundeswehr deutlich einsatzfähiger, als aus den Zahlen hervorgeht. So könnte beispielweise ein Eurofighter, der im Friedensausbildungs- und Übungsbetrieb nicht genutzt werden kann, weil eine Inspektion überfällig ist oder eine Zulassung abläuft, in einem Art.5-Fall im Rahmen der Bündnis- und Landesverteidigung eingesetzt werden.

Wieker kommt aber auch zu dem Ergebnis, die Bewertungen der Inspekteure der Teilstreitkräfte und Organisationsbereiche belegten, dass die materielle Einsatzbereitschaft für die laufenden Einsätze gewährleistet ist und eingefegangenen Verpflichtungen im Rahmen der NATO Response Force (NRF), der EU-Battlegroup sowie die Dauereinsatzaufgaben erfüllt werden können. Abstriche hingegen macht der oberste Soldat bei den Hubschraubern und Flugzeugen: Die Lage der fliegenden Systeme bleibt unbefriedigend. Selbst wenn die nötigen 5,6 Milliarden Euro eingeplant würden, die in den nächsten zehn Jahren für die Abstellung der Probleme nötig seien, könnten rasche Erfolge nicht erwartet werden. Immerhin,  so merkt Wieker an, sei bei dem Luftfahrzeugen eines erreicht worden: eine Trendumkehr in wesentlichen Bereichen.

(Archivbild: While participating in NATO-Exercise TRIDENT JUNCTURE 2015, a „Sea Lynx“ helicopter from SNMG2 flagship German frigate HAMBURG took off to exercise cargo winching on October 22, 2015 –  German Navy photo by Photographer Alyssa Bier)

90 Gedanken zu „Auch ohne rote Ampel: Viel fliegendes Gerät bleibt am Boden

  1. @SD:
    Ich gebe Ihnen vollkommen Recht, wenn Sie sagen, dass ein logistisches System ein wichtiges Angriffsziel ist. Ich kann sicherlich nicht all Ihre Fragen beantworten, und habe das Thema auch nicht journalistisch aufbereitet, aber habe doch ein wenig Einblick und möchte daher die eine oder andere Frage beantworten.

    Der Fehler, der aus meiner Sicht in Bezug auf die Einführung von SAP bei der Bundeswehr begangen wurde, ist in einer Staatssekretärsweisung begründet. Die Weisung soll besagt haben, dass alle SinN (Systeme in Nutzung) der Bundeswehr in SASPF überführt werden sollen. Allerdings habe ich diese Weisung auf die sich immer wieder bezogen wurde, wenn man den Sinn der Überführung aller fliegenden Waffensysteme nach SASPF in Frage stellte und Alternativen aufzeigte, nie zu Gesicht bekommen, was aber nichts heißen muss.

    Und wenn Sie schreiben, dass Sie es sich äußerst schwierig vorstellen, ein ziviles, modulares und sehr komplexes Logistiksystem militärisch zu verwenden, dann kann ich Ihnen nur zustimmen. Und es gibt sicherlich jede Menge SAP Berater die uns dabei zustimmen würden. In der freien Wirtschaft ist SAP sicherlich seit langem unverzichtbar, aber in der freien Wirtschaft hat man auch nie versucht, koste es was es wolle, alle Prozesse und seien sie auch noch so speziell, in SAP zu pressen. Auch SAP hat erkannt, dass ihre Lösung nicht für alle Prozesse die erste Lösung ist, denn sonst hätten sie sich nicht die Arbeit gemacht, ein Modul wie PI (Process Integration) zu entwickeln. Damit kann man hervorragende Schnittstellen mit Spezialsoftware erstellen. Aber dazu gibt es sicherlich viele SAP Sachverständige, die dazu deutlich mehr erzählen können.

    Was haben die Luftwaffe und die Marineflieger vor SASPF verwendet? Das logistische Gesamtsystem bestand aus mehreren Einzelkomponenten. Materialversorgung lief auf dem abgesetzten Rechner mit ZTBÜ. Bauzustandsmanagement wurde ebenfalls auf dem abgesetzten Rechner mit BMS TA4, Triebwerke Tornado BMS TA6 in Verbindung mit OLMOS geführt. Arbeitsaufträge wurden ebenfalls über den absetzten Rechner mit WIDAV erfasst, die Zeiten über ein weiteres Tool auf dem abgesetzten Rechner mit BEAV. Und die Betriebsführung Technik wurde mit BFT (AMPS netLog) auf dezentralen Servern in den Verbänden geführt. Zusätzlich gab es noch eine zentrale Instanz in Köln, über die Daten ausgetauscht werden konnten und eine Gesamtsicht auf alle Daten bot. Die Aufzählung an sich schreit eigentlich schon nach einem Gesamtsystem, jedoch aus meiner Sicht mit Sinn und Verstand und vor allem an den Anforderungen ausgerichtet.

    Dies wurde auch vom damaligen LogAmt Bw, die seinerzeit Nutzungsleiter für alle o.a. Systeme waren, erkannt. Es wurde eine interne Untersuchung/Studie „NOSAM“ (No SinN any more) durchgeführt. In dieser Studie wurde ziemlich deutlich festgestellt, dass alle oben aufgeführten Systeme in das Betriebsführungssystem AMPS netLog überführt werden könnten, da dieses Tool den Funktionsumfang aller anderen Systeme beherrschte. Bei AMPS netLog handelt es sich um ein Derivat der EFLogSW, ein Bestandteil des ESS, das konsequent so weiterentwickelt wurde, dass es generisch für alle Waffensysteme nutzbar ist, und das nebenbei gesagt sehr komfortabel und zweckmäßig. Und um den Bogen nach oben wieder aufzugreifen, mit dezentralen Servern in den Verbänden, mit mehreren Backupsystemen und einer Verlegefähigkeit innerhalb weniger Stunden, was einen Angriff auf das Komplettsystem schwierig bis unmöglich macht.

    Wie die Redundanzen bei SASPF aussehen vermag ich nicht zu sagen, aber nachdem das System für die Integration des EP 14 für vermutlich 3 Wochen völlig down ist, wird es mit der Redundanz nicht weit her sein. Das Notsystem ist ganz klar Papier und Stift, natürlich nur, wenn aktueller Flugstundenvorrat bis zur nächsten MatErhMaßn bekannt, kein TCI fällig ist, … (siehe BesAnWaSysKdoLw 310/4321 I.b). Also vereinfach gesagt, wenn ich die aktuellen Daten habe (woher nehmen, wenn das System aus ist) dann kann ich solange ich den Überblick behalte noch fliegen. Den Überblick bei z.T. 1200 lebensdauerüberwachten Teilen zu behalten grenzt aus meiner Sicht schon an die Grenzen des nicht mehr Machbaren.

    Es gibt auf jeden Fall noch einen Verband in der Luftwaffe, die keine Standzeiten wegen des logistischen Systems haben, das ist die Flugbereitschaft des BMVg in Berlin und Köln, denn führen nach wie vor mit AMPS netLog.

  2. @Der_sich_immer_wundernde

    Vielen Dank fuer die ausfuehrliche Erklaerung.

    Ich sehe, man haette die Betribswirtschaftliche Seite der Materialwirtschaft durchaus mit SAP durchfuehren koennen, waehrend man die luftfahrzeugspezifische Seit mit der bereits Vorhandenen durchfuehrt. Ich vermute, dass der letztere Aspekt in Oeffentlichkeit nicht wirklich uebersehen wird. Luftfahrzeuge sind mit einem extrem grossen Dokumentationsaufwand versehen um die Unfaelle aufgrund von Verschleiss zu verhindern und Unfaelle aufgrund technischen Versagens genau nachvollziehen zu koennen. Ist das in etwa richtig?

    In den Jahren die ich hier mitlese, habe ich den Eindruck bekommen, dass die Teilstreitkraefte sehr gerne ihre Eigenstaendigkeit durchsetzten. Weshalb haben sich die Inspekteure, insbesondere von Marine und Luftwaffe das System damals ans Bein binden lassen? [Wenn ich es richtig interpretiere muesste das bereits vor der US Invasion des Iraq geschehen seind (Causa Pfaff).] Hat die politische Fuehrung die militaerische einfach Plattgewalzt, wurde es von der mil. Fuehrung im Ausmass nicht uebersehen?

  3. @sd: Gerne

    Ja, ich denke das wäre sicherlich die für alle tragbare und beste Lösung gewesen, SAP in Verbindung mit AMPS netLog zu betreiben. Der Dokumentationsaufwand bei Lfz ist natürlich enorm. Ein Lfz kann halt nicht einfach rechts ranfahren, wenn sich eine Panne andeutet.

    Zum einen war und ist der politische Druck mit SASPF sehr hoch und zum anderen haben es die TSK Lw und Marine wohl verschlafen, sich rechtzeitig darum zu kümmern. Zudem waren die Versprechungen, dass bis zur Umstellung alles funktioniert wohl sehr vollmundig. Und das Heer hat mit ihren fliegenden Waffensystemen immer behauptet, dass alles funktioniert. Die Wahrheit, dass z.B. neben SASPF das wichtigste Mittel Excel und Fettbord bzw. Blechtafeln sind, wurde unter den Deckmantel des Schweigens gelegt. Und wenn es jemand gewagt hat, öffentlich darauf hinzuweisen, dann wurde er mundtot gemacht. Ist mehrere Male vorgekommen.

    Tja, die Truppe muss nun mal wieder ausbaden, was als Wirtschaftshilfe SAP durch den damaligen Verteidigungsminister losgetreten wurde.

  4. @ Der_sich_immer_wundernde

    Zitat:
    „Zum einen war und ist der politische Druck mit SASPF sehr hoch und zum anderen haben es die TSK Lw und Marine wohl verschlafen, sich rechtzeitig darum zu kümmern. “

    Das die Lw und die Marine es verschlafen haben, sich gegen SAP als Betriebsführungsystem für fliegende Waffensysteme zu stemmen, ist nicht richtig.
    Richtig ist, die Lw hat sich bis zum Schluss mit allen Mitteln gewehrt SAP für fliegende Verbände einzuführen. Aber bekanntlich sticht der Ober den Unter beim Kartenspielen, wobei ein „Wenz“ mit 4 „Unter“ (Buben) und eventuell ein paar Säue (Asse) beim Schafkopfen auch ein sehr wirkungsvolles Blatt ist und genauso ist es, dass man zwar technische Expertise auf dem Dienstweg nach oben unterdrücken kann, aber irgendwann fällt einem die Sache wieder auf die Füße.

    Die Wahrheit ist, alle Erfahrungsberichte bei der Truppenerprobung bei den Heeresfliegern wurden auf dem Dienstweg unterdrückt oder nach oben verschönert. Die Kameraden des Heeres, die natürgemäß weniger zum Widerspruch neigen, als die technischen Spezialisten der Luftwaffe haben potemkinsche Dörfer gebaut und wie sie richtig beschrieben haben, nach oben hin „geht schon irgendwie“ gemeldet und in Wirklichkeit mit Papier, Bleistift, Excel und Plexiglasboard und Fettstift weitergearbeitet.

    Selbst die Industrie, wie sie am Beispiel Lufthansa und Flugbereitschaft BMVg beschrieben haben und der Hersteller des Eurofighter, die EADS oder heute Airbus Defence and Space arbeiten nicht mit SAP bei der Wartung und Instandhaltung des Eurofighters.

    Ich kann neben dem Ärger eine gewisse Schadenfreue nicht unterdrücken, weil wenn die Dienstgrade und die Politik meinen sich über die jahrzehntelange Erfahrung von Experten hinwegsetzen zu müssen, dann müssen sie auch mal eine Quittung für ihre Entscheidungen erhalten.

    @ sd
    Die Altsysteme wie Bell UH1D und BO 105 werden nicht mit SAP geführt.

  5. Ich muß erneut den Finger in die Wunde legen, daß es eben nicht nur die desolate Lage der Verfügbarkeit der Waffensysteme ist, welche den absoluten GAU auslöst auf der Zeitachse 2016 ff. !!!
    Natürlich laufen die Drehflügler insbesondere NH90 hier in noch bedrohlicheres Fahrwasser durch aufwendigere Wartungen aufgrund der Inspektionen (z.B. 600er in Flugstunden).

    Aber die Besatzungen haben erhebliche Professionalität verloren und sind nach dem neuen Programm fliegerische Qualifizierung im Heer eben nur noch basisqulifiziert auf einem Niveau weit unterhalb der Flugstunden eines „Inübunghalters“ in den letzten beiden Jahrzehnten !!! Wie soll man so solide Fluglehrer haben ? Kommandanten ? Einsatzpiloten im vollen Spektrum ?
    Regeneration verkommt zur Hohlphrase und wird die erste Streichung aufgrund der Missionsqualifizierungen der Einsatzpiloten !!!
    So werden die alten Säcke immer älter und nahezu die einzigen, die noch Einsätze bestreiten könnten !
    Seit 2013 hat die Zahl der einsatzfähigen NH90 Piloten stetig abgenommen, Trendwende nicht machbar …
    Offenbar keine Wendung vor 2019 schaffbar ohne viele Millionen Euro … gefüttert in zivile Dockplätze (wenn sie denn überhaupt verfügbar wären) !
    Gottlob fliegen grade so wenig NH90 … man hätte gar nicht genug Personal sie zu bestücken dank der vielen Nebenaufgaben und des schrumpfenden Personalkörpers welcher drastisch unterbesetzt ist besonders im Bereich Technik …

    Gemeldet ? Ja, als grade noch so durchführbar wenn ich diverse Gespräche richtig erinnere …

  6. @georg „[W]enn die Dienstgrade und die Politik meinen sich über die jahrzehntelange Erfahrung von Experten hinwegsetzen zu müssen, dann müssen sie auch mal eine Quittung für ihre Entscheidungen erhalten.“

    In diesem Kontext ist das folgende sehr schade:

    @Der_sich_immer_wundernde
    „Es gibt auf jeden Fall noch einen Verband in der Luftwaffe, die keine Standzeiten wegen des logistischen Systems haben, das ist die Flugbereitschaft des BMVg in Berlin und Köln, denn führen nach wie vor mit AMPS netLog.“

    Wenn es anders herum wäre, Flugbereitschaft für drei Wochen am Boden und Tornado fliegt würde sich vielleicht etwas bewegen.

    Die Leute die es damals entschieden haben sind vermutlich schon seit Jahren im Ruhestand. Es wird dennoch weiterhin augengewischt und versucht das irgendwie hinzugekommen. Gibt es einen Grund nicht reinen Wein einzuschenken und an Vtdg Ausschuss und Öffentlichkeit zu gehen? Ist man bereits so weit das es doch irgendwie klappt oder gibt es andere Gründe sich die SASPF Umstellung weiterhin anzutun?

  7. @ Sd

    Die Flugbereitschaft hängt mit der Logistik der Flugzeuge an der Lufthansa-Technik (Airbus-Modelle) und deshalb funktioniert dieser Teilbereich.

    Zitat:
    „Gibt es einen Grund nicht reinen Wein einzuschenken und an Vtdg Ausschuss und Öffentlichkeit zu gehen? Ist man bereits so weit das es doch irgendwie klappt oder gibt es andere Gründe sich die SASPF Umstellung weiterhin anzutun?“

    In Teilbereichen klappt es mit SASPF, im Prinzip in den Bereichen in dem SASPF auch im zivilen Sektor eingesetzt wird, also Personalwirtschaft (Human Resources), Materialbewirtschaftung (Inventarbuchhaltung), Materialversorgung, Bestellung usw.

    Lediglich der krampfhafte Versuch, alle vorhandenen Softwareanwendungen damit zu ersetzen, hat zu der Misere geführt. Für Spezialanwendungen braucht man Spezialsoftware und für diese muss man bereit sein innerhalb der Bw personelle und materielle Ressourcen zur Softwarepflegung und Änderung bereitzustellen.

    SASPF als Ganzes ist in der Bw nicht mehr rückgängig zu machen, denn es wurde meines Wissen seit 2001 in der Bw eingeführt und alle personellen und materiellen Ressourcen für die Altsysteme in Nutzung sind oder wurden bereits ausgephast.

    Die Entscheidung zur Einführung von SAP hat die Politik getroffen, weil man a) ein Wirtschaftsförderpropramm für SAP machen wollte und b) weil man nicht mehr bereit war ca. 360 Einzelsoftwareverfahren und Systeme in der Bw zu pflegen. Das Problem ist wieder nur mal die Gründlichkeit der Vorgehensweise. Für 90 % der Anwendungen ist SAP schon in Ordnung, wenn auch meistens sehr viel unbequemer zu handbaben als die vorhergehenden Systeme. Für die restlichen 10 % der Arbeitsvorgänge innerhalb der Bw braucht man Spezialsoftware und da ist man weiterhin nicht bereit von dem Grundsatz „nur eine Produktfamilie“ abzuweichen.

    @ Amsi887

    Oh je, auch die Fa. RUAG als Systembetreuer für die UH 1 D in Oberpfaffenhofen ?

  8. @Georg: SASPF = SAP + komplementärprodukte für spezialprozesse, die SAP nicht abdeckt. Wie hat vorhin wer geschrieben: Es gibt nichts, was SAP in Kombination mit Excel nicht abdecken könnte!! (Excel is the key)

    Lustiger Weise hat der BRH in 2013 (?) auch mal darauf hingewiesen, dass (ich sage es mit meinen Worten) die Erweiterung der Produktfamilie sogar wirtschaftlicher wäre… Nun gut, SAP betreibt eine große Lobbyarbeit (in IT glaub neben Microsoft weltweit am meisten?). Irgendwas muss das ja bringen. Da stören rationale Argumente nur. Und ein Denken vom Einsatz her ist im Beschaffungswesen und damit auch bei diesem SASPF… Naja, das steht halt irgendwo dass sich jemand das wünscht…. Könnt ja jeder daher kommen.

  9. @ Handheld

    Das Problem ist nur, dass aus der „SAP-Blase“ die Daten nicht in ein unabhängiges Excel-Programm importiert und exportiert werden können, sondern immer in der SAP-Blase verbleiben. Und es gibt Verfahren, die lassen sich nicht in Excel abbilden !

    Die Spezialprodukte für diese Verfahren (Lfz-Betriebsführung) gibt es ja „AMPS“ + „netlog“. Sie sind sogar jahrelang im Einsatz gewesen und sind jetzt wohl abgeschalten worden. Also man hat den alten Software-Grundsatz vorsätzlich verletzt: „never change a running system“.

  10. Lol…..wie „blind“ kann man eigentlich noch werden.
    Da soll also vom EPl14 bis runter auf das Konfigurationsmanagement des z.Bsp Puma und die Prüffristen für die fuel-cells der UBoote in SASPF „abgebildet“ werden. Wie blöd kann man eigentlich noch werden ? Und all das nur, weil irgendwann ein „Sts“ einen Erlass erlassen hat ? Der hieß übrigens Stützle und ist imho zusammen mit Ron Sommer und Co (wie der „Major“ Endres) der Totengräber der deutschen Verteidigungswirtschaft………..

  11. @Georg: „In Teilbereichen klappt es mit SASPF, im Prinzip in den Bereichen in dem SASPF auch im zivilen Sektor eingesetzt wird, also Personalwirtschaft (Human Resources), Materialbewirtschaftung (Inventarbuchhaltung), Materialversorgung, Bestellung usw.“

    Das wurde schon klar. Ich hab mich mit der Misere gezielt auf die Luftfahrzeug Instandhaltung und aehnliches bezogen.

    Zwei Schuesse ins Blaue:
    (1) Ich kann mir gut Vorstellen, dass es einiges an Energie gekostet hat SAP in den 90% sinnvollen Bereichen gegen Widerstaende durchzusetzen. Das entstehende Rauschen kann natuerlich auch Taub und Blind gegenueber berechtigten Anliegen machen. Aber da kommt gerade eine wesentliche Fuehrungsaufgabe ins Spiel, es sollte eine Organisationsebene geben, die (a) versteht warum etwas nicht funktionieren kann, und (b) sich Gehoer verschaffen kann.

    (2)
    „Lediglich der krampfhafte Versuch, alle vorhandenen Softwareanwendungen damit zu ersetzen, hat zu der Misere geführt.“

    Das wundert mich ein wenig. Ich hoere zwar immer wieder mal aehnliches aus der Privatwirtschaft, aber bei der BW scheint mir das ein eher Grundsaetzlicher Trend zu sein. Z.b, wird bei der Beschaffung gerne Versucht auf Biegen und Brechen alles mit einem Geraet abzudecken, Starfighter als Jagdbomber, A400M vom Stoppelpistenhopser zum strategischen Lufttransport, Fregatten die um einen Hanger fuer einen zu grossen Bordhubschrauber konstruiert werden (MH-90).

    Ist das ein besonderes Problem deutscher Buerokratie, Militaers, Mirkomanagments, einfache Unflexibilitaet? Wie geht das mit dem Kern der deutschen Militaertraditon von Innerer Fuehrung und Fuehrung durch Auftrag zusammen?

  12. Ich kann das alles gar nicht nachvollziehen, was hier zu SASPF geschrieben wird. Unter http://www.presseportal.de/nr/76712
    findet man die ganzen Meldungen zur Erfolgsgeschichte IT in der Bundeswehr.
    Aber im Ernst: ich kann den enorm hohen politischen Druck bei der Einführung SASPF nur bestätigen (nur exemplarisch als treibende Personen: Scharping und sein Chef-Controler Oltmanns; Ron Sommer, damals Deutsche Telekom und Radrennstallbetreiber).
    Mal ein paar Zitate aus einem Vortrag zur Machbarkeitsstudie SASPF:
    Zitatanfang:
    Folgende Sollprozesse wurden untersucht (Auszug):
    – ZKoReBw: Zentrale Kostenrechnung Bw
    – KLV/KLR: Kosten- und Leistungsverantwortung,
    – Kosten- / Leistungsrechnung
    – PERFIS: Personalinformationssystem
    – Bekleidung: Bekleidungswesen
    – Gesamt-R/3-Funktionalität: Dienststellenweite Funktionsintegration
    (untersucht am Beispiel des Marinearsenals und des
    Arsenalbetriebs Wilhelmshaven (MArs WHV))
    Querschnitt: Übergreifende Vorgaben, Bewertung der
    Einzelergebnisse und grundsätzliche Empfehlungen
    * Ganzheitliches Modell auf Basis von Industrieerfahrungen
    positive Erfahrungen mit:
    – Herstellen der Grundlage für eine zeit-, bedarfs- und ebenengerechte
    – Bereitstellung von Führungs- und Managementinformationen
    – Möglichkeit für ein konsistentes Controlling
    – Bereitstellung einer übergreifenden Sicht auf Prozesse
    – Herstellung einer Basis für die Wiederverwertbarkeit von Funktionen
    – Minimierung von Schnittstellen
    – Schaffung der Voraussetzungen zur durchgängigen Optimierung nach
    qualitativen und quantitativen Aspekten (Wirtschaftlichkeit,
    Leistungssteigerung, Qualität)
    – Einheitliche Benutzeroberfläche
    – Herstellen der seit langem geforderten Transparenz über Inhalte und
    Zusammenhänge von Prozessen und Daten
    Zitat Ende
    In allen untersuchten Bereichen wurde ein Abdeckungsgrad von 84 – 92 % ermittelt und folglich die Empfehlung SAP R/3 ausgesprochen.
    Militärische Kriterien wurden bei dieser Machbarkeitsstudie (des BWB) nicht herangezogen. Die MOBs (Militärischen OrgBereiche) haben sich das einfach überstülpen lassen und nach meiner Kenntnis hat kein einziger Insp sich dagegen aufgelehnt oder gar von seinem direkten Vorsprachsrecht beim BM Gebrauch gemacht.
    Aber wie Georg schon richtig schrieb: SASPF ist in der Bundeswehr realistischerweise nicht rückgängig zu machen.
    PS: die totale ‚Verbetriebswirtschaftlichung‘ erleben wir allerdings nicht nur in der Bw sondern auch in vielen anderen Bereichen.

  13. Zitat: „Bei den schon länger genutzten Heeres-Systemen werden dagegen die angestrebten 70 Prozent Klarstand (des Verfügungsbestandes) weitgehend erreicht – vor allem auch deswegen, weil die Truppe offensichtlich die Logistik im Griff hat. Die Waffensysteme Kampfpanzer Leopard 2, Schützenpanzer Marder, Transportpanzer Fuchs, Spähwagen Fennek, Panzerhaubitze 2000 und Raketenwerfer Mars sind einsatzfreife Waffensysteme, werden logistisch beherrscht und liegen regelmäßig bei einer Verfügbarkeit von über 70 Prozent, heißt es in dem Bericht.“

    Bezüglich der Verfügbarkeit von über 70 Prozent bei den Kettenfahrzeugen fehlt mit der Glaube!- Da habe ich persönlich eher den Eindruck, da wird „eine Vorgabe erfüllt”!

    Nach der vorangegangene „Ampel-Manipulation“ stellt sich also die Frage: 1. Bezieht sich die Verfügbarkeit auf das Kettenfahrzeug? 2. Bezieht sich die Verfügbarkeit auf die Waffenanlage? 3. Bezieht sich die Verfügbarkeit auf Kettenfahrzeug und Waffenanlage? oder 4. Auf das Waffesystem „mit allen zugeordneten Komponenten“!

    Und letzte Frage: Heißt „verfügbar“, dass das „das jeweilige Waffensystem“ der Truppe tatsächlich zur Verfügung steht,- oder sich bei dem Dienstleister irgendwo in Deutschland befindet und den Hof u. U. noch gar nicht verlassen hat!?

    Statistik kann so einfach sein!- Ist halt alles nur eine Definitionsfrage ….

  14. @Georg

    „Oh je, auch die Fa. RUAG als Systembetreuer für die UH 1 D in Oberpfaffenhofen ?“

    Nein, meines Wissens nach nicht. Was das Ganze aber mit Nichten einfacher macht.
    Geben wir ein Lfz (das große grüne mit den zwei Propellern) an die Industrie (Fa Airbus) ab zwecks GÜ, PE oder Bedarfsinstandsetzung etc ab, wird in der Firma mit betriebseigener Software gearbeitet. SASPF wird in dieser Zeit nicht gepflegt. Nach erfolgter Arbeit wird alles quasi „zu Fuss“ in SASPF nachgepflegt. Hört sich jetzt irgendwie sinnfrei an, iss aber so!

  15. re: Sailor1995

    Sie haben recht!- Zwischen „Verfügbarkeit“ und „Einsatzbereitschaft“ (eines Waffensystems) liegt ein himmelweiter Unterschied!- Nur den Unterschied will doch gar keiner wissen!

    So wie sich übrigens jahrelang das Parlament nicht für die „Verfügbarkeit“ von Waffensystemen (deren Kauf man selbst beschlossen hat!) interessiert hat;- so will jetzt keiner was von „Einsatzbereitschaft“ von Waffensystemen hören!

    Mal stelle sich nur mal die „Statistik“ hierzu vor und den daraus abzuleitenden politischen Handlungsbedarf! (Respektive die notwendige kritische Würdigung der Fehlentscheidungen, die sich in den diversen Bundeswehrreformen widerspiegeln!)

    Oder man/frau käme gar auf die Idee zu hinterfragen, in welchem Zeitraum sich eine “Einsatzbereitschaft” (im Verteidigungsfall) der Bundeswehr “mit dem kostenoptimierten Personalkörper” (unter Berücksichtigung der Ausbildungsdefizite und dem Umstand das eine ausgebildete Personalreserve für den Aufwuchs praktisch nicht mehr zur Verfügung steht!) und dem tatsächlich „einsatzbereiten“ Waffensystemen und Gerät herstellen ließe!?

    Eigentlich dürfte die politische Führung dieses Landes – ob der wahrscheinlichen Antwort auf diese Frage – nicht mehr ruhig schlafen können ….

  16. re: Flame

    Was eigentlich absolut deutlich macht: “Das Problem ist systemimmanent!”- D.h., die Komplexität des neuen Geräts ist nur bedingt beherrschbar!

    Oder anders ausgedrückt: Was hilft teures Hightech-Fluggerät, wenn nur eine (geringe) Verfügbarkeit gegeben ist!- Mithin der Gesamtnutzen (und dazu gehört auch die Verfügbarkeit!) in keinem Verhältnis zum Aufwand (für die Beschaffung und Instandhaltung über die Nutzungsdauer) steht!

    Offensichtlich bedarf es hier dringend eines Paradigmenwechsel in der Definition dessen „was tatsächlich gebraucht wird“!

    „Back to the roots“ oder „lieber einfacher und technisch über die Nutzungsdauer beherrschbar, als teuer und technisch komplex und eben nicht mehr beherrschbar”!

    Die technische Verfügbarkeit des „Altgeräts“ (wenn man/frau mal von dem Ersatzteilmangel absieht!) macht doch eigentlich deutlich, wo die Lösung des Problems liegt!

    Klar, das dürfte der Rüstungsindustrie im Hinblick auf Umsatzgrößen bei der Beschaffung und über die Nutzungsdauer und realiserbare (absolute) Gewinne über die Nutzungsdauer natürlich nicht gefallen.

    Denn „einfacher schafft nun mal nicht mehr Umsätze und mehr (absoluten) Gewinn“,- aber offensichtlich ein höhere Verfügbarkeit …

  17. Was machen dann Australier besser die mit der annähernd gleichen Zahl NH90 wie Bückeburg und Faßberg knapp 6000h/Jahr erfliegen unter allen klimatischen Bedingungen ?
    Oder Belgien mit zwar nur 4 Lfz aber Verfügbarkeit von nahezu immer 3 Lfz ?

    Eben viel weil kein SAP und Ersatzteile … Scheint eigentlich nur ein vertragliches Problem und nehhmen nicht wie wir an einem Wartungssystem-Testlauf teil !

  18. Wer die Instandhaltung (aus Kostengründen?) nach draußen gibt (und/oder selbst kein ausreichend ausgebildetes Personal in der notwendigen Anzahl (aus Kostengründen?) vorhält!) und selbst bei der Ersatzteilbeschaffung (aus Kostengründen?) spart,- den trifft die Kostenkeule mit voller Wucht im Rücken!- SAP hin oder her …

  19. Nachtrag: Unprofessionalität in der (politischen) Führung des BMVg und geradezu laienhafte Entscheidungen (ohne sich der Konsequenzen bewußt zu sein!), rächt sich halt irgendwann …

  20. Lesenswerter Artikel zu Einsatzbereitschaft bei FAZ.net („Bedingt einsatzbereit“). Es ist weiterhin unklar, ob man für die Systeme Langläuferteile nachbestellt hat. Man kann also davon ausgehen bisher nicht.

    Eine Aussprache im VertA soll es im Januar 2016 geben.

  21. Schön das es in den Medien auftaucht aber da steht nun nichts drin was man hier nicht schon vor Monaten lesen konnte.

    Natürlich braucht die Produktion sehr spezieller Teile Vorlaufzeit und das man es über Jahre geschafft hat viel zu wenig, gar nichts oder viel zu spät bestellen, bedeutet ja das man Jahre hinter dem Plan hängt und noch weitere Jahre auf Teile warten muss.

    Damit kann man allerdings auch die Katastrophe um die Logistiksoftware umschiffen und alles auf Teile schieben ;-)

  22. @SvD:
    Klar ist das alles nicht neu, es fällt aber auf, dass das BMVg weiterhin nicht sagt wann welche Systeme wieder eine akzeptable Einsatzbereitschaft haben.

    Man sagt noch nicht mal in welchen Bereichen Ersatzteile bestellt wurden.

    Komisch, oder?

  23. Ich würde das mal darauf schieben das man in der Summe gar nicht so genau weiß wo die Probleme liegen, da neben der Ersatzteillage ja auch noch die Logistiksoftware über den Haufen geworfen wurde.

    Vielleicht müsste man auch zugeben das bestimmte Komponenten einfach Schrott sind und andauernd ausfallen.

    Beim Eurofighter ist das Radar für seinen schlechten Klarstand bekannt, darüber will aber auch Niemand so recht reden, denn es soll ja jetzt eh was neues geben, was dann eh viel besser ist. Damit ist das Thema politisch abgehakt.

    Das Radar andauernd in Stand zu setzen und zu vermessen ist sicher nicht billig und dürfte wohl auch einige Zeit dauern.

    Mit das teuerste Teil des Eurofighters ist das Gegenmaßnahmensystem Praetorian und darüber werden wir hier wohl nie etwas handfestes lesen.

    Man findet auf Grund der Geheimhaltung dazu nur ein bisschen bla bla und ein Video:
    https://www.youtube.com/watch?v=uwXcSrMl-gI

    Beim IRST Sensor PIRATE sieht es da nicht anders aus.
    Bla bla, Mutmaßungen über die Leistung und ein Video:
    https://www.youtube.com/watch?v=LWxSsp7Ogyk

    Es könnte gut sein, das eben auch jene Vorzeigekomponenten erhebliche Kopfschmerzen bereiten.
    Das würde wohl Niemand so nach außen kommunizieren.
    Das auch militärische Software teilweise grausam Störanfällig ist, ist auch nichts neues. Zugeben wird das allerdings keiner.

    Ok, unsere Artillerie hat es zugegeben, vor der Kamera, MEHRMALS, das bei der PzH2000 regelmäßig die Software abschmiert und der Waffenrechner neu gestartet werden muss. Die lachen dabei aber so ein bisschen grenzdebil also geht das schon in Ordnung, oder?

    Beim Tornado ist ja schon das Problem das für die eingestellte Serienfertigung keine Teile mehr hergestellt werden und jedes Kleinteil extra beschafft werden muss.
    Da würde es mich nicht wundern wenn einige ‚kluge Köpfte‘ diese Bestellungen gar nicht mehr tätigen wollen und auf bessere Neukomponenten schielen.

    Da der NH90 scheinbar nur aus Schrott besteht wird da eine Prognose wann er für irgendwas taugt auch eher schwierig werden.
    Triebwerke, Elektronik, Flugzelle, Leistung, Missionsausrüstung… da funktioniert ja gar nichts.

    Das das Gerät fliegt interessiert doch eh keinen mehr. Gut muss es sein, auf dem Papier bzw. in PowerPoint Präsentationen.

    Man müsste wohl einen Bankrott eingestehen, wenn man zugibt was nicht funktioniert.

  24. @ SvD

    Ich glaube Sie sehen den Gesamtzustand von den angesprochenen Waffensystemen zu negativ. Alle hochkomplexen Waffensysteme haben ihre Tücken. Die Frage ist nur wie geht man damit um (konstruktiv anpackend oder Problem verdrängend).

    @ Memoria

    Ein Punkt für das merkwürdige Herumgedruckse über die benötigten Ersatzteile, die aber vermutlich noch nicht bestellt sind, könnte folgenden Umstand geschuldet sein.

    Mit der Neuordnung der Bw 2010/11 wurden die Aufgabe „Nutzung und Betrieb“ der fliegenden Waffensysteme vom WaSysKdo Lw in Köln / Wahn an das BwB in Koblenz übertragen. Das BwB wurde in das BAAINBw umgewandelt. Das „N“ im Kürzel steht ja bekanntlich für „Nutzung“. Damit sollte erreicht werden, dass das BwB nicht nur für die Entwicklung, Beschaffung und Einführung eines Waffensystems zuständig ist, sondern auch für die lebenslage Begleitung, vorausschauende Materialerhaltung und den Betrieb, eben für die Nutzung des WS im Laufe des Lebenszyklus. Dies ist eine Aufgabe, um die sich das BwB nicht gerissen hat.

    Die zuständigen Abteilung vom WaSysKdo Lw ist auch auf dem letzten Drücker von Köln nach Koblenz abgegeben worden und wie so oft, sind natürlich viele erfahrene Experten nicht nach Koblenz mitgegangen, sondern haben sich einen anderen Dienstposten im Köln / Bonner Raum gesucht.

    Nun ist aber die Beschaffung und Entwicklung eines Waffensystems eine Sache, deren logistische Versorgung für den Betrieb eine ganz andere Sache. Dazu ist es enorm hilfreich, wenn langjährig erfahrene Soldaten, Experten in der Instandsetzung im Geschwader (gemeint sind vor allem aber nicht nur die Oberstabsfeldwebel) auch ins Amt gehen und mit ihrer Erfahrung eine logistische Langzeitplanung von Ersatzteilen und Verbrauchsteilen machen. Dies ist anscheinend beim BAAINBw nicht passiert und die Soldaten vom WaSysKdo Lw waren sowieso sauer, dass ihnen die Aufgabe der Nutzung für die fliegenden Waffensysteme aus der Hand der Experten genommen wurde.

    Es könnte also sein, dass die jetzige Situation auch der Offenbarungseid einer Behörde in Koblenz ist, für bestimmte Aufgaben nicht geeignet zu sein, da zu praxisfremd aufgestellt und besetzt.

  25. @SvD
    Zum Glück hat die Luftwaffe mit dem Pirate System des Eurofighter Null Probleme!
    Sie hat es nämlich gar nicht erst beschafft!

  26. @Georg:
    Ich gehe auch davon aus, dass es durch den Wechsel der Materialverantwortung zu weiteren Verwerfungen kam.

    Aber auch das ist keine Begründung für eine offenbar weiterhin nicht mit Nachdruck verfolgte Behebung der Probleme bei der Einsatzbereitschaft.

    Nach einem Jahr die gleiche Fragen:
    Welche Ersatzteile wurden wann zusätzlich gekauft?
    Wann werden diese geliefert?
    Wann steigt die Einsatzbereitschaft wieder an?
    Wann auf 70% Verfügungsbereitschaft?
    Wann erfüllen wir wieder die NATO-Forderungen?

    Bisher kenne ich dazu keine Antworten.
    Aber vielleicht fragt ja nochmal jemand „richtig“ nach?

  27. Kann nicht auch diese „Ersatzteilproblematik“ zum Teil schlicht und einfach der Tatsache geschuldet sein, dass eine ganze Reihe von Ersatzteilen nicht mehr „beschaffbar“ sind ?
    Weil z.Bsp. der ursprüngliche Zulieferer nicht mehr existiert; oder weil kein zertifizierter Zulieferer existiert; oder weil für 10 EA Nachbestellung ein Zulieferer seine Fertigungsplanung nicht mal eben umstellt……etc.pp
    Da es wohl beim z.Bsp. Tornado nie ein Obsoleszenzmanagement gab, und wohl seit Jahren die „Versorgbarkeit“ des Systems nicht vertraglich „gepflegt“ worden ist, hat man nun natürlich massive Probleme „kurzfristig“ Abhilfe zu schaffen – egal wie viel Geld und Personal man in die Hand nimmt. Spätfolgen des commercial approach sozusagen.

  28. @Magmakammer

    98+03 und 98+07 haben PIRATE eingerüstet, zumindest nach auffindbaren Bildern.

    Es war mal die Rede davon das aus Kostengründen nicht jeder Eurofighter PIRATE bekommt. Wenn das gänzlich fehlt wird der Eurofighter dadurch ein wenig lächerlich.

    Bei den Gegenmaßnahmen hat man ja schon Laserwarner weg gelassen, vorher sogar Raketenwarner am Seitenleitwerk…

  29. @SvD
    meines Wissens kommt die Lw ohne Pirate aus.
    Wenn meine Google-Ergenisse nicht ganz falsch liegen, erschließt sich warum die 98+03 doch eine Bubble hat – sie ist ein Versuchsträger, die IPA 3.
    Genauso die 98+07 = IPA 7

    Siehe auch:
    http://eurofighter.airpower.at/serie-ipa3.htm
    http://www.bundesheer.at/truppendienst/ausgaben/artikel.php?id=711
    http://www.flugrevue.de/militaerluftfahrt/kampfflugzeuge-helikopter/eurofighter-ipas-ipa7/577146?seite=7

  30. @klabautermann:
    Das scheint wohl eher bei der Trall der Fall zu sein.
    So oder so – mit einem konsequenten Obsoleszenzmanagement kann man hier auch viel auffangen (siehe ASSTA 3.0).

    Es finden sich immer Gründe, wenn man nicht will.
    Die Ersatzteilprobleme hat man ja auch bei neuen Systemen.

    Einfach nur noch absurd.
    Aber ab 2017 wird ja alles wieder gut.

  31. was an einer rationalen lagerhaltung von ersatzteilen für fliegende systeme so unermesslich diffizil sein soll das der apparat daran offenkundig scheitert erschließt sich mir nicht.

    bei waffensystemen die seit nunmehr 30 jahren in der nutzung sind dürften für jedes bauteil die verschleißintervalle bekannt sein.

    wollte man daher eine verfügbarkeit der systeme erhöhen müsste VdL lediglich den inspekteur der LW ins Büro zitieren eine Auflistung der Baugruppen samt Ersatzintervallen für betreffende systeme fordern und Ersatzteilbeschaffung mit zeitlicher Reserve (ausreichend ersatzteile für 4 monate versorgung, laufende nachbestellung zu erhalt dieses zeitrahmens) einleiten.

    resultat dieses Procederes wäre dann eine Zahl die dem Bundesfinanzminister zu präsentieren ist.

    Bisher scheint aber nichts dergleichen stattgefunden zu haben.

    stattdessen die immergleiche litanei über angeblich unabänderlich byzantinische Bürokratie und nebulöses Palaver ohne tatsächliches substantielles Handeln.

    Fazit:
    Man könnte das Problem Verfügbarkeit ohne weiteres Lösen. Man will es aber nicht.

  32. @wacaffe:
    Mal sehen wie intensiv die Diskussion in und rundum die Sitzung des Verteidigungsauschusses im Januar 2016 wird.
    Bisher kann ich jedoch nicht erkennen, dass jemand das BMVg konsequent vor sich her treibt.

    Weder politisch noch medial.

    Aber das System vdL funktioniert eben auch einfach zu gut:
    Die steile Behauptung ersetzt das Argument.

    Wer fragt denn noch was aus all den Ankündigungen der letzten 2 Jahre wurde (Flachbildschirme, Kitas, moderne Unterkünfte, Beschaffung nach Bedarfen, Triton, bewaffnete Drohne, Attraktivität inkl. EU-AZR, Vollausstattung, Einsatzbereitschaft, Nachfolge G36, Cyber, Vergrößerung Bw, etc)?

    Sie kommt ja jedesmal mit irgendeiner Behauptung durch, die nicht wirklich ernsthaft hinterfragt wird.

  33. Auch hier wohl passend die Anmerkungen des Wehrbeauftragten zur Einsatzbereitschaft: http://augengeradeaus.net/2015/12/von-der-leyen-eroeffnet-debatte-ueber-eine-groessere-bundeswehr/comment-page-4/#comment-219852

    Sein Fazit: die Probleme sind lange genug bekannt und es fehlt an Tempo. Er zeigt auch auf wie sehr die Truppe unter den Rahmenbedingungen leidet – und wie oft dies thematisiert wird.

    Wenn man mal all diese Stimmen (Kdr-Tagung, Wehrbeauftragter, DBwV, etc) zusammen fügt, dann ergibt sich schon ein sehr klares Bild. Nur im BMVg scheint man die Lage nicht sehen zu wollen. Da wäre beispielsweise die Stellungnahme des BMVg zum Jahresbericht des WB interessant. Im Gegensatz zu früher jedoch nicht mehr öffentlich zugänglich.

  34. @T.W.:
    Vielen Dank für den Hinweis.
    Auch nach Durchsicht des Berichtes habe ich jedoch nicht den Eindruck, dass man mit wirklichem Tempo die Probleme bei der Einsatzbereitschaft angeht.

    Allein schon der Verweis auf die Steigerung beim MatErh 2016 zeigt wie sehr man eine Trendwende vorspiegeln will.

    Aber leider ist sowohl hier als auch sonstwo das Interesse an der Einsatzbereitschaft überschaubar. Es gibt ja täglich andere Ablenkung.

  35. @T.Wiegold: Ich weiß nicht, ob dieser Bericht als vertraulich eingestuft wurde, aber dieser Bericht ist völlig oberflächlich und wenn die Abgeordneten sich damit abspeißen lassen sind diese selbst schuld?

    Es fehlt jede Angabe, an welchen Ersatzteilen es mangelt, ob diese jetzt bestellt sind, bis wann diese produziert werden und wer, wann den Mangel verursacht hat.

    Und wo es rote Ampel gab….scheint das Beschaffungsamt und Staatssekretärin Suder überhaupt nicht voran gekommen zu sein bei diesen Systemen.

    Es wird auch nichts dazu gesagt, warum es Kapazitätsprobleme bei den Luftfahrzeugen gibt, ob dies von der BW oder der Industrie verschuldet ist und ob Anstrengungen unternommen werden, zusätzliche Kapazitäten in der BW oder der Industrie aufzubauen?

    Weiterhin ist der Zustand beim Puma erschreckend, welcher erst 2021 einsatzfähig sein soll, was niemand verstehen kann. Denn MELLS ist kein neues System, sondern existiert längst, so daß 6 Jahre nicht erklärbar sind. Und für den Auslandseinsatz bräuchte man nicht unbedingt MELLS, sondern nur gegen Rußland ist es unabdingbar.

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