Bundeswehr-Beschaffung: Lange Mängelliste der Wirtschaftsprüfer

Der Bericht einer externen Prüfergruppe über das Beschaffungswesen der Bundeswehr, der Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen am kommenden Montag übergeben werden soll, gerät nach einem Bericht der Süddeutschen Zeitung zu einer Mängelliste. Rund 140 Probleme und Risiken würden in der Zusammenfassung der Studie aufgelistet, heißt es nach Angaben des Blattes. Die Untersuchung einiger, ausgewählter Beschaffungsvorhaben belege, dass eine Optimierung des Rüstungsmanagements in nationalen und internationalen Großprojekten dringend und ohne Verzug geboten ist.

Für die Studie hatten Berater und Anwälte der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG, der Ingenieurgesellschaft P3 und der Kanzlei Taylor Wessing drei Monate lang neun Projekte untersucht. In ihrem Bericht kommen sie laut Süddeutscher Zeitung auch zu Handlungsempfehlungen: Die Umsetzung dieser Handlungsempfehlungen bedeutet ein ambitioniertes Arbeitsprogramm, das mindestens für die kommenden zwei Jahre erhebliche Kräfte binden wird. Unter anderem raten sie dazu, für das neue Transportflugzeug A400M (Foto oben) Kompensationsleistungen vom Hersteller Airbus zu fordern, weil der erste Transporter nicht nur mit Verzögerung Ende dieses Jahres ausgeliefert werden soll, sondern zudem noch nicht die geforderte Leistung bringen wird.

Bislang haben die Kollegen der Süddeutschen offensichtlich als einzige dieses Papier, deshalb abweichend von der üblichen Praxis* hier mal der Link zu dem Bericht:

Expertenbericht zur Bundeswehr: Überforderte Mitarbeiter, ungenaue Verträge, Wirrwarr an Zuständigkeiten

*Deutsche Verlagswebseiten werden hier in der Regel nicht verlinkt.

(Foto: A400M auf der ILA 2014)

 

 

94 Gedanken zu „Bundeswehr-Beschaffung: Lange Mängelliste der Wirtschaftsprüfer

  1. Das Isis-System muss ja einiges können wenn dafür jetzt wieder der EH rausgeholt wird. Oder es ist nur ein Vorwand.

    @Vtg-Amtmann & ThoDan: Werden sie beide grade persönlich?

  2. @Hutzel:
    ISIS ist ein SIGINT-System also zum lauschen, nicht zum gucken (aber das hat auch schon der ehem. BMVg-Sprecher Paris mal verwechselt…). Fertig ist das Ganze auch noch lange nicht.

  3. @Hutzel: Nix persönlich, es geht schlichtweg um die pure Substanz.

    Und wenn das EuroHawk-Projekt wieder laut KMPG angeleiert werden soll, dann ist auch zu erwarten, dass KMPG klar sagt was ISIS/SIGINT wirklich kann und eben auch (noch) nicht kann und dass dieses Ergebnis die empfohlene Maßnahme rechtfertigt. Nur was das System wirklich kann, weiß leider das BMVg selber noch nicht, wie seinerzeit im Untersuchungsausschuß klar bewiesen. Wie memoria schon sagt, Herr Paris läßt grüßen und TdM glaubt warscheinlich immer noch, er hätte von den 660 Mio. € nur die Hälfte verschleudert, obwohl der Gesamtschden bei über 1 Milliarde € liegen dürfte, wenn man eine „Vollkostenrechnung“ aufmacht!

  4. @ all

    Zum EuroHawk gibt’s einen neuen Thread.

    @ einige:

    Persönliche Anwürfe fliegen raus.

  5. @ThoDan: Vor Einfüttern der Fragen in die Stabsarbeit meiner Dienststelle hat es wohl keine Vorbereitung des Umgangs mit dem KPMG-Fragenkatalog gegeben. Also wurden die Fragen behandelt „wie immer“.
    Experten wurden nur selektiv beteiligt und die Antworten weiter oben geglättet. Und das würde bei weiteren Befragungen immer so weitergehen, solange es keine demonstrative, nachhaltige Änderung der „Spielregeln“ gibt.

  6. Lesenswert:
    Ein BILD-Interview mit Königshaus („Mieses Zeugnis für Rüstungsprojekte“).
    Die Schönrednerei aller Ebenen kommt immer mehr in der politischen und medialen Diskussion an.

  7. Wenn ich das Richtig Verstanden habe in der Tagesschau , hat die Industrie die Klausel drin das Sie den preis ohne weiteres hoch treiben kann und bei M 4000 ist nicht mal was drin wenn die Später liefern , das Sie Strafe Zahlen müssen und Wartung um Garantie ist auch nicht geregelt
    Da Braucht man sich nicht wundern warum jetzt die Spike für den Puma 100 % gestiegen sind

  8. @Alarich:
    Es gibt Vrtragsstrafen beim A400M, diese wurden bisher nur nicht angezogen – vermutlich aus industriepolitischer Rücksichtnahme (siehe:http://dipbt.bundestag.de/doc/btd/18/006/1800650.pdf, Antwort 4f) ).

    Bin mal gespannt, ob man sich hier in den nächsten Monaten zu einem anderen Vorgehen entschließt. Aber Tom Enders hatte ja bereits bei den Nachverhandlungen Mitte 2009 öffentlich (!) gedroht, dann das Projekt einzustellen (http://www.handelsblatt.com/unternehmen/industrie/airbus-chef-thomas-enders-wir-bauen-den-a400m-nicht-um-jeden-preis/3189458.html).

  9. @Memoria: Dann müssen Sie aber auch ehrlicherweise angeben das ein grossteil der schuld beim Beschaffer liegt. Die Entscheidung unbedingt in Europa gefertigte Triebwerke in den A400m einzubauen, und nicht das von Airbus angebotene von Pratt&Withney bereits fertig vorliegende Triebwerk zu verwenden, war ja schliesslich der Anfang dieser unendlichen Geschichte.

    Bezüglichen des Königshaus Interview, wenn der Mann solche Aussagen macht wie zu der Frage: Müssen wir mehr für Rüstung ausgeben?
    „Nicht zwingend. Wir geben ja noch nicht einmal das Geld aus, das im Haushalt für Verteidigung eingeplant ist. Es wird die Aufgabe der Verteidigungsministerin sein, die Voraussetzungen zu schaffen, den Etat voll auszuschöpfen.“
    Dieses Interview ist für die Tonne.
    Das Wald und Wiesen Journalisten nicht sattelfest sind indem Thema Haushaltsrecht kann ich ja noch verstehen, aber das ein Langjähriger Bundestagsabgeordneter sich offensichtlich nicht auskennt, ist eine Frechheit.
    Sechs, Setzen, und ab zur Nachschulung.

    Glück Ab

  10. @Falke271:
    Zum Thema Triebwerke volle Zustimmung.
    Der politische Einfluss mit erheblich verzögender Wirkung wird heute insbesondere von vdL sehr gerne verdrängt.

    Zum Haushaltsrecht: Das ist flexibler als es in der Diskussion derzeit dargestellt wird.
    Man müßte weitaus weniger Geld zurückgeben, wenn man den gültigen Rahmen ausnutzen würde. Aber da blockiert sich die Bundeswehr selbst. Daher kann man da das Handeln der Bw durchaus kritisch sehen.

  11. @Memoria: So einfach ist die Sache nicht. Als Stichtag gilt der 31.12.2014.
    Wenn Sie jetzt mit Heutigem Datum eine Ersatzbeschaffung vornehmen wollen im Wert von Einer Milliarde Euro, dann muss das Material auch bis zu diesem Datum auf dem Hof stehen, ansonsten fliesst das Geld zurück an das BMF. Also Welche Beschaffungen in der Grössenordnung könnte man in der kürze der Zeit jetzt noch tätigen?
    Ausser der Mistral kenne ich keine, und die ist Politisch nicht erwünscht.

    Glück Ab

  12. @Falke271 :
    Ich habe ja auch nicht behauptet, dass mit einem Vorhaben bis zum 31.12. 1 Mrd. abfliessen kann. Aber es gibt bspw. die Möglichkeit anhand von teilweisen, abgezinsten Vorauszahlungen erhebliche Mittel im laufenden Haushaltjahr über den Teil II abfliessen zu lassen. Lieferungen sind dann anhand von festgelegten Meilensteinen auch im Folgejahr möglich.

    Wenn man es richtig macht kann man damit auch dreistellige Millionen in längst überfällige Kleinvorhaben investieren.
    Dies wurde auch in den letzten Jahren noch gemacht, aber eben nur sehr selten.
    Aber manche Haushälter (der Bundeswehr!) machen da nicht mit.
    So einfach ist die Sache halt auch nicht.

  13. @ Memoria:
    Soweit so richtig. Aber auch ein zweischneidiges Schwert.
    Wenn jetzt der Lieferrant nach erhalt einer Vorrauszahlung in Konkurs geht, steht der Haushälter in der Verantwortung, mit allen für Ihn unangenehmen Folgen.
    Insofern ist das Verhalten jener, für mich verständlich.

    Glück Ab

  14. @Falke271:
    Hierfür müssen Bankbürgschaften und Liquiditätsnachweise vorgelegt werden, also auch kein Thema. Zumal es sich hier ja oftmals um namhafte Hersteller handelt.
    Im Ergebnis gibt die Bw ohne Not (!) sehr viel Geld zurück.
    Das Problem liegt dabei nicht beim Haushaltsrecht – und das war ja der Beginn unserer Diskussion.

    Fazit:
    Man kann einiges machen, wenn man will oder man macht so weiter wie bisher und fährt an die Wand.

  15. Natürlich sind welche von der Firma x überzeugt und bringen es durch wohl Sie Eigentlich mit diesem Amt zu tun haben
    Wie Herr Kauder durch brachte das Immendingen neue Gebäude Fahrzeughallen bekommt
    Das Daimler Neuste hallen hat , wo mit das ende der Kaserne besiegelt war .
    Deshalb Versteh ich auch nicht warum man nicht wie die Schweiz Vorgeht es gibt Projekte die haben Vorlaufzeit wenn die Industrie es nicht schafft können die Vor produzieren , und es gibt Nachbestellung die werden Extra Bestellt wie die Mercedes G Modell in Sonderausstattung das lauft dann extra und man muss das andere nicht stoppen Verbessern und so weiter
    So wurden die ABC Radfahrzeuge bestellt weil der Schutz nicht so ist , werden die für die Infanterie Extra bestellt ( Mowag hat erhebliche Verbesserungen Vorgenommen )
    So könnte man Puma Verbessert Nachbestellen oder auch den Boxer
    Wie die Franzosen können das auch nur Deutschland nicht der V?? hat neuen Namen mehr Schutz und so weiter und wird Nachbestellt .
    Beim Puma der wird 3 mal Umgebaut erst bekommt er Spike und dann Jahre später neue Nebelwurfanlage , das treibt die Kosten Unnötig in der Höhe

  16. @Memoria:

    Wenn man mit einem Haushälter über Vorauszahlungen spricht bekommt der Schnappatmung. Innerhalb des Ressorts Verteidigung wirden nahezu Alle Normen streng und unflexibel ausgelegt. Das gilt für Vergaberecht, Beamtenrecht, …

    Irgendwie kann man es aber auch kaum jemanden verübeln, Gegenüber den wenigen Vertragsbearbeitern wird auch immer die Keule „Regresspflicht wenn zum Schaden des Bundes gehandelt“ geschwungen. Dazu gibt es zu wenige Vertragsbearbeiter.

    Für Personalknappheit sorgt man auch selber. Dienstungähige Kollegen werden über Jahre als Krank geführt. Dienstposten bleibt damit besetzt. Dienst geleistet wird keiner.

    Es ist die Summe von vielen kleinen Stolpersteinen die dazu führt, das gefühlt „nichts geht“.

    Wenn man dass ändern will muss man zum Teilen die Kultur in der Bw ändern. Das dauert und erfordert steten Druck auf der einen Seite, aber eben auch schaffen von Freiräumen auf der anderen Seite (Da wo man die Bw haben möchte.)

    Schaffe ich die Freiräume nicht lande ich wieder bei einer der Aussagen des Berichtes: Überfordertes Personal.

  17. @Woody, @memoria: Habe selber leidlich erfahren müßen, ebenso wie ein ehem. AL Luft, daß die Jungs von „Verträge und Recht“ weder von der BHO, noch vom Vergaberecht substantielle Ahnung haben, geschweige denn halbwegs adäquat gegenüber der Industrie in der Materie gewachsen sind.

    Horizont Tellerrand eine Kaffertassen-Untertasse, Elastizitätsmodul einer Esienbahnschiene (haben wir schon immer so gemacht).

    Und MA, welche tatsächlich nur halbtags arbeiten, absolut bemitleidenswerte Menschen, gibt es dort auch. Natürlich kann man den ganzen Tag Betablocker fressen und wegen Diabetis eine Brille haben, aus der man Schnapps saufen kann, aber dann noch bei Tagungen die Industrieseite abends in der Kneippe öffentlich anzupöpeln, geht zu weit.

    Kann man derartige Herren nicht im Zuge von Fürsorgemaßnahmen auf die Mettnau oder nach Masserberg versetzen, als Dauerkurgäste und mit einem „Betreuer-Job“ und um die Wirtschaftlichkeit zu wahren, denn dort können diese weniger anstellen und sind für alle Beteiligten bestimmt besser aufgehoben?

  18. @Woody:
    Volle Zustimmung.
    Aber hier zeigt sich eben, dass das Thema weit weniger ein rechtliches, sondern ein kulturelles ist. Aber wie auch in anderen Bereichen versteckt man sich eben lieber hinter Paragrafen und der Politik. Hier schieben ja auch viele das Problem zum Parlament.

    Es fehlt eben weiterhin an: Problem erkennen, Problem anerkennen, Problem lösen.

    Die Lösung ist sicher schwierig und langwierig, aber es hakt ja schon beim erkennen (siehe Diskussion hier).

  19. Hauptsache Billig und viel Gewinn hat die Industrie kein Ehre mehr
    Das Hätten Firmenbesitzer sich nicht getraut , dann die Firma soll leben
    Manager denken anders Selberfressen macht dick , nach mir kommt die Sinnflut

  20. Naja, der Sachverhalt bei MG3 ist schon etwas lustig. Höre ich doch die MG3 Fetischisten im Ohr klingen, die am liebsten das „kampfwertgesteigerte MG3“ von Rheinmetall und Tactics Group beschafft hätten. Ich habe schon damals gesagt, dass dieser Schritt die BW keinen Millimeter weiter bringt, wenn diese MG3 nicht komplett neu gefertigt werden. Die Maschinen dafür gibt es nur noch in Pakistan und die Pressenformen dürften inzwischen so ziemlich ausgelutscht sein. Schmeisser hätte wahrscheinlich nur Erfolg haben können, wenn sie das Gehäuse auf einem CNC Automaten in Deutschland gefertigt hätten. Aber dazu wäre dann wahrscheinlich wieder eine aufwändige Prüfung nötig gewesen, um die Funktionstüchtigkeit des Frästeils zu bestätigen. Jetzt hat sich die Sache auch schon so gut wie erledigt. Die Prüfung MG5 müsste inzwischen fast abgeschlossen sein.

    Von der Hitzeerprobung in Yuma gibt es dazu ein kurzes Video: https://www.youtube.com/watch?v=r3G7-_XBsi8

  21. @ Bang50

    Der Link war nicht nötig, kann man damit doch gleich wieder eine Ausrüstungsdiskussion starten. Klar, den Feldversuch der Waffe nutzt man gleich mit um unterschiedliche Beklediung etc testen. Aber warum warum schafft man es nicht, passende Dienstgradschlaufen und Namensschilder zu verwenden. Und auch gleich wieder ein eigener „MG 5“ Patch :-) am Arm. Das ist bestimmt wichtig.

  22. Bild online meldet, daß dieses Jahr wieder mindestens 400 Millionen EUR aus dem Verteidigungsetat nicht ausgegeben werden und ans Finanzministerium zurückfallen sollen, falls die 6 EF abgenommen werden, sonst wird noch viel mehr Geld zurückfallen ans Finanzministerium.

    Mit 400 Millionen sollte man eigentlich ein paar Transportflugzeuge kaufen oder leasen können, nur als kleiner Tipp für VDL bevor das Geld verfällt!

  23. Die Welt berichtet heute von der Kühlschrank-Krise. Die von der Ministerin gewünschte Aufstellung von Kühlschränken in den Soldatenstuben soll unhygienisch sein laut der Dienststelle für verterinärmedizinischen Lebensmittelüberwachung!

    Kühlschrank-Krise bei von der Leyens Truppe ist der Titel des Berichts auf Welt.de

    Das Projekt Wohlfühlarmee von VDL scheint jetzt also schon an der Bürokratie der Bundeswehrverwaltung zu scheitern. Die Soldaten haben sich über die Bürokratie beim Wehrbeauftragten beschwert.

  24. @ Closius

    Sind sie ein Nachrichtenticker? Das fällt mir schon seit Wochen auf, das Sie ohne Zusammenhang in irgendwelche Threads unreflektiert Pressemeldungen mit Bezug zur Bundeswehr posten. Lassen Sie das Bitte! Des weiteren wurde der Fall der EF schon in seinen finanziellen Auswirkungen hier bennant, sogar noch vor der BILD-„Zeitung“.

  25. Interessanter Artikel auf faz.net zur KPMG-Studie („Schock im Bendlerblock“).
    Der unzureichende Mittelabfluss wird auch erläutert.
    Im Umfeld der Ministerin hat man erkannt, dass ein „Kulturwandel“ nötig ist.

    Na dann schau mer mal.

  26. @ Vtg-Amtmann
    Entschuldigung! Aber das ist mal wieder reinste Polemik. Kommt in der Öffentlichkeit zwar immer gut an, ist aber den betroffenen Menschen gegenüber ungerecht. Ständig als unfähig und zu blöd diffamiert zu werden, als die „Taliban vom Zeughaus“ am Deutschen Eck, ist unsachlich.
    Das Amt wurde im laufenden Betrieb vollkommen neu aufgestellt, hatte eine Vielzahl neuer Aufgaben zu übernehmen, wofür das Personal aber nur in einem sehr geringen Umfang kam.
    Ferner hat das Amt sich an Recht und Gesetz zu halten. Geschieht die nicht, ist der Einzelne haftbar.

  27. Bei Vtg-Amtmann scheint es sich um einen boshaft veranlagten Menschen zu handeln, der es sich zu eigenen gemacht hat, seine engagiert arbeitenden Kollegen mit Dreck zu bewerfen. Warum die polemischen Konmmentare unterhalb der Gürtellinie? ?? Stockt die eigene Beamtenkarriere? ?

  28. @servant, @Wulni:Weder stockt die eigene Beamtenkarriere, weil ich seit mehr als 30 Jahren keiner mehr bin, noch zielt meine Kritik darauf ab, jemanden „boshaft und persönlich als blöd zu diffamieren“. Die Kritik zielt auf das System!

    Der Spruch „Taliban vom Zeughaus am Deutschen Eck“ erscheint zwar als bildzeitungsreif, aber derartige unspezifizierte Kritik ist nicht mein Niveau. Da spezifiziere ich lieber und dies detailliert und fundiert, z.B. „Mietkauf“ oder „Leasing mit Kaufrecht zum Restwert“ vs. „Sale & Lease-Back“, oder „Budget-Betrieb“ vs. „Budget Invest“, oder „Betriebskosten und Amortisationszeiten“ vs. “Altsystem und Ersatzinvestion“, und schon sind wir mitten in einer Materie, die offenbar nur schwer vom System beherrscht wird.

    Im Übrigen bin ich ein absoluter Verfechter (wie ebenfalls schon mehrfach ausgeführt),

    – daß ob des vehement erhöhten Arbeits- und Augabenumfangs des BAAINBw unverzüglich die Zahl der Güteprüfer um ca. 50 bis 75 Planstellen erhöht wird,

    – daß durch Abbau von Doppelstrukturen in den jeweiligen Gruppen Wirtschaft / Recht der insgesamt 9 Fach-Abteilungen bzw. durch Zentralisierung von Doppelstrukturen, zusätzliche Personalkapazitäten für abteilungsspezifische Vertragsangelegenheiten geschaffen werden und/oder derart Höherdotierungen ermöglicht werden,

    – sowie spezifische Personalqualifizierungsmaßnahmen in den Bereichen Wirtschaft & Recht erfolgen,

    um eben dem BAAINBw zu erschließen, einen gegenüber den Vertrags- und Wirtschaftsjuristen der Industrie adäquaten Verhandlungspartner darstellen zu können!

    Denn (Zitat @Wulni) „es hat das Amt sich an Recht und Gesetz zu halten. Geschieht dies nicht, ist der Einzelne haftbar“ (Zitatende).

    Allerdings ist auch dies nur die halbe Wahrheit bzw.im 2ten Halbsatz unpräzise, denn eine Rückgriffsmöglichkeit auf den „Einzelnen“ ist auf vorsätzliche oder grob fahrlässige Pflichtverletzungen beschränkt. Regelmäßig heißt das, daß die Subsidiaritätsklausel nach § 839 BGB i.V.m. Art. 34 GG greift. Ergo muß der Dienstherr sich selber „an die Nase greifen“, speziell wenn Systemimmanenzen schadensursächlich sind, wofür der Erfüllungsgehilfe nicht verantwortlich gemacht werden kann.

    Könnte mir vorstellen, daß Vorgenanntes auch einer der Punkte des KPMG-Berichts ist und der Artikel „Schock im Bendlerblock“ in der heutigen FAZ-Ausgabe spricht zum Thema „Verträge & Recht im Beschaffungswesen des BMVg“ bereits Bände.

  29. Mal ein ganz naiver Einwurf dazu, wie man auf Basis des Fragenkataloges der Prüfer weiterarbeiten könnte: Die Fragen veröffentlichen und die Antworten in einer geschützen, anonymisierten Dropbox a la Wikileaks sammeln. Hätte zwar auch etwas von Herkulesarbeit (Augiasstall), wäre aber mal ein Ansatz für ein hierarchieneutrales Crowdsourcing.

  30. Die Amtsseite ist bei Verhandlungen mit der Wirtschaft schon gut aufgestellt, da bedarf es keiner Hinweise von ehemaligen Beamten. Und schon gar nicht können Soldaten als Verhandlungspartner auf Augenhöhe fungieren. Daher darf eine Aufweichung von 87 a und 87 b auf keinen Fall erfolgen.

  31. @servant

    das ist ja mal eine wunderbar realitätsferne Auffassung, die Sie da vertreten in Zeiten von zivilen Betreibergesellschaften, die tief in die technisch-logistischen Kernbereiche unseres militärischen Fähigkeitsspektrums hinein wirken. Prozesse, die man vor Jahren noch mit einer ministeriellen Weisung innerhalb der BW anschieben und kontrollieren konnte, bedürfen heute aufwendiger und fachlich sehr komplexer Konzept- und Vertragsarbeit. Dafür hat die BW mitnichten amtlicherseits die nötigen „beamteten“ Kompetenzträger. Und, dass vereidigte Soldaten keine „Verhandlungspartner auf Augenhöhe“ sein dürfen wg der 87a/b-Trennung ist eine im Jahre 2014 geradezu grotesk und altbacken anmutende Aussage in typisch Bonner Beamtenmentalität aus den Anfängen der BW.

  32. @klabautermann
    Im Rahmen der Ausbildung erhalten die Beamten fundierte Kenntnisse auf verschiedenen Rechtsgebieten und im Vergaberecht. Welcher vereidigte Soldat kann von sich behaupten, ähnliche Kenntnisse in mögliche Vertragsverhandlungen einbringen zu können. Jede Statusgruppe soll das machen, wofür sie ausgebildet worden ist.Wenn das alles so einfach ist mit dem hin und her wechseln- dann ist es ja auch kein Problem, wenn Beamte im Jahr 2014 künftig militärische Dienststellen führen.

  33. Bw Aktuell, besser bekannt als „Durchhalteblättchen“ meldet , dass der InspLw ab sofort die Task Force „Starrflügler“ und der InspM die Task Force „Drehflügler“ leitet mit dem Auftrag.„ein dezidiertes Lagebild über die gesamte materielle Einsatzlage aller fliegenden Hauptwaffensysteme der Bundeswehr zu gewinnen, Stellgrößen und Lösungsvorschläge zur Verbesserung der materiellen Einsatzbereitschaft zu identifizieren und dafür
    notwendige Maßnahmen“ zu benennen. Gleichzeitig sollen die Befugnisse der Insp erhöht werden.

    Wenn der inspM diese Chance nicht nutzt den scheinbar ungeliebten neuen Hubschrauber abzuschießen, ist ihm auch nicht mehr zu helten ….

  34. @servant

    Juristische Kompetenz ist nur eine Seite der Vertragsmedaille. Grundlage von Verträgen sind fachlich fundierte und qualitätsgesicherte Realisierungskonzepte und Lastenhefte, bei deren Überführung in einen Vertrag per Verhandlung der notwendige technisch-logistisch-operative Sachverstand sehr wichtig ist, damit man nicht in der Sache mit rein juristischen Mitteln über den Tisch gezogen wird. Und da kommen eben die Soldaten ins Spiel, die ja letztendlich auch der eigentliche Bedarfsträger und Nutzer sind. Das dialogische Prinzip (Bedarfsträger und Bedarfsdecker verhandeln gemeinsam mit der Industrie) ist imho eine ziemlich gutes Format.

  35. Ich denke ja mal schon das die Wehringenieure die technische Seite mehr als ausreichend abdecken.Bei der Stehzeit eines Soldaten auf seinem Dienstposten von 2-3 Jahren würde sehr viel Zeit vertan werden, um immer wieder neue Leute anlernen zu müssen. Bleibt unterm Summenstrich festzuhalten, das die Beamten der Bundeswehr sehrwohl auch die soldatischen Interessen vertreten können. Lassen wirs so wie es ist.

  36. @servant, @klabautermann
    Was @klabautermann da anspricht ist vollkommen richtig. Ein Vertrag zur Entwicklung und Liferung irgendeines Systems kommt nicht aus dem Nichts zustande, sondern basiert auf einem Berg an Vorläuferpapieren, die irgendwie alle berücksichtigt werden müssen. Weder werden solche Vertragsverhandlungen an einem Nachmittag durchgezogen, noch kommt die zivile Wirtschaft mit nur einem Mitarbeiter zur Verhandlung. Da gibt es nicht umsonst neben dem Vertriebler, dem Juristen und den Managern zur Kostenberechnung noch Leute, die sich Gedanken über Technologien, Konstruktion, Systemintegration und generelle Konzeption des Systems machen. Und gerade die Leute von der Konzeption haben in der Regel viel fachliche Expertise und meist auch militärische Erfahrung, weil sie nämlich gezielt bei der Bundeswehr abgeworben worden sind bzw. sich nach ihrer Dienstzeit gezielt in der Rüstung beworben haben. Der Vorteil der Industrie ist, dass sie diese unterschiedlichen Kompetenzen gut zum eigenen Vorteil bündeln können. Da hilft ihnen der gut ausgebildete Beamte nichts, wenn er das Lastenheft für das System als Fachfremder nicht versteht und nicht die Notwendigkeit erkennt, mal mit einem Soldaten mit Fachkenntnis darüber zu sprechen. Es muss beim Bedarfsträger und Bedarfsdecker die notwendige Expertise operativ, logistisch und technisch vorhanden sein, um Fähigkeitslücken und notwendige Fähigkeiten präzise und umfassend zu beschreiben, in umfassende Lastenhefte zu übersetzen und diese dann erfolgreich mit der Industrie in ein Beschaffungsprojekt umzusetzen, was dann zu einem Vertrag führt.
    Derzeit scheint der Bundeswehr in Teilen die Expertise aber ganz erheblich die Koordination und Bündelung der unterschiedlichen Fähigkeiten gegenüber der Industrie zu fehlen.

  37. Amtsseitig sitzen Juristen, Ingenieure und Fachleute für das Vergabewesen sowie dem Haushalt der Industrie gegenüber. Hat der Bedarfsträger richtig zugearbeitet bedarf es keiner unnötigen Vergrößerung der Verhandlungsgruppe.

  38. @servant:

    Danke. Ich hatte mich lange gefragt, woher die Riesenschlamperei im Beschaffungswesen kommt, und warum die BW ständig über den Tisch gezogen wird. Sie haben die Frage umfassender beantwortet, als ich wollte. :)

  39. @servant
    Insbesondere bei technisch komplexen Großprojekten ist es zu erwarten, dass sich bereits in der Definitionsphase zwischen Industrie und Bedarfsdecker Detailfragen ergeben, die man vielleicht noch einmal mit dem Bedarfsträger klären sollte. Außerdem werden sich immer aus den gewählten technischen Lösungen der Industrie neue Fragen ergeben, die im Lastenheft nicht explizit definiert wurden (Zwischen zivilen Vertragspartnern kommt das jedenfalls regelmäßig vor). Sonst sind am Ende der Jurist, der Ingenieur und die Fachleute für Vergabewesen und Haushalt mit ihren Teillösungen hoch zufrieden und Bedarfsträger und Nutzer fragen sich, warum ein Helikopter zum Truppentransport über eine Heckrampe und einen Bodenbelag verfügen, die unzulänglich zum Truppentransport sind.

  40. @cynic2:

    Sowas kommt nicht nur regelmäßig vor, es ist sogar ganz normales Handwerkszeug bei Vertragsverhandlungen. Alle auftauchenden Unannehmlichkeiten werden in den Verhandlungen ganz still und leise weit nach hinten geschoben. So steigt die Chance, daß die Gegenseite sie ganz einfach übersieht oder, so sie denn bemerkt werden, falsch einschätzt und unter dem Zeitdruck überzogener Verhandlungsdeadlines einfach abnickt oder ignoriert.
    Und es tauchen bei jedem größeren Projekt solche Sachen auf, weil man ja gezwungen ist, die praktischen Details von Maschinen oder Organisationen zu besprechen, die noch gar nicht existieren.

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