Deutsche raus aus AWACS über der Türkei? Sieht die Kanzlerin nicht so (Update)

Der Vorstoß von Außenminister Sigmar Gabriel, angesichts des Streits zwischen der Türkei und Deutschland über Besuchsrechte von Parlamentariern bei deutschen Soldaten im Einsatz auch einen Abzug der Bundeswehr aus AWACS-Flugzeugen der NATO zu erwägen, ist offensichtlich nicht die Linie von Bundeskanzlerin Angela Merkel. Regierungssprecher Steffen Seibert machte am (heutigen) Freitag (Korrektur!) recht deutlich, dass die Überlegungen des Vizekanzlers nicht mit der Regierungschefin abgestimmt sind. Und dass für Merkel dieses Thema – bislang? – auch nichts für den NATO-Gipfel in der kommenden Woche ist.

Allerdings, und da waren Regierungssprecher, Auswärtiges Amt und Verteidigungsministerium sehr bemüht, Einheitlichkeit zu demonstrieren: Die Besuchsrechte der Parlamentarier sind für die gesamte Bundesregierung weiterhin ein wichtiges Thema. Und sie gelten auch für die Bundeswehrsoldaten, die in den AWACS-Flugzeugen und auf der vorgeschobenen Basis Konya in der Türkei ihren Dienst tun. Nicht nur für Incirlik.

Update: Am Freitag ist Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen auf der jordanischen Airbase Al Azraq eingetroffen: Die gilt als mögliche Alternative zu Incirlik. Details dazu hat die Bundeswehr hier veröffentlicht.

Die Lage der Luftwaffenbasis, rund 150 km östlich der jordanischen Hauptstadt Amman (der rote Marker links unten auf der Karte):

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Personalstärke April 2017: Fast keine Veränderung zum März

Die Zahlen zur militärischen Personalstärke der Bundeswehr im April 2017 liegen jetzt vor, wie üblich unter dem immer gleichen Link veröffentlicht. Im Vergleich zum Vormonat sind die Zahlen praktisch unverändert: 178.179 Soldatinnen und Soldaten gegenüber 178.233 im März, 168.047 Berufs- und Zeitsoldaten gegenüber 168.287 im Monat zuvor.

Die Gesamtübersicht:

178.179 aktive Soldaten und Soldatinnen umfasst die Bundeswehr insgesamt. Sie verteilen sich wie folgt: weiterlesen

Gastbeitrag: Saving Private Schmitz

In der aktuellen Debatte über die Bundeswehr, was sie prägt, ihr Traditionsverständnis und natürlich auch die Fälle und Vorwürfe rechtsextremistischer Umtriebe freue ich mich über diesen Gastbeitrag: Gregor Weber ist Autor und bekannt als Schauspieler. Unter anderem spielte er zehn Jahre lang Kommissar Stefan Deininger im saarländischen Tatort. Die Bundeswehr ist seit vielen Jahren ein wichtiges Thema seiner Bücher und seines Lebens. Nach dem Wehrdienst als Funker bei der Marine wechselte er in der Reserve zum Heer und leistet dort seit gut zehn Jahren regelmäßig Dienst als Pressefeldwebel in der Gebirgs- und Fallschirmjägertruppe. In dieser Funktion war er 2013 auch im ISAF-Einsatz in Kunduz. Derzeit ist er bei der Division Schnelle Kräfte beordert. Sein aktueller Dienstgrad ist Hauptfeldwebel d.R.

Saving Private Schmitz – wie wir die Bundeswehr umarmen sollten

Ein Soldatenfriedhof am Strand der Normandie. Sonnenschein, viele Besucher. Stars and Stripes wehen majestätisch im Wind, daneben die Flagge Frankreichs. Ein alter Mann geht unsicher über das Gras, durch endlose Reihen weißer Steinkreuze und Davidssterne, in einigen Metern Abstand offenbar seine Familie. Vor einem Kreuz bleibt er stehen, muss, von überwältigender Regung erschüttert, in die Knie, hält sich am Kreuz fest. Er weint.

So beginnt und endet der Film „Saving Private Ryan“. Dazwischen entfaltet sich die Geschichte der Rettung dieses Mannes als junger Fallschirmjäger bei der Befreiung Frankreichs. Ein Trupp Ranger hat alles riskiert und das meiste verloren, um ihn zu finden. Der Führer des Trupps, Captain Miller, sagt am Ende sterbend zu dem jungen Ryan: „Earn this. Earn it!“, verdien dir diese Rettung. Und Ryan, jetzt ein alter Mann, fragt, fast bittend wie ein Kind, seine Frau, ob er ein gutes Leben geführt hat. „Tell me, I am a good man“, sag mir, dass ich ein guter Mensch bin.

In diesen wenigen Ausschnitten liegt – hochemotional aufbereitet – das Bestmögliche, was Soldat sein bedeuten und das Äußerste, was es fordern kann. Die Verpflichtung, dem Ruf der eigenen Nation in der Not zu folgen. Der Wille, einer anderen Nation im Kampf um die Freiheit beizustehen. Die Bereitschaft, für einen unbekannten Kameraden das Leben zu wagen. Kämpfen und dabei anständig bleiben. Den Tod anderer nicht achselzuckend hinzunehmen, sondern daraus ein Ethos fürs eigene Weiterleben abzuleiten. Die Gefallenen nicht vergessen. Dankbar sein für das eigene Leben und die eigene Freiheit. Die Anerkennung dessen, was der Soldat im Krieg erduldet und geleistet hat durch Familie und Gesellschaft.

Als Deutscher sieht man diesen und zahllose andere Filme mit gemischten Gefühlen. weiterlesen

Fürs Archiv: Deutscher Beitrag zu EU-Ausbildungsmission in Mali verlängert

Der Bundestag hat am (heutigen) Donnerstag die Beteiligung der Bundeswehr an der EU-Mission zur Ausbildung der malischen Armee verlängert. Das Parlament billigte mit 500 Stimmen das unveränderte Mandat für die Mission EUTM Mali. 64 Abgeordnete (die komplette Linksfraktion, acht SPD-Abgeordnete und drei Grüne) stimmten dagegen, die Grünen-Abgeordnete Monika Lazar enthielt sich.

Wie schon bei der räumlichen Ausweitung der EU-Trainingsmission im vergangenen Jahr soll auch künftig eine Begleitung der malischen Soldaten in Kampfeinsätzen, das so genannte Tactical Mentoring, ausgeschlossen bleiben. weiterlesen

Fürs Archiv: Bundestag verlängert Anti-Piraterie-Einsatz vor Somalia

Der Bundestag hat am (heutigen) Donnerstag wie geplant die Beteiligung der Bundeswehr an dem europäischen Anti-Piraterie-Einsatz vor Somalia, der Mission Atalanta, für ein weiteres Jahr verlängert. Für das unveränderte Mandat stimmten 461 Abgeordnete, 71 sprachen sich dagegen aus und 32 enthielten sich.

Die Bundeswehr ist derzeit mit rund 80 Soldaten an diesem Einsatz der Europäischen Union beteiligt, derzeit fliegt ein Seefernaufklärer vom Typ P-3C Orion zur Überwachung des Seegebiets. Ein Schiff hat die Deutsche Marine schon seit dem vergangenen Sommer nicht mehr in diesem Einsatz, auf absehbare Zeit ist auch kein Schiff oder Boot dafür eingeplant. weiterlesen

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