Friedrich: Den CCC-Trojaner kenn’ ich nicht
Es war eher eine Grundsatzrede, die Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich heute bei der Handelsblatt-Konferenz Sicherheitspolitik&Verteidigungsindustrie in Berlin gehalten hat; eine Grundsatzrede über die vernetzte Informationsgesellschaft und ihre Gefahren. Die Kollegen von Zeit Online haben ziemlich genau zeitgleich mit dem Beginn der Rede des Ministers ihr ausführliches Interview zu gerade diesem Themenkreis online gestellt – das zu lesen empfiehlt sich, und die Rede geht eher nicht drüber hinaus.
Dennoch, für die Interessierten, die komplette Rede Friedrichs zum Nachhören (aus technischen Gründen in zwei Teilen) und aus der anschließenden Frage-und-Antwort-Runde noch die nette Aussage des CSU-Politikers: Den Staatstrojaner, den der Chaos Computer Club öffentlich machte, kenne er nicht. Bundesbehörden hätten ihn jedenfalls nicht eingesetzt.
… operating in Cyberspace
Wer diese Nacht noch nichts vorhat: Jetzt hat das Pentagon seine Cyber-Strategie veröffentlicht. Das Pentagon selbst betont den Defensivcharakter, andere in Washington sehen das anders.
Ich hab’ noch nicht weiter reingeguckt, aber das ist dann eine Lektüre spätestens fürs Wochenende… Department of Defense Strategy for Operating in Cyberspace
(da kommt das ja passend: Hacker erbeuten Tausende Pentagon-Geheimdaten)

Da kriegt der J6 graue Haare
Das ist doch was: Bei den US-Verbündeten wird der iPad (wie zuvor schon der iPod touch und das iPhone) ein wichtiges Werkzeug auf dem Gefechtsfeld: Turning the iPad into a weapon
Bei der Bundeswehr würde vermutlich der J6 (auf Deutsch: der verantwortliche Offizier für das Aufgabengebiet 6, Führungsunterstützung) graue Haare kriegen, wenn er auch noch einen iPad in die IT-Struktur integrieren müsste. Ist es doch auch so schon schlimm genug, wie der gestrige Bericht über eine Tagung vom 24. Mai deutlich macht: Die Spanne der “kriminellen Handlungen” gehe bei Computer-Nutzern von unbedachter Nutzung des Internets über die Weitergabe beruflicher Daten an private Adressen bis hin zum mobilen Arbeiten mit dem dienstlichen Laptop.
Mobiles Arbeiten! Mit dem dienstlichen Laptop! Die Strafe für so ein Vergehen kann gar nicht hart genug ausfallen.
TV gucken: “Vom Digitalangriff zum Cyberkrieg?” auf Arte
Kurzer TV-Tipp: Die Arte-Dokumentation Vom Digitalangriff zum Cyberkrieg? lässt sich jetzt online ansehen.
Hacker-Angriff auf Lockheed Martin
Mit kleiner Verspätung hat ein Hackerangriff auf den weltgrößten Rüstungskonzern, das US-Unternehmen Lockheed Martin, auch die deutschen Medien erreicht. Zum besseren Verständnis deshalb hier
die Meldung der Nachrichtenagentur Reuters (die als erste mit dieser Information kamen) vom Freitagnachmittag: Hackers breached U.S. defense contractors
ein Erklärstück der New York Times
und noch ein Erklärstück eines US-Computerexperten: RSA Breach Fallout?
Unterm Strich: es ist nicht nur ein Problem des größten Rüstungskonzerns der Welt und des U.S.-Militärs – was schon schlimm genug ist. Sondern ein Problem für eine bestimmte Art von technischer Zugangskontrolle und Verschlüsselung. Mit anderen Worten: wenn die Annahmen stimmen, ist die Rüstungsindustrie nur ein kleiner Teil der Betroffenen…

Thomas Wiegold schreibt über die Bundeswehr, über Verteidigungs- und Sicherheitspolitik. Die Truppe hat er schon lange im Blick: 1993 berichtete er aus Somalia und seitdem aus fast allen Einsatzgebieten der Bundeswehr.