Trotz Ukraine-Krise: Jetzt doch ‚Mistral‘-Verkauf an Russland

Le Tonnerre

Der Verkauf von zwei französischen Mistral-Hubschrauberträgern an Russland schien angesichts der Ukraine-Krise und der härteren Haltung des Westens gegenüber Moskau Anfang September schon gestoppt – soll jetzt aber angeblich doch stattfinden. Die russische Nachrichtenagentur RIA Novosti berichtet von einer bevorstehenden Übergabe der Kriegsschiffe in den nächsten Tagen:

France will hand over the first Mistral helicopter carrier to Russia in the coming days or weeks, a high-ranking representative from the STX shipbuilding company told RIA Novosti on Monday.
„The transfer of the first Mistral helicopter carrier is a matter of several days or weeks,“ the representative said. (…)

In September, French President Francois Hollande threatened to suspend the deliveries of the ships over Moscow’s alleged involvement in the Ukrainian conflict.
Hollande later stated he would make a decision in late October, specifying that the  the observation of the ceasefire by warring sides in Ukraine’s internal armed conflict and a political settlement of the crisis.

Bereits in der vergangenen Woche hatte die französische Zeitung Liberation unter Berufung auf Quellen aus dem Verteidigungsministerium in Paris von einer bevorstehenden Übergabe berichtet: Die Lieferung der Schiffe im Wert von 1,2 Milliarden Euro könne in der ersten Novemberhälfte erfolgen, schreibt das Blatt und zitiert einen ungenannten hochrangigen Beamten des Ministeriums.

Anfang September hatte der französische Präsident Francois Hollande einen Waffenstillstand in der Ukraine und eine politische Einigung über die Zukunft der Ostukraine zur Bedingung für die Auslieferung der von Russland bestellten Schiffe gemacht. Unklar ist bislang, ob diese Bedingung aus französischer Sicht erfüllt ist.

Und unklar ist auch, inwieweit die anscheinend absehbare Lieferung mit den anderen EU- und NATO-Mitgliedern abgestimmt ist. Denn die Kritik am russischen Verhalten in der Ukraine-Krise ist aus Sicht der beiden Organisationen nach wie vor berechtigt. Und hinzu kommt für die westlichen Militärs die Frage, ob ein Verkauf an Russland sinnvoll ist – nicht in erster Linie wegen der Schiffe selbst, sondern der mitgelieferten modernen Kommando- und Waffenführungssysteme.

Nachtrag 28. Oktober: Frankreich will im November über die Lieferung entscheiden, sagt der französische Verteidigungsminister laut Reuters:

France will wait until next month to decide whether to deliver the first of two Mistral helicopter carriers to Russia, French Defense Minister Jean-Yves Le Drian said Tuesday. (…)
„The president … said that if the political conditions did not change he did not envisage giving the authorization for delivery,“ Le Drian told reporters.
He declined to say whether the conditions had now been met, but said the president would make a decision „during November.“

(Foto: Die Tonnerre, ein Schiff der Mistral-Klasse der französischen Marine – Béotien lambda via Wikimedia Commons)

58 Gedanken zu „Trotz Ukraine-Krise: Jetzt doch ‚Mistral‘-Verkauf an Russland

  1. @NMWC 12:02
    Natürlich werden sich die französischen Standards von den deutschen unterscheiden. Da aber Frankreich schon seit einiger Zeit eine Berufsarmee hat, muss z.B. die Unterbringung schon akzeptabel sein.
    Und von „Koblenz, der WTD71 und den Betriebsschützern“ erhoffe ich mir (wenn’s denn mal soweit käme) eine konstruktive Herangehensweise mit dem Ziel, die Einheiten einsatzfähig zu bekommen. Nach meinem Eindruck haben diese Stellen mit sturem Schwenken von Dienstvorschriften schließlich schon oft genug Unheil angerichtet und Projekte erheblich verteuert/verzögert.

  2. @Hutzel:
    Die Planungen für die kleinen grünen Männchen auf der Krim waren nach Aussagen von Lukaschenko und Sikorski bereits 2006 weitgehend abgeschlossen. Etwa aus dieser Zeit stammen auch die ersten öffentlichen Äußerungen Putins, es gäbe gar keine Ukraine, und die russischen Gebietsverluste der letzten paar Jahrhunderte seien historische Fehler und Katastrophen gewesen.
    2008 hat Putin seine Eroberungskriege vor NATO-Publikum recht deutlich angekündigt und in Georgien gesehen, daß er dabei freie Hand bekommt.
    2012 begannen die Sabotagetätigkeit und die offene Infiltration in der Ukraine.
    Während Sotschi bekam Janukowitsch gesagt, er solle seine Koffer packen. Die verliehenen Heldenmedaillen für die Eroberung der Krim bestätigen, daß, wie in Girkins geleakter Korrespondenz veröffentlicht, die offizielle militärische Operation einen Tag vor dem Maidanmassaker begann. Girkin selbst deutet in der geleakten Korrespondenz an, seine Gruppe und er wären am Maidan im Einsatz gewesen.
    Ebenfalls aus 2012 stammen offizielle Schreiben des russischen Parlaments an die Regierungen von Ungarn, Rumänien und Polen mit der eindeutigen Aufforderung, an einer gemeinsamen Invasion und Annexion der Ukraine teilzunehmen. Gemäß Sikorski wurde dieses Angebot auch von Putin persönlich an Tusk unterbreitet. Die drei NATO-Staaten, Rußland und vermutlich auch Weißrußland hätten sich dann also in der Mitte der Ukraine an einer neuen Grenze getroffen. Rußland hätte „Noworossia“ annektiert, die anderen Staaten hätten sich Nord- und Westukraine aufgeteilt.
    Aus dem Sommer 2012 datierte ein Schreiben, daß im Frühjahr in einer Zentrale der Kommunistischen Partei der Ukraine gefunden wurde und eine Karte zeigt, auf der militärische Einfallslinien aus Weißrußland und Rußland in die Ukraine, sowie eine zukünftige Aufspaltung des Landes in russisch annektiertes Gebiet und Rest eingezeichnet sind.

    Sie können jetzt anhand dieses Zeitstrahls selbst entscheiden, ob das irgendwas mit Schiffsnamen zu tun hat. Ich weiß es nicht.

  3. @Closius

    Interessanter Zeitstrahl den sie da entwerfen. Ich weiß natürlich auch nicht wie die Namensgebung der Mistral da genau ins Bild passt.

  4. klar kann man den „Technologietransfer- bestehend aus einem schwimmenden Stück Stahl“ verdammen, Glaubt irgendwer ernsthaft RUS ist nicht in der Lage Schiffe zu bauen?
    Nur weil das Ding grau ist, ist es noch nicht „pöhse“, das kommt erst noch.
    Mehr habe ich nicht beizutragen, NMWC und Klabautermann und frühere MISTRAL Einträge(andere Schlagzeile) haben alles gesagt, ab und an mal Suchfunktion nutzen, bevor DEU empfohlen wird, endlich den ersten Träger zu kaufen – die Gelegenheit ist soooo günstig.

  5. „Er ist kein Ausdruck russischen Humors sondern russischer Ernsthaftigkeit Sewastopol als russischen Marinestützpunkt zu (er)halten.“

    Wer glaubt, dass die Russen tatenlos zusehen würden, wie daraus ein NATO Stützpunkt wird, sollte besser Zuckerbäcker werden, und sich nicht mir strategischen Planungen beschäftigen.

    Mistral hin oder her, bei den Krisenlagen mit denen man in Zukunft rechnen muss, wären JSS Fähigkeiten nicht verkehrt.

  6. @Hutzel: Den habe ich nicht entworfen sondern der Presse und den Äußerungen und Veröffentlichungen der im Zeitstrahl genannten Herren entnommen.

    Schauen Sie ruhig mal nach, die Herren Lukaschenko, Tusk und Putin existieren in echt. Ja, wirklich! Nicht nur im Fernsehen! Und die genannten Länder, also sowas wie Polen und Ungarn und Weißrußland – die hab ich auch nicht erfunden, echt jetzt! :)

    BTW, closius ist auch jemand anders…

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