Bericht aus der Schlammzone

Der Autor des besprochenen Buches im Afghanisan-Einsatz (Foto © Joël van Houdt)

Joe war im Krieg, in diesem Krieg in Afghanistan, der nun schon über elf Jahre dauert. Er hat Sprengfallen erlebt und wurde beschossen, er hat tagelange Gefechte durchgestanden und er hat auf Menschen geschossen, sehr wahrscheinlich etliche getötet. Und über seine sieben Monate in einer Kampfeinheit am Hindukusch hat Joe ein Buch geschrieben.

Das wäre vermutlich – relativ – normal, wenn Joe ein amerikanischer Soldat wäre. Aber der Spitzname Joe täuscht: Johannes Clair war Fallschirmjäger der Bundeswehr, Stabsgefreiter, und als Soldat der Task Force Kunduz vom Juni 2010 bis Januar 2011 rund um Kundus im Einsatz. Im Golf-Zug, Nachfolger der Einheit, die im Karfreitagsgefecht 2010 in Isa Khel bei Kundus drei Leute verlor.

Um es gleich zu sagen: Ich bin begeistert von Vier Tage im November, diesem Buch eines (inzwischen ausgeschiedenen) Stabsgefreiten, der den Krieg in Afghanistan schildert, wie ihn die Mannschaftssoldaten der Kampftruppen erleben. Nicht die – bei allem Interesse und Engagement dann doch – außenstehende Sicht eines Reporters, nicht die leicht am großen Bild orientierte Schilderung eines Offiziers (Meine Absicht war es…). Aber auch nicht die Auseinandersetzung eines an Leib oder Seele verwundeten Soldaten mit seinem Einsatz. Sondern der Bericht eines Soldaten vorne an der Front – aus der Schlammzone.

Ein durch eine Sprengfalle leicht verwundeter deutscher Soldat wartet auf den Abtransport im Distrikt Char Darrah bei Kundus, 10. Juli 2010 (Foto © Joël van Houdt)

Nicht, dass Clair nicht immer wieder reflektieren würde, was er da tut und warum er das tut. Nicht, dass er seine Arbeit ausschließlich darin sieht, Befehle auszuführen. Im Gegenteil – Die Überlegungen des damals 25-jährigen durchziehen das Buch wie ein roter Faden und wechseln sich mit den Schilderungen von Alltag und Gefecht ab.

Wir waren dort, um zu kämpfen. Wir wurden gedrillt, auf Menschen zu schießen. So wurde es uns gesagt, und genau so ist es gekommen. Wird sich wirklich etwas verändert haben, wenn ich dieses Dorf jetzt verließ? Hatte sich meine Wahrnehmung und damit meine Sichtweise gewandelt? Was werde ich sagen, wenn ich wieder zu Hause bin? Werde ich erzählen können, was uns widerfahren ist, nachdem das oft so schwierig war? Wird es überhaupt jemanden geben, der bereit ist zuzuhören?

Was ihnen wiederfahren ist, den Männern des Golf-Zuges, schildert Clair anschaulich, lesenswert und ohne den taktischen Wortschatz, der Lesern ohne militärische Vorkenntnis so oft die Lektüre erschwert (Nachdem die TACP CAS requested hatten, saßen wir auf die Tpz auf, während die Zwote die LoC zum PRT sicherte…) . Von Langeweile, Anstrengung, von Gefechten und Ängsten. Bis hin zu der lähmenden Angst, die ihn mitten in einer Operation überfällt und fast handlungsunfähig macht – bis er es dann doch schafft, diese Angst zu überwinden. Und zurückzuschießen.

Nun ist Clair nicht der typische Mannschafter der Fallschirmjäger: Er nimmt seinen Beruf Ernst, das tun viele, aber er denkt mehr darüber nach als vermutlich die meisten seiner Kameraden. Und gerade deshalb kann er so anschaulich schildern, wie es war – und zugleich versuchen zu erklären, wie sich die Soldaten in diesem Krieg fühlen.

Alle Eindrücke haben immer viele Facetten. Und hinter jedem Erlebnis steckt eine Geschichte. Dies hier soll die Geschichte meiner Eindrücke sein. Mit diesem Buch möchte ich eine Brücke schlagen, zwischen den Bürgern, die dienen, und den Bürgern, die daheim bleiben.

schreibt der Afghanistan-Veteran – mit 27 Jahren. Und versucht, den Daheimgebliebenen etwas klar zu machen: Ob sie für oder gegen diesen deutschen Einsatz in Afghanistan sind, wird sich vielleicht nach Lektüre des Buches nicht ändern. Aber wenn sie verstehen, was die Männer und Frauen motiviert, die an dieser Front den Kopf hinhalten, wenn sie sich überhaupt dafür interessieren, ist schon etwas erreicht.

Clair beim Verteilen von Fußbällen an afghanische Kinder (Foto © Joël van Houdt)

Wenn er heute vor Schulklassen von seinem Einsatz erzählt, sagte mir Clair, hat er selbst in der Oberstufe eines Gymnasiums Schüler vor sich, die zu Beginn dieses Krieges noch Kinder waren. Seit elf Jahren ziehen deutsche Soldaten in diesen Krieg, und keine Sau weiß etwas darüber. Selbst wenn sein Buch nur dazu beiträgt, dass mehr Menschen etwas darüber wissen, hätte es sich schon gelohnt. Ich würde es allen in die Hand drücken, die eine Meinung zu diesem Krieg haben.

Ich gebe zu: Rund 400 Seiten sind schon ein Pfund für jemand, der sich mit diesem Thema bislang nur am Rande beschäftigt hat. Und das macht es nicht ganz einfach, sich dem Buch zu nähern. Dennoch würde ich es zuerst denen empfehlen, die diesem Einsatz sehr ablehnend gegenüberstehen.

(Nicht so glücklich finde ich auch, dass der Verlag das Buch als “Im Westen nichts Neues” für das 21. Jahrhundert bewirbt. Jenseits der Frage der literarischen Qualität, über die ich mir kein Urteil anmaße: In Remarques berühmten Antikriegsroman ging es um das sinnlose Schlachten des Ersten Weltkriegs. Clair fragt dagegen, ob ein Militäreinsatz nicht auch sinnvoll sein kann. Und er hofft, als Soldat einen Unterschied machen zu können.)

Clair hat übrigens nach vier Jahren als Zeitsoldat beschlossen, nicht bei der Bundeswehr zu bleiben. Er studiert jetzt Sozialökonomie in Hamburg. Aus meiner außenstehenden Beobachtersicht: Das ist schade. Ich würde mir mehr Soldaten wie ihn in verantwortungsvollen Posten wünschen.

Johannes Clair, Vier Tage im November – Mein Kampfeinsatz in Afghanistan. Econ Verlag

(Für die verwendeten Fotos danke ich dem niederländischen Fotojournalisten Joël van Houdt, der Clairs Einheit im Sommer 2010 begleitete und mir freundlicherweise die Verwendung gestattete.)

Nachtrag: Dieses Foto (aus dem Kompaniefundus), das auch im Buch abgedruckt ist, gehört eigentlich ebenfalls zu der Geschichte. Es entstand am 5. November 2010 – nachdem die Fallschirmjäger die Überreste des Dingos gesichert hatten, der am Karfreitag 2010 in Isa Khel angesprengt worden war und zurückblieb. Es ist der Dingo, vor dem die Taliban öffentlichkeitswirksam für ein Foto posierten…

28 Kommentare zu „Bericht aus der Schlammzone“

  • gonason   |   26. Oktober 2012 - 8:49

    Hier wäre es angebracht, wenn sie einen Amazon-link posten würden, für den sie beim Kauf eine kleine Provision bekommen. Ich bin an dem Buch ernsthaft interessiert. Danke für die Buchbesprechung.

  • Oberleutnant   |   26. Oktober 2012 - 9:02

    Ich bedanke mich und werde ebenfalls das Buch ordern, da ich endlich einmal auf eine gänzlich neue Perspektive hoffe.

  • TomTom   |   26. Oktober 2012 - 9:03

    Auch als eBook erhältlich, für Apple zum Beispiel 256 Seiten, ca. 15 Euro.

    Vielen Dank für den Hinweis!

  • Orontes   |   26. Oktober 2012 - 9:46

    Das Buch hört sich in der Tat sehr interessant an, und es scheint sich nicht im Rahmen der üblichen Klischees zu bewegen, die oft möglicherweise eher den Verlagsvorgaben und der Arbeit der Ghostwriter entspringen als dem Empfinden der offiziell angegebenen Autoren.
    Ein Satz fiel mir in der Besprechung aber auf, und zwar der über die “lähmende Angst, die ihn mitten in einer Operation überfällt und fast handlungsunfähig macht…”.
    Bislang werden in Deutschland nur Erfahrungsberichte veröffentlicht, die in diese Richtung gehen. Ob die Öffentlichkeit wohl auch Erfahrungsberichte akzeptieren würde, die von anderen, der Mehrheit der Menschen fremdartiger erscheinenden Emotionen in solchen Situationen berichten? Mein Eindruck ist, das nur veröffentlicht wird, was gegenüber der Öffentlichkeit noch vermittelbar ist. Es gibt aber noch eine ganz andere Dimension der Einsatzerfahrung, die in der deutschen Diskussion bislang überhaupt nicht vorkommt.

  • Insiderin   |   26. Oktober 2012 - 10:01

    @Orontes: Dann kann ich Ihnen nur empfehlen, das Buch zu lesen. Sie werden dort auch Emotionen und Schilderungen finden, die Viele nicht politisch korrekt finden werden.

  • JCR   |   26. Oktober 2012 - 10:08

    OT: E-book für 15 Euro. Da kriegt man weiß man nicht ob man lachen oder weinen soll..

    On Topic:
    Dieser Fallschirmjäger mit Abitur (Gentleman Ranker?;)))tauchte bereits in einem Süddeutsche oder FAZ Artikel aus dieser Zeit auf. Er hatte schon damals sehr gute Gedanken zum Thema, so dass es mich nicht verwundert daß er jetzt ein Buch geschrieben hat.

  • Djung   |   26. Oktober 2012 - 10:32

    Wäre auch an diesem Buch interessiert. Provisionslink würde ich auch unterstützen.

  • Fred   |   26. Oktober 2012 - 10:41

    @JCR
    Nur aufgrund des Abiturs von einem Gentleman Ranker zu reden ist wohl etwas weit hergeholt.

    @all
    RefLinks finde ich auch okay, am besten beides Anbieten dann kann jeder selber per Klick entscheiden ob er das will oder nicht.

  • T.Wiegold   |   26. Oktober 2012 - 10:48

    Hm, ja. Für Affiliate Links zu amazon.de habe ich mich bislang nicht angemeldet, weil ich a) so oft nicht Bücher hier bespreche und b) ich sehr für den Buchladen an der Ecke bin…. aber das zeigt nur, dass meine merkantile Ader zu wenig ausgeprägt ist ;-)

  • JCR   |   26. Oktober 2012 - 11:21

    @Fred
    Damit wollte ich sagen daß Z4 Mannschaften Infanterie mit Abitur doch eher ungewöhnlich ist.
    Es ging damals schon aus dem Artikel hervor daß er sich bewußt dafür entschieden hatte, diese Erfahrung zu machen.

  • Georg   |   26. Oktober 2012 - 11:37

    @ T.Wiegold

    Danke für die Buchbesprechung. Ich denke es wird das erste Buch über den AFG-Einsatz sein, dass ich mir kaufen werde.

    Ich möchte einen Querverweis auf ein in den letzten Tagen besprochenes Thema: “Wer bleibt bei der Bw” aufmachen.

    @Sun Tzu meinte damals:

    http://augengeradeaus.net/2012/10/es-fehlt-nicht-nur-der-flugzeugtrager/#comment-45003

    Zitat:
    “-Einige wollen Sinn in Beruf finden. Das könnte die BW ebenfalls bieten. Diese Zielgruppe ist zudem interessant, weil sie oft zu erheblichen Ressourceneinsatz und Entbehrungen bei nicht besonderer Bezahlung bereit ist und meist überdurchschnittliche Intelligenz mitbringt.”

    Nun ist ein Abiturient nicht der typische Mannschaftssoldat, aber als ein Einzelner zwischen Vielen, bereichert er das personelle Spektrum.
    Wahrscheinlich ist es konsequent, dass er jetzt nach dieser Erfahrung aussteigt.

  • Orontes   |   26. Oktober 2012 - 12:14

    @Insiderin
    Besten Dank, ich wollte dem Autor auch überhaupt nichts vorwerfen und fand bereits die Buchbesprechung interessant genug, um einen Blick in das Buch zu werfen.

    @Georg
    Es gibt unter Feldwebeln den einen oder anderen Abiturienten. Es handelt sich nach meiner Erfahrung um besonders motivierte und leistungsfähige Soldaten, die bereits vor Beginn ihres Dienstes eine gute Vorstellung davon hatten, was sie beruflich erwartet. Diejenigen, die ich kenne, wollten bewusst nicht Offizier werden, sondern das soldatische Handwerk lernen und als Profis beherrschen.
    Die Bundeswehr würde eigentlich mehr von solchen Feldwebeln brauchen. Leider traut sich die ganz auf die Ansprache menschlicher Schwächen (kostenloses Studium etc.) setzende Nachwuchsgewinnung der Bundeswehr aber nicht, mit dem soldatischem Dienst als solchem zu werben, und erreicht auf diese Weise viel Potential in der Bevölkerung nicht.

  • Hans   |   26. Oktober 2012 - 12:52

    Werde mir das Buch auch bestellen. Zumindes ein authentischer Schritnach vielen Büchern geschädigter Soldaten und Artikeln von Journalisten, die doch oft nur das sehen was der Presseoffizier zeigen will / darf.
    Allein Dafür gebührt dem SG großer Dank.

  • Fred   |   26. Oktober 2012 - 13:22

    @JCR
    Da gehe ich mit, habe nur wegen der Fragezeichen darauf meine Meinung geposted. Für nen Gentleman Ranker ist mE die gehabte Fuhrungsverantwortung, egal ob Studium oder Ausbildung und das bewusste darauf Verzichten ausschlaggebend.

    @all
    Ich bin der Meinung das das Abitur keinerlei Aussagekraft darüber hat ob wer zum Offizier taugt oder nicht.

  • Voodoo   |   26. Oktober 2012 - 13:43

    Deswegen gibt es ja auch die OPZ in Köln, oder wie auch immer sie mittlerweile heißen möge. Da ist das Abi nur die obligatorische Eintrittskarte, mehr aber auch nicht.

    Die Vorselektion ist schon ok, dass sie nicht zu 100% alle ungeeigneten Bewerber filtern kann, dürfte aber auch klar (und hinnehmbar) sein.

    Werde mir das Buch auch bestellen, um mal “über den Tellerrand” zu blicken und um die Perspektive zu verändern. Die Anzahl der Veröffentlichungen erreicht ja bald eine Zahl, wo man als Historiker fast schon über eine wissenschaftliche Behandlung nachdenken könnte – spannend wäre es allemal.

  • Sun Tzu   |   26. Oktober 2012 - 13:55

    Guter Ansatz.

    Ich hätte da mal eine grundsätzliche Frage: Wie ist das eigentlich mit der Schweigepflicht nach dem Ausscheiden aus dem Dienst?
    Darf man dann aus dem Nähkästchen plaudern bzw. was kann einem passieren, wenn man das tut? Oder muss man sich solche Bücher vom ehemaligen Dienstherrn absegnen lassen?

    Wie sieht das bei Dingen aus, die ans Eingemachte gehen, also dieser ganze nette Stufe II Kram?

    So sehr ich solche Bücher begrüße, so fürchte ich doch, dass man sich als Autor aufgrund der eingegangenen Geheinhaltungsverpflichtung stark bescheiden muss, was dann die Möglichkeiten zur realitätsnahen Darstellung stark einschränkt. Denn selbst wenn man eingestufte Dinge nicht benennt, indirekt tut man es doch sehr schnell, wenn man zur Sache kommen will.
    Wie kann man also Bücher über Bundeswehreinsätze schreiben, die zur Sache kommen, aber nicht gegen eingegangene Geheimhaltungsverpflichtungen verstoßen?

    Andererseits sollte natürlich der Dienstherr ein Interesse daran haben, dass es eine literarische Auseinandersetzung mit der sicherheitspolitischen Gegenwart gibt, die die gesellschaftliche Diskussion voranbringt. Hier hätten Bücher, die über individuelle Betroffenheit hinausgehen, durchaus eine Bedeutung. Wie löst man also das Dilemma zwischen (sinnvoller) Geheimhaltung und Konfrontation der Öffentlichkeit mit sicherheitspolitischer Realität?
    Wenn Deutschland bei diesen Themen erwachsen werden möchte, braucht es die Konfrontation mit der Realität.

  • Sascha W.   |   26. Oktober 2012 - 14:31

    @Sun Tzu: Nahezu alles, was einem Mannschaftssoldaten im Rahmen seines Dienstes bekannt wird, dürfte in den meisten Fällen bereits zum Zeitpunkt der Kenntnisnahme, spätestens jedoch mit einigen Wochen zeitlichen Abstands unter §14 (1) 2. SG fallen und kann somit problemlos in einem Buch veröffentlicht werden.

  • Hendrik   |   26. Oktober 2012 - 15:46

    Bzgl. Abiturient und Feldwebel:
    Auch ich habe in meiner Dienstzeit da einige wenige kennengelernt, aber ich muss ganz ehrlich sagen, ich kann es durchaus nachvollziehen, wenn man mit Abitur nicht die UmP-Laufbahn einschlägt.
    Der Dienst mag zwar reizvoll sein, aber ich mit einer Besoldungsgruppe A7 als Oberfeldwebel und d.h. maximal 2500 Euro Brutto auf der höchsten Besoldungsstufe hätte man mich damit auch nicht hinter dem Ofen hergelockt.

    Das ist für mich völlig verständlich, wenn man dann eher studieren will (entweder zivil oder die Offizierlaufbahn einschlägt).

    Zum Vergleich: Wer Lehramt studiert (4 Jahre) + 1,5 Jahre Refendariat/LAA bekommt selbst als Vertretungslehrer auf der niedrigsten Stufe schon diesen Betrag (Brutto, natürlich dann mit mehr Abzügen). Wer einige Erfahrungen in der Kinder- und Jugendarbeit vorweisen kann, hat dann 3500 Brutto.

  • Orontes   |   26. Oktober 2012 - 17:11

    @Hendrik
    “Zum Vergleich: Wer Lehramt studiert (4 Jahre) + 1,5 Jahre Refendariat/LAA bekommt selbst als Vertretungslehrer auf der niedrigsten Stufe schon diesen Betrag….”

    Wer als Abiturient Feldwebel wird, dem geht es nicht um die Maximierung des persönliches Vorteils. Angesichts der Tatsache, dass selbst höchste Repräsentanten dieses Staates in erster Linie sich selbst dienen und ihren persönlichen Vorteil über alles andere stellen, muss die Entscheidung dieser Feldwebelkameraden aber tatsächlich vielen Menschen als unverständlich erscheinen. So wie die Entscheidungen von anderen Menschen zur Aufnahme dienender und mitunter gefährlicher Berufen, die alle nicht zu den am besten bezahlten gehören.

  • klabautermann   |   26. Oktober 2012 - 17:23

    ja, ja, Abitur oder assessmentcenter-certificate als Intelligenz- plus PC -Test kann echte Skills leider nicht ersetzen, man tut nur immer so:
    1) Geld aber keine Skills (Investor): redet bullshit (BS), kann es sich ja leisten, denn er kennt Manager
    2) kein Geld, keine Skills wird Manager (oder Politiker bzw. politischer Beamter), redet BS, was bleibt ihm auch übrig, Hauptsache er kennt Investoren
    3) kein Geld, aber Skills (Ingenieur oder OffzMilFD): redet kein BS, macht dafür die Arbeit
    4) Geld und Skills (Zuckerberg): macht seinen eigenen Laden auf.

    Von diesen Grundtypen bringt nur #3 und #4 tatsächliche Fortschritte am Produkt und Gesellschaft, der Rest labert und misst/lässt seine Intelligenz messen aus Gründen der Selbstbefriedigung :-)

    WARSCHAU ! LUFTSCHUSS!.

  • T.Wiegold   |   26. Oktober 2012 - 17:47

    @klabautermann

    Von einem aus der Marine hätte ich schon erwartet, dass er den Unterschied zwischen der polnischen Hauptstadt und einem Warnruf kennt ;-)

  • klabautermann   |   26. Oktober 2012 - 17:50

    @T.W.

    Die Marine hatte schon ihren Humor vor der Rechtschreibreform ;-)

  • Kerveros   |   26. Oktober 2012 - 17:58

    @T.Wiegold:

    Und da die Marine den Seemannssonntag überall einführt ist vieles anderes zu verschmerzen ;)

  • MFG   |   26. Oktober 2012 - 19:17

    Aaah – Seeeeemannssonntaaag! Klappt auch im Büro :-D

  • J.R.   |   26. Oktober 2012 - 23:44

    @ Sun Zu
    Wie kann man also Bücher über Bundeswehreinsätze schreiben, die zur Sache kommen, aber nicht gegen eingegangene Geheimhaltungsverpflichtungen verstoßen?

    Das zeigt Marc Lindemann in seinem Buch “Unter Beschuss” sehr anschaulich. Als Abenteuerbericht oder zum Verstehen der Situation in Afghanistan taugt es nur bedingt, aber die Auseinandersetzung mit den Fehlern der Bundeswehr hat Hand und Fuß.

    Noch besser ist es aber wohl, gleich zu Büchern von Journalisten zu greifen. Die kennen die Region und die Situation besser, und können recherchieren und haben gelernt zu schreiben. “Die afghanische Misere” von Can Merey ist da schlicht absolut empfehlenswert.

    Bisher ist das das Buch, welches ich zum Afghanistan-Einsatz empfehlen würde – sowohl sehr zugänglich geschrieben, als auch sehr informativ. Von bisher drei Büchern von deutschen ISAF-Autoren hat da keins rangereicht.

    Auch von daher bin ich etwas auf “Vier Tage im November” gespannt.

  • Oberleutnant   |   27. Oktober 2012 - 17:25

    So, das Buch ist eingetroffen. Die ersten Seiten wirken literarisch hochwertig geschrieben, gleichzeitig fasziniert die Perspektive “aus der Basis”. Ich freue mich schon auf die weiteren Kapitel!

  • Howie Munson   |   27. Oktober 2012 - 23:29

    Das Buch ist sicherlich gut und spiegelt auch sicher die Situation “der Paar” Frontsoldaten der BW wieder.

    “(Nicht so glücklich finde ich auch, dass der Verlag das Buch als “Im Westen nichts Neues” für das 21. Jahrhundert bewirbt. Jenseits der Frage der literarischen Qualität, über die ich mir kein Urteil anmaße: In Remarques berühmten Antikriegsroman ging es um das sinnlose Schlachten des Ersten Weltkriegs. Clair fragt dagegen, ob ein Militäreinsatz nicht auch sinnvoll sein kann. Und er hofft, als Soldat einen Unterschied machen zu können.)”

    Ein Rätsel ist mir aber allerdings immer noch wie man immer wieder versucht Parallelen zu dem WK1 oder auch WK2 zu schlagen. Das was die Bundeswehr in AFG in 10 Jahren und ca. 100.000 gedienten Soldaten erleiden muss bzw. musste hat manch Infanterie Regiment im WK2 an einem Tag Ostfeldzug erleiden müssen. Krieg ist nicht gleich Krieg.

  • jh1304   |   30. Oktober 2012 - 6:39

    Moin Moin,

    Erst einmal sei festgehalten, dass hier einige sehr gute Meinungen über die Hintergrundsituation der Feldwebel und Offiziere herrschen.
    Ich selbst bin zur Zeit Leutnant. Mein Weg hat 2004 in der Feldwebellaufbahn des Truppendienstes begonnen. Ich hatte zu dem Zeitpunkt den schulischen Teil der Fachhochschulreife des Landes Schleswig-Holstein (im Grunde also nichts so wirklich) und wollte einfach nur Soldat werden. Ich kann demnach gut nachvollziehen, wie es Männern und Frauen geht, die in die Feldwebellaufbahn gehen um einfach nur die Erfahrung zu machen und ihren Horizont zu erweitern und Profi zu werden.
    Später bin ich dann in die Offizierlaufbahn umgeschwenkt. In die Truppendienstlaufbahn ohne Studium. Man sieht demnach, man benötigt KEIN Abitur um Offizier zu werden. Und man muss Gott sei Dank auch nicht studieren.
    Das System Bundeswehr fordert und fördert nämlich maßgeblich Offiziere mit Abitur und Studium. Der Unstudierte ist eine Randerscheinung, sicherlich mit sehr viel Truppenerfahrung und meistens ein hervorragender Offizier weil er viel Zeit hat zu lernen was er da macht, aber eine Randerscheinung die nicht gewollt ist. Das bekommen wir Offizier 3. Klasse, OffzMilFD ist der Offz 2. Klasse (er hat ja vorher als Feldwebel schon was geleistet…), mehr als nur deutlich bei Themen wie BS-Auswahl, Förderung und Umgang bescheinigt.
    Das Buch an sich ist ein wichtiger und vor allem richtiger Schritt in die Öffentlichkeit um einfach auch diesen Blick eines Mannschafters zu zeigen!
    Guter Mann!