Seenotrettung im Mittelmeer: Deutsche Fregatte nimmt an einem Tag 880 Menschen auf

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An einem Tag haben Kriegsschiffe der EU-Länder mehr als 1.000 Migranten von nicht seetüchtigen Booten vor der Küste Libyens im Mittelmeer gerettet. Allein die deutsche Fregatte Hessen nahm am (heutigen) Freitag 880 Menschen auf, wie die Bundeswehr mitteilte. An Bord des irischen Schiffes Eithne wurden 300 Flüchtlinge genommen; vermutlich bewegen sich die Aufnahmezahlen weiterer Schiffe in ähnlichen Größenordnungen.

Nachtrag 30. Mai: Insgesamt wurden am Freitag mehr als 4.200 Migranten aus Seenot gerettet, wie die italienische Küstenwache mitteilte (hier in der Fassung vom britischen Telegraph):

More than 4,200 migrants and refugees have been rescued in the past 24 hours in the Mediterranean during 22 separate operations carried out by naval vessels and merchant ships.
The operations were coordinated by the Italian Coast Guard from its national rescue centre in Rome and involved 4,243 people being rescued from nine boats and 13 large rubber dinghies.
Seventeen dead bodies were found on one of the dinghies – migrants who had reportedly died of exhaustion, thirst, exposure, or a mixture of all three.

 

Ein Video von der Hessen:


(Direktlink: https://youtu.be/JNqd6FXCGik)

Die Meldung der Bundeswehr in der letzten Fassung vom Freitag:

Am Morgen des 29. Mai wurde die Fregatte Hessen von der Seenotleitstelle (Maritime Rescue Coordination Centre – MRCC) Rom zu mehreren Seenotfällen etwa 30 Seemeilen nordwestlich der Stadt Abu Kammash (Libyen) gerufen.
Nach Absprache mit den italienischen Behörden trafen der deutsche Verbandsführer und der Kommandant der Fregatte Hessen die Entscheidung, zunächst 104 Menschen aus einem voll besetzten Schlauchboot zu retten, darunter 24 Frauen und fünf Kinder.
In unmittelbarer Nähe kam die Hessen danach weiteren 103 Menschen zu Hilfe, die ebenfalls aus einem Schlauchboot aufgenommen wurden, unter ihnen sind eine Frau und zwei Kinder.
Bei dem dritten Seenotfall dieses Tages retteten die deutschen Soldaten am frühen Nachmittag 100 Personen von einem Schlauchboot, darunter neun Frauen und drei Kinder.
Im Anschluss fuhr die Fregatte Hessen zur Position eines vierten gemeldeten Seenotfalls.
Dort nahm die deutschen Soldaten aus einem seeuntüchtigen Schlauchboot 69 Personen, davon 22 Frauen, an Bord der Fregatte Hessen.
Das Schiff nahm dann in Abstimmung mit der Seenotleitstelle Rom Kurs auf weitere Seenotfälle. Aus einem fünften Schlauchboot retteten die deutschen Soldaten 114 in Seenot geratene Menschen, davon neun Frauen und nahmen sie an Bord.
Während der Rettung der Menschen aus dem fünften Schlauchboot näherte sich ein sechstes Boot der Fregatte. Die deutschen Soldaten nahmen die 100 Menschen an Bord, davon 13 Frauen und fünf Kinder.
Die Fregatte Hessen hat am Abend weitere 290 Menschen in einem Holzboot aus Seenot gerettet, davon 40 Frauen und 12 Kinder.
Die seeuntüchtigen Boote wurden zerstört, da sie als Schifffahrtshindernis eingestuft wurden.
Damit befinden sich zum Meldezeitpunkt insgesamt 880 Menschen an Bord der Fregatte Hessen, davon 118 Frauen und 27 Kinder. Die Fregatte nimmt nun Kurs auf einen italienischen Hafen, um die Geretteten dort an die italienischen Behörden zu übergeben.

Zur Orientierung: Der Ort Abu Kammash im Westen Libyens, nahe an der Grenze zu Tunesien:

abukammash

(Aus bekannten Gründen setze ich die Kommentare in diesem Thread auf moderiert.)

(Foto: Das Hubschrauberdeck der Hessen – Bundeswehr/Gottschalk; Karte: OpenStreetMap)