Kundus-Kommandeur Klein wehrt sich

Oberst Georg Klein, der als Kommandeur des Provincial Reconstruction Teams (PRT) Kundus den tödlichen Luftschlag vom 4. September 2009 befahl, hat sich in einem Brief an den Bundestags-Verteidigungsausschuss gegen Vorverurteilungen gewehrt und Wahrhaftigkeit und Gerechtigkeit gefordert. Das berichtet der Focus unter Berufung auf das Schreiben an die Ausschussvorsitzende Susanne Kastner.

Bislang gibt es dazu nur eine knappe Agentur-Vorabmeldung; ich warte mal ab, ob bei Focus Online demnächst dazu mehr zu finden ist.

Die ausführliche Fassung ist jetzt bei Focus Online zu lesen: Oberst Klein kämpft um seine Ehre

32 Gedanken zu „Kundus-Kommandeur Klein wehrt sich

  1. Da hat die Opposition einfach das bessere Timing mit der Veröffentlichung ihrer Einschätzung des Ergebnisses des Untersuchungsausschusses bewiesen. Jetzt im Sommerloch lässt sich die Thematik lang und breit auswälzen. Oder war es Absicht der Koalition das Thema noch kurz vor der Sommerpause abzubacken (wo es kaum jemanden interessiert hat) …
    Im Ergebnis muss man resigniert feststellen, dass egal welchem Lager man sich verpflichtet fühlt: Wenn es darauf ankommt, kann sich der Soldat nicht auf die Politk verlassen. Da wirkt auch die Pressemitteilungen der CDU/CSU Bundestagfraktion „Die Opposition profiliert sich auf dem Rücken der Soldaten“ ein wenig halbherzig.

    Ich finde, die Abgeordneten, die die Soldaten in den Einsatz schicken sollten auch ein klares Bekenntnis dazu geben: „Soldaten die im [Kriegs-)Einsatz sind, machen auch von militärischen Mitteln gebrauch. Militärische Mittel töten im Zweifel Menschen. Jeder Soldat kann beim Einsatz der Mittel Fehler machen, bisweilen auch mit gravierenden und zuvor unvollstellbaren Folgen. Aber das ist das Risiko das wir eingehen und die Verantwortung die wir auf uns nehmen, wenn wir Einsätze mit militärischen Mitteln bestreiten. Diese Verantwortung ist unteilbar und obliegt dem Bundestag.“

  2. Das, was die SPD macht, halte ich für eine Kampagne. Allerdings ist es lächerlich, dass die Regierungskoalition insbesondere Jung und Raabe von jeglicher Verantwortung für die katastrophale Kommunikation im Nachgang freispricht. Wenn die so super war, warum musste Jung dann gehen?

  3. Interessant. Und noch ein hoher Offizier, der an die Öffentlichkeit geht. Und zwar, um Kritik zu begegnen, wie auch schon die anderen vor ihm.

  4. @CMS

    Dem muss ich widersprechen: Klein ist nicht an die Öffentlichkeit gegangen, sondern hat der Vorsitzenden des Verteidigungsausschusses einen Brief geschrieben. Das ist ein kleiner Unterschied…

  5. Gut. Wenn Oberst Klein nicht an die Öffentlichkeit gegangen ist (wovon wir ausgehen dürfen) dann frage ich mich natürlich schon, wie der Brief an die Öffentlichkeit gekommen ist. Aber wahrscheinlich ahne ich die Antwort schon.

  6. Warum soll da eigentlich immer jemand an die Öffentlichkeit gegangen sein?
    Wenn NewsCorp sich SIGINT-Methoden bedient, warum dann nicht auch Springer oder der Focus?
    Oder ist das so etwas das nicht sein kann, weil es nicht sein darf?

  7. Yup. Das könnte ich übersehen haben. Die gute alte „Brief-am-Telefon-vorgelesen-und-dann-durch-die-Presse-abgehört-Masche.“

  8. So lange nicht bekannt wird, wie der Brief an die Öffentlichkeit geraten ist, sind solche Spekulationen doch Unsinn.

    Grundsätzlich gilt: Der Mann hat eine faire Untersuchung verdient, und wenn irgendein Politiker glaubt, auf seine Kosten Kapital schlagen zu müssen, dann ist das abzustellen. Es würde mich durchaus interessieren, wie das damals gelaufen ist, aber auf diese Weise wird das nichts.

  9. Dieser Vorfall und wie er im Bundestag und in der Öffentlichkeit aufgearbeitet wird zeigt mehr von der Stellung der Bw in der Gesellschaft als 100 mal die „Wir.dienen.Deutschland“-Kampagne.

    Einfach jämmerlich wie Soldaten von ihren Auftraggebern, vom Dienstherrn im Stich gelassen werden. Zu guter Letzt wollen sich die „Wasch mir den Pelz aber mach mich nicht nass-Politiker“, allen voran die Grünen und die SPD, die bereits zweimal die Bundeswehr in einen Kampfeinsatz geschickt haben, sich parteipolitisch auf Kosten des Oberst Klein profilieren – einfach widerlich finde ich so ein Verhalten.

    Hoffentlich schauen sich dies genügend Väter und Großväter an und beraten ihre Kinder, die sich freiwillig bei der Bw verpflichten wollen.

  10. @ Georg
    Und vergessen Sie die Mütter und Großmütter nicht. Die dürfen seit neuesten auch wählen. ;-)

  11. Auf die gefahr hin mich hier in den Regen zu stellen, meine Sicht von Aussen auf die Kausa:

    Hier geht es doch nicht um einen einfachen Soldaten, sondern um einen Kommandeur. Wenn man auf dieser Ebene Mist baut sind die Konsequenzen einfach groesser. Ich kann nicht nachvollziehen, warum er mehr geschuetzt werden sollte als ein Staatsekretaer, oder Geschaeftsfuehrer in der Wirtschaft.

    Zur Frage ob Herr Klein Mist gebaut hat: Hat er gegen die ROE verstossen? Wurde er von Verbuendeten waehrend des Einsatzes darauf hingewiesen (Pilot) und wurde das verwendet um den schwarzen Peter weiterzureichen? Ist das ganze am Ende offensichtlich schiefgegangen?

    Der Schaden der dadurch entstanden ist, ist erheblich. Deutschland hat sehr an Ansehen verloren. In Kunduz hat man sich vermutlich ebenfalls wenig neue Freunde gemacht, insbesondere da man gezeigt hat, wie leicht man sich in internen Machtkaempfen instrumentalisieren laesst. Dabei ist vieleicht nicht einmal wichtig, ob Engineer Mohammad Omar wirklich dahinter gesteckt hat, es genuegt, dass es allgemein davon Ausgegangen wurde. Den Verbuendeten hat man gezeigt, dass man im Zweifelsfall auch bei noch abstrakten Gefahren die eigene Sicherheit ueber die strategischen Ziele des Einsatzes stellt. Nicht zuletzt hat man den Gegnern von Auslandseinsaetzen der BW ein sehr handfestes Argument geliefert.

    Es mag ja durchaus sein, dass Herr Klein mit seiner Vorgehensweise dem insgeheimen Wunsch der Bundesregierung und Militaerischen Fuehrung entsprochen hat, keinerlei Risiko einzugehen. So etwas wird aber wohlweisslich nicht offen ausgesprochen. Da kann der naechste Schritt auch konsequent erfolgen, akzeptieren, dass er ein Bauernopfer ist.

  12. @sd
    „Deutschland hat sehr an Ansehen verloren. In Kunduz hat man sich vermutlich ebenfalls wenig neue Freunde gemacht… “

    Deutsche Soldaten, die am Morgen danach zum Schauplatz fuhren, berichteten von jubelnden (nichtpaschtunischen) Afghanen, die sich darüber freuten, dass die Bundeswehr endlich handelt. Unter Paschtunen hätte zwar keine Freude geherrscht, aber man habe sich auch nicht mit den Getöteten idenfiziert, weil anständige Afghanen nicht stolz auf kriminelles Plünderer- und Raubmörderpack sind. Die Zahl der Angriffe durch Aufständische ging nach den Luftangriffen übrigens zurück.

  13. @ sd

    Zitat:
    „Der Schaden der dadurch entstanden ist, ist erheblich. Deutschland hat sehr an Ansehen verloren. “

    Das sehe ich anders. Durch die Bombardierung ist in Deutschland eine Diskussion losgetreten worden und ein bis dahin nur von Soldaten geführter Krieg ist auch amtlicherseits ein Krieg geworden. Die Weigerung der Regierung der deutschen Öffentlichkeit die Wahrheit über den Charakter des Einsatzes in AFG zu sagen, ließ sich nicht länger durchhalten. Somit wurde amtlicherseits zugegeben, dass es ein Kriegseinsatz ist. Folgedessen wurden die Handlungen des Oberst Klein nicht nach den ROE gemessen, sondern nach dem internationalen Kriegsvölkerrecht. Die zuständige Bundesanwaltschaft entschied, dass kein Strafverfahren gegen Oberst Klein eingeleitet wird, weil die Handlungen konform zum gelten Kriegsvölkerrecht waren.
    Die Verletzung der ROE hätten höchtens zu einem Disziplinarverfahren führen können. Das Disziplinarrecht ist jedoch ein internes Beamtenrecht , dessen Ziel es ist, die Disziplin, also das Verhalten gemäß den gültigen Vorschriften wiederherzustellen.
    Dies wurde auch ohne Disziplinarverfahren erreicht, weil fortan jeder Kommandeur im Einsatzland lieber die Aufständischen laufen lässt, als so einen Vorfall zu riskieren.
    Der politische Wille wird also zugunsten einer Erfolgslosigkeit im Einsatz freiwillig von den Nachfolgern des Oberst Klein umgesetzt werden.

  14. @Georg: „Dies wurde auch ohne Disziplinarverfahren erreicht, weil fortan jeder Kommandeur im Einsatzland lieber die Aufständischen laufen lässt, als so einen Vorfall zu riskieren.“

    Wollen sie damit sagen, dass es garnicht wesentlich war, dass von den Tanklastern eine Gefahr fuer ISAF oder Regierungstruppen ausging?

    Gerade durch das fast blinde Bombardieren von vermeintlichen Aufstaendischen, ist doch die Stimmung in Afghanistan bei den wenigen Symphatisanten gekippt. Kurz zuvor hat doch COMISAF versucht genau so etwas zu unterbinden.

    Das es Kriegsvoelkerrrechtlich keine Frage war, war doch nie eine ernsthafte Frage.

  15. @ sd

    Zitat: „Gerade durch das fast blinde Bombardieren von vermeintlichen Aufstaendischen, ist doch die Stimmung in Afghanistan bei den wenigen Symphatisanten gekippt. Kurz zuvor hat doch COMISAF versucht genau so etwas zu unterbinden.“

    Die Stimmung in AFG ist keineswegs gekippt, sondern war eindeutig pro Bombardierung siehe Kommentar von @Orontes von 22:07 Uhr

    Zitat: „Wollen sie damit sagen, dass es garnicht wesentlich war, dass von den Tanklastern eine Gefahr fuer ISAF oder Regierungstruppen ausging?“

    Natürlich war es wesentlich, dass von den Tanklastern eine Gefahr für das Lager in Kunduz ausging. Wenn die Tanklaster wieder flottgemacht geworden wären, hätten sie als rollende Bombe mit ungeheurer Vernichtungskapazität gegen das deutsche Lager eingesetzt werden können (Siehe Tanklasterunfall vor ca. 20 Jahren in NRW)

  16. @ sd

    Des Weiteren spielte natürlich auch die Möglichkeit 50 – 70 Aufständische auf einen Schlag zu bekämpfen eine wichtige Rolle. In dem betroffenen Distrikt Char Darreh sind im Jahre 2009 die Aktivitäten der Aufständischen laufend stärker geworden. Nach der Bombardierung war es eine ganze Weile lang relativ ruhig in dem Distrikt. Meiner Meinung ein Anzeichen dafür, dass man die Richtigen getroffen hatte.
    Dass entgegen dem damaligen Kenntnisstand des Oberst Klein auch Teile der Dorfbevölkerung anwesend waren, beim Spritdiebstall im Flussbett, ist im Nachhinein bedauerlich, aber wie sie selber angemerkt haben, kriegsvölkerrechtlich nicht zu beanstanden.
    Aufstandsbekämpfung setzt eben voraus, dass man zunächst die Aufständischen bekämpft, anschließend das Gebiet von Aufständischen frei hält, die zivilen Strukturen aufbaut und die Region damit stabilisiert. Ob dies letzten Endes tatsächlich funktioniert steht auf einem anderen Blatt, aber Aufstandsbekämpfung ohne Bekämpfung der Aufständischen funktioniert garantiert nicht.

  17. @ SD

    Hat Oberst Klein „Mist gebaut“ ? Kann ich nicht beurteilen – ungedient. Wenn ich die Situation mal mit meinen zivilen Instrumentarium betrachte, hat Oberst Klein seinen Job als Manager gemacht – er hat seine Mitarbeiter (Soldaten) geschützt. Das es dabei Tote gab, liegt in der Natur militärischer Auseinandersetzungen; in der wirtschaftlichen Auseinandersetzung führt Erfolg der einen Seite halt nur zu Entlassungen beim „Gegner“.

    Spannend ist die hypothetische Frage wie das Handeln von Oberst Klein in einer anderen Gesellschaft (z. B. USA/F/GB) bewertet worden wäre.

    Und ob wir als Zivilgesellschaft hier nicht reflexhaft das unbewältigte Trauma WKII vor uns hertragen, und nicht akzeptieren wollen, dass militärische Einsätze Opfer fordern (u. U. auch unbeteiligte). Ohne psychoanalytisch werden zu wollen, scheint mir doch das Problem nicht das Handeln von Oberst Klein, sondern die Rezeption dieses Vorfalles durch eine Gesellschaft zu sein – die von der Realität militärischen Handelns im Auftrag der Politik über Jahrzehnte entwöhnt – den Gutmenschen geben möchte.

  18. Mal ganz abgesehen von der Ebene, der Entscheidung, Bundeswehr und was auch immer. Ich finde hier spielt ein ganz andere Aspekt die Hauptrolle und das ist es, was mich persönlich tierisch ärgert.
    Es handelt sich um einen Menschen und niemand möchte so behandelt und gegängelt werden, wie es in seinem Fall mit ihm selbst und seiner Familie geschieht.
    Wenn jemand Mist baut, dann müssen auch entsprechend den Umständen Konsequenzen folgen und nicht jahrelange Gängelei!!
    Wenn die Bundesrepublik Deutschland einen Soldaten und in diesem Fall einen hohen Offizier in einen (kriegsähnlichen) Einsatz entsendet und mit solchen Befugnissen betraut, dann hat auch unser Land eine Verantwortung gegenüber diesem Amt und vor allem gegenüber diesem Menschen.

    Jetzt, nach Jahren!!!, wird dieses Thema immer noch auf dem Rücken von Oberst Klein und seiner Familie ausgetragen…. auch so kann man einen Menschen kaputt machen!

    Der Mensch steht im Mittelpunkt, das bekommt in diesem Fall eine ganz andere Bedeutung!

  19. @ jetflyer

    „Der Mensch im Mittelpunkt der Bw“ – ist dieser Slogan der 80er jemals anders als von ihnen dargestellt interpretiert worden ?
    Das allumfassende Absicherungsdenken, die Weigerung von hohen Offizieren Entscheidung zu treffen, die persönliche Angriffe auf Soldaten, die nicht bereit waren sich vom System instrumentalisieren zu lassen, sondern mit eigenem Gewissen, mit Rückgrat nach oben und unten geführt haben – waren das nicht immer Menschen, die im Mittelpunkt der Bw standen – und dort sich selbst und dem System im Weg standen ?

  20. In all dem Gerangel um Sinn oder Unsinn, Fehler oder gut gemacht, geht ein wichtiges Momentum ganz verloren…

    Wie kam es eigentlich, das der US- amerikanische Oberbefehlshaber samt Washington-Post-Korrespondent im Schlepptau vor Ort war, während die Trümmer noch vor sich hin schwelten? Wie kam es, daß ausgerechnet diejenigen, die schon zig ganze Hochzeitsgesellschaften in die Luft gejagt und als bedauerliche Zwischenfälle eingestuft haben, sich ganz plötzlich als Verteidiger der zivilen und ganz harmlosen Spritdiebe aufspielen?

    Es gibt bei logischem Nachdenken nur eine einzige mögliche Antwort: Unsere transatlantischen Freunde hatten es einfach satt, immer als diejenigen dazustehen, die die Drecksarbeit machen, während die Deutschen in der Weltöffentlichkeit und auch in der Sicht der afghanischen Mehrheitsbevölkerung als Brunnenbohrer, Schulhauserbauer und Verteidiger der Menschenrechte erscheinen.

    Die ganze Sache riecht so stark nach Falle, daß ich den Amerikanern nichts glaube, was ich nicht mit eigenen Augen gesehen habe. Tja, und der Herr Klein eignet sich schon alleine seines Namens wegen gut als Baueropfer. Vor allem, wenn sich im Bundestag so wunderbar darüber streiten lässt.

  21. @Iltis

    Jedem steht seine persönliche Verschwörungstheorie zu. Aber schreiben Sie dann bitte nicht Es gibt bei logischem Nachdenen nur eine einzige mögliche Antwort.

  22. @Iltis

    … und die Amerikaner waren nicht auf dem Mond, die CIA hat JFK ermordet und da gibt es sicher noch ganz viele weitere „Fallen“

    @ Georg

    So schwer ist es doch nicht zu verstehen was ich sagen wollte. Wenn doch…

  23. @georg

    „Dies wurde auch ohne Disziplinarverfahren erreicht, weil fortan jeder Kommandeur im Einsatzland lieber die Aufständischen laufen lässt, als so einen Vorfall zu riskieren.“

    Soso, Du kennst sicher jeden dieser Kommandeure und seitdem wurde ja auch kein einziger Luftschlag mehr durchgeführt, kein Taliban mehr getötet…

  24. @iltis
    „Wie kam es eigentlich, das der US- amerikanische Oberbefehlshaber samt Washington-Post-Korrespondent im Schlepptau vor Ort war, während die Trümmer noch vor sich hin schwelten? Wie kam es, daß ausgerechnet diejenigen, die schon zig ganze Hochzeitsgesellschaften in die Luft gejagt und als bedauerliche Zwischenfälle eingestuft haben, sich ganz plötzlich als Verteidiger der zivilen und ganz harmlosen Spritdiebe aufspielen?“

    General McChrystal hatte das Thema „ISAF schützt die Zivilbevölkerung“ zu einer der Säulen seiner neuen Strategie bzw. deren Kommunikation nach Außen gemacht und war ISAF-intern sehr resolut bei der Umsetzung. Die Zahlen entwickelten sich dementsprechend auch zunächst positiv. Der Kunduz-Vorfall stellte die Glaubwürdigkeit der neuen Strategie in Frage, weshalb entsprechend deutlich reagiert wurde. Zielgruppe war dabei vor allem (aber nicht nur) die afghanische und internationale Öffentlichkeit.

    Die von Ihnen beschriebene Frustration über die schlechten Ergebnisse der Bundeswehr im Raum Kunduz/Baghlan ist real, aber es gab sie schon lange vorher, und die Reaktion darauf war die zum Zeitpunkt des Vorfalls bereits verkündete Verstärkung der US-Kräfte im Norden.

  25. @ Ash

    Nein, ich kenne weder die jetzt dort tätigen Kommandeure, noch die Anzahl und die Qualität der durchgeführten Luftschläge.
    Was ich jedoch weiß, ist dass seitdem kein Luftschlag mehr so ein Aufheulen in der deutschen Gesellschaft mehr verursacht hat. Nun gibt es zwei Möglichkeiten, entweder die deutsche Gesellschaft reagiert nicht mehr auf solche Bombardierungen, oder es sind keine mehr erfolgt. Die Möglichkeit, dass über von Deutschen befehligte Luftschläge nicht mehr berichtet wird, schließe ich aus. Notfalls würde der Taliban-Pressesprecher bei Spiegel-online persönlich anrufen, wenn es etwas zu berichten gäbe.
    Die Möglichkeit, dass die deutsche Gesellschaft nicht auf solche Vorfälle reagiert schließe ich ebenfalls aus.
    Was bleibt ? Es wurden keine mehr durchgeführt.

    Außerdem möchte ich mal an die Logik der dort eingesetzten Kommandeure, hier Oberste erinnern. Im 6 Monate Kontingent alles richtig gemacht, den politische Willen im vorauseilenden Gehorsam erfüllt, dann wartet die Beförderung zum Brigadegeneral. Falls er Fehler macht, siehe Oberst Klein. Braucht man jetzt noch ein Disziplinarverfahren um die politische gewünschte Reaktion zu erreichen ?

  26. Ich finde dieser Artikel aus der Washington Post zeigt recht eindrucksvoll, was möglich ist: http://www.washingtonpost.com/world/national-security/in-afghanistans-garmser-district-praise-for-a-us-officials-tireless-work/2011/07/29/gIQA2Cc0DJ_print.html

    Da steckt natürlich eine ganze Menge Storytelling dahinter, aber ich erkenne Parallelitäten mit meinen, deutlich weniger gefährlichen Einsätzen. Mag sein, dass es daran liegt, dass ich ein liberaler Gutmensch bin, aber offenes, klares und verbindliches Auftreten im Bewusstsein auch der anderen, dass man ein gewissen Kräftedispositiv mit an den Tisch bringt, war mir immer hilfreich.

  27. @Sascha
    Da war natürlich ein bisschen gemein, gerade den Washington Post-Autor zu verlinken, der nach dem 4. September 2009 mit McChrystal in Kundus war…

  28. Zugegeben – es gibt mehr als eine logische Erklärung und ich habe überspitzt.

    Trotzdem hat Oberst Klein nicht auf eine von Taliban besuchte Eisdiele feuern lassen, sondern auf beladene Tanklastzüge, die sich in einer guten strategischen Lage zu einem wichtigen potentiellen Ziel der ISAF befanden.

    Daß sich die Fahrzeuge in einem Flußlauf festgefahren haben ist doch reines Glück gewesen und hat Zeit zum Nachdenken gegeben. Auch die Gegenseite hätte gut Gelegenheit gehabt zu überlegen, ob der Aufenthalt nahe bei 60 Tonnen Benzin und Diesel zu empfehlen ist.

    Was hätte sich der Herrn Oberst denn alles anhören müssen, hätte er dem Treiben in Ruhe zugesehen, bis es den Taliban eventuell gelungen wäre, ein oder mehrere Fahrzeuge wieder flott zu bekommen und Richtung Kundus in Marsch zu setzen? Es ist zwar müßig darüber zu spekulieren, aber was hätte McChrystal dazu gesagt?

    Im Übrigen ist es inzwischen ja üblich, die Auseinandersetzungen in AFG als das zu benennen, was sie sind: Krieg. Daher empfehle ich an dieser Stelle mal wieder die Lektüre von Clausewitz. Die einleitenden Kapitel reichen völlig aus, der Mann ist aktuell wie eh und je.

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