Mehr deutsche Soldaten in den Nordirak: Bundeswehr-Ausbildungszentrum in Erbil geplant

 

Mehr deutsche Soldaten in den Nordirak: Für den Kampf gegen die islamistischen ISIS-Terrormilizen soll die Bundeswehr die Ausbildung vor allem der kurdischen Peshmerga-Kämpfer deutlich ausweiten. In erster Linie sei der Aufbau eines Ausbildungszentrums in der Kurdenhauptstadt Erbil geplant, bei dem Deutschland Ausbildungs- und Führungsverantwortung übernehmen werde, bestätigte eine Sprecherin des Verteidigungsministeriums am (heutigen) Samstag einen entsprechenden dpa-Bericht. Über die Planungen habe Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen am Vortag die Verteidigungs-Obleute der Bundestagsfraktionen unterrichtet.

Das geplante Ausbildungszentrum in Erbil soll die Bundeswehr errichten und betreiben. Zu vorgesehenen Zahlen für deutsche Soldaten in der neuen Einrichtung machte das Ministerium aber noch keine Angaben: Derzeit würden mit internationalen Partnern die Details abgestimmt. Dabei gehe es auch darum, ob die Bundeswehr zusätzlich Soldaten für ein Ausbildungszentrum für die irakische Armee stellen werde, das allerdings im Südirak oder in einem Nachbarland aufgebaut werden könnte. Die Ausbildungshilfe soll die bereits beschlossenen Waffen- und Materiallieferungen an die Kurden ergänzen.

Über die Ausweitung des deutschen Militärengagements im Irak hatten sich nach Angaben des Verteidigungsministeriums Bundeskanzlerin Angela Merkel, Außenminister Frank-Walter Steinmeier und von der Leyen am Rande der Kabinettssitzung am vergangenen Mittwoch verständigt. Dabei sei auch klar gewesen, dass eine deutsche Beteiligung an den Luftangriffen auf ISIS weiterhin nicht zur den Überlegungen gehöre.

(Foto: Ankunft einer Lieferung mit deutscher Militärausrüstung auf dem Flughafen von Erbil am 30. September  – Bundeswehr/Sebastian Wilke via Flickr unter CC-BY-NC-ND-Lizenz mit Freigabe für redaktionelle Verwendung)

 

31 Kommentare zu „Mehr deutsche Soldaten in den Nordirak: Bundeswehr-Ausbildungszentrum in Erbil geplant“

  • Brabax   |   04. Oktober 2014 - 11:05

    Ich würde mir wünschen, dass Teilnahme an neuen Missionen nicht durch Medien oder Aktionismus getrieben wird. Eine solche Herleitung muss den tatsächlichen Erfordernissen vor Ort entsprechen. Sollte abgeleitet sein, langfristig, solide und nicht spontan in der Tagespolitik. Hauptfrage ist es, was nutzt den Menschen dort tatsächlich. Nicht was wirkt nach innen, für die Medien am besten. Was steigert Beliebtheitsraten. Was kann den Ruf verbessern.
    Sicherheitspolitik darf und kann nicht Popularitätspolitik sein.
    Man kann den Eindruck haben, dass, weil die Koalition der Willigen nun täglich wächst und immer mehr Luftstreitkräfte beteiligt sind, dass nun Deutschland irgendwie nachziehen muss. Eine Beteiligung an aktiven Kampfhandlungen wurde ausgeschlossen, nun also Ausbildungsunterstützung.
    Man kann auch den Eindruck haben, dass nun vom Thema Ausrüstung abgelenkt werden soll. Man produziert neue Nachrichten, welche positiv sind für die Bundeswehr.
    Wenn das alles wirklich den Kurden, den Irakern hilft, so geb es Gott. Die Fachleute hier werden es wissen.
    Irgendwie habe ich aber das Gefühl, dass der Pressetermin für die Eröffnung des Ausbildungszentrums in Erbil schon feststeht. Mit kühlem Blick und harten Worten – die Frisur sitzt. So wie in Hammelburg. Da wurden gerade die allerersten Handgriffe gelernt, IdZ Westen ausgehändigt aber der wirksame Pressetermin für die Ministerin, der stand als Erstes.
    Hoffen wir, im Interesse der dort einzusetzenden Soldaten, dass ich unrecht habe und ein guter, solider Plan dahintersteht. Denn immer fängt es klein an, dann noch etwas und noch etwas. Wer stemmt das alles? Soldaten, mitten in der Reform.

  • Viva   |   04. Oktober 2014 - 11:13

    @ Brabax: you made my day! Danke – sie liegen absolut Zielmitte.

  • Thomas Melber   |   04. Oktober 2014 - 11:22

    In der Politik (z.T. auch in der Bw): Tue Gutes und rede darüber.

    Daß man mit den möglichen Missionen in die mediale Offensive geht und versucht, von Problemen an der Heimatfront abzulenken – geschenkt. Sofern man diese Probleme dann auch nachhaltig angeht.

  • Memoria   |   04. Oktober 2014 - 11:30

    Man hat gedacht, man kann international mit den Waffenlieferungen richtig punkten, aber da wurde man innerhalb von 6 Wochen von der Realität überholt.
    Also jetzt doch mehr – aber kein Kampf!

    Aber am 3. Oktober wiedermal ganz anders daher reden von Mut, Verantwortung, …

  • OA72   |   04. Oktober 2014 - 11:30

    @Brabax

    Danke – Kommentare wie der Ihre verdeutlichen mir die Sinnhaftigkeit mich auf „Augengeradeaus“ – werbefrei zu informieren.

    Nochmals Danke und ein Gutes Wochenende!

  • AKamp   |   04. Oktober 2014 - 11:48

    Wir gehen davon aus, das dies, was Herr oder Frau Brabax beschrieben hat, das ist was eigentlich selbstverständlich sein sollte. Ich kenne in meinem Umfeld viele Soldaten, die genauso denken, sich am Auftrag orientieren. Wissen, dass Ihre Arbeit den Frauen und Männern im Einsatz dienen muss. Die sich ungern vor den Karren spannen lassen für PR. Über Hammelburg wird in der Truppe gesprochen. Die Kurden dort haben einen Klasse Ruf. Die Ausbilder dort auch. Der Pressetermin wird als nicht gelungen bewertet. Ein General und Ausbilder wirkten als gestellte Kulisse für die Ministerin. Das sollten wir in Erbil bitte so nicht machen. Da sind wir mal bitte bescheiden im Hintergrund, bilden aus, helfen. Mehr ist nicht notwendig. Wenn einer spricht, dann bitte nicht die BM, sondern betroffene Soldaten oder Kurden.

  • O&A   |   04. Oktober 2014 - 11:56

    Aber bitte – wie in der Ukraine – nur maximal 50 Fallschirmjäger als Sicherung mitgeben …

  • Closius   |   04. Oktober 2014 - 12:00

    @Brabax: Da kann man ihnen nur voll zustimmen, aber leider besteht unsere Sicherheitspolitik nur aus großen Ankündigungen auf Sicherheitskonferenzen und zu Feiertagen, aber Ablehnung von Einsätzen, bis der Druck an der Heimatfront zu groß wird und dies galt auch für Ebola.

    Jetzt hat man ein schlechtes Gewissen, die Ministerin VDL ist im Umfragetief und braucht neue spektakuläre Pressetermine, also soll jetzt doch plötzlich ein Ausbildungszentrum für die Kurden entstehen und damit die Irakis unsere Transall(falls diese überhaupt fliegen) noch einfliegen lassen, soll jetzt auch die Irakische Armee ausgerüstet werden und dies alles nur, weil man keine 6 Tornados stellen will und sich deshalb als Drückeberger in die Ecke gestellt sieht. Deshalb soll das schlechte Gewissen jetzt durch Ausbildungsmissionen übertüncht werden.

    Nur was macht es für einen Sinn, die Kurden im Irak weiter ausbilden zu wollen(oder soll es auch weitere Waffenlieferungen geben), wenn die Stadt Kobane um ihre Existenz kämpft? Müsste man nicht richtiger Weise sagen wir liefern Waffen an die Kurden die Syrischen Kurden um Kobane zu verteidigen und an die PKK, die dort ebenfalls kämpft?

    Denn die Milan ist doch genau das, was den Verteidigern von Kobane gegen die ISIS fehlt, um deren Panzer oder gepanzerte Fahrzeuge zu bekämpfen. Hätte man den Syrischen Kurden rechtzeitig ein paar Milan und ergänzend ein paar Mörser oder Granatwerfer geliefert, bin ich sicher, daß die Kurden den Angriff der ISIS in Kobane längst abgeschlagen hätten.

    Deshalb ist es reiner Aktionismus der an der tatsächlichen Kriegslage völlig vorbei geht.

    Und wenn wir die Irakische Armee ausbilden ist die Frage, warum soll uns dies besser gelingen als den USA? Und welche Einheiten bilden wir aus, Schiiten im Südirak, damit diese gegen die ISIS kämpfen, was aber den Sunnitischen Zulauf zur ISIS wieder erhöhen kann?

    Die Irakische Armee kann als solche nur wieder funktionieren, wenn Sunniten und Schiiten im Irak sich die Macht teilen und versöhnen. Bevor man da die Irakische Armee ausbildet, müsst man sich erst die religöse Zusammensetzung dieser Einheiten bei Offizieren und Mannschaften anschauen.

    Und das Risiko für die Ausbilder halte ich wegen der Möglichkeit von Anschlägen für sehr hoch und auch eine Ausbildung im Nachbarländern(dann lachen die Verbündeten wieder über die ängstlichen Deutschen) garantiert keinen Schutz vor einem Amokläufer!

  • Thomas Melber   |   04. Oktober 2014 - 12:17

    Ausbildungsmission – wahrscheinlich, weil unsere Kräfte von den Peschmerga noch etwas lernen können …^^

    Im Ernst: jenseits aller medialer Wirkung ist doch die Frage, ob der Einsatz sinnvoll ist, unter der Maßgabe „common effort“ und Koordination mit den Peschmerga und den Verbündeten; und wie die Rahmenbedingungen letztlich sind (Dauer, Kräfteansatz, ROE …).

    @Closius
    Kobane liegt in Syrien, und dort wollen wir uns ja nicht engagieren. Wenn Kobane fällt, dann fällt es eben, der Kampf geht aber danach dennoch weiter. Zudem sind die Türken deutlich näher am Geschehen.

  • Boots on the Ground   |   04. Oktober 2014 - 12:20

    Closius | 04. Oktober 2014 – 12:00

    Denn die Milan ist doch genau das, was den Verteidigern von Kobane gegen die ISIS fehlt, um deren Panzer oder gepanzerte Fahrzeuge zu bekämpfen. Hätte man den Syrischen Kurden rechtzeitig ein paar Milan und ergänzend ein paar Mörser oder Granatwerfer geliefert, bin ich sicher, daß die Kurden den Angriff der ISIS in Kobane längst abgeschlagen hätten.

    Ich muss die im Panzerbreitkeil angreifenden ISIS-Panzerhorden, mit aufgesessenen Panzergrenadieren voraus, dahinter unmittelbar folgend Panzerpioniere und von massivem Artilleriefeuer unterstützt, wohl in den Nachrichten übersehen haben!?

    Es handelt sich eher um vereinzelte Kampfpanzer, Mörser und Artilleriegeschütze, die punktuell zur Unterstützung der angreifenden Infanterie eingesetzt werden. Zu sehen u.a. hier:

    http://www.longwarjournal.org/threat-matrix/archives/2014/10/islamic_state_advances_near_ko.php

    http://www.longwarjournal.org/threat-matrix/archives/2014/10/chechen_unit_from_islamic_stat.php

  • Viva   |   04. Oktober 2014 - 12:20

    @ Closius: Zustimmung.

    Überhaupt, wurde irgendwo schonmal das „Ordnungsziel“ für die Region benannt? Was will man strategisch erreichen? Gab es dazu bereits eine politische Aussage? Ich hatte bisher noch nichts gehört/gelesen.

  • Boots on the Ground   |   04. Oktober 2014 - 12:22

    Ich bitte um Einfügen der korrekten „blockquote“-Funktionen in meinem obigen Beitrag, um das Zitat von Closius erkennbar zu machen.

    [Done. Das nächste Mal einfach das Häkchen richtig rum setzen… T.W.]

  • Viva   |   04. Oktober 2014 - 12:23

    @ BotG:
    Ja, aber die gepanzerten Fahrzeuge der ISIS, selbst vereinzelt, stellen scheinbar ein großes Problem f.d. Peschis dar.

  • califax   |   04. Oktober 2014 - 12:26

    @Viva:

    Niemand hat eine Strategie. Obamas Regeirungssprecher hat das auch vor ein paar Monaten zugegeben. Nachdem die Rep das im Wahlkampf ausgeschlachtet haben, hat er jetzt eine. Er verrät sie aber nicht. Offenbar auch niemandem in eigenem Militär oder in der Allianz, sonst gäbe es längst Leaks. Oder es war eien Notlüge. Aber sowas… nein, das würde er doch nie…

    Deutschlands Strategie besteht seit jeher darin, zur Besonnenheit zu mahnen, Gewalt zu verurteilen und politische Lösungen zu fordern. Und damit erschöpft sie sich in diesem Fall auch schon. Zuviele Akteure, zuviel Naivität in der Vergangenheit, keine wirksamen Mittel zur Hand, …
    Bißchen kompliziert, das ganze.

  • Memoria   |   04. Oktober 2014 - 12:26

    Gegenüber BILD hat das BMVg mit Blick auf die 2 Verbindungsoffiziere bei CENTCOM festgestellt, dass diese nicht an der Planung der Luftangriffe beteiligt sind.

    Oje. Diese andauernde Distanzierung von Gewalt ist nur noch peinlich..

  • Rado   |   04. Oktober 2014 - 12:55

    Was spricht eigentlich dagegen, wenn die Bundeswehr kurdische Kämpfer aus München oder Köln gleich mitnimmt? [Sarkasmus]
    Es gibt nämlich nicht nur Dschihadisten aus Deutschland in dieser Gegend!
    http://www.memritv.org/clip/en/4522.htm

  • ThoDan   |   04. Oktober 2014 - 13:04

    Amerikaner anscheinend auch

    Ex-US Army soldier joins ‚private army‘ to fight against ISIS: One of three Americans fighting with Kurds in Syria identified

    DailyMail

    Die Neuauflage der Internationalen Brigaden?

  • Closius   |   04. Oktober 2014 - 13:29

    @Memoria: Da kann ich nur voll zustimmen. Wir tuen die deutschen Verbindungssoldaten leid, die sich peinlicherweise an nichts beteiligen dürfen, und Frage mich, warum sollen noch mehr Verbindungsoffiziere geschickt werden, wenn die sich doch an nichts beteiligen können?

    Wir schicken Waffen um ISIS-Kämpfer zu töten, aber an der Planung von Luftangriffen sollen sich deutsche Soldaten nicht beteiligen dürfen, dies ergibt überhaupt keinen Sinn. Jedenfalls nicht für den Irak.

    Und jetzt wollen wir noch mehr ausbilden, aber töten sollen bitte die anderen. Einfach nur peinlich.

    Wir sind angeblich eine Bündnisarmee, aber immer wenn es ernst wird, dann heißt es ohne die Deutschen.

    Und die Linke wird sowieso ein Bundestagsmandat fordern für die Ausbilder und die Große Koalition hat eine große Mehrheit im BT, so daß diesen einen Bundestagsbeschluß nicht zu fürchten hat.

    Die Ganze Hammelburgaktion war für die Katz, man hätte gleich die Kurden im Irak ausbilden können, aber dann wäre ein Pressetermin weggefallen. Unsere Ministerin war nur für eine Stunde vor Ort im Hammelburg!!! Die Ministerin sollte sich auch mal Zeit für die Truppe nehmen statt nur PR zu machen.

  • P. Rombach   |   04. Oktober 2014 - 14:27

    Pardon aber es ist auch etwas schwierig es allen recht zu machen.
    Deutschland hatte beim Thema Waffenlieferung gezögert, sich dann aber über Nacht trotzdem dafür entschlossen. Zur Lieferung selbst ist zu sagen, dass dies ordentlich erscheint, auch im internationalen Vergleich (zumindest was ich gefunden habe). Dann wurden Rufe lauter nach Luftschlägen, auch hier beteiligen sich immer mehr Länder. Ich hatte beim Waffenlieferungsthread schon angemerkt, dass eine „arbeitsteilige“ Operation wohl schon beschlossen wurde. Deutschland hält sich bei den Luftangriffen raus. Aussagen der Regierung „wir sind nicht gefragt worden“ sind leider etwas ärmlich an dieser Stelle gewesen. Wenn man damals den Plan einer Ausbildungsmission gehabt hätte dies deutlich besser klingen können, aber nun gut. Aber nur einseitig mit Luftschlägen zu antworten ist ebenso kurzsichtig und nicht gerade zielführend. Kriegsentscheidend wird doch nicht sein, möglichst viele Luftangriffe geflogen zu haben, sondern auch neben diesen Angriffen auch ortskundiges und vorallem motiviertes Personal aus den Kurdengebieten zu stärken ihre Gebiete halten zu können. Dann muss auch die reguläre Armee gestärkt werden (eine sehr große Aufagbe), damit das Machtvakuum am Boden nicht allzu lange anhält. Gebiete ohne staatliche Kontrolle ist der Nährboden für die nächste Krise. Deswegen kann und wird Ausbildung einer von vielen Möglichkeiten sein diese Krise zu bewältigen. Wenn das Deutschlands Rolle sein sollte, dann ist es doch völlig in Ordnung. Was geschieht wenn alle miltärischen Ziele aus der Luft zertsört sind oder keine mehr gefunden werden? Genau dann liegt es an der regulären irak. Armee und den Kurden die Lage wieder in die Hand zu nehmen.
    Luftschläge als Krisenintervention, Waffenlieferung für eine effiziente Verteidigung der Gebiete, dann Ausbildung Ausbildung Ausbildung. Auf politischer Ebene muss jetzt schon die Zeit nach IS besprochen werden. Machtteilung im Irak, und gleichzeitig auch die Frage klären, was das nächste Ziel der Kurden ist. Sie werden nach dem Kampf berechtigte Ansprüche haben, hier sollten wir schon eine Antwort haben. Bei aller berechtigter Kritik hier, nicht jedes Land kann und soll die Luftangriffe mittragen, wenn wir dafür einen nachhaltigen/ durchdachten Weg in der Ausbildung mitgehen, können wir einen guten Betrag leisten. Die Bewertung erfolgt stets durch die nächste Generation.

  • LTC007   |   04. Oktober 2014 - 17:05

    warum themen wie das ausbildungslager dieses wochenende „ans licht“ kommen, ist hier schon angedeutet worden und sonnenklar. die 50 leute, die dieses wochenende im bmvg hocken, trinken ja nicht nur kaffee. es geht darum, die schlagzeilen und elenden talkshows ab morgen abend thematisch so zu verbreitern, dass keine zu detaillierte diskussion eines einzelnen themas stattfinden kann und möglichst wenig bei uvdl hängen bleibt. mit verantwortung in der welt hat das nix zu tun, nur mit interesse an umfragewerten.

  • huey   |   04. Oktober 2014 - 18:29

    Die „Waffenlieferungen“ sind genauso sinnlos wie die Ausbildung in Hammelburg..

    Der Irak HAT genügend moderne Waffen und Fahrzeuge-diese hat man (im Sinne von „Irakische Armee“) in die Hände von ISIS fallen lassen, als man die Waffen gar nicht schnell genug fallen lassen konnte, um möglichst schnell wegzurennen…

    Die irakische Armee ist nach wie vor gut ausgerüstet-nur den Kurden gibt man diese Waffen nicht in die Hände…

    Die kurdische Regierung verfügt zudem über ausreichend finanzielle Mittel, um z.B. mehr als 20 hochmoderne Hubschrauber in Erbil zu halten…

    Aber all das hätte der Geheimdienst bzw. das AA der Ministerin bestimmt gerne mitgeteilt…wenn sie denn darum gebeten hätte…..

  • Patrick Horstmann   |   04. Oktober 2014 - 18:43

    Tja, ich hoffe, die Verteidigungsministerin liest die Kommentare hier nicht. Neben der Vielzahl von Problemen, die sie ohnehin am Hals hat (die meisten haben – das ist wohl unstreitig – ihre Wurzeln lange vor ihrer Amtszeit) kann sie jedenfalls hier keine durchgehenden Handlungsempfehlungen finden. Was sie auch machen würde, sie könnte es keinem Recht machen.
    Ich glaube Eingkeit besteht darin, dass ISIS nur durch geeignete militärische Gegenmaßnahmen bekämpft werden kann. Über politische Optionen muss man angesichts des Vorgehens von ISIS zur Zeit nicht sprechen. Aber was ist militärisch zu tun?

    Waffen an die Kurden liefern? – Die können ja in die falschen Hände gelangen! Zudem wieder so eine typisch deutsche Haltung, sich von substantiellen Beiträgen die mit direkter Gewalt zu tun haben fernzuhalten!

    Nun gut, dann eigene Bodentruppen schicken? – Will keiner der Verbündeten, wäre ja auch gegen eine übergrosse Mehrheit in der deutschen Bevölkerung gar nicht durchsetzbar! Und zudem: diese ständigen Interventionsabenteuer! Landes- und Bündnisverteidigung: das sind die Aufgaben der Bundeswehr!

    Nun dann wenigstens Kurden ausbilden, hier in Deutschland oder im Norirak? – Ist ja nur Selbst-PR der Ministerin und typisch deutsche Drückebergerei! Und zudem: Die Anschlagsgefahr bleibt!

    Nun, dann die irakische Armee ausbilden? – Halt, da muss aber erst das Verhältnis zwischen den Schiiten und Sunniten politisch geklärt werden! Und: Das haben die USA ja auch schon versucht und ist schiefgegangen!

    Dann wenigstens sich an Luftschlägen beteiligen? – Ha! Bei dem Material?! Kann die Bundeswehr ja gar nicht leisten. Die Ministerin soll sich erst mal DARUM kümmern. Und zudem: Luftschläge in Syrien sind völkerrechtlich ja sowas von bedenklich!

    Ich bin froh, dass sich die Bundeswehr bei der Ausbildung der Peschmerga engagiert. Mit oder ohne Ministerin im Bild. Jedes Mittel gegen ISIS ist mir Recht, wenn die Bundeswehr es leisten kann, es militärisch sinnvoll und politisch umsetzbar ist. ISIS wartet nämlich mit dem Abschlachten von Menschen nicht, bis die letzen Bedenken ausgräumt sind.

  • constantino   |   04. Oktober 2014 - 18:57

    @Patrick Horstmann
    Liest sich wie eine Veröffentlichung des Presse/InfoStabes oder Auszug aus Bundespressekonferenz. „Es ist mir wichtig“, das fehlt noch.
    Hier wurde mehrfach gesagt, z.B. bei brabax, wenn ein guter solider Plan dahintersteht, dann passt es schon. Wenn. Das weiß keiner hier. Aber hoffen alle.
    Sie sagen doch selbst, „wenn es militärisch sinnvoll und politisch umsetzbar ist.“ Also kein Aktionismus, kein Ablenken von negativen Schlagzeilen.
    Nicht mehr und nicht weniger. Am Ende der Fahnenstange steht nie die Ministerin, die ist mir ziemlich egal, mit ihrer Popularitätsskala, sondern immer der Hauptgefreite, der Feldwebel, der Oberstleutnant, der „kleine Mann“, der alles am Laufen hält. Der keine Schlagzeilen in der BILD braucht, sondern Betreuung und Fürsorge, im Sinne der Gründungsväter der Bundeswehr. Da dachte keiner an Schlagzeilen für Minister.

  • Patrick Horstmann   |   04. Oktober 2014 - 20:07

    @constantino | 04. Oktober 2014 – 18:57

    Danke! Jetzt überlege ich mir ernsthaft, ob ich mich mal beim BMVg bewerbe!

    Sie – und andere – haben ja Recht, wenn Sie die Kriterien Leistungsfähigkeit, militärische Notwendigkeit und (für mich in praktischer Politik unabdingbar) politsche Durchsetzbarkeit einfordern.
    Aber ich bin mir sicher, dass der Verteidigungsministerin die Herzen der deutschen Bevölkerung NICHT zufliegen werden, wenn sie sich für deutsche Soldaten auch im Nordirak einsetzt. Die Bevölkerung ist zwar entsetzt über ISIS, will aber keine deutschen Boots on the Ground, noch nicht mal in der Etappe.
    Nach meiner Einschätzung hat von der Leyen noch nicht einmal die Mehrheit der Kommentatoren hier in diesem Fach-Blog auf ihrer Seite: Als die Bundesregierung wenige Soldaten als Verbindungselement nach Erbil entsandte, war das in den Augen einiger hier eine typisch deutsche peinliche Drückebergerei, jetzt ist die „Landesverteidigungsfraktion“ auf den Barrikaden, andere befürchten ein Missioncreeping.
    Es wird sich ja zeigen, ob die Popularitätswerte der Verteidigungsministerin durch die geplanten Massnahmen steigen. Ich habe da meine Zweifel.

  • axel_f   |   04. Oktober 2014 - 20:49

    Übersichtskarte woher kommen die IS Kämpfer.

    Useful map showing who and from where is coming to join #ISIL pic.twitter.com/fpIrzYiZPZ— James Denselow (@jamesdenselow) 2. Oktober 2014

  • ONA   |   05. Oktober 2014 - 0:49

    @axel_f
    Auf der Übersichtskarte fehlt zumindest eine Gruppe – die Tschetschenen bzw. die Kämpfer aus dem Kauskasus. Oder noch mehr: Im UNSR war von 80 Herkunftsländern die Rede

  • Andreas Moser   |   05. Oktober 2014 - 9:14

    Und trotz Russland-Sanktionen mieten wir für den Transport Flugzeuge aus Russland (siehe Foto).

  • Rado   |   05. Oktober 2014 - 10:53

    axel_f | 04. Oktober 2014 – 20:49
    Die Übersichtskarte erscheint mir unvollständig.
    Aus Österreich werden derzeit 130 Dschihadisten zugegeben und in Frankreich war die letzte Zahl über 900. Vermisse auch den Balkan.

  • markus d.Ä.   |   05. Oktober 2014 - 11:21

    @ Moser

    Flugzeuge aus Russland ? mhh also auf der Unterseite des Fronttores lese ich recht deutlich die Kiewer Adresse von Antonow (btw seit wann ist antonow russisch anyway??)

  • Interessierter   |   06. Oktober 2014 - 14:25

    @ markus d.Ä.

    Naja, ganz Unrecht hat @Andreas Moser nicht. Durch das SALIS-Konstrukt hängt Volga-Dnepr als Eiegntümer mit drin…und die sind zumindest eine russische Firma.

    Deswegen würde ich weniger auf die produktionsmäßige Herkunft der Vögel abstellen.

    Das wäre in etwa so, wenn die Bw mit ner LH-Cargo Maschine des Typs Boing fliegt und deswegen von „amerikanischen Flugzeugen“ gesprochen werden würde.

  • Spiess   |   07. Oktober 2014 - 1:35

    Liebe Kommentatoren und Kameraden!
    Ich bin heute ,auf Empfehlung eines meiner Kameraden, das erste mal auf eurer Seite und habe eine Vielzahl von Meinungen gelesen.Richtig ist, dass viele Ansagen negativer Art sind, die Kommentare zeigen mir allerdings, dass nur ein Teil von euch tatsächlich Erfahrungen mit der Armee gesammelt hat.
    Ich versuche es mal zu ordnen, beginnend vom Kopf, denn da fängt der Fisch an zu stinken:
    – unsere Bundeswehr hatte früher den Auftrag, sich auf und für die Landesverteidigung vorzubereiten- demgemäß wurden erkleckliche Rüstungsaufträge erteilt.
    – allgemein zugängliche Informationen bezeugen den Wert der damaligen ´Schmierereien`.
    – nach der `WENDE` hatte die Bundeswehr keinen potentiellen Gegner mehr (angeblich!), also konnten alle Aufwendungen heruntergefahren werden.
    – In diesem Zusammenhang werden bis heute einsatzfähige Kampffahrzeuge abgewrackt und verschrottet, auch Soldaten, also Menschen, werden systematisch ´abgewrackt´ .
    – Neue Fahrzeuge gibt es mitunter schon, haben wir aber ein kleines Problem: ein Fahrer für fünf Fahrzeuge, wie kriegt mer das wieder hin?
    – Macht nix, eine Besatzung haben wir ja auch nicht- und die Fahrzeuge leihen wir von den Nachbarn.
    – Waffen: paar Tage her, knall´mer mal, die 10 Flinten für 150 Schützen- wer braucht denn heute noch seine eigene Waffe?
    – Einsatz, Durchhalten, Schießen- Töten!- steht nicht in meinem Vertrag- außer in bestimmten Einheiten oder Vorfällen.
    – Das gesamte Selbstverständnis der Truppe geht doch langsam vor die Hunde, da läuft aber die Weltgeschichte an dem einen oder anderen vorbei.

    Spiess