Probleme mit der Tradition: Bundeswehr verbietet ‚Treue um Treue‘

Karfreitagsgefecht_Dingo

Mit (militärischen) Traditionen tut sich die Bundeswehr immer dann besonders schwer, wenn sie auf die Wehrmacht oder das 3. Reich zurückgeführt werden können oder nur könnten – und das führt bisweilen zu sehr emotionalen Diskussionen. So war es zum Beispiel, als dem damaligen Jagdgeschwader 74 sein Traditionsname Mölders aberkannt wurde. Jetzt hat das Deutsche Heer einen Traditionsspruch verboten, und auch das dürfte wieder für heftige Debatten sorgen: Treue um Treue, ein Wahlspruch, der insbesondere bei den Fallschirmjäger der Bundeswehr in Gebrauch ist (inzwischen: war) und auch im Zusammenhang mit dem Afghanistan-Einsatz immer wieder auftauchte. Wie auf dem obigen Bild des Wracks eines geschützten Transportfahrzeuges Dingo – das Fahrzeug war während des Gefechts am Karfreitag 2010 im Dorf Isa Khel bei Kundus, bei dem drei deutsche Soldaten ums Leben kamen, gesprengt worden. Monate später stellten Fallschirmjäger die Reste des Dingos sicher und erinnerten mit Treue um Treue an ihre gefallenen Kameraden.

Ein Erlaß mit Datum 6. Mai 2014, in Kraft gesetzt am 20. Mai, schreibt das Verbot dieses Spruches für das Heer fest. Die Weisung, die Augen geradeaus! vorliegt:

Im Verantwortungsbereich der DSK [Division Schnelle Kräfte, T.W.] wird der Wahlspruch „Treue um Treue“ zur Ehrung für die gefallenen Bundeswehrsoldaten vom „Karfreitagsgefecht“ des 02. April 2010 innerhalb von Liegenschaften der Bundeswehr genutzt. Darüber hinaus findet der Wahlspruch u.a. in Dienstgebäuden oder auch auf diversen Trinkbechern in Form einer Gravur Verwendung.
In Anlehnung an die Weisung FüSK II 4 [Abteilung Führung Streitkräfte im Verteidigungsministerium, T.W.] und als Ergebnis der durch den InspH [Inspekteur des Heeres, T.W.] beauftragten Untersuchung des Wahlspruches durch bundeswehreigene und externe Institutionen wird festgestellt, dass der Ausdruck nicht geeignet ist, Traditionen der Bundeswehr zu pflegen und in diesem Zusammenhang Treuepflicht zu symbolisieren.
In heutiger Wahrnehmung und in der Geschichte deutscher Streitkräfte ist der Wahlspruch im Wesentlichen durch die Verwendung als Motto der Fallschirmjägertruppe der Wehrmacht geprägt worden und mit dieser verbunden.
Es ist davon auszugehen, dass seine Verwendung in der Bundeswehr und insbesondere bei den Fallschirmjägern in der öffentlichen Wahrnehmung auch als Bekenntnis zu einer Traditionslinie Wehrmacht – Bundeswehr aufgefasst wird.
Mit Entscheidung InspH vom 06. Mai 2014 wird die Nutzung des Wahlspruches „Treue um Treue für das Deutsche Heer im dienstlichen Umfeld in jeglicher Form verboten.

Heeresinspekteur Bruno Kasdorf hatte da allerdings wenig Spielraum. Die in seinem Erlass genannte Weisung aus dem Ministerium, datiert vom 26. Februar 2013, verbietet ausdrücklich diesen Spruch für die Gedenktafeln für gefallene Bundeswehrsoldaten:

Im Einsatzgebiet AFG enthalten zwei Gedenktafeln für Gefallene der Bundeswehr die Inschrift „Treue um Treue“. (…)
Hierzu ist festzustellen: Die Inschriften sind nicht geeignet, Traditionen der Bundeswehr zu pflegen oder die den Soldaten der Bundeswehr abverlangte Tapferkeit und Treuepflicht zu symbolisieren. Vielmehr ist absehbar, dass die Inschriften zu Missverständnissen führen können, die einem würdigen Gedenken an die Gefallenen der Bundeswehr in der Öffentlichkeit abträglich sind. Der Wahlspruch „Treue um Treue“ ist daher auf Gedenktafeln für die Gefallenen der Bundeswehr nicht zu verwenden.

Allerdings ist mein Eindruck, dass die Fallschirmjäger, die mit diesem Spruch in Afghanistan (und in der Heimat) ihrer gefallenen Kameraden gedachten, dabei nicht unbedingt die Wehrmacht vor Augen hatten. Das Zitat findet sich unter anderem beim früheren Reichspräsidenten Paul von Hindenburg, aber es steht auch auf als Motto auf der Webseite der Schützenkompanie Wilten in Österreich, beim früheren Bundeswehr-Fallschirmjägerbataillon 273, als Überschrift im Spiegel – aber auch, laut Wikipedia, auf einem Denkmal für die Waffen-SS.

Über den Heeres-Erlass hatte am (heutigen) Donnerstag zuerst die Wochenzeitung Junge Freiheit berichtet (Link aus bekannten Gründen nicht).

(Ich bitte bei den Kommentaren in diesem Fall mal besonders dringlich um Sachlichkeit in der Auseinandersetzung.)

(Foto: Der beim Karfreitagsgefecht beschädigte, von der Bundeswehr gesprengte und später wieder sicher gestellte Dingo in Isa Kehl, mit Gedenken an die Gefallenen – via Johannes Clair/“Vier Tage im November“)

968 Gedanken zu „Probleme mit der Tradition: Bundeswehr verbietet ‚Treue um Treue‘

  1. @Magmakammer

    KEIN Soldat einer „befreundeten“ Nation versteht, was hier in Deutschland mit Armee und Tradition passiert. Ich hatte es bereits schon vorher gepostet:

    Der Ehrenhain der gepanzerten Kampftruppen in Munster wurde komplett umgepflügt und neu gestaltet, „so mit Architekt und Ausschreibung und so“ – obwohl vor geraumer Zeit bereits alle „anstößigen“ Gedenksteine entfernt wurden. In dieser Form wurde es übrigens weithin akzeptiert, auch von den geladenen Gästen der Gegner von einst.

    Nun ist es ein PC-konformes Ehrenmal für „Unsere Toten“ geworden, also eher die der Bundeswehr. Den noch lebenden Kriegsteilnehmern hat man damit den Raum für Trauer und Gedenken genommen, übrigens auch auf Geheiß von Bruno K. Näheres hier: http://www.panzertruppe.com/pdf/pdf%20s-b/unselige_tradition_SB50.pdf
    Noch nicht einmal Alternativvorschläge wurden diskutiert und der Offene Brief der Generale a.D. von TdM ignoriert. Man vollzieht offensichtlich lieber gleich tabula rasa…

    Am Rande: Aus dem AusbZ Munster ist zu vernehmen, dass die geladenen Gäste der ehemaligen Gegner schlicht schockiert und entrüstet waren… Soviel dazu, Bruno (ich hoffe noch immer inständig, dass er hier mitliest)…

  2. „Ich finde den Ansatz mit den Empfindlichkeiten europäischer Kameraden ja ganz nett,“

    Aber kaum relevant. Bei den Verbündeten erntet man wegen der Mölders-Entnamung heute noch entsetzt-ungläubige Blicke. Aber die „Europäisierung“ muss eben für alles mögliche herhalten.

  3. Als Nachtrag ein Kernsatz aus obiger .pdf, weil das auch ganz gut zu „Treue um Treue“ passt:

    „[…]Bedauerlicherweise hat eine breite Auseinandersetzung zu diesem emotionalen und tief in den Bereich der Inneren Führung greifenden Thema nicht stattgefunden.[…]

    Meine Herren, schaffen Sie die InFü wenigstens offiziell ab, wenn Sie sie ohenhin schon mit Füßen treten. Diese Gaukelei kann ja niemand mehr ertragen.

  4. @Vodooo und Co

    Um es mal ganz platt zu sagen:
    Was interessieren mich die Emotionen der sogenannten „Kriegsgeneration“ in brauner Uniform. ? Was interessiert das meinen Sohn/Tochter ? Die sogenannte Kriegsgeneration ist nicht nur ehemalige Wehrmacht und SS und Co. Täter zu Opfern machen ? BULLSHIT ! Fragen wir doch mal die echten Opfer der braunen Pest.
    Vae victis !…und ansonsten Kriegsgräberfürsorge !

  5. Huh? Mein Opa war sog. Halbjude und wurde eingezogen, ebenso sein Bruder. Trotzdem haben beide nach dem Krieg um ihre Kameraden getrauert, die am Arsch der Welt geblieben sind. Wer sind Sie, dass sie diesen Leuten das Recht auf eben diese Trauer an einem geeigneten Ort absprechen?!

    Schätze Sie wirklich, klabautermann, aber in diesem Fall darf ich sagen: Kommen Sie mal wieder runter.

  6. @voodoo

    und warum ist dieser „geeignete“ Ort unbedingt eine Bundeswehr Kaserne?

    Meine Großväter waren beide im Krieg …sie haben ueberlebt .und haben beide Zeit ihres Lebens der Deutschen Kriegsgraeberfuersorge in Gedenken ihrer gefallenen Kameraden gespendet….

    und in jedem deutschen Dorf steht ein Mahnmal fuer die Gefallenen

    Damit entspricht er genau Klabautermann s Bild….

  7. OK, liebe mit-Foristen, wir geraten imho a bisserl ins Meta-OT.

    Es ist alles gesagt, nur nicht von allen ;-)

    @T.W. thx for UR patience

    @Soenke: Was würde Joachim Fernau zu dieser Diskussion sagen ?

    ;-)

  8. Ich glaube, wir führen hier ferner eine Art Generationenkonflikt ;-)

    Übrigens war / ist das offizielle Gedenken in Munster auf den Volkstrauertag beschränkt, ansonsten huldigte man auch inoffiziell niemandem, schon gar nicht heimlich, wie es impliziert wurde.

    Whatever. Genug geschrieben in weit über 500 Einträgen.

  9. Deus, mihi dona serenitatem ut accipiam res quas mutare non possum; virtutem ut mutem eas quas possum, et prudentiam ut discernam differentiam.

    @Klabautermann

    Jetzt werden wir auch noch altersdiskriminiert ;-)

  10. @Soenke

    Meine Antwort hat wohl der dirty-words filter von T.W. geschluckt ;-)

    Zum diskriminieren gehören immer zwei und ich hab da was von ratiophxxx.

    Und jetzt pfleg ich meine Sommererkältung ;-(

  11. @Soenke Marahrens: Sie haben ja hier geschrieben, ich werde eine Antwort via T.W. erhalten. Deshalb hier, Danke für diese nette, kameradschaftliche und auch sehr informative sowie keineswegs unkritische Mail. Man wird trotzdem weiterhin über den Befehl des Inspekteurs Heer hier kontrovers diskutieren können und dürfen.

    Aber es spricht auch Vieles dafür, daß ehemals Aktive (hochrangig) wieder einmal mit dem Feuer gespielt (BDF) und div. „Dumpfbacken“ mit den „richtigen Bechern“ in der Hand noch ein paar grobe Holzscheit nachgelegt haben (so auch von mir geschrieben)

    Das hat mit den gefallen Kameraden und dem Kreis um J. C. gar nichts zu tun.

    Man muß sich aber nicht wundern, wenn ein ohnehin nicht unbedingt „Fallschirmjäger-affiner “ Bruno dann überreagiert, wenn er schon die lästige „Gedenktafel-Weisung“ des BMVg auf dem Tisch hat!.

  12. Vtg-Amtmann | 10. Juni 2014 – 18:51
    Da werden sich die jungen Fallschirmjäger aber bedanken, wenn es stimmt, was Sie andeuten, dass ehemals Aktive (hochrangig) (BDF) und “ „div. “Dumpfbacken” “ wieder einmal mit dem Feuer gespielt haben könnten. Haben Sie? Ich weiß, dass sind sie gestern schon mal gefragt worden. Wäre wirklich spannend zu wissen ob und was da war. Geben Sie sich einen Ruck :-)
    Einige Kameraden aus der DSK, die deutlich jünger sind als ich, fragen sowieso häufig – warum glaubt der BDF, für mich sprechen zu dürfen -.
    Es scheint, der junge, einsatzerfahrene Fallschirmjäger und der BDF haben weniger gemeinsam, als gemeinhin angenommen. Man könnte ja mal vermuten, ob viele junge Offiziere im BDF MItglied sind?

  13. @all
    Wenn auch erst nach 500+ Beiträgen auch meine 5cent ;)

    Ganz egal, was man ansonsten für oder wieder anführen kann und muss, gem. gültiger Weisungslage kann und muss Tradition und Bräuche (sofern sie nicht gegen die FDGO verstösst) aus der Truppe heraus wachsen.

    Es ist schlicht und einfach nicht die Zuständigkeit des InspH der Truppe „ihre“ Tradition und Bräuche vorzuschreiben.

    Wenn „Treue um Treue“ von den Wehrmachtsfallschirmjägern in die Bw „hinübergewachsen“ ist und in der Zwischenzeit auch von heutigen FschJg genutzt wird, dann ist das die Entscheidung der Truppe.

    Und das entspricht neben einen erwachsenen Geschichte- und Traditionsverständnis (und dem gesunden Menschenverstand) auch dem Traditions-„Erlass“

  14. @AKamp: Ich könnte mir vorstellen, daß manch ein User (bzw. Aktiver) das via Bw-Intranet erklären könte und dann bleibt die Chose – oder auch Sch…e – dort wo sie hingehört.

  15. „und warum ist dieser “geeignete” Ort unbedingt eine Bundeswehr Kaserne?“

    War da nicht irgendwas mit der immer wieder betonten zentralen Bedeutung des Totengedenkens für die Bundeswehr?

    Aber wundern tut mich nichts mehr: Die BW hat schon erhebliche Probleme ihrer in Afghanistan gefallenen Soldaten zu gedenken. Der Ehrenhain von Kundus wird unzugänglich im Wald versteckt und das fragwürdige Ehrenmal in Berlin darf in keinem Fall den Eindruck einer „Heroisierung“ erwecken und staubt ungegeliebt und ungenutzt vor sich hin. Wer erwartet hier noch ein würdiges Gedenken an Angehörige früherer deutscher Streitkräfte. In Zukunft braucht halt jede deutsche Armee ihren eigenen Gedenkstein.

  16. @Koffer: Da schimmert ja bei Ihnen schon wieder die Verbindung und das Corps durch? Aber Sie haben m.M.n. im Fall zu 100% recht! Der „Bruno“ war m.W. weder in einem Corps, noch scheint er Ahnung davon zu haben, was Historie, Tradition und Corps-Geist ist! Ich sag das mal so , als a.D. und ohne Maulkorb sowie mit Vielen in der Familie, die es militärisch zu etwas gebracht haben, Traditionen von Generation zu Generation weitergegeben und alles andere als Nazis waren und sind.

  17. @Thomas Wiegold

    Bei 555 machen Sie dieses Rekord- Thema zu? Und dann ein neuer Thread am Donnerstag nach der KdoÜbergabe DSK?

    Ich bin sicher: das Kdo Heer und der Leitungsbereich BMVg haben intensiv mitgelesen. Das wird spannend in Stadtallendorf.

  18. @ xyz
    Meinen Sie das genau so? Zitat:
    “ In Zukunft braucht halt jede deutsche Armee ihren eigenen Gedenkstein.“
    JEDE?
    Ich möchte wirklich kein neues Fass aufmachen nach 500+, auch die ehemalige NVA?

    @ all
    Danke für die Beiträge, man wird klüger und spürt zusätzlich noch Engagement für die Sache. Motivation? Bei einigen aktiven Soldaten ist sie wohl schon geschwunden? Ich denke die Sache, also unsere Bundeswehr, verbindet auch Kommentatoren mit gegensätzlichen Auffassungen. Noch mal vielen Dank für dieses Pfinsten, man ist ja kaum mit dem Lesen nachgekommen. Damit nehme ich die Anregung einiger auf „einzustellen, Zitat: „Es ist alles gesagt, nur nicht von allen ;-)“

  19. Abschließend (zumindest was mich angeht) möchte ich nochmal aus einem Buch zitieren,
    H.-J. Reeb – P. Többicke, Lexikon Innere Führung; Walhalla-Fachverlag, Regensburg, Berlin 2003

    Treue

    Die T. gilt als der Wille, Werte verpflichtend anzuerkennen (->Berufsethos) und dem Versprechen gemäß zu handeln (->Dienstpflichten). Die Treuebekundung findet ihren Ausdruck im militärischen ->Eid. Die militärische Treuepflicht gilt gegenüber den Werten und Normen des politischen Systems, dem der Soldat dient (->Werteordnung). So verspricht der Soldat der ->Bundeswehr, der Bundesrepublik Deutschland treu zu dienen und das Recht und die Pflicht [sic!] des deutschen Volkes tapfer zu verteidigen (->Grundgesetz).

    Dozenten vom ZInFü und FüAkBw sehen also Treue als Willen, Werte verpflichtend anzuerkennen. Ich würde gerne die internen und externen Gutachten lesen, die müssen dem dann ja widersprechen.

    Berufsethos (->ethische Grundlagen)

    drückt sich in Einstellungen und Haltungen aus (Werte), die für das subjektive Handeln leitend sind, sofern sie nicht rein funktional verstanden werden. Das militärische B. (->Bundeswehr) wird nicht mehr einheitlich gedeutet (-> „sui generis“) und scheint Veränderungen zu unterliegen (vgl. Forschungsberichte aus der ->Militärsoziologie), die sich international, zudem generationsbedingt verbreiten (->Berufsbild des Soldaten).

    Unterstützt die Aussage des möglichen Generationenkonflikts, wobei ich persönlich den Unterschied zwischen politischer Beamter (GenLt) und einsatzerfahrenen (ich hasse das Wort „Draussies“, aber hier passt es gerade – leider) Soldaten sehe.

    Dienstpflichten des Soldaten

    (…) Inhaltlich knüpft der Pflichtenkatalog [Anm.: §§ 6 ff. SG] an soldatische Verhaltensweisen und Charaktermerkmale an, die seit jeher zu den ->soldatischen Tugenden gezählt werden. (…)

    In § 7 SG kommt schon wieder Treue vor.

    Und mein sarkastischer Abschluss: Treue scheint mir das neue Autobahn.

  20. Ich denke auch das bald alles gesagt wurde, aber was lernen wir daraus?

    Nach der mitlaufenden Durchsicht aller Kommentare:
    – „Treue um Treue“ wurde in der Wehrmacht verwendet, der Spruch ist jedoch schon viel älter
    – Dasselbe trifft auch auf andere Mottos, Sprüche, Wappen in der BW zu
    – Es gibt in der BW viele Bezeichnungen die in der Wehrmacht entstanden (Luftwaffe, Sturmgewehr, Panzergrenadier), müssen die auch geändert werden?

    Obwohl ich (militär-) geschichtlich einigermaßen interessiert bin, hatte ich „Treue um Treue“ vor allem als Spruch vor dem zerstörten Dingo in Erinnerung. Der Masse der Bevölkerung wird es ähnlich gehen.

    Macht es Sinn, alles was einen NS-Bezug hat zu tilgen? Ich denke nicht, und es ist auch nicht möglich. Bin gestern auch Autobahn gefahren…
    Machen die Kasernenumbenennungen Sinn? MMn JA, wenn der Namensträger klar belastet ist. Aber es gab Zeiten in denen es keine Demokratie in Deutschland gab, und es gibt nicht nur gute und schlechte Menschen, die Welt ist bunt.
    Es wird also auch Personen geben welche geehrt werden können, durch ihr Handeln welches beispielhaft oder entscheidend war.

    Um dies zu beurteilen und nicht in „vorauseilendem Gehorsam“ vor möglichen Beschwerden, die es von gewissen Kreisen immer geben wird, Dinge gefühlt willürlich verbieten zu müssen, denke ich dass es Zeit für einen neuen Traditionserlass ist um auch Handlungssicherheit zu geben.

    Es hat sich einiges geändert seit 1982, auch in der Geschichtsforschung.

  21. @all

    Betreffs des Ehrenhains in Munster, mkn wurde das Wissen über die Verbrechen der „sauberen“ Wehrmacht und die Kenntnis der Wehrmacht zu den Verbrechen des NS Regimes stark korrigiert.
    Von daher ist eine „Ehrung“ der Panzertruppe der Wehrmacht in einer Einrichtung der BW wohl nicht fragwürdig.

    @xyz

    Persönlich finde einen Wald als Ort für die Ehrenhaine sehr passend(und beim Einsatz Führungs Kommando ).

    @Someone

    Für mich war der Kernsatz Recht und Freiheit des deutschen Volkes tapfer zu verteidigen.

  22. Muesste man nicht die Buecher des WALHALLA Verlages auf den index setzen? Walhalla- das geht doch garnicht!
    Honi soit qui mal y pense!

  23. „Von daher ist eine “Ehrung” der Panzertruppe der Wehrmacht in einer Einrichtung der BW wohl nicht fragwürdig.“

    Auch auf die Gefahr einer abermaligen fruchtlosen Diskussion, in der ich ihnen ihre geschichtliche Unkenntnis aufzeigen muss: Wir sprechen hier von einem würdigen Totengedenken, so wie es Aufgabe der BW ist.

    „Betreffs des Ehrenhains in Munster, mkn wurde das Wissen über die Verbrechen der “sauberen” Wehrmacht und die Kenntnis der Wehrmacht zu den Verbrechen des NS Regimes stark korrigiert.“

    Abgesehen von der von ihnen vertretenen vordemokratischen Kollektivschuldthese, wird und wurde nicht die Wehrmacht, sondern die die für ihr Land gefallenen Soldaten der Ehemaligen Panzertruppe geehrt.

    Irgendwie hab ich langsam das Gefühl einem Troll auf dem Leim zu gehen.

  24. Historiker fordern Umbenennung von Kasernen (s. SPON). Tja, was nun?

    Die Kaserne in BRH heißt nun übrigens Hochstaufen-Kaserne (nicht: Hohenstaufen-Kaserne).

  25. Ich sag’s ja. Nummerieren und Schluß mit dem Thema. Niemand kann dem mehr Einhalt gebieten oder will es auch nur.

  26. Ich verlink das mal:
    http://www.bv-opfer-ns-militaerjustiz.de/uploads/Dateien/Stellungnahmen/Aufruf-WK1-Traditionspflege20140610.pdf

    u.a. soll die Tirpitz-Mole (Marinestützpunkt Kiel) umbenannt.

    Unterschrieben haben die üblichen Verdächtigen (Auszug der treibenden Kräfte):

    Initiator Jakob Knab:
    Den dürfte man kennen. Initiative Falsche Glorie, Beiträge findet man u.a ehemaligem SED-Organ „Neues Deutschland“, Ossietzky, der VVN-BDA Zeitung „Antifa“, Auftritte u.a. im Antifaschistischen Informations-, Dokumentations- und Archivstelle München a.i.d.a (dürfte man aus den VS-Berichten kennen).

    Detlef Bald:
    ehemaliger leitender Mitarbeiter am Sozialwissenschaftlichen Institut der Bundeswehr, Darmstädter Signal, AG Friedensforschung (laut VS linksextrem beeinflusst), nach allerlei Querelen mit der BW-Führung wg der Traditionspflege mehr oder weniger gegangen worden.

    Manfred Messerschmidt
    ehemaliger Leitender Historiker am Militärgeschichtlichen Forschungsamt, nach langen Querelen mit BW und Verteidigungsministerium in den Ruhestand gegangen. Widerstandskritiker usw.

    Wolfram Wette:
    ehemaliger MGFA-Historiker, Därmstädter Signal, Deutsche Friedensgesellschaft – Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen (die tote BW-Soldaten als Schritt zur Abrüstung feierten), ansonsten auch in einem Umfeld unterwegs, das einen gewissen Beigeschmack hat.

    Das ist das Problem mit dem Nachgeben bei Kasernen-Benennungen, Tradition und Brauchtum. Es geht sofort wieder von vorne los, weil es in erster Linie um die grundsätzliche Ablehnung von Militär und Bundeswehr geht.

    Übrigens drei BW-Eigengewächse, darüber sollte man mal nachdenken.

  27. @xyz

    Einmal verlinken hätte doch gereicht – warum gleich 2x in verschiedenen Theeads?

    Im übrigen, auch wenn ich ich damit hier nicht beliebt mache: Ich halte das für eine andere Diskussion. Es ist ein Unterschied, ob Truppe sich einen Wahlspruch gibt (über den man reden kann und muss), oder ob quasi von oben mit einem Kasernennamen bestimmte, auch fragwürdige Traditionen vorgegeben werden.

    Um es auf den Punkt zu bringen: Der Hindenburgdamm ist Bestandteil der deutschen Geschichte; eine Umbenennung halte ich für unsinnig. Aber muss eine Kaserne einer Armee dieses demokratischen Staates diesen Namen tragen?

  28. „Übrigens drei BW-Eigengewächse, darüber sollte man mal nachdenken.“

    ‚habe da einiges über den (zivilen) Lehrkörper der HSU gehört, was in die gleiche Richtung geht, wenn auch nicht so extrem.

  29. @ Xyz
    Diese Sogenannten ‚historiker‘ nähern sich in ihrer Fanatischen Raserei auch immer mehr Den Subjekten ihrer Kritik. Wusste schon Nietzsche.

    Vor der Totalen enthistorisierung dieses Landes Und seiner Armee werden diese Kretins nicht aufhören.

    Jede Konzession führt zu neuen Forderungen.

    Denkt man es konsequent zu ende müsste der Deutsche Staat sich sofort auflösen,wegen hitler und so….

    Psychopathologisch interessant aber irgendwie auch ziemlich erbärmlich

  30. @all
    ‚Tschuldigung, dass ich nicht allen 500+ Beiträgen gefolgt bin, aber ist schon mal das perfide an dem Inkraftsetzungsdatum thematisiert worden?!

    Ausgerechnet der 20. Mai für die Inkraftsetzung eines gegen die Traditionspflege in der Fallschirmjägerei gerichteten Erlasses?!

    Ich glaube da hat der Inspekteur seiner bekannten Abneigung gegen die FschJg eine ziemliche primitive und hinterhältige Spitze verliehen :(

    Nun kann man ja meinetwegen darüber diskutieren, ob das Traditionsverständnis der FschJg richtig ist (ich glaube ja und das muss die Politik auch aushalten können, aber man kann das sicherlich auch anders sehen), aber solche Entscheidung schürt immer Emotionen.

    Und als Truppenführer muss man ja versuchen gerade solche (absehbar) unbeliebten Entscheidung richtig rüber zu bringen.

    Und dann wählt man ausgerechnet den 20. Mai?!

    Unkameradschaftlich und führungsschwach :(

  31. @wacaffe

    Und leider ist diese Art der Reaktion (so verständlich die sein mag) genau der Stoff aus dem die Argumente gemacht werden. Das ist der Punkt den der Klabautermann schon so oft betont hat. Dem Problem wird man nicht Herr, wenn man „lasst uns das endlich mal abschließe“ fordert, sondern nur wenn man besonnener und bewusster daherkommt, als die betreffenden Herren und Damen. Seriösität und erkennbare Sensibilität für die Vergangenheit ist Mittel der Wahl. Es gibt Jahrhunderte voll interessanter Persönlichkeiten, die Zeitlich schön weit weg sind und unkompliziert Namenspate sein könnten… nur muss man eben den gleichen Pathos oder den gleichen Stil vermeiden, den die NS Zeit genutzt hat. Der ist nämlich was verbrannt ist… nicht die Geschichte selbst.

  32. @drd
    „sondern nur wenn man besonnener und bewusster daherkommt, als die betreffenden Herren und Damen“

    Wird nicht funktionieren!

    Egal wie „besonnen“ wir sind. Diese Menschen hassen uns so oder so. Eben weil wir der Gegenentwurf ihres Lebensbildes sind.

    Und wenn wir die nicht „mitnehmen“ können, dann sollte es uns um so wichtiger sein, dass wir unsere Jungs und Mädels mitnehmen…

  33. @T. Wiegold
    „Aber muss eine Kaserne einer Armee dieses demokratischen Staates diesen Namen tragen?

    Die meisten Universitäten, Schulen und Krankenhäuser sind nach Persönlichkeiten benannt, die schon aufgrund der Umstände ihrer Zeit keine Demokraten gewesen sein können, die man aber dennoch Achtung für das von ihnen auf ihrem Gebiet vollbrachte zollt. Warum sollte dies bei der Armee anders sein?
    Zumal ja gerade die Demokratie von sich behauptet, toleranter zu sein und Menschen weniger nach politischen Kriterien einzuordnen und zu beurteilen als andere Systeme. Das hohe Niveau preußischer Toleranz, die von namentlich geehrten Personen nicht verlangte dass sie Monarchisten sein müssen, hat unsere Bundesrepublik dabei leider noch lange nicht erreicht.

  34. @K.Müller

    Nun könnte man darüber streiten, ob Personen des 20. Jahrhunderts schon aufgrund der Umstände ihrer Zeit keine Demokraten gewesen sein können, aber darum geht es in der Tat nicht. Die Frage ist ja: Ist Hindenburg ein Vorbild, auf das sich die Bundeswehr berufen will?

    (Im übrigen kann ich das hohe Niveau preußischer Toleranz im Umgang Bismarcks und anderer mit Sozialdemokraten nicht wirklich erkennen. Und die waren nun keine Monarchisten.)

  35. Äh, im übrigen… wie sind wir jetzt von Treue um Treue auf Kasernennamen gekommen? Oder geht’s nur darum, dem Inspekteur vorzuwerfen, er sei eine linke Bazille, wie manche hier unausgesprochen andeuten wollen?

    anyway, wir bewegen uns massiv Richtung OT…

  36. Bald werden bei uns Kasernen nach Fahnenflüchtigen benannt werden.
    Wg. Vorbild, und so …

    Davon ab:
    das Tilgen („Ausmerzen“) betrifft auch Straßen, Schulen und Universitäten (mit wechselndem „Erfolg“).

  37. @Koffer
    Wir müssen auch nicht ausgewiesene Gegner der Bundeswehr überzeugen, sondern sollten auf einen neutral eingestellten Bürger (objektiv scheinen das immer noch die deutliche Mehrheit zu sein) eben besonnener als diese wirken. Sich ereifern kann auch dümmlich und damit diskreditierend wirken… das muss das Ziel sein. Wenn man dagegen Tradition als ausschließlich Bundeswehr intern relevantes Thema definiert oder einen lockereren Umgang mit der Vergangenheit verlangt, ist die Deutungshoheit sofort bei den Kritikern. Wie vorher (ich glaube von J.R.) schon angesprochen geht es in dem Punkt nicht um gerecht, angenehm oder fair, sondern um Komunikationswissenschaft. Die Frage ist immer „wie sieht das für den unbedarften Außenstehenden aus“ und die Frage muss immer bedacht werden, wenn die Armee kein Staat im Staate werden soll. Präventives Kuschen ist da genauso falsch wie striktes Abblocken. Offenheit… nichts anderes kann meiner Meinung nach klappen.

  38. @T. Wiegold
    Blogkommentare bieten vermutlich nicht ausreichend Raum um die deutsche Geschichte abschließend zu diskutieren, aber die geistige Vielfalt und Fruchtbarkeit des Deutschlands und vor allem des Preußens des 18. und 19. Jahrhunderts sucht in der deutschen Geschichte Ihresgleichen. Hybris steht der Bundesrepublik und ihren geistigen Verfechtern (zu denen ich mich auch zähle) hier kaum zu. Wer damals an einer deutschen Universität tätig war, war allemal toleranter als die hier erwähnten Historiker, die in ihrer universitären Tätigkeit von ihrer Meinung abweichende Hypothesen gerne unter „Faschismus“- oder „Militarismusverdacht“ stellen (gerade Wettes Werke strotzen von solchen rhetorischen Keulen) und somit moralisch abqualifizieren wollen anstatt sich sachlich damit auseinanderzusetzen.

    Übrigens waren auch die Männer des 20. Juli 1944 keine Demokraten im heutigen Sinne, und ich plädiere daher für Bescheidenheit bei ideologischen Werturteilen über Persönlichkeiten, die moralisch die meisten ihrer gegenwärtigen Kritiker bei weitem überragen. Bescheidenheit diesbezüglich galt zumindest noch zu Zeiten der Bonner Republik dabei durchaus als demokratische Tugend.

  39. „Im übrigen kann ich das hohe Niveau preußischer Toleranz im Umgang Bismarcks“

    Kommt drauf an ob man Bismarck als den Muster-Preußen sehen will/muss. Die radikalen Ansichten der damaligen SPD kann man vermutlich auch nur schwer mit der heutigen vergleichen oder?

    “ er sei eine linke Bazille, wie manche hier unausgesprochen andeuten wollen? “

    Das finde ich jetzt von ihnen etwas daneben, Herr Wiegold.

    „Einmal verlinken hätte doch gereicht – warum gleich 2x in verschiedenen Theeads?“

    Nun das Thema kam in beiden Threads zur Sprache, daher wollte ich im anderen den Sachverhalt nochmal kurz verlinken.

  40. Schaffen wir doch einfach alle Kasenennamen ab und geben jeder militärischen Liegenschaft eine eigene Postleitzahl. Das hätte mindestens 3 Vorteile:

    1. Es gibt keine Unstimmigkeiten bezüglich der Bezeichnungen mehr.
    2. Es kann auch der Letzte dann mit seinem Navi die verborgenste Liegenschaft finden, da die Postleitzahl an einem Fixpunkt (z.B. Haupteinfahrt) festgemacht werden kann.
    3. Man spart sich das elendig lange Adressenschreiben – nur noch Name oder Einheit drauf und dazu die entsprechende Postleitzahl … keinen Straßennamen, keine Hausnummer, keinen Ortsnamen etc. mehr …

    … macht doch alles einfacher, oder? Und es kann sich dann auch keiner mehr dran hochziehen, daß der ein oder andere „Namensgeber“ einer Kaserne nicht doch vielleicht in einer A.H.-Straße gewohnt hat.

  41. @Thomas Melber
    Wieso denn gleich wieder so ein dusseliges Extrembeispiel? Bedauerlicherweise gibt es mittlerweile genug deutsche Soldaten, deren Name sehr wohl in der heutigen Zeit über einem Kasernentor stehen könnte und von mir aus gerne einen eher umstrittenen Alt-Namensgeber ersetzen sollte. Und das sind bestimmt keine Fahnenflüchtigen und Deserteure, auf die ich hier anspiele.

  42. @K.Müller
    Ich denke es gibt vielfältige Probleme mit Namensgebungen. Ich persönlich kann etwa nicht nachvollziehen, warum eine Kaserne nach Werner von Fritsch benannt sein muss. Der ist ganz losgelöst von seiner politischen Einstellung und antisemitischen Äußerungen (Fritsch Brief) insbesondere fragwürdiges Vorbild, wenn man seine in Richtung Putsch gehenden Verlautbarungen zur Demokratie in der Weimarer Republik bedenkt (die er zu verteidigen geschworen hatte). Nicht eben eine Idealbesetzung vor dem Hintergrund FDGO.
    Es liegt in der Natur der Sache, dass man in der deutschen militärischen Vergangenheit nicht immer glänzende Vorbilder für die Gegenwart findet. Darum sollte man meiner Meinung nach eine wirklich gute Begründung für jede einzelne Würdigung haben, die dann auch etwas weiter greift als das Schlagwort Tradition. Man kann auch Aussagen und Namen und Personen würdigen/verwenden die nicht blütenweiß und der Welt entrückt sind. Man sollte es nur erklären können.

    Und generell könnte man auch gern einmal BW Angehörige als Namensspender oder BW eigene Sinnsprüche als Tradition verwenden. Es gäbe sicherlich einiges…

  43. @ Voodoo | 10. Juni 2014 – 16:49

    Zu Ihrem obigen Thread zum Thema Ehrenhain in Munster

    http://augengeradeaus.net/2014/06/probleme-mit-der-tradition-bundeswehr-verbietet-treue-um-treue/comment-page-11/#comment-126457

    möchte ich der Vollständigkeit halber -insbesonderere auch als Hintergrund für Außenstehende, die das Thema nur am Rande verfolgen konnten – auf einen weiteren Beitrag hinweisen, auf den sich der von Ihnen zitierte bezieht:

    http://www.panzertruppe.com/pdf/pdf%20s-b/Ehrenhain_heft49.pdf

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