Wehrbeauftragter: Bewaffnete Drohnen hätten Luftangriff von Kundus verhindern können

Der fatale Luftangriff bei Kundus in Nordafghanistan am 4. September 2009 hätte nach Ansicht des Wehrbeauftragten des Bundestages, Hellmut Königshaus, durch den Einsatz bewaffneter Drohnen möglicherweise verhindert werden können. Hätte der damalige Kommandeur Oberst (inzwischen Brigadegeneral) Georg Klein solche bewaffneten unbemannten Systeme zur Verfügung gehabt, hätte er die Situation 24 Stunden in aller Ruhe beobachten können, sagte Königshaus in einem Interview des Bundeswehrsenders Radio Andernach.

Klein hatte die Entscheidung zum Luftangriff auf zwei von Taliban entführte Tanklaster am Kundus-Fluss unter anderem damit begründet, dass nicht absehbar gewesen sei, ob diese Fahrzeuge als rollende Bomben gegen das deutsche Feldlager eingesetzt würden. Der Kommandeur habe unter dem Zeitdruck gestanden, dass die zur Beobachtung und dann zum Angriff eingesetzten Kampfflugzeuge nur begrenzte Zeit zur Verfügung stünden, sagte der Wehrbeauftragte in dem Interview. Dann hätten ihm nur noch Handfeuerwaffen zur Verfügung gestanden, um die Situation unter Kontrolle zu bringen. Allerdings könne er nicht sagen, ob mit einer bewaffneten Drohne alle Probleme hätten vermieden werden können, räumte Königshaus ein.

Der Wehrbeauftragte sprach sich erneut dafür aus, solche auch bewaffneten unbemannten Flugsysteme für die Bundeswehr zu beschaffen. Wie sie dann eingesetzt werden sollten, sei eine Frage, die wir auch ethisch diskutieren können. Er sehe aber keinen Vorteil darin, dass wir eine Kampfführung machen, bei der der eigene Kamerad genauso gefährdet ist wie der Insurgent. Es gebe in dieser Frage eine theologische militärische Logik von kirchlichen Kreisen, kritisierte Königshaus: Solche militärischen Mittel dürften dem militärischen Führer nicht vorenthalten werden, weil er dann sofort zum großen Knüpel Luftschlag greifen muss.

Das Interview von Radio Andernach mit Königshaus wurde am vergangenen Freitag Donnerstag im deutschen Feldlager Camp Marmal bei Masar-i-Scharif geführt, während des Besuchs des Wehrbeauftragten in Afghanistan.

In Absprache mit Radio Andernach stelle ich den O-Ton des Interviews hier zum Anhören zur Verfügung (auf der Webseite des Senders lässt es sich direkt nur unter Windows anhören; schon auf dem iPad oder Mac funktioniert das nicht). Die Aussagen zum Thema Drohnen sind in Teil 4.

Teil 1 – u.a. Afghanistan, Internet-Verbindung in die Heimat

Koenigshaus_RadioAndernach_04apr2013-1     

Teil 2 – u.a. Mali, Türkei, Unterbringung in Kahramanmaras

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Teil 3 – u.a. Kosovo

Koenigshaus_RadioAndernach_04apr2013-3     

Teil 4 – u.a. Drohnen

Koenigshaus_RadioAndernach_04apr2013-4     

 

(Foto: Königshaus im Studio von Radio Andernach im Camp Marmal – Bundeswehr / Nils Brödner)

68 Gedanken zu „Wehrbeauftragter: Bewaffnete Drohnen hätten Luftangriff von Kundus verhindern können

  1. Man kann über Herrn Königshaus denken was man will, aber er duckt sich – im Gegensatz zum DBwV – bei der Notwendigkeit von bewaffneten Drohnen nicht weg.
    Interessant auch was er zum Karfreitag sagt.

  2. Ist das entscheidende in der obrigen Argumentation die (semi-) persistente Überwachung oder die Verfügbarkeit von Wirkmitteln, die Drohnen ermöglichen?

  3. Die Argumentation des Wehrbeauftragten hat einiges für sich. Vielleicht (!) wäre damals tatsächlich manches anders gelaufen in Kunduz. Aber dennoch sollte man nicht vergessen:

    Erstens ist es immer gefährlich, von singulären Ereignissen der Vergangenheit (vor allem mit solch einem Medienecho) auf Notwendigkeiten der Zukunft zu schließen. Das ist ja eines unserer Hauptprobleme seit mindestens 23 Jahren: Wir versuchen immer (vergeblich) die Aufgaben von morgen mit den Erkenntnissen von gestern lösen zu wollen und wundern uns, wenn wir dann doch falsch liegen.

    Zweitens: Falsche Entscheidungen (die ja gar nicht mal strafrechtlich relevant sein müssen, aber operativ oder gar strategisch fatal sind) wird es immer geben. Daran ändern auch bewaffnete Drohnen nichts. Wer garantiert also, dass ein Operateur an seinem Monitor immer sachgerecht entscheidet?

    Und drittens: Bewaffnete Drohnen sind nun mal keine taktischen Waffen mehr. Sie eröffnen vielmehr aufgrund ihres Einsatzcharakters und -potenzials eine neue Dimension der Waffentechnologie, anders als ein G 36.x oder ein Tiger 2 oder ein Leo 3. Und diese Dimension ist (leider) bereits durch m.E. fragwürdige Einsätze (Stichwort CIA) international schwer vorbelastet. Damit rückt ihre Bedeutung auf eine strategische, ja auch außenpolitische Ebene – weit jenseits von Lagen wie damals in Kunduz.

  4. Die Argumentation des Wehrbeauftragten ist leider arg mangelhaft.

    (1) Zur Beobachtung braucht man keine Bewaffnung, ergo 0:1 gegen ihn.
    (2) Die Wirkmittel (Flugzeuge) haben zwar eine begrenzte on-station time, sind im Zweifelsfall aber kurzfristig an ein Ziel geführt, ergo 0:2 gegen ihn.
    (3) ‚Weil er dann zum großen Knüppel Luftschlag greifen muss‘. *lol* Ein Luftschlag ist ein Luftschlag ist ein Luftschlag… ob die Bombe von der Drohne fällt oder vom Flugzeug ist dabei hinreichend egal, ergo stellt sich die Frage, ob der Wehrbeauftragte es (leider) einfach nicht besser weiss.
    (4) Drohnen gab es zum fraglichen Zeitpunkt reichlich in Afghanistan… mit entsprechender Dringlichkeit hätte man ggf. in der Zeit, in welcher die Flugzeuge über dem Ziel kreiste eine heranführen können.

    Alles in allem: wenn er wirklich damit die Notwendigkeit _bewaffneter_ Drohnen begründen will, dann wird er einen Schiffbruch erleiden.

    Insofern sehe es ähnlich wie KeLaBe.

  5. @ KaLaBe
    @ Kerveros

    Man sollte tatsächlich nicht die Notwendigkeit von bewaffneten Drohnen, an den Vorgängen vom 04.09.2009 in Kunduz festmachen.

    Fakt ist aber auch, dass solche Einsätze wie in AFG und Mali mit niedriger Intensität von unserem Verteidigungsminister als die Aufgabe der Zukunft für die Bw angesehen werden. Der Vorteil von bewaffneten Drohnen ist ganz klar, die „Dual-use“ Fähigkeit. Sie können bis zu 24 Std über dem Ziel bleiben und wenn es dann eng wird in Minutenschnelle das Ziel bekämpfen. Dies ist ganz klar ein zusätzlicher Schutz für die kämpfende Infanterie am Boden.

    Ohne jetzt wieder eine Diskussion über den Luftschlag von Kundus
    aufmachen zu wollen, gilt es eben festzuhalten, dass zum fraglichen Zeitpunkt keine Drohne sondern eine F16 und anschließend zwei F15 über den Ziel kreisten. Deren Standzeit über dem Ziel war begrenzt. Mit allen Unzulänglichkeiten die an diesem Tag im deutschen Kontingent in Kundus wohl herrschten, kann man trotzdem der Aussage des Wehrbeauftragten zustimmen. Wenn man abwarten hätte können, ob die Taliban die Tanklaster wieder flott bekommen, hätte man gegebenfalls am nächsten Tag, falls wieder in Bewegung, die beiden Tanklaster während der Fahrt angreifen können und damit weniger Leben vernichtet.

  6. @Georg

    Nur kurz zur Klarstellung: Mit „F-16“ meinen Sie wohl eher den B-1B Lancer, der die beiden Tanklaster auf der Sandbank aufklärte und später aufgrund Treibstoffmangels abdrehen musste. Eine Falcon wurde in keinem Bericht zum Luftschlag erwähnt.

  7. Als alter Soldat stelle ich fest, daß die Diskussion hier eine rein technokratische ist.

    Sie widerspricht dem Ethos früherer Soldatengenerationen,

    Beispiel Eins.

    Die Scharfschützen selbst noch der Deutschen Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg hatten sich damit auseinanderzusetzen, daß ihr Waffen-„Handwerk“ einen zweifelhaften Ruf hatte, anrüchig war, nicht ehrenhaft, nicht ritterlich, da aus dem Hinterhalt ausgeübt, nicht in offener Feldschlacht.

    Beispiel Zwei.

    Jagdflieger beider Seiten im Ersten Weltkrieg brachen den Luftkampf ab, wenn der Gegner Ladehemmung hatte oder sich verschossen hatte. Man salutierte und drehte ab. (Und das ist keine Legende, sondern unzählige Male belegt).

    Das Zauberwort auch hier heißt „Ehre“ resp. „Ritterlichkeit“.

    Die Vernichtung des Gegners per Computerklick ist alles andere als ehrenhaft und ritterlich. Sie ist hinterhältig, sie ist feige. Heimtücke!

    Deutschen Soldaten alter Prägung ist das selbstverständlich.

    Und selbst bei den Angloamerikanern, bei den U.S.-Soldaten und ihren Vasallen, den Briten, ist diese Art zu „killen“ hoch umstritten.

  8. @ MK

    Danke. Ich hatte in der Erinnerung das falsche Fleugzeug. Ändert aber an meiner Aussage nichts

    @ Zeitzeuge

    Die Geschichte mit der Ritterlichkeit ist aber schon im II. WK passe gewesen. Amerikanische Jagdpiloten haben deutsche Piloten am Fallschirm abgeschossen, damit die Anzahl der deutschen Piloten reduziert wird.

  9. Lieber Herr Zeitzeuge,

    die von Ihnen genannten „Gegner“ auf die von Ihnen bezogene Zeit, sehen aber HEUTE etwas anders aus. Bitte seien Sie doch mal so freundlich und charakterisieren Sie mal den heutigen „Gegner“, der 100 kg Homemade Explosive verbuddelt und diese dann per Funk auslöst, wenn unsere Soldatinnen und Soldaten mit ihren Konvois darüberfahren.

  10. @Zeitzeuge: Ritterlichkeit .. Aha. Die Zeit der Ritter war kurz und voller Schmerzen. Die wenigsten Krieger schafften es, zu den idealisierten Formulierungen der Minnesänger aufzuleben. Wehrtechnisch betrachtet, sorgten „unehrenhafte“ Waffen, wie Langbögen, Armbrüste und Stangenwaffen, schnell zu einer preisgünstigen Egalisierung der hochgerüsteten und teuren Kämpen.

    Ehrenhaftes Verhalten mag vor allem in konventionellen Kriegen hin und wieder funktionieren. Asymmetrische Kriege, mit Guerillas und Selbstmördern, die sich bewusst in zivilen Menschenansammlungen in die Luft sprengen … Auf welcher Ebene soll dieser Gegner respektiert oder gar ehrenvoll behandelt werden?

    Davon abgesehen, geht es hier wieder um die Grundsatzfrage: Ab welcher Distanz ist der Soldat noch ein aktiver Kombatant an der Front und hat eine angemessene Beziehung zu seinen Wirkmitteln und seinen Kontrahenten? (Special Force mit dem Messer, Schardfschütze mit dem Gewehr, Artillerist mit der Granate, Flieger mit der Rakete, Drohnenpilot … ?)

  11. So und was ist mit der 37/10 ? Ist es erforderlich das Hoheitsabzeichen auf dem Namens band zu tragen?

  12. Wie einige ja schon richtig bemerkt haben, braucht man keine bewaffneten Drohnen zur Überwachung, sondern nur Aufklärungsdrohnen. Von daher nichts wirklich hilfreiches zur „Drohnendebatte“.
    Ich glaube ja nicht, dass man langfristig auf Drohnen verzichten wird – wenn sogar Terroristen mittlerweile Drohnen kaufen können, ist es nur eine Frage der Zeit, bis die Militärs sich auch mit ihnen ausrüsten. Relevant ist doch eher, um was für Drohnen es geht und wie man sie einsetzt.
    Oder glaubt jemand wirklich, dass es einen Unterschied macht, ob ich aus einem Cockpit/Panzer per Knopfdruck töte oder aus einem Büro?

  13. @KeLaBe | 06. April 2013 – 18:28
    @Kerveros | 06. April 2013 – 18:37
    @Zeitzeuge | 06. April 2013 – 21:25
    Ich kann mich Ihren Argumenten voll anschließen.

    Die Argumentationskette von Herrn Königshaus ist mehr als dünn und unpassend. Für mich ist es leider nicht der erste Unsinn aus seinem Munde.

    Der fatale Luftangriff bei Kundus in Nordafghanistan am 4. September 2009 hätte verhindert werden können, wenn der damalige Kommandeur Oberst (inzwischen Brigadegeneral) Georg Klein einfach die mehrmahligen Hinweise der US-Piloten bezüglich der Anwesenheit von unschuldigen Zivilpersonen (die dabei waren die „Bomben“ zu entschärfen, indem sie den Treibstoff abzapften) zur Kenntnis genommen hätte. Auch war ihm bekannt, dass die Tankwagen feststeckten und garnicht bewegt werden konnten. Die angebliche Gefährdung unserer Soldaten gab es also nicht.

  14. @Zeitzeuge
    Interessanter Beitrag. Er zeigt in der Tat deutliche Unterschiede zum „modernen“ deutschen Soldaten.

    Etwas überspitzt formuliert:
    Im Ethos der „früheren Soldatengenerationen“ ist es wichtig Ehrenhaft und Ritterlich zu sein. Auch wenn man dabei, wie in den Beispielen aus WK I und WK II, verliert (viele auch ihr Leben).
    Der „modernen“ Generation ist vor allem wichtig zu gewinnen, auch wenn der Gewinn oft nur die lebende Rückkehr aus dem Krieg ist.

    Zum Bsp.1 Man darf dazu ruhig mal den Umgang mit Scharfschützen in den russischen Streitkräften in WK I betrachten. Gerne auch im amerikanischen Unabhängigkeits- oder Bürgerkrieg. Die Geschichte der Scharfschützen im Grabenkrieg des WK I wird überwiegend so dargestellt, dass die Deutschen damit „angefangen“ haben. Gerade im U-Bootkrieg wurde von den „früheren deutschen Soldatengenerationen“ die „Ritterlichkeit“ schnell über Bord geworfen, auch wenn bisher nur die Amerikaner wirklich erfolgreich U-Bootkrieg geführt haben.

    Zum Bsp.2 Der Jagdflieger wurde entwickelt um unbewaffnete Bomber- und Aufklärungsflugzeuge und Ballons abzuschießen. Da hat es „Ihren“ ritterlichen Jagdfliegern aber dann stark am Rückgrat gefehlt solche nicht zu bekämpfen, oder?

    Das Wort „Heimtücke“ ist in Ihrem Post generell etwas fehl am Platz, da seine Bedeutung doch recht genau definiert ist!

  15. Ich ziehe schlicht in Zweifel, dass unsere Vorfahren/Vorgänger immer so schön „ritterlich“ gehandelt haben … man muss mal den Blick zurück nicht verklären, es gibt glaube ich mehr Beispiele die dies ritterliche Handeln widerlegen statt belegen.
    Früher, als die Gummistiefel noch aus Holz waren, war nicht alles besser!

  16. Der Herr Wehrbeauftragte hätte sich vielleicht vor seinem Statement den Artikel „Drohnen: Die Waffe der Überflieger | Politik | ZEIT ONLINE“ durchlesen sollen.
    „[…]Der Präsident hakt das Ziel ab, der Pilot am Bildschirm drückt auf den Knopf. Nun will auch die Bundeswehr Kampfdrohnen einsetzen.[…]
    und den Artikel „Die Angst vor dem deutschen Überwachungsstaat“ bei Die Welt ebenso.

  17. Nun, der Wehrbeauftragte hat hier einen sehr gefährlichen Zirkelschluss vollzogen in Sachen Drohnen und Afghanistan. Er tut so, als wäre eine Drohne quasi die Lösung aller systemischen Versäumnisse der BW in einer Lage wie im PRT Kunduz oder am Karfreitag….das ist sehr, sehr fahrlässig, Herr Wehrbeauftragter !
    Diese ganze Drohnendebatte greift einerseits systemisch viel zu kurz und ist andererseits ethisch-moralisch-politisch in einer Form überhöht, die eine sachgerechte Auseinandersetzung mit der Materie CAS-Fähigkeitsbedarf und seine Deckung, bzw. taktische Alternativen in asymmetrischen Konflikten schon fast nicht mehr zuläßt
    Mich persönlich verärgert dieses „gezielte Tötung“-sargument mittlerweile sehr, denn eine ungezielte Tötung im Krieg ist dann also ethischer, wie z.Bsp. mit einem Bombenteppich mit Einsprenkelungen von bis zu 7 Tage Verzögerungszünderbomben ? Soldaten sollen im Krieg gezielt töten und nicht ungezielt rumballern. Dazu muß man sie allerdings dann bitte auch befähigen.

  18. Früher oder später wird die Bundeswehr um bewaffnete Drohnen nicht herumkommen. Warum also bis zum nächsten Einsatz damit warten?

  19. @T.W.:
    Eine Info zum „Redeployment“die hier wohl reinpasst.
    Die erste PzH2000 ist ausgeflogen worden. Weitere 3 stehen bereits in MeS.
    Somit sind nur noch 2 PzH wirklich im Einsatz.
    Siehe: http://tinyurl.com/cbd8vvd

    Da sieht man mal wieder wie vom Einsatz her gedacht wird.
    Zu Beginn der „Kampfsaison“ zieht man Fähigkeiten ab.
    Zumindest in Kunduz könnte man die Systeme ja noch bis Herbst brauchen.

    Andere planen anders: Dänemark hat seine Kampfpanzer Leopard 2 ganz ans Ende des Redeployments gesetzt (Mitte 2014).

    Mal wieder wird erst „unten“ Kopfzahl eingespart als „oben“ (toooth-to-tail?).
    Wie stark ist denn der Stab RC-N in den letzten 6 Monaten reduziert worden?

  20. Wenn jemand von ehrenhaften deutschen Rittersoldaten fasselt und die Engländer als seelenlose Vasallen der Amerikaner bezeichnet dann gibt er sich wenigstens ehrlich zu erkennen: Geschichtsklitternder Nazi.

  21. Nochmal was zur Fehlerkultur in der Bw.
    Bei Sierra-313 berichtet ein Gruppenführer der Infanterie über IdZ-ES/IdZ-2/Gladius.
    Er behauptet dort, dass der General der Infanterie die Soldaten bei einer Ansprache darauf hingewiesen hat, die erkannten Mängel des Systems nicht zu kommunizieren („Wenn sie das für schlecht befinden, dann bekommt die Infanterie die nächsten 30 Jahre gar nichts mehr!!!“).
    Qulelle: http://www.sierra-313.de/community/thread.php?threadid=2707&page=9

    So wird das gemacht.
    Wieder mal: Weil nicht sein kann, was nicht sein darf.
    Alltag und Realität der – angeblichen – Inneren Führung.
    Ein wichtiges Thema für den Wehrbeauftragten – find ich.

  22. /kicher/

    Ich hab mir noch mal das Foto angeschaut und der WB sieht irgendwie aus wie John Wayne in der falschen Bar ;-)

  23. @ klabautermann

    Stimmt voll. Er ist grad dabei, die kulturlose Wasserflasche vom Tresen zu fegen. Nur die Knarre fehlt, aber dafür überwacht das Ganze ja unbemerkt eine Drohne. Alles safe, also.

  24. @Crass Spektakel

    „Wenn jemand von ehrenhaften deutschen Rittersoldaten fasselt und die Engländer als seelenlose Vasallen der Amerikaner bezeichnet dann gibt er sich wenigstens ehrlich zu erkennen: Geschichtsklitternder Nazi.“

    Beitrag offensichtlich nicht gelesen (oder nicht verstanden). Es war von Ritterlichkeit und Ehre auf beiden Seiten die Rede.

    Wer Wehrmacht mit „Nazi“ gleichsetzt, ist für mich nicht satisfaktionsfähig.

    Ich frage mich und Herrn Wiegold, ob der angeschlagene Ton, Ehrabschneidungen und Beleidigungen auf diesem Forum üblich sind und toleriert werden.

  25. Jetzt kommen alle mal wieder ein bisschen runter.

    @Zeitzeuge
    Der Kommentar, über den Sie sich beklagen, hat nicht Wehrmacht mit Nazi gleichgesetzt. Und Sie haben mit den britischen Vasallen den Ton angeschlagen, den Sie beklagen.

    Würde mich freuen, wenn das jetzt nicht weiter ausufern würde.

  26. „Ritterlichkeit“

    „Deutschen Soldaten alter Prägung ist das selbstverständlich.“

    … Ist (erfreulicherweise) nur so, dass die „Soldaten alter Prägung“ zu jeder Zeit eine verschwindend geringe Minderheit darstellen.

  27. Nun, wenn wir uns vom damaligen Zeitgeschehen verabschieden und zur harten, unfairen Realität zurückkehren, werden wir feststellen, dass „Ehre“ und „Ritterlichkeit“ Begriffe darstellen, die trotz asymmetrischer Kriegsführung trotzdem noch praktiziert werden.

    Gefangen genommene Taliban werden z.B. nicht einfach erschossen, weil sie in Zivilkleidung unsere Truppen angreifen. Sie werden medizinisch versorgt. Hat auch den Vorteil, das man an eventuell wichtige Informationen des Feindes herankommen kann.

    Kampfdrohnen und insbesondere Armeen, die diese einsetzen, die Ehre und Ritterlichkeit abzusprechen ist einfach lächerlich. „Früher“ ist vorbei und „Soldaten der alten Prägung“ sollten dies endlich akzeptieren. Denn genau dieses Denken und Handeln nach Grundlagen der „alten Prägung“ hat uns die Probleme beschert.

    Was wäre denn überhaupt als ritterliches Verhalten für einen deutschen Soldaten in Afghanistan angemessen? Duell mit dem Taliban im Morgengrauen, Rücken an Rücken, 20 Schritt und der Einheimische darf vorher die Waffen wählen?

    Falsch wäre aus politischen Gründen auf bewaffnete Drohnen zu verzichten, nur weil die Amerikaner in Pakistan kontrovers damit umgehen. Für mich zählen Drohnen jeglicher Art zu den unfairen Mitteln eines Krieges. Und mit unfairen Mitteln gewinnt man Kriege oder kann diese zumindest entscheidend zu seinen Gunsten beeinflussen. Darauf kommt es an, nicht ob die Heimatfront auf Fairness pocht.

  28. @ Georg
    @ MK20

    Die Einschätzung von @ MK20 teile ich auch , früher oder später bekommt die Bundeswehr Kampfdrohnen !
    Denn die Epoche der Kampfdrohnen & Kampfroboter läßt sich nicht mehr aufhalten !
    Mit der Neuausrichtung der Bundeswehr hätte man konsequenter Weise schon die “Waffensysteme der Zukunft” mit einplanen müssen.

    Nur der Vergleich mit dem Ereignisse in Afghanistan wurde nicht zu Ende gedacht !

    Währe anstelle der beiden F-15E eine Drohne Vorort gewesen hätte diese halt die Todbringende Last abgeworfen. Wie bei den Drohnen Geschichten heute, ging es seinerzeit um eine gezielte Tötungsaktion gegen Taliban-Kämpfer !
    Deswegen wurden die F-15E Piloten ausdrücklich angewiesen kein „Show of Force“ zu fliegen
    ( Überflug in niedriger Höhe um die Personen auseinander zu scheuchen und ein aktuelles Lagebild zu gewinnen )

  29. Irgendwie komisch. Wenn es um Rüstung geht, dann ist der Herr Wehrbeauftragte immer ganz weit vorne. Und zu den Fallstricken seiner Argumentation wurde bereits einiges geschrieben. Bezüglich des DBwV; ich bin froh, wenn man dort einfach mal zurückhaltend zum Thema Drohnen ist. Dies hat für mich nichts mit „wegducken“ zu tun. Soll doch erstmal die Regierung sagen, was sie warum will oder nicht. Aber vermutlich fehlt dazu im Wahljahr der Mummmm.

  30. @Loggi:
    Dadurch, dass der DBwV auch die Ansicht vertritt man müsse erst ne ethische Grundsatzdiskussion führen, befördert er die Ansicht, dass es bei Drohnen vor allem um ein ethisches Problem handelt.
    Obwohl auch Soldaten im Einsatz eine Bewaffnung von Drohnen mehrfach angemahnt und sauber begründet haben (siehe Reise-Bericht MdB Keul: http://katja-keul.de/userspace/NS/katja_keul/Dokumente_2012_2/120519_Reisebericht_Katja_Keul_Afgfhanistan_13._-17.05.12.pdf, auch wenn die Schlussfolgerung von geringer Kenntnis der ROE zeugt).

    Das sollte der DBwV zumindest nicht ausblenden – finde ich.

  31. @ Zeitzeuge
    Sie widerspricht dem Ethos früherer Soldatengenerationen,

    Um welche Sodatengeneration soll es sich dabei handeln?

    Der gnaden- und hirnlose Fleischwolf des ersten Weltkriegs, in dem ewiggestrige Offiziere Millionen von kadavergehorsamen Soldaten verschliessen haben?

    Die Vernichtungsfeldzüge des zweiten Weltkriegs, in denen Bevölkerung und Feinden keine Rechte hatten, und dessen Kriegsverbrechen kaum geahndet wurden?

    Die vor allem am eigenen Mythos arbeitenden Wehrmachtsüberbleibsel der ersten Generation Bundeswehr?

    Die auf Kasernenbetrieb ausgerichteten Kalten Krieger und Wehrpflichtigenbetreuer, welche das Glück hatten ihre Fähigkeiten, Ansichten und Vorgehensweisen nie auf echte Kriege einstellen zu müssen?

    Mit Verlaub: Die derzeitige Soldatengeneration dürfte die mit Abstand ethischste sein. Nicht zuletzt, weil der Anspruch moralischer Überlegenheit Teil der Mandate und Teil der Strategie ist. Und weil aufgrund von Medienpräsenz, totalem Krieg und diversen Rückschlägen aufgrund von eigenem Versagen (Abu Ghraib etc.) endlich begonnen wird Denken und Strukturen auf diese Schwachstelle auszurichten.

    Eine kleine Anmerkung: Ich kenne Sie nicht, und ich bin mir immer noch nicht sicher, ob ich Ihren Schreibstil Marke „historisierender Burschenschaftler“ ernstnehmen soll, oder ob Sie einfach nur ein Troll sind. Vielleicht sollten Sie über Ihr Auftreten nachdenken?

  32. @Milliway | 07. April 2013 – 19:57

    Zitat: „… , früher oder später bekommt die Bundeswehr Kampfdrohnen !
    Denn die Epoche der Kampfdrohnen & Kampfroboter läßt sich nicht mehr aufhalten !“

    Warum auch nicht. Atomwaffen, die wir anderen Staaten verwehren und wieder anderen Staaten kritiklos zugestehen, haben wir ja auch. Vielleicht kommt ja auch bald ein Flugzeugträger. Nur die Begründungen, die wir uns anhören müssen, sind echt albern.

    Wenn diese demnächst in Auftrag gehen, wovon ich überzeugt bin, werden diese vermutlich nicht vor dem Abzug aus Afghanistan zur Verfügung stehen. Damit stellt sich die Frage, für welchen zukünftigen großen Auslandseinsatz werden sie benötigt. Ist schon einer im Plan? Vielleicht Syrien oder der Iran? Noch bevor es eine mögliche iranische Teilhabe an pakistanischen oder koreanischen Atomwaffen gibt? Offensichtlich ist, trotz knapper Kassen, keine Zeit mehr für den Abschluß einer eigenen europäischen Drohnenentwicklung. Eine (US-) Kauflösung soll her. Und möglichst schnell. Die Zeit drängt.

  33. @Memoria

    Es stimmt nicht, dass der DBwV erst eine Ethische Debatte fordert!

    Der Vorsitzende ist der Meinung, dass es keiner Eile bedurft und auch die Gesichtspunkte der Sekptiker mit ethischen Bedenken müssen in die Debatte mit einbezogen werden!

    Königshaus liegt falsch und schon jetzt zeigt sich die Achillesferse der UAS sehr deutlich!
    Die Gegner der Zukunft, werden die Schwachstellen der UAS nutzen!

    Hätte Klein auf DEU Tornados oder UAV zurückgegriffen, er hätte keine andere Entscheidung getroffen! Die Lage vor Ort war ihm bekannt und ob eine Mk 82 von einer bemannten Plattform oder einer unbemannten abgeworfen wird spielt fast keine Rolle, außer, dass ein Tornado präziser ist!

    …. und es geht bei der Beschaffung von bew. UAS nicht um AFG!

  34. @Elahan:
    Warum ist denn ein Tornado mit gleicher Bewaffnung präziser?
    Gehen sie von einer reinen Mk 82 aus (keine GBU-38 oder GBU-54) aus?
    UAV verbringen Hellfire und GBU (Äpfel mit Birnen?).

    Und nein die Lage vor Ort war Oberst Klein nicht ausreichend bekannt (das ist aber genug diskutiert worden).
    Die Aufklärungsleistung einer Reaper ist mit der MTS-B jedoch besser als die des LITNING Pods oder des SNIPER Pods, oder?

    Noch eine Bitte:
    Müssen sie ihre Aussagen andauernd durch Ausrufezeichen betonen?
    Man kommt sich von ihnen fortlaufend angeschrien vor.

  35. @Stefan

    Begründungen für bewaffnete Drohnen als „albern“ verprellen, aber einen Vergleich zu Atomwaffen und Flugzeugträgern herstellen und sogar die wildesten Kriegsszenarien noch hinterher werfen. Soll das bitteschön das Gegenteil zu „albern“ sein, sprich ernst gemeint?

    „Brauchen wir nicht!“, „Wieso denn, ist denn schon der nächste Krieg geplant?“, etc. pp. Bloß nicht aus vergangenen Fehlern lernen und die richtigen Konsequenzen ziehen, man könnte ja womöglich mal keinen Unsinn verzapfen. Wenn dann aber doch der nächste Einsatz mit einem Fuß im Flur steht, dann geht das große Jammern wieder los. Vielen Dank auch.

  36. @Memoria | 07. April 2013 – 22:00

    Ein Satzzeichen für Schreien gibt es nicht. Für Emotionen wurden Smilies geschaffen. ;-)

  37. @Memoria

    „Warum ist denn ein Tornado mit gleicher Bewaffnung präziser?“

    Weil der WSO in Echtzeit sein Ziel bestimmt und ein Wetter, Funk und GPS unabhängiger Waffenrechner die Flugbahn und den Zeitpunkt der Auslösung bestimmt,

    „Gehen sie von einer reinen Mk 82 aus (keine GBU-38 oder GBU-54) aus?“

    Ja, denn die wurden angeblich von den US Jets verwendet! Eine GBU 38 wäre mit Kanonen auf Spatzen geschossen!

    „UAV verbringen Hellfire und GBU (Äpfel mit Birnen?).“

    Wir haben keine Hellfire und auch da gilt! Plattform spielt kaum eine Rolle!
    P.S.: Bordkanone des Tornado hätte für diesen Einsatz genügt!

    „Und nein die Lage vor Ort war Oberst Klein nicht ausreichend bekannt (das ist aber genug diskutiert worden).“

    Dann lesen sie den Bericht!

    „Die Aufklärungsleistung einer Reaper ist mit der MTS-B jedoch besser als die des LITNING Pods oder des SNIPER Pods, oder?“

    Ja, wenn Man Datenverbindung hat und dann reicht ein Aufklärungs UAS für die Aufklärung und COIN Lfz für die Bekämpfung

    „Müssen sie ihre Aussagen andauernd durch Ausrufezeichen betonen?
    Man kommt sich von ihnen fortlaufend angeschrien vor.“

    Es kennzeichnet lediglich eine Behauptung und soll diese von einer Tatsache unterscheiden. Es soll keine Aussage zur Lautstärke sein!

    Sender – Empfänger :-)

  38. @-MK20- | 07. April 2013 – 22:09
    Drohnen brauchen wir schon. Nur sollte man ehrlich sagen wofür. Und nicht solch dämliche Begründungen geben. Wir brauchen sie zum töten unserer Feinde, ohne unsere eigenen Soldaten dafür in Gefahr zu bringen. Punkt.

    Auch Atomwaffen brauchen wir, sonst hätten wir sie wohl nicht. Und der Flugzeugträger wird kommen. Wollen wir wetten? Die derzeitige Unterbewertung der Marine ist berechtigt bereits ein Thema. Streitkräfte und Fähigkeiten in der Breite. Die BW, als Andockstation für Streitkräfte kleinerer Staaten. Deutschland als europäische Führungsnation, nach den Vorstellungen der USA. Und was die USA wünschen, wird auch geschehen.

  39. @Elahan:
    Am 04.09.09 wurden 2 GBU-38 verwendet (Mk 82 mit JDAM-Satz).
    Soviel vielleicht auch zum Thema lesen von Berichten.

    Gebe ihnen jedoch Recht das eine einfache bemannte Plattform ein pragmatischer Ansatz wäre. Ist auch beim Drehflügler der Fall.
    Stattdessen wartete man ewig auf den Tiger.

  40. @ Stefan

    Da es schon einige Male fälschlicherweise behauptet wurde, und bevor irgendeiner der Leser es auch noch glaubt: Wir (Deutschen) haben keine Atomwaffen (und brauchen sie auch nicht). Nukleare Teilhabe bedeutet etwas anderes als den Besitz nuklearer Waffen, auf den zu verzichten wir uns einseitig und völkerrechtlich verbindlich verpflichtet haben. Darüber hinaus ist es das erklärte Ziel der Bundesregierung, die Lagerung der verbliebenen taktischen atomaren Sprengköpfe der USA auf deutschem Boden zu beenden (siehe unter anderem Koalitionsvereinbarung), weil sie schlichtweg keinen Sinn mehr machen. Das geht freilich nicht so ohne weiteres und schon gar nicht unilateral. Es ist aber wohl nur eine Frage der Zeit (und der Rüstungskontrollverhandlungen mit den Russen).

    @ Elahan

    OT: Die permanenten Ausrufezeichen nerven schon ein bisschen. Irgendwie erinnern sie an eine ziemlich ruppige Befehlsausgabe. Am liebsten würde man sich die Ohren zuhalten. ☺

  41. Die (verteidigungs-) politische Diskussion über bewaffnete Drohnensysteme (also größere Investitions- und Folgekosten-Posten, bei bislang ungeklärter Zulassungsfrage) sollte natürlich schnellst möglich aufgenommen werden. Aber bitte nicht bevor man die „Pleiten, Pech und Pannen“ beim T€uroHawk-Projekt abgearbeitet hat. Oder will man etwa die nächsten ca. 1.8 – 2 Mrd. € nutzlos „verbraten“?
    (vgl. http://augengeradeaus.net/2013/04/dronewatch-minister-diskussion-im-april-die-deutsche-beschaffungs-debatte-globalhawk-vs-china/comment-page-2/#comment-60744)

  42. Ritterlichkeit ist eine Sache der Vergangenheit, denn in Afghanistan nutzt jede Seite ihre asymmetrischen Stärken, und am 04.09.2009 tat das ausnahmsweise auch mal die Bundeswehr.
    In diesem Zusammenhang stellt sich mir die Frage, warum man die Luftangriffe überhaupt hätte verhindern sollen. Deren Wirkung war bis auf die strategische Ebene hinaus fast ausschliesslich positiv, und und selbst wenn die Darstellung bzgl. der VBIEDs stimmen würde, hätte auch eine Drohne nicht erkennen können, dass sich in den Fahrzeugen für Anschläge untauglicher Diesel befand.

  43. @KeLaBe | 07. April 2013 – 23:26
    Eine Frage der Rüstungskontrollverhandlungen mit Russland kann es nicht sein. Denn die Russen betreiben keine Atomwaffen außerhalb ihres Staatsterritoriums. Die Nukleare Teilhabe bedeutet, dass wir genau in dem Fall Atomwaffen besitzen, wo sie eigentlich jeder Staat nur benötigt. Im Krieg. Eigentum und Besitz sind zwei verschiedene Dinge. Die Eigentumsfrage ist ohne Bedeutung, wenn der Besitz im richtigen Moment gesichert ist. Ein wirklicher Verzicht wäre, wenn wir dafür keine Trägermittel bereithalten würden. Dies wäre kurzfristig zu realisieren. Solange wir diese aber bereithalten sind wir eine Atommacht. Ich glaube diese Atomwaffen werden benötigt. Noch ist der ewig währende Friede nicht ausgebrochen.

  44. @ Stefan

    Ich hab jetzt nicht alles verstanden. Warum sollen Russland und die Nuklearmächte der NATO nicht über die Zukunft der verbliebenen taktischen Atomwaffen in Europa verhandeln? Warum werden Atomwaffen nur im Krieg benötigt (und nicht etwa zur Abschreckung im Frieden – Atomwaffen sind doch wegen ihrer Wirkung in erster Linie politische Waffen!)? Warum ist für Deutschland der Besitz „im richtigen Moment“ (was ist das überhaupt?) gesichert? Glauben Sie, die Amerikaner lassen sich in dieser Frage auf einen Automatismus ein? Und übrigens: Warum trifft die Bundeswehrplanung keine Vorkehrungen, um auch künftig (= post EF) entsprechende eigene Trägermittel verfügbar zu haben?

    Ob „diese“ Atomwaffen künftig noch benötigt werden, darüber kann man natürlich streiten. Nach meiner Auffassung reicht nach dem Ende des Kalten Krieges und in der neuen geostrategischen Lage der strategische Schutz durch die Amerikaner aus. In Europa sehe ich beim besten Willen keine Szenarien für taktische nukleare Einsätze mehr.

    Das Ganze ist zweifellos OT hier. Aber ein wenig erinnert die Drohnenfrage schon auch an den Geist, der vor nunmehr fast 70 Jahren aus der Flasche gelassen wurde und der uns heute mit Blick etwa auf den Iran und auf Nord-Korea mächtig ärgert. Auch wenn Vergleiche immer hinken.

  45. @KeLaBe | 08. April 2013 – 0:17

    Zitat: „Ich hab jetzt nicht alles verstanden. Warum sollen Russland und die Nuklearmächte der NATO nicht über die Zukunft der verbliebenen taktischen Atomwaffen in Europa verhandeln?“

    Ich habe nicht gesagt, dass darüber nicht verhandelt werden soll. Eine Grundforderung der Russen wird der Abzug aller Atomwaffen auf das nationale Territorium sein. So wie es die Russen bereits getan haben. Den Erfolg derartiger Verhandlungen können Sie sich sebst ausrechnen.

    Zitat: „Warum werden Atomwaffen nur im Krieg benötigt (und nicht etwa zur Abschreckung im Frieden – Atomwaffen sind doch wegen ihrer Wirkung in erster Linie politische Waffen!)?“

    Die Abschreckung besteht darin, dass diese Waffen im Krieg einsetzbar sind. Und das sind die US-Atomwaffen durch Deutschland im Krieg.

    Zitat: „Warum ist für Deutschland der Besitz „im richtigen Moment“ (was ist das überhaupt?) “

    Der richtige Moment ist der Krieg. Wenn Atomwaffen eingesetzt werden ist immer Krieg.

    Zitat: „Glauben Sie, die Amerikaner lassen sich in dieser Frage auf einen Automatismus ein?“

    Das wird schon vertraglich geregelt sein. Oder ist die USA nicht unsere Schutzmacht?

    Zitat: „Und übrigens: Warum trifft die Bundeswehrplanung keine Vorkehrungen, um auch künftig (= post EF) entsprechende eigene Trägermittel verfügbar zu haben?“

    Ich habe nicht behauptet, das die Bundeswehrplanung keine Vorkehrungen trifft, um auch künftig entsprechende eigene Trägermittel verfügbar zu haben. Ganz im Gegenteil die Trägermittel sind ja vorhanden und nicht abgeschafft.

    Zitat: „Ob „diese“ Atomwaffen künftig noch benötigt werden, darüber kann man natürlich streiten. Nach meiner Auffassung reicht nach dem Ende des Kalten Krieges und in der neuen geostrategischen Lage der strategische Schutz durch die Amerikaner aus. In Europa sehe ich beim besten Willen keine Szenarien für taktische nukleare Einsätze mehr.“

    Darüber kann man versuchen zu streiten, wenn die Entscheidungsträger sich auf einen Streit einlassen. Jedoch scheint die Entscheidung ohne Streit gefallen zu sein. Die B61 werden im Einvernehmen mit der Bundesregierung modernisiert und nicht abgezogen. Die Tornados einer Modernisierung unterzogen. Ich finde dies derzeitig richtig. Westerwelle war kurz nach seinem Amtsantritt der letzte wichtige Politiker, der den Abzug der Atomwaffen gefordert hatte. Danach gab er den Vorsitz der FDP unfreiwillig ab und wird vermutlich nach der Wahl in der Versenkung verschwinden.

    Und die bewaffneten Drohnen werden auch kommen. Die Entscheidung ist nach meiner Meinung längst gefallen.

  46. „Ritterlichkeit ist eine Sache der Vergangenheit, denn in Afghanistan nutzt jede Seite ihre asymmetrischen Stärken, und am 04.09.2009 tat das ausnahmsweise auch mal die Bundeswehr.“
    Was ist denn an dem Einsatz von legitimierten Kräften, egal welchern Typus, bitteschön asymetrisch? Ohne jetzt ellenlang zu schreiben, asymetrische Kriegsführung zeichnet sich durch andere Kriterien aus.

    „Nun, wenn wir uns vom damaligen Zeitgeschehen verabschieden und zur harten, unfairen Realität zurückkehren, werden wir feststellen, dass “Ehre” und “Ritterlichkeit” Begriffe darstellen, die trotz asymmetrischer Kriegsführung trotzdem noch praktiziert werden.
    Gefangen genommene Taliban werden z.B. nicht einfach erschossen, weil sie in Zivilkleidung unsere Truppen angreifen. Sie werden medizinisch versorgt. Hat auch den Vorteil, das man an eventuell wichtige Informationen des Feindes herankommen kann.“
    Und ich dachte immer, das hat was mit rechtlichen und moralischen Hintergründen zu tun, so kann man sich offensichtlich irren …

    Zum Thema zurück:
    Drohnen können m.E. mit derselben Berechtigung eingesetzt werden, wie andere Distanzwaffen. Mir als PzGren war schon immer suspekt, wie man auf ein Ziel schiessen kann, dass man nicht sieht ;-). Ist denn so ein großer Unterschied zwischen Art – RakArt – und Drohnen? Im günstigsten Fall sieht der VB der Drohne (Kamera und Operator) sogar mehr und besser als der VB am Boden. Eine Waffe bleibt eine Waffe, die Entscheidung zum Einsatz dieser ist es, was relevant ist.
    Und diese(r) kann und wird genauso behandelt wie bei anderen Waffen, die einer „release Authority“ unterliegen. Dass dies nicht dem „Erdferkel“ (als PzGren nehm ich mir raus, das so zu formulieren) überlassen werden kann, liegt an Kriterien, deren Diskussion hier jetzt in eine komplett andere Richtung führen würde. Deshalb halten wir uns ja Vorgesetzte verschiedenster Besoldungsgruppen. Und ich habe mehrfach selbst erlebt, dass sich diese die Entscheidungen nicht leicht machen. Und zwar nicht nur deshalb, weil die den Arsch an die Wand kriegen wollen.

  47. In der Rheinischen Post von heute fordert auch BM Rösler eine Entscheidung zu bewaffneten UAV nach der Wahl („Ich halte es für notwendig, zunächst eine ausführliche ethische Debatte über den Einsatz bewaffneter Drohen zu führen“).

    Ausführlich. Soso.

    Wie wärs mal mit der wirklichen Grundsatzdiskussion? Wofür ist die Bundeswehr da? Industriepolitik oder Kriege führen (Vorsicht! Das bedeutet Menschen umbringen und Sachen kaputt machen)?
    Beides gleichzeitig geht nämlich nicht (mehr).

  48. @Stefan: Die Entscheidung für „wirkmitteltragende UAS“ ist eigentlich schon in 2005 gefallen. Denn gemäß Europäische Sicherheit Online vom 12.08.2005 (http://www.europaeische-sicherheit.de/alt/2005/2005_08/12%20Euro%20Hawk/2005,08,12,03.html) war der Hauptabteilung Rüstung im BMVg bereits zu diesem Zeitpunkt einerseits die Zulassungsproblematik bei HALE- und MALE-UAS, andererseits deren zukünftige Einsatzprofile, bestens bekannt. So wird u.a. ausgeführt:

    „[…] Die Thematik Zertifizierung/Flugzulassung, verbunden mit der Forderung nach der Integration des EURO HAWK in den kontrollierten Luftraum, ist sicherlich einer der zentralen technologischen und prozeduralen Herausforderungen des Projekts. Dies gilt im Übrigen generell für UAV der Klasse HALE und MALE. […]
    Hinsichtlich der Flugzulassung, die letztlich durch die Flugbetriebssicherheit bestimmt wird, werden die bereits existierenden Standards für heutige bemannte Flugzeuge der Maßstab sein. […]
    Hinsichtlich der Integration von UAV in den kontrollierten Luftraum gilt grundsätzlich das gleiche, da die Zulassung mit den Bestimmungen für den Betrieb im kontrollierten Luftraum untrennbar verknüpft ist. […]
    An dieser Stelle sei exemplarisch das Thema »Detect and avoid« genannt. Beide Themenbereiche werden derzeit in unterschiedlichen internationalen Gremien und Arbeitsgruppen mit Nachdruck vorangetrieben. […].
    Das EURO HAWK-Projekt wird gemäß heutiger Planung den diesbezüglichen Präzedenzfall für die Bundeswehr schaffen.“ (Zitatende)

    Nur dieser „Präzendenzfall“ ist leider kräftigst in die Hose gegangen.

    Bereits 2001 ließ das BMVg eine „Studie zur Wirksamkeit von unbemannten Luft_a_n_g_r_i_f_f_s_flugzeugen“ erstellen. 2007 beauftragte das Ministerium gleich fünf deutsche Rüstungsunternehmen, die – wie es hieß – „Fähigkeiten unbemannter _G_e_f_e_c_h_t_s_luftfahrzeuge in der Luft-Boden-Rolle“ zu untersuchen. Am 21. Februar 2008 verabschiedete die Bundeswehr ihre „Konzeptionellen Grundvorstellungen zum Einsatz unbemannter Luftfahrzeuge“ („KGv“, vgl. http://dip21.bundestag.de/dip21/btd/16/124/1612481.pdf), in denen selbstverständlich auch bewaffnete UAS eine Rolle spielen. „Wirkmitteltragende UAS“ werden also so sicher „wie das Amen in der Kirche“ für die Bw beschafft werden.

    Frage ist nur wann? Zwischen Auswahlentscheidung, Vertragsunterzeichnung, Einführung und Einsatzbereitschaft liegen bekanntlich Welten bzw. Jahre. Und daran wird auch der Wehrbeauftragte nichts ändern (können). Deshalb trägt Herr Könighaus nur „Eulen nach Athen“ und auch Herr BM Rösler heizt nur unnütz eine überwiegend hypothetische Diskussion an, denn der Minister wird bis zu den Wahlen bestenfalls sagen können, dass bewaffnete UAS angeschafft werden (sollen), aber sicherlich nicht welche wann und mit welchr Bewaffnung.

    Hätte Herr Könighaus stattdessen klargestellt, dass bewaffnete Konflikte im Sinne des Völkerrechts exakt die Grenze darstellen (Art. 24, 25, 26, 87a, 102 GG; Art. 2 (2), 6, 7 und 13. Zusatzprotokoll von 2002 EMRK; Humanitäres Völkerrecht: Schutz ziviler Personen: Art. 51, 57, 70 I.ZP, Art. 13 I.ZP, Art. 26, 46 HLKO, Art. 23ff, 27ff, 47ff, 79ff IV.GA), die bei Drohneneinsätzen nicht überschritten werden darf und festgehalten, dass solch eine glasklare Aussage des Ministers bislang noch aussteht, wäre er seinem originären Auftrag als Wehrbeauftragter gerecht worden. Zudem hätte er auch noch dazu beigetragen, dass den in Masse höchst emotional und unprofessionell geführten Diskussionen über die ethischen Dimensionen von bewaffneten UAS die „amerikanische und israelische Praxis“ entzogen wäre!

    Das Humanitäre Völkerrecht ist eindeutiger Maßstab für den Drohneneinsatz und diese völkerrechtlichen Standards gelten schon immer und für jeglichen Einsatz deutscher Soldaten samt ihrer Waffensysteme. Ob also das BMVg bewaffnete UAS beschafft und einsetzt, ist weder eine Frage des Völkerrechts, noch der Ethik, sondern eine Frage der Politik und deren Spiegelbild in glasklaren und dem Humanitären Völkerrecht entsprechenden Einsatzgrundsätzen. Das sollte auch ein BM Rösler wissen, weil nämlich dann „eine ausführliche ethische Debatte über den Einsatz bewaffneter Drohen“ absolut obsolet ist.

    M.M.n. sind nach einem „lessons learned“ beim T€uroHawk auch Predator und Reaper abzuhaken. Heron TP (allerdings nur mit ca. 100kg Waffenlast) könnte ab ca. 2015 – 2016 eine Zwischenlösung sein und letztendlich dürfte es aber final doch noch auf eine europäische Entwicklung mit Einführung ca. 2020+ hinauslaufen. Ansonsten hätte Europa endgültig den Anschluss verloren und zig FuE-Vorhaben samt ausgegebener Fördermittel wären „für die Katz gewesen“.

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