Erster Cyber-Angriff der Bundeswehr: Mobilfunknetz auf Suche nach entführter Deutscher gehackt

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Die Bundeswehr hat erstmals einen echten Angriff auf fremde Informationsnetze gestartet – allerdings nicht in einer militärischen Operation, sondern praktisch in einer Polizeioperation zur Befreiung einer entführten deutschen Staatsbürgerin in Afghanistan. Wie am (heutigen) Freitag Spiegel Online berichtet, drangen die Experten für Computer Network Operations (CNO), die zum Kommando Strategische Aufklärung (KSA) in Rheinbach bei Bonn gehören, im vergangenen jahr in das Netz eines afghanischen Mobilfunkbetreibers ein. Damit wollte die Bundeswehr den Standort der Entführer ermitteln.

Nach Informationen von Augen geradeaus! führte zwar diese erste Cyber-Operation deutscher Streitkräfte nicht auf die Spur der verschleppten Deutschen, allerdings waren für die beteiligten deutschen Behörden, den Krisenstab des Auswärtigen Amtes und die Bundeswehr, damit Bewegungsprofile der mutmaßlichen Entführer zugänglich. Die Mitarbeiterin der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) wurde von ihren Entführern, vermutlich Kriminellen, später freigelassen. Das Kommando Spezialkräfte (KSK) der Bundeswehr war zwar an der Übergabe beteiligt, griff aber nicht ein. weiterlesen

Kampf gegen ISIS: Cyber Warfare erstmals offizieller Teil der Kriegführung

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Die USA setzen bei ihrem Kampf gegen die ISIS-Terrormilizen in Syrien und im Irak zunehmend auf elektronische Kriegführung, um die Kommunikation der Islamisten zu stören und zu unterbrechen. Ein Ziel sei es, ihr Vertrauen in die eigenen Netzwerke zu untergraben, sagte US-Verteidigungsminister Ashton Carter am (heutigen) Montag bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Stabschef Joseph Dunford im Pentagon:

The cyber efforts are being used, particularly in Syria, Carter said, to disrupt ISIL’s command and control operations, cause the terrorists to lose confidence in their networks and to interrupt their ability to control the population and the economy. weiterlesen

Streitkräfte im Cyberkrieg: Was ist offensiv?

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Wie alle Streitkräfte muss sich die Bundeswehr mit den zunehmenden Problemen der Digitalisierung auseinandersetzen: Waffensysteme werden immer mehr digitalisiert, vernetzt und damit verwundbarer. Zugleich stellt sich die Frage, welche Möglichkeiten, faktisch und rechtlich, Soldaten haben, beim Schutz der verletzlichen digitalen Infrastruktur des Heimatgebiets wie auf dem digitalen Gefechtsfeld vorzugehen: Wo schlägt Verteidigung in völkerrechtlich problematische Angriffe um?

Der Verteidigungsausschuss widmete diesen Fragen am (heutigen) Montag eine mehrstündige öffentliche Anhörung. Um es kurz zu machen: Viele Fragen blieben offen, von den Sachverständigen kamen an einigen Stellen Bedenken, was die nötigen, gegebenenfalls auch offensiven Fähigkeiten der Bundeswehr angeht. weiterlesen

Erster Blackout nach Hacker-Angriff? (In der Ukraine)

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Das gehört auf die sicherheitspolitische Beobachtungsliste: Erstmals sollen, so weit bekannt, Hacker die Energieversorgung einer ganzen Region lahmgelegt haben – konkret Ende Dezember vergangenen Jahres in der Ukraine.

Aus dem Bericht der Washington Post:

Hackers caused a blackout for the first time, researchers say
Hackers caused a power outage in Ukraine during holiday season, researchers say, signalling a potentially troubling new escalation in digital attacks.
“This is the first incident we know of where an attack caused a blackout,” said John Hultquist, head of iSIGHT Partner’s cyberespionage intelligence practice. (…) weiterlesen

Hybride Kriegführung: ‘Für uns Esten nichts Neues’

12. HB Jahrestagung "Sicherheitspolitik und Verteidigungsindustrie" (P1200626)

Die Esten haben, aufgrund ihrer Geschichte der vergangenen knapp 100 Jahre, einen sehr bestimmten Blick auf Russland – und einen sehr bestimmten Blick auf hybride Kriegführung. Schon der damals sowjetische Angriff auf das damals unabhängige Estland 1924 sei mit solchen Mitteln begonnen worden, schilderte der Chef der Streitkräfte, Generalleutnant Riho Terras, am (heutigen) Dienstag bei der Handelsblatt-Konferenz Sicherheitspolitik und Verteidigungsindustrie in Berlin. Am Ende sei das Ergebnis hybrider wie konventioneller Kriegführung aber das gleiche: Wer von einem Auto überfahren werde, dem sei es ziemlich egal, ob es ein Hybridfahrzeug war oder ein normaler Benziner.

Terras sehr lebendiger Vortrag zum Nachhören:

 

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(Foto: Dietmar Gust/Euroforum)

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