Bundesregierung will bis zu 400 Soldaten zur Flugabwehr in die Türkei schicken (Zusammenfassung, mehr Einzelheiten)

Patriot-Startgerät der Bundeswehr, hier für PAC-2-Raketen, die zusammen mit den – moderneren – PAC-3-Raketen in der Türkei eingesetzt werden sollen (Foto: Bundeswehr/Michael Mandt via flickr unter CC-BY-ND-Lizenz)

Das Bundeskabinett hat am (heutigen) Mittwoch einen Einsatz von Patriot-Flugabwehrsystemen der Bundeswehr in der Türkei beschlossen, um eine befürchtete Bedrohung des NATO-Partnerlandes  durch Kurzstreckenraketen aus Syrien abzuwehren. Das Mandat, das dem Bundestag in der kommenden Woche zur Billigung vorgelegt wird und bis zum 14. Dezember beschlossen werden soll, sieht dafür eine Obergrenze von bis zu 400 Soldatinnen und Soldaten vor. Darin enthalten sind auch deutsche Besatzungsmitglieder in AWACS-Überwachungsflugzeugen der NATO, die unter Umständen vom NATO-Oberbefehlshaber (SACEUR) zur Aufklärung und Überwachung in der Region eingesetzt werden können. Das Mandat soll für gut ein Jahr bis Ende Januar 2014 gelten, der Einsatz rund 25 Millionen Euro kosten.

Die Bundesregierung folgt mit ihrem Antrag an das Parlament einer Anfrage der Türkei an die Bündnispartner und einem Beschluss der NATO-Außenminister vom (gestrigen) Dienstag. Neben den deutschen Patriot-Einheiten sollen gleiche Flugabwehrsysteme der Niederlande und der USA eigene Flugabwehrsysteme an der türkisch-syrischen Grenze stationiert werden.

Nur die drei Länder verfügen in der Allianz über die modernste Ausbaustufe der Patriot-Systeme mit den so genannten PAC (Patriot Advanced Capability)3-Raketen, die auf den Abschuss ballistischer Raketen optimiert sind. Allerdings sollen nach Informationen von Augen geradeaus! nicht allein Systeme mit PAC3, sondern auch Raketen des älteren Typs PAC2 in der Türkei stationiert werden, die mit geringeren Leistungen begrenzt ebenfalls zur Raketenabwehr eingesetzt werden können. (Die NATO erklärt den Unterschied so: PAC-2 is a proximity fusing missile, whereas PAC-3 has been specifically designed to intercept and destroy missiles by impacting them directly with kinetic energy – “Hit-to-Kill” technology.)

Der vom Kabinett beschlossene Mandatsentwurf nennt neben der Obergrenze von 400 Soldaten keine einzelnen Waffensysteme, sondern wie in solchen Mandaten üblich militärische Fähigkeiten, die in den Einsatz geschickt werden sollen: Bodengebundene Luftverteidigung, Führung und Führungsunterstützung, Aufklärung und Überwachung, Logistische und sonstige Unterstützung, sanitätsdienstliche Versorgung, Sicherung und Schutz. Deshalb wird auch die Einbeziehung der AWACS-Überwachungsflugzeuge im eigentlichen Mandatstext nicht genannt, allerdings in der Begründung:

Im Rahmen seiner bereits bestehenden Befugnisse kann der Aliierte Oberbefehlshaber der NATO auch Fähigkeiten zur luftgestützten Luftraumüberwachung und Koordinierung (Airborne Warning and Control System – AWACS) einsetzen, um so im Rahmen der integrierten Luftverteidigung der NATO den bestmöglichen Schutz der türkischen Bevölkerung und des türkischen Territoriums zu gewährleisten. Deutsche Soldatinnen und Soldaten, die an der luftgestützten Frühwarnung im Rahmen der Luftraumüberwachung sowie bei dem Austausch und Abgleich gewonnener Lagebildinformationen mitwirken, sind für diesen Zeitraum durch das vorliegende Mandat abgedeckt.

Die Mission, Teil des bereits im Jahr 2007 beschlossenen NATO-Operationsplans Active Fence, sei eine ausschließlich defensive Maßnahme, die als Mittel militärischer Abschreckung verhindert, dass sich der Konflikt innerhalb Syriens auf die Türkei ausweitet, betont die Bundesregierung in der Mandatsbegründung. Ähnlich äußerte sich auch Verteidigungsminister Thomas de Maizière nach der Kabinettssitzung:

Die Unterstützung der Türkei hat einen klaren defensiven Charakter und zielt auf militärische Abschreckung. Bereits im türkischen Antrag und in unserer Zustimmung ist enthalten, dass dieser Einsatz in keiner Weise der Einrichtung oder Überwachung einer Flugverbotszone dienen wird und auch nicht der Überwachung des syrischen Territoriums oder anderen offensiven Maßnahmen gewidmet ist.

Die deutschen Soldaten sollen nach den Worten de Maizières Anfang des kommenden Jahres im Einsatzgebiet ihre Aufgabe wahrnehmen. Die Mission beginnt allerdings bereits am 15. Dezember dieses Jahres – die Patriot-Systeme müssen aus Norddeutschland in die Türkei verlegt werden, was allein für den Transport auf dem Seeweg knapp zwei Wochen erfordert.

Die bis zu 400 deutschen Soldaten sind mehr, als für den Betrieb der zwei Patriot-Feuereinheiten erforderlich sind – dafür werden rund 170 Soldatinnen und Soldaten gebraucht. Die übrigen bis zu einer Grenze von 350 (weitere 50 sind als Reserve vorgesehen) dienen zur Unterstützung, von Logistik bis zu Sanitätern, und als deutscher Anteil im AWACS-Kontingent. Allerdings ist nach internen Berechnungen die gefundene Zahl ein politischer Kompromiss und setzt voraus, dass die Türkei ebenfalls Unterstützung für den Einsatz der Verbündeten leistet. Ohne diesen sogenannten Host Nation Support wäre auch mit 400 Soldaten eine eigenständige Operation der deutschen Einheiten nicht möglich.

Der Verteidigungsminister wies übrigens Vermutungen zurück, der vorgesehene Einsatz sei aus Sorge um einen möglichen Chemiewaffeneinsatz syrischer Streitkräfte beschlossen worden – entsprechende (und später wieder dementierte) Berichte über eine Vorbereitung auf den Gebrauch chemischer Waffen hatte es in den vergangenen Tagen aus den USA gegeben:

Es geht nicht um die Hinweise, dass Chemiewaffen eingesetzt werden könnten, sondern es geht darum, das Syrien im Besitz von Chemiewaffen ist. In Libyen war die Sache so, das es dort entsprechende Materialien gab, es umfangreicher weiterer Arbeiten, die über Wochen und Monate gedauert hätten, bedurft hätte, um solche Waffen einzusetzen. In Syrien sind sie bereit und verwendungsfähig. Das heißt, man muss unterscheiden, wie wir das nennen, zwischen Fähigkeiten und Absichten. Wir erkennen keine Absicht der syrischen Seite, diese Waffen einzusetzen, aber die syrische Seite hat die Fähigkeit dazu. Und deswegen dient Abschreckung dazu, dass aus der Fähigkeit keine Absicht wird.

(Der O-Ton des Pressestatements von de Maizière und Außenminister Guido Westerwelle hier; die Abschrift hier.)

33 Gedanken zu „Bundesregierung will bis zu 400 Soldaten zur Flugabwehr in die Türkei schicken (Zusammenfassung, mehr Einzelheiten)

  1. warum müssen den die patriots per schiff transportiert werden? sind die nicht luftverlastbar?

  2. scheint nich so eilig zu sein … mal preise verglichen ? und ne flatrate gibts bei der gmbh mit den antonovs auch nicht …

  3. Was spräche denn gegen einen Landmarsch? Das Gerödel ist doch mobil.

    Bei 75 kmh/8,5 stunden fahrt pro tag = 6 Tage

  4. Seetransport ist operativ besser. Statt die Systeme kleckerweise im LuTrans (auch die AN-124 kann nicht alles auf einen Streich zum APOD transportieren) kommt der gesamte Systemverbund (und den benötige ich um Einsatzbereit werden zu können) geschlossen an. Dadurch ist der Seetransport nicht nur kostengünstiger, sondern auch militärisch sinnvoller.
    Und der Personalumfang wird nicht zur Hälfte aus Köchen und Sanitätern bestehen. Die 170 Mann, die bisher immer in den Medien gehandelt wurden basieren auf der einfachen Tatsache, dass ein Nichtfachmann die Zahl zwei Staffeln mit deren Friedensumfangsstärke genommen hat …. 2×85=170 …. Dabei hat er aber, wie der Minister so richtig sagte, die notwendigen Soldaten für Führung, Führungsunterstützung, Logistik, notwendige Instandsetzung … Ja auch ein paar Sanis … vergessen.
    PATRIOT im Verbund der integrierten NATO-Luftverteidigung ist eben mehr, als zwei Radargeräte und ein paar Startgeräte.

  5. @BW: Zustimmung! Außerdem kann ich mich noch daran erinnern, dass die Friedensstärke nicht groß genug für einen Schichtbetrieb war. Es gab doch sog. Klappstaffeln à la die 1./ mit der 4./ und die haben dann zusammen eine einsatzfähige und vor allem durchhaltefähige Feuereinheit gebildet.

    Wer (Nation) stellt eigentlich das SAMOC (Surface-to-Air-Missile-Operation-Centre)? Irgendjemand eine Ahnung?

  6. Kann hier jemand fachkundiges einmal aufschlüsseln, wieviele Soldaten zum Betrieb (und ich meine jetzt nicht den Aufbau eines Feldlagers) zweier Patriot-Startgeräte nötig sind? Radar, Feuerleitzentrale, Inst. eingeschlossen. Danke

  7. Sind denn auch ABC Abwehr Spezialisten mit dabei? Oder wird diese Fähigkeit von den Türken gestellt?
    Ich nehme an einen Spürpanzer Fuchs wird man nicht verlegen. Würde ein einzelner reichen um ABC Aufklärung zu betreiben, oder bedarf es weiterer Unterstützungskräfte, abgesehen von der Besatzung?

  8. @Widerhaken, bullpup, wacaffe:Köche, Sani´s Landmarsch? Wieviele von den MAN kommen heile an? Was willst du denn mit ABC´isten?
    Schaltet mal nen gang zurück.

    Die Frage die man sich stellen muß ist, warum will die Türkei die Patriot´s?

    Variante 1:

    Sie wollen einfach die Bevölkerung beruhigen ohne das eine für die Patriot´s fassbare Bedrohung besteht. (Wenn in der Schweiz ein Bürgerkrieg tobt würde sich die Deutsche Bevölkerung freuen wenn Niederländische Patriot Batterien in Baden Württemberg aufgestellt werden…). Das kann man als Bündnissfall sehen.

    Variante 2:

    Die Türkei plant eine Bodenoffensive gegen Syrien. (Egal ob allein oder mit USA oder sonst wem). In diesen moment sind die Syrischen Flugzeuge und Raketen (Scud) eine wirklich Gefahr für die Türkei, allerdings liegt dann kein Bündnissfall vor. Ob sich da Deutschland reinreissen lassen will bezweifele ich, wobei Deutschland beteiligt sich ja immer wenn nix zu gewinnen ist (bsp. AStan) und kneift wenn etwas zu Gewinnen gibt (bsp.Lybien).

    mfg

  9. Gesamtstärke des Kontingents ist abhängig vom Auftrag und vom Einsatzraum sowie von möglichen Unterstützungsleistungen der Host Nation! Das bedeutet, dass der Kontingentumfang lageabhängig ausgeplant werden muss … Obergrenze im Schichtbetrieb mit 300-350 Mann ist wohl realistisch! 50 Mann Reserve im Mandat ist schlau und macht Sinn.
    Spürpanzer sind abhängig von der Bedrohungslage. 2 pro Stationierungsort macht Sinn einer als Alarmposten und einer zum Spüren.

  10. Wenn wir hier von zwei Staffeln sprechen, die dort eingesetzt werden sollen, wie sieht das dann aus? Stehen die 500 m voneinander entfernt und kämpfen gemeinsam/abwechselnd? Stehen sie 500 km voneinander entfernt und beschützen völlig unabhängig bestimmte Ziele? Müssen sich dann auch die Unterstützer durch 2 teilen?

    Stehen die Batterien direkt hinter der Grenze, oder in der Nähe von Städten oder etwaigen strategisch bedeutenden Punkten? Überhaupt, werden Punkte oder Räume beschützt?

  11. Bevor nicht der tatsächliche materielle Umfang beschrieben ist, kann man mit Sicherheit auch nicht sagen welche Anzahl von Soldaten für den Betrieb benötigt werden. PATRIOT Einheiten werde durch höhere Gefechtsstände geführt, die da sind ICC und SAMOC. Darüber hinaus besitzt jede FlaRakGrp eine Versorgungseinheit (technische und logistische Unterstützung) um sowohl den Betrieb der Geräte wie auch die Versorgung der Soldaten zu gewährleisten. Um den Betrieb 24/7 sicher zu stellen ist doch zu hinterfragen, welches und somit wie viel Personal tatsächlich benötigt werden.

  12. De Maizière hatte in einem früheren Interiew mal gesagt, dass man immer wissen müsse, wann bzw. unter welchen Voraussetzungen der Einsatz beendet sein wird. Wie soll das aussehen? Hat er dazu schon etwas gesagt?

  13. @ A.B.

    Nicht zu vergessen

    Variante 3:
    Verkaufs-Show. Die Bundeswehr plant Patriot-Systeme abzustoßen, die Türkei plant Anti-Air-Systeme zu kaufen – ist sich aber noch nicht sicher welche. Was überzeugt da mehr als eine unverbindliche, „kostenlose“ Präsentation unter Realbedingung? Und am Ende bleiben die Systeme dann gleich in der Türkei.

  14. @A.B.

    Variante 4:
    Abschreckung, d.h. der Hinweis an Syrien: „Wenn ihr Euch mit der Türkei anlegt, dann bekommt ihr es mit der gesamten NATO und damit einem Overkill-Szenario zu tun“. (Stichwort kollektive Bündnisverteidigung)

    Auf einer glaubwürdigen Abschreckung basiert die NATO. Warum sollte man sie nicht dafür einsetzen, wie man es ja auch den gesamten kalten Krieg lang – erfolgreich – gemacht hat?

  15. @A.B. [quote]Was willst du denn mit ABC´isten?[/quote]

    Ja, gute Frage. Habe gehört, dass es da in einem Nachbarland einen Diktator gibt. Aber der hat ja versprochen keine C-Waffen einzusetzen. Stimmt.

    Nee, jetzt mal im Ernst. Was hast du gegen mindestens einen ABC Spezialisten, der in Verbindung mit den lokalen türkischen Kräften zusammenarbeitet und auch die eigenen Kräfte unterstützt. Warum soll so ein Verbindungsmann nicht sinnvoll sein?
    Die Frage zum Spürfuchs war aus reinem Interesse, was es brauchen würde, wollte man dort einen solchen entsenden Erstmal ohne Frage ob das Sinn macht. Persönliche Schutzausstattung reicht sicher, wenn man von den Türken dann gewarnt wird. Außerdem hat ja jeder Spürpapier.

  16. @bullpup

    was werden die dann eisetzten wenn Türkei mit westen hilfe die syrische armee Überrollt

    die wahrheit das die kurden auch sich mit Syrien verbündet haben weil man die Sunniten die größte gefahr sind auch für die Christen
    du mußt nur die Nachrichten richtig anschauen ,die behauptet ein ilamist in Ägypten das die Demostranden seinen alles Christen gewesen , 8 Das glaub ich nicht ) aber es deutet auf Christenverfolgung hin
    Dank von Christen aber es sind ja Kopten und der Kirchenkrieg seit 2000 Jahre weil wir sind Petrus / Paulus Christen

  17. @J.R.

    Variante 3:
    Für eine Verkaufshow ? Zu teuer für die Türkei, hat den unsere PAC 3 nicht die Link 16 Fähigkeit?!
    Somit also fast unbrauchbar für die Türkischen Steitkräfte.

    mfg

  18. @bullpup: Normalerweise hatte damals(TM) eine FlaRak-Staffel nach STAN immer mindestens einen ABCisten. Aber das kann sich natürlich geändert haben.

  19. Ich glaube die Modernität der türkischen Streitkräfte dürfte da keine Frage sein!
    Es gibt da Bereiche, in denen sie uns niocht nachstehen.

    „Die Fachkräfte sind jetzt an Ort und Stelle … bei einer Radaranlage in der südlichen Tür –
    kei,“ erklärte Lt. Gen.(Generalleutnant) Mark Hertling in einem Interview, das er auf dem
    größten Militärflughafen in der Hauptstadt Montenegros gab.
    Die Radaranlage ist ein Schlüsselelement des
    geplanten Abwehrsystems gegen ballistische Raketen, das im Lauf des nächsten
    Jahrzehnts aus weiteren, in mehreren europäischen Staaten stationierten land- und
    seegestützten Radaranlagen und Abwehrraketen gebildet werden soll.

    http://abcnews.go.com/International/wireStory/ap-interview-us-general-missile-defense-
    track-15794663

  20. Das X-Band-Radar in der Türkei ist Teil des BMD der NATO und soll in großer Höhe anfliegende Kurz – und Mittelstreckenraketen abfangen. Es wurde auf einer Militärbasis in der Nähe der Stadt Kurecik errichtet, die etwa 435 Meilen (700 Kilometer) westlich der iranischen Grenze liegt. Da es einem Radar nicht möglich ist Raketen abzufangen, benötigt es Hilfe von sogennanten Effektoren, umgangssprachlich auch Raketen genannt.

  21. @ bullpup mach dir mal keine Sorgen bezüglich der ABCisten. In der Regel hat man auf SAMOC Ebene ABC-Auswerter mit modernster Auswertesoftware und pro Staffelgefechtstand auch einen ABC/SeFw, der oftmals auch Auswerter ist und ebenfalls über vernetzte Auswertesoftware verfügt.
    Je nach Ausbildungsstand des Personals kann durchaus ein ABC-Alarmposten und Spürtrupp abgebildet werden. Material dafür ist mehr als ausreichend vorhanden.

  22. @ A.B. zu Link16:
    Ich bin da jetzt absolut kein Experte, aber die Türkei scheint gerade dabei zu sein ihre Streitkräfte auf Link16 umzurüsten: Lockheed Martin UK lands $5.9m Link 16 interoperability deal with Turkey (2009). Aber kann man die Patriot-Einheiten nicht auch unabhängig ohne weitergehende Vernetzung betreiben?

    @ Stefan H. zu Abschreckung:
    Welche Abschreckung denn? Die Nato-Reaktion auf einen syrischen Einmarsch in die Türkei steht doch eh außer Frage. Wobei eine Invasion des 20 Mio.-Landes Syrien (300k Soldaten prä Bürgerkrieg, russische Militärtechnik von 1989) in das 75 Mio. Land Türkei (700k Soldaten mit aktuellem Nato-Gerät) auch ohne die Nato im Rücken schlicht ein Nicht-Szenario ist.
    Denkbare Szenarien wären Übergriffe des syrischen Militärs auf Rückzugsgebiete der syrischen Opposition in der Türkei oder Fehler nervöser Militärs an der Grenze. Letzteres gab es ja bereits von beiden Seiten.
    Nur schreckt da eine handvoll Patriots genau nix ab. Das ist keine rote Linie, nichtmal eine klare Ansage. Das ist Geschwurbel um unter dem Deckmantel von Nato und Syrienkrise bilaterale Politik zu machen.

    @ all
    Ich hab den Eindruck, dass einige hier die Akteure im Konflikt um Syrien nicht ganz ernst nehmen. Ich bin mir nicht sicher, ob Deutschland sich diese Arroganz wirklich leisten kann, bzw. ob sie angesichts der derzeitigen deutschen Flucht-vor-Verantwortung überhaupt angemessen ist.

    Die Türkei hat zwar nur ein Drittel des BIP der Bundesrepublik, und sie exportiert derzeit deutlich weniger. Aber das türkische Wirtschaftswachstum liegt fast durchgehend 3%-Punkte über dem Deutschen, das Exportvolumen stieg die letzten Jahre jährlich um etwa 20 Mrd. €. Das ist wirtschaftlich kein „unbedeutender“ Staat mehr. Politisch und kulturell nimmt die Türkei derzeit eine einzigartige Vormachtsstellung im nördlichen Nahen Osten ein. Im Vergleich dazu ist die politische Handhabe Deutschlands in der Region sehr überschaubar. Und während Erdogan eben durchaus ein internationaler Machtpolitiker mit Ambitionen in diese Richtung ist, scheint die Regierung Merkel hauptsächlich damit beschäftigt, zu verhindern dass sich außenpolitische Geschehnisse zu negativ auf das innerdeutsche Ansehen ihrer Regierung auswirken.

    Auf der anderen Seite hat es mit Assad wohl einen der „fähigsten“ Machtpolitiker der Region. Nicht nur hat er jahrelang einen kleinen, aber alles andere als unrentablen Staat, in die Familienkasse wirtschaften lassen. Er hat das sogar mit teilweiser Modernisierung hinbekommen, bei gleichzeitigem Kleinhalten der Opposition und mit politischem Mitmischen in allen Nachbarstaaten. Selbst ein Jahr nach der Revolution „seiner“ Bevölkerung und dem blutigen Krieg gegen selbige sitzt er immer noch im Sattel, die Opposition ist zerstritten und die internationale Staatengemeinschaft gelähmt. Mir würde derzeit kein Politiker einfallen, der beim Manipulieren von Machtgruppen so skrupellos und erfolgreich kalkulierend ist. Seine Scholl-Latour-Syrienreise war ein wohlgezielter PR-Coup ohnesgleichen. Von einer ähnlichen Einflußnahme Deutschlands in Syrien ist man noch weit entfernt.

    Tatsächlich unterhält sich die Augengeradeaus-Community – wohl schon so ein klein wenig eine Mitdenker-Gruppe in Sicherheitsfragen – über die BW-internen Fahrzeugvorschriften. Als ob irgendwer „da unten“ sich für die Nabelschau Deutschlands oder der eh nicht einsetzbaren Bundeswehr interessiert.

    Nachdem der Irak und Ägypten derzeit als Einflussstaaten erstmal aus dem Rennen sind, bleiben derzeit noch Türkei, Syrien und Iran um die Vormachtstellung im nördlichen Nahen Osten untereinander auszumachen. Und davon sind Assad und die Ayatollahs derzeit angeschlagen. Mit zwei Parteien die um ihre politische Zukunft kämpfen, und einer die den großen Preis vor Augen hat, haben die derzeit schlicht anderes zu tun als sich von Politik-Amateuren vor den eingerosteten zentraleuropäischen Karren spannen zu lassen.

    Hier geht es nicht um ein paar milde Sympathiegaben an die Türkei. Sondern darum, dass eine Türkei, welche die Nato vor ihren Karren spannen kann, an Prestige und konkreten Handlungsoptionen gewinnt – und damit an Einfluß in der Region.

    Keine Ahnung ob das schon das „Endspiel“ zwischen den drei Vormachtstaaten Türkei-Syrien-Iran ist, und wielange sich der Iran ohne Syrien in seiner jetztigen Lage halten wird. So oder so wird sich das noch ein paar Jahre ziehen. Aber Deutschland wird da gerade nach allen Regeln der Kunst gespielt, und kriegt es nichtmal mit. Ein Bauer eben.

  23. @A.B.: (nochmal zum THEMA ABC’isten)
    Zu ABC gehört auch noch das Thema Selbstschutz. Weiterhin sind Hygiene und Desinfektion sowie Vektoren- und Seuchenschutz in der potenziellen Einsatzregion relevant. Sollte als Begründung für diese Fähigkeit ausreichen.

  24. @J.R.
    Wer spricht den vom Einmarsch oder einer Operation Syriens in der Türkei, da hatte ja David gegen Goliath weit bessere Erfolgsaussichten.

    Deterrence / Abschreckung findet bereits statt:
    Vor ein paar Tagen ging durch Netz und Medien, dass die USA den innersyrischen Einsatz von C-Waffen als das überschreiten einer roten Linie ansehen würde, die eine Intervention nach sich zieht. Für diesen Falle stehen 75.000 US-Soldaten bereit.

    In der Natur der Sache liegt die potentielle Gegendrohung zum Einsatz der C-Waffen gegen eine äußere Bedrohung und mangels Reichweite nicht gegen die USA sondern den NATO Partner Türkei und dessen Bevölkerungszentren. C-Waffen – gerade wenn sie über Scuds ausgeliefert werden – sind eh mehr Terror- und Drohungswaffen, als wirklich militärisch wirksame Gefechtsmittel.

    Diese Gegendrohung verliert rapide an Wert wenn PAC-3 in der Türkei sind.

    Die Abschreckung dient der Verhinderung des Einsatzes von C-Waffen im aktuellen syrischen Bürgerkrieg. Die Patriots sind da aber nur der kleinste Baustein. Noch nie hat sich jemand nur mit Defensive abschrecken lassen…

  25. @Stefan H aber auch nur wenn die so fliegen wie das die Patriot braucht wenn es kleine Kurzwaffen sind dann ??????

  26. @Alarich
    Alleine das Vorhandensein reduziert die Wahrscheinlichkeit das überhaupt was fliegt – so die Theorie der Abschreckung. Was im kalten Krieg tatsächlich funktioniert hätte, wäre auch auf einem ganz anderen Blatt gestanden – da gab es ja in den Einsätzen dann den ein oder anderen Eye-Opener. Als damals Scuds in Israel eingeschlagen haben, war der Einsatz Patriot – und da gab es keine PAC-3 – ein voller Erfolg. Rein taktisch, militärisch gesehen hat es keinen Unterschied gemacht, ob die ungelenkte, stark streuende Scud und die sie abfangende Patriot sich gegenseitig in der Luft zerlegen und der ganze Plunder großflächig Schaden macht, oder die Scud halt einschlägt und ein Objekt in Reihenhausgröße zerlegt. Für die Bevölkerung, die Medien und in der Konsequenz die operative bzw. strategische Initiative schon.
    Fazit: Zielsetzung ist, das einfach gar nichts passiert und man versucht die Wahrscheinlichkeiten genau auf diesen Ausgang zu optimieren.

  27. +@Stefan H
    das ist der Punkt die Flogen vom Irak bis Israel
    aber Ari Geschosse mit 40 km reichweit und Raketen die velleicht durch Tieffligen oder andere taktig wesendlich später erkannt werden /Reagtionzeit Verkürzen )

    ich denke das da schon Getüfelt wird weil der Krieg den wie auch RIA schreibt uns mit hineinreisen (Türkei) das sind es mal schnell 2 000 Deutsche Soldaten in einem Krieg dem ich Persönlich nicht weis wer hier der Gute und wer der Böse ist

Kommentare sind geschlossen.