Wie viel zivil?

Eigentlich schien es seit der Grundsatzrede des Verteidigungsministers am 18. Mai doch klar: Die Bundeswehr hat in ihrer langfristigen Planung 55.000 Dienstposten für zivile Mitarbeiter.

Inzwischen scheint man das aber wieder mit einem Fragezeichen versehen zu müssen.

Merkposten 1: Die Meldung im aktuellen Spiegel:

Verteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) stößt bei der Verkleinerung des zivilen Apparats der Bundeswehr auf Widerstand. Nach dem Willen des Ministers soll die Zahl dieser Dienstposten von 76.000 auf 55.000 sinken. Die jüngsten Reformvorschläge zur Personalplanung ließen immer noch „eine deutliche Überschreitung der durch die Leitung vorgegebenen Gesamtzahl erkennen“, mahnte Brigadegeneral Martin Schelleis, Leiter des Arbeitsstabs Strukturreform, Ende Juli in einem Brandbrief. Er fordert pauschale Stellenstreichungen von bis zu 15 Prozent. Der für die Reform der Streitkräfte zuständige Generalleutnant Norbert Finster hält aber die dort vorge sehenen zivilen Dienstposten für „unverzichtbar“. Schon beim Wegfall jedes zehnten Arbeitsplatzes müssten entweder externe Dienstleistungen für über 100 Millionen Euro pro Jahr eingekauft werden oder Soldaten die Tätigkeiten erledigen. Das hätte die Auflösung eines Heeresbataillons, eines Luftwaffengeschwaders und die Stilllegung eines Kriegsschiffes zur Folge.

Merkposten 2: Die größte Oppositionspartei meldet sich dazu zu Wort und hat Zweifel an der geplanten Verringerung der Stellen:

Die Strukturreform kann nicht gelingen, wenn alle Fähigkeiten der Streitkräfte bei deutlich weniger Personal erhalten bleiben sollen. Das ist ein Widerspruch in sich. Konflikte zwischen militärischem und zivilem Personal über die Relation der Personalkürzungen sind damit vorprogrammiert.

Aber die von Verteidigungsminister de Maizière geplante Reduzierung des zivilen Personals in den Wehrverwaltungen um 20.000 Dienstposten ist überzogen. Gerade bei schrumpfenden Streitkraeften muss das Zivilpersonal mehr Aufgaben übernehmen, damit sich die Soldaten auf ihre Kernaufgaben konzentrieren können. Nur so ist eine Verkleinerung der Bundeswehr verantwortbar. In den USA betraegt das Verhältnis Zivilpersonal zu Militaer 1,5 zu eins, bei uns beträgt es drei zu eins. Wir fordern deshalb den Verteidigungsminister auf, für Klarheit zu sorgen und den weiteren Abbau des Zivilpersonals zurück zu nehmen. Streichen um des Sparen willens, wird mit Sicherheit teurer, Beispiele dafuer gibt es in der Bundeswehr genug. Immer mehr Aufgaben an private Dienstleister zu übertragen, kann nicht Zweck einer Reform sein, die mit Sparauflagen gerechtfertigt wird.

Merkposten 3: Aus dem Bundeswehr-Interview mit der Leiterin der Abteilung Wehrverwaltung, Alice Greyer-Wieninger:

Nach Vorgabe des Ministers soll der zivile Dienstpostenumfang in allen Organisationsbereichen der Bundeswehr in Zukunft 55.000 Dienstposten betragen. Welchen Anteil muss die Territoriale Wehrverwaltung erbringen?

Die Zielstruktur 2010 für das Zivilpersonal sah einen Gesamtdienstpostenumfang von rund 76.200 Dienstposten vor. Davon entfielen rund 34.300 auf die Territoriale Wehrverwaltung, mit denen personen- und liegenschaftsbezogene Aufgaben wahrgenommen wurden. Bezogen auf diese Zielgröße habe ich mit Minister de Maizière vereinbart, im Ergebnis durch Anpassung der Strukturen und Optimierung der Prozesse eine Personaleinsparung von rund 30 Prozent zu erreichen. Dies bedeutet einen weiteren Abbau von rund 10.000 zivilen Dienstposten in den von der Territorialen Wehrverwaltung bislang wahrgenommenen Aufgabenbereichen.

Wie wollen Sie dieses Ziel erreichen?

Das Planungsziel wird allein durch Anpassung der Strukturen nicht zu erreichen sein. Neben der Erbringung von Aufgaben in Eigenregie werde ich daher im Rahmen der Ausplanung prüfen, ob und in welchem Umfang Leistungen fremdvergeben werden können.

Und jetzt die Frage: wie viel zivile Beschäftigte wird die Bundeswehr künftig haben?

78 Gedanken zu „Wie viel zivil?

  1. @ mietsch
    Wenn nicht genug Kohle in der Reisekasse ist, kann er befehlen was er will. „Ohne Moos, nichts los.“ Darum zeichnet eben erstmal das BwDLZ mit …

  2. Die Kritik an die zivilen Mitarbeiter ( Beamte wie Angestellte ) sind durchaus berechtigt. Ich komme leider auch aus der der Ecke. Ich kann den Vorwurf „ineffzient“ nur bestätigen.

  3. Fernab der bereits umfangreich ausgesprochenen Vorurteile über die zivilen Beschäftigten möchte ich folgendes anmerken:
    1. Zivile Beschäftigte leisten einen wichtigen Beitrag in den Auslandseinsätzen, tun dies aber, wie übrigens auch Polizeibeamte, auf freiwilliger Basis!
    2. Auch Soldaten sind ausgezeichnet in der Lage, bei Vorhandensein entsprechender Möglichkeiten, „Schondienst“ im eigenen Interesse zu verrichten!
    3. Auch wenn es politisch nicht so kommuniziert wird, stoßen innerhalb der Bundeswehr eigentlich zwei Organisationen aufeinander: Die militärische und die zivile Organisation. Erste erledigt ihre Arbeiten nach dem Prinzip von Befehl und Gehorsam und verfügt über einen ansehnlichen disziplinaren Sanktionsapparat. Stehzeiten werden bewusst kurz gehalten (niemand konnte mir bisher abschließend erklären, warum nur aus Prinzip, alle drei Jahre eine Versetzung für jedermann stattfinden muss). Für die Rennpferde im Stall, die in einem Berufsleben die Leiter von A1 zu B9 hoch rennen müssen, sehe ich das ein, für alle anderen, die ihren beruflichen Zenit nach der Hälfte ihres Berufslebens als Stabsfeldwebel oder Oberstleutnant erreicht haben, will mir das nicht einleuchten. Dieses Versetzungsdiktat ist allerdings militärisch hausgemacht!! Zudem verlassen die Mehrzahl der Soldaten nach Ablauf ihrer Zeitverträge automatisch die Streitkräfte wieder und machen auf diese Weise, ohne Notwendigkeit eines umfassenden sozialverträglichen Personalabbaus, strukturelle Veränderungen im militärischen Bereich möglich.
    Wer Soldat wird, weiß, dass er ständig versetzt werden kann (und auch wird) und in den Auslandseinsatz kommen wird. Sein Widerstand dagegen hält sich aus Gründen des Berufsethos in der Regel in Grenzen.
    Auf der anderen Seite stehen die zivilen Beschäftigten. Ihre Organisation kennt Weisungen und Anordnungen, umfassende Mitbestimmungs- und damit Widerstandsrechte. Grundsätzlich ist auch jeder Beamte jederzeit und bundesweit versetzbar, nur hat sich die zivile Organisation dieses Versetzungsdiktat nicht aufgebürdet, die Gewerkschaften und Arbeitnehmervertretungen unterstützen dabei. Beamte verlassen den Dienst nach Ablauf der regulären Lebensarbeitszeiten und kennen kaum besondere Altersgrenzen, wie sie bei Soldaten und Polizeibeamten üblich sind – sie arbeiten deshalb bei gleicher Pension Jahre länger!
    Solange diese beiden Organisationen nebeneinander her existieren, lässt nur der gesellschaftlich weit verbreitete Neid den einen auf den anderen Blicken.
    Mit der neuen Struktur sollen diese beiden Organisationen, die beide ein Bestreben haben, sich zu erhalten und ggf. sogar auszuweiten, mehr verzahnt werden – viele Stellen werden nicht mehr rein zivil oder militärisch besetzt. Hier ist meiner Meinung nach zwingend eine Synchronisierung der Personalpolitik notwendig. Versetzungszyklen müssen angepasst werden, denn sonst wird ein militärischer Referent im BMVg nach zwei Jahren versetzt und der ihm nachfolgende zivile Referent verweilt auf diesem Posten nach beamtenrechtlichen Bedingungen für die nächsten 10 Jahre. So kann, wenn es nicht einen klaren dienststellenbezogenen Verteilungsschlüssel gibt, das Militär nach und nach verdrängt werden! Das gilt selbstverständlich auch für den nachgeordneten Bereich!
    Damit die Bundeswehr effizienter funktionieren kann, müssen beide Seiten ihre Hausaufgaben machen und vor allem zu einer signifikanten Entbürokratisierung beitragen. Weisungen und Erlasse müssen so ausgestaltet werden, dass sie einen optimalen Betrieb zulassen und ihn nicht unnötig behindern. ASU im Auslandseinsatz klingt komisch, lag jedoch an der unklaren Erlasslage. Dass der Zuschuss für die Zugfahrten der Pendler nur an den IC/EC-Preisen ausgerichtet ist, und nicht an den heute überall verkehrenden ICE ist Ausdruck des Unvermögens, Erlasse anzupassen. Der Wille wird vermutlich fiskalisch gebremst, denn bis heute trägt der pendelnde Soldat die Mehrkosten allein, da irgendwann am Tag, aber garantiert außerhalb aller möglichen Zeiten, ja noch ein IC fährt den der Soldat ja nutzen kann.
    Fazit: 1. Wer fleißig ist, ist zivil und militärisch fleißig – wer faul ist sucht sich überall seine Schlupflöcher.
    2. Ineffizienz nur am zivilen Mitarbeiter festzumachen ist unfair.
    3. Die Lobby der Gewerkschaften des öffentlichen Dienstes ist nicht mit der des DBwV zu vergleichen.
    4. Synchronisation ist zwingend erforderlich. Danach muss eine zivil-militärische Kommission die Erlasslandschaft überarbeiten und der Politik Empfehlungen geben, wo gesetzlich nachbessert werden muss um die Streitkräfte effizienter zu machen, denn: die Verwaltung ist an Recht und Gesetz gebunden. Ist diese schlecht, kann auch die Verwaltung nicht gut sein.

  4. Mal anders gefragt, wozu benötige ich Soldaten? Was ist deren Kerngeschäft? Rechnungswesen? Infraplanung? Technische Ausbildung? Bildung? Wozu benötigt man Soldaten als Sachbearbeiter in den Ämtern? Wenn man sich die Nettoarbeitszeit in Kombination mit der Stehzeit von Soldaten betrachtet bleibt da an wirkungsvoller Arbeit oft nicht viel über! Es gibt Bereiche da Benötigt man Soldaten, Beamte, Angestellte usw und für jede Tätigkeit gilt es den richtigen Status zu wählen. Ob jemand gut, schlecht, fähig oder unfähig ist hängt nicht am Status sondern an der Person. Wir aber haben organisatorische Mängel wie am Bsp SASPF, BWI, Fuhrpark, Gebb uvm sichtbar wird. In den Bereichen wo für die gleichen Tätigkeiten Soldaten und Zivilpersonal eingesetzt sind (BwK, Schulen, Fahrbereitschaft, Feuerwehr uvm) sind die Zivilisten oft schon durch ihre Erfahrung die effektivsten Mitarbeiter. Warum muss ein nicht mehr auslandsverwendungsfähiger Bw-Angehöriger Uniform in Flecktarn tragen? Warum muss ein hochqualifizierter Soldat der nicht mit Menschenumgehen kann und Sportbefreit ist Soldat sein, mit all den Sonderdiensten/Ausbildungen die er ableisten muss? Vieleicht hilft es auch die Bw-Angehörige in Kämpfer (Soldaten) und Unterstützer (nicht Soldaten) zu unterteilen. Unabhängig davon, muss die Arbeit gemacht werden und ob die Wirtschaft es besser kann als eine eigenoptimierte Bw kann man bezweifeln. Soldaten müssen Kämpfer und Entscheider sein, arbeiten können andere besser! In der Grauzone dazwischen tummeln sich Menschen die beides können, aber das ist dann personenabhängig. Wer die Bw-Angehörige nun gegeneinander ausspielt, spielt den Privatisierungsbefürwortern in die Hände. Zu glauben, dass Soldaten grundsätzlich die besseren Arbeiter/Dienstleister sind halte ich für nicht belegbar. Eigene Erfahrungen mit einigen ziv Refüs ausgenommen!

  5. Ob der durchschnittliche Zivilist/Angestellte/Beamte mehr oder weniger arbeitet/produktiv ist als der durchschnittliche Soldat kann und will ich nicht beantworten. Mir ist jedoch schleierhaft, warum bei einer signifikanten Reduzierung des „verwalteten Personals“ keine eigene Reduzierung >10% möglich sein soll.
    Der Abbau von Bürokratie kann doch nicht nur im militärischen Bereich gefordert worden sein.

    Aber hier mal ein kleines, zugegebenermassen einfaches Rechenbeispiel, von wegen Effizienz und Kostenersparnis…

    Generalleutnant N. Finster schreibt s.o.:
    „….Schon beim Wegfall jedes zehnten Arbeitsplatzes müssten entweder externe Dienstleistungen für über 100 Millionen Euro pro Jahr eingekauft werden oder Soldaten die Tätigkeiten erledigen.“

    Man hat mir mal vorgerechnet das der durchschnittliche Zivilist in der Bw ca. 40.000€ / Jahr kostet. Ich weiß nicht ob die Zahlen stimmen, erscheint mir aber plausibel. Beim Wegfall jeder 10 Stelle, d.h. also von 7500 Stellen müßten Dienstleistungen für über 100Mio € eingekauft werden.
    Wegfall von 10% (also 7500 Stellen) ergibt:
    7500 x 40000€ = 300.000.000€ , in Zahlen 300Mio €.
    Aus meiner Sicht ein gutes Geschäft… ein paar Mio hin oder her, geschenkt…

    (Abgesehen davon dass die Bw die Zahl 75.000 immer noch nicht erreicht hat sondern darüber liegt… kostet alles Geld, aber wenn wir weiter sparen müssen können wir ja bei den Soldaten etwas reduzieren, oder Weihnachtsgeld, oder Urlaubsgeld oder irgendwas anderes kürzen, die haben schließlich nur den DBwV, und mit Verlaub, dessen „Errungenschaften“ halten sich in den letzten Jahren deutlich in Grenzen…)

  6. @RLG
    Ich kann Ihnen voll zustimmen! Insbesondre der letzten Passage Ihrer Ausführungen.
    LG

  7. Nun sind sie wieder auf dem Weg Dienstleistungen in der Wirtschaft einzukaufen. Das rechnet sich natürlich genau so, wie alle vorherigen Versuche. Schließlich verdient ein Beamter deutlich mehr als ein Unternehmensangestellter und für die Bundeswehr verzichten die Unternehmen auch auf Gewinne.usw usw .Es leben LHD, Fuhrpark Service, BWI und wie sie alle heißen! Falls jemand einen Geschäftsführer für die zukünftige Bw-Krankenkassen- und Abrechnungs-GmbH sucht: ich hätte ab März Zeit!!

  8. Das Problem ist doch nicht ob Soldaten oder Zivilsten per se die fleißigeren Menschen sind.

    Sondern ob bestimmte Aufgaben besser in militärischen, zivilen (öffentlich-rechtlichen) oder zivilen (privaten) Händen erfüllt werden und für welche Prozesse sicher eher zivil/beamtentechnisch geführte Systeme und für welche Prozesse sich eher militärisch geführte System eignen.

    Und dazu muß man aus meiner Sicht genau hinschauen.

    Auf der Ebene der Ebene der Truppenunterstützung (BwDLZ Geländebetreuung/Liegenschaftsverwaltung, Schießbahnwärter, Sekretärinnen etc. etc.) muß aus meiner Sicht der zivile Anteil deutlich (!) ausgebaut werden. Ob das im Rahmen einer langjährigen Verpachtung (z.B. à la PPP) wie im GÜZ erfolgt oder in einer Stärkung der ehemaligen „StOV“ endet ist doch egal.

    Auf der Ebene den höheren Ebenen WBV, BWB/WTD und des BAWV hingegen kann nach meiner Meinung deutlich eingespart werden.

    Aber eben auch hier nicht in den Ebenen die für den Dienst an der Truppe da sind. Wenn man das Besoldungswesen dort weiter kürzt, dann könnte das nur durch eine Stärkung z.B. der (mil) ReFü auf Einheits/Verbandsebene ausgeglichen werden.

    Und bestimmte Dinge sind schließlich nun einmal besser in militärischer Hand aufgehoben (z.B. war die ehemalige Truppenverwaltung die ja zwischenzeitlich LEIDER in die BwDLZ integriert wurden) eine gelungen Mischung: der Sachverstand von langjährigen, qualifizierten Beamten und Angestellten und die Durchsetzungsfähigkeit von militärischen Strukturen.

    Schlecht sind meiner Meinung nach immer Modelle, wo Zivilisten unmittelbar Militärs unterstützen die Militärs aber nicht die FF haben.

    Ich hatte neulich ein Beispiel wo in einer höheren Behörde ein Handkauf/dezentrale Beschaffung in Höhe von noch nicht einmal 200,- erfolgen sollte. In einem Btl zeichnen das zwei Soldaten ab, ein Zivilist und schließlich wird das angeordnet.

    Wenn der Zivilist dann daraus eine riesen Geschichte macht, dann haut ihm der Kdr halt auf den Kopf und damit hat sich das.

    Aber im konkreten Beispiel sollte es 12 (!) Witzzeichnung geben und vier-sechs Wochen dauern!!!

    Normalerweise wäre das nun nicht schlimm, wenn das in einem „System“ vorgefallen wäre das auf solch langsame und „wohl überlegte“ Prozesse ausgerichtet ist. Da aber nun einmal unsere militärischen Uhren anders ticken mußte das Ergebnis (für das die Beschaffung notwendig war) innerhalb von zwei Wochen vorliegen!

    Was will ich im Ergebnis sagen: die Ebenen BwDLZ (Verwaltung), WBV, BWB und BAWV radikal kürzen, im Gegenzug aber die Ebene BwDLZ (ehemals TrVerw und Gel/Geb-Betreuung), Gebührniswesen etc. deutlich stärken.

    Trotzdem sollten doch 20.000 DP eingespart werden können ;)

    Und wo Soldaten „lediglich“ durch Sachverstand zivile Systeme unterstützen da müssen die Zivilsten die Federführung haben, aber wo Zivilsten die Truppe unterstützen, da muß der jeweilige Offizier die FF haben!

  9. Mal unabhängig davon ob nun Soldat oder nicht, ist tatsächlich die Bürokratie das Kernproblem. Nun ist das so ein Schlagwort welches schwer zu fassen ist. Weil es da eben nicht ein Riesenproblem gibt, welches man mit einem Handstreich wegwischen könnte. Aber gerade zu diesem Beitrag, sind ja ein paar Beispiele gekommen. Für sich und einzeln genommen nur ein bedauerliches Ärgernis. Leider sind tausende von Vorschriften, Weisungen und Verordnungen entstanden, nur um weitere Sesselpuper begründen zu können. Welche Weisungen machen nun Sinn und welche nicht? Da traut sich niemand ran. Es hat mal Zeiten gegeben, da hat ein Krieg sowas erledigt. Das können wir derzeit ausschließen. Dennoch werden Reformen immer am falschen Ende angefasst, will sagen immer beim Personal.
    Herr Wiegold sie kennen es ja schon, aber für micht macht es eben mein vereinfachtes Beispiel deutlich und ich hoffe anderen auch:
    10 Mitarbeiter haben für ihre Arbeit 100 Vorschriften, Weisungen etc. zu beachten. Nach der Reform sind es 5 Mitarbeiter. Was haben wir dann gewonnen?

  10. @T.Wiegold
    FF = Federführung oder aber auch mal fort folgend heißen. Das erstere ist wohl hier der Fall.

  11. @ BausC

    1. Folgerichtig gibt es für den Abbau von Bürokratie nur einen Weg – den Abbau von Bürokraten !. Erst wenn so wenig Arbeitsleistung für Verwaltung usw. zur Verfügung steht, dann werden nach dem Subsidiaritätsprinzip Verantwortung und Mittel nach unten delegiert.

    2. Verbot der Optimierung auf Kosten von anderen Bw-Strukturen !

    Beispiel : Damit die LHDBw kostengünstig ABC/Se Masken tauschen kann (flächendeckend auf Maske 2000), müssen 5 Soldaten zuarbeiten, damit jede Stunde genau 30 Soldaten zum Maskentausch auf der Matte stehen.

    3. Abschaffung der GEBB

    Hunderte von Soldaten in Ämtern und Kommandobehörden sind nur damit beschäftigt der GEBB in aufwendigen Pilotprojekten zu beweisen, dass outgesourcte Dienstleistungen teuerer sind, als in Eigenbetrieb erbrachte Dienstleistungen.

    Wenn in einem Dienstleistungsbereich, der entscheidende Kostenfaktor die Personalkosten sind, dann kostet die reine Dienstleistung mit eigenen Mitarbeitern und Fremdpersonal in der Kalkulation erstmal gleich viel. Anschließend wird der Gewinnanteil und die MwSt aufgeschlagen, dann kostet die externe Dienstleistung 50 – 100 % mehr. Dies kann jeder Handwerksmeister berechnen, dazu braucht man nicht hunderte von GEBB Mitarbeitern.

  12. Stell Dir vor es ist Krieg und die Verwaltung hat noch nicht mitgezeichnet…

    Einen schönen Abend noch…

  13. Ich wünschte mir, maßgebliche an der Reformplanung Beteiligte, würden ab und zu einmal hier im Blog lesen :)

  14. „In den USA betraegt das Verhältnis Zivilpersonal zu Militaer 1,5 zu eins, bei uns beträgt es drei zu eins.“ – Und nicht nur in den Staaten. Interessiert es hier niemanden, warum das so ist? Also müssten in den Staaten wohl doppelt so viele „Beamte“ unbeschäftigt und gelangweilt aus dem Fenster gucken wie bei uns, wenn man den verehrten Kommentatoren zwischen den Zeilen glauben darf. Glauben Sie denn wirklich, dass man ungestraft (nochmal) mehr als zehntausend Mitarbeiter aus einer Armee im Einsatz ohne Konsequenzen herausziehen kann, nur um seine Animositäten wegen eventueller negativer Erfahrungen mit “ Zivilisten“ aus längst vergangen Zeiten in einem stehenden Heer zu befriedigen?

    Zivile Beamte in den deutschen Streitkräften (und die damit verbundenen Animositäten) haben eine lange Tradition. Der einzige Unterschied zu heute ist, dass diese bei Kriegsausbruch in eine Uniform mit besonderen Dienstgraden gesteckt wurden und soldatenähnlich geführt werden konnten. Wie hieß es in Preussen: Soldaten und Beante: Zwei Seiten der gleichen Medaille! Man muss sich nur darauf besinnen. Die hergebrachten Grundprinzipien sind ziemlich gleich geblieben. Menschenführung ist hier wohl das größte Problem, weil zu anstrengend und vorbildabhängig.
    Ansonsten: Viel Spaß bei der Einforderung der vertraglich vereinbarten Verpflichtungen für wichtige (privatisierte) Dienstleistungen! Braucht man sicherlich viel Personal und Hartnäckigkeit für.
    Das Einkaufen militärischer Dienstleisungen ist mittelalterlich. Beispiel: Geschiche der Artillerie.
    Warum hat man dieses wohl abgeschafft?

  15. @Stein
    „Ansonsten: Viel Spaß bei der Einforderung der vertraglich vereinbarten Verpflichtungen für wichtige (privatisierte) Dienstleistungen! Braucht man sicherlich viel Personal und Hartnäckigkeit für.“

    Das ist in der Tat nach meiner Beobachtung ein entscheidender Punkt.

    Wenn wir outsorcen, dann benötigen wir an jedem StO einen Offz oder Beamten der Volljurist und die Umsetzung der Verträge prüft.

    Ich habe das schon häufiger sowohl in der „Zusammenarbeit“ mit BWI, als auch HIL festgestellt, dass die „Gegenseite“ sich zwar gerne auf das soldatisch-kameradschaftliche Entgegenkommen von „unserer“ Seite einlässt, aber im Gegensatz dazu (natürlich) kein Millimeter bereit ist uns mal abseits des Vertrages zu helfen…

  16. @ Stein

    Das Problem ist, dass privatisierte Dienstleistungen sich der Kontrolle vom BWB, Rechnungshöfen usw entziehen.
    Wenn zivile Arbeitsplätze in Gefahr sind (z.B. hat EADS in Manching für 200 Mitarbeiter in der Wartung von Militärflugzeugen Kurzarbeit angemeldet) meldet der Geschäftsführer sich zum Gespräch beim Staatssekretär an und dann werden Kapazitäten von der Bw zur Industrie verlagert

  17. @Schleppi
    Ich hoffe doch, dass die Rollen – und die Folgen – hier etwas andere sind…

  18. Kann mir bitte einer mal was erklären: Die BimA übernimmt als Eigentümer die Kasernen etc…. Die BW wird jetzt Mieter und beschäftigt aber zudem erhebliches Personal für die Grünflächen, Aussenanlagen, Gebäudetechnik !!! Verstehe ich irgendwie nicht. Wenn ich Mieter und Miete bezahle, muss doch der Hausherr für die o.g. Aufgaben sorgen… Häh……

  19. „Einen wichtigen Hinweis gab de Maizière den rund 60 Mitarbeitern, die sich zu einer „Meet and Greet“-Runde eingefunden hatten. Sie dienten in Zukunft nicht mehr den Streitkräften, sondern der Bundeswehr. Mit Selbstbewusstsein sowie auf Augenhöhe mit den Soldaten und dies an einem gemeinsamen Arbeitsplatz in dann gemischten Dienststellen. Wörtlich: „Die zivile Wehrverwaltung ist nicht dazu da, den Soldaten zu dienen, sondern um mit ihnen auf Augehöhe zu arbeiten.“ Diesen Mentalitätswandel gelte es zu schaffen. Das tradierte Bild einer Wehrverwaltung, die wie in den Gründungsjahren der Bundeswehr, sich eher als Kontrollorgan der Streitkräfte verstanden habe, sei überholt, ein neues Bild müsse gezeichnet werden.“
    http://tinyurl.com/3ocggvn

    Verstehen muss man es wohl nicht.

  20. @T.W.:
    Nachtrag zum Thema WASK bzw. Kopfzahlen TSK/OrgBer aus der Neuen Westfälischen von heute (Gespräch mit de Maizière):

    „Im Ministerium sei man derzeit noch mit der Aufstellung der Globalzahlen beschäftigt: “Wie groß muss das Heer sein, die Luftwaffe und die Marine? Wie viele U-Boote brauchen wir und wie viele Hubschrauber?” Nach Klärung dieser Fragen würden in der letzten Oktoberwoche die Entscheidungen über die zu schließenden Standorte fallen.“
    http://tinyurl.com/3w7pdmn

    Ein scheinbar sehr iterativer Prozess.

  21. Was bisher nicht erwähnt wurde: Vor einiger Zeit kam eine Abfrage in die Truppe. Man habe aus der Stan ein Dienstpostenkontingent identifiziert, das sich für die Umwandlung in Zivildienstposten eigne. Was man denn davon halte? Umfang: Circa ein Drittel der DP.

  22. Weil man die überzähligen Zivilbeschäftigten trotz BWI LHD MC usw nicht los wird, setzt man Sie jetzt auf Militärische Dienstposten .

  23. Das Alles kann man wie folgt erklären:
    1. Die vom Minister Mitte Mai festgelegte Zahl von zukünftig 55.000 zivilen Dienstposten (ab Ende 2015) in der Bundeswehr, übrigens inkl. des Ministeriums selbst, kam völlig ohne fundierte Erkenntnislage zustande, ist aber unverrückbar fixiert.
    2. Bei der Festlegung der auf den Bw-Internetseiten zur Neuausrichtung ersichtlichen Projektaufträge Mitte Juni wurde es aber versäumt, für die jeweiligen Verantwortlichen die prozentualen Einsparauflagen beim Zivilpersonal so zu formulieren, dass im Fall der Zielerreichung in der Summe in der Zielstruktur tatsächlich die Zahl von 55.000 herauskommt. Oder andersherum: Selbst wenn alle Projektleiter mit solchen prozentualen Einsparauflagen ihr Ziel erreichen, erreicht der Minister sein Gesamtziel von 55.000 bei Weitem nicht, weil die Einzelziele daraufhin nicht ausgerichtet sind.
    3. Da dies natürlich „nicht geht“, muss jetzt ein Sündenbock gefunden werden. Und um das „Schware Peter-Spiel“ zu initiieren, wurde das nicht auflösbare Paradoxon mit einer öffentlichkeitswirksamen Verknüpfung („dann muss eben ein Verband geschlossen werden“) zum SPIEGEL durchgestochen (solche Medien, wie auch Ihr Blog, Herr Wiegold, werden von den politisch Verantwortlichen eher gelesen, als hausinterne Dokumente).
    4. Die Sache mit den Interviews der Projektleiter ist wohl eher ein „Kalter“: Mit Sicherheit handelt es sich um sogenannte „kalte“ Interviews, d. h. die Referentenebene beim jeweiligen Projektleiter denkt sich die Fragen selbst aus und verfasst auch gleich die Antworten dazu. Das Ganze wird dann natürlich nochmal unter journalistischen Gesichtspunkten von den Presseleuten redigiert und dann online gestellt.
    5. Fazit: Gut gemeint ist eben noch lange nicht gut gemacht. Die Fehler wurden zu Beginn und „oben“ gemacht. Das Ganze geht zu Lasten der zivilen UND militärischen Beschäftigten in der Bundeswehr, weil diese beiden Bereiche dadurch völlig unnötig „aufeinander gehetzt“ werden.

  24. zu Echo, PKT. 1
    “ kam völlig ohne fundierte Erkenntnislage zustande“ ist nicht richtig

    angelehnt an die die Weise Kommission wurde aufgrund der vorhandenene Strukturen die Größe des Zivilpersonal festgelegt.

    Die “ Weise-Kommission“ arbeitete sehr professionell, alle erdenkliche Kriterien wurde mit ins Boot genommen

    Personalumfänge

    Die Kommission empfiehlt das Zivilpersonal soll in der Zielstruktur auf ca. 50.000 Dienstposten angepasst werden. Nach Aussage des Vorsitzenden der Kommission sind die empfohlenen Umfangszahlen nicht sicherheitspolitisch abgeleitet.

  25. na ja,

    die Streitkraefte leiten bottoms-up ihren strukturellen Faehigkeits-Bedarf aus klassisch konzeptioneller, operativer Sicht ab, und der zivile Teil der BW leitet top down seinen strukturellen Bedarf aus vorrangig kameralistischer 87 b-Sicht ab….oder so ;-)….wie soll das zusammen passen.
    Und das ganze wieder mal in ministeriell gekapselten project-teams (unvernetzt) wie weiland bei der Umsetzung des SAP-Erlasses……als ob wir in Deutschland noch nie etwas von K.O.P.F gehoert haetten (Kybernetisches Organisations-, Planungs- und Fuehrungsmodell). Alter stovepiping-Wein in neuem Begriffsschlauch.

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