Russland gegen Patriot-Stationierung in der Türkei

Abschuss einer Patriot-Rakete der Luftwaffe bei der Übung „Kreta 2012“ (Foto: Luftwaffe/Stefan Büttner)

Es ist zwar nicht unbedingt ein ausschlaggebendes Argument, aber es macht die Sache auch nicht einfacher: Russland hat sich heute gegen eine Stationierung von Patriot-Flugabwehrsystemen der NATO an der türkisch-syrischen Grenze gewandt:

„This would … not foster stability in the region,“ Foreign Ministry spokesman Alexander Lukashevich said of Turkey’s request for deployment to the Western military alliance.

Mal sehen, wie sich das in den deutschen (politischen) Diskussionen vor einer Bundestagsentscheidung über die Entsendung der deutschen Patriot-Staffeln wiederfindet.

Die Türkei hat derweil betont, dass ihr Militär darüber entscheiden werde, wo die Raketensysteme – absehbar aus den USA, Deutschland und den Niederlanden – am Ende aufgestellt werden:

The missiles will be deployed where our military decision makers deem necessary.

sagte der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan während eines Besuches in Pakistan.

Nachtrag, der Vollständigkeit halber: Die offizielle türkische Mitteilung zur Anfrage an die NATO

23 Gedanken zu „Russland gegen Patriot-Stationierung in der Türkei

  1. Bislang wurde die Türkei weder von Deutschland noch von „der NATO“ besetzt. Daher halte ich es für ein legitimes Recht der Türken zu entscheiden, wo ausländische Truppen ihre Zelte aufschlagen.
    Und wenn die Türkei gerne Unterstützung der Bündnispartner durch Patriot für 1, 2 und 3 hätte, dann bringt ihr eine angedachte Unterstützung für 4, 5 und 6 herzlich wenig. Die braucht man dann nicht annehmen.
    Natürlich wird darum gerungen, wer den Startbefehl geben darf und welche Führungsstruktur wie arbeitet. War nie und bei keinem „Einsatz“, egal wo in dieser Welt, anders.

    [Habe den Kommentar mal in den neuen Thread verschoben. T.W.]

  2. Oh Wunder. Die Russen sind immernoch gegen ein Raketenabwehrsystem vor ihrer Nase.
    War ja schon so, als es darum ging Europa wirksam gegen Raketen zu schützen.
    Da wollte man dieses System noch in Tschechien aufstellen, wenn ich mich richtig erinnere. Oder war das Polen?
    Jedenfalls hatte Russland da schon ordentlich was gegen und wollten schon wieder mit Aufrüstung drohen.

    Mal sehen wo es dieses Mal hinführt.

  3. Da ich bin ich doch sehr gespannt, wo die Türken die Feuerstellungen haben wollen !

    Wenn man von einem wirksamen Bekämpfungsradius, besser einem 90 – 120 Sektor von 45 km für ballistische Ziele und 10 -15 km für Luftziele der PAC-3 Raketen ausgeht (laut Wikipedia), dann kann man anhand des Stationierungsortes sehr wohl die Absicht des Betreibers erkennen.

    Also ein per Patriot geschützer Streifen türkischen Territoriums entlang der syrischen Grenze, oder eine rundum Verteidigung in einem größeren Gürtel rund um eine türkische Großstadt. Ersteres wäre de facto eine No-Fly Zone über türkischen Territorium und damit eine sichere Rückzugszone für Flüchtlinge und Aufständische.

  4. „Die Türkei hat derweil betont, dass ihr Militär darüber entscheiden werde, wo die Raketensysteme – absehbar aus den USA, Deutschland und den Niederlanden – am Ende aufgestellt werden:“

    Das kann sie evtl Deutschland vorschreiben, aber die USA setzen ihre Kisten dort hin, wo sie es für richtig halten!

  5. elahan schrieb: „“Die Türkei hat derweil betont, dass ihr Militär darüber entscheiden werde, wo die Raketensysteme – absehbar aus den USA, Deutschland und den Niederlanden – am Ende aufgestellt werden:”

    Das kann sie evtl Deutschland vorschreiben, aber die USA setzen ihre Kisten dort hin, wo sie es für richtig halten!“

    Ganz sicher nicht – allerdings steht es den Entsendestaaten frei auf die Entsendung zu verzichten, wenn es keine Einigung zwischen Host Nation und Waffensystembesitzer gibt. Hier sind die USA sicherlich sehr harte Verhandlungspartner… aber die Souveränität eines Staates können auch die USA nicht aushebeln!

  6. jaja, alle mal luft anhalten. was der erdogan gerne hätte und was er bekommt sind 2 paar schuhe. das er zu hause erstmal den dicken max macht und mit dem schuh aufn tisch kloppt … innenpolitik so alt wie bekannt.

    was da von seinem wunschkatalog am ende übrig bleibt wird sich zeigen, aber fraglos wird ers als genau das verkaufen, was er immer schon ganz genau so gewollt hat (in absprache mit seiner eigenen generalität versteht sich)

  7. @Georg

    „Also ein per Patriot geschützer Streifen türkischen Territoriums entlang der syrischen Grenze, oder eine rundum Verteidigung in einem größeren Gürtel rund um eine türkische Großstadt. Ersteres wäre de facto eine No-Fly Zone über türkischen Territorium und damit eine sichere Rückzugszone für Flüchtlinge und Aufständische.“

    Es geht doch um eine Verhinderung des Einflugs syrischer Raketen und Lfz in den Türkischen Luftraum. Ob man diese „No-Fly-Zone“ (ich verstehe darunter eher eine solche in Syrien) um eine Stadt oder an der Grenze herum errichtet ist dabei nachrangig. Die Flüchtlingslager und Rückzugszonen für Aufständische sind ja auch nicht an der gesamten Grenze verteilt ;)

  8. Herr Erdogan erweckt beinahe den Eindruck, daß nicht der deutsche Bundestag alleine darüber entscheidet, ob die Bundeswehr zur Absicherung seiner aggressiven Dominanzpolitik eingesetzt wird oder nicht. Eine Ablehnung der türkischen Anfrage durch den Bundestag wäre eine geeignete Erinnerung daran, daß Deutschland ein souveräner Staat ist.

  9. wer lesen kann …

    herr erdogan lässt der QUatschbude alle zustehenden rechte. übers ob wird immer noch hier entschieden … nur beim wo würde er gerne mitreden, im souveränen staat türkei…..

  10. @ Hans

    Zitat:“Es geht doch um eine Verhinderung des Einflugs syrischer Raketen und Lfz in den Türkischen Luftraum.“

    Ganz so einfach ist es meiner Meinung nach nicht. Wenn die Patriots eine Bekämpfungsreichweite von 10-15 km gegen Lfz und 45 km gegen ballistische Raketen haben, hängt vom Aufstellungsort das geschützte Gebiet ab. Also entweder ich will eine Großstadt vor einem Angriff mit ballistischen Raketen schützen oder ich will einen grenznahen Streifen vor Luftangriffen schützen. Beides geht nicht gleichzeitig. Die Syrer könnten, wenn sie eine türkische Stadt angreifen wollten, die Patriot-Stellungen entlang der Grenze locker über das Meer umfliegen. Sie haben aber meiner Meinung nach kein Interesse eine türkische Großstadt anzugreifen, sondern bedrohen die Flüchtlingslager und die Rückzugsgebiete der Aufständischen auf türkischen Boden entlang der Grenze. Also werden die Patriot wahrscheinlich entlang der Grenze aufgestellt werden um dort die Flüchtlingslager und die Aufständischen zu schützen.
    Dadurch unterstützt die Nato indirekt die Aufständischen und wird Partei in dem innersyrischen Bürgerkrieg, genauso wie Russland die andere Seite, nämlich das Assad-Regime unterstützt.
    De facto bietet dies ein verritables Potential für einen Stelllvertreterkrieg zwischen der Nato und den reichen sunntischen Golfstaaten auf der einen Seite und Russland auf der anderen Seite. Ist dies das Ziel der deutschen Aussenpolitik ?

  11. @Orontes | 22. November 2012 – 15:06
    Die Türkei hat Unterstützung bei der NATO angefordert und keine Hilfstruppen für die türkischen Streitkräfte. Ich glaube nicht, dass sich die NATO der Türkei unterstellen wird. Die NATO wird von den USA geführt und nicht von den abenteuerlichen Politikern der Türkei. Die Türkei hat mehrfach Syrien gedroht und ist ein Hauptunterstützer der „Rebellen“ in Syrien, die den syrischen Staat beseitigen wollen. Mir ist keine einzige Drohung Syriens gegen die Türkei bekannt, obwohl das syrische Regime allen Grund dazu hätte. Es gibt auch keine neue Bedrohung der Türkei durch neuartige syrische Waffensysteme. Die Stationierung weiterer Patriotsysteme macht eigentlch nur Sinn, wenn eine Flugverbotszone über Syrien oder eine Bodenoffensive gegen Syrien geplant ist. Sprich ein Krieg an der Südflanke Russlands. Wen verwundert es da, wenn Russland gegen die Patriot-Stationierung in der Türkei ist.

  12. @ georg. die Verteidigung gegen luftangriffe könnten die Türken notfalls doch selbst übernehmen. über Patriot -Batt. mit entsprechenden Fähigkeiten verfügen sie doch. ne halbwegs taugliche Luftwaffe ist auch vorhanden

  13. @ Markus

    Angeblich hat die Türkei trotz anderslautender Beschreibungen im Internet keine Patriot-Systeme.

  14. @Georg

    Luftabwehrraketen mit denen man syrische Flieger runterholen kann haben sie allemal.
    Die Raketen werden also an der Grenze aufgestellt, um die Flüchtlingslager zu schützen.
    Also Objektschutz, ein mal die Grenze entlang.

    „Dadurch unterstützt die Nato indirekt die Aufständischen und wird Partei in dem innersyrischen Bürgerkrieg, genauso wie Russland die andere Seite, nämlich das Assad-Regime unterstützt.“
    Das macht die NATO ohnehin. Wir (zumindest teilweise) erkennen sie an, liefern Hilfe, bald FRA vllt auch Waffen. Haben uns von Assad losgesagt.

    ABER: Der Stärkere, hier noch die NATO, schreibt die Geschichte und entscheidet über Recht und Unrecht. Die aktive Unterstützung der Türkei für die Rebellen / Terroristen kann man auch als feindlichen Akt gegenüber dem „Bruderland“ Syrien auslegen. Denn das ist nicht allzu lange her.
    Andererseits stellt jeder Angriff auf türkisches Territorium einen Angriff auf NATO-Gebiet dar. Und da ist Abschreckung nur legitim, solange es dabei bleibt.

    „Ist dies das Ziel der deutschen Aussenpolitik ?“
    Mmh was ist ein Ziel deutscher Außenpolitik? Bisher war es doch meistens so dass man ne Zeit macht was andere fordern solange bis es alternativlos ist. Das ist schlecht für die weitere Entwicklung, sollte aber langsam jedem Politiker aus Regierung und Opposition bekannt sein. Alle handeln seit Jahren danach.

    Wobei: Man könnte es böse auch als Ziel einer Außenpolitik formulieren, immer ein verlässlicher Partner ohne eigene störenden Interessen zu sein…

  15. so habe der sache mal hinterherrecherchiert. hinweise auf Patriots in türkischer hand finden sich nur bei der deutschen Wiki und dort seit neustem auch mit hinweis auf eine Meldung vom 20.11 …

    andere quellen melden alte bis mittelalte SAMs. entsprechendes gerät wurde bereits an die grenze verlegt. auf dem foto sah es aus wie ein rapiersystem auf ketten.

    http://www.globalsecurity.org/military/world/europe/tu-af-equipment.htm
    http://en.wikipedia.org/wiki/List_of_modern_weapons_of_the_Turkish_Air_Force

    @ stefan… was für taten sollen denn da folgen ?

  16. @Stefan
    „Die Türkei hat Unterstützung bei der NATO angefordert und keine Hilfstruppen für die türkischen Streitkräfte. Ich glaube nicht, dass sich die NATO der Türkei unterstellen wird.“

    Das sehen die Türken wohl anders:

    Parteisprecher Hüseyin Celik nach AKP-Angaben:
    „Wenn Sie mich nun fragen, wer den Finger am Drücker hat: Der Drücker wird bei uns liegen. Er wird bei unserem Generalstab liegen. Der Drücker wird bei unserer Armee liegen.“
    zitiert nach Welt Online

  17. j das ist was man gerne hätte. was man bekommt ist ja noch nicht so sicher …

    ob es aus verhandlungstheoretisch so klug ist, gleich so auf den putz zu hauen. … könnte auch nach hinten losgehen. solcherlei rethorik ist aber vlt primär an das eigene publikum gerichtet und auf dem internationalen parkett wird erstmal ein eimer kreide vernascht bevor man sich an den verhandlungstisch setzt

  18. Mal ehrlich. Kein amerikanischer Soldat. Bzw. kein hochrangiger dafür verantwortlicher US-Stabsoffizier wird sich von einem Türken befehle gefallen lassen. Das ist einfach so. Die amis geben den ton an in der NATO.Das ist so und wird immer so sein. Basta. Und kein türkischer General oder ähnliches wird je einen roten knopf in die hand bekommen bei dieser sache.

  19. Und selbst wenn ein türkischer General den Befehl zum Abschuss gibt, wird er diesen an einen deutschen Offizier geben. Dieser wiederrum wird seinem Waffensystembediener, ebenfalls ein deutscher Soldat, diesen Befehl geben.

    Ergo sind definitiv deutsche Soldaten an der Entscheidung beteiligt und da jeder deutsche Soldat nicht nur das Recht sondern die Pflicht hat einen rechtswiedrigen Befehl zu verweigern, sitzen deutsche am drücker, da kann der Herr Erdogan noch so große ankündigungen machen um sich innenpolitisch zu profilieren.

    MfG

  20. Es sind einge Fragen da :
    Warum sollen die Türken über Deutsche einheiten bestimmen

    Die PAC ist dafür nicht gegeignet sollen die Türkei sichern wenn die Syrien angreifen das der Russe nicht Syrien hilft

  21. @Ralf G.

    „Ganz sicher nicht – allerdings steht es den Entsendestaaten frei auf die Entsendung zu verzichten, wenn es keine Einigung zwischen Host Nation und Waffensystembesitzer gibt. Hier sind die USA sicherlich sehr harte Verhandlungspartner… aber die Souveränität eines Staates können auch die USA nicht aushebeln“

    Nichts anderes habe ich geschrieben, die USA werden sich nicht vorschreibenlassen wo sie ihre Plattformen aufstellen lassen. die Türkei kann Vorschläge machen und die USA suchen sich einen aus oder stellen nichts zur Vefügung.

    „Der Drücker wird bei unserer Armee liegen“, sagte Parteisprecher Hüseyin Celik am Donnerstag nach AKP-Angaben vor Journalisten in Ankara.“

    Auch das wird, was die USA betrifft mit Sicherheit nicht passieren!

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