Ausbau der NATO-Infrastruktur: Nicht nur neue Kommandostäbe

Die NATO-Verteidigungsminister haben bei ihrem Treffen in Brüssel, wie erwartet, einen (Wieder)Ausbau der Kommandostruktur des Bündnisses beschlossen: Zwei neue Kommandostäbe sollen die Logistik innerhalb Europas sowie einen möglichen Nachschub über den Atlantik organisieren. Das war absehbar; die Details fehlen noch, unter anderem ist Deutschland als Standort für das Logistikkommando im Gespräch.

Ein wenig unbeachtet bleibt in der bisherigen Wahrnehmung, dass es ja nicht nur darum geht, neue Büroarbeitsplätze mit neuen Dienstposten zu schaffen. Die beiden geplanten neuen NATO-Hauptquartiere sind ja nur der bislang sichtbare Teil einer grundsätzlichen Umorientierung: Die Infrastruktur in den europäischen NATO-Staaten soll – wieder – für den reibungslosen Transport von Truppen und vor allem Gerät fit gemacht werden. weiterlesen

Lesetipp: Die NATO und ihr Organisationsproblem

Die Kollegen vom Spiegel haben einen geheimen Status-Bericht der NATO ausgegraben – Kernaussage: Aufgrund von vor allem organisatorischen Problemen in Europa ist die Allianz nur sehr eingeschränkt  handlungsfähig. Als Abhilfe werde, unter anderem, ein neues Logistik-Kommando in Europa überlegt – möglicherweise in Deutschland.

Die deutsche Fassung des Berichts steht im neuen gedruckten Spiegel und online hinter Paywall, die englische Fassung gibt es aber schon offen zu lesen:

NATO Grapples with Serious Organizational Shortcomings
In a secret report, NATO warns that it may not be prepared to confront a hypothetical Russian attack. Senior military officers would like to see a return to the command structures used by the alliance during the Cold War.

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Lesestoff: Zapad 2017, Norwegen und Spitzbergen

Zur russischen (und weißrussischen) Großübung Zapad 2017 im September war im Westen vor allem vorher viel zu lesen, hinter bisschen weniger – die diversen Lessons Learned sind wohl noch in der Auswertung oder, vor allem, noch nicht öffentlich. Zudem geht es aus mitteleuropäischer Sicht dabei meist ums Baltikum.

Deshalb ist der Bericht einer norwegischen Webseite sehr interessant: Russland, so heißt es dort, habe während der Übung in der Arktis einen Angriff auf Spitzbergen simuliert – norwegisches, aber demilitarisiertes Territorium:

Russian forces exercised attack on Svalbard
Russian military forces exercised in September 2017 how to invade Svalbard, the Norwegian archipelago in the Barents Sea. weiterlesen

Warten auf Zapad (Nachtrag)

In gut einer Woche werden die russischen Streitkräfte, zusammen mit der Armee Weißrusslands, das Großmanöver Zapad 2017 beginnen – Zapad (deutsche Schreibweise: Sapad) steht für Westen  und ist Teil einer regelmäßigen Übungsserie in allen russischen Militärdistrikten, die nach 2013 turnusmäßig in diesem Jahr wieder an der Westgrenze Russland stattfindet.

Schon im Nachgang zu Zapad 2013 hatte der Westen ein wenig nervös reagiert; nach den angekündigten 10.000 Soldaten für diese Übung stellte sich anschließend heraus, dass die tatsächliche Zahl eher bei 70.000 lag. Ähnliches wird auch für die aktuelle Übung erwartet: Obwohl beide Übungsländer formal von 12.700 Soldaten ausgehen, dürfte die tatsächliche Zahl nach den bisherigen westlichen Beobachtungen eher bei rund 100.000 liegen – und das in einem Bogen von der Arktis bis zur Ukraine, also sowohl auf russischem als auch auf weißrussischem Territorium.

Die Zahl 100.000 wurde bislang immer wieder eher inoffiziell genannt, Litauens Verteidigungsminister Raimundas Karoblis hatte sie als zunächst einziger NATO-Verteidigungsminister im Juni konkretisiert . Heute wurde sie auch von der deutschen Ressortchefin Ursula von der Leyen am Rande des EU-Verteidigungsministertreffens in Estland angeführt: weiterlesen

ExerciseWatch: Die NATO übt deutlich weniger als Russland

In Russland und Weißrussland steht in den nächsten Wochen die militärische Großübung Zapad 2017 an, und sie wird von der NATO und vor allem von den baltischen Staaten sehr genau und mit Argwohn beobachtet: Die offiziell gemeldete Zahl von unter 13.000 beteiligten Soldaten liegt unterhalb der Schwelle, die nach den OSZE-Vereinbarungen die Entsendung von Beobachtern anderer europäischer Länder erlaubt – vor allem die osteuropäischen NATO-Mitglieder bezweifeln jedoch, dass es unterhalb dieser Schwelle bleibt.

Vor Zapad 17 gibt es bereits einzelne Vorübungen, zum Beispiel eine gemeinsame Logistik-Übung des russischen Westlichen Militärdistrikts und Weißrusslands mit 3.000 Soldaten (Foto oben).

Die Übungsserie wird uns hier sicherlich noch beschäftigen; aktuell aber erst mal eine dazu passende Übersicht der Kollegen der Frankfurter Allgemeinen Zeitung*. Die haben sich die öffentlichen Mitteilungen zu Militärübungen der NATO und Russlands in den vergangenen Jahren mal genauer angeschaut:

Nach Recherchen von FAZ.NET hat Russland seit 2015 deutlich mehr Militärübungen abgehalten als die Nato und ihre Mitgliedsstaaten in Europa. Die Ergebnisse sind für den Westen alarmierend. weiterlesen

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