Gefährliche Funkstörung

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Deutsche Soldaten brauchen dringend neue Funkgeräte. Doch die Pläne für einen Ersatz verzögern sich um Jahre.

Von Kai Biermann und Thomas Wiegold

(Dieser Bericht erscheint als Kooperation von Zeit Online und Augen geradeaus! zeitgleich auf beiden Webseiten)

Wenn Soldaten Feinde bekämpfen sollen, dann brauchen sie Gewehre und Helme. Und Funkgeräte. Gewehre und Helme hat die Bundeswehr noch genug. Doch schon in vier Jahren werden viele Funkgeräte der Truppe ausfallen. Denn die Geräte sind dann so alt, dass es keine Ersatzteile mehr für sie gibt. Sollten bis 2020 keine neuen Funkgeräte beschafft worden sein, könnte die gesamte Bundeswehr nach und nach verstummen. Dann wären ihre Soldaten im Einsatz großen, unnötigen Risiken ausgesetzt.

Doch der Ersatz wird nicht pünktlich eintreffen. Schon heute hinkt die Planung für neue Kommunikationstechnik um Jahre hinterher. Das lässt sich aus internen Unterlagen der Bundeswehr und des Bundestags ersehen, die Zeit Online und das sicherheitspolitische Blog Augen Geradeaus! ausgewertet haben.

Die Abgeordneten der Regierungskoalition haben deswegen gerade im Verteidigungsausschuss Alarm geschlagen – dezent aber deutlich. In einem gemeinsamen Antrag zu den Beratungen für den Bundeshaushalt 2017 fordern die Parlamentarier von Union und SPD, das Verteidigungsministerium möge prüfen, “wie das Vorhaben Mobile Taktische Kommunikation (MoTaKo) möglichst zeitnah beschafft werden kann”.

Die Abkürzung MoTaKo beschreibt den Plan, für 25.000 Fahrzeuge und 50.000 Soldaten neue Funkgeräte zu entwickeln, zu bauen und anzuschaffen. Das Vorhaben ist für die Soldaten lebenswichtig. Ohne funktionierende Kommunikation kann kein General seine Truppen steuern, keine Einheit am Boden Luftunterstützung anfordern, kann kein Aufklärer seine Beobachtungen weitergeben. Ohne Funkgeräte sind Soldaten im Kampf blind, schlimmstenfalls laufen sie orientierungslos in die Mündungen ihrer Gegner oder in das Feuer der eigenen Geschütze.

In der Sprache der Bürokraten ausgedrückt klingt das so: Im Bereich “Führungsfähigkeit” bestehe “der insgesamt größte Handlungsbedarf”. So ist es im Rüstungsbericht des Verteidigungsministeriums vom Oktober 2015 zu lesen, der alle laufenden Rüstungsprojekte analysiert. Ein internes Papier dazu formuliert militärisch knapp: “Soldat / Fahrzeug ohne Führungsmittel ist nicht einsatzfähig.” Ohne MoTaKo, bedeutet das zugespitzt, müssten die Soldaten irgendwann mit ihren privaten Handys in den Krieg ziehen. Angesichts der aktuellen Bedrohungslage eine Katastrophe.

MoTaKo ist daher eines der größten Rüstungsprojekte des Verteidigungsministeriums. Langfristig sind dafür 5,5 Milliarden Euro vorgesehen. Doch diese Summe ist immer noch nicht konkret eingeplant. Das Vorhaben ist so riesig, dass es in sechs Einzelprojekte aufgeteilt ist. Trotz seiner Wichtigkeit finden sich die Einzelprojekte jedoch bislang nicht im Haushaltsentwurf 2017 wieder. Im Etat taucht nur eines der sechs Projekte auf und auch das erst in den Plänen für 2018.

Die Parlamentarier fürchten, dass es Probleme mit MoTaKo gibt. Sie fürchten sich zu Recht.

Schon jetzt ist die bestehende Technik so mangelhaft, dass die Bundeswehr sie lieber heute als morgen ersetzen würde. Selbst wenn die Geräte noch ein paar Jahre länger durchhalten, als bislang angenommen, hilft das den Soldaten nicht viel, die damit weltweit ihr Leben riskieren.

Beispiel Afghanistan: Wenn 2010, auf dem Höhepunkt Einsatzes dort, ein Kompaniechef der Fallschirmjäger mit seiner Einheit das deutsche Feldlager in Kundus für eine Patrouille verlassen wollte, hatte er mehr Kommunikationselektronik als Waffen dabei. Um jederzeit mit seinen Soldaten und seinen Vorgesetzten reden zu können brauchte er: ein Kurzstreckenfunkgerät SEM 52SL für den Kontakt zu seiner Truppe. Zwei Tetrapol-Bündelfunkgeräte – eines, um den Bataillonsgefechtsstand zu erreichen, eines als Reserve. Dazu noch ein Tornisterfunkgerät SEM70, um größere Entfernungen zu überbrücken. In seinem Kommandofahrzeug waren außerdem digitale Funkgeräte vom Typ SEM 80/90 eingebaut, die neben Gesprächen auch Daten übertragen konnten, und ein Satellitenfunkgerät AN/PRC-117F, um das Nato-Regionalkommando erreichen und um Luft- oder Artillerieunterstützung bitten zu können. Vorsichtshalber hatten die Einheiten außerdem noch meistens zwei handelsübliche Satellitentelefone für die Langstreckenkommunikation mit – je eines für das Inmarsat- und für das Iridium-Netz.

Das wichtigste Gerät in diesem Arsenal aber, so erinnern sich Soldaten, war das zivile Handy mit einer GSM-Karte des afghanischen Mobilfunkanbieters Roshan. Nur damit ließ sich fast immer eine Verbindung herstellen. Die war zwar leicht abzuhören, doch war das immer noch besser, als komplett isoliert zu sein.

Doch mit einem Handy lassen sich keine Drohnenbilder empfangen, es lässt sich damit keine Artillerie steuern, es lassen sich keine verschlüsselten Daten entschlüsseln. Dafür hat die Bundeswehr bisher die vielen verschiedenen Gerätetypen. Die einen können den klassischen VHF-Truppenfunk verstehen, andere Satellitenkommunikation, wieder andere senden über Mobilfunknetze oder über das Hochfrequenzband. Viele von ihnen verstehen nur einen der vielen Kanäle, können keine Daten übertragen oder nicht verschlüsselt senden. Und die meisten verstehen sich nicht mit den Geräten anderer Nato-Armeen. MoTaKo soll all das ändern und eine einheitliche Infrastruktur schaffen, damit vom General im Stab bis zum Panzergrenadier im Wald alle verschlüsselt miteinander reden können.

Stabsoffiziere des Heeres geraten daher schon in Wallung, wenn sie erfahren, dass das Parlament lieber die Beschaffung von fünf neuen Kriegsschiffen für 1,5 Milliarden Euro startet, als sich um die Funkgeräte zu kümmern.

Denn das eine, im Haushalt bereits eingeplante Teilprojekt von MoTaKo, nimmt sich im Vergleich dazu eher bescheiden aus. 50 Kampffahrzeuge der Truppe sollen mit einem neuen Digitalfunkgerät ausgestattet werden, im Bundeswehr-Sprech “SVFuA” genannt. Die Abkürzung steht für streitkräftegemeinsame verbundfähige Funkausstattung. Aber das ist viel zu wenig und kommt jetzt schon zu spät. “Für die übrigen Teilprojekte, insbesondere für die Regeneration des UHF/VHF-Truppenfunks, ist das Herstellen der Haushaltsreife für einen Mittelabfluss ab 2018 bisher nicht erkennbar”, klagten die Abgeordneten in ihrem Beschwerdebrief an das Verteidigungsministerium. Was bedeutet: Obwohl MoTaKo längst hätte in vollem Umfang begonnen werden müssen, wird bislang nur eine kleine Testversion entwickelt. Dabei hat MoTaKo die höchste Priorität, die ein Rüstungsprojekt bekommen kann.

Trotzdem mangelt es nicht nur an Geld, sondern auch an Leuten.

Im Januar 2016 wurde die Planungs- und Entwicklungsphase des Milliardenprojekts offiziell gestartet. Bisher sah der Zeitplan vor, dass das für die Ausrüstung zuständige Institut der Bundeswehr (BAAINBw) bis 2017 Lösungsvorschläge sucht. Spätestens 2019 sollten dann Verträge mit den Lieferfirmen gemacht und ab 2020 erste Geräte angeschafft werden.

Das Jahr ist nicht willkürlich gewählt. “In der Funkausstattung laufen wir ab 2020 in die Obsoleszenz”, sagt Generalleutnant Jörg Vollmer, als Inspekteur des Heeres der Chef der Teilstreitkraft mit dem dringendsten Bedarf. Bedeutet: Ab da werden immer mehr der alten Funkgeräte ausfallen und nicht mehr repariert werden können. “Spätestens 2025 sind keine Ersatzteile mehr zu bekommen”, sagt Vollmer. Das gilt dann nicht nur für das Heer, sondern auch für alle anderen Bereiche der Bundeswehr, die mit den Landstreitkräften zusammenarbeiten, vor allem die Logistiker der Streitkräftebasis und die Mediziner des Sanitätsdienstes.

Das Problem: Das Ausrüstungsamt, abgekürzt BAAINBw, bekommt es offenbar nicht auf die Reihe, das Projekt zu organisieren. Um den festgelegten Zeitplan einzuhalten, hätte das BAAINBw in Koblenz sofort nach diesem Termin im Januar damit beginnen müssen, eine sogenannte Projektmanagementorganisation aufzubauen, also Planstellen zu schaffen. Die Wünsche von Bundeswehr und Verteidigungsministerium müssen schließlich in aufwändige Forderungskataloge übersetzt werden. Das Amt muss Angebote von der Industrie einholen, prüfen und viele Verträge verhandeln. Dazu braucht es Wissen und Leute. Die aber gibt es nicht.

In einem internen Brandbrief an das Verteidigungsministerium, der ZEIT ONLINE und Augen Geradeaus! vorliegt, beklagt das BAAINBw im März 2016, es seien bislang lediglich fünf Beamte in Vollzeit mit der Planung von MoTaKo befasst. Damit sei bereits jetzt absehbar, dass sich das Projekt verzögere, möglicherweise um “mehrere Jahre”. MoTaKo könne nur umgesetzt werden, heißt es in der internen Vorlage, “wenn kurzfristig eine umfassende Projektmanagementorganisation aufgebaut wird.”

Fünf Beamte klingen viel, sind bei einem Projekt dieser Größe aber gar nichts. Die Organisation sei inzwischen vergrößert worden, schreibt das Verteidigungsministerium auf Anfrage. “Für das Projekt MoTaKo sind derzeit im BAAINBw für die Bereiche Fachtechnik und Vertrag/Preis insgesamt 34 Dienstposten eingerichtet.” Das sei ausreichend für die “Anfangsbefähigung”, weitere Stellen für Projektplaner würden “in Abhängigkeit vom Projektfortschritt entschieden”.

Wer in den Stäben des Heeres nachfragt, erntet Hohngelächter, wenn die offiziell genannte Zahl von 34 Dienstposten für die Bearbeitung des Gesamtprojekts MoTaKo zur Sprache kommt. Wie viele Bearbeiter angesichts dessen da dann noch für jedes der sechs Teilprojekte zur Verfügung stünden, fragen sich die betroffenen Soldaten besorgt. Sie sind sich sicher: nicht genug.

Bereits in dem Beschwerdebrief vom März heißt es, durchgerechnet habe man das Vorhaben MoTaKo mit einer Projektorganisation von “ca. 70 Personen”. “Hiermit könnten die (…) vorgesehenen Termine für die Erstellung der Lösungsvorschläge absehbar eingehalten werden”. Weniger Dienstposten hätten hingegen eindeutig Verzögerungen zur Folge.

Weder die für den Verteidigungshaushalt zuständigen Planer noch die Bearbeiter im BAAINBw scheinen das Projekt wichtig genug zu nehmen, von dem das Leben von Soldaten abhängt. Nicht nur die Parlamentarier im Verteidigungsausschuss sind daher beunruhigt. Vor allem die Soldaten im Heer machen sich Sorgen. Was nützen ihnen 50 Panzer, die als Leuchtturmprojekt ein neues Funkgerät bekommen sollen, fragen sie sich.

Das Gerät, das unter dem Namen SVFuA in die neuen Panzer der Bundeswehr, den Transportpanzer Boxer und den Schützenpanzer Puma, eingebaut werden soll, verarbeitet die Signale digital (https://de.wikipedia.org/wiki/Software_Defined_Radio), was es erleichtert, es an neue Übertragungsstandards anzupassen. Es kann verschlüsselt senden und empfangen und es kann mit den Funkgeräten befreundeter Armeen reden. Doch was nützt das, wenn die Besatzung im Panzer nicht mit den Infanteristen funken kann, die neben ihm stehen und nicht mit den Artilleristen, die kilometerweit entfernt sind?

Die harte Währung der Bundeswehr ist die Brigade. Die insgesamt 3.000 bis 4.000 Mann sind die kleinste Organisationseinheit der Truppe, in der die verschiedenen Truppengattungen – von der Infanterie bis zur Artillerie – gemeinsam kämpfen können. Weniger geht nicht, soll die Bundeswehr neben mehr oder weniger großen Kontingenten in Auslandseinsätzen auch fit sein für ihre Hauptaufgabe, wie sie im Grundgesetz steht: die Landesverteidigung.

(Foto: Soldaten der Übungsleitung mit analogen Funkgeräten auf der Informationslehrübung 2016 auf dem Truppenübungsplatz Bergen)

188 Kommentare zu „Gefährliche Funkstörung“

  • Hans Dampf   |   04. November 2016 - 19:56

    @ Hans Schommer

    Mir schwebte bei meinem Kommentar bez. CAX nicht die Ebene Kp oder Btl vor, sondern deutlich darüber vor. Und da sollte man schon erwarten, dass sich auch um die Themen Eins- und FüUstg Gedanken gemacht wird…

  • Klaus-Peter Kaikowsky   |   04. November 2016 - 20:28

    @Thomas Melber
    FüS? Seit letzter Reform gibt es auf der Ebene, unmittelbar unter dem GI, noch
    – Abteilung Führung Streitkräfte (FüSK) und
    – Abteilung Strategie und Einsatz (SE).

  • Zimdarsen   |   04. November 2016 - 20:47

    @SER

    Da ist nichts schwer!

    Man muss nur wissen was man will und dazu gehört -Ahnung-Verantwortung-Entscheidungsgewalt- dies in Kombination gibt es in Deu im BMVg/Bw leider nicht.
    Man könnte ja mit dem Cyber- und Informationsraum (CIR) und Gen Leinhos bzgl taktischer Kommunikation einen solchen Bereich schaffen…….doch man wird es nicht tun.

  • Grashüpfer   |   05. November 2016 - 9:31

    Danke für den interessanten Blog, ich bin regelmäßig lesend zu Gast.

    Bei Diskussionen im Zusammenhang mit Rüstung (nicht nur zu diesem Artikel) wird leider mit gefährlichem Halbwissen argumentiert. Was aufgrund der Komplexität des Themengebietes und der Neigung des Menschen zur Vereinfachung natürlich ist – aber nicht einer zielführenden und sachlichen Diskussion zuträglich. Dieser Blog bewegt sich dennoch weitgehend auf sachlichem Niveau auch Dank den Beiträgen z.B. seitens Prädikatsmeinung und Germaniac.

    Themen zu Rüstungsbeschaffungen bzw. wie diese stattfindet wurden bis vor wenigen Jahren in einschlägiger Fachpublikation ohne interaktive Beteiligung mittels Foren sowie überschaubarer Reichweite (Anzahl lesende) in Papierform veröffentlicht. Und diese Lesenden waren dann auch weitgehend in Kenntnis über die Komplexität des Themas Rüstung.

    Nun hat man die Zeichen der Zeit durch die immer öffentlicher werdenden Fragestellungen zu dem Thema Rüstung auch im BMVg erkannt und versucht auf sachlichem sowie verständlichem Nivaeu, die interessierte Öffentlichkeit in einer bislang nie dagewesenen Tiefe zu informieren.

    Falls bislang nicht bekannt möchte ich allen das Studium des aktuellen „4. Bericht des Bundesministeriums der Verteidigung zu Rüstungsangelegentheiten, September 2016“ nahelegen, in dem u.a. auch ab Seite 17 MoTaKo behandelt wird.

    Herr Wiegold, wäre eine Verlinkung auf die Seite des BMVg zur Agenda Rüstung bzw. eine Direktverlinkung auf das Dokument zulässig?

    Ich finde diese Berichtsserie gut, um alle Interessierten an ihren jeweiligen „Abholpunkten“ einzusammeln um ein gemeinsames Verständnis über den „Ist-Zustand“ des deutschen Rüstungswesens und dessen Komplexität sowie Abhängigkeiten zum Vergabe- und Haushaltsrecht zu schaffen.

    Wir sind dann noch lange nicht bei der konkreten technischen Lösung, über die man ausführlich und trefflich diskutieren darf und jeder auch seine eigene Meinung haben kann. Das Spannungsfeld in dem sich die Ämterebene und damit die dort verantworlichen Personen bis hinunter auf die Sachbearbeiterebene ist höchst komplex. Alle vereinfachten Darstellungen in den Medien greifen daher zu kurz.

    Man sollte auch bedenken, dass wir 25 Jahre faktisch abgerüstet haben.

    Den Hebel nun umzulegen und die eklatanten Mängel zu beseitigen dauert bis zum Ende der nächsten Dekade (vgl. Rüstungbericht Seite 40) Zitat „Bis zum Erreichen der aufgabenorientierten Ausstattung in den aktuellen Strukturen muss ein Zeitraum bis zum Ende der kommenden Dekade angesetzt werden. In diesem Zeitraum werden schrittweise Ausstattungspakete realisiert, die frühestmöglich die Bereitstellung kampfkräftiger und durchhaltefähiger System-verbünde aus allen Organisationsbereichen in einem auf der Zeitachse zunehmendem Umfang für die Bündnisse ermöglichen.„

    Vielen Dank
    Gruß
    Grashüpfer

  • Mackiavelli   |   05. November 2016 - 9:49

    @ Woody
    „Der Amtsbereich hat es sich im großen und ganzen doch nicht ausgesucht, dass die Prozesse so sind wie sie sind. Die Abläufe sind eine direkte Folge der Gesetzgebung und Rechtssprechung in Deutschland.“

    Damit kann und will ich mich nicht zufriedengeben!
    Das Ergebnis ist schlecht, die Truppe bekommt nicht das was sie braucht. Dieser Zustand muss geändert und nicht erklärt werden und mein Eindruck ist, dass man sich in den höheren Ebenen schon damit abgefunden hat, dass es alles so chaotisch, langsam, teuer und weltfremd sein muss. Das ist doch eine Bankrotterklärung.
    Es gibt kein Gesetz, dass die Bundeswehr dazu zwingt kompliziert zu planen, unüberschaubare Anforderungen zu konzipieren und jahrelange Vergabeverfahren durchzuführen.
    Nirgendwo ist man in der Beschaffung so frei, wie im militärischen Bereich. Wenn man nur wollte, würde man einfach im Ausland nach bereits funktionierenden Lösungen schauen und dann einkaufen gehen. Wenn es dann doch noch irgendein Gesetz gibt, dass uns daran hindert, dann ist es der Job der Ministerin dies zu ändern, anstatt sich um die Stubenausstattung in Hintertupfingen zu kümmern.
    Mit dieser Amtsmentalität „Der Ablauf ist so, da kann man nichts machen“ kommen wir keinen Meter weiter.

  • Zimdarsen   |   05. November 2016 - 10:12

    @Mackiavelli

    Man muss nicht im Ausland kaufen, auch Firmen welche in DEU produzieren haben gute Produkte. Man muss nur wissen was man will.

  • klabautermann   |   05. November 2016 - 10:49

    @Woody

    Da sie mich in ihrem Kommentar mit meiner „Komplexitätsfalle“ angesprochen haben, erlaube ich mir einmal folgende Fragen zu stellen:
    1. .Ist es denn wirklich ohne jede Alternative, dass die gegenwärtigen Prozesse/Abläufe in der Streitkräfte-/Rüstungsplanung und deren Realisierung „eine direkte Folge der Gesetzgebung und Rechtssprechung in Deutschland.“ sind ?
    Falls das zuträfe, dann hat also dieser Staat sich seine eigene Komplexitätsfalle quasi selber gestellt ? Das kann ich in gewisser Weise teielen, denn seit Schröder/Scharping wurde ja die BW strukturpolitisch wie ein Mega- PPP-Projekt umorganisiert.
    2. Wie kommt „man“ aus einer Komplexitätsfalle wieder raus ? Nun, zunächst einmal ist es hilfreich, dass man die Falle erst einmal erkennt. Und dann sollte man sich über die grundsätzlichen Möglichkeiten zur Reduktion von Komplexität(en) ernsthafte Gedanken machen wie z.Bsp. Dezentralisierung, Portionierung und Skalierung.von Strukturen und Projekten…….oder einfach gesagt: dosierte Abschichtung von Pers/Org/Mat/HH-Verantwortungen auf die „Betriebs-/Fertigungsebene“. Also nicht „vom Einsatz her denken“ sondern von der strukturellen Einsatzbereitschaft der TSK her denken im Sinne von Zulieferbetrieben für die „Einsatkontingentfertigung“.
    Just my two cents ;-)

  • Bow   |   05. November 2016 - 13:11

    Keine neue Information – leider!
    Wenn ich hier die Kommentare höre, dann können wir nur froh sein, dass wir Einsätze in Ländern haben, in denen eine rudimentäre, zivile TK-Infrastruktur benutzbar ist!
    Als ich 1994 (ja, damals!) beim BUND anfing, habe ich auf HF100 2,5to-Trupps gelernt, die eicgentlich (!) 1975 bereits ausgemustert hätten sein sollen.
    Auf einer Divisionsübung waren wir dann die Stars, weil wir es tatsächlich geschafft hatten, eine 20km Schreibfunkstrecke aufzubauen. Zitat eines Obristen:“Ich dachte die wären nur dafür da, um seine Kaffeemaschine anzuschließen!“ – 230V-Aggi….
    In den letzten 20 Jahren scheint es also nicht besser geworden zu sein.
    Alles fantasierte damals von „BigStaff“ als „Gefechtsstandsfernmeldemittel“, obwohl es schon sehr anständige – natürlich zivile – WLAN Router gab (nichts anderes als das war BigStaff).
    Warum meint man in der BW immer das Rad neu erfinden zu müssen?!
    Es gibt – gerade im Fernmeldebereich – genug erprobte (!) und im Verhältnis kostengünstige Fernmeldemittel auf dem Markt.
    Seien es WLANs, Funkgeräte oder Satelitenkommunikationslösungen. Aber nein, da brauchen wir etwas von Rhode & Schwartz und Consorten – sau teuer, zu spät fertig, nicht funktionsfähig. Ach ja und die Verschlüsselung hinkt auch drei Generationen hinter dem „Mediamarkt-Standard“ hinterher.
    RTL kann von jedem Ort der Welt eine Reportage in unser Kabelnetz einspeisen – die BW schafft keine 10km Funkstrecke!
    Es ist lächerlich, wenn es im Zweifel nicht lebensgefährliche Folgen hätte.
    Aber hier sieht man auch, dass der Wandel vom „aufrechten Soldaten“ zum „Politiker in Uniform“ weiter an Fahrt aufgenommen hat.
    Schon Ende der 1990er waren die gemeldeten Klarlagen mit den tatsächlichen Klarlagen nicht ansatzweise übereinander zu bekommen – das scheint nicht besser geworden zu sein.
    Aber anstatt Übungen wirklich mal mit Anlauf vor die buchstäbliche Wand laufen zu lassen, behilft man sich mit WhatsApp, Telefon uns Skype, nur um in den höheren Stäben „Vollzug“ melden zu können.
    Don´t ask, don´t tell – dieser Grundsatz der US-Armee (ich weiß, er bezieht sich auf eine anderes Thema), seint sich auch in vielen Stäben der BW breit gemacht zu haben. Hauptsache, die Teileinheit ist auf dem Papier einsatzbereit.
    Und wenn dann der „Einsatz“ kommt, wird doch etwas ziviles besorgt oder man betet, dass es auch so geht oder der örtliche Telefonanbieter nicht streikt (siehe Afghanistan)….

    Im Prinzip müsste man die komplette BW auf NULL setzen und eine flächendeckende Neubeschaffung von FM-Material ausschreiben.
    …nur das lässt sich weder finanzieren, noch durchsetzen, noch würde es etwas bringen, denn wie heißt es so schön: „echte Pfründe (!) stonn zesamme…“

  • Bow   |   05. November 2016 - 13:33

    @ Grashüpfer:

    BUIJAGA: Bei Uns Ist Ja Alles Ganz Anders!

    Wenn ich mir Ihre – sicher sehr fundierte und richtige – Einlassung ansehe, dann fällt mir immer auf, dass Menschen, die sich IN einem System bewegen sehr schnell Argumente anführen, dass auf ihrem Feld alles „hochkomlex“ und hoch kompliziert“ sei.

    Gute Führung und gutes Projektmanagement – egal wo ! – zeichnet sich IMMER dadurch aus, dass komplexe Probleme zerlegt und weniger komplex gemacht werden, so dass die einzelnen Aufgaben leichter zu identifizieren, vergeben, durchzuführen und zu überprüfen sind.

    Bei allem Respekt: Wenn ein Autohersteller ein völlig neues Auto entwickelt, dann dürften (Entwicklungs-)Kosten und Komplexität – teilweise bis zu 1000 Zuliefer für die Bauteile – nicht deutlich anders sein, als bei der Einführung irgendeines Produktes bei der BW.
    Dennoch schafft das die Autoindustrie in drei- bis fünfjährigen Intervallen – die BW schafft es nicht.

    Vielleicht sollte die BW mal anfangen, eher wirtschaftlich zu denken:
    An einem gewissen Punkt sind die Anforderungen definiert. – PUNKT. Kein Nachgekarte, nachgewünsche und Nachverhandeln mehr.
    Klare Strafen und Verantwortlichkeiten in den Verträgen.
    Stärkeres Nutzen von zivilen Lösungen, als jedes Mal den „Großen Wurf“ und die „Eierlegende Wollmilchsau“ holen zu wollen.

    Das Grundproblem überall – zivil, wie militärisch:

    Wenn man nicht weiß, WAS man will und das auch nicht klar (!) ausformuliert, dann kann man es nicht bekommen.

    Und wenn die Stäbe der BW mittlerweile gut 35-40% der Mannstärke ausmachen (zivile Mitarbeiter nicht mitgerechnet), dann fragt man sich, ob die Strukturen der Verwaltung noch gut sind.

    Und da ist das nächste Problem:
    Verwaltungen neigen dazu, die Dinge , die sie tun verbessern zu wollen – sie fragen sich nur nie, ob das, WAS sie tun sinnvoll ist.

    So blähen sich Verwaltungen auf. Besonders, wenn diese Verwaltungen streng hierarchisch organisiert sind und jeder, Angst hat, dass, wenn auffällt, dass das, was er tut sinnlos ist, er einfach wegfällt oder wegkommandiert wird.

    Bei der gesamten BW ist Kernerarbeit zu leisten, aber dass es bei der BW gaaaaanz anders zugehen MUSS, als im zivilen Projektmanagement, das soll mir niemand sagen!

  • SER   |   05. November 2016 - 13:41

    @ Bow

    Zu 100% bin ich dabei !
    Wenn ich mir nur zB das SEM52 anschaue … bestimmt toll spritzwassergeschützt und getestet auf EMP Verträglichkeit undundund … aber hat bescheidene Reichweite und ist über Gebühr teuer !!!
    Warum dann nicht eine Kenwood Handquetsche die deutlich besser ist und günstiger, und die man einfach nachkauft wenn die in den Matsch fällt ?

    Es soll da so Teufelswerk geben für Smartphones … so komische Boxen in die man das Gerät zum Schutz reinstecken kann …

  • Sommerbiwak   |   05. November 2016 - 13:49

    @klabautermann
    „Don’t feed the troll;-) “

    Kein trolling, schlecht ausgeführtes rhetorisches Stilmittel der Überspitzung um den Zustand zu beschreiben, daß das Funken nicht bedarfsgerecht funktioniert. nicht mehr, nicht weniger.

  • T.Wiegold   |   05. November 2016 - 15:04

    Eine Randbemerkung, die nicht direkt mit der Funkproblematik der Bw zu tun hat, aber anekdotisch ein Schlaglicht darauf wirft, wo überall Probleme liegen:

    Ich will – im Zusammenhang mit dem Kundus-Luftangriff vor zwei Tagen – eine Frage an die Pressestelle von Resolute Support stellen, per E-Mail.

    Meine Mail kommt als unzustellbar zurück: Der Server nato.int hat die IP meines Postausgangsservers als problematisch eingestuft und nimmt von dem keine Mails an.

    Nachfrage bei meinem Internetprovider. Der teilt mir mit: Ja, die IP des Postausgangsservers steht auf der Blacklist einer auf Spamabwehr etc. spezialisierten Firma, Grund unklar. Aber die Webseite dieses Unternehmens ist seit Tagen nicht erreichbar, deshalb kann mein Provider auch mit dieser Firma keinen Kontakt aufnehmen, um ein delisting zu beantragen.

    Und da reden wir nur über ganz normalen (zivilen) E-Mail-Verkehr, bei dem sich die NATO auf die Dienste eines Unternehmens verlässt, das über Tage nicht erreichbar ist. Wir reden noch längst nicht über kritische Kommunikationsverbindungen.

    Das macht vielleicht deutlich, wie komplex – und in Teilen offensichtlich inkompetent betreut – dieses ganze Thema ist.

  • klabautermann   |   05. November 2016 - 15:09

    Herzlichen Glückwunsch @T.W., Du hast es auf die blacklist der NATO geschafft. Das kommt davon, wenn man immer solche kontroversen Theman anspricht /SCNR

  • SER   |   05. November 2016 - 15:12

    @ T.W.

    Das sehe ich ganz genau so ! Alles VoIP und andere Techniken , bei denen ich mich auf andere Betreiber verlassen MUSS , sind eine störbare und kontrollierbare Schwachstelle !

    Ich erinnere an die alten Zeiten mit einem AUTOKO-Netz … In einer ernsthafteren Auseinandersetzung mit einem technisierten Gegner würde der ganze Wahnsinn des outsourcing in den Abgrund führen … aber es ist schick und modisch offenbar, doch in Wahrheit handelt es sich um einen funktionalen Fähigkeitsverlust !

  • T.Wiegold   |   05. November 2016 - 15:22

    @Klabautermann

    Hihi. Das klingt zwar so, aber ich bin ja nicht auf der NATO-Blacklist, sondern auf der – vermutlich gegen Spam genutzten – Blacklist eines kommerziellen Dienstleisters. Hat also weniger mit Inhalten zu tun als mit der Frage, warum die NATO da ein offensichtlich unzuverlässiges Unternehmen nutzt.

  • Klaus-Peter Kaikowsky   |   05. November 2016 - 15:23

    @T.Wiegold
    Und wie sieht es aus, wenn jeder (nicht wirklich jeder) ihrer AG-Lesenden betreffende Mail an RSM versendet, die jeweiligen Provider/ IP sind unterschiedlich?

  • Zimdarsen   |   05. November 2016 - 16:26

    Das bringt mich zu der Frage wie sicher ist die privat genutzte Internetverbindung unserer Soldaten im Ausland (Firma Airbus Defence&Space)?
    Gibt es da Probleme?

  • Fux   |   05. November 2016 - 16:45

    @ T.W. 15:22

    Vermutlich weil es das billigste Angebot war…. /SNCR

  • Koffer   |   05. November 2016 - 16:56

    @SER | 05. November 2016 – 13:41
    „Wenn ich mir nur zB das SEM52 anschaue … bestimmt toll spritzwassergeschützt und getestet auf EMP Verträglichkeit undundund … aber hat bescheidene Reichweite und ist über Gebühr teuer !!!“

    Auch wenn es immer und immer wieder behauptet wird: das SEM52 hat KEINE bescheidene Reichweite. Sowohl die Technik, als auch die Sendeleistung ist vollkommen ausreichend für den Einsatz innerhalb des Gefechtsstreifen eines Zuges (dafür ist es ja da).

    Aufgrund taktischer (!) Forderungen ist die Antenne allerdings etwas kurz. Deswegen kann das Gerät im Normalbetrieb nicht seine volle Kapazität ausspielen. Aber erstens ist das ein gewollter Kompromiss und zweitens kann man bei einem stationären Einsatz in der mit einer Behelfsantenne „Wunder“ bewirken…

    Natürlich ist das SEM52 trotzdem nicht mehr zeitgemäß (u.a. wegen seiner in der Tat hohen Kosten), ein Ersatz ist also dringend geboten, aber NICHT wegen der Reichweite-Problemen!

  • Koffer   |   05. November 2016 - 16:57

    PS dabei beziehe ich natürlich auch das (etwas) bessere SEM52S mit ein, das wenigstens durch den Benutzer legal „programmierbar“ ist…

  • 0815   |   05. November 2016 - 17:13

    @SER | 05. November 2016 – 15:12

    Absolut auch meine Meinung dazu.
    AUTOKO wurde gegen Ende nur noch zugunsten von dem IP Krempel kaputt und Schlechtgeredet anstelle von weiterentwickelt.
    Im Gegensatz zu heute war man mit der Technik „Autark, Verlegefähig und Fähig zu überleben“
    Ziehen Sie doch heute mal nen Stecker am Standort…..pffft….das wars. Keine Telefone, keine Rechner funktionieren mehr. Notstromversorgung wie früher (an den Standortvermittlungen), Fehlanzeige in der weiten Fläche.
    Es ist einfach nur noch peinlich und bitter!

  • SER   |   06. November 2016 - 12:18

    @ Koffer

    Erkennt man nicht selber, beim Lesen der eigenen Zeilen, eine gewisse Engstirnigkeit oder Schönrederei ?
    Wenn ein Funkgerät ausschließlich für den Einsatz auf der Zugebene beschafft worden sein sollte, dann darf man an grundlegend kognitiven Fähigkeiten der Zuständigen zweifeln !

    Weiträumig über mehrere Ebenen und interoperabel einsetzbar ist es was zum Erfolg führt, oder schaffen wir bald SEM52 für den Zug, 53 Kompanie, 54 Btl ….. ???

    Denke die Ironie war deutlich und bitte nicht wieder wie 100% und toll Bundeswehr eine Forderung umgesetzt wurde … allein die Forderung war dann schon nicht durchdacht !

    Siehe auch Kommentar @0815 ! Das weist in die Richtung …

  • Koffer   |   06. November 2016 - 13:34

    @SER | 06. November 2016 – 12:18
    „Erkennt man nicht selber, beim Lesen der eigenen Zeilen, eine gewisse Engstirnigkeit oder Schönrederei ?“

    Nein und nein.

    Sie haben inhaltlich teilweise ja übrigens durchaus Recht (wobei Zugfunk nun einmal Zugfunk bleibt, warum Geld für etwas ausgeben, was keinen Mehrwert bringt?).

    Aber wie gesagt, insgesamt betrachtet haben Sie nicht unrecht, Sie haben nur ein faktisch falsche Begründung angeführt.

  • 0815   |   06. November 2016 - 13:44

    Also zu der SEM 52 S/SL „Wunderwaffendebatte“ kann ich nur noch den Kopf schütteln.
    Behelfsantennen sind und bleiben eben nur ein Behelf!
    Die meisten die am SEM 52 herumfummeln, haben zu 99% keine Ahnung was sie eigentlich machen. Da wird mit irgendwelchem Telefondraht irgendetwas „Pi mal Daumen“ zusammengerödelt in der Hoffnung das es Gewinn bringt. Ob dieses Gebilde dann auch noch tatsächlich auf der richtigen Frequenz „Resonanz“ hat, bekommt eh keiner mit! Also…..Behelf bleibt Behelf…..

    Die Einführung einer längeren und effizienteren Antenne für das SEM 52 oder 70 wurde vor Jahren (von der Truppe iniziiert) schon einmal versucht. Die Ergebnisse sehen wir ja heute….

    Das Titelbild mit dem Bediener der 2 SEM 52 (2 Funkkreise vmtl.) spricht schon wieder Bände… keine Tragetasche (und da befindet sich im Schultergurt/Trageriemen ja bekanntlicherweise das „Gegegengewicht“)! Schlechte Reichweite vorprogrammiert.

  • Koffer   |   06. November 2016 - 15:05

    @0815 | 06. November 2016 – 13:44
    „Die meisten die am SEM 52 herumfummeln, haben zu 99% keine Ahnung was sie eigentlich machen. Da wird mit irgendwelchem Telefondraht irgendetwas „Pi mal Daumen“ zusammengerödelt in der Hoffnung das es Gewinn bringt.“

    Das ist aber kein Argument gegen eine Behelfsantenne, sondern vielmehr für bessere Ausbildung.

    „Die Einführung einer längeren und effizienteren Antenne für das SEM 52 oder 70 wurde vor Jahren (von der Truppe iniziiert) schon einmal versucht. “

    Auch da sehen wir übrigens das Problem mit mangelnder Ausbildung (!) an bestehendem Gerät, welches dann häufig auf mangelnde Technik geschoben wird (so werden, weil die Antennen vermeintlich „stören“ diese ja häufig umgebogen und brechen dann).

    „Das Titelbild mit dem Bediener der 2 SEM 52 (2 Funkkreise vmtl.) spricht schon wieder Bände… keine Tragetasche (und da befindet sich im Schultergurt/Trageriemen ja bekanntlicherweise das „Gegegengewicht“)! “

    Und schon wieder ein Beleg für schlechte Ausbildung, nicht für schlechte Ausrüstung.

    Womit ich aber immer NICHT sagen möchte, dass ich das SEM 52 für zeitgemäß halte. Ich denke im Artikel des Hausherren und vielen Kommentaren wurde belegt, warum es dringend einer neuen Funkgerätgeneration bedarf.

    Ich habe nur eine einzige Sache klarstellen wollen: Die Behauptung das das SEM 52 eine zu geringe Reichweite für seinen Einsatzzweck habe. Denn diese Aussage ist schlichtweg falsch.

  • Georg   |   06. November 2016 - 15:21

    @ all

    Nun macht mal die Debatte nicht am SEM 52 / 52S fest !

    Das Gerät war zu dem Zeitpunkt wo es eingeführt wurde (Ende der 80er Jahre des vergangenen Jahrhunderts) technisch absolut top. Natürlich gab es damals bereits Synthesizergeräte im 25 kHz Kanalraster, die man mittels Zehnertastatur frei progrogrammieren konnte.
    Wäre dies als Truppenfunkgerät auf Zugebenene empfehlenswert gewesen ? Absolut nein ! Der Zugführer muss seinen Infanteristen oder seinen Wachposten befehlen können, Wachsoldaten funken auf Kanal 3, Absperrposten auf Kanal 4 usw. und mit dem jeweiligen stationären Funkgerätemodell als Gegenstelle (SEM25 / 35) und vernünftiger Antenne auf dem Gebäudedach, hat man seine Wachposten usw. auf dem Fliegerhorstgelände erreicht. Es war entweder mit NiCd-Akkus für Dauerbetrieb oder mit Mignonzellen für sporadischen Betrieb ( Übungen, Tag der offenen Tür usw) einsetzbar. Mithin war es mit einer entsprechenden Batterielogistik aus dem Stegreif für eine Vollübung einsetzbar.
    Und die Bedienungseinweisung für einen normalen Mitteleuropäer hat weniger als eine Minute gedauert !

    Also der Infanterist an der vordersten Front braucht ein anderes Funkgerät als de Kompaniegefechtsstand ! Wenn man dies mal akzeptiert ergeben sich die notwendigen Schlussfolgerungen bei der Einführung einer Produktfamilie von neuen Funkgeräten von alleine.

  • Woody   |   06. November 2016 - 15:53

    @Mackiavelli | 05. November 2016 – 9:49

    „Damit kann und will ich mich nicht zufriedengeben!
    Das Ergebnis ist schlecht, die Truppe bekommt nicht das was sie braucht. Dieser Zustand muss geändert und nicht erklärt werden und mein Eindruck ist, dass man sich in den höheren Ebenen schon damit abgefunden hat, dass es alles so chaotisch, langsam, teuer und weltfremd sein muss. Das ist doch eine Bankrotterklärung.“

    1. Das die Truppe nicht bekommt was sie braucht liegt viel zu oft an der Truppe selbst, als auch an den Uniformierten in Kommandos oder BMVg, nicht zuletzt auch am Haushalt. Gegen was ich mich vehement stemme ist dieses „Rüstung ist Schuld“.

    Zu den Prozessen: Nachdem der BHR das x-te mal teilweise sinnlos rumkritisiert, es Fälle gibt in der die Verantwortung auf die Arbeitsebene abgewälzt wird, oder unser Rechtssystem droht, fährt man eben auf Nummer sicher. Das heißt: Ermessensspielraum wird nicht wahrgenommen. Jeder will es ganz genau machen, dann dauert das. Da es ja originär um Prozesse wie z.B. 25 Mio. Vorlage ging: Ja, das dauert halt so lange. Das liegt aber nicht an dem der den ersten Entwurf zusammenschustert, es ist die Mitprüfung.

    „Es gibt kein Gesetz, dass die Bundeswehr dazu zwingt kompliziert zu planen, unüberschaubare Anforderungen zu konzipieren und jahrelange Vergabeverfahren durchzuführen.“

    Direkte Folge von dem Oben. Die Gesetze zwingen einen nicht dazu, das stimmt. In Verbindung mit unserer Kultur und den Gesellschaftlichen Ansprüchen entsteht aber das was wir jetzt haben. Wenn das ganze dann noch auf knappe Ressourcen trifft, noch ein paar politische Wunschvorhaben dazukommen dann blockiert ein System wie die Bedarfsdeckung fast zwangsläufig.

    Und dann sitzen sie auf so einer Veranstaltung, auf der ihnen die Sts erklärt, dass die Abgeordneten das Vertrauen in „UNS“ (also auch mich) verloren hätten und das wir das unbedingt zurückgewinnen mussten … LOL

    „Nirgendwo ist man in der Beschaffung so frei, wie im militärischen Bereich. Wenn man nur wollte, würde man einfach im Ausland nach bereits funktionierenden Lösungen schauen und dann einkaufen gehen. Wenn es dann doch noch irgendein Gesetz gibt, dass uns daran hindert, dann ist es der Job der Ministerin dies zu ändern, anstatt sich um die Stubenausstattung in Hintertupfingen zu kümmern.
    Mit dieser Amtsmentalität „Der Ablauf ist so, da kann man nichts machen“ kommen wir keinen Meter weiter.“

    Wenn man will. Nur das definiert nicht irgendein Referent, Sachbearbeiter oder Referatsleiter in Koblenz. Nehmen wir mal das Thema Handfeuerwaffen. Da wird der Wille oberhalb der Ebene B6 gebildet. Und da geht es im Moment nur um ein blödes Gewehr. Vereinfacht gesprochen.

    Die Mentalität in den Ämtern ist so, weil jedem der abweicht Steine vor die Füße geworfen werden. Manchmal kann man in den Prozessen abkürzen, nur sollte man dann verdammt gut wissen was man macht. Die Chance, dass es dann später irgendwo hängt, weil nicht Prozesskonform ist in der Regel recht noch, erst recht, wenn diese Permanent geändert wurden und durch die Unsicherheit überall erstmal stur auf den Prozess geschaut wird. Ich habe auch schon Teile in der Bw mal unter sanften Druck dazu gebracht in einem Prozess Ausnahmen einzubauen, spart ein ganzes Jahr. Nur geht das eben nicht alleine, da braucht man meistens ein paar Leute die mitziehen.

  • 0815   |   06. November 2016 - 17:15

    @Koffer und Georg

    Ohne es nun hier technisch ausarten zu lassen…..
    Ok, ich stimme ihnen zu das es sich tlw. um Ausbildungsmängel handelt. Aber wer soll es den Jungen erklären, wenn er es selber nicht mehr gelernt hat?
    Des weiteren nochmals zum Thema „Behelf…“
    Zitat:
    „Das ist aber kein Argument gegen eine Behelfsantenne, sondern vielmehr für bessere Ausbildung.“

    Wissen sie über die komplexität von elektromagnetischen Wellen, Stehwellen, Rücklaufender Energie und dem Zusammenspiel von Verkürzungsfaktor in Bezug auf den Bau von Antennen? Im Frequenzbereich um 30-59 Mhz ist das mal ne ordentliche
    Ausbildung, bei derer selbst technisch versierte austeigen. Also nichts für die Nutzer des Gerätes Sende-Empfänger Modell 53 oder 70…. und Zeit hat die Truppe dafür in der Regel nicht mehr.

    Zitat:
    „Auch da sehen wir übrigens das Problem mit mangelnder Ausbildung (!) an bestehendem Gerät, welches dann häufig auf mangelnde Technik geschoben wird (so werden, weil die Antennen vermeintlich „stören“ diese ja häufig umgebogen und brechen dann).
    – Sorry, aber dem kann ich nicht folgen! Es muss ganz klar sein wann welche Antenne eingesetzt werden soll. Also Ausbildung…..da haben Sie recht!

    Was ich aber nicht nachvollziehen kann ist die Tatsache das es Leute gibt die wieder für jedem Zweck, jede Ebene ein eigenes Gerät benötigen.
    Geräte anderer Hersteller und Nationen machen es vor…….aus der Ebene Trupp, Gruppe, Zug, Kompanien die selben Geräte (was auch die Ausbildung vereinfacht) die einfach in ihren Bedienung gesperrt , angepasst werden müssen.
    Zugriffe, Sendeleistungen, und auch andere Dinge lassen sich „Administrieren“.
    Wir leben nicht mehr im 20 Jahrhundert! Die Technik ist bereits im 21.JH angekommen.
    Für einen Fliegerhorst und seiner Wache oder Streifenposten etc. ist es wohl ausreichend. Für einen mobilen Verband in der Landesverteidigung oder Auslandseinsatz brauchen die Soldaten etwas Zweckmäßigeres als nur Kanal 3 oder 4…
    Abschließen muss aber auch dies Ausgebildet werden können, wie vorab bereits von anderen Schreibern angedeutet!
    Und am SEM 52 oder 70 wollen wir es nicht festmachen. Es geht gerade so weiter, egal wo ich heutzutage hineingreife.Schon mal erlebt wie eine Brigade heutzutage Funktechnsich an die Division angebunden wird? Ich nicht…..
    HF wird immer als unzweckmäßig verteufelt….Ja, aber nur wenn ich nicht weis wie ich es einzusetzen habe! VHF-Truppenfunk ist den meisten nicht mehr „sexy“ genug. Und warum? Weil es nur noch eine kleine Minderheit beherrscht eine Befehlsausgabe über Funk durchzuführen.
    Dann brauche ich mich nicht zu wundern wenn bei Übungen im Alpenvorland nichts richtig funktioniert… ;-)

    Damit will ich es auch belassen. Egal was wir hier debattieren, es wird nach oben keine Wirkung zeigen….und wir brauchen für die Kampftruppe keine Funkgeräte die Live-Streams in die OPZ senden können! Sichere Sprachübertragung wäre wichtiger.

  • Koffer   |   06. November 2016 - 18:06

    @0815 | 06. November 2016 – 17:15
    Ich stimme Ihnen in vielen Punkten zu.

    Ich habe aber ja auch niemals behauptet, dass das SEM 52 auf der Höhe der Zeit ist.

    Ganz im Gegenteil! Das SEM 52 ist veraltet und muss als Funkgerät auf Grp/Zg-Ebene ersetzt werden. So wie andere Geräte auf anderen Ebenen auch.

    Nur die angeblich zu geringe Reichweite des SEM 52 ist NICHT das Argument gegen dieses Funkgerät. Denn diese Behauptung ist faktisch unzutreffend.

    Das war der einzige Punkt, den ich gemacht habe…

  • 0815   |   06. November 2016 - 20:18

    @Koffer
    Das sollte auch nicht an Kritik rüberkommen. Falls doch so war es nicht meine Absicht.
    Aber sie haben auch Recht was die Reichweite angeht…..für mehr als Grp/Zug war es nie angedacht!
    Insgesamt denke ich, bringen wir es zusammen auf einen Nenner: „Was neues muss her, und zwar rasch und Vernünftig“…

  • Woody   |   06. November 2016 - 21:10

    @klabautermann | 05. November 2016 – 10:49

    zu 1.

    Mehr oder weniger ja. Die Gesetze sind aber nur ein Teil. Ich bringe mal ein Beispiel. Sie führen ein Btl., einer Ihrer Soldaten belästigt einen anderen sexuell. Damit sowas nicht wieder vorkommt, führen sie einen Lehrgang ein und sensibilisieren. Wenn jetzt sowas doch nochmal vorkommt sind Sie fein raus, sie haben sich dem thema ja angenommen. In einem anderen Btl. wurde gemobbt. Damit das bei Ihnen nicht auch passiert, Lehrgang zum Mobbing. Wieder woanders hat einer Batterien auf dem Truppenübungsplatz in die Heide geschmissen. -> Umweltlehrgang. Nach und nach sichert man sich selbst und auch das Btl. noch über weitere Themen ab. z.B. Gender Mainstreaming, IT-Sicherheit, … irgendwann haben sie dann 365 Lehrgänge im Jahr. Ihnen kann keiner was, sie haben an alles gedacht.

    Wirklich an alles? Ihre Soldaten waren vor einem Jahr das letzte Mal auf der Schießbahn. Der Blockademechanismus im Beschaffungssystem ist ähnlich strukturiert.

    Zu 2.

    Lehrbuchmeinung und Praxis sagen mir: Hoheit über Mittel und Details der Aufträge an die Ebene abgeben die in Echtzeit reagieren und die Lage besser beurteilen kann als ich.

    Hier kommt dann das große „Aber“. Bei großen Rüstungsprojekten ist eine solche Reduktion nicht gewollt. Keiner wird z.B. 5Mrd. in die Hände eine Referates im BAAINBw legen und sagen: „Macht damit was Ihr wollt, Hauptsache es kommt am Ende ein funktionierendes Kommunikationssystem für den taktischen Einsatz raus.“ Aus Projektsicht wäre das wahrscheinlich gut. Aus volkswirtschaftlicher Sicht möglicherweise nicht. Aus Sicht der staatlichen Souveränität möglicherweise auch nicht, …

  • Koffer   |   06. November 2016 - 21:10

    @0815 | 06. November 2016 – 20:18
    +1

  • SER   |   07. November 2016 - 17:22

    Wenn grade im Bällebad die ES&T zitiert wird , und man ab 2017 MoTaKo einführen will, worüber reden wir Stümper eigentlich in diesem Thread ?
    Da müssen wir aber mächtig was verpasst haben in der Umsetzung … /SCNR

    Also mir fehlen wirklich noch bessere „Wahrheitsverdreher“ als das BMVg … die haben schon ein sehr gutes Level erreicht !

  • Grashüpfer   |   07. November 2016 - 20:09

    Unter MoTaKo werden u.a. auch kleinere und auch größere aktuelle Vorhaben „Zusammengefasst“ bzw. gemeinsam betrachtet. Somit ergibt sich dann auch ein Zulauf ab 17. Nun weiß ich nicht was in ESuT aktuell zu MoTaKo steht. Gerne verweise ich aber nochmal auf den 4. Bericht zum Rüstungswesen. MoTaKo ist nicht nur ein Gerät sondern eine vielzahl verschiedener Geräte.

  • Obibiber   |   07. November 2016 - 20:30

    Da steht drin dass eine anfangsbefähigung zwischen 2017-2021 erreicht werden soll…
    Für Puma und Boxer…das ganze wird wohl auf Brigadeebene umgesetzt
    Der Rest soll zwischen 2021-2035 folgen…
    Was ich übrigens für einen sehr langen Zeitraum halte…kann man das nicht bis 2025 abschließen!?

  • Grashüpfer   |   07. November 2016 - 20:30

    @Bow 5.11.16 13:33

    Ich bin weitestgehend bei Ihnen. Klares Anforderungsmanagement: Da muss der Bedarfsträger aber auch noch viel lernen. Und bei Vorhaben mit Einfluss aus dem politischen Raum auch sehr schwierig. Kernerarbeit: Immer ;) Gutes Projektmanagement: Große Herausforderung unter den aktuellen Randbedingungen. Aber wir arbeiten jeden Tag dran. Glauben Sie es mir ;) Außer der Vergleich mit der Autoindustrie hinkt. Ich nenne es mal das Produktportfolie des BAAINBw, das ist sehr viel größer als bei irgendeinem anderen Unternehmen oder auch anderen Behörden, z.B. Bundespolizei.Daher triffts hochkomplex doch ganz gut. Aber Selbstreflexion schadet ja nicht, danke für den Spiegel!
    Gruß
    Grashüpfer

  • Grashüpfer   |   07. November 2016 - 21:07

    @Obibiber

    Da der Investitionsbedarf erheblich ist, wird es auf der Zeitachse gestreckt. Außerdem würde es zeitlich bis 25 auch sehr schwierig, alle Fahrzeuge umzurüsten sowie die Vielzahl an Geräten zu beschaffen. Allein die Planung und Umsetzung der Integration auf ca. 350 unterschiedlichen Plattformen dauert. Ich möchte nicht penetrant sein mit meinem Hinweis, aber im 4.Bericht zum Rüstungswesen stehts drin. Und nur mal btw. Dort steht auch, dass Investitionsvolumen wird mehrere Milliarden betragen und mehrere 10.000 Kommunikationsmittel sollen beschafft werden. Die 5,5 Mrd sind am Ende nicht mehr als eine erste Hausnummer

  • Haushälter   |   13. November 2016 - 12:16

    Gratulation Herr Wiegold!

    Eine Alternativmediensendung „Dauerkremlsendung -451 °- “ verlinkt auf Ihre Seite.
    Bei Min: 4:56 kümmert man sich um Funk-Kommunikation der Bw.
    (Bild- und Textkopie von AG)

    https://deutsch.rt.com/programme/451-programme/43099-451-schnitzler-geht-um7/

    Frage:

    Sind nun zukünftig Links zu RT-Deutsch in Ihrem Blog zugelassen??

    [Oha. Was den Link angeht: So lange es keine deutschen Verlagswebseiten sind, ist die Verlinkung ok. Wenn auch nicht immer lustig ;-) T.W.]