Brieffreunde und Meuterer

Die aktuellen Meldungen über geöffnete Briefe aus Afghanistan und über merkwürdige Vorfälle bis hin zum Vorwurf der Meuterei auf dem Segelschulschiff Gorch Fock haben auf den ersten Blick nur eines gemeinsam: Sie wurden beide durch Hellmut Königshaus, den Wehrbeauftragten des Bundestages bekannt. Der schlug beim Verteidigungsminster und beim Verteidigungsausschuss des Parlaments Alarm.

Aber beide haben einen deutlich größeren gemeinsamen Nenner.

Auch wenn bei den Bemühungen des Ministeriums, aufzuklären wer denn nun die Briefe vom OP North geöffnet hat und ob System dahinter steckt, der straf- und disziplinarrechtliche Aspekt im Vordergrund stehen dürfte: Dieser Vorfall geht weit darüber hinaus. Es geht für die Truppe nicht in erster Linie um die Frage, ob da jemand gegen einen Paragraphen im Strafgesetzbuch oder gegen eine Dienstvorschrift verstoßen hat. Im Ausbildungs- und Schutzbataillon, welch verniedlichendes Wort, sind Kampftruppen, die über Wochen in einem Außenposten irgendwo am Hindukusch stecken, immer der Gefahr von Feuerüberfällen und Sprengfallen ausgesetzt. Ihr Privatleben, so sie nicht einen Großteil davon beim check-in in Köln-Wahn abgegeben haben, besteht aus der Musik auf ihrem iPod und den Briefen, die sie nach Hause schreiben und von zu Hause bekommen.

Wer diese Briefe geöffnet hat, hat ihnen von dem bisschen Privatheit fast den letzten Rest genommen.

Auch die Vorfälle auf der Gorch Fock nach dem Tod der Offiziersanwärterin Sarah Lena Seele im Oktober sind nicht nur eine Frage von Disziplinarrecht und Vorschriften. Nach ihrem tödlichen Sturz wollten einige ihrer Crewkameraden nicht mehr in die Wanten aufentern – die Schiffsführung erfuhr das von zwei dienstälteren Offiziersanwärtern, die sich um ihre Kameraden kümmern sollten. Vier Offiziersanwärter mussten sich daraufhin anhören, sie arbeiteten nicht mit der Schiffsführung zusammen – deshalb sollten sie, so berichtet der Wehrbeauftragte, wegen Meuterei und Aufhetzen der Offiziersanwärter-Crew … von der Ausbildung abgelöst und zurück nach Deutschland geflogen werden.

Ob es wirklich Meuterei war, sei dahin gestellt – denn was danach passierte, ist aus meiner Sicht der eigentliche Skandal: Mit der Entscheidung der Marineführung, die gesamte Ausbildung auf der Gorch Fock vorerst auszusetzen, seien die vier Betroffenen von der Schiffsführung aufgefordert wirden, die ihnen eröffneten Ablösungsanträge zu vernichten, berichtet der Wehrbeauftragte. Also alles schön vertuschen?

Ich war nie Soldat und lasse mich deshalb gerne korrigieren, aber bei der Beobachtung der Truppe über zwei Jahrzehnte habe ich eines gelernt: Es ist ein Mythos, dass eine Armee allein auf Befehl und Gehorsam aufgebaut ist. Mindestens genau so wichtig ist Vertrauen – Vertrauen in den Kameraden, der einen in einer brenzligen Situation nicht im Stich lässt. Und Vertrauen auf die Vorgesetzten, die ihre Leute nicht in Extremsituationen hetzen und dann hängen lassen.

Dieses Vertrauen droht verloren zu gehen. Und das hat für die Bundeswehr weit schlimmere Konsequenzen als ein Verstoß gegen eine ZDv oder einen Paragraphen.

Das Segelschulschiff Gorch Fock unter Sturmsegeln – erstmals umrundete das Ausbildungsschiff Kap Hoorn. Der Sturm vor der Spitze Südamerikas dürfte leichter auszuhalten sein als der Sturm, der jetzt in der Heimat droht. (Foto: Yvonne Knoll/PIZ Marine)

Nachtrag: Da die sexuelle Belästigung auf der Gorch Fock in etlichen Meldungen großen Raum einnimmt, will ich gerne ergänzen, was der Wehrbeauftragte dazu mitgeteilt hat:

Ein Obergefreiter (Offizieranwärter) trug vor, von drei Soldaten der Stammbesatzung belästigt worden zu sein.

Während eines Hafenaufenthaltes sei er duschen gegangen. Dort sei er von drei Soldaten der Stammbesatzung angesprochen worden. Es sei „auf dem Schiff ähnlich wie im Knast, jeder Neue müsse seinen Arsch hinhalten“. Sie hätten daraufhin eine Flasche Shampoo auf den Boden geworfen und ihn aufgefordert, sich danach zu bücken. Er habe Angst bekommen und die Dusche schnellstmöglich verlassen.

Den Vorfall habe er seiner Vertrauensperson gemeldet, die die Meldung an die Vorgesetzten weitergetragen habe. Seine Aussage sei aufgenommen worden und der Kommandant habe die Besatzung an der Pier antreten lassen sowie eine Belehrung ausgesprochen.

85 Kommentare zu „Brieffreunde und Meuterer“

  • Patrick   |   20. Januar 2011 - 9:05

    Vertrauen ist ein gutes Stichwort. Anstand auch. Das fängt schon dabei an, dass man es seitens der Bundeswehr anscheinend nichtmal für nötig hält einer Soldatin, welche auf diese Weise den Tod fand das letzte Geleit zu geben… Schöne neue Bundeswehr…

  • Sascha Stoltenow   |   20. Januar 2011 - 10:01

    Äußerten sich nur diejenigen über den EK, die ihn bestanden haben (und könnten nur die Offizier werden, die ihn mindestens durchgestanden haben) erreichten wir zweierlei:
    – weniger Diskussion
    – eine schnelle Reduzierung des Offizierkorps

    Ersteres finde ich nicht erstrebenswert, zweiteres hielte ich für eine plausible und zielführende Personalmaßnahme.

  • Morg   |   20. Januar 2011 - 10:12

    Sascha Stoltenow:
    Falls sich das auf meine Äußerung bezieht:

    Sich darüber äußern ist sicherlich eine zu enge Einschränkung – aber ich spreche den Meisten, die eine entsprechende Erfahrung nicht selbst gemacht haben, einfach die Fähigkeit ab, gewisse Aspekte dieser Erfahrung zu kennen oder angemessen berücksichtigen zu können.
    Wer souverän genug ist dies anzuerkennen, wird auch im Weiteren (wie wohl bei kaum einer Diskussion) Probleme haben.

  • Orontes   |   20. Januar 2011 - 10:17

    @Bürger
    „Die Mehrzahl der Diskussionsbeiträge – für den Außenstehenden: Vom “Bürger in Uniform” keine Spur. Harmloseste Interpretation: Komissköppe, 19. Jahrhundert! “

    Zufällig hat im 19. Jahrhundert zum letzten Mal eine deutsche Armee einen Krieg gewonnen. So schlecht können die Streitkräfte damals also nicht gewesen sein. Die Klischees über die damaligen „Komissköppe“ (darunter waren auch Intellektuelle wie Clausewitz oder Persönlichkeiten wie Scharnhorst und Gneisenau) sind im Übrigen erst später entstanden und haben ihre Quelle häufig in Darstellungen der Entente im Ersten Weltkrieg. Das Feindbild des stumpfen, primitiven, kulturlosen deutschen „Komisskopp“, „Hunnen“, oder „Kraut“ wurde damals dem Idealbild zivilisierten, demokratie- und menschenrechteverbreitenden Briten, Franzosen oder Amerikaner gegenübergestellt. Diese Klischees waren immerhin so erfolgreich, dass sie bis heute nachwirken.

    „‘Kein Job wie jeder andere.’ Statt Intellekt Betonung von Gefühl(swerten). – Geschlossene…. Männergesellschaft. “

    Z.T. durchaus richtig beobachtet. Dahinter stehen Erfahrungen, die man innerhalb unserer Landesgrenzen zum Glück nicht machen muss, weshalb sie mancher in der Heimat nicht nachvollziehen kann. Einen AStA in Göttingen kann man vielleicht anders organisieren als einen Infanteriezug in Kunduz.

    „Bezeichnend, dass vom Vorwurf der sexuellen Belästigung überhaupt nicht gesprochen wird.“

    So, wie der Vorwurf in den Medien wiedergegeben wird, fällt er eher negativ auf den zurück, der den Vorwurf vorbrachte. Da sollte man m.E. besser abwarten, bis weitere Informationen vorliegen. Belästigungsvorwürfe sind in der Gender-gemainstreamten Bundeswehr übrigens ein nicht selten gewähltes Mittel der Austragung von persönlichen Konflikten, was auch durch Studien der Bw bestätigt wurde.

  • Bendler-Blog » Blog Archive » Kulturkampf statt Kulturwandel   |   20. Januar 2011 - 10:31

    […] Von Unbekannten vermutlich geöffnete Feldpostbriefe aus Afghanistan – Der Unfalltod einer Offizieranwärterin der Marine auf dem Segelschulschiff Gorch Fock – Der Tod […]

  • Sascha Stoltenow   |   20. Januar 2011 - 10:33

    @Morg: Das war nur eine Gegenrede zur Diskussion, mit Blick auf die Personalauswahl der Offiziere begrüßte ich eine strengere Selektion.

  • StFwdR   |   20. Januar 2011 - 10:34

    @Patrick

    Die Art des Begräbnisses wählt die Familie.

    Wünscht die Familie keine militärische Beerdigung, findet diese auch nicht statt, umgekehrt durchaus schon.

  • Steiner   |   20. Januar 2011 - 11:01

    @ Bürger

    Der Bürger in Uniform unterscheidet sich im Angesicht des Todes weder vom alten Sokrates, noch vom Kommisskopp des neunzehnten Jahrhunderts. Den modernen Menschen (homo sapiens sapiens) gibt es seit hundertausenden von Jahren. Seine politischen Überzeugungen, sein Bild von der Welt und von sich selbst mag sich geändert haben, seine Instinkte nicht (Kästner: „…im Grunde sind’s dieselben alten Affen“). Wer das negiert, weil es nicht zum Glauben an den „Fortschritt“ paßt, muß sich im Zweifels(=Kriegs)fall auf Überraschungen gefasst machen.
    Nicht weil er sich vor dem Sterben fürchtet (das braucht keiner zu lernen), sondern weil er kein Verhältnis zu seinem eigenen Handeln finden wird: TÖTEN gehört nämlich immer noch zur „Prozeßbeschreibung“ des „Soldatseins“. Übrigens auch und gerade zum Leidwesen der Betroffenen! Wie schön war es doch, im „Kalten Krieg“ Soldat zu sein, wo sich -wer das wollte- mit der Illusion leben ließ, das Kriegshandwerk nur zu Übungszwecken zu erlernen..
    Eben die Angst vor dem Töten ist es doch, die uns Bürger von heute beim Gedanken an den Beruf des Soldaten zurückschrecken läßt. Der Bürger tötet nicht mehr. Er fällt keinen Baum, um seinen Kamin zu befüllen. Er reißt keine Kartoffelpflanze (= Lebewesen!) aus, um sein Mittagessen zuzubereiten. Und schon gar nicht käme es ihm in den Sinn, eigenhändig ein Tier zu töten, um Fleisch auf dem Teller zu haben.

    Folglich ist es nicht so sehr die Angst vor dem Sterben, als die vor dem Töten, die den Bürgersoldaten im Gefecht dazu verführt, blind zu feuern oder überhaupt nicht zu schiessen. Das war übrigens schon im 19. Jahrhundert nicht anders. Seit der Erfindung der Feuerwaffen -als der Kampf immer weniger Nahkampf wurde- kann der Soldat im Zweifelsfall sein Gewissen damit „beruhigen“, vielleicht vorbeigeschossen zu haben…
    In den aktuellen Einsätzen unserer „Staatsbürger in Uniform“ tritt aber das Problem erneut in aller Schärfe auf: die Schüsse werden wieder auf sehr geringe Distanz abgefeuert . Mein menschliches Gegenüber wird also wieder als ebensolches wahrnehmbar. Brutalste Gewalt fast von Angesicht zu Angesicht. Für junge Menschen aus einer Bürgergesellschaft, in der lautes Reden schon als „gewalttätig“ wahrgenommen wird, eine Erfahrung, auf die sie Elternhaus und Schule niemals vorbereiten konnten (und wollten). Woher sonst kommt das Ausmaß der psychischen Belastungen auch bei jenen, die unversehrt bleiben?

    Und jetzt die Frage: welcher andere Beruf bringt einen Bürger (ich rede lieber von Menschen, da kommt die Kontinuität besser zum Ausdruck) in solche (Gewissens-)Nöte? Reicht da der Intellekt, um (Schuld-)Gefühle „wegzuargumentieren“? Oder hilft eine „geschlossene Gemeinschaft“ von Kameraden (=MITmenschen), die Gleiches durchlebt und durchlitten haben vielleicht doch weiter? Wohin mit den Gefühlen, wenn mir im Gespräch nur das höfliche Desinteresse des Durchschnittsbürgers bleibt, der sich allenfalls auf intellektueller Ebene mit „der Problematik (des Tötens und Sterbens)“ zu befassen bereit ist, selbst aber noch nie Blut vergossen hat?
    Wir Soldaten können es uns schlicht und einfach nicht leisten, in Situationen von solch‘ hoher Verantwortlichkeit auf die Erfahrungen jener zu verzichten, die all‘ das schon lange vor uns durchlebt und durchlitten haben und deren „lesson learned “ schlicht lautete: nur gegenseitiges Vertrauen stabilisiert Menschen gegen die einstürmende Angst und ihre posttraumatischen Folgen.
    Eine Erkenntnis, die übrigens längst nicht nur durch Lebenserfahrung, sondern auch durch wissenschaftlich Studien bestätigt ist.

    Wer ein Problem damit hat, daß diejenigen, die von ihrer Regierung (welcher Couleur auch immer) per demokratischem Mandat in solche Lagen gebracht werden, sich Gedanken über diese (fremdartigen?) Dinge machen, braucht sich seinen Kopf nicht mit zu zerbrechen. Es betrifft ihn ja nicht (solange das Töten und Sterben am anderen Ende der Welt stattfindet und wir eine Berufsarmee haben).

    Ach so: sexuelle Belästigung . Darf nicht vorkommen, kommt aber vor. Selbst beim Bischof. Ließe sich evtl. vermeiden, wenn wir Heteromänner beim Kommiß wieder unter uns blieben. :-)

  • Voodoo   |   20. Januar 2011 - 11:46

    @ Soenke Marahrens

    Da mir „der Schuh passt“, nehme ich einfach mal einen Teil ihrer Kritik auf:

    Erstens – ich habe bereits eine Universität von Innen gesehene (und sehe sie jetzt wieder), daher habe ich mir erlaubt, meine Argumentation so zu gestalten.
    Zweitens – ich bin Offizier, daher kann ich ganz gut einschätzen, welche Ideen in meinen Augen Sinn machen und welche nicht.
    Drittens – hat ein Studium in der Bw rein gar nichts mit dem später ausgeübten Beruf zu tun. Charakterbildung mag zutreffen, aber mit Sicherheit nicht in allen Sparten, die man als Truppenoffizier braucht. Und schon gar nicht in der von ihnen so treffend formulierten Schlammzone…

    Bildung ist der Schlüssel zu Allem im Leben, da braucht es keine Entscheidung für den Offiziersstand, um zu dieser Erkenntnis zu gelangen. Ein Studium an einer Bw-Uni entkoppelt jedoch den angehenden Offizier so weit von der Truppe, das die wenigstens noch etwas Vernünftiges damit anfangen können, wenn sie zurückkommen. Das Studium jetzt also an den Anfang der Karriere zu setzen, war eine gar nicht mal so verkehrte Entscheidung. Aber welches Fachwissen erwerbe ich denn als z.B. Kampftruppenoffizier an einer Uni, das ich später anwenden kann?

    Pädagogische Ansätze aus diesem Studium? Schwer nachvollziehbar, wenn ich mir meine Soldaten anschaue…
    Kenntnisse in Geschichtswissenschaften? Schon eher, wenn auch unter Einschränkungen.
    Maschinenbau / Ingenieurswissenschaften? Evtl. bei den Kampfunterstützern.
    Sozialwissenschaften? Eher nicht.

    Sie tun so, als ob ein unstudierter Offizier strötendoof wäre, weil er ihrer Argumentation nach Büchern abgeschworen hat… Oder nicht zutreffend zitieren kann… Ein bisschen arrogant, ist dieser Offizier doch 3-5 Jahre länger in der Truppe, in denen er sich „am Soldaten“ bewähren muss, oder? Und wie bereits treffend erwähnt wurde – die Universitäten der Bw wurden hauptsächlich zur Attraktivitätssteigerung gegründet und unterscheiden sich in nichts von einer zivilen Universität. Soviel zum Fachwissen.

    Des Weiteren ist Disziplin in meinen Augen keine Tugend, sondern eine Grundvoraussetzung, ich habe sie daher nicht aufgeführt. Meine „Grundtugenden“ erheben auch keinen Anspruch auf Vollständigkeit sondern sind nur eine subjektive Aufzählung der Dinge, die ich nach nunmehr 12 Jahren als dringend geboten erachte. Wenn sie sie für sich erweitern möchten, kann ich das nur begrüßen.

    Und es gebührt sich, glaube ich, nicht, einen Marine zu zitieren, wenn man die Hintergründe der Offizierausbildung in den USA verschweigt. ROTC, West Point oder andere Akademien sind ein ganz anderes Kaliber, als Hamburg, München oder Dresden – ich würde mir nicht anmassen und mich auf eine Stufe mit denen zu stellen, wenn es um Bildung und „Berufsvorbereitung“ geht. Wer in West Point betrügt, fliegt – und zwar ganz. Wer in Hamburg oder München Versicherungen verkauft, kriegt eine Disziplinarstrafe und bleibt trotzdem dabei oder klagt sich später wieder ein.

    Um das klarzustellen – ich will das Studium in der Bw nicht schlechtreden oder schmälern. Aber ich finde es absolut arrogant und anmassend, unstudierte Offiziere als ungebildete Proleten abzustempeln. Und ich bin der Meinung, das ein Studium, mit den heutigen Fächern und der heutigen Gliederung, nicht wirklich auf die künftigen Anforderungen in der Truppe vorbereitet. Es ist schon bezeichnend, dass das Fach „Militärgeschichte“ als Studiengang nur in Potsdam angeboten wird und nicht an einer Bundeswehruniversität….

    Nachtrag zur hierarchisch-homoerotischen Männerwelt: Bisschen schwierig, mit den ganzen Frauen dazwischen… Und was soll man zum Vorwurf der sexuellen Belästigung auch großartig schreiben? Scheint ein gesellschaftliches Problem zu sein, wenn ich mir die katholische Kirche so anschaue. Ein „schwebendes Verfahren“ der Staatsanwaltschaft / ermittelnden Instanzen nicht weiter zu kommentieren, werten sie als Inkarnation von „Komissköppen“? Dann ist das für mich zukünftig eine Anerkennung, wenn ich so tituliert werde – danke.

  • Patrick   |   20. Januar 2011 - 12:55

    @StFwdR:

    Das ist mir durchaus bewusst. Ich muss dazu sagen, dass ich die Familie kenne und auch Sarah kannte – In einer Kleinstadt durchaus normal… Nun wurde aber eben kein militärisches Begräbnis gewünscht, wohl aber die Teilnahme der Bundeswehr und Ihrer Kameraden – Ich für meinen Teil konnte nicht eine einzige Uniform sehen… Und das ist der Punkt. Die Kameraden, welche mit Ihr an Bord waren hielten es offenbar nicht für notwendig. Der Offizier von Morgen…

  • Belzer   |   20. Januar 2011 - 12:56

    Grundsätzlich ist die Frage zu stellen, ob die Ausbildung auf der Gorch Fock noch zeitgemäß ist. Die Amerikanische Navy hat meines Wissens zwar Museums-Segelschiffe, aber keine Schul-Segelschiffe. Ich denke ein heutiger Pilot wird auch nicht zuerst an einem Heißluftballon ausgebildet, um einen ersten Eindruck von Luftfahrt zu gewinnen.

    Der andere Punkt, und im Zusammenhang mit dem Todesfall der entscheidendere, ist, warum kein Sicherheitssystem existiert, dass einen Absturz aus großer Höhe abfängt. Ein Sicherungssystem an einer Leine mit 2 Karabinern sollte solche Stürze eigentlich ausschließen. Zumal bekannt ist, dass zur Zeit der Segelschiffe Stürze von der Takelage eine der häufigsten Todesursache waren.

  • StFwdR   |   20. Januar 2011 - 13:04

    @Patrik

    Ok, dann wird Ihr Einwand verständlich, wobei die Frage ist ob nicht Kameraden dann in Zivil an der Zeremonie teilgenommen haben.

    Sollte keiner der Kameraden teilgenommen haben halte ich das für absolut indiskutabel, sofern die Kameraden aus dienstl. Gründen überhaupt gelegenheit dazu gehabt haben.
    War der Rest der Besatzung zu diesem Zeitpunkt überhaupt schon wieder in Deutschland ?

    @Marineoffiziere

    Als Panzermuckel kenne ich die Details der Ausbildung auf der GF nicht, stoße immer wieder in den Berichten auf die Betonung das der Dienst auf den Masten „freiwillig“ wäre, kann aber nirgends eine Beschreibung finden die dies bestätigt.
    Vielleicht kann hier ein Seelord mal für Aufklärung sorgen.

  • StFwdR   |   20. Januar 2011 - 13:32

    @Belzer

    Weil unsere US-Freunde das nicht mehr machen können wir es also auch lassen ?

    Und zum zweiten hat es ein Kamerad hier bereits beschrieben, wie er es live erleben durfte sind diese Unfälle immer auf persönliches Fehlverhalten zurückzuführen gewesen.
    Das soll jetzt nicht die Vorgesetzten entschuldigen, die haben immer noch die Pflicht zur Dienstaufsicht und Ausbildung, aber offensichtlich ist hier was schief gelaufen was eigentlich nicht hätte passieren dürfen. Das wie und warum ist aufzuklären und Mängel, sofern vorhanden abzustellen.

    @Bürger & Soenke Marahrens

    Wenn Ihnen diese Ausführungen im Blog hier so vorkommen dann dürfen Sie mich ruhig Kommisskopp nennen.

    Zu den Offizieren möchte ich anmerken, das es schlicht egal ist ob ein guter Offizier im geforderten Sinne studiert hat oder nicht. In seiner Verwendung als Soldat benötigt er weder Wirtschafts- Sozialpädagogik noch Jurastudium.

    Nett wenn er einen großen Bildungshintergrund hat, aber notwendig ? Ich denke eher nicht.

    Die Ausbildung zum Offizier beinhaltet das Studium als attraktivitätssteigernde Maßnahme.
    Für Verwendungen in bestimmten Funktionen der Logistik kann dieses von Vorteil sein, aber ein Offizier in einer Kampftruppe, der sich mit seinen Soldaten in die „Schlammzone“ begibt muß diese Kenntnisse nicht unbedingt haben.

    Dort zählen die hier aufgeführten Primär- und Sekundärtugenden, die sind es die ihn am Ende des Tages mit seinen Männern die Mahlzeit einnehmen lassen.

  • chickenhawk   |   20. Januar 2011 - 14:15

    Zu dem Unfall der jungen Obermaatin im letzten Jahr muss man sich die Informationen zusammenkratzen. Zwei Details sind bemerkenswert:

    Die Frankfurter Rundschau berichtete gestern, dass die junge Frau nur 1,59 m groß war und damit nicht über die für die Arbeit in der Takelage erforderliche Mindestgröße verfügte.

    In einem Interview mit der Welt (Artikel vom 09.12.2010) wird der Kommandant des Schiffes, Kapitän z. S. Norbert Schatz, wie folgt zitiert:

    „Warum die 25-Jährige bei Kletterübungen aus der Takelage 29 Meter tief aufs Deck stürzte, ist dem Kommandanten bis heute unklar. „Wir wissen es einfach nicht. Sie hat mit beiden Händen losgelassen und ist rückwärts in die Tiefe gefallen“, erinnert sich der aus Bayern stammende Seebär. „Vielleicht hatte sie einfach keine Kraft mehr“, rätselt er.

    Hätte es den Verantwortlichen nicht in den Sinn kommen können, dass eine zierliche Frau evtl. nicht über die körperlichen Voraussetzungen verfügt, um 20 m oder mehr in einer Takelage herumzuklettern?

  • Seestratege   |   20. Januar 2011 - 14:19

    Gorch Fock:
    Natürlich hat jeder in der Takelage arbeitende Soldat ein Sicherungsgurtsystem mit Haken. Nur muss eben bei Bewegung, Auf- und Abentern diese für mitunter kurze Momente gelöst werden.

    @StFwdR
    „Freiwilligkeit“ ist relativ. Zu meiner Zeit konnte natürlich ein Soldat/in sagen, er möchte nicht „aufentern“, also in die Takelage. Überwiegend akzeptiert wurde dies damals übrigens ohne weiteres bei den Damen. Allerdings waren bei Dauerverweigerung entsprechende Kommentare im BU-Beitrag dann die zu tragende Konsequenz. Das Übwerwinden der eigenen Hemmschwelle bzw. die Erfahrung der eigenen Grenzen gehörte für mich zu den wertvollen Überbleibseln dieser Zeit.

    Anderseits gab es auch die Fürsorge der Vorgesetzten, welche sehr wohl einzuschätzen wussten, wen sie bei Sturmfahrt noch in die Takelage schicken konnten. Und wer schlichtweg nicht aufentern kann – was man in der Vorausbildung sehr schnell feststellt – bleibt eben unten. Dort gab und gibt es während der Segelfahrt noch genug Arbeit…

  • StFwdR   |   20. Januar 2011 - 14:33

    @Seestratege

    Danke für die Aufklärung.

    Wenn ich das richtig verstehe, dann ist der „Dienst in der Takelage“ nicht zwingend vorgeschrieben führt aber zu BU ( Beurteilungsbeitrag ?) mit entsprechenden Konsequenzen.

    Andererseits ist das Fordern von Leistung Bestandteil der Ausbildung und tgl. Arbeit des Ausbilders. Ihren Schilderungen zufolge sind, zumindest soweit Sie das erlebt haben, die Ausbilder verantwortungsvoll mit Ihrer Aufgabe umgegangen.

    @T.W
    Gibt es in dem ganzen Meldungswirrwar verifizierbare Angaben über den Vorfall ?

    Wenn ich die Presse- und Fernsehlandschaft so betrachte macht jeder aus einer anderen Kleinigkeit einen „Skandal“.

  • Sebastian S.   |   20. Januar 2011 - 14:40

    Diese „Freiwilligkeit“ des aufenterns, die immer wieder betont wird, ist doch Fadenscheinig. Wer lehnt denn eine Aufgabenstellung ab, wenn das mit der Anwärterschaft auf irgend was verbunden ist?

  • Thomsen   |   20. Januar 2011 - 14:54

    „…Wenn ich die Presse- und Fernsehlandschaft so betrachte macht jeder aus einer anderen Kleinigkeit einen “Skandal”….“

    Das ist eine Nagelprobe für den Minister, sonst nix. Es KÖNNTE sich ja weiter etwas daraus entwickeln, deswegen geiert man da hinterher. Mich wundert nur, daß noch nichts aus Oppositionskreisen zu hören ist. Vielleicht weil die Hintergründe zu den momentanen Top-Ten-Platzierungen in den Schlagzeilen intern bekannt sind und erst jetzt nach draußen gedrungen sind? Oder weil – wie möglicherweise bei der Feldpost – bislang noch keiner solche Vorfälle gemeldet hat, was ich mir aus eigener Erfahrung nicht vorstellen kann (vgl. Sicherheitsbelehrung vor jedem Einsatz, Meldung an MAD etc.).

    In meinen Augen liegt das Hauptproblem momentan bei den Medien. „Meuterei“ in der Schlagzeile (klingt schön reißerisch) und inhaltlich geht´s um Vorwürfe an die Vorgesetzten.

  • StFwdR   |   20. Januar 2011 - 14:58

    Und wie sieht das im zivilen Leben aus ?

    -> freiwillige Überstunden
    -> freiwillige Weiterbildung ausserhalb der Arbeitszeit

    Es ist nun mal so das wenn man weiterkommen will oder bestimmte Ziele erreichen wil, man dafür etwas tun muß. ;-)

  • StFwdR   |   20. Januar 2011 - 15:01

    @Thomsen

    Richtig, das wird die Nageprobel für KTzG.

    Wobei ich schon schmunzeln muß, wenn die Bild aus den Äusserungen des Kapitäns eine herabsetzung der OA machen will.
    Der Vergleich mit den Computerkiddys und dem Kirschbaumklettern ist doch mehr als zutreffend.

  • Thomsen   |   20. Januar 2011 - 15:19

    Ich kann mir das schon vorstellen: einerseits ist auf dem Schiff jemand gestorben und verständlicherweise die Stimmung und Laune dort wo die Sonne nicht hinscheint, andererseits muss der Grundbetrieb aufrechterhalten werden. Schwierige Situation für einen verantwortlichen Vorgesetzten, was aber nicht heißt zu allem was an Anträgen von unten kommt „Ja“ und „Amen“ zu sagen.

    Ich kann mir auch gut vorstellen, daß der Vorwurf der sexuellen Belästigung mal icherheitshalber mit in die Eingabe aufgenommen wurde, quasi wenn alles andere nicht zieht dann das. Kennen wir ja alles zu genüge. Und dann fragt man sich vielleicht tatsächlich noch nach Gründen, weswegen so jemand nicht zum Offizier geeignet ist?

    Naja, warten wir es mal ab. Leider wird der Kamerad dadurch auch nicht wieder lebendig, das ist schlimm genug. Ich kann mich nur des Eindruckes nicht erwehren, daß hier diese der Eingabe zu Grunde liegenden Sachverhalte scheinbar zu schlimmeren Erfahrungen geführt haben als der Tod eines Kameraden selber, so wie diese hochstilisiert werden.

  • ebook leser   |   20. Januar 2011 - 18:54

    Schau an, so langsam kommt ja die ganze Geschichte um den tödlichen Unfall einer Kadettin ans Tageslicht. Es soll sogar eine Meuterei gegeben haben. Und jetzt steht sogar noch der Vorwurf der sexuellen Belästigung im Raum. Es scheint ja was dran zu sein, denn die Gorch Fock soll ihren Kurs geändert haben und zu ihrem letzten Anlegeplatz in Argentinien zurückgekehrt sein. Die Frage die sich mir stellt ist, was haben wir denn für eine Ausbildung bei der Bundeswehr, wenn das alles stimmen sollte. Nichts dagegen, dass die jungen Leute in Masten klettern sollen, schließlich werden sie ja nicht zu Zuckerbäckern ausgebildet.

  • Niklas   |   20. Januar 2011 - 19:48

    Kurz noch zum Offizierswesen: Ne große Ladung Ethik und philosophischer Fähigkeit wäre auch noch was wünschenswertes, was man nirgends lernt. Außerdem muss der Offizier ein cleveres Schlitzohr sein ;)

    OT

    Lasst uns noch ein paar Tage Geduld haben bis es harte Fakten gibt.
    Dann fällt die Faktenordnung und Gewichtung auch einfacher…

  • Bundeswehr: Kulturkampf statt Kulturwandel | Außen- und Sicherheitspolitik   |   20. Januar 2011 - 20:02

    […] Von Unbekannten vermutlich geöffnete Feldpostbriefe aus Afghanistan […]

  • MFG   |   20. Januar 2011 - 21:24

    zur Gorch Fock allgemein:
    Wenn man mal ganz ehrlich ist, ist der Kahn in einer modernen Marine ein Anachronismus, der eigentlich vom Auswärtigen Amt finanziert werden müsste. „Teambuilding“ könnte man hervorragend mit später nutzbarer nautischer Ausbildung verbinden, wenn die OAs mit etwas Ausbilder-Aufsicht auf Booten (so 20-30m Länge, vielleicht auch demilitarisierte Minensucher) dieselbe Zeit verbringen würden und alles selbst machen müssten. Von der Heizerei über die Funkerei bis zur Brückenwache. Billiger wäre es vermutlich auch.
    Aber das wäre zuviel Innovation für eine Marine, in der es immer noch um das Halten von Flaggenstöcken geht.

  • SVM   |   20. Januar 2011 - 22:04

    @Belzer und StFwdR: Die USN hat, warum auch immer, nie viel wert auf eine Segelausbildung gelegt, die auf der GoFo im übrigen ja nicht nur für OA durchgeführt wird. Es gibt, bzw. gab auch Lehrgänge für das seemännische Personal (Verwendungsreihe -11-), ob noch aktuell kann ich leider nicht sagen. Zu Zeiten meine Maatenlehrgangs waren auch immer wieder die Fachlehrgänge zum UO dieser Verwendungsreihe (nicht alle) dort zum Lehrgang. Alle die diesen Lehrgang haben/hatten und die ich kenne sehen ihn durchweg positiv.
    Dazu noch eine Anmerkung zu unseren Kameraden auf der anderen Seite des Teiches: Die USN hat zwar kein Segelschulschiff, aber die Coast Guard, die mit wesentlich kleineren Einheiten auch und grade in extremen Wettersituationen einegsetzt ist, bildet auf der USCG „EAGLE“, aus. Ein Schwesterschiff der GoFo,
    allerdings der ersten. Ich finde das schon bezeichnend!
    @MFG dann müßte das AA noch ganz andere Fahrten zahlen! „Schiff fährt für Botschaftsempfang“ habe ich mehr als einmal erlebt und auch den ein oder anderen auch gerne verzichtet. Nach drei Wochen in See (und dann auch noch im Rahmen „OEF“) hat man als Besatzungsangehöriger eigentlich etwas besseres vor, als Schnittchen zu reichen…..

    Was die Sicherheitsgurte in der Takelage angeht: grundsätzlich sollen die zwei Haken „überschlagend“ verwendet werde (gilt auch auf anderen Einheiten im Mast),
    bzw. am Arbeitsort beide angeschlagen sein. Es gibt aber Momente wo das bauartbedingt (des Mastes, bzw. der Takelage) schlicht nicht geht. Z.B. bei Umsteigen auf eine Mars (die Plattformen am Mast) oder auf eine Rah (die Querstangen für die Segel), gilt auch für die Arbeit auf einer Rah.
    Und die Körpergrösse der Frau OMt/OA spielt keine Rolle, ich kenne auch Offiziere die 1,60 nicht überschreiten.
    Abschliessend eine Anmerkung zum Studium: wenn das der späteren Verwendung enstprechen würde (siehe die VM, da war sie uns voraus), würde es sicher mehr bringen. Ich bin Logistiker und meine Vorgesetzten waren Politologen, Pädagogen und sogar Luft- und Raumfahrttechniker, dafür hatten wir dann studierte Betriebwirte am Radar in der OPZ und ab und an mal sogar in der Schiffstechnik.

  • SVM   |   20. Januar 2011 - 22:07

    Ich bitte auf die Tippfehler im vorigen Beitrag nicht zu achten. Hatte zu schnell gesendet, ohne zu prüfen.

  • Memoria   |   20. Januar 2011 - 23:01

    Neben allen Gedanken um Aufentern, Sinn von Segelschiffen, Notwendigkeiten militärischer Ausbildung etc. finde ich im Kern immer am Bedenklichsten hieran: Auszubildende bestimmen über den Inhalt Ihrer Ausbildung. Man mag über das Aufentern denken wie man will, aber dass Lehrgangsteilnehmer drohen das Schiff zu verlassen stellt doch alles auf den Kopf. Wer von einem Lehrgang abgelöst werden will wird abgelöst, aber er/ sie beendet doch nicht den Lehrgang! Wenn es zukünftig eine „kritische Masse“ (im qualitativen und quantitativen Sinne) in einem Lehrgang gibt, dann droht diese – mit Verweis auf die GF – mit „Meuterei“??? Und als letztes Argument führt man Vorwürfe a la Duschspruch als sexuelle Nötigung ins Feld. Die gaaaaanz besorgt-kritische Einordnung dieses „Vorfalls“ durch Presse und Politik sind ja ein weiterer beeindruckender Höhepunkt von Realitätsferne.

    Es wird höchste Zeit, dass man die Dinge wieder vom Kopf auf die Füße stellt. Denn Innere Führung heißt nicht militärische Ausbildung in „erlebnisorientierten“ Neigungsgruppen.

  • J.R.   |   20. Januar 2011 - 23:25

    Weil er vermutlich morgen wieder von der Titelseite verschwunden ist: Auf Welt Online erschien ein kurzer Erlebnisbericht zur Ausbildung auf der Gorch Fock.

  • T.Wiegold   |   20. Januar 2011 - 23:37

    @J.R.
    Haben wir fast gleichzeitig die Idee gehabt ;-)

  • StFwdR   |   21. Januar 2011 - 6:44

    …Die Stammbesatzung, viele in Rängen unter mir, verhielt sich überwiegend respektlos.

    Dieser Satz von einem angehenden Offizier reicht in meinen Augen schon um den Kameraden wieder nach Hause zu schicken. Genau das ist es was die Vorurteile gegen viele dieser Statusgruppe begründet.

    Respekt und Achtung seiner Soldaten oder der Soldaten bekommt man nicht geschenkt oder durch die Abzeichen auf Schulter / Ärmel, sondern muß man sich verdienen.

  • Niklas   |   21. Januar 2011 - 16:53

    @ StFwdR

    Achtung, mein Beitrag unter Vorbehalt, da das zitierte rein subjektiv ist:
    Wer tatsächlich grundlegenden Respekt und Achtung seinem Kameraden gegenüber (ganz egal ob Schütze oder Admiral) vermissen lässt, ist schlichtweg ein Idiot. Das gebieten schon irgendwo die einfachsten Manieren. Die Situation ist ja, wie zitiert, so zu verstehen, dass Vertreter der unteren Laufbahnen einem angehenden Offizier nochmal „richtig einen mitgeben“ wollten. Ich hab kein Problem mit ausdrücklichen Aufträgen usw., wie gesagt das zitierte ist subjektiv, aber es hört sich nach Klassendenken an, welches eigentlich zu vermeiden ist.

    Und wieder stellt sich die Frage: Wie will ich denn gute Offiziere formen, wenn ich denen vorlebe, wie man andere Menschen scheiße und asozial behandelt?
    Das Geschilderte hat mit militärischem Gehorsam und Leistungsfähigkeit null zu tun.

  • StFwdR   |   21. Januar 2011 - 17:08

    Na ja keiner ist halt unnütz, er kann immer noch als schlechte Beispiel dienen ;-)

    Fakt ist das wir sehr wenig genaues über die Vorgänge an Bord wissen und sich jetzt der eine oeder andere mit „Beiträgen“ zu Wort meldet.

    Und dieses Klassendenken ist so alt wie die Armee.

    Es wird dies auch immer geben, denn eines ist am Ende des Tages gewiss, aufgrund der verschiedenen Ausbildungsgänge ist ein Offizier in einer Einheit in der Regel auf „Durchlauf“, die Konstanten sind der Spieß und die Unteroffiziere.

    So lange dies mit gegenseitigen Respekt und Achtung, sowie kameradschaftlichen Miteinander abläuft ist das auch kein Problem.

    Was hier beklagt wird sind Härten der Ausbildung die dem einzelnen subjektiv als Schikane oder Überkommen vorkommen mögen.
    Nix desto Trotz weiß jeder der bei der Marine Offizier werden will was auf ihn zukommt.

    Und auch gruppendynamische Prozesse gehören zur Ausbildung, auch das eine Erfahrung welche die angehenden Offiziere lernen sollten.

  • Niklas   |   21. Januar 2011 - 17:15

    Eben. Wie es tatsächlich im einzelnen war, kann man nicht sagen.

  • Julia Münkemüller   |   24. Januar 2011 - 20:55

    Machen wir uns nichts vor, die ungeliebtesten Grundausbildungsjahrgänge waren immer die der Abiturienten. Alles mußte begründet werden und fast immer folgte, zumindest anfangs die Frage „warum?“. Selbst einer der größten Querulanten in der AGA gewesen, durfte ich während meiner Ausbilderzeit feststellen, dass man durch dies Verhalten nicht wirklich Anerkennung gewinnt. Und zur Persönlichkeitsbildung trägt „einfach mal Augen zu und durch“ und „einfach mal schlucken“ auch bei. Und menschenunwürdig war und ist in der Bundeswehr nichts. Viele Vorwürfe basieren einfach auf mangelnder Belastbarkeit der Soldaten.