Bürokratische Probleme in der Türkei: Patriot-Einsatz fast 5 Mio € teurer

Vorführung einer deutschen Patriot-Staffel (am 18. Dezember 2012) in Warbelow

Da haben die Verbündeten offensichtlich ein wenig Ärger mit der türkischen Bürokratie. Die Patriot-Flugabwehreinheiten sowohl der Bundeswehr als auch der US-Streitkräfte, die in der Türkei einen befürchteten Raketenangriff aus dem benachbarten Bürgerkriegsland Syrien abwehren sollen, kämpfen mit den Feinheiten des Host Nation Support, der Unterstützung durch die Türkei. Für Deutschland bedeutet das für die Beteiligung an der Operation Active Fence Turkey (AF TUR) fast fünf Millionen Euro Mehrausgaben, wie das Verteidigungsministerium diese Woche den Bundestagsabgeordneten des Verteidigungsausschusses mitteilte:

Das zwischen der NATO (SHAPE) und der Türkei gezeichnete Implementing Agreement (IA) legt den durch die Türkei zu leistenden Host Nation Support fest. Da demnach nicht alle Unterstützungsleistungen durch die Türkei unentgeltlich zu erbringen sind, werden die einsatzbedingten Zusatzausgaben der Bundeswehr für die Beteiligung deutscher Feuereinheiten PATRIOT an AF TUR voraussichtlich um rund 4,8 Mio. Euro auf insgesamt rund 29,9 Mio. Euro anwachsen. Im Wesentlichen begründet sich die Erhöhung durch Mehrausgaben für Betriebsstoffe sowie durch Mehrausgaben für die temporäre Unterbringung des deutschen Personals in Hotels.

Immerhin sind die deutschen Patriot-Staffeln schon einsatzbereit. Die US-Batterien, die eigentlich schon recht früh in Marsch gesetzt worden waren, kämpfen mit der Bürokratie um den richtigen Standplatz, wie die amerikanische Soldatenzeitung Stars&Stripes berichtet:

U.S. Patriot missile batteries deployed as part of the NATO mission to protect Turkey from a possible missile strike from Syria remain inactive in connection with a bureaucratic logjam, according to U.S. officials.
“We’ve been pushing,” said Rep. Rob Wittman, R.-Va.,in an interview Wednesday during a congressional delegation visit at Incirlik Air Base.
There is no dispute over the NATO mission itself, but the delay is due to Turkish bureaucratic red tape, Wittman said. He along with others in his delegation met with Turkish President Abdullah Gül and other government officials in an effort to prod action.

Der vorgesehene Stationierungsort nahe der türkischen Stadt Gaziantep scheint nicht so ganz der richtige...

Hours before a convoy of trucks was slated to arrive at the Turkish army base here, U.S. Army Maj. Ryan Schrock faced a logistical challenge. Nearly 100 trucks carrying everything from water and MREs to multimillion-dollar Patriot missiles needed a place to unload, but there were few good options.
“This is bad,” Schrock said Thursday as he surveyed a muddy, makeshift road. “I’m in a single lane here. We’re going to bottleneck.”
Schrock and his Turkish counterpart scouted out an alternate route, improvising on a military post not accustomed to the heavy equipment that comes with a Patriot missile defense system.

Unklar ist bislang, ob ein Anschlag auf die US-Botschaft in der türkischen Hauptstadt Ankara am (heutigen) Freitag mit der Patriot-Stationierung in Verbindung steht. Verantwortlich für den Anschlag soll eine linksradikale Gruppierung sein, die bereits mehrfach mit Gewalt gegen die NATO und die USA vorgegangen sein soll.

 

60 Gedanken zu „Bürokratische Probleme in der Türkei: Patriot-Einsatz fast 5 Mio € teurer

  1. „Genau hierin liegt Ihr Fehler!

    Abseilen, Überlebenstechniken, Schießen etc. sind Fertigkeiten die man sowohl für Objektschutz (MSK), als auch für Verteidigung (Infanterie) brauchen kann.“

    Abseilen für die Verteidigung? Häuserkampf? Gebirgs- und Winterkampf? Alles notwendig für den Objektschutz?

    „Was das eine vom anderen unterscheidet sind u.a. Größenordnung (eine Großverbandsebene hat die Marien ja bei den MSK noch nicht einmal annähernd)“

    Was hat die Größenordnung denn nun mit der Klassifizierung Infanterist oder kein Infanterist zu tun? Ist ein auf sich allein gestellter Jägerzug etwa keine Infanterieeinheit mehr, nur weil ihm die Mannstärke fehlt?

    „, die Einbindung in eine bewegliche Gefechtsführung (über KILOMETER hinweg und auch das ist ja für Sicherer nicht vorgesehen), das Zusammenwirken mit den Panzertruppen und den Kampfunterstützern (hier im besonderen mit den Aufklärern und der Artillerie) und und und.“

    Sie wollen mir also sagen, das das MSK ein besserer Wach- und Schließdienst ist, der nicht zu mehr zu gebrauchen ist, als doof hinter einem Sandsack zu sitzen.

    „Nein, die SEK M sind für komplett andere Dinge da!“

    Sie behaupten also, die Kampfschwimmer sind nicht dafür gedacht, den Feind von See anzugreifen? Mutige Behauptung.

    „Sie sollten sich vielleicht mal von WISSEN und nicht von Träumen leiten lassen. Ich bin vom Fach und ich weiß, was unsere Waffenbrüder von Luftwaffe und Marine können und ich weiß auch wann ich mir deren Unterstützung wünsche, aber wenn es um eine infanteristische Operation geht, dann sind andere im Fokus…“

    Natürlich. Hauptaufgabe des infanteristischen Kampfes liegt beim Heer. Aber zu behaupten, Luftwaffe und Marine würden den infanteristischen Kampf nicht beherrschen, ist schlichtweg falsch.

  2. Leute, das tendiert hier langsam Richtung Kindergarten. Abgesehen davon, dass es mit dem Patriot-Einsatz gar nix mehr zu tun hat…

  3. @ Koffer
    Natürlich gibt es bei uns auch noch Lichtblicke und natürlich ist auch bei unseren kämpfenden Verbündeten nicht alles Gold was glänzt, aber Sie müssen doch nur mal nach AFG schauen um zu sehen wie weit unsere Distanz zu unseren Verbündeten langsam ist :(

    Gerade wenn ich nach Afghanistan schaue tu ich mich da schwer.

    Auf der einen Seite hat es bei den Amis tatsächlich Leute, die gewinnen wollen und die bereit sind sich in die Materie einzuarbeiten und entsprechende Konzepte zu entwickeln (ETTs, Coin Academy etc.). Nur sind die auch da die Minderheit.

    Auf der anderen Seite erlaubt man sich da teils Patzer, da kann nichtmal die Bundeswehr mithalten. (Das Härteste war glaub, Dolmetscher nicht mit ihren Einheiten mitfliegen zu lassen, sondern sie in US-Uniformen in ein Taxi von Bagram nach Kabul zu stecken. ) Gerade was FOB-Mentalität, PowerPoint-Karrieristen und Kleiderordnungs-Krieger angeht dürften die amerikanischen Streitkräfte mindestens gleichziehen.

    Und auch dazwischen hat es noch massig Spiel. Ne Stryker-Brigade die mit asymmetrischen Konflikten überfordert sind, bis Leute in der Einheit anfangen Afghanen zu töten, und keiner merkts. Geschönte Statistiken. Selbst 2011 noch Patzer bei Standardaufgaben wie dem Transport von Gepäckstücken von Termez nach Kunduz zu fliegen. Und auch bei den Amerikanern der Trend zu mehr FOB, zu mehr Verantwortungsdiffusion und zu mehr Pendeln-zur-Ausbildung.

    Auch was das Kämpfen angeht bin ich mir nicht sicher, ob da das Niveau wirklich besser ist. Oder nicht einfach nur die Hemmschwelle niedriger, auf anderer Leute Kosten sehr schnell und üppig Schaden anzurichten.
    Bei den Infanteristen, die tatsächlich rausgehen, habe ich – als sofasitzender Zivilist – eigentlich einen guten Eindruck. Da sind zwar auch Dinge passiert die nicht hätten passieren sollen, aber die Verluste und „Kollateralschäden“ hätten deutlich größer sein können. Das läßt sich nicht nur mit Glück erklären.

    Umgekehrt bin ich mir bei den „zivil-militärischen“ Ansätzen nicht so sicher. Die GIZ arbeitet wohl insgesamt sorgfältiger als die US Aid, hat sich aber auch einige Patzer erlaubt. Auch muss man gerade der frühen BW-Führung wohl anrechnen, dass sie die zivilen Dimensionen des Konflikts wenigstens gesehen hat. Trotzdem gab es eigentlich nie eine zivil-militärische Führung, und auch keine gemeinsame Strategie. Von COIN ganz zu schweigen.
    Im Vergleich zum blinden CT-Vorgehen der Amerikaner zu Beginn des Afghanistan-Engagements war das sicherlich ein deutlicher Vorteil. Nur haben die Amerikaner halt unter McChrystal wenigstens halbwegs die Kurve zu einem zivilmilitärischen Ansatz gekriegt (wenn auch nur in Teilen und nur für kurze Zeit). Bei der BW braucht man nach ASCOPE/PMESII wohl gar nicht erst fragen. ;)

  4. @Feldscher
    „Natürlich. Hauptaufgabe des infanteristischen Kampfes liegt beim Heer. Aber zu behaupten, Luftwaffe und Marine würden den infanteristischen Kampf nicht beherrschen, ist schlichtweg falsch.“

    Machen Sie sich erst einmal schlau, bevor Sie reden und versuchen Sie es dann noch mal.

    Denken, drücken, sprechen.

    @J.R.
    Ich teile größtenteils Ihre Bewertung, sowohl in den Dingen in denen Sie sich sicher sind, als auch bei den Zweifeln ;)

    Aber Fakt ist doch, dass die Bundeswehr immer noch im Sandkasten spielt und weder Führung noch Politik erwachsen geworden ist.

    Und das spiegelt sich natürlich auch auf den unteren Ebenen bis hin zum Fw und zum Landser wieder…

    Krieger sind wir wohl schon lange nicht mehr. Und als verläßlicher Verbündeter zählen wir derzeit nach meiner Bewertung weder für unsere großen noch für unsere kleinen Alliierten und zwar weder auf der militärpolitischen Ebene noch auf dem Gefechtsfeld :(

    [Nachtrag]
    @T.W.
    Touché. Bin raus…

  5. Ich muss da eben mal Koffer unterstützen, bei den Vergleichen rotier ich auf meinem Schreibtischstuhl.

    Objektschutz betreiben die Marinesicherer und Luftwaffensicherer (und andere dazu abgestellte Kräfte des Heeres, z.B. Sicherungsteileinheiten). Objektschutz kann im Gegensatz zu Sicherung (Bestandteil der allgemeinen Aufgaben im Einsatz, Stichwort VASE) auch nur von speziell dafür ausgebildeten und ausgerüsteten Kräften wahrgenommen werden. Selbstverständlich schließt Objektschutz im Rahmen des Auftrags auch begrenzt Angriffsoperationen ein – vor Jahren gab es sogar mal einen Lehrgang „Jagdkampf im Objektschutz“ speziell für Angehörige der Heimatschutzbataillone. Der Auftrag ist komplex, aber das macht sie nicht zu Infanterie, genausowenig wie die Verfügbarkeit von Transportpanzern die Jäger zu Panzergrenadieren macht.

    Es gibt durchaus (ehemalige) Angehörige der VR76, die sich selbst als „Marineinfanterie“ bezeichnen – von der spezifischen Ausbildung oder Ausrüstung (Amphibien- und Landungsfahrzeuge, Strandmeisterkompanie) hab ich allerdings noch nichts gesehen. Sowohl Luftwaffen- als auch Marinesicherer erfüllen ihren Auftrag hervorragend (die entsprechende Ausbildung vorausgesetzt), (Marine-) Infanterie sind sie deshalb aber noch lange nicht. Wie schon angesprochen fehlt die komplette Ausrüstung und Gliederung für Angriff, Verteidigung und Verzögerung im Gefecht der verbundenen Waffen (neudeutsch: Einsatz verbundener Kräfte), insbesondere was Unterstützungs- und Panzerabwehrwaffen angeht.

  6. @Elahan | 02. Februar 2013 – 20:56

    Zitat: „Was ist denn ihr Bild von unseren Soldaten? Waren sie schon einmal mit einer FlaRak Stff auf Übung?“

    Ja, sogar mehrfach. Ich habe einen Teil, d.h. allein 12 Jahre meiner Gesamtdienstzeit, bei den FlaRak als Offizier gedient.

    Ich weiß also aus eigener Erfahrung wovon ich spreche.
    Sie auch?

  7. @Stefan

    So ist es und es waren einige Übungen in der Türkei dabei! Dann ist die Wahrnehmung und die Schlussfolgerung eben eine andere!

  8. McCain und Davotoglu habenauf der MSK ja recht deutlich ein Eingreifen in Syrien propagiert, das über die Entsendung von „Medizin“ ( O-Ton Katarer Premierminister)
    hinausgeht. Explizit mit Bezug auf Patriot enforced No Fly Zone. Mal sehen was die Obama Administration diesbezüglich unternimmt.

    Der Bluff des Iran dürfte nach der Aktion der Israelis ja entwertet worden sein.

    Thougths?

  9. @Stefan: Wenn der Iran die 27sten Gespräche zum Thema Nuklearprogramm anbietet, die anschließend wie eine Reise nach Hornberg zum gleichnamigen Schießen anmuten, dann redet man von einem Bluff. Die Gesprächsbereitschaft Irans steigt immer proportional zur israelischen Krümmung des Fingers am Abzug an. Um anschließend im gleichen Maß wieder zu schwinden.

    McCain hat offenbar nicht aufgepaßt, wie es seinem neuen Boss erging, als der zu seinem Amtsantritt vor 5 Jahren schon mal dem Iran die Hand zur Verständigung hinhielt. Alle, die noch nicht kapiert haben, wie Verhandlungen im arabisch/persischen Raum laufen, können sich da mal schlau machen. Iran ist seit vielen Jahren höchst erfolgreich darin, während der Westen gerne mit der Warnung, der letzten Warnung und der allerletzten Warnung arbeitet. Und dann ist das irgendwann Drohpotential erschöpft und man landet unsanft als Bettvorleger. So wird es auch bei dieser Runde laufen und anschließend sind die iranischen Bunker wieder etwas tiefer, es gibt mehr Zentrifugen und am Ende eine fertige Bombe.

    Damit ist dann das Ziel errreicht: Den Westen und Israel zum Stillhalten zu bringen und zuzuquatschen, bis man fertig ist und der erste unterirdische Test gelaufen ist. Dann ist man fein raus und hat eine Antwort auf die bisherige asymmetrische Balance zugunsten Israels.

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