RC N Watch: Blackhawk-Hubschrauber für die Schweden

Trotz des teilweisen Abzuges von US-Truppen aus Afghanistan werden, so scheint es derzeit sicher, wichtige Unterstützungskräfte der Amerikaner vorerst im Norden Afghanistans bleiben. Vor allem die 15 MedEvac-Rettungshubschrauber, ohne die die Operationen der Verbündeten, nicht zuletzt Deutschlands, im Bereich des Regionalkommandos Nord massiv eingeschränkt werden müssten.

Aber noch weiß niemand, ob die USA diese Helikopter – neben MedEvac auch Transport- und Kampfhubschrauber – nicht doch im kommenden Jahr abziehen. Da trifft es sich doch gut, wenn andere große Verbündete die Lücke schließen. In diesem Fall die Schweden: Die haben 15 Blackhawk-Hubschrauber bestellt, die bis Herbst kommenden Jahres geliefert werden sollen. Und es ist ausdrücklich von einem Einsatz in Afghanistan die Rede, ausdrücklich auch von MedEvac, im Jahr 2013. (Hier die Originalmitteilung vom Hersteller Sikorsky – da wird präzisiert, dass im Frühjahr 2013 drei Blackhawk in Afghanistan im Einsatz sein sollen.)

Das ist ungefähr zeitgleich mit der geplanten Stationierung von zwei deutschen NH90 als Rettungshubschrauber am Hindukusch.

UH-60 Black Hawk Hubschrauber in Shindand (Foto: ISAFmedia via flickr unter CC-Lizenz)

70 Kommentare zu „RC N Watch: Blackhawk-Hubschrauber für die Schweden“

  • Gregor   |   19. November 2011 - 11:10

    Schweden, Einwohnerzahl: 9.415.570 ;-)

    Deutschland, schämst du dich denn nicht?

  • Schorsch   |   19. November 2011 - 11:30

    Funktioniert seid Jahren, bestellt und gut. Auch wenns vom übern Teich stammt.
    Marktwirtschaft quasi mal andersrum…

  • Mathias   |   19. November 2011 - 11:54

    Sehr gute Kommentare, damit ist alles gesagt!

  • Michael   |   19. November 2011 - 12:21

    @TW
    „…andere große Verbündete die Lücke schließen“.

    Die Schweden sind mit 500 Soldaten da unten im Einsatz. Das ist 1/10 der deutschen Stärke.

  • T.Wiegold   |   19. November 2011 - 12:23

    @Michael

    Muss ich doch glatt die Ironie-Tags vergessen haben.

  • Bang50   |   19. November 2011 - 12:25

    tzzzz…wer braucht den funktionstüchtige Hubschrauber? Die BW sicher nicht! Zumindest macht sie diesen Eindruck, nachdem man im Zuge der Reform munter CH53 Geschwader durch die TSK, Stützpunkte und Personal tauscht.

  • Michael   |   19. November 2011 - 12:35

    Wir sind eben in dieser Sache ein Entwicklungsland ;-)

    http://www.youtube.com/watch?feature=player_profilepage&v=uOZAcL9XCQY#t=611s

  • Voodoo   |   19. November 2011 - 12:42

    Bitter, bitter… die halbe NATO fliegt Blackhawk, aber wir stampfen mit dem Fuß und wollen auf Biegen und Brechen etwas anderes haben, was noch nicht einmal gänzlich ausgereift ist. Das nennt man wohl peinlich und ich bin tatsächlich am fremdschämen… für die Politik, das BMVg und seine Beschaffer…

  • Michael   |   19. November 2011 - 13:10

    Die Franzosen sind mit ihrem Tiger Kampfhubschrauber (falls SPD oder Grüne mitlesen, ich meine natürlich einen Unterstützungshubschrauber) recht zufrieden:

    – Selbstmordattentäter im Auto ausgeknipst
    – 4 Tiger im Einsatz
    – Die Tiger Kanone muss ziemlich gut sein (Very, very powerful and very precise,“ he said. „It’s incredible. Be sure about that. We are very, very, very happy.“)

    quelle:
    http://www.businessspectator.com.au/bs.nsf/Article/France-showcases-Tiger-Afghan-mission-NMBX3?OpenDocument&src=hp8

  • Schraubendrehn   |   19. November 2011 - 13:23

    Man kann noch hinzufuegen:
    1. Aus Holzdorf und Bueckeburg sollen die NH90 schnell raus, so dass die dort gegebenen und gut funktionierenden Kapazitaeten nicht genutzt werden koennen – m.E. NICHT vom Einsatz her gedacht. Pooling ist hier falsch, da es um Systemverbuende (S4, Arbeitsplaner, Schrauber, Loeter usw.) geht, die nun waehrend der Einsatzvorbereitung gesprengt werden.
    2. Zum „Ausgleich“ soll mit viel Geld die Industrie in Fassberg beauftragt werden, damit die Flugstunden doch produziert werden koennen. Aus meiner Sicht ein diskussionswuerdiger Umgang mit Steuergeldern. Das Geld fehlt bald woanders.
    3. Der Ausgleich der „kohaerenten Politikfelder“ Ruestungs- und Sicherheitspolitik kann auch als Risk Mitigation fuer die Beschaffer gesehen werden.

  • Michael   |   19. November 2011 - 13:27

    Das finde ich bei den Franzosen beeindruckend: 15 Helikopter in Afghanistan im Einsatz, 4 verschiedene Typen, 130 Soldaten.

    The battalion – called Task Force Mousquetaire 5 (Musketeer 5) – numbers 130 army and air force personnel who operate 15 helicopters of four different types – three Caracal and three Cougar transport helicopters, five Gazelles and four Tigers.

  • Michael   |   19. November 2011 - 13:33

    Bemerkenswert ist doch, dass Schweden auch Kunde von Eurocopter ist. Wie viele NH90 werden nach Schweden geliefert? 20? 25? Und jetzt noch ein gutes Dutzend Blackhawk.

    Da wird nicht gelabert, das sind Macher.

  • chickenhawk   |   19. November 2011 - 13:34

    Dafür wird im deutschen Feldlager der Müll ordentlich getrennt.

  • Bang50   |   19. November 2011 - 13:35

    Wobei die Schweden genauso große Probleme mit ihren NH90 haben..auch dort ist man alles andere als glücklich mit der Situation..man ist halt nur pragmatischer.

  • Michael   |   19. November 2011 - 13:40

    @Bang50

    Das sind keine Probleme, das sind Herausforderungen ;-)

  • Sascha Stoltenow   |   19. November 2011 - 13:41

    Nein, nein, das glaube ich nicht. Hubschrauber 2011 bestellt, 2012 geliefert. Du hast Dich im Datum vertan. Die haben bestimmt 2001 bestellt.

  • Memoria   |   19. November 2011 - 14:00

    Was so alles geht – wenn man wirklich will. Gestalten, statt verwalten.
    Wieder mal zeigen uns die Skandinavier wie es gehen kann.
    Man.schämt.sich.wiedermal.

  • MD.   |   19. November 2011 - 14:10

    Wir bedauern, dass Schweden Kriegshubschrauber nach Afg schicken will. Das ist dass falsche Signal, gerade jetzt, wo es um den zivilen Wideraufbau und die Integration der dortigen Sicherheitskräfte geht. Der NH90, Friedenshubschrauber und europäisches Modellprojekt, ist für alle Aufgaben bestens gerüstet und dank der zivilien und gewaltverachtenden deutschen militärischen Soldaten, werden die 2 Modelle zukünftiges Rückgrat unserer Kräfte.

    [ Foto gibt es auch schon; (sehr groß!) http://sikorsky.com/StaticFiles/Sikorsky/Assets/images/News/UH-60M_Sweden.jpg ]

  • Ziege   |   19. November 2011 - 14:15

    Nur 2 NH90 in der Sanitätsausführung nach Afg, ich habe immer von 4 Stück gehört, von 2 als Reserve dienen.

  • Memoria   |   19. November 2011 - 14:20

    @ Michael:
    Und das Entwicklungsland macht auch noch Rückschritte (in Richtung Abgrund):

    http://ch53blog.blogspot.com/2011/11/csar-sofair-und-pr.html

    Deutsche mit Afrika-Erfahrung verlassen sich – wenn es Ernst werden sollte – nicht von ungefähr auf Frankreich oder Belgien (abhängig von der Region).

  • T.Wiegold   |   19. November 2011 - 14:23

    @Ziege

    Sorry, ja, Letzteres. Mein Fehler. Muss heißen: 2 einsatzbereite. (Aber fix ist das noch nicht, wenn ich es richtig verstehe.)

  • Michael   |   19. November 2011 - 14:27

    Das ist „German Burden Sharing“. Wir Deutschen sind eben ganz schön gewieft!

  • Michael   |   19. November 2011 - 14:37

    @Memoria

    Mussten Sie diesen Link unbedingt posten? Versaut einem doch das ganze Wochenende :-(

    Da wird einem nur noch schlecht…

  • Memoria   |   19. November 2011 - 14:42

    @Michael:
    Tschuldigung für den Realitätsschock.
    Aber wie sagt Herr Kauder (CDU) immer?
    „Politik beginnt mit der Betrachtung der Wirklichkeit.“

    Nun denn…

  • Dante   |   19. November 2011 - 16:23

    Vielleicht mal bei Focke Wulff nachfragen ob unter umständen noch nen paar Fa 223 übrich sind. Hatten unsere nicht eigendlich den Hunschrauber erfunden?

  • Michael   |   19. November 2011 - 16:29

    @Dante
    Vorsicht bei dieser Art von Diskussion. Bedenken Sie: „Autobahn geht gar nicht!“

    … imho hat der Hubi ein Russe erfunden.

  • Dante   |   19. November 2011 - 16:41

    @michael
    sie haben Recht, die Autobahn südlich von Cottbus „geht tatsächlich garnich“
    Ich habe nachgelesen. Da hatten tatsächlich einige ihre finger drin.
    Dennoch, wann ist den nach dem heutigen stand zu erwarten das eine größere menge an NH90 tatsächlich einstatzbereit sind? Ich habe die dinger schon aus der ILA 1996 gesehen und die wurden mir da als einsatzbereit präsentiert.

  • Memoria   |   19. November 2011 - 18:27

    Lesetipp zur Vorausbildung für die NH90 FwdMedEvac (ohne NH90):
    http://www.wehrmed.de/article/1959-FORWARD_AIR_MEDEVAC_-_RETTUNG_AUS_DER_LUFT.html

    Obwohl – mal wieder – CSAR und FwdMedEvac vermischt werden, ein interessanter und aktueller Artikel.
    Man hat den Eindruck, da ist noch viel zu tun ist bis nächstes Jahr – gerade auch bei der Ausbildung (die in all den Ausrüstungsdebatten aus meiner Sicht viel zu oft zu kurz kommt).

  • Magnus   |   19. November 2011 - 18:30

    Der gepostete Link von Michael bei YouTube ist wieder so eine Klatsche. Man muss um Huschrauber bitten, weil man nichts Taugliches hat. Mir fehlt da einfach das Verständnis, warum nicht eine TaskForce gebildet wird, um Hubschrauber zu beschaffen, die gebraucht werden, wie in Schweden.

    http://youtu.be/Mri0twbI9mI <- man sieht, man kalkuliert nur noch mit den US Hubschraubern… man darf auf den Tag gespannt sein, wenn die Huschrauber abgezogen werden…

  • Dante   |   19. November 2011 - 18:40

    Giebt es den wenigstens reaktionen von unserem Verteidigungsmenister?

  • Tongue   |   19. November 2011 - 19:47

    Haben die Schweden jetzt bei Sikorsky bestellt weil zusätzlicher Bedarf besteht oder weil sie mit dem NH 90 nicht klarkommen und ein Ersatzmuster benötigen? Ich vermute mal letzteres…
    btw: Die Niederländer wären auch schon gern weiter mit ihren MH 90.
    Man will das Muster ja nicht schlecht reden, aber viel Positives hört man nicht von dem Teil, Lobeshymnen schon gar nicht. IMHO müßte nicht in erster Linie die Bw reformiert werden, sondern das Beschaffungswesen.Schliesslich ist der NH/MH90 ja nicht das einzige Sorgenkind.

  • sd   |   20. November 2011 - 0:56

    Schweden bestellt jetzt, bekommt die in einem Jahr, und schickt die schon ein Jahr spaeter in den Einsatz. Ich dachte immer es dauert so ca ein bis ein halbes Jahrzehnt um einen neuen Hubschrauber einzufuehren, Personal und Piloten auszubilden, die Zulassungen zu bekommen etc. Weshalb geht das in Schweden so unglaublich schnell?

  • StefanS   |   20. November 2011 - 0:57

    Soweit ich weiß hatte die Blackhawk Serie ursprünglich auch größere Kinderkrankheiten. Es hat ein paar Jahre gedauert bis sie so zuverlässig wurden.

    Wenn es um Arbeitsplätze geht, sollte man halt versuchen Material in Lizenz zu bauen. Das machen andere Ländern – inklusive USA – ständig. Auch die CH-53 der BW wurden hier gebaut (von Fokker)

  • Oskar Lichner   |   20. November 2011 - 1:05

    Grundsätzlich ist es eine Schande, dass wir als „Lead“-Nation im RC NORTH nicht mehr die MEDEVAC-Komponente stellen können. Angeblich liegt es an der Nichtverfügbarkeit der CH-53.

    Hier sind aber noch drei Fakten ausschlaggebend, die in der Öffentlichkeit noch nicht diskutiert wurden:

    1. Unsere CH-53 können und dürfen nicht bei Nacht fliegen, weil deutsche NVG zu schlecht sind…. macht also kein Sinn, wenn die MEDEVAC-Komponente mal nachts nicht raus kann.

    2. Werden die wenigen Flugstunden der CHs für VIP, VVIP und VVVIP Flüge genutzt. Teilweise wei Abgeordnetet XY neben MES auch noch KDZ sehen will, dass aber alles an einem Tag machen will. No Comment!

    3. Die Heeresfliegertruppe der Bundeswehr hat 2009 ganz klar bewiesen, dass sie keinen Arsch in der Hose haben und sich weigerten in sog. Hot HLZ also unter Beschuss des Gegners stehende Hubschrauberlangezone zu fliegen. Denn: Es könnte ja was passieren. Den Amerikaner ist das egal. Die Jungs holen jeden Verwundeten unter höchsten Risiken raus!! Die Schweden werden dies wohl genauso gut können.

    Mit meinen Punkten gebe ich meinen Vorrednern also recht:
    Deutschland, schämst du dich denn nicht?

    Glücklicherweise nehmen die Schweden den Druck von uns, falls die Amerikaner ihre Hubschrauber abziehen würden.
    Frage ist jedoch, ob der Amerikaner, der ja schon seit 2010 mehr Soldaten im RC NORTH hat als wir, nicht endlich mal die Führung des RC NORTH (zu Recht) übernimmt!?

  • MFG   |   20. November 2011 - 1:22

    @sd
    Die Einführungszeit hängt natürlich von verschiedenen Faktoren ab:
    Reden wir von IOC oder FOC?
    Bilden wir das fliegende und technische Personal mit rein militärischen Lizenzen selbst aus, oder reichen zivile Lizenzen + Schulung auf spezielle militärische Anforderungen + evtl. später Umstellung auf rein militärische Ausbildung?
    Denken die vor allem operativ geprägten militärischen Forderungssteller rechtzeitig daran, die logistisch-technischen Aspekte zu berücksichtigen?

    Und am wichtigsten: Ist jemand bereit ein Risiko einzugehen und Kinderkrankheiten im Einsatz auszubügeln, oder muss alles von Anfang an perfekt funktionieren?

    Außerdem besteht ein gewisser Unterschied zwischen der Einführung einer Neuentwicklung und dem Kauf von der Stange, ohne die BW-Beschaffung hier schönreden zu wollen.

  • huey   |   20. November 2011 - 6:21

    [quote]1. Unsere CH-53 können und dürfen nicht bei Nacht fliegen, weil deutsche NVG zu schlecht sind…. macht also kein Sinn, wenn die MEDEVAC-Komponente mal nachts nicht raus kann.[/quote]

    Das ist so schlichtweg falsch.
    Fakt ist, dass die Umweltbedingungen in Afghanistan eine deutlich höhere Sichtweite erfordern, als dies in Deutschland üblich wäre.
    Kann man in Deutschland durchaus noch bei 0.5 mililux (dem Minimum) fliegen, würde man in Afghanistan keinen Meter weit fliegen-weil es schlicht zu dunkel ist.
    In einem Land, in dem es weder künstliche Lichtquellen (Städte, Autobahn, Siedlungen) noch reichlich Pflanzenwelt (Chlorophyl hellt unter BiV die Umgebung auf) gibt, hilft einem auch ein „Restlichtverstärker“ nicht weiter-denn was soll er in einer stockdunkelen Nacht verstärken?

    Problematisch und (typisch deutsch) schon seit Jahren in der Diskussion sind die „Friedensflugbetriebsbestimmungen“ der Bundeswehr.
    Dies bedeutet, das alle Hubschrauber auch im Einsatz genauso fliegen müssen, wie in Deutschland-und alle Einschränkungen gelten dort genau so.
    Diese Bedingungen ändern sich nur mit Ausrufung des „Kriegszustandes“, was aber dann auch eine drastische Änderung bei Instandhaltung und Reparatur beinhaltet.

    Zwar gibt es mittlerweile eine sogenannte „Combat Operation Procedure“ für Afghanistan, aber diese wurde „auf dem Weg nach oben“ soweit weichgespült, dass man sie sich hätte schenken können.

    Die Heeresflieger WOLLEN solche Einsätze fliegen-auch sie wollen keinen Kameraden zurücklassen.
    Aber auch die Heeresflieger wissen genau, dass sie bei solchen Einsätzen immer auch schon ein Bein im (zivilen) „Knast“ haben-eben weil sie sich auch nach „zivilen Bestimmungen“ zu richten haben…

    Das ganze ist ein schwieriges Thema und wurde mMn hier schon einmal diskutiert….

  • Gunnar   |   20. November 2011 - 7:46

    Die Heeresflieger haben in Afghanistan nachts geschlossen, weil es die “Friedensflugbetriebsbestimmungen” der Bundeswehr nicht erlauben?

    Sind unsere Politiker eigentlich noch ganz dicht? Wer lässt das zu, während unsere Alliierten nachts durch die Gegend fliegen?

  • Magnus   |   20. November 2011 - 9:37

    @huey (beziehe mich auf den letzten Abschnitt mit „WOLLEN“ und mit einem Bein im Knast:
    Die Analogie endet dann jedoch darin, dass man gar nichts mehr macht, außer „Dienst nach Vorschrift“. Jüngstes Beispiel in China: Dort wurde ein Kleinkind mehrfach überfahren und mehrere Dutzend Menschen daran vorbei gegangen, weil sie Angst hatten, posthum angeklagt zu werden, weil sie etwas Falsches gemacht hätten. Gleiches gilt für den Rettungsdienst in Deutschland, der IMMER mit einem Fuß im Gefängnis steht. Da werden Sachen gemacht, die rechtlich oft eher dunkelgrau sind, darum geht aber nicht, sondern darum den Patienten bestmöglich zu versorgen und hier kann man die Analogie auch zu den genannten Einsätzen ziehen.

    Letzten Endes ist es immer wieder verstörend, dass man problemlos zu den Amerikanern geht und um etwas „bittet“, weil man es in der Form, die man braucht, nicht hat. Vor einer großen und bunten Fassade scheint die Bundeswehr wirklich eine Armee eines Entwicklungslandes zu sein oder zumindest sehr der NVA zu ähneln.

  • schleppi   |   20. November 2011 - 14:56

    @ Oskar Lichner
    Tja, es ist schon bemerkenswert mit welchen Informationen hier manche aufwarten. Meinen Sie das eigentlich wirklich, oder verfolgen Sie durch diese Verunglimpfung unserer CH 53 Besatzungen ein bestimmtes Interesse? Wenn Sie einfach nur schlecht informiert sind, bin ich gerne bereit, Sie persönlich über die Zusammenhänge aufzuklären.
    R.Schlepphorst,
    Bundesvorsitzender der Interessengemeinschaft des fliegenden und luftfahrzeug- technischen Personals der Transport- und Hubschrauberverbände der Bundeswehr
    http://www.igth.de

  • Memoria   |   20. November 2011 - 15:26

    @schleppi:
    Wollen Sie das offensichtliche Mißverständnis nicht hier aufklären?
    Wäre nämlich sicherlich für einige Leute hier interessant wie die IGTH zu den Friedensflugbestimmungen, deren Auslegung im Einsatz und möglichen Handlungsalternativen (wirkliche Einsatzflugbestimmungen – nicht die ) , neuartiger Nachtflugsysteme) steht.
    Siehe auch: http://augengeradeaus.net/2011/06/medevac-unter-beschuss-so-sieht-das-aus/

    Oder ist der status quo aus Sicht der IGTH der Ideale Kompromiss zwischen Eigenschutz und Auftragserfüllung?

  • schleppi   |   20. November 2011 - 22:52

    @ memoria
    danke für den Ball, wenn ich auch den Pass erst spät gesehen habe.
    Für die IGTH stellt sich die Situation recht einfach dar:
    Unsere Besatzungen aller Luftfahrzeugmuster leben seit vielen Jahren mit der mangelnden Bereitschaft notwendige Mittel für den Betrieb zur Verfügung zu stellen.
    Daher sind den Möglichkeiten des Flugbetriebes nicht nur, aber insbesondere bei Nacht – hier kommt es entscheidend auf die Qualität der Bildverstärkung an- Grenzen gesetzt.
    Wer die amerikanischen Systeme kennt, weiß , dass ich hier von VGA im Vergleich zu HD spreche. Bezüglich der Friedensflugbestimmungen habe ich bereits den Hinweis gegeben, dass diese Bestimmungen zum einen im Fall der Rettung von Personen nicht ausschlaggebend sind, zum anderen es eine spezielle Einsatzregelung gibt. Diese ist sicher noch nicht umfassend. Dazu kommt das latente Problem den Entscheidern immer wieder neu erklären zu müssen, was geht und was nicht geht.
    Da hier gern der Hinweis auf die amerikanischen Freunde gegeben wird, sei hier nochmals erwähnt, dass die Mindestwetterbedingungen unter denen unsere Besatzungen im Einsatz bei Tag fliegen, unter denen der US-Besatzungen liegen.
    Ich selbst einige Jahre im Rettungsdienst geflogen und möchte aus meiner Erfahrung sagen, dass es eine ausgesprochen fordernde Abwägung ist, in Grenzsituationen zu entscheiden, ob das Risiko eine Maschine mit Besatzung zu verlieren, um andere zu retten, tragbar ist. Das ist immer eine Einzelfallentscheidung, die alle Besatzungsangehörigen, nicht nur bei ISAF, sondern auch im Kosovo, auf Schiffen oder im Inland sehr verantwortlich treffen.
    Häufig wird hier auch die Vorstellung gepflegt, es sei Aufgabe der Medevac Hubschrauber Soldaten „herauszuhauen“. Dazu sind die im Einsatz befindlichen Maschinen nicht geeignet. Auch nicht die UH 60 der Amerikaner. Sie haben die Apache nicht umsonst im Portfolio. Ich weiß aber, dass von interessierter Seite dieses Bild kultiviert wird, um ein gewisses Beschaffungsinteresse zu fördern.
    Und glauben Sie mir, ich verzweifel derzeit an vielen Entscheidungen bezüglich der Transportluftfahrzeug- und Hubschrauberkräfte der Bundeswehr. Der Plan muss genial sein, denn ich verstehe ihn nicht.

  • Ziege   |   20. November 2011 - 23:14

    Ich verstehe den Plan aber!!
    Weniger Fluggerät heißt wenigerGeld ausgeben müssen und das heißt, man kann dazu beitragen an der BW bis 2015 8mrd € zu sparen. Dann sind alle (bis auf die Soldaten) glücklich!!
    Auch wenn das jetzt sehr Unqualifiziert klingt, aber das ist das Kernproblem. die Generalität muss den Mund aufmachen und fordern, solange das nicht geschiet weil man Angst um den Posten hat ändert sich nichts.
    Wir.Dienen.Deutschland. bedeutet nähmlich nicht nur alles abzunicken sondern auch mal den Mund aufzumachen, auch wenn man dabei mal was riskiert, das ist bis jetzt nicht geschehen, 20 Medivac Heilis für bis zu 10.000 Einsatkräfte für Operatioen welche mind. so intensiev wie ISAF sind zeugen davon!

  • Horst   |   20. November 2011 - 23:14

    Ein Problem bei uns ist meiner Meinung nach das Absicherungsdenken. Wenn die Vorgesetzten, höhere bzw. hohe Führung etwas ablehnen lernen die „kleinen“ Soldaten daraus. Wer handelt schon gerne gegen Dienstvorschriften, Befehle, Weisungen, Erlasse, Gesetze, … wenn Cheffe nicht hinter einem steht. Vor allem wenn man dann möglicherweise noch Kameraden oder gar Untergebene mit rein zieht.

    Beispiel: Donnerstag mittag kommt eine LoNo das in der Einheit lagerndes Material schnellstmöglich ins ~800km entfernte Mat-Lager geschafft werden muß um sofort ins Einsatzland verschickt zu werden um die Einsatzbereitschaft aufrecht zu erhalten. 16:30 ist der Sprinter organisiert, 17:00Uhr beladen und fährt mit 2 MKF (1xSU, 1xSG) los. Um kurz vor 08:00Uhr steht er am ~650km entfernten Mat-Lager. Dort fährt er gegen 10Uhr los und ist Freitag um kurz vor 16Uhr wieder am Standort.
    Rein theoretisch müssten jetzt die beiden MKF eine Maßnahme bekommen (Einhaltung Lenk- und Ruhezeiten), Cheffe hat ja keine Ausnahmegenehmigung erteilt…

    Das ganze geht auch mit anderen Beispielen, z.B. unerlaubte und nicht STVZO-konforme Umbauten an Fahrzeugen (z.B. „Schutzmaßnahmen“ bei ISAF-Füchsen etc.), unerlaubte Ausbildungen (MG-Schütze bei fahrendem Fzg.), Materialbeschaffung/-leihe auf dem kurzen Dienstweg…
    In ‚meiner‘ Einheit dürfen einfache Mannschafter im Normalfall kein Material alleine abgeben/übergeben/annehmen. Da müss immer mindestens ein „Erwachsener“ dabei sein…

    Wenn ich mir dann die fliegenden Einheiten mit ihren Zwischenfall- bzw. Unfalluntersuchungen anschaue kann ich sehr gut verstehen, weshalb man dort lieber Dienst nach Vorschrift macht und nicht gegen irgendwelche „Ratschläge“ von Cheffe handelt.

  • Voodoo   |   21. November 2011 - 0:07

    Schleppi, bitte nicht falsch verstehen, aber: Die amerikanischen Piloten gehen das Risiko in einer „heißen LZ“ zu landen (fast) grundsätzlich ein, obwohl die UH-60 laut Ihrer Aussage dazu nicht geeignet ist – letztmalig ist uns das Karfreitag 2010 vor Augen geführt worden. Die Apaches können in einem MEDEVAC Einsatz auch niemanden „raushauen“ wenn der Blackhawk nicht rechtzeitig landet, Ihre Argumentation beisst sich da etwas. Zeit ist der kritische Faktor, nicht zwangsläufig Kampfkraft. Wer sollte also die Entscheidung treffen, wenn nicht der Pilot vor Ort? Will fast sagen: Dafür ist der Mann schließlich (Stabs)Offizier.

    Aber: Die UH-60 vom Karfreitag waren im übrigens alle ziemlich durchlöchert, wobei man zwei wohl den Gerüchten nach abgeschrieben hat. Allein das könnten wir uns nicht erlauben, da wir dann die Anzahl an eigenen, einsatzbereiten Hubschraubern im RC N gen Null geschossen hätten… Jaja, Anspruch und Wirklichkeit… Aber unsere zuständigen Politiker entrüsten sich lieber über Videobeiträge im Internet, da kann man vor den Parteikollegen toll punkten, ohne sich die Finger schmutzig machen zu müssen.

  • MFG   |   21. November 2011 - 7:19

    Wo ist hier eigentlich Herr Arnold, um sachgerecht zur Debatte beizutragen?

  • Stefan H.   |   21. November 2011 - 8:53

    @Voodoo – „letztmalig“ stimmt nicht ganz:
    Am 15.04.2010 im Rahmen der Operation TAOHID II in Baghlan an der Kuk Chenar Bridge (ISAF Dutch-Bridge) hat auch eine UH-60 Treffer bekommen. Zwar weniger als am Karfreitag, aber sie gingen auch in einer HLZ runter, inklusive ihrer Sicherungsmaschine (Pilotenentscheidung vor Ort), da sonst gar nicht alle 5 Verwundeten ausgeflogen hätten werden können. Zumindest einer der 4 CAT-A verletzten deutschen Soldaten hätte sonst nicht überlebt! AH-64 waren zu diesem Zeitpunkt noch nicht stationiert, dass Deckungsfeuer lieferten Bodentruppen (ANA unterstützt durch OMLT).
    (siehe zur Grobeinordnung Wiki Stichwort Operation TAOHID – auch wenn es da an Details mangelt und die Anzahl der gefallenen Insurgents sehr niedrig dargestellt ist – m.E. 14.-18.04. 70 INS KiA/DoW)
    Auch bei der Operation KUKCHAH (2.6.-9.6.2010) wurden zwei UH-60 Medivac schon im Anmarsch nach DARQAD über ARCHIE so böse durchlöchert, dass sie nach ein paar Flickarbeiten in der FARP nur noch nach Hause humpeln konnten. (Als Medivac Maschine haben wir dann eine M-17 des ANA Air-Corps genutzt – Begleithubschrauber waren 2 Mi-35 – man nimmt halt was man kriegen kann)
    Ich schätze nicht, dass das die letzten Ereignisse waren – dafür wurden sie einfach zu häufig gebraucht!

  • Voodoo   |   21. November 2011 - 10:11

    Danke für die Richtigstellung – ich war bis Juli ´10 im Land, wusste allerdings nicht, dass am 15.04. auch eine UH-60 beschossen wurde. Rest ist bekannt, da ich unmittelbar mit AIRMEDEVAC (DEU) zu tun hatte.

    Und eine Mi-17 ist ja eher CASEVAC, das dürfen wir doch nicht… ;-) Wir hatten im 22. Ktgt eine Zeitlang sogar einen Doc+RettAss auf einer Mi (oder war es eine Blackhawk?), um eine Operation am AdW zu unterstützen. Geht alles, wenn man gute Leute hat und eine übergeordnete Führung mit Rückgrat.

  • Niklas   |   21. November 2011 - 19:43

    Kurze OT-Frage an die Helikopter-Gemeinde:

    Was haltet Ihr vom EC725? Ist der brauchbar, bzw. könnte man auf dessen Basis was gescheites aufbauen?

  • Roman   |   21. November 2011 - 20:06

    @ Niklas

    Ohne mich weit aus dem Fenster lehnen zu wollen. Das Ding ist ein guter Heli für den Zweck, für den es gebaut wurde: Viel Zeug weit zu transportieren. Die Jungs vom BGS waren damit zufrieden.

    Aber, eine militärische Einrüstung für bspw. Landungen in Gefechtszonen bedeutet zusätzliches Gewicht, mal abgesehen davon, ob sich das Ding überhaupt sinnvoll panzern lässt und genügend Redundanzen vorhanden sind. Und dann noch genügend Leistung und Zuladungskapazität vorhanden sind. Zudem ist ggf. der nachträgliche Einbau bestimmter Schutzsystem nur schwerlich möglich. Ich finde persönlich zudem, das dieses Teil wie ein fliegender Bus aussieht und ob dann der militärische Konturenflug wirklich seine Stärke ist, weiß ich nicht. Aber als Lastesel am Land und auf dem Meer (vorausgesetzt, man hat keine SChiffchen sondern richtige Fregatten, dann passen die Teile auch in den Hanger), da kann man ihn gut gebrauchen. Aber als Absetzheli fürs KSK?

    Also Niklas, wofür willst du ihn verwenden?

  • Josef   |   21. November 2011 - 20:10

    Wie steht es eigentlich aus mit der Kiowa aus Österreich? Die ist bewaffnet, aber wie sieht es mit der Panzerung aus?
    http://imageshack.us/photo/my-images/31/sterreichkiowacoldrespo.jpg/