NH90: Bericht des Ministeriums zu ‘angeblichen technischen Störungen’

Die hier versammelte Drehflügler-Gemeinde interessiert das natürlich brennend: Das Verteidigungsministerium hat dem Verteidigungsausschuss des Bundestages den angeforderten Bericht zu angeblichen technischen Störungen beim Transporthubschrauber NH90 zugesandt. Das Schreiben des Parlamentarischen Staatssekretärs Markus Grübel vom (gestrigen) Montag ging heute im Ausschuss ein. Der Inhalt ist für die Kenner nicht wirklich überraschend; die meisten Details sind hier schon sehr ausführlich besprochen worden. Einschließlich der Aussage (an der das Ministerium festhält), dass die Probleme mit dem Overhead Control Panel bei der Havarie in Uzbekistan im vergangenen Jahr ein Einzelfall waren.

Angesichts des großen Interesses, das ich vermute, und da das Schreiben keinen Einstufungsvermerk trägt: weiterlesen

Wehrbeauftragter will ‘Abschied vom Dogma: Der Sack ist zu’

WB_BPKcrop_20150127

Bei der Vorlage seines letzten Jahresberichts hat der scheidende Wehrbeauftragte Hellmut Königshaus nicht nur, wie schon in den Vorjahren, die Mängel in der Truppe, bei Ausrüstung und Infrastruktur aufgelistet – sondern auch gefordert, bei der Neuausrichtung der Bundeswehr nachzubessern. So müsse das Dogma Der Sack ist zu bei den Standorten überprüft werden: Es sei wenig sinnvoll, Einheiten aus frisch sanierten Kasernen ausziehen zu lassen und statt dessen an anderen Standorten marode Einrichtungen erst wieder für viel Geld instand setzen zu müssen. Da sei dringend eine Nachbesserung im Interesse von Soldaten wie Steuerzahlern nöitg.

Kritisch äußerte sich Königshaus, dessen Amtszeit am 19. Mai um 24 Uhr endet, auch zu dem Grundsatz Breite vor Tiefe für alle Fähigkeiten der Bundeswehr. Für besonders beanspruchte Bereiche, zum Beispiel Lufttransport oder Sanität, müsse mehr Tiefe geschaffen werden.

Die komplette Pressekonferenz des Wehrbeauftragten am (heutigen) Dienstag zum Nachhören (hat aus technischen Gründen etwas gedauert):

 

Wehrbeauftragter_BPK_27jan2015.mp3     

 

 

 

Scheidender Wehrbeauftragter: Jahr der Wahrheit, Jahr des Mangels

Der scheidende Wehrbeauftragte des Bundestages, Hellmut Königshaus, hat in seinem letzten Jahresbericht zum Zustand der Bundeswehr die Mängel an Waffen, Ausrüstung und Infrastruktur der Truppe beklagt. Das vergangene Jahr sei ein Jahr der Wahrheit gewesen, weil die erheblichen Defizite erstmals auch für die breite Öffentlichkeit sichtbar geworden seien, schrieb Königshaus in seinem Bericht für 2014, der am (heutigen) Dienstag in Berlin vorgelegt wurde. Durch diese Mängel werde nicht nur die Einsatzfähigkeit der Streitkräfte beeinträchtigt, sondern auch das Personal erheblich belasetet. Die Chancen der Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen, für mehr Attraktivität des Dienstes in der Bundeswehr zu sorgen, würden damit deutlich verringert.

Nun sind die Berichte des jeweiligen Wehrbeauftragten immer Mängelberichte, das ist seine (oder ihre) Aufgabe. Was Königshaus wenige Monate vor Ende seiner Amtszeit vorlegte, ist allerdings nicht nur eine Auflistung der Mängel in verschiedenen Bereichen, sondern eine verheerende Gesamtschau. Im Einführungskapitel hat der letzte FDP-Politiker im Bundestag (vor seiner Amtszeit als Wehrbeauftragter war Königshaus Abgeordneter der Liberalen) schon stichwortartig die gröbsten Probleme zusammengefasst, die sich zu einer negativen Gesamtbilanz summieren:

Große Sorge bereiten auch die im Berichtsjahr massiv zu Tage getretenen Mängel und Defizite bei den militärischen Großgeräten, wie dem Eurofighter, dem Transporthubschrauber NH 90, dem Transportflugzeug Transall und den Minenjagdbooten der Marine sowie die Erkenntnis, dass die Rüstungsplanung die sach- und zeitgerechte Deckung des künftigen Einsatzbedarfs nicht gewährleistet. Daneben konnte der Ersatzteil- und Betriebsmittelbedarf für alte Geräte nicht annähernd gedeckt werden. (…) weiterlesen

F16-Crash in Spanien, deutsche Luftwaffe nicht betroffen

Auf dem Fliegerhorst von Albacete im Süden Spaniens ist am (heutigen) Montag ein F-16-Kampfjet der griechischen Luftwaffe verunglückt. Nach bisherigen Berichten soll es neben zwei Toten auch zehn Verletzte gegeben haben. Vermutlich waren neben der verunglückten Maschine auch etliche andere Flugzeuge am Boden betroffen.

In Albacete findet das Tactical Leadership Programme (TLP) der NATO statt, an dem derzeit auch die deutsche Luftwaffe mit Tornado-Kampfflugzeugen teilnimmt. Nach Angaben des Verteidigungsministeriums in Berlin sind weder deutsches Personal noch Material von dem Unglück betroffen.

(Es gibt auch ein Video, auf dem aber eigentlich nichts zu erkennen ist.)

Nachtrag: Inzwischen gibt es – noch nicht bestätigte –  Hinweise auf zehn Tote. Offensichtlich ist die Lage noch ziemlich unklar und kann sich noch verschlimmern.

Münchner Sicherheitskonferenz: Redner, Programm, Unwägbarkeiten

MSC_logo

 

Wie jedes Jahr wirft die Münchner Sicherheitskonferenz, die diesmal vom 6. bis 8. Februar stattfindet, ihre Schatten voraus; wie jedesmal sagt der Organisator, Botschafter Wolfgang Ischinger, dass es die wichtigste und von der Besetzung her prominenteste Konferenz ever werde. Nun sagen Teilnehmer, auch wenn sie hochrangig sind, und das vorher festgelegte Programm noch nicht unbedingt was über den Ablauf dieser Konferenz aus – wer hätte zum Beispiel im vergangenen Jahr den Aussage-Dreiklang Deutschland muss mehr Verantwortung übernehmen von Bundespräsident Joachim Gauck, Außenminister Frank-Walter Steinmeier und Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen erwartet, obwohl ihre Teilnahme lange vorher bekannt war?

Deshalb wird auch in diesem Jahr spannend zu beobachten, was bei den – nicht wirklich überraschenden – Themen europäische Sicherheitsarchitektur/Ukraine/Russland und Nah-/Mittelost/ISIS herauskommt und welche Akzente Bundeskanzlerin Angela Merkel als wichtigste deutsche Repräsentantin setzen wird. Natürlich auch, was von US-Vizepräsident Joe Biden und dem russischen Außenminister Sergej Lawrow zu hören sein wird.

Als Überblick und zur Einstimmung das, was Ischinger am (heutigen) Montag zu Teilnehmern und Programm vor Journalisten in Berlin mitgeteilt hat (im Audio gibt es eine kurze Passage unter drei ohne Tonaufzeichnung, die mit einem Piepton markiert ist): weiterlesen

« zurückweiter »